Mittwoch, 29. April 2015

Rezension zu "Mit uns der Wind" von Bettina Belitz



Verlag: script5 (März 2015)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 400 S.
ISBN: 978-3839001608
17,95 € [D]

Genre: (Liebes)roman

© Cover- und Zitatrechte: script5 Verlag


Das Thema
Die 18-jährige Mona hat Narkolepsie, das heißt, sie schläft mehrmals am Tag ohne Vorwarnung ein. Dann hat sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper. Bisher hat Mona zwar keine ernsthaften Verletzungen davongetragen, doch sie fühlt sich von ihrem kompletten Umfeld ausgegrenzt und von ihren Eltern und dem Bruder bevormundet. Ihre große Leidenschaft sind die Videos von Adrian, einem Youtube-Star, der sich von seinem Kite in die Luft tragen lässt und darüber ausführlich berichtet. Obwohl sie ihn nicht persönlich kennt, fühlt sich Mona mit ihm auf seltsame Art und Weise verbunden, sieht sein Abbild während ihrer Anfälle im Traum. Als sie aus Videos erfährt, dass Adrian das Festival Rock am Ring besucht, überredet sie ihren Bruder auch dorthin zu fahren.

Die Rezension

Der Anfang: "Pass auf dich auf. Bitte."

Bettina Belitz legt eine unglaubliche Leidenschaft ihn ihre Bücher. Ihre Themen sind brandaktuell und angesagt. Dabei sind sie so gut recherchiert, dass sie nicht künstlich oder gewollt wirken. Außerdem setzt sich die Autorin intensiv mit allen ihren Charakteren auseinander, das spürt man ab der ersten Seite. Ob die Thematik der Narkolepsie, Rock am Ring oder das Kiten, alles wirkt wie aus einem Guss und absolut plausibel. Das, und eine gute Portion nicht Erklärbares, fesselt an die Seiten.

"Er ist mir vertraut", sage ich leise. "Es ist wie eine tiefe Ahnung, die ich fühle, wenn ich seine Videos anschaue und von ihm träume. Und ich möchte diese Ahnung überprüfen." - Mona, S. 98

Mona hat sich verliebt - in einen Jungen, ihren Drachenreiter, den sie nur aus Youtube-Videos kennt. Dieser Umstand ruft beim erwachsenen Leser schon mal nachsichtiges Kopfschütteln hervor, erscheint dieses Gefühl doch sehr naiv und unreif. Doch Mona ist sich dessen genau bewusst. Sie weiß, dass sie sich in etwas verrennt und sich eventuell falsche Hoffnungen macht. Wie soll sie Adrian auf einem Rockfestival unter 80.000 Menschen finden? Er kennt sie nicht, und es ist nicht sicher, dass er sie mögen würden, wenn sie sich kennenlernen. Denn im Hintergrund schlummert wortwörtlich Monas Krankheit, die Narkolepsie. Diese kann jederzeit und immer völlig unverhofft zuschlagen. Trotzdem will Mona sich bei Rock am Ring ein Stückchen Freiheit erkämpfen, aus der Besorgnisumklammerung ihrer Eltern und ihres Bruders ausbrechen. Und sie glaubt an ihre Träume und Visionen.

Bei "Mit uns der Wind" hat sich die Autorin für einen Ich-Erzählstil im Präsens entschieden. Das Buch ist, im Vergleich zu anderen Werken für junge Erwachsene, etwas einfacher und kantenloser zu lesen. In jedem Kapitel gehört ein Part Mona und ein zweiter Adrian. Für einen Einzelband ist es erstaunlich positiv, wie schnell dem Leser die Charaktere vertraut sind. Schon ganz am Anfang kann man sich ein ziemlich exaktes Bild machen, das sich bis zum Ende hin verfestigt. Mona und Adrian, ebenso die Nebencharaktere, sind nicht glatt gezeichnet, sie haben Ecken und viele Eigenarten - sehr auffällig ist das bei Mona. Es gibt Situation, in denen man sie mag und mit ihr fühlt, aber auch Dinge, die sie überdramatisiert und die Unverständnis hervorrufen. Wieder einmal sind die Charaktere im Buch sehr lebensnah.

Wenn alles im Leben seinen Sinn hat, seine Bestimmung, und jeder Mensch seinen eigenen Weg - wie finde ich dann meinen? Wohin führt er mich? - Adrian, S. 315

Neben dem sehr realen Schauplatz, den Gefühlen und Problemen der Protagonisten, gibt es in "Mit uns der Wind" eine zweite, esoterisch, bzw. übernatürlich definierte Komponente. Mona lebt für ihre Visionen. Sie weiß welche Umstände sie triggern, wie sie einen Narkolepsie-Anfall herbeiführen kann, und sehnt sich nach einer Begegnung mit Adrians Tierwesen in den Träumen, die sie dabei hat. So echt Mona auch erscheint, dieser Umstand lässt sie etwas lebensfremd und wirklichkeitsfern wirken. Vorstellbar, dass einigen Lesern das in einem zeitgenössischen Roman zu viel sein könnte. Die Auflösung dieser Komponente vermag am Ende tatsächlich zu überraschen. Der Schluss könnte gleichzeitig ein Anfang sein. Er lässt einen das Buch zufrieden zuklappen.

Das persönliche Fazit
"Mit uns der Wind" trug mich in eine turbulente und zugleich genussvolle Lesezeit. Dabei betrachtete ich die Charaktere aber nicht von oben, aus der Ferne, sondern wurde mitten unter sie gewirbelt. Charaktere, Schauplatz und Plot sind ausgezeichnet gestaltet. Die raumgreifende übernatürliche Ebene ist für einen Roman dieses Genres sicherlich Geschmacksache. Lesen und von der Atmosphäre davontragen lassen. 4 Sterne.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Dienstag, 28. April 2015

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Mai 2015

Im Mai geht es mit Buchneuerscheinungen etwas ruhiger zu ... dachte ich. Ich habe einige aufgestöbert, die auf meiner Wunschliste gelandet sind. Die meisten der (Lovestory-)Bücher kommen von nur zwei Verlagen, und ich muss auch zugeben, dass ich es hier nicht ganz so eilig mit dem Lesen habe - es steht noch genug in der Warteschleife. Auf die Wunschliste kommen sie trotzdem.


Dystopie - Fantasy - Zeitreise

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Die achte Wächterin von Meredith McCardle ... Zeitreisen, Verschwörung, Vergangenheitsoptimierung - klingt einfach zu spannend, um nicht von mir beachtet zu werden. Da ist es mir auch egal, dass es der erste Band zu einer neuer Reihe ist. Auf Englisch sind bisher zwei Bände erschienen. Wie viele es noch werden ist mir noch nicht bekannt.
Mit jedem neuen Tag von Mac Levy ... fällt eigentlich gar nicht so dolle in mein Leseschema und ist auch kein typisches Fantasybuch. Das Cover und auch der Inhalt sprachen mich aber sehr an. Andrew lernt kurz vor seiner Hochzeit in einer Bar eine wunderschöne Frau kennen. Kurz darauf wird er angegriffen und bricht zusammen. Als er erwacht ist die Zeit zurückgedreht, auf zwei Monate vor seiner Hochzeit. Er hat zwei Monate Zeit, seinen Mörder zu finden und sein Schicksal zu ändern.
Elias & Laia: Die Herrschaft der Masken ... ist ein Einzelband! Elias wird vom Imperium zum Elitekrieger ausgebildet. Als Laia sich, als Sklavin getarnt, dem Widerstand anschließt, trifft sie auf Elias, der eigentlich ihr Feind sein müsste.


Lovestory - Romance - New Adult

(erhalte genau Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

A little too much von Lisa Desrochers ... möchte ich lesen, weil mir der erste Teil (beide kann man eigenständig lesen) "A little too far" ein paar schöne New Adult-Lesestunden bescherte. Diesmal geht es nicht um Lexi und Trent, sondern um Hilary und Alessandro.
The Moon and more von Sarah Dessen ... ist in den USA ein Bestseller (wie fast alle Bücher der Autorin) und scheint mir ein romantisch-dramatisches Sommerbuch zu sein.



#Skandal von Sarah Ockler ... handelt von Lucy, die den Freund ihrer besten Freundin küsst. Doch bevor sie mit dieser reden kann, tauchen Beweisfotos bei Facebook auf. Ein Shitstorm beginnt.
Verlieb dich nie einen Herzensbrecher von Sarah Ockler ... ist eigentlich gar keine Neuerscheinung, sondern die Taschenbuchausgabe von "Verlieb dich nie in einen Vargas". Eine ganz süße, schräge und lustig-ernsthafte Latino-Lovestroy. Meine absolute Empfehlung!
Valentine Vendetta: Triff mich um Mitternacht von Catherine Doyle ... erinnert mich vom Cover an "Du oder das ganze Leben". Es ist eine Mafia-Lovestory und ein Reihenbeginn. Einige englische Bewertungen trafen bei mir genau ins Schwarze.



Damals dieser Kuss von Claire LaZebnik ... Anna und Finn haben sich geküsst, bevor Finn sich aus dem Staub machte. Anna hätte auch niemals zugegeben, dass sie etwas mit diesem Nerd hatte. Doch nach vier Jahren ist Finn zurück und hat sich von einem schlaksigen Nerd zu einen Mädchenschwarm gemausert. Er macht Anna klar, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Klingt nach einer turbulenten Lovestory.
Ein Hauch von Liebe von Jodi Lynn Anderson ... Maggie zieht an einen neuen Ort und verbringt viel Zeit in den Wäldern mit ihren neuen Freunden Pauline und Liam, deren Schwarm. Als immer wieder leblose Mädchen im See gefunden werden wird Pauline von ihrer Mutter weggeschickt, um sie zu schützen, und Maggie und Liam kommen sich näher. 


So, jetzt, nachdem ich alle Bücher nochmals genau betrachtet habe, habe ich doch das Gefühl, einige davon sofort lesen zu wollen. Mal sehen, welche es von der Wunschliste auf meinen SuB schaffen. 


Auf die Wunschliste!

Mittwoch, 22. April 2015

Blogger schenken Lesefreude-Gewinnspiel - Welttag des Buches 2015


Blogger wollen zum Welttag des Buches Lesefreude verschenken. Auf über 650 teilnehmenden Blogs könnt ihr 1300 Bücher und Hörbücher gewinnen. Auch Damaris liest. ist dieses Jahr wieder mit dabei. Ich habe ein Gewinnpäckchen geschnürt, das aus einem besonderen Buch und der dazugehörigen Buchverfilmung besteht. Gewinnt ...


Das Buch "Perfekt ist jetzt"
+
Die Verfilmung "The Spectacular Now"


Eine Teilnahme ist ganz einfach. Füllt das folgende Gewinnspielformular vollständig aus und schon seid ihr im Lostopf.


Das Gewinnspiel ist beendet und wurde ausgelost.
Das Buch "Perfekt ist jetzt" und die Buchverfilmung "The Spectacular Now" gehen an ...


... Cindy Raschdorff!




Die Gewinnerin erhält von mir eine E-Mail.
Herzlichen Glückwunsch!


Das Kleingedruckte: Jeder kann mitmachen. Wenn ihr unter 18 Jahre alt seid, benötigt ihr für die Teilnahme das Einverständnis eurer Eltern. Jeder darf nur ein Mal teilnehmen. ACHTUNG: WER MEHR ALS EIN MAL TEILNIMMT, WIRD VOM GEWINNSPIEL AUSGESCHLOSSEN. Die Gewinner werden nach Ablauf des Gewinnspiels per E-Mail benachrichtigt und hier im Beitrag genannt. Gewinne von Damaris liest. werden nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz versandt. E-Mail Adressen und genannte Versandadressen werden sofort nach Beendigung gelöscht. Reine Gewinnspielblogs sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Auslosung erfolgt über Random.org. Teilnahmeschluss ist Donnerstag, der 30.04.2015


Hier geht's zu Blogger schenken Lesefreude und der Teilnehmerübersicht mit allen Buch-schenkenden Bloggern. Viel Spaß!

Freitag, 17. April 2015

Review zu "Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling" von Sjoerd Kuyper



Gabriel (März 2015),
Hardcover, 256 Seiten,
14,99 € [D]


"Es war ein Sonntag, an dem man sicher war, alles zu können. Fliegen zum Beispiel."
Was Kos stattdessen gerade erlebt, gleicht eher einer Bruchlandung: der Herzinfarkt seines Vaters, der mehr ist als sein bester Freund, drei starrköpfige Schwestern, mit denen er das Familienhotel am Laufen halten muss. Und dann ist da noch Isabel - die hat er immer noch nicht geküsst. Er bräuchte dringend Auftrieb. Aber im Moment sieht es nicht danach aus ... (Cover-, Text- und Zitatrechte: Gabriel Verlag)


Es gibt zwei Sorten Zeit: Die eine vergeht langsam und die andere vergeht schnell. In ein und derselben Welt. In ein und demselben Kopf. Ich könnte das erklären, aber dazu habe ich jetzt keine Lust. - S. 129/130


Meine Meinung
Der Trend der besonderen Buchtitel trifft bei mir genau den Nagel auf den Kopf. Denn diese Satz-Buchtitel machen neugierig und lassen meist nicht sofort auf den Inhalt schließen. Genau so ist es bei "Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling", dessen Inhalt sich erst nach dem Lesen in Bezug zum Titel setzen lässt. Dann aber eindeutig und mit Wohlfühlgarantie.

Der 13-jährige Kos wird vom Schicksal ins eiskalte Wasser geworfen. Ausgerechnet während eines Fußballspiels, bei dem Kos der Siegtreffer gelingt, hat sein Vater einen Herzinfarkt. Es steht schlimmer um ihn, als er vor Kos und seinen drei Schwestern zugeben will. Die Mutter der Kinder ist vor einiger Zeit gestorben und so bleibt den vieren nichts anderes übrig, als sich um die Geschicke (oder Missgeschicke) des Familienhotels zu kümmern. Kos fühlt sich verantwortlich, die drei Schwestern anfangs weniger. Sie haben zu tun, stecken mitten in der Pubertät oder sind einfach zu jung. Die Sache droht Kos gewaltig über den Kopf zu wachsen. Und verschuldet ist das Hotel auch noch.

Ich finde, mit Sterbenden sollte man schöne Erinnerungen wachrufen, damit sie das Gefühl haben, im Leben alles richtig gemacht zu haben. Wie eine Art letzter Applaus von den Zuschauern, kurz vor Spielende. - S. 34

Hauptcharakter Kos erzählt dem Leser (und noch jemand anderem, was mich am Ende sehr rührte) die ganze Geschichte als eine Art Tonbandtagebuch. So entsteht beim Lesen der Eindruck, man würde ein Hörspiel genießen. Eine wunderbare Idee! Der liebe Junge tat mit anfangs einfach nur leid. Er möchte im Hotel die Stellung halten, bis sein Vater wieder gesund ist. Aber nichts will gelingen, die Schwierigkeiten werden mehr und mehr und seine Schwestern haben eigene Probleme. Kos ist sehr einfühlsam und sensibel. Gleichzeitig hat er Angst, dass die Familie nach der Mutter auch noch den Vater verliert. Diesen Schmerz spürt man, die Kinder haben aber, jedes für sich, eine wirklich großmütige Art, mit dem Verlust umzugehen. Das ist herzbewegend und ergreift einen als Leser sehr.

Das alles klingt nach einem waschechten Drama, und man glaubt es kaum, dass "Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling" ein absolutes Wohlfühlbuch ist. Der Humor ist super, immer treffend und nicht überzogen. Autor Sjoerd Kuyper hat der Geschichte einige individuelle Eigenheiten verpasst, die dem Roman eine ganz eigene Klasse verleihen. Das Buch ist total verrückt und ulkig, bleibt dabei aber sehr direkt und glaubwürdig. So gelingt eine Verknüpfung von Drama mit Situationskomik. Man muss permanent mitseufzen, mitfiebern und mitfreuen - vom Anfang bis zum herzlichen Ende.

Fazit
"Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling" bleibt nicht lange eine verpuppte Raupe. Schon nach den ersten Kapiteln ist der Schmetterling geschlüpft und flattert humorig und ausgefallen durch die Seiten. Doch genug der Metaphern. Die Geschichte hat alles, was man zum Wohlfühlen braucht: glaubhafte Abwegigkeit (ja, das gibt's!), sprühenden Charme, viele Lacher und feine Momente, die das Herz berühren. Was will man mehr?! Unbedingt lesen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 15. April 2015

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Nacht ohne Namen" von Jenny-Mai Nuyen



Deutscher Taschenbuch Verlag (März 2015), Band 1?
Hardcover/SU, 448 Seiten,
16,95 € [D]


Manche Menschen sind füreinander bestimmt. So wie Nicki und Canon. Sie haben ihre eigene Welt. U-Bahnfahren in der morgengrauen Großstadt. Verstehen sich fast ohne Worte. Und doch wissen sie nicht viel voneinander. Ihre wahren Namen zum Beispiel kennen sie nicht. Und als Canon verschwindet, kommt Nicki einem noch viel größeren Geheimnis in seinem Leben auf die Spur. Denn sie teilt Canon mit einem Dämon - einem Dämon, der in üblen Schwierigkeiten steckt ... (Cover-, Text- und Zitatrechte: Deutscher Taschenbuch Verlag)


Es war ein Rätsel aus scheinbaren Zufällen, die wie eine Flut über sie hereinbrachen und zu Entscheidungen zwangen, deren Folgen weitreichend und unabsehbar waren. Nicki hoffte, dass das ganze Chaos eines Tages eine Struktur offenbaren würde. Vielleicht, mit der Zeit. - S. 429


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Urban Fantasy aus deutscher Schreibfeder ist immer einen Blick wert. Vor allem, wenn die Inhaltsbeschreibung so spannend klingt wie bei "Nacht ohne Namen". Eine Dämonenstory, die in Berlin spielt, wenn das nicht vielversprechend ist. Dazu noch dieses herrlich gezeichnete Cover. Leser, die mit dem Klappentext etwas anfangen können, sollten unbedingt einen Blick riskieren.
  2. Die Autorin wählt für ihre Geschichte den Standort Berlin. Das passt anfangs hervorragend. Alles wirkt etwas trostlos, düster und undurchschaubar. Mir gefiel's. Würde ich das Lesefeeling mit einem Film vergleichen, dann hätte ich hier "Blade" (ohne Vampire!) gewählt. Im Laufe der Geschichte verschwindet dieser Eindruck aber. Der Handlungsverlauf - Jugendliche versuchen einen anderen Jugendlichen zu retten, indem sie diverse Aufgaben erfüllen müssen - ist bekannt. Später gleicht die Story eher einem Mix aus "Harry Potter" und "Alice im Wunderland" - ist teils genau so verrückt und abstrakt, wie Letzteres. Das gefiel mit weniger.
  3. Nicki ist eine interessante Hauptcharakterin, sie blieb mir bis zum Ende aber eher fremd und nicht recht greifbar. Ebenso sieht die Sache mit Canon aus, der die meiste Zeit keine sehr präsente Rolle im Buch hat. Nickis Gefühle für Canon sind bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar. Mit der Zeit revidiert sie aber einiges, durch ihr Verhalten. In punkto Lovestory ist das Buch recht dürftig und bis zum Ende sehr unklar. Einige Personen sind für die Handlung nicht sehr relevant, man hätte sie getrost aus der Story streichen können. Ein roter Faden ist immer erkennbar, er ist teils aber sehr in die Länge gezogen oder aufgeribbelt.
  4. Sprachlich ist das Buch im oberen Bereich angesiedelt, zumeist jugendlich, wirkt es manchmal philosophisch und leider auch schwülstig. Es gibt Stellen, da wird so sehr mit Wortspielen, komischen Vergleichen und Metaphern geworfen, dass man sich sehr stark konzentrieren muss, um den Lesefluss nicht zu verlieren. Nicht nur einmal fragt man sich, was die Autorin dem Leser hier sagen will und warum das so kompliziert ausgedrückt werden muss. Einiges ist einfach zu viel!
  5. Insgesamt liest sich die Geschichte wenig spannend, zum Glück nicht fad, hat durch viele Rückblicke, Philosophiererei und ausufernde Beschreibungen aber auch ein paar Längen. Am Ende ist Nickis Mission zwar erfüllt, seitens ihrer Liebesentscheidungen und Auswirkung ihrer Taten ist die Geschichte jedoch sehr offen gehalten. Eine Fortsetzung wäre unbedingt angebracht.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

kreativ, dämonisch, schwülstig, ausufernd und undurchsichtig




Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Nacht ohne Namen" wartet mit einer guten Grundidee und einem anfangs tollen, düsteren Setting auf. Schade, dass sich im Handlungsverlauf offensichtliche Vergleiche nicht vermeiden lassen und den Eindruck vom Anfang ablösen. Schwülstige Ausführungen und gewollt-komische Wortspiele bringen einige Leselängen mit sich. Trotz vielversprechenden Ideen und vielen kreativen Charakteren, wollte sich im Gesamtbild kein rechter Lesespaß bei mir einstellen. Alle Protagonisten blieben meinem Herzen fern. "Nacht ohne Namen" ist damit für mich nur unteres Mittelmaß.


© Damaris liest.

Freitag, 10. April 2015

Rezension zu "Schimmert die Nacht" von Maggie Stiefvater



Verlag: script5 (März 2015)
Originaltitel: Sinner
Übersetzer: Sandra Knuffinke u. Jessika Komina
Reihe: Spin-off, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 400 S.
ISBN: 978-3839001776
18,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: script5 Verlag


Das Thema
Isabel lebt nicht mehr in Minnesota. Sie ist mit ihrer Mutter ins sonnige L.A. gezogen, vor allem, um Cole zu vergessen. Nachdem sie ihn so lange nicht mehr gesehen hat, scheint sie den Trennungsschmerz endlich überwunden zu haben. Isabel versucht sich auf ihre eigenen Aktivitäten zu konzentrieren, obwohl sie sich nie mit dem Leben ausgesöhnt hat. Doch plötzlich steht Cole vor ihr. Isabel hat sich geschworen, nicht mehr auf seinen charismatischen Charme reinzufallen. Vor allem möchte sie sich unter keinen Umständen wieder in ihn verlieben. Warum ist Cole wirklich nach L.A. gekommen? Nur wegen ihr? Oder gibt es da noch andere Gründe?

Die Rezension

Der Anfang: Ich bin ein Werwolf in L.A.

Ein wahres Glück für die Leser, dass Erfolgsautorin Maggie Stiefvater (Nach dem Sommer-Trilogie) die Muse gepackt hat und sie die Charaktere ihrer berühmtesten Trilogie noch nicht loslassen wollte. "Schimmert die Nacht" ist ein Spin-off, ein Einzelband, in dem nicht Grace und Sam die Hauptrolle spielen, sondern die eindrücklichen Rebellen Cole und Isabel. Das Buch kann man getrost als Einzeltitel lesen. Viel mehr Spaß macht es aber, wenn man die Haupttrilogie mit der Vorgeschichte und den Beziehungen der Personen untereinander kennt.

"Warum bist du hier?", fragte ich. 
"Du."
Es war die perfekte Antwort, gesagt auf unperfekte Weise. Wie schnell er geantwortet hatte. "Du." Mehr nicht. Es war so einfach, nur ein einziges Wort zu sagen. Ich wollte, dass er es noch einmal sagte, damit ich beim zweiten Mal die Chance hatte, etwas dabei zu fühlen. - Isabel, S. 35

Schon der Prolog reißt den Leser mit. Die Autorin greift hier etwas vor und schildert Ereignisse der Geschichte, die noch in der Zukunft liegen, die man aber noch nicht in Zusammenhang bringen kann. Ein geschickter Schachzug. Denn so packt einen der Wolf, pardon, die Geschichte sofort. Das Interesse ist da, die Story kann beginnen.
Apropos Wolf. Leser, die hier eine Urban Fantasy Geschichte erwarten, in der der phantastische Anteil hochgehalten wird, sollten ihre Erwartungen etwas zurückschrauben. "Schimmert die Nacht" hat zwar das Werwolf-Gen, aber lange nicht so ausgeprägt wie in der Nach dem Sommer-Trilogie. Die Geschichte liest sich vielmehr wie ein zeitgenössischer Roman. Ein toller Kontrast!

Cole und Isabel sind wahrlich kontrastreiche Charaktere. Cole, der abgewrackte Rockstar - immer hibbelig, offensiv und charismatisch. Isabel, die unnahbare Schöne - sehr schlagfertig, bissig und kühl. Beide sind sehr unterschiedlich und scheinen doch aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein. Die Anziehung, die zwischen den Hauptcharakteren besteht, bemerkt man ab der ersten Buchseite.
Indem die Autorin die Geschichte aus beiderlei Perspektiven erzählt, bekommt man genau mit - manchmal versteckt, manchmal offensichtlich -, was Cole und Isabel füreinander empfinden. Sie sind gebrannte Persönlichkeiten. Vor allem Isabel hat echte Bindungs- und Zukunftsängste. Es fällt ihr schwer über ihren Schatten zu springen.
Neben den offensichtlichen Charaktereigenschaften haben beide noch Merkmale, die versteckt, für die Öffentlichkeit nicht offensichtlich, unter der Oberfläche lauern. Cole und Isabel sind sehr leicht verletzbar, darum auch sehr empfindlich, schnell wütend oder gekränkt.

Er war müde und wach. Ganz oben und ganz unten. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Er verwandelte Menschen in Objekte und wenn er mit ihnen fertig war, warf er sie weg.
"Was hast du denn auf einmal?", fragte er.
"Diese Frage wird dem Problem nicht mal annähernd gerecht", entgegnete ich. [...]
"Und was für ein Problem soll das sein? Wenn du so nett wärst, mich aufzuklären?"
Ich deutete mit dem Finger auf ihn. "Du! Du bist das Problem!" - Isabel S. 279

"Schimmert die Nacht" lebt von einem kreativen, rockigen und scharfzüngigen Plot. Der Stil ist herausragend. Dabei besitzt das Buch keinen deutlichen Spannungsbogen, liest sich dafür mit konstant hohem Interesse und begeistertet Aufmerksamkeit. Cole und Isabel sind in ihrer Art einzigartig. Sie sind lustig, aber auch schwierig. Obwohl sie nicht voneinander lassen können, strapazieren sie die Nerven des jeweils anderen. Sie gehen tief unter die Haut.
Am Ende versteht man auch die Andeutungen im Prolog. Der Schluss ist nochmals ein kleines Highlight, lädt zum Schmunzeln und wohligen Seufzen ein. Schön war's!

Das persönliche Fazit
Ich wäre mit Cole und Isabel gerne noch ein bisschen länger durch die Nacht geschimmert. Die rockig-bissige Geschichte macht wahnsinnig viel Spaß, liest sich sehr eindrücklich und bleibt im Gedächtnis. Hiermit hat Maggie Stiefvater erneut bewiesen, dass sie zu den Top-Autoren für All Age-Leser und junge Erwachsene gehört. Ihr Stil ist beachtlich, ihrer Charaktere vorzüglich. "Schimmert die Nacht" rockt, amüsiert, bewegt und leuchtet. 5 Sterne!


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Die Nach dem Sommer-Trilogie der Autorin:


Zitate aus "Schimmert die Nacht" von Maggie Stiefvater

"Cole, hör auf, warte."
"Aufhören" und "warten" waren keine allzu vertrauten Konzepte für ihn.
"Cole", sagte ich. Ich hatte das Gefühl, in dieser blauen Gasse zu ertrinken. - Isabel, S. 34
"Warum bist du hier?", fragte ich.
"Du."
Es war die perfekte Antwort, gesagt auf unperfekte Weise. Wie schnell er geantwortet hatte. "Du." Mehr nicht. Es war so einfach, nur ein einziges Wort zu sagen. Ich wollte, dass er es noch einmal sagte, damit ich beim zweiten Mal die Chance hatte, etwas dabei zu fühlen. - Isabel, S. 35
Cole setzte sich neben mich und legte mir die Hand auf den Rücken, unter meine Jacke. Seine Finger wollten mich und sonst nichts. Ich starb langsam vor mich hin. - Isabel, S. 135
Und genau das war es, wovor ich solche Angst hatte: davor, dass Cole St. Clair sich in mich verlieben würde und ich mich in ihn, jeder von uns eine menschgewordene Waffe; davor, dass jeder von uns ein gebrochenes Herz davontragen würde. - Isabel, S. 141 
Ich wollte nicht mehr allein sein.
Ich wolle sagen: "Bleib bei mir, Isabel." Und ich wollte sagen: "Ich liebe dich, Isabel."
Ich hatte nichts davon laut ausgesprochen, aber Isabel schüttelte den Kopf, nur ein kleines bisschen, als wollte sie mir bedeuten: "Tu es nicht." - Cole, S. 185
Die Worte lauteten "Ich brauche dir hier ich will dich küssen ich will dich bei mir haben ich will einfach nur dich", aber ich hatte Probleme mit der Übersetzung. [...] Mein Gehirn schwappte beinahe über vor Adrenalin und Emotionen und Musik, Musik, Musik, da kam mein Mund einfach nicht mehr mit. - Cole, S. 273

© Zitatrechte script5 Verlag

Mittwoch, 8. April 2015

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im März 2015

Obwohl der März immer sehr arbeitsreich ist (der Garten will "frühlingsfit" gemacht werden, ebenso die Fenster, der Keller, die Garage, ...), und hier mittlerweile drei Kinder rumwuseln (okay, das Baby wuselt noch nicht), bin ich ganz gut zum Lesen gekommen. Überraschenderweise habe ich auch mal wieder zu einem waschechten Thriller gegriffen, ein Genre, dass ich schon seit einiger Zeit komplett vernachlässige. Beendet habe ich das Buch aber erst im April.
Normalerweise lese ich immer ein Buch nach dem anderen. In letzter Zeit habe ich immer ein Buch und ein E-Book gleichzeitig gelesen, merke aber, dass das nicht ganz meiner Vorstellung vom entspannten Lesen entspricht. Ich komme zwar bei beiden Büchern gut mit, kann mich aber in keines gänzlich fallenlassen oder jedes so richtig genießen. Ich werde wieder zu meinen Wurzeln zurückkehren und jeweils nur ein Buch lesen, bevor ein neues dran ist. Meine Neuzugänge liebe ich alle! Aber auch hier gilt - schön der Reihe nach ...


Meine Buchzugänge im März 2015 - 5 Bücher:




Liebe und andere Fremdwörter hatte ich auf der Wunschliste, weil ich Bücher mit eindrücklichen Protagonisten mag. Josie, deren IQ etwas über einem Genie liegt, die aber die Sache mit der Liebe einfach nicht hinbekommt, ist wahrscheinlich genau mein Fall.
Zusammen mit vier weiteren Bloggerinnen habe ich an der Blogtour Book Meets Film teilgenommen. "The Spectacular Now", der Film zu Perfekt ist jetzt ist kürzlich erschienen und wir haben uns beides etwas genauer angesehen.
Ein weiteres Wunschbuch von mir war schon immer Im freien Fall oder warum ich mich in eine Pappfigur verliebte. Das Buch habe ich bei einer Instagram-Aktion des Loewe Verlags gewonnen.
Als ich "Der letzte Engel" von Zoran Drvenkar vor einiger Zeit gelesen habe, war ich überrascht, als sich das Buch am Ende als Mehrteiler herausstellte. Nun ist der Folgeband/Abschlussband Der letzte Engel: Der Ruf aus dem Eis erschienen. Ich frische mich gerade noch mit dem Audiobook von Teil 1 auf. Ich muss hier wieder völlig im Bilde sein. Das Buch ist ein Kunstwerk!
Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling lese ich im Rahmen einer Bloggeraktion des Gabriel Verlags (Thienemann-Esslinger). Ich freu mich auf dieses verrückte und temperamentvolle Buch.


Buchabgänge - gelesen habe ich im März 7 Bücher:



   

Ich sehe was, was niemand sieht von Tim O'Rourke ... war mal wieder ein Jugend-Mystery Thriller, der mir sehr viel Spaß gemacht hat. Am Ende war ich völlig überrascht. (meine "Ich sehe was ..."-Review gibt's hier)
Egal wohin von Franziska Moll ... musste ich schon alleine darum lesen, weil "Was ich dich träumen lasse", ein weiteres Buch der Autorin, zu meinen Lieblingen gehört. Jo, die Protagonistin aus "Egal wohin", war sehr spröde und kratzbürstig. Mit gefiel die Natürlichkeit der Geschichte und mit schwierigen Charakteren kann ich es sowieso gut. (meine "Egal wohin"-Review gibt's hier)
Shades of Grey: Befreite Lust von E.L. James ... wollte ich gar nicht mehr lesen und hatte im Grunde null Lust darauf. Ich wollte die Trilogie abschließen, nur darum habe ich es hervorgekramt. Die Lust kam auch beim Lesen nicht. Die Story ist hier nur noch dumm und schrecklich. Nach der Hälfte habe bis zum Schluss überflogen - und nichts verpasst. Ich ärgere mich über die Zeitverschwendung (das Buch ist nämlich dick!)
The Diamond Guys: Liam von Jade McQueen ... ist ein Reihenbeginn, deren Bände jeweils einzeln gelesen werden können. Hinter dem Autorenpseudonym verbergen sich gleich fünf tolle Autorinnen, die über jeweils einen anderen der Diamond Guys schreiben. "Liam" war super und hat mir sehr viel Spaß gemacht.


  

Perfekt ist jetzt von Tim Tharp ... hat mir sehr zwiegespalten zurückgelassen. Vor allem das Ende machte mich sprachlos. Ich komme mit der Grundaussage des Buches nicht so recht klar. (meine "Perfekt ist jetzt"-Review gibt's hier)
Aprikosensommer von Deniz Selek ... handelt von der Suche eines Mädchens nach seinen türkischen Wurzeln. Das Buch liest sich schnell, anfangs lustig, später ernsthafter. Die Protagonistin nervte mich leider etwas, und die Zeit in Istanbul hätte viel mehr Platz im Roman haben sollen. (meine "Aprikosensommer"-Review gibt's hier)
Schimmert die Nacht von Maggie Stiefvater ... war das Buch, an das ich die höchsten Erwartungen im März hatte. Und es hat sie vollkommen erfüllt! Die Story von Cole und Isabel in L.A. war absolut genial. Rockig, frech, chaotisch und eigen-romantisch. Ein Fantasy-Anteil war kaum vorhanden, aber das störte mich null. Super! (meine "Schimmert die Nacht"-Rezension gibt's hier)


Highlight: Im März war "Schimmert die Nacht" mein Lesehighlight. Die Geschichte und sehr eigenen Charaktere waren komplett mein Ding. Maggie Stiefvaters Stil spricht für sich. Es hat mich auch nicht gestört, dass hier viel mehr Wert auf eine Contemporary-Geschichte als auf eine Fantasy-Geschichte gelegt wurde. Eine absolute Empfehlung, die man zwar als Standalone lesen kann, aber mit dem Wissen aus der Nach dem Sommer-Trilogie viel mehr Spaß macht.

Lowlight: Ist im März "Shades of Grey: Befreite Lust". Zu dieser dummen, klischeehaften, langweiligen und furchtbar schlecht geschriebenen Szenen einer Ehe-Geschichte will ich nichts mehr sagen, weil jedes weitere Wort daran verschwendet wäre.