Sonntag, 7. Juni 2015

Review zu "Liebe und andere Fremdwörter" von Erin McCahan



FISCHER FJB (März 2015),
Hardcover/SU, 352 Seiten,
16,99 € [D]


Josie spricht viele Sprachen. Sie spricht Highschool, College, Freundinnen, Boyfriend, Schlussmachen und sogar die Sprache der Hübschen Mädchen. Aber keine davon ist ihre Muttersprache. Und Liebe? Die fremdeste Sprache von allen.
Als aber der Zeitpunkt gekommen ist, an dem fließende Kenntnisse in Wahrer Liebe nötig sind, um eine bevorstehende Katastrophe abzuwenden, ist Josie gezwungen, ihre Gefühle für den Jungen zu erforschen, der behauptet, sie zu lieben; für die Schwester, die Josie liebt, aber nicht immer mag; und für den besten Freund, der bisher nicht ein Wort gesagt hat - zumindest nicht in einer Sprache, die Josie spricht. (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB)


Ich stelle mir gern vor, dass Menschen aus einem göttlichen Automaten kommen, solchen wie denen, die man in Aufenthaltsräumen von Hotels oder auf alten Tankstellen findet. Man drückt einen Buchstaben und eine Zahl und kann zusehen, wie das gewählte Produkt nach unten fällt.
Drückt man B-3, bekommt man Sigmund Freud.
D-12 ist Beyoncé.
C-7 bin ich.
A-8 ist ein Twix. - S. 65


Meine Meinung
Die Sprache der Liebe kann schwierig sein. Vor allem, wenn man sich so viele Gedanken darüber macht wie Josie. Sie sieht das wie ihr bester Freund: "Beziehungen sind kompliziert. Man muss dieselbe Sprache sprechen. Oder die des anderen lernen, aber das funktioniert nicht immer." (S. 89)
Als Leser erlebt man eine Josie, die fast schon verzweifelt versucht, die Sprache der Liebe zu erlernen. Aber nicht nur die Liebe zum anderen Geschlecht, sondern auch die zu Freunden oder sogar zu der eigenen Schwester und ihrem Verloben. Denn gerade diese beiden gehen Josie ganz schön gegen den Strich.

Ich übertreibe nicht, wenn ich mich hier darauf festlege, dass Josie eine der ungewöhnlichsten, eigenwilligsten und gleichzeitig liebenswürdigsten Buchcharaktere des Jugendbuches ist. Ihr bester Freund Stu hat einen IQ, der elf Punkte über der offiziellen Bezeichnung eines Genies liegt. Josies ist nochmals drei Punkte höher. Die Jugendlichen besuchen zwei Schulen gleichzeitig und nehmen an speziellen Förderkursen für Hochbegabte teil. Josie ist ein absoluter Kopfmensch, sie versucht alles und jeden zu berechnen, auch völlig abstruse Dinge. Ihre Familie kann sie sehr gut annehmen und ihre Eigenarten akzeptieren, das hat mich sehr beeindruckt. So richtig kompliziert wird die Sache allerdings, als Josies Schwester Kate ihren neuen Verlobten vorstellt, den Josie sofort als "schlecht" kategorisiert und ihrer Schwester eine Hochzeit unbedingt ausreden will.

Was also ist Liebe - die Art Liebe, die nicht auf Kekse, sondern auf Menschen bezogen ist? Sie ist eine Verbindung, so etwas wie eine geheime Sprache zwischen zwei Menschen oder ein unsichtbarer Tanz. [...] Sie kann überstrapaziert oder auf die Probe gestellt werden, [...] aber sie ist niemals temporär, niemals flüchtig und kann niemals gebrochen werden, so viel kann ich aus eigener Erfahrung aus meiner jüngsten Vergangenheit sagen. - S. 321

Man begleitet also Josie über eine gewisse Zeitspanne, in der sie besonders viele Erfahrungen und Erkenntnisse sammelt. Einiges ist sehr hart für sie, anderes dagegen wunderbar. Sehr schön ist, dass es nicht nur um die romantische Liebe, sondern auch um die Liebe im Allgemeinen geht.
"Liebe und andere Fremdwörter" verbindet die Leichtigkeit des Lesens mit einer anspruchsvollen Geschichte, die durch die 16-jährige, sehr direkte (!) Protagonistin zu etwas ganz Besonderem wird. Das Buch brachte mich herzlich zum Lachen, zum nachdenken und mich bewegt. Welche Art von romantischer Liebe Josie am Ende findet, war für mich absehbar, schmälerte aber den Lesegenuss nicht im Geringsten. Ich bin beeindruckt, welch herrliche und geistvolle Geschichte die Autorin hier geschrieben hat!

Fazit
In "Liebe und andere Fremdwörter" spricht Josie eine Sprache, mit der sie oft aneckt. Nicht alles im Leben lässt sich analytisch erfassen. Doch genau diese Art hilft Josie, hinter das Geheimnis der Liebe zu kommen. Die originelle Geschichte ist sehr freimütig, rational, aber auch gefühlsbetont. Die äußerst humorvolle Darstellung hat genau die richtige Gewichtung in einer Geschichte, in der eine sehr spezielle Jugendliche problematische Lebenserfahrungen macht. "Liebe und andere Fremdwörter" ist so lustig, so individuell und herzlich - das muss man gelesen haben!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Bei dir finde ich wohl nur noch Bücher die mich ansprechen. Da wächst meine Wunschliste ja immer weiter.
    Wieder mal eine sehr schöne Rezension und auch wieder ein besonderes Buch. Es klingt mal nicht nach einer 08/15 Protagonistin.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. @Vanessa - Ach, ich spreche dich gerne mit jedem Buch an, dass ich hier vorstelle :-) "Liebe und andere Fremdwörter" kann ich rundum empfehlen, es war ein ganz tolles Lesen <3

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    2. Ich merke es schon ;-). Du stellst viele Bücher vor, die toll klingen.

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  2. Da du mich ja jetzt so neugierig auf das Buch gemacht hast, MUSSTE ich natürlich deine Rezi lesen <3. Du hast es geschafft, es kommt auf meine WuLi.

    Vielen Dank dafür <3

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    1. @Ally - "Liebe und andere Fremdwörter" ist toll. Ich behalte das Buch auch im Regal :-) Unbedingt mal merken <3

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