Freitag, 9. Oktober 2015

Rezension zu "Layers" von Ursula Poznanski



Verlag: Loewe (August 2015)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Klappenbroschur, 448 S.
ISBN: 978-3785582305
14,95 € [D]

Genre: Jugendthriller

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Das Thema
Dorian ist vor seinem gewalttätigen Vater geflohen und lebt nun auf der Straße. Hier schlägt er sich gar nicht so schlecht durch. Bis Dorian neben einem toten Obdachlosen aufwacht, mit dem er am Vorabend einen Streit hatte. Daneben liegt Dorians blutverschmiertes Messer, und er kann sich an nichts erinnern.
Hilfe bekommt Dorian von einem Fremden, der ihn mitnimmt in eine versteckte Villa, in der viele gestrandete oder straffällige Jugendliche leben. Mit der Erledigung kleiner Aufgaben, alle zum Wohle Hilfsbedürftiger, sichern sich die Jugendlichen einen Platz in der Villa. Näheres erfahren sie jedoch nicht. Dorian zweifelt bald am System und den geheimnisvollen Hintergründen. Und er behält recht. Nachdem ihm ein Fehler passiert, wird er gnadenlos gejagt.

Die Rezension

Der Anfang: Er befand sich noch im Halbschlaf, trotzdem spürte er genau, dass der Hauch, der sein Gesicht streifte, kein Wind war. Zu warm, zu übel riechend.

"Layers", das englisch Wort für Schichten, heißt der neue Jugendroman von Ursula Poznanski. Der Titel springt sofort ins Auge und bleibt im Kopf. Und auch die Handlung schließt sich dem an. Man möchte sie aufdecken, diese Schichten, ergründen, warum sich Dinge ereignen und worauf die Geschichte zusteuert. Nebenbei freut man sich am schriftstellerisch hohen Niveau und der wunderbaren Umsetzung. Und so wird das Lesen zu einem beständigen Fluss der Ereignisse, die man gebannt verfolgt, um an die Quelle zu gelangen. Doch der Weg dorthin ist, der Buchtitel verrät es, vielschichtig.

Dorians gesamte Situation wirkt überspannt, irgendwie abwegig und völlig zugespitzt. Ein obdachloser Jugendlicher wird durch eine Stadt gejagt, von einer Organisation, bei der er sich eigentlich sicher fühlen sollte. Doch genau das ist es, was das Lesen hier so reizvoll macht. "Layers" besitzt natürlich eine Spannungskurve, das Anfangslevel ist aber schon sehr hoch und wird permanent gehalten. Einzig im letzten Buchdrittel fährt sich die Handlung etwas fest, bevor sie auf das große Finale zueilt.

Schon zu Beginn verfolgt man Dorians Geschichte mit dem mulmigen Gefühl, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Warum ist der Villenbesitzer so freundlich zu den Problemkindern, was führt er im Schilde? Was bezwecken die Spendenaufrufe und Werbegeschenke, die die Jugendlichen verteilen? Diese und noch viele Fragen mehr will man als Leser beantwortet haben (und bekommt sie beantwortet!). Einige der Jugendlichen sind sorglos und naiv, nehmen ihre glücklichen neuen Lebensumstände als gegeben hin. Dorians Zweifel und seine Recherchen sind hier sehr willkommen, denn man teilt seine Zweifel. Die vorhandene Lovestory mag fein und unaufdringlich sein, ist aber im Grunde nur Mittel zum Zweck, um Dorians Verhalten in die gewünschte Richtung zu steuern. Dafür kennen sich er und seine Freundin zu kurz, bzw. ist die Phase der Annäherung zu schnell erzählt.

Die Autorin weiß von was sie schreibt. Selbst futuristische Elemente sind plausibel dargestellt, weil ihre Umsetzung schon bald im Bereich des Möglichen liegt, also gar nicht so weit entfernt ist von der im Buch gezeigten Möglichkeit. So wirken technische Details niemals plump, machen Sinn und ergeben ein Bild, das man als realistisch verinnerlicht.
Das Ende ist äußerst erlebnisreich und anschaulich, einige Begebenheiten unterbewusst gruselig. Die Geschichte schließt rund ab und wegen verbleibender Fragen wird man nicht mehr länger rätseln müssen, sie werden aufgeklärt. Einige Leser werden überrascht sein, denn auch der Ausgang ist ... vielschichtig.

Das persönliche Fazit
"Layers" ist das perfekte Buch für alle, die gerne Jugendthriller mit futuristischen Elementen lesen und wert auf eine hochwertige Umsetzung legen, bei der die Handlung im Mittelpunkt steht. Im Grunde ist gerade diese sehr gepusht. Dass einem Jugendlichen so etwas passiert ist, rein logisch gesehen, nahezu ausgeschlossen. Für mich machte das den Reiz der Geschichte aus, da der Hauptkonflikt, die Sache, die Dorian aufdeckt, eine plausible Zukunftsvision sein könnte. In Sachen Vielschichtigkeit könnte der Titel des Buches nicht besser passen. 4 Sterne.

Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Kommentare:

  1. Hallo Damaris ;)

    Also ich hab das Buch letzte Woche gelesen. Ich finde es wirklich total interessant, gerade mit dem Hintergrund, dass Microsoft nächstes Jahr eine derartige Brille herausbringen möchte.
    Von den Romanen von U.P. bin ich allerdings schon seit Erebos begeistert. Und "Layers" hat dies nur wieder bestätigt.
    Danke für deine absolut gelungene Rezession! ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Sasha - Ja genau, diese Hintergründe fand ich auch super. Einfach, weil es jetzt nichts völlig utopisches war, sondern weil so etwas tatsächlich (bald) möglich ist. Meine Lieblingsreihe von Ursula Poznanski ist die Eleria-Trilogie. Sie ist absolut toll!

      Löschen
    2. @ Damaris - um ehrlich zu sein habe ich mich an die Eleria- Trilogie nicht heran gewagt. Allerdings sind diese Bücher jetzt nun als nächstes dran. Ich halte dich auf dem Laufenden ;-)

      lieben Gruß

      Sasha

      Löschen
  2. Hallo Liebes <3

    ich habe "Layers" im Urlaub gelesen, also vor inzwischen ca. 4 Wochen. Wie so oft sind wir uns wieder sehr einig was den Inhalt und die kleinen Kritikpunkte angeht. 4/5 hat das Buch von mir auch bekommen, auch wenn ich es gar nicht rezensiert habe. Die Idee fand ich definitiv auch echt toll und auch die Umsetzung ist eben typisch Ursula <3.

    Grüßle, Ally

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Ally - Man muss nicht immer alles rezensieren, manchmal sollte man einfach nur genießen :-) Layers war ein super Buch, man merkt der Autorin einfach an, dass sie ein Profi ist. Kritik finde ich auch nicht schlimm, darum kann ein Buch trotzdem lesenswert sein.

      Löschen

Du möchtest mir etwas zu diesem Beitrag mitteilen? Dann los ... ich freue mich.