Freitag, 22. Mai 2015

Rezension zu "Partials 3: Ruinen" von Dan Wells



Verlag: ivi (April 2015)
Originaltitel: Ruins. Partials 3
Übersetzer: Jürgen Langowski
Reihe: Band 3/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 480 S.
ISBN: 978-3492702843
19,99 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: ivi by Piper Verlag


Das Thema
Kira Walker hat sich in die Hände von Dr. Morgan begeben, die verzweifelt ein Heilmittel für das Verfallsdatum der Partials finden will. Dieses hofft sie in Kiras DNA zu finden und forscht grausam und mitleidslos an der jungen Frau. Währenddessen ist Samm im Reservat geblieben, um den dort lebenden Menschen zu helfen und sie zu unterstützen.
Jedoch scheint ein Krieg zwischen den letzten Menschen und Partials unausweichlich. Die Rebellen sind im Besitz einer Atombombe und entschlossen, diese auch zu zünden. Den Verlust vieler Menschen nehmen sie in Kauf. Sie wollen das Zahlenverhältnis zwischen den zwei Gegnern ausgleichen. Da macht Kira eine Entdeckung, die alles verändern könnte. Doch ihr läuft die Zeit davon.

Die Rezension

Der Anfang: "Dies ist eine Botschaft für alle Einwohner von Lang Island." Bei der ersten Durchsage hatte niemand die Stimme erkannt. Allerdings wurde der Text unablässig, Tag für Tag und Woche um Woche, auf sämtlichen verfügbaren Frequenzen wiederholt, damit es alle Bewohner der Insel hörten.

Mit "Ruinen" liefert Dan Wells den dritten Band, und somit den Abschluss, zu seiner einzigartigen Partials-Trilogie. Dem Autor ist es gelungen, eine spannende, postapokalyptische Welt zu kreieren, die den Leser an die Seiten fesselt, aber auch einiges von ihm fordert. Lässt man sich auch ein drittes Mal darauf ein, und begleitet die Unternehmungen um Kira und Samm bis zum Ende, wird man mit einem eindrücklichen, harten und in Erinnerung bleibenden Abschluss belohnt.

Kommt es wirklich nur aufs nackte Überleben an? Wenn ich es Morgan sage, und sie versklavt daraufhin die Menschen, um die Partials zu retten, dann werden die Menschen nicht untergehen, aber es wird die Hölle sein. Wie kann ich diese Entscheidung treffen? - Kira, S. 133

Die Partials-Geschichte war schon immer komplex. Neben dem postapokalyptischen Schauplatz USA, mit normalen, sowie genmanipulierten Menschen, muss man sich als Leser mit allerlei technischen und medizinischen Informationen befassen. Diese werden aber so geschickt in die Geschichte integriert, dass eine ständige Plausibilität vorhanden ist. Der Autor weiß, von was er schreibt. Die Recherche ist unglaublich gut! Nichtsdestotrotz ist "Ruinen" ein aufwändiger Roman, bei dem man sich gut konzentrieren, und am Ball bleiben muss, um der Handlung jederzeit folgen zu können.

Während es in den ersten Bänden noch mit einem stärkeren Fokus um Kira und Samm ging, kann man sie hier nicht mehr unbedingt als alleinige Hauptcharaktere bezeichnen. Kira ist im Grunde für die Zukunft von Menschen und Partials verantwortlich. Die Lösung für alle Probleme erscheint so einfach und doch so unmöglich. Kiras Mut, ihre Tapferkeit und Entschlossenheit macht sie zur tragenden Person der Geschichte, auch wenn man ihr nicht hinter jeder Ecke begegnet.
Das Buch hat so viele Handlungsstränge, dass die Erzählperspektive in fast jedem Kapitel wechselt und von Schauplatz zu Schauplatz springen. Jeder Handlungsstrang erzählt seine eigenen Geschichte und hat am Ende mit dem großen Ganzen zu tun. Das ist große Erzählkunst!

"Liebe bedeutet, dass du Gefühle, Vertrauen und Verletzlichkeit eines Menschen gegen ihn verwenden könntest, es aber nicht tust. Wenn du ein Versprechen abgibst, das du nicht einlösen willst, aber trotzdem Wort hältst, weil es sich richtig anfühlt." - Samm, S. 292

"Ruinen" führt eine, bzw. mehrere Liebesgeschichten fort, ist wenn, dann aber nur vor zarter Romantik geprägt. Liebe spielt für tragende Entscheidungen zwar eine Rolle, findet aber oft eine sehr nüchterne Anwendung. Das passt zur Geschichte, deren Gewichtung auf einem viel umfassenderen Konstrukt liegt.
Das Buch ist hart, manchmal schonungslos, erschreckend und auch bedrückend. Bis zum Ende glaubt man nicht, dass hier noch irgendetwas zu retten sei oder zum Guten gewendet werden könnte. Trotzdem hat sich Dan Wells für ein "gutes", angemessenes Ende entschieden. Es ist verlustreich, mitleidlos, aber voller Hoffnung.

Das persönliche Fazit
In "Partials 3: Ruinen" liegt die Welt in Trümmern, auf die Menschen und Partials nochmals mit dem imaginären Hammer draufhauen, bis nichts als Staub zurückbleibt. Es scheint unmöglich, dass aus diesem Krieg noch ein friedliches Miteinander entsteht, in dem beide Parteien überleben können. Das Buch ist konsequent, passend zum Titel, und hat mich mehrmals erschreckt. Auch wenn die Geschichte sehr komplex und nicht ganz einfach ist, hat es Dan Wells geschafft, mich bis zum Schluss zu fesseln, mir einige atemlose Spannungsmomente zu bereiten und mich somit über längere Handlungspassagen hinweggetragen. Ein würdiger Abschluss! 4 Sterne.

Aufmachung: 4 /5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Partials-Trilogie:

Band 1 - "Aufbruch"
Band 2 - "Fragmente"
Band 3 - "Ruinen"

Kommentare:

  1. Die längeren Handlungspassagen waren es leider, die mich gestört haben. Auch fand ich ab der Hälfte, dass der Plot einfach in die Länge gezogen war. Gerade die erste Hälfte hatte mir echt gut gefallen, weil es wieder viel Rätselforschung und auch biologische Aspekte gab. Aber danach viel von A nach B irren. Ich fands etwas schade, dass für mich keiner der Fortsetzungen an die Spannung und Faszination des ersten Bandes herankommen konnte.

    Aber dennoch eine außergewöhnliche Reihe, allein schon durch die Komplexität!

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. @Tina - Diese Längen wurden ja auch schon im zweiten Band oft bemängelt. Ich kam erstaunlich gut klar damit, weil ich einfach so konstant interessiert war. Auch gefiel mir an der Serie, dass die Lovestory nicht so fürchterlich breitgetreten wird. Wobei es schon ein paar wenige sehr nette Momente gab. Markus fand ich hier erstaunlich lustig :-) Und das stimmt natürlich, die Reihe ist unglaublich komplex, dadurch auch komplett für jedermann, nicht unbedingt für eine junge Zielgruppe geeignet.

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  2. Interessant: Ich habe das Buch etwas anders wahrgenommen als du. Gerade das Ende hat mich enttäuscht, weil es insbesondere im Verhältnis zu der sonst sehr langsam erzählten Handlung total kurz abgehandelt wurde. Das fand ich doch schade.

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    1. @Tine - Ja, diese unterschiedlichen Wahrnehmungen finde ich auch immer interessant :-) Ich fand ja, die ganze lange Handlung führte dann auf diesen dramatisch Schluss zu, dafür fand ich ihn dann auch nicht zu schnell. Aber im Grunde hast du recht. Weil man an den Büchern so lange gelesen hat, dachte man am Ende, da fehlt jetzt etwas oder sollte noch etwas weitergeführt werden ... Aber ich mochte die Bücher.

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  3. Huhu Süße,

    dass wir auch bei der kompletten Partials- Reihe der selben Meinung sind, weißt du ja <3. Ich kann dir in allem auch nur vollkommen zustimmen, du triffst mit deiner fantastischen Rezi den Nagel auf den Kopf. Mich hat all das medizinische und technische überhaupt nicht gestört, weil es einfach dazugehört und ja auch wichtig für die gesamte Geschichte ist. Man muss wirklich dran bleiben und sich konzentrieren, wird letztendlich aber mit einer außergewöhnlichen Geschichte belohnt.

    Liebste Grüße, drück, Ally

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    1. @Ally - Partials empfinde ich als eine der aufwändigsten Reihen für junge Erwachsene. Finde sogar eher, dass es gar keine Jugendbücher sind. Bei dieser Reihe muss man Zeit haben, schnell schnell geht da nicht. Mir gefielen alle Bände ungefähr gleich. Ich mochte auch vor allem Band 2 sehr gerne. Die lange Wanderung mit Sam und Heron war toll. Da haben sich ja einige daran gestört. Die Geschichte ist trotzdem sehr außergewöhnlich. Drück!

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