Mittwoch, 11. November 2015

Rezension zu "Was die Spiegel wissen" von Maggie Stiefvater



Verlag: script5 (September 2015)
Originaltitel: Blue Lily, Lily Blue
Übersetzer: Sandra Knuffinke und Jessika Komina
Reihe: Band 3/4 , ab ca. 16-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 448 S.
ISBN: 978-3785583302
18,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: script5 Verlag


Das Thema
Blue ist sich sicher Gansey zu lieben. Doch sie darf ihn nicht küssen, weil das seinen Tod bedeuten könnten. Diesen Schritt nicht zu tun wird immer schwerer für Blue. Aber sie hat auch noch andere Sorgen, denn ihre Mutter ist "unter der Erde" verschwunden. Außer merkwürdigen Visionen gibt es keine Nachricht von ihr.
Unterdessen befinden sich die Raven Boys immer noch auf der Suche nach dem schlafenden König Glendower. Gansey ist sich sicher, dass sie bald am Ziel sein werden und der magische Wald Cabeswater sein Geheimnis offenbart.

Die Rezension

Der Anfang: Persephone stand auf dem kahlen Berggipfel, das elfenbeinfarbene Rüschenkleid wehte ihr um die Beine und ihr weißblonder Lockenwust flatterte.

Mit dem dritten Band der Raven Boys-Serie "Was die Spiegel wissen" steuert die Geschichte langsam auf das Ende zu. In perfekter sprachlicher Qualität, bzw. Übersetzung, begleitet man Blue und ihre Freunde auf einer mysteriösen Suche - nach einem König und nach Antworten. Der englische Titel ist wortgetreu in der Geschichte zu finden, der deutsche auch, jedoch viel subtiler und wunderbar passend.

Er konnte sich nicht entscheiden, ob er müde war oder des Wartens müde. - S. 159

Im Grundgedanken der Geschichte ging es ursprünglich um Blue, ein Mädchen, dem vorausgesagt wurde, dass es seine wahre Liebe mit einem Kuss tötet. Und um Gansey, dessen Geist Blue gesehen hat, was bedeutet, dass er innerhalb eines Jahres sterben wird. Daraus entsprang die Freundschaft zwischen Blue und den Raven Boys. Dieser Grundgedanke bleibt bestehen, zieht sich als eine Art roter Faden durch die Handlung. Diese umfasst mittlerweile jedoch so viel mehr. Es geht schon lange nicht mehr nur um die Jugendlichen, sondern auch um einige Erwachsene in Blues Leben. Hier ganz deutlich um ihre Mutter, die übrigen Hellseherinnen, altbekannte und merkwürdige neue Personen. Durch die wechselnde Perspektive, die sich an keinem besonderen Schema orientiert, erhält man einen guten Zugang zum Innenleben der jeweiligen Personen. Das ist beeindruckend dargelegt und sorgt für Sympathie (wo vielleicht keine sein sollte) oder unterschwellige Abneigung.

Blue war sich vollkommen darüber im Klaren, dass eine Freundschaft nicht zwangsläufig allumfassend sein, nicht blind, taub und verrückt machen und einem den Atem rauben musste. Aber nachdem sie diese Art von Freundschaft einmal kennengelernt hatte, wollte sie einfach keine andere mehr. - S. 124

Es lässt sich nicht leugnen, "Was die Spiegel wissen" ist ein seltsames Buch. Das ist hier absolut positiv gemeint. Zwar kennt man diese Seltsamkeit schon aus den Vorgängerbänden, jedoch überfällt sie einen immer wieder aufs Neue. Nicht selten hat man während des Lesens ein Fragezeichen in den Gedanken, wird mit Dingen konfrontiert, die nicht ganz von dieser Welt, nicht vollständig erklärbar sind. Das bringt Gänsehaut mit sich und bannt an die Seiten. Und es kann durchaus sein, dass nicht alle Fragen beantwortet werden, dass sie ein Stilmittel der Reihe sind und Leser bereit sein müssen die mysteriöse und stimmungsvolle Geschichte so anzunehmen wie sie ist. Fakt ist, die Faszination beim Lesen ist unglaublich hoch. Einzigartig ist die Geschichte sowieso.

Das persönliche Fazit
Einen Grund, warum mich Maggie Stiefvater bei "Was die Spiegel wissen" an die Seiten fesselt, kann ich ganz klar benennen. Es ist der perfekte Stil, die eindringliche Sichtweise auf die Geschichte und ihre Charaktere, die mir die höchste Lesefreude beschert. Der andere Grund ist differenzierter. Ist es die Besonderheit und Einzigartigkeit, die diese Geschichte ausmacht? Oder das Übernatürliche, Nebulöse, das sich mit einer Handlung in unserer Zeit vermischt? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Wer das Besondere liebt, kommt an dieser Reihe nicht vorbei. Für mich gehört die Geschichte zu den besten! 5 Sterne.


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Raven Boys-Tetralogie:

Band 3 - Was die Spiegel wissen
Band 4 - erscheint 2016

Kommentare:

  1. Es ist richtig schön mal eine Meinung zum dem dritten Raven Boys-Band zu lesen, die sich wirklich in meiner widerspiegelt. Für mich war/ist es auch der bisher stärkste Teil der Reihe. Hast dich natürlich wieder selbst übertroffen bei der Beprechung. ;o)

    Für einen Reread hat man nun noch jede Menge Zeit. Der Termin für das große Finale wurde mit Enthüllung des Originalcovers (Schockverliebtheit) wieder vom US-Verlag nach hinten geschoben. Jetzt wird es der April. Das bedeutet natürlich, der deutsche Termin wird noch ferner rücken. :(

    Liebste Grüße,
    Sandy

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    1. @Sandy - Ich freue mich auch total, dass wir bei den Raven Boys so einer Meinung sind. Ich glaube der stärkste Teil war für mich der erste, wobei man da ja alles noch kennenlernen musst. Von Teil 2, dem "Ronan-Band" war ich sehr fasziniert und der dritte war so eindringlich, aber nicht gehetzt. Vielleicht beeilt sich ja Loewe mit der Übersetzung und sie schaffen es doch im Herbst 2016? Ich freu mich jetzt schon! Drück!

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    2. Das hoffe ich für dich und alle anderen, die es auf Deutsch lesen natürlich sehr! Loewe vollbringt ja öfters mal kleine Wunder. :)

      Grüße dich lieb,
      Sandy

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  2. Oh WOW Süße, was für eine unfassbar schöne Rezension <3, besser kann man den dritten Band bzw. die ganze Reihe nicht beschreiben!!! Seltsam sind die Bücher definitiv, aber besonders und anders und mit nichts vergleichbar. Über Maggies wundervollen Schreibstil und ihre Art Geschichten zu erzählen, müssen wir gar nicht reden, auch sie ist unvergleichbar einmalig :)

    Du hast übrigens das selbe Zitat wie ich gewählt, das hier:

    Blue war sich vollkommen darüber im Klaren, dass eine Freundschaft nicht zwangsläufig allumfassend sein, nicht blind, taub und verrückt machen und einem den Atem rauben musste. Aber nachdem sie diese Art von Freundschaft einmal kennengelernt hatte, wollte sie einfach keine andere mehr. - S. 124

    Das beschreibt Blue, ihre Ravenboys und die Besonderheit der Bücher so perfekt :)

    Drück dich, Ally

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    1. @Ally - DAs Zitat ist wirklich besonders schön, darum fiel es und auch sofort auf :-) Mich beeindruckt es jedes Mal wie Maggie mit Worten spielen kann (siehe Zitat: Er konnte sich nicht entscheiden, ob er müde war oder des Wartens müde. - S. 159). Das fasziniert total. Wobei ich mir auch sicher bin, dass gerade die Raven Boys-Reihe nicht jeden Geschmack treffen wird. Man muss ja schon damit klarkommen, dass manches einfach so ist und nicht näher darauf eingegangen wird. Aber gerade dieses Sonderbare ist saustark! Drück dich auch!

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