Dienstag, 23. Juni 2015

Rezension zu "Dustlands: Der Blutmond" von Moira Young



Verlag: FISCHER FJB (April 2015)
Originaltitel: Raging Star
Übersetzer: Alice Jakubeit
Reihe: Band 3/3, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 448 S.
ISBN: 978-3841422255
18,99 € [D]

Genre: Endzeit-Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Das Thema
Saba ist mit ihren Freunden nicht auf dem Weg zum großen Wasser. Sie sind von ihrem ursprünglichen Plan abgewichen und haben sich zu einer kleinen Rebellengruppe zusammengeschlossen. Gemeinsam wollten sie DeMalos festgelegte Weltordnung stören und sein System ins Wanken bringen. Alle Informationen bekommt Saba von Jack, dessen größtes Bestreben es ist, DeMalo zu stürzen. Doch die Gruppe ist gegen die Tonton-Armee des selbsternannten Herrschers fast aussichtslos schwach, und der charismatische DeMalo übt eine dunkle Anziehungskraft auf Saba aus. Als er ihr das Angebot macht, ihre Rebellengruppe ziehen zu lassen, muss sich Saba entscheiden ob sie seine Bedingungen akzeptieren will. Sie hat Zeit bis zum Blutmond - und dieser ist schon in sieben Tagen.

Die Rezension

Der Anfang: Wir laufen. Durch die Nacht. Wir fünf. Durch den weißen nächtlichen Wald von New Eden. Lugh und Tommo und Ash und Creed und ich. Wir fünf. Wir laufen.

Eine besondere Reihe verlangt nach einem besonderen Abschluss. Die staubig-spannende und sehr außergewöhnliche Dustlands-Trilogie wird nun mit "Der Blutmond" zu Ende gebracht. Der Sprachstil und die eigenwillige Hauptprotagonistin bleiben das herausragendste Merkmal dieser Abschlussgeschichte. Beim Schauplatz, und den Beziehungen der Protagonisten untereinander, müssen sich die Leser auf einige Unterschiede zu den Vorgängerbänden einstellen. Das macht das Ende jedoch nicht weniger reizvoll.

Meine Haut zittert. Ich kann kaum flüstern. Aber ich tu's. Ich flüster: "Du wirst mich nicht ... kriegen."
Er wird still. Ganz still. In dem Schweigen zwischen uns hält der Tag den Atem an. Dann.
Tret ich zurück. Von ihm. Weg. Von ihm. Luft strömt so stürmisch in meine Lunge, dass mir schwindelig wird. Die Erde heilen. Das ist richtig. Aber so, wie er's tut, ist es falsch. Falsch, falsch, falsch. - S. 45

Fans der Dustands-Trilogie werden schon auf den ersten Seiten vor Freunde aufseufzen. Man hat ihn wieder, den Schreibstil, der die Bücher ungewöhnlich, aber auch einzigartig macht. Die kurzen und prägnanten Sätze, die teilweise nur aus einem einzigen Wort bestehen, sorgen nicht selten für Gänsehaut. Sabas sehr umgangssprachliche Ausdrucksweise, mit abgekürzten Verben und naiver Sprache, veranschaulichen ihre einfache Herkunft. Die Übersetzung von Alice Jakubeit ist hervorragend gelungen.
Einige Passagen im Buch sind aus Sicht eines Verräters geschrieben. Der Anfang dazu wurde bereits im Vorgängerband gemacht. Es könnte etwas dauern, bis man sicher weiß, wer es ist. Das bringt Spannung ins Buch.

Ging es in den ersten Büchern noch um ein staubiges, riesiges Endzeitland, beschränkt sich die Handlung hier auf New Eden, ein Territorium inmitten der zerstörten Welt. Die handelnden Personen gelangen relativ schnell von einem Ort zum anderen. Lange Reisen, mit viel Spannung und Entbehrung fallen hier fast gänzlich weg. Daran muss man sich erst gewöhnen, weil der Eindruck entsteht, dass trotz dichter Handlung nicht so viel passiert.
Leider scheint die Chemie zwischen Saba und Jack die Chemie nicht mehr richtig zu stimmen. Das ist schade und liegt hauptsächlich daran, dass Saba in diesem Band viel zu viele Geheimnisse hat. Das belastet die neckende und spritzige Beziehung zu Jack und man hat das Gefühl, dass beide nicht mehr gut zueinanderfinden.

Ich bin kein Schisser. Einen Schritt nach dem anderen, so werd ich diese Sache zu Ende bringen. Um mich selbst hab ich keine Angst. Aber um die, die ich liebhab, hab ich große Angst. Wenn mich das zu einer schlechten Anführerin macht. Dann ist das eben so. - S. 343

Die Lösung für alle Probleme erscheint ganz leicht, hat es aber doch in sich. Es gibt einige Passagen im Buch, die sehr zu Herzen gehen. Manches überrascht. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, und die Handlung wird sehr entbehrungsreich. Der Schluss passt mit seiner nüchternen und trockenen Art zur Geschichte, auch wenn man weiß, dass es in den Personen viel gefühlvoller aussieht. Es fällt schwer, Abschied zu nehmen.

Das persönliche Fazit
"Der Blutmond" lässt mich erwartungsgemäß zufrieden zurück, auch wenn vieles hier anders lief als noch in den Vorgängerbänden. Persönliche Vorlieben musste ich teilweise zurückstellen und die Charaktere ihren eigenen Weg gehen lassen. Der Unterhaltungswert ist hoch, die sprachliche Gestaltung und Eigenart des Buches macht die Reihe auf ihre Art einzigartig gut. Ein sehr volles letztes Buchdrittel und ein schöner, etwas offen gehaltener Schluss stimmen wehmütig. Schade, dass es vorbei ist. 4 Sterne!

Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Dustlands-Trilogie:

Band 2 - "Der Herzstein"
Band 3 - "Der Blutmond"

Kommentare:

  1. Halli hallo

    Ich war leider ein weiteres mal von einem Finale doch etwas enttäuscht. Langsam aber sicher frage ich mich ob es für mich nicht besser wäre, wenn ich Fortsetzungen zeitnah lesen würde ( obwohl wir hier ja nicht eine riesen Pause haben)


    Zwischen mir und Saba habe ich eine gewisse Distanz verspürt, irgendwie mochte ich sie als " Kratzbürste" lieber! Auch Jack mein Liebling aus den Vorgängern wirkte fast schon ein bisschen blass auf mich. Ebenso erging es mir mit allen anderen Protagonisten, es gab niemanden an den ich mich klammern konnte......

    Ich hatte den Eindruck die Geschichte " plätschert" fast ein wenig vor sich hin, obwohl es immer wieder zu aktiven Handlungen kommt, fehlte mir einfach die Spannung und das mitfiebern. Nicht einmal die kursiv geschriebenen Abschnitte aus der Sicht der Verräters konnten mich fesseln, da ich schon am Ende von Band zwei eine Vermutung hatte, welche sich schlussendlich auch als richtig herausstellte.

    Zum Ende hin überschlagen sich dann plötzlich die Ereignisse, so dass ich kaum Zeit hatte diese alle zu verarbeiten. Dass fand ich etwas schade, gerade hier hätte ich mir dann doch mehr Vertiefung gewünscht. Die Verluste berührten mich auch kaum, da meine Bindung zu den Charakteren ja sowieso fast nicht mehr vorhanden war.

    Insgesamt behalte ich aber die Trilogie in guter Erinnerung ;)

    Liebe Grüsse
    Bea


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    1. @Bea - Also ich kann dich bei Dustlands 3 sehr gut verstehen. Eine Distanz zu den Charakteren hatte ich nicht, aber die Chemie zwischen Saba und Jack hat mir etwas gefehlt. Auch, dass sich hier alles innerhalb New Edens abspielte, war gewöhnungsbedürftig. Es war nicht langweilig, im Grunde passierte ständig etwas, aber es war ein etwas anderes Feeling als in den anderen Büchern. Bei den kursiven Abschnitten hatte ich erst jemand anderen in Sinn, aber meist ist es ja der, den man am wenigsten verdächtigt :-)

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  2. Hey Damaris,

    ich muss den dritten Band der Dustlands Reihe auch unbedingt noch lesen. Allerdings habe ich ein wenig Angst davor, was Saba alles so anstellen könnte ;-)
    Ich stimme dir zu, denn die Sprache der Reihe ist wirklich einzigartig und macht sie besonders.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. @Sandra - Oh, ja! Saba stellt eine ganze Menge an. Sie ist einfach ein sehr sturer Dickkopf :-) Du solltest da Buch auf jeden Fall bald lesen, es ist immer wieder schön, eine Reihe abzuschließen (aber etwas wehmütig bin ich auch!).

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