Mittwoch, 2. September 2015

Review zu "Schau mir in die Augen, Audrey" von Sophie Kinsella



cbj (Juli 2015),
Klappenbroschur, 384 Seiten,
übersetzt von Anja Galić,
14,99 € [D]


Audrey ist Mitglied einer ziemlich durchgeknallten Familie: Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug - Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse - Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ... (Cover-, Text- und Zitatrechte: cbj Verlag)


Unser Familienleben funktioniert ganz ähnlich wie das Wetter. Es gibt Hoch- und Tiefdruckgebiete, Windstille und orkanartige Böen. Manchmal ist der Himmel tagelang strahlend blau, dann wieder wolkenverhangen oder es bricht wie aus dem Nichts ein Gewitter los. Gerade zieht das Gewitter in meine Richtung. Donner-Blitz-Donner-Blitz, Frank-Mum-Frank-Mum. - S. 31


Meine Meinung
Autorin Sophie Kinsella kennt fast jeder Leser. Ihre Romane sind Bestseller, wurden teilweise sogar verfilmt. Mit "Schau mir in die Augen, Audrey" gibt sie ihr Debüt im Bereich Jugendbuch und das voller Situationskomik inmitten eines ernsten Themas, sprühendem Humor und äußerst charmanten Charakteren.

Audrey Turner lebt in einer - mehr oder weniger normalen - Chaotenfamilie. Und Audrey sticht aus ihrer Familie nochmals besonders hervor. Sie trägt nämlich den ganzen Tag eine Sonnenbrille, selbst bei Dunkelheit oder wenn es regnet. Mit dem Spott der Nachbarn kommt sie klar, da sie sich seit dieser Schulsache sowieso nicht aus dem Haus wagt. Audrey leidet unter Angstzuständen und einer Depression, ist darum auch bei einer Therapeutin in Behandlung. Als ihr großer Bruder seinen Freund Linus mit nach Hause bringt, ändert sich Audreys Leben Schritt für Schritt.

Ich hatte schon vermutet, dass mich mit "Schau mir in die Augen, Audrey" ein lustiges Buch erwartet. Wie gut die Autorin das Thema Angstzustände mit Humor und Situationskomik kombiniert, hat mich dann aber sehr überrascht. Das Buch ist ein Pageturner, der zum Dauerschmunzeln und lauten Auflachen animiert. Auch die jugendliche Lovestory und vorsichtige Annäherung mit Linus überzeugt auf ganzer Linie. Verharmlost wird Audreys Problem aber ganz und gar nicht. Die 14-jährige leidet, und das kommt auch deutlich beim Leser an. Sie kann einfach nicht aus ihrer Haut. Doch es gibt Hoffnung, und diese findet sich ausgerechnet in ihrer chaotisch-liebenswerten Familie, ihrer zarten Freundschaft mit Linus und einem Kamera-Experiment, das ihre Therapeutin vorschlägt.

Was genau mit Audrey geschah, welches Ereignis zu ihrer psychischen Krankheit führte, erfährt man nicht im Detail. Audrey, die die Geschichte in der Ich-Form erzählt, sagt dem Leser einmal sehr deutlich, dass sie nicht mehr alles von Anfang an hervorholen und erzählen möchte, bzw. dies nicht kann. Hier muss ich eingestehen, dass ich meine Sensationslust ganz schön bremsen musste, akzeptierte aber schnell, dass das traumatische Ereignis nicht beim Namen genannt werden wird. Trotzdem kann man sich, aufgrund mehrerer Andeutungen und Zusammenhänge, bald ein genaues Bild von Audreys Situation machen. Im Grunde ist es klar, was ihr passiert ist.
Man liest sich schmunzelnd durch die Seiten, freut sich an den schrulligen, schlagfertigen und charmanten Charakteren und taucht gleichzeitig tief in das verängstigte Seelenleben eines Teenagers ein. Das ist sehr gut gemacht! Gegen Ende erwartete ich einen weitaus größeren "Knall", als den, der tatsächlich erfolgte. Dennoch wird die Handlung für alle beteiligten Charaktere bedeutungsvoll und sehr liebenswürdig zu Ende gebracht.

Fazit
"Schau mir in die Augen, Audrey" ist ein humorvolles und vielschichtiges Jugendbuch, das mit Charme, Aufklärung und ganz viel Witz von Anfang an ein Pageturner ist. Man schafft es kaum, aus dem Buch aufzutauchen und schließt die durchgeknallt-liebevolle Familie Turner komplett ins Herz. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen, überlässt die Autorin Audreys Schlüsselerlebnis der Fantasie ihrer Leser, gibt aber genug Hinweise für eine plausible Erklärung. Audreys Filmprojekt-Szenen sind ein Hit, die Verbindung von Humor mit dem Thema einer psychischen Erkrankung sowieso. Es lohnt sich, Audrey tief in die Augen zu schauen!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Ich war ähnlich begeistert wie du. Vor allem die Szenen zwischen Frank und Mum fand ich suuuuper! :D

    Mir hat es übrigens ziemlich gut gefallen, dass die Ursachen von Audreys Angststörung nicht konkret genannt wurden (Verdammt, warum bin ich in meiner Rezi gar nicht darauf eingegangen?). So können es eben verschiedenste Situationen sein und die Autorin macht eben deutlich, dass für jede Person so ein Auslöser ganz unterschiedlich sein kann.

    Liebe Grüße, Tine

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    1. @Tine - Hihi, die Frank-Mum-Szenen haben mich während des Lesens vor Lachen rumhüpfen lassen :-) Absolut genial! Ich habe zuerst immer erwartet, dass man irgendwann noch den konkreten Grund für Audreys Kranksein erfährt, aber auch ohne Benennung wissen wir doch alle, was da los war. Jetzt, im Nachhinein, gefällt es mir auch, dass das von der Autorin nicht breitgetreten wurde. Und man kann nicht auf alles in der Rezi konkret eingehen :-) Meine ist schon wieder viel zu lange. Diese Computersache von Frank fand ich auch spitze :-) Ich husche gleich mal zu dir rüber ...

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  2. Halli hallo

    Hab es auf dem Tolino von der Biblio aber irgendwie vernachlässige ich E- Books einfach sträflich....;)
    Bin gespannt wie es mir gefallen wird.
    Liebe Grüsse
    Bea

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    1. @Bea - Ja, das ist der Nachteil bei E-Books, sie kommen oft zu kurz. Audrey hast du ganz schnell gelesen. Es ist ein SEHR unterhaltsames und auch tiefsinniges Buch (dachte ich erst gar nicht). Lies es bald ...

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  3. So viele begeisterte Stimmen! ♥ Da mich das Cover nicht wirklich angehüpft hat (manchmal bin ich wirklich ein oberflächlicher Dreikäsehoch), ist das Buch nicht auf meiner WuLi gelandet. Aber so viele begeisterte Rezensionen sprechen ja wirklich für die Story :))) Tolle Rezension, die wirklich Lust macht, Audrey mal tief in die Augen zu schauen!

    Liebste Grüße ♥
    Nana

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    1. @Nana - Mit den Covern geht es mir doch ganz genau so! Schon beim Neuheiten-Stöbern schaue ich auch die Cover - da sind mir auch schon ein paar tolle Bücher durch die Lappen gegangen. Audrey ist aber wirklich ein ganz süßes Buch, auch innen toll gemacht. Trotz des "Chaos" bei Audrey zu Hause ist die Familie total liebenswert. Man muss ständig lachen. Das solltest du nicht verpassen, ich weiß, dass es dir gefallen würde :-)

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