Dienstag, 31. März 2015

Review zu "Perfekt ist jetzt" von Tim Tharp



Magellan (Juli 2014),
Hardcover, 336 Seiten,
16,95 € [D]


Das Leben ist gut zu Sutter Keely. Eine Party, Publikum und ein Bier (oder zwei) - mehr braucht er nicht, um gut drauf zu sein. Klar, in der Schule lief es schon mal besser und mit der Uni wird es wohl nichts werden. Aber sein Job ist okay und nach einem Whisky (oder zwei) sieht die Welt sowieso ganz anders aus. Bis zu dem Morgen, an dem er in einem fremden Vorgarten aufwacht und Aimee trifft. Dass er ein Mädchen wie sie - lieber ein Buch lesen als Party machen, lieber große Zukunftspläne schmieden als in den Tag hinein leben - anziehend findet, überrascht ihn selbst am meisten. Bevor Sutter bis drei zählen kann, ist er verliebt. Zum ersten Mal hat er die Chance, das Leben von jemand anders besser zu machen - oder es für immer zu ruinieren. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag)


"Ich sag's dir - du könntest Aimee die Brille wegnehmen, ihr eine anständige Frisur verpassen und sie in einen roten Minirock stecken, der gerade mal den Hintern bedeckt, und trotzdem würde sie noch mit hängenden Schultern und einem Ausdruck im Gesicht rumlaufen, als könnte ihr die Welt jederzeit eine reinhauen."
"Und was willst du dann, ihre Seele retten?"
"Vielleicht. Man weiß ja nie." - Sutter, S. 97/98


Meine Meinung
Jugendbücher haben oftmals keine leichten Stand. Trotzdessen, dass sie heute nicht mehr nur für die Zielgruppe geschrieben werden, sondern meist echte All Age-Romane sind, werden sie von vielen Lesern der Erwachsenenliteratur verschmäht. Jugendbücher sollen unterhalten, spannend sein, belehren (aber bitte nur unterschwellig, ohne den erhobenen Zeigefinger!) oder eine spezielle Message vermitteln. "Perfekt ist jetzt" ist ganz sicher ein außergewöhnliches Exemplar der Jugendbuchgattung ... und ich empfinde es jetzt, nach dem Lesen, als hart. Das Buch macht es mir schwer. Denn es ist eines der wenigen Jugendbücher, bei denen ich mir (verdammt nochmal!) nicht sicher bin, was mir die Story mitteilen oder sagen soll.

Sutter Keely, der männliche Ich-Erzähler in "Perfekt ist jetzt", ist wohl einer der unsympathischsten Charaktere in der Jugendbuchwelt. Schwierig, das ist durchaus okay. Eigensinnig, auch okay. Das macht realistische Buchcharaktere, aus und ein Fitzelchen Empathie kann ich normalerweise jedem von ihnen entgegenbringen. Sutter ist cool, humorvoll, spendabel und freundlich. Ist das nicht ein Widerspruch zu unsympathisch? Nein, denn Sutter ist nicht nur wahnsinnig von sich überzeugt und sieht sich als großen Gönner und Held unter allen Gleichaltrigen, er hat außerdem ein großes Alkoholproblem. Ich behaupte sogar, er ist in seinen jungen Jahren schon ein Alkoholiker. Einsicht hat er nicht, er verherrlicht sein Problem sogar, immer und jederzeit. Das klingt aus seinem Mund einfach nur dumm. Ich hatte bis zuletzt den Eindruck, dass er gar nicht gerettet werden will.

"Es ist zu spät, Sutter." Sie reißt die Autotür auf. "Du bist ein hoffnungsloser Fall."
"Nein, bin ich nicht", sage ich. "Ehrlich nicht."
Aber sie steigt einfach zurück ins Auto, knallt die Tür zu und fährt das Fenster hoch.
"Was hat die denn für ein Problem?", fragt Tara hinter mir.
"Hohe Erwartungen", antworte ich. "Unangebracht hohe Erwartungen." - S. 47

So ist auch Sutters Wischiwaschi-Beziehung, die er bald zu Aimee eingeht, nicht auf Verliebtheit gegründet, sondern auf einer Ich-bezogenen Großherzigkeit von ihm. Nur Sutter allein, so meint er, könne Aimees Leben besser machen und ihr helfen. Besteht Hilfe wirklich darin, das liebe und schüchterne Mädchen zur Alkoholikerin zu machen und ihr durch Alkohol Selbstvertrauen "einzuflösen"? Hier dachte ich manchmal, ich sehe, pardon, lese nicht nicht richtig. Alle seine Freunde erkennen mit der Zeit das Problem, sprechen ihn mehrfach darauf an. Sutter selbst ist einsichtsresistent. 
Es mag Momente geben, in denen Sutter zu Aimee echte Zuneigung verspürt. Doch auch nur, solange er dabei selbst im Mittelpunkt steht. Verliebt, hier widerspreche ich dem Klappentext, ist er meiner Meinungen nach nie.

Der große Knall, der Sutters Leben am Ende richtig aus den Fugen springen lässt, kommt. Ob er daraus lernt, oder etwas ändert, wage ich zu bezweifeln. Das Ende ist sehr offen gehalten, ich persönlich habe mir hier das Schlimmste ausgemalt. Obwohl ich mit keinem der Hauptprotagonisten etwas gemeinsam habe, fühle ich mich seltsam angegriffen und bedrückt. Die Geschichte geht mir einfach nicht aus dem Kopf.

Fazit
"Perfekt ist jetzt" ist ein perfekt geschriebener Jugendroman über einen Jugendlichen auf der Suche nach dem perfekten Jetzt. Das ist für mich die Grundaussage des Buches, eine andere zu finden fällt mir nicht leicht. "Lebe im Jetzt", "Genieße den Moment" oder "Denke nicht an Morgen" - alle würden passen, vergrößern für mich jedoch die weitreichende Tragik des Romans. Ist dieses Buch gut? Soll es warnen oder soll man die Geschichte einfach so stehenlassen? Hier bin ich das erste Mal etwas ratlos. Polarisieren wird es auf jeden Fall!

© Damaris Metzger, damarisliest.de




Die Buchverfilmung von "Perfekt ist jetzt" ist unter dem Originaltitel "The Spectacular Now" erschienen



Montag, 30. März 2015

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im April 2015

Und schon steht wieder der April vor der Tür. Höchste Zeit mal nach den monatlichen Neuerscheinungen zu schauen. Das heißt für mich, bei meinen favorisierten Buchverlagen zu stöbern, um mir meine Wunschlistenbücher für April rauszupicken. Voilà ...


Zukunft - Dystopie - Fantasy

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

Dustlands: Der Blutmond von Moira Young ... ist schon der dritte Teil, also der Abschluss, der Dustlands-Reihe. Ich finde die Bücher großartig! Der zweite Band ist noch gar nicht so lange her und bekam bei mir Lieblingsbuchstatus. Und dieses Ende! Da muss ich schnell weiterlesen!
Ein Lied, so süß und dunkel von Sarah McCarry ... soll in einem zukünftigen Seattle spielen (?), ich weiß nicht genau, ob es Fiktion oder eher ein zeitgenössischer Roman ist. Die Hauptprotagonistin soll eine Tochter von Kurt Cobain sein (?). Das Buch wird von den englischen Lesern etwas kontrovers diskutiert und oft mit "weird", also sonderbar/bizarr/schräg/komisch, beschrieben. Vielleicht genau das richtige Buch für mich.


 

Schnee wie Asche von Sara Raasch ... ist ein Reihenstart (Trilogie?). Die englischen Bewertungen sind super, ich habe aber auch schon einige nicht ganz so positive Stimmen dazu gelesen. High Fantasy für Jugendliche erregt immer meine Aufmerksamkeit.
Partials 3: Ruinen von Dan Wells ... benötigt wahrscheinlich nicht mehr allzu große Ankündigung. Der Trilogieabschluss wird von vielen heiß erwartet. Es wird spannend wie Dan Wells den Konflikt zwischen Menschen und Partials lösen wird und wie es mit Kira und Samm weitergeht.


Lovestory - Drama - Zeitgenössisch

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Heart. Beat. Love. von James Patterson ... erzählt von einem Trip quer durch die USA. Aber nicht, wie vorgesehen, im Geyhoundbus, sondern mit einer geklauten Harley. Ein Roadtripbuch? Her zu mir!
Die Anatomie der Nacht von Jenn Bennett ... handelt von Bex, die in San Francisco studiert und dort den Graffiti-Künstler Jack kennenlernt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Lovestory.
Papierfliegerworte von Dawn O'Porter ... spielt auf einer winzigen Insel. Es geht um die zwei Mädchen Flo und Renée, die völlig unterschiedlich sind. Nach einem Schicksalsschlag entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft.


  

Hellwach von Hilary T. Smith ... soll (lt. Verlag) ein Feelgood-Roman sein. Außerdem wie ein guter Song: laut, provokativ und berührend. Alleine der Klappentext ist so philosophisch, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte.
Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmine Warga ... ist schon seit Monaten in der Presse. Hier spricht die Beschreibung für sich: Eine Geschichte über zwei, die den Tod suchen - und die Liebe ihres Lebens finden.


Mensch, und schon wieder kann ich mich kaum entscheiden. Aber dass muss ich ja auch nicht. Darum landen alle vorgestellten Bücher auf meiner Wunschliste. Ich hoffe, ich werde auch alle lesen können!


Auf die Wunschliste!

Donnerstag, 26. März 2015

Review zu "Aprikosensommer" von Deniz Selek



FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (März 2015),
Klappenbroschur, 288 Seiten,
9,99 € [D]


Die berührende Suche eines Mädchens nach ihrem Vater, nach der eigenen Identität und die Geschichte einer ersten Liebe.
Eve fliegt mit ihrer Mutter nach Istanbul, um ihren Vater ausfindig zu machen. Fünfzehn Jahre lang hat ihre Mutter alle Fragen nach ihm abgeblockt. Als er dann tatsächlich vor Eve steht, hat sie das Gefühl, endlich den fehlenden Teil ihrer Identität gefunden zu haben. Und dann ist da auch noch ihr Dolmetscher Sinan, in den sie sich Hals über Kopf verliebt ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch)


Matteo Veronne und Evelyn Morgenstern.
Es waren einmal ein Junge und ein Mädchen mit den schönsten ausgefallenen Namen, wie es sie kein zweites Mal gabe auf der Welt. Und das Schicksal wollte es, dass sich genau dieses beiden am coolsten Ort und in der coolsten Schule aller Zeiten begegneten. Freie Waldorfschule Berlin-Mitte. - S. 11


Meine Meinung
Die Suche nach der eigenen Identität ist tief in uns verwurzelt. Fehlt ein Elternteil, weil es unbekannt ist, oder der Kontakt in jungen Jahren abbrach, wird sich fast jeder irgendwann die Frage nach seiner Herkunft und Abstammung stellen. Egal wie absurd das auf den ersten Blick erscheint. Genau dieser Frage geht Deniz Selek in ihrem Jugendbuch "Aprikosensommer" nach. Eve hat solche Sehnsucht, nach ihrem unbekannten Vater, dass sie sich gegen die Meinung der Mutter stellt und hartnäckig versucht ihn ausfindig zu machen. Bis sie in Istanbul ihre Suche erfolgreich beendet.

Die Autorin schreibt ihr Buch in einer sehr jugendlichen, aufgeweckten Art. Ihr Stil ist einfach und auch etwas frech. Das passt sehr gut zum Alter der jungen Protagonistin Eve. Und ich muss zugeben, dass ich gerade in den ersten Kapiteln oft schmunzeln oder grinsen musste. Eves Aktionen und ein versteckter Sarkasmus animieren einfach dazu.
Im Laufe der Geschichte wird das Buch aber immer weniger lustig. Eves hartnäckige Suche, bei der sie sich vor allem gegen ihre Mutter behaupten muss, verlangen ihr einiges ab.

Anfangs habe ich Eve sehr wohlwollend und verständnisvoll betrachtet. Mit der Zeit hatte ich aber einige Mühe, mich in sie hineinzuversetzen. Sie reagiert wütend, wo ich enttäuscht gewesen wäre, ist bockig, wo ich gefrustet wäre. lch bin mir bewusst, dass jeder Jugendliche anders tickt, und das Wut und Unfreundlichkeit hier zum Alltag gehören. Mir war es aber etwas zu viel des Guten. Vor allem die Beziehung zur Mutter ist sehr angespannt. Das ist einerseits nachvollziehbar, manchmal aber auch überzogen. Sehr unverständlich war für mich Eves Verhalten ihrer lieben Freundin Henny gegenüber. Diese ist wirklich herzensgut und bekommt dafür die Nörgeleien und Launen von Eve aufgetischt.

Der beste Part des Buches ist die Reise nach Istanbul und die Ereignisse dort. Hier bekommt der Leser einen sehr guten kulturellen und oft überraschenden Einblick. Die Menschen, denen Eve dort begegnet haben mich sehr gerührt. Schon während des Lesens hat man den dringenden Wunsch, selbst dorthin zu reisen. Die Stadt muss wunderbar sein.
Leider dauert es über die Hälfte des Buches, bis die Reise geplant wird. Bis dahin spielt die Handlung in Berlin und zeigt das Leben, das Eve und ihre Mutter dort führen. Nur etwa ein Buchdrittel spielt dann auch tatsächlich in der Türkei. 
Die im Klappentext erwähnte Lovestory ist zum Glück ein Nebenprodukt der Geschichte. Die größte Aufmerksamkeit bekommt Eve und ihre Suche nach dem Vater. Und das ist ja auch die Hauptsache.

Fazit
"Aprikosensommer" ist ein jugendlicher geschriebener Sommerroman über ein Mädchen, auf der Suche nach ihrer Herkunft. Anfangs ist das Buch sehr humorvoll, mit der Zeit wird die Geschichte ernster. Die Hauptprotagonistin Eve wird wohl nicht den Nerv jedes Lesers treffen, ihren Wunsch, den Vater zu finden, kann man sehr gut nachvollziehen. Die Reise in die Türkei und die Handlung in Istanbul waren so anschaulich beschrieben, dass sie gerne einen viel größeren Teil der Handlung hätten ausmachen dürfen. Man möchte sofort aufbrechen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 25. März 2015

Buchisches Statement #23


© Damaris liest.
Bilder der Rubrik "Buchisches Statement" dürfen mit unverändertem Inhalt verwendet werden

Dienstag, 24. März 2015

BOOK MEETS FILM-TOUR (Station 2): Perfekt ist jetzt - The Spectacular Now



Mit "Perfekt ist jetzt" von Tim Tharp veröffentlichte der Magellan Verlag im Sommer 2014 ein zeitgenössisches Jugenddrama über den selbstbewussten Sutter und die introvertierte Aimee. Seit dem 20. März 2015 ist endlich "The Spectacular Now" auf DVD und Blu-ray erschienen, der Film zum Buch.

Buchverfilmungen werden immer heiß diskutiert. Einerseits werden sie von vielen Fans sehnlichst erwartet, andererseits aber auch gefürchtet. Gerade Leser, die das Buch kennen, sind enttäuscht, wenn die Erwartung, die sie vom Buch auf den Film übertragen haben, nicht erfüllt werden. Doch das muss nicht sein.

Fünf Literaturblogs werfen zum Erscheinungstermin vom Film zum Buch einen genaueren Blick auf beides. Ganz nach dem Motto "Book meets Film". Heute möchte ich anhand von vier Faktoren aufzeigen, dass man nicht immer das Buch gegen den Film abwägen muss oder umgekehrt. Beide haben nämlich echte Vorteile und können als eigenständige Medien betrachtet werden. Los geht's ...


Ein Buch ist (meist) lang und ausführlich. Je nach Lesegeschwindigkeit würde ich tippen, dass man im Durchschnitt etwa 7-8 Stunden an einem Jugendroman liest. Das bedeutet viele Stunden Lesespaß, träumen, entspannen, aufregen, lachen, weinen, ... Genial, oder? Das Buch ist somit ungeschlagen im Unterhaltungswert für alle, die gerne viel Zeit mit Lesen verbringen.

Ein Film ist perfekt für zwischendurch, zum Relaxen, als Abendunterhaltung oder zum Anschauen und Austausch mit Freunden. Denn im direkten Vergleich zum Buch ist er mit 1,5 - 2,5 Stunden recht kurz. Dafür bekommt man die komplette Geschichte des Buches visuell in wenige Stunden verpackt. Auch genial! Der Film ist unschlagbar gut darin, eine komplette Story innerhalb kürzester Zeit wiederzugeben.


In einem Buch bleiben alle Details der Vorstellungskraft des Lesers überlassen (und natürlich dem Talent des Autors). Alle Schauplätze - Natur, Umgebung, Zimmer, etc., und vor allem die Charaktere, darf sich der Leser selbst ausmalen. Ob farbig oder schwarz-weiß spielt dabei keine Rolle. Alles ist richtig und gut.

Ganz anders beim Film. Hier bekommt man jedes Detail serviert, samt den Charakteren und den Hauptdarstellern. Regisseur, Castingteam und Filmcrew haben sich viele Gedanken gemacht wie sie dem Zielpublikum das beste Ergebnis liefern können. Unabhängig davon, ob der Zuschauer das Buch schon kennt oder nicht. Manchmal ist es auch einfach schön, den Kopf auszuschalten und sich "berieseln" zu lassen.


Die Geschichte in einem Buch ist ungeschönt und ausführlich, evtl. auch mal mit Leselängen behaftet. Setzt sich der Autor mit einem Thema gewissenhaft auseinander, kann es im Buch sehr dramatisch zugehen. Da sich der Verlauf der Geschichte entwickelt, baut man zu den Charakteren im Idealfall eine starke Bindung auf, leidet und freut sich mit ihnen. Hach- oder Schockmomente kennt wohl jeder Leser - und wir alle lieben sie!

Diese Ausführlichkeit würde in einem Film nicht funktionieren. Kein Film ist 1:1 zum Buch umsetzbar. Das Ergebnis wäre schrecklich lang und uninteressant. Damit die Dramaturgie und Spannungskurve funktioniert, muss der Regisseur abwägen, welche Details und Handlungen für den Film existenziell wichtig sind. Er kann entscheiden was er weglässt oder auch mal ergänzt, um den Film ans Zielpublikum (Altersempfehlung!) anzupassen. Macht er seine Sache gut, so kann man einen Film genauso dramatisch und emotional erleben wie ein Buch.


Jedes Buch hat ein Ende (logisch!). Manchmal kommt es wie erwartet, manchmal weiß uns ein Autor auch völlig zu überraschen. Mal sind wir zufrieden, mal entsetzt oder sogar unzufrieden. Das ist das Schöne an Büchern - man kann nie mit Sicherheit sagen, was sich der Autor für seine Charaktere ausgedacht hat. An einem Buchende gibt es auch nichts zu rütteln. Es muss so akzeptiert werden, wie es ist, egal ob gut, schlecht, hart, komisch oder verwirrend. 

Auch jede Buchverfilmung hat ein Ende (klaro!). Es kommt viel schneller als im Buch selbst. Darum empfinden manche Filmemacher das Buchende nicht komplett Film-kompatibel. Es wird etwas "feinjustiert" oder an die Dramaturgie und Spannungskurve des Films angepasst. Das muss nicht schlecht sein, kann sogar viel besser passen. Das Ende in "The Spectacular Now" ist etwas anders als im Buch "Perfekt ist jetzt" ... und ich kann verraten, dass es mir im Film besser gefiel.


Natürlich gibt es gute und schlechte Filme, genau wie Bücher. Aber schon anhand dieser vier Faktoren kann man sehen, dass beide, Buch wie Film, eindeutige Vorteile haben. Gelingt es, jedes Medium als eigenständig wahrzunehmen, ist man nicht mehr so deutlich auf den direkten Vergleich fixiert. Ich kann empfehlen "Perfekt ist jetzt" zu lesen und "The Spectacular Now" anzuschauen. Man wird hier so manche Überraschung erleben.


Alle Stationen der BOOK MEETS FILM-TOUR findet hier hier im Überblick:

Dienstag - 24.03. - Damaris liest.
Mittwoch - 25.03. - Bookmarked!
Donnerstag - 26.03. - Books & Senses
Freitag - 27.03. - Nightingale's Blog


© "Perfekt ist jetzt" Magellan Verlag, © "The Spectacular Now" Capelight Pictures

Sonntag, 22. März 2015

Review zu "Egal wohin" von Franziska Moll



Loewe (März 2015),
Hardcover/SU, 224 Seiten,
12,95 € [D]


Jo zählt die Tage, bis sie nach Kreta auswandern kann - endlich 18 Jahre alt, endlich unabhängig, endlich frei. In Kreta möchte sie ein neues Leben anfangen, mit Koch, ihrem Kumpel aus dem Restaurant, in dem sie kellnert. Doch als dieser verschwindet, sieht Jo, dass Koch nicht der einzige Mensch ist, dem Jo am Herzen liegt. Der unscheinbare, geradezu unsichtbare Amar ist es, der sich nun um Jo kümmert, bei ihr bleibt, egal, wie sehr sie ihn von sich stößt. Der ihr die Schönheit des Lebens zeigt, wie nur er sie sehen kann. (Text-, Cover und Zitatrechte: Loewe Verlag)


"Und was ist es, was das Leben jetzt für Sie lebenswert macht?"
Die drei K.
Koch.
Kreta.
Keine nervigen Therapeuten mehr in baldigster Bälde.
- S. 11/12


Meine Meinung
Franziska Moll ist das Pseudonym der Jugendbuchautorin Sabine Both. Ihr 2014 erschienenes Buch "Was ich dich träumen lasse", hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Ich behaupte jetzt noch, dass ich selten etwas Vergleichbares gelesen habe. Auch "Egal wohin" spiegelt exakt den Stil und die Handschrift der Autorin, setzt sich aber mit einem völlig anderen Thema auseinander.

Johanna, "Jo", nimmt den Leser ein Stück auf ihrem Weg mit. Es hat fast den Anschein, dass sie das nur widerwillig tut, dass es ihr eine Last ist, wie alles, womit sie sich gerade befassen muss. Die Sitzungen beim Therapeuten, die (nicht öffentliche) Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit und das Kellnern im Gasthaus Paradies - das alles erträgt sie nur wegen Koch, ihrem Kumpel. Mit ihm will sie in wenigen Tagen nach Kreta verschwinden, dort ein kleines Restaurant eröffnen und ein neues Leben beginnen. Weit weg von ihrem Zuhause, ihren Eltern, dem Stadtmief und den Problemen. Das ist der einzige Punkt in ihrem Leben, an dem sie festhält. Komme was wolle.

Koch sagt, lass die Vergangenheit zu Hause, wenn du neu anfängst. - S. 140

Sperrig sind sie, die Charaktere in "Egal wohin". Allen voran Jo, die redet, wie ihr der Mund gewachsen ist und zu ihren Eltern und Mitmenschen spröde und unfreundlich ist. Ihr Charakter hat etwas Verzweifeltes, aber auch etwas sehr Bestimmtes. Verletzlichkeit erkennt man erst mit der Zeit (und nur zwischen den Zeilen). Freundschaften lehnt sie ab. Einzig Kumpel Koch sieht sie, wie sie wirklich ist und nimmt sie genau so an. Das macht ihn zu einer Art Galionsfigur in Jos Leben, vielleicht auch zu einem Vaterbild. Sein Wort ist Jos Gesetz. Für ihr neues Leben lernt sie Griechisch. Sonst zählt nichts.

Koch sagt, das Beste am Leben ist, dass es nicht ewig dauert. - S. 193

Der Roman ist sehr ausdrucksstark. Kurze Sätze, die niedergeschrieben sind, wie sie gesagt werden, haben etwas von einem Drehbuch und sind wie gemacht für die kratzbürstige Natürlichkeit des Buches. Die Geschichte bleibt im Kopf. Gerade darum gefällt mir das Buch, und seine Atmosphäre hält gefangen. Ich konnte mich in die Personen und ihr Vorhaben komplett hineinversetzten, auch wenn fast keiner der Charaktere nach der Norm handelt und sie es dem Leser nicht leicht machen. Stereotypen findet man hier nicht.
Es ist anfangs unvorstellbar, dass die Geschichte berührt. Jo will kein Mitleid, das lässt sie einen durch die Seiten spüren. Erst mit der Entwicklung von Jo und einer unerwarteten Richtung, die die Geschichte einschlägt, trifft sie am Ende mitten ins Herz.

Fazit
"Egal wohin" ist kein Buch von der Stange. Ich kann mir vorstellen, dass die Geschichte bei vielen Lesern Zeit braucht, um zu wirken. Jos spröde und kratzbürstige Eigenheit muss man annehmen können, und einige Passagen werden erst im Laufe der Geschichte logisch. Die drehbuchhafte, atmosphärische Anmutung des Romans, die natürlichen Charaktere und der Storyverlauf sind genau meins. Diese Art von Büchern machen für mich das Lesen aus. Unbedingt anschauen!

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Weitere Bücher der Autorin beim Loewe Verlag:


Montag, 16. März 2015

Review zu "Ich sehe was, was niemand sieht" von Tim O'Rourke



Chicken House (Februar 2015),
Klappenbroschur, 336 Seiten,
14,99 € [D]


Charley sieht Dinge, die sonst niemand sieht. Ihre Visionen sind wie Blitze, kurz und intensiv - ein Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs. Charley ist felsenfest davon überzeugt, dass sie Verbrechen sieht, bevor sie geschehen. Niemand glaubt ihr, bis auf Tom. Der attraktive junge Police Officer bearbeitet gerade seinen ersten Fall: ein totes Mädchen, das auf Bahngleisen gefunden wurde.
Während die Polizei noch nach der Todesursache sucht, hat Charley wieder Visionen: ein anderes Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs ... (Cover-, Text- und Zitatrechte: Chicken House by Carlsen Verlag)


Ob Charley nun die Wahrheit sagte oder nicht, sie wusste etwas über den Tod des Mädchens. Ob das von einer Reihe übernatürlicher Blitze herrührte oder ob sie tiefer in der Sache drinsteckte und einfach nur Angst hatte, mir das zu sagen - ich musste jedenfalls dranbleiben. Ihr Vertrauen gewinnen. - Tom, S. 79


Meine Meinung
Der Autor Tom O'Rourke hat bereits mehr als 30 Romane als Selfpublisher veröffentlicht. Diese Leidenschaft am Schreiben und an einem guten Plot merkt man seinem Jugendthriller auch an. "Ich sehe was, was niemand sieht" ist spannend, sehr mysteriös und am Ende unerwartet. Jugendliche Thrillerfans sollten unbedingt reinschauen.

Zugegeben, sprachlich ist das Buch zwar gut, die Dialoge wirkten auf mich manchmal etwas hölzern. Ebenso die vielen Vergleiche, die der Autor in seine Geschichte einfließen lässt, um sie sehr anschaulich wirken zu lassen. Das funktioniert, klingt aber oftmals etwas bemüht. Macht aber gar nichts, denn die Geschichte liest sich wiederum sehr schnell und spannend, dadurch längenlos.
Charleys "Blitze", in denen sie Dinge sieht, die mit Verbrechen oder Mord zu tun haben, bilden den Mystery-Part im Buch. Auch einige andere, unheimliche Dinge, wie Anrufe oder Videos, sind nicht komplett erklärbar. Anders, als in vielen Jugendthrillern, lösen sie sich auch nicht auf, sondern bleiben als übernatürliche Handlung erhalten.

"Hallo?", rief ich. "Ist da jemand?" Stille. - Charley, S. 7

Die Kapitel werden jeweils abwechselnd von Charley und dem jungen Polizisten Tom erzählt. Dadurch findet man als Leser schnell Zugang zu den Personen, was bei einem Einzelband für Jugendliche nicht immer so einfach ist. Die Ich-Form gefiel mir hier besonders gut, da sie die Gefühle der Hauptcharaktere ungefiltert wiedergibt. Tom glaubt Charley die Sache mit ihren Visionen recht schnell, was sicher auch an der Anziehungskraft liegt, die sie auf ihn ausübt. Die Liebesgeschichte hält sich während der Handlung im Hintergrund. Ob sie überhaupt nötig gewesen wäre ist Geschmacksache.
Der Autor greift hier auf Charaktere zurück, wie man sie auch oft bei Thrillern für Erwachsene findet - einen Polizeichef und sein Ermittlerteam. Das hat sich bei dieser Art von Geschichten gut bewährt. Besonders Chef Harker hat mich überrascht und sorgte bei mir für manches Schmunzeln.

"Ich sehe was, was niemand sieht" hat stellenweise einen ruhigen, aber immer konstanten, Handlungsverlauf. Einige Szenen sind etwas härter und sorgen für Gänsehaut. Gegen Ende konnte mich das Buch richtig überraschen, da ich überhaupt nicht in diese Richtung gedacht hatte. Hier wurden die Spuren schön verwirrend gelegt. Die Geschichte liest sich abgeschlossen und ist ein Einzelband. Eine Fortsetzung oder Serie wäre auch denkbar, ist meines Wissens momentan aber nicht geplant.

Fazit
Bei "Ich sehe was, was niemand sieht", denke ich an das Spiel und stolpere dadurch immer leicht über den Titel. Nicht aber bei der Handlung. Diese gefiel mir sehr gut. Das Buch ist ein toller Jugendthriller, der echte Mystery-Elemente beinhaltet und mit seinem Ende bei vielen Lesern für Überraschung sorgen könnte. Die Vorstellung ist aber auch gruselig! Der einfache Stil macht das Lesen leicht, über die etwas bemüht wirkendende, beschreibenden Vergleiche kann man locker hinwegsehen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Dienstag, 10. März 2015

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im Februar 2015

Mit dem März zieht der Frühling ins Land. Zwar sind die Bäume noch kahl und der See noch kalt, dafür sprießen im Garten schon die Schneeglöckchen und die Krokusse - und in meinem Regal sprießen die Bücher! Anfang 2015 übertrumpfen sich die Verlage mal wieder gegenseitig. Ich weiß nicht, welches der Buchschätze ich zuerst lesen soll. Okay, die Baby-Püppi schläft, Kaffee steht bereit, dann stelle ich sie mal vor ...


Meine Buchzugänge im Februar 2015 - 8 Bücher:




Mit uns der Wind (Bettina Belitz!) und Schimmert die Nacht (Maggie Stiefvater!) sind Neuerscheinungen des Loewe Verlag. Schon wegen der Autorinnen, die zu meinen persönlichen Favoriten gehören, sind die Bücher ein Lesemuss. Ebenso Egal wohin. Franziska Moll war für mich eine tolle Neuentdeckung 2014. Ihr erstes Jugendbuch bei Loewe, "Was ich dich träumen lasse", hat bei mir Lieblingsbuchstatus.
Ein verträumt sommerliches Cover hat Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb von Tanya Stewner. Das Cover bekommt nur positives Feedback, ich hoffe, der Inhalt auch.
Zu City of Heavely Fire muss ich nicht viel sagen. Der Abschluss der Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare war schon lange vorbestellt und wurde auch recht pünktlich geliefert. Jetzt sollte ich mir noch etwas Zeit zum lesen stehlen. 
Nacht ohne Namen, eine Dämonen-Story, hat mich sofort interessiert, als ich das Buch auf der Verlagsseite erspäht habe. Eleanor & Park hatte ich auf der Wunschliste, seit das Buch von englischsprachigen Blogger hoch gelobt wurde. Danke ans Tauschticket! Zuletzt ist Ich sehe was, was niemand sieht mal wieder ein Jugendthriller (mit viel Mystery) ... und diese lese ich ab und zu ja sehr gerne. 


Buchabgänge - gelesen habe ich im Februar 7 Bücher:



  

Godspeed: Die Ankunft von Beth Revis ... ist der Abschlussband der Godspeed-Trilogie. Band 2 und 3 lagen viel zu lange auf meinem SuB. Dabei gefiel mir der Trilogiestart sehr. Ich habe beide Bände am Jahresanfang gelesen und hüte die Trilogie nun wie einen Schatz im Regal. Ganz große Klasse!
Feinde mit gewissen Vorzügen von Amelie Murmann ... gehört zur ersten Serie von sechs BitterSweets, kleine E-Book-Happen für zwischendurch. Das kurze E-Book war ein großer Lesespaß und das Gesamtkonzept gefiel mir super. (meine Review zu drei der BitterSweets gibt's hier)
Kein einziges Wort von Andreas Jungwirth ... habe ich auf dem Kindle gelesen. Ich kann das Buch schwer einordnen. Es ist ein Krimi und ein Drama für jüngere Leser, aber insgesamt sehr bedrückend und sperrig. So richtig überzeugt hat es mich nicht.


   

Herz in Scherben von Kathrin Lange ... ist Teil 2 der Herz aus Glas-Trilogie. Es ist einer der wenigen Jugendthriller, die bei mir Höchstwertung erhalten haben, ebenso wie der erste Band. Die Bücher sind super geschrieben und Gefühle kommen geballt beim Leser an. (meine "Herz in Scherben"-Rezension gibt's hier)
Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich von Liv Marit Weberg ... braucht einige Zeit um zu wirken. Das Buch hat eine schwierige, eigenwillige Protagonistin, die es dem Leser nicht leicht macht. Die ironische Leichtigkeit des Covers ist im Buch erst auf den zweiten Blick zu finden. (meine "Zum Glück bemerkt mich niemand ..."-Review gibt's hier)
Die Buchspringer von Mechthild Gläser ... musste ich lesen, weil mir schon die Schattenwelt-Dilogie der Autorin sehr gut gefallen hat. Mit diesem Buch über Bücher hat sie sich nochmal gesteigert. Die frische und schön zu lesende Story ist absolut empfehlenswert. (meine "Die Buchspringer"-Rezension gibt's hier)
Kirschen im Schnee von Kat Yeh .. war mein Wohlfühl- und Lieblingsbuch im Februar 2015! Diesen Buchschatz sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Geschichte ist so freundlich, herzlich und unerwartet. Lesen! (meine "Kirschen im Schnee"-Rezension gibt's hier)


Highlight: Das sind im Februar zwei Bücher. "Godspeed: Die Ankunft", weil die komplette Trilogie einfach genial ist. Ständig spannend und zum mitfiebern. Eine der besten Jugendbuch-Reihen. "Kirschen im Schnee" ist ein wunderbares Buch! Sehr besonders und rührend. Mich hat die Herzlichkeit und die Verknüpfung von Rezepten und Story sehr angesprochen.

Lowlight: Ist "Kein einziges Wort". Nicht weil es schlecht war, sondern weil mir die Geschichte für junge Leser etwas zu bedrückend war. Ich konnte keinen richtigen Zugang zum Buch finden. Auf jeder Seite sind mehrere Wörter GROSS geschrieben. Manchmal macht das Sinn, aber oft wirkt das komplett aus der Luft gegriffen. Ich fand es sonderbar ...

Freitag, 6. März 2015

Rezension zu "Kirschen im Schnee" von Kat Yeh



Verlag: Magellan (Februar 2015)
Originaltitel: The Truth About Twinkie Pie
Übersetzer: Sandra Knuffinke und Jessika Komina
Reihe: - , ab ca. 11-13 J.
Ausführung: Hardcover, 352 S.
ISBN: 978-3734847059
16,95 € [D]

Genre: Jugenddrama

© Cover- und Zitatrechte: Magellan Verlag


Das Thema
Schon immer ist die 12-jährige GiGi von ihrer älteren Schwester DiDi versorgt worden. Von der toten Mutter ist den Schwestern nichts geblieben, außer ein Rezeptbuch. Mas Rezepte begleiten die beiden durchs Leben. DiDi, selbst Friseurin, möchte, dass GiGi ein erfolgreiches Leben führen kann. Darum schickt sie die kleine Schwester auf eine Eliteschule, spart jeden Penny und hält sie dazu an, jede freie Minute zu lernen. GiGi kommen jedoch Zweifel, ob das Lebensrezept ihrer großen Schwester wirklich das Richtige für sie ist. Sie möchte sich die Zutaten für ihr Glück lieber selbst aussuchen ... und kreiert ihr eigenes Erfolgsrezept.

Die Rezension

Der Anfang: Die Wahrheit war: Ich wusste, dass die Frau mit dem grünen Schal nicht Ma sein konnte. Aber gefolgt bin ich ihr trotzdem.

"Kirschen im Schnee" ist ein Kinderbuch mit dem Prädikat All Age-Roman. Wo Kinder wahrscheinlich unverblümt an die Geschichte herangehen, erschließt sich für erwachsene Leser der tiefere Sinn und die eigene Herzlichkeit des Buches. Obwohl Ich-Erzählerin GiGi einfach und direkt erzählt, braucht man wenige Kapitel, bis man ihre Lebenssituation vollständig erfasst hat. GiGi ist eine sehr intelligente, aber auch sehr spezielle Protagonistin. Sie hat eine kennzeichnende Art mit ihren Mitmenschen und der resoluten Schwester DiDi umzugehen. Viele ihrer Eigenarten und Handlungen, mit denen sie ihr selbst kreiertes Erfolgsrezept umsetzt, sind zum Schmunzeln oder sorgen für wiederkehrende Erheiterung.
Was sind denn das für Namen? DiDi und GiGi? Diese Frage stellt man sich schon beim Klappentext. Ja, sie sind ungewöhnlich, haben aber einen direkten, amüsant-ernsthaften Bezug zur Geschichte und sind sehr relevant für die Handlung. Schon hiermit überzeugt die Idee komplett.

Mir war klar, dass DiDi nur wollte, dass ich in der Mittagspause lernte, anstatt mit den anderen zusammenzusitzen und Quatsch zu machen, damit ich vorankam. [...]
Das Problem war nur: Irgendwann war man so weit vorangekommen, dass man plötzlich ziemlich allein dastand. - S. 53/54

Eine wunderschöne Bereicherung sind die vielen Rezepte, die nicht nur im Buch abgedruckt sind (und Lust auf ein sofortiges Ausprobieren machen), sondern stets die Handlung untermalen. Das ist so intelligent gelöst, dass man als Leser nicht selten positiv überrascht ist.
"Kirschen im Schnee" ist jedoch kein dauerhaft heiterer Roman. Die Geschichte scheut Probleme und Konflikte keineswegs, sie hat einen ernsten, schicksalshaften Hintergrund. Eine große Wendung kommt sehr unerwartet und geht zu Herzen.

Kat Yehs Debütroman für Kinder "Kirschen im Schnee" zählt zu den besonders herzerwärmenden Büchern dieses Genres. Die Hoffnung, die man schon beim Anblick des zuckersüßen Covers in die Geschichte steckt, wird nicht enttäuscht. Dieses Buch wird berühren und im Gedächtnis bleiben. Und auch beim Titel hat der deutsche Verlag alles richtig gemacht. Er zieht sich nämlich wie ein roter Faden durch die Geschichte und wird komplett unvermutet abgeleitet. Damit passt er so viel besser, als der englische Originaltitel ("The Truth About Twinkie Pie").

Das persönliche Fazit
Schon nach dem ersten Buchdrittel hatte ich die leise Ahnung, dass dieses Buch steil auf Lieblingsbuchkurs ist. Die Ahnung bestätigte sich. Bei "Kirschen im Schnee" stimmt alles - außen wie innen! Charaktere und Plot sind wunderbar. Das Buch ist so herzlich, so freundlich, so unerwartet und so besonders, dass es hier keinen Sinn macht, denn Inhalt zu zerreden oder weiter zu analysieren. Man muss das Buch einfach lesen und liebhaben. Am Ende habe ich mir die Rührungstränen aus den Augen gewischt. Ein Lesehighlight 2015 und Lieblingsbuchstatus, aber sowas von!

Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Montag, 2. März 2015

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im März 2015

Der März hat schon begonnen. Also ist es höchste Eisenbahn einen Blick auf meine kleine, aber feine Auswahl der März-Buchneuerscheinungen zu werfen, die es auf meine Wunschliste (oder ins Regal) geschafft haben. Wobei, so klein ist die Auswahl gar nicht, fällt mir gerade auf. Es erscheinen natürlich noch viel mehr. Unmöglich allen gerecht zu werden.


Fantasy - Dystopie

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

Der letzte Engel: Der Ruf aus dem Eis von Zoran Drvenkar ... landet auf meiner Wunschliste, weil Band 1 zu den schrägsten und ungewöhnlichsten Büchern gehört, die ich jemals gelesen habe. Ich bin mir nicht sicher wie viele Teile die Reihe umfassen wird. Der erste Band liegt auch schon eine ganze Weile zurück, über zwei Jahre, und ich sollte mich hier dringend mit dem Hörbuch auffrischen!
Nacht ohne Namen von Jenny-Mai Nuyen ... ist ein Urban Fantasy Roman, der in Berlin spielt. Normalerweise bin ich bei dieser Art von Romanen mittlerweile kritisch, aber es scheint mir keine klassische Romantasy-Geschichte zu sein. Ich bin gespannt, wie die Autorin ihre Dämonen-Story umgesetzt hat.


 

Schimmert die Nacht von Maggie Stiefvater ... gehört zu den Top-Neuerscheinungen im März! Erstens steht MAGGIE STIEFVATER (yay!) drauf, und zweites ist es ein Spin-off zur Nach dem Sommer/Wölfe von Mercy Falls-Trilogie. Es kann als Einzelband gelesen werden (wobei ich es gerne als 4. Band sehe und ein Vorwissen vorteilhaft finde). In diesem Band geht es um Cole & Isabel. Mann, ich freu mich!!
Waterfire Saga: Das erste Lied der Meere von Jennifer Donnelly ... spielt unter Wasser und ist der Start eine Serie (ach, echt?!). Dabei bin ich überhaupt kein Fan von Büchern mit Meereswesen. Die Beschreibungen des Verlags haben mich aber doch neugierig gemacht.


Lovestory - Drama - Zeitgenössisch

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Bis zum Ende des Sommers von Holly Goldberg Sloan ... habe ich zufällig beim Stöbern entdeckt und gesehen, dass es der zweite Band zu "Sam & Emily: Kleine Geschichte vom Glück des Zufalls" ist. Wie genial! Dachte eigentlich, die Geschichte wäre abgeschlossen. Band 1 war so wunderbar!
Aprikosensommer von Deniz Selek ... handelt von Eve, die mit ihrer Mutter nach Istanbul fliegt, um ihren Vater ausfindig zu machen. Außerdem geht es um die Suche nach der eigenen Identität und um eine erste Liebe.
Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb von Tanya Stewner ... hat ein absolut zauberhaftes Cover, und der Verlag schreibt: humorvoll, romantisch, dramatisch, bezaubernd leicht und voller Hoffnung. Achtung, er (der Roman) könnte auch dich verändern! Da lasse ich mich gerne überzeugen.



Egal wohin von Franziska Moll ... ist nach dem Roman der Autorin "Was ich dich träumen lasse" ein komplettes Must-Read! Das war so spröde-berührend und einzigartig. Von dem neuen Roman erhoffe ich mir ein ähnliches Leseerlebnis.
Liebe und andere Fremdwörter von Erin McCahan ... soll romantisch und prickelnd sein, mit einer lustig-liebenswerten Protagonistin. Auf die Wunschliste!
Mit uns der Wind von Bettina Belitz ... ist meine zweite Top-Neuerscheinung im März. Bettina Belitz ist eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen, ihre Bücher lesen sich unvergleichlich eindringlich. Im neuen Roman geht es um eine Lovestory, Rock am Ring und Narkolepsie (eine Schlafkrankheit). Ohne Worte - muss sein!


Der März wird unglaublich vielversprechend, was die Neuerscheinungen angeht. Ich kann mich kaum entscheiden, auf welche Bücher ich mich am meisten freue. Wer schenkt mir ein großes Päckchen Zeit?


Auf die Wunschliste!