Dienstag, 8. Dezember 2015

Review zu "Aller Anfang fällt vom Himmel" von Veronika Peters



Goldmann (September 2015),
Hardcover/SU, 288 Seiten,
19,99 € [D]


Korbinian Gerhard ist Lehrer und seit dem Tod seiner Frau allein lebend. Er ist kauzig, pedantisch und legt Wert darauf, die Dinge unter Kontrolle zu haben. Billa ist siebzehn, freiheitsliebend und rebellisch - und ohne Dach über dem Kopf, denn sie ist von zu Hause abgehauen. Als Korbinian sie an einem kalten Winterabend hungrig und krank auffindet, nimmt er sie widerwillig mit zu sich nach Hause. Dass seine sorgsam gehütete Ordnung damit bedrohlich ins Wanken gerät, bekommt er bald zu spüren: Billa fegt - nebst ihrer Entourage - wie ein Wirbelwind durch sein Leben und scheut sich nicht, alle vermeintlichen Gewissheiten auf den Kopf zu stellen. Und Korbinian staunt nicht wenig, als er sich plötzlich wiederfindet in dem großen Abenteuer, das man Freundschaft nennt ... (Text-, Cover- und Zitatrechte: Goldmann Verlag)


Alleinsein und Ordnung, das waren die beiden Pfeiler, auf denen Kobinians Existenz als Witwer bis zu diesem vierzehnten November aufgestellt war, Alleinsein und Ordnung hielten ihn beieinander, und genau so wäre es bis an sein Lebensende geblieben, wenn er selbst zu bestimmen gehabt hätte. - S. 18/19


Meine Meinung
Ein junges Mädchen stellt das Leben eines kauzigen Witwers auf den Kopf - das ist eine herrliche Vorlage für ein turbulentes Wohlfühlleseerlebnis. Aber, nun ja, es könnte auch der (leicht erotische) Stoff sein, aus dem oberflächliche New Adult-Geschichten gestrickt sind. Zum Glück trifft bei "Aller Anfang fällt vom Himmel" ersteres zu. Zwar nicht ganz so turbulent wie gedacht, aber dennoch verschroben-liebevoll und mit Wohlfühlcharakter.

Korbinian ist schon älteren Semesters, lustloser Lehrer und Einzelgänger. Er hat seinen Tagesablauf durchgeplant, wohnt alleine in einer riesigen Wohnung mitten in Berlin, in der mehrere Zimmer seit Jahren verschlossen sind, und geht persönlichen Kontakten aus dem Weg. Nur so kann er den Tod seiner Frau ertragen. Sein Leben ändert sich, als er die 17-jährige Billa, obdachlos und krank, in seinem Treppenhaus findet.
Wer auf eine Liebesgeschichte zwischen Korbinian und Billa spekuliert, geht mit den falschen Erwartungen an dieses Buch. Hier geht es um viel mehr. Nämlich um zwei vollkommen unterschiedliche Menschen, deren Leben sich durch den jeweils anderen ändert. Beide haben einen traumatischen Hintergrund, der Fokus liegt aber auf dem pedantischen und eigenbrötlerischen Korbinian. Sehr subtil ändert sich sein Leben und auch seine Ansichten. Das liegt nicht nur an Billa, sondern auch an seiner Schwester, die einen wundervollen Part in der Geschichte einnimmt. Die Geschichte lebt von ehrlichen und bisweilen speziellen Charakteren. Korbinians Gefühle sind deutlich ausgearbeitet, als Leserin konnte ich mitfühlen, hatte ebenso viel zu schmunzeln und war von seiner Wandlung positiv überrascht, da der alte Mann sich im Grunde treu bleibt.

Die Sprache des Romans ist hervorragend. Sie ist gehoben, humorvoll und hat mich vereinnahmt. Die Handlung ist linear aus Korbinians Sicht geschildert. Dagegen ist Billas Tonfall ist eine echte Berliner Schnauze und wird perfekt wiedergegeben. 
Es passiert ständig etwas, obwohl dem Buch der große Knall (oder die große Wendung) fehlt. Es ist durchweg ansprechend zu lesen und damit ein echtes Wohlfühlbuch. Korbinians Reaktionen haben mich manchmal gewundert, da er einige Dinge zu sang- und klanglos über sich hat ergehen lassen. Seine Gefühle konnte ich nachvollziehen, Szenen, bei denen er komplett unerwartet reagiert, oder auf den Tisch haut, waren mir die liebsten.

Fazit
"Aller Anfang fällt vom Himmel" ist tatsächlich die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft (keine Liebesgeschichte!). Sie hat einen humorvollen Unterton, der einen wundervollen Kontrast zur enthaltenen Tragik bietet. Die lebendigen, echten und durchaus eigensinnigen Charaktere üben eine starke Faszination auf den Leser aus. Und obwohl die Geschichte nicht mit Konflikten spart, diese manchmal aber im Sand verlaufen, wirkt sie überaus unaufgeregt. Ein schönes Buch, mit dem man sich komplett wohlfühlen kann. Dafür 4 von 5 Punkte von mir.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Eine schöne Rezension - man spürt durch die Zeilen, dass dir das Buch gefallen hat. Das Buch an sich klingt auch traumhaft und wandert gleich einmal auf meine Wunschliste ;)

    Ich finde es angenehm, wenn es bei einer solchen Geschichte nicht um Liebe geht^^

    Viele Grüße

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    1. @Jenny - Vielen Dank. "Aller Anfang fällt vom Himmel" war eine wirklich schöne Geschichte und ich finde es auch immer erfrischend, wenn sich nicht alles um das Thema Liebe dreht.

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