Mittwoch, 31. Dezember 2014

Review zu "Zeit zu gehen, Friday Brown" von Vikki Wakefield



FISCHER Sauerländer (Oktober 2014),
Hardcover, 416 Seiten,
14,99 € [D]


Die siebzehnjährige Friday ist auf der Flucht vor den Erinnerungen an ihre Mutter, vor ihrem Großvater und vor sich selbst. Um nicht allein zu sein, schließt sie sich einer Gang von Straßenkids an, angeführt von der schönen und charismatischen Arden. Zusammen ziehen sie in eine Geisterstadt weit draußen im australischen Outback. Doch Friday merkt bald, dass die erhoffte Freiheit nur ein Traum ist. Sie lernt, dass man manchmal bleiben muss, um zu beenden, was man begonnen hat. Und dass man manchmal erst jemand werden muss, der man nie sein wollte, bevor man herausfindet, wer man wirklich ist. (Text-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER Sauerländer)


"Du kannst nicht immer gute Entscheidungen treffen. Manchmal musst du dich damit zufriedengeben, eine Entscheidung zu treffen, mit der du leben kannst." - S. 82


Meine Meinung
"Zeit zu gehen, Friday Brown" hat mich schon anhand der Verlagsbeschreibung interessiert. Es ist ein sehr anziehender, vereinnahmender Roman. Während des Lesens ist man fasziniert und bedrückt gleichermaßen, danach brennt einem das Buch auf der Seele. Dabei ist es gar nicht einfach zu beschreiben.

Fridays Mutter ist ein Freigeist. Sie bleibt nie lange an einem Ort und zieht mit ihrer Tochter, ab deren Geburt, kreuz und quer durch Australien. Erst als sie Krebs bekommt, kehrt sie nach Hause zurück, und die 17-jährige Friday soll nach ihrem Tod beim Großvater leben. Doch auch Friday hält es beim Großvater nicht aus. Das Buch startet damit, dass Friday ebenfalls abhaut - ihr Großvater lässt sie ziehen. In der Stadt lebt Friday mit neun anderen Kindern und Jugendlichen in einem besetzten Haus. Die erhoffte Freiheit bleibt aber aus, sogar als die Jugendlichen weit weg, ins australische Outback ziehen. Friday lernt eine Lektion, die sie ihr ganzen restliches Leben lang prägen wird.

Im Grunde ist die Ausreißergeschichte der 17-jährigen Friday simpel. Und dennoch steckt in dem Buch soviel mehr. Dramen dieser Art kann ich meist sehr nüchtern lesen. Trotzdem hatte ich hier am Ende mit den Tränen zu kämpfen. Direkt vergleichen lässt sich die Geschichte nicht. Stellenweise erinnerte sie mich an "Wir Kinder von Bahnhof Zoo", allerdings ohne die ausgeprägte Drogenthematik, dafür mit Machtspielchen, Unterdrückung und psychosomatischen Störungen. Gegen Ende steigert sich die Geschichte zu einem echten Thriller, mit einer Hauptprotagonistin, die über sich hinauswächst. So hatte ich das ganz sicher nicht erwartet. Große Klasse!

Mit dem Klappentext werden faszinierende Charaktere versprochen, die im Gedächtnis bleiben. Das trifft auch komplett zu. Vikki Wakefield hat allen Charakteren etwas Spezielles, Eigenes mitgegeben, das einen während der Geschichte nicht loslässt. Friday sucht in ihrer Flucht vor den schmerzlichen Erinnerungen an ihre Mutter nichts anderes als Freiheit. Darum ist sie anfangs auch so fasziniert von Arden, der charismatischen Anführerin der Straßenkids. Arden jedoch genießt die Macht, die sie über die Truppe hat, ihre Charakterdarstellung war für mich von Anfang an beklemmend. Trotzdem kann sich ihr keiner der Jugendlichen entziehen.
Wo das Ganze hinführt ist ebenso überraschend wie dramatisch. Am Ende bleibt eine gewisse Befriedigung nicht aus. Jedoch fragt man sich, ob diese gerechtfertigt ist. Ein mulmiges Restgefühl bleibt nach dem Lesen bestehen.

Fazit
"Zeit zu gehen, Friday Brown" ist eines der Bücher, an denen ich nach dem Lesen noch einige Zeit zu knabbern habe. Zwar kann man vorwegnehmen, dass das die Geschichte "gut" ausgeht und zufriedenstellend beendet wird, dennoch nicht verlustfrei abläuft. Vikki Wakefield schreibt großartig, für mich kritikfrei, ihre Charaktere bleiben im Gedächtnis - ebenso die Geschichte. Es wird Zeit, diesen Roman zu lesen! Wer ein brillantes, vereinnahmendes Straßendrama mit Thrillerelementen lesen will, sollte sofort damit anfangen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Dienstag, 30. Dezember 2014

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Januar 2015

Da kommt man vor lauter Weihnachtstrubel kaum dazu auf den Verlagshomepages zu surfen, und dann steht auch schon wieder Sylvester vor der Tür. Einige Bücher hatte ich zum Glück schon im Kopf. Gestern hat es dann auch wieder für eine ausgiebigere Stöbertour gereicht. Meine Wunschlisten-Neuzugänge halten sich für Januar in Grenzen, und bei einigen bin ich mir noch nicht sicher. Das ist auch gut so ...


Fantasy - High Fantasy - Fiction

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Twin Island: Das Geheimnis der Sophie Crue von Jessica Khoury ... klingt für mich sehr futuristisch. Sophie möchte ihre Mutter finden, die auf einer entlegenen Insel forscht. Dort angekommen steht schnell fest, dass hier etwas nicht stimmt. Auf der Insel leben Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die Sophies Mutter erschaffen hat. Klingt gruselig gut, ich warte mal ab.
Jessica Khoury ist beim Arena Verlag schon mit "Die Einzige" veröffentlicht worden. Beide Bücher gehören zur englischen Corpus-Reihe, werden bei Arena aber, soweit ich das sehe, als unabhängige Einzelbände veröffentlicht. Sie unterscheiden sich auch in der Ausstattung.
Der Kuss des Windes: Sturmkrieger von Shannon Messenger ... ist der Beginn einer Reihe (Trilogie?). Es ist eine Urban Fantasy-Geschichte mit Lovestory. Das Grundthema ist Luft/Wind, was ich sehr interessant finde.
Schwert & Rose von Sara B. Larson ... spricht mich an, weil ich gerne wieder einen (jugendlichen) High Fantasy-Roman lesen würde. Das Buch ist der Beginn einer Trilogie. Die englischen Bewertungen kritisieren vor allem die ausgeprägte Dreiecks-Lovestory. Auch hier warte ich mal ab.


Drama - Liebe - New Adult - (Mystery)-Spannung

(erhalte genau Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

back to blue von Rusalka Reh ... finde ich schon von der Optik her bezaubernd. Es geht hier um eine erste Liebe und die Abnabelung eines jungen Mädchens von ihren lieblosen Eltern. Sicher kein einfacher, evtl. auch bedrückender, Roman. Ich bin gespannt.
Beautiful Oblivion von Jamie McGuire ... wird gelesen, weil ich den ersten Teil "Beautiful Disaster", damals auf Englisch, einfach genial fand. Abby und Travis rockten ganz schön. Die Version aus Travis' Sicht ("Walking Disaster"), sowie die Kurzgeschichte zum ersten Band ("Beautiful Wedding") habe ich mir wegen der ausgeprägten Kritik dann gespart. In "Beautiful Oblivion" geht es komplett um Travis' Bruder Trenton. Die Haupt-Bücher der Reihe lassen sich einzeln lesen. Es geht immer um einen anderen der Maddox-Brüder.


 

Bis aufs Haar von K. A. Harrlington ... ist ein spannender Jugendthriller, kombiniert mit einer wunderschönes Lovestory (schreibt der Verlag). Na, da ist mein Interesse aber sofort geweckt.
Herz in Scherben von Kathrin Lange ... wird einfach ein Must-Read, schon darum, weil mir der ersten Teil der Trilogie "Herz aus Glas" sehr gut gefallen hat. Das Buch war herrlich spannend und mysteriös. Hier muss ich einfach wissen, wie es mit David und Juli weiter geht.


Das war's auch schon. Ich freue mich jetzt schon auf die vielen tollen Neuerscheinungen 2015. Ihr auch? Wir dürfen gespannt sein, was noch alles kommt ...


Auf die Wunschliste!

Montag, 29. Dezember 2014

Rezension zu "Lockwood & Co.: Der Wispernde Schädel" von Jonathan Stroud



Verlag: cbj (Oktober 2014)
Originaltitel: Lockwood & Co. - The Whispering Scull
Übersetzer: Katharina Orgaß und Gerald Jung
Reihe: Band 2/4, ab ca. 12 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 512 S.
ISBN: 978-3570157107
18,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Das Thema
Seit 50 Jahren wird ganz Großbritannien von Besuchern, sprich Geistern, heimgesucht. In London ist es besonders schlimm. Und dort arbeitet Lucy zusammen mit George und Anthony Lockwood in dessen Firma Lockwood & Co., einer von vielen Agenturen, die sich auf Geisteraustreibung spezialisiert haben. Lockwood & Co. ist nur eine kleine Agentur und hat es neben all den großen nicht einfach, rentable Aufträge zu bekommen. Nach dem spektakulären Fall der Seufzenden Wendeltreppe ist die kleine Agentur jetzt sehr gefragt. Als auf einem Friedhof ein schauriger Sarg geborgen wird, werden die drei Freunde sofort engagiert. Sie ahnen nicht, welche Folgen der Fund für sie haben wird ...

Die Rezension

Der Anfang: "Nicht hinsehen", sagte Lockwood. "Es sind sogar zwei." Ich warf einen raschen Blick über die Schulter und stellte fest, dass er recht hatte. Nicht weit von uns entfernt, auf der anderen Seite der Lichtung, war ein zweiter Geist der Erde entstiegen.

Mit dem ersten Band "Die Seufzende Wendeltreppe" hat sich Jonathan Stroud in viele Leserherzen geschrieben. Das Buch war nicht nur meisterhaft geschrieben, auch die Story, mit einer einfachen und doch genialen Idee, überzeugte komplett. "Der Wispernde Schädel" ist nun der zweite Fall für Lockwood, Lucy und George, dem sympathischen Agenten-Team, das hier allerhand aufbringen muss, um dem Geheimnis des Wispernden Schädels auf die Spur zu kommen.

Die Fälle der Agentur Lockwood & Co. sind in jedem Buch abgeschlossen. Erst ganz am Ende deutet sich jeweils an, mit was man es im nächsten Buch zu tun bekommt oder bekommen könnte. Das heißt aber nicht, dass man die Bücher als Einzelbände lesen kann. Um die einzelnen Charaktere gut zu kennen ist es dringend erforderlich die Reihenfolge einzuhalten.
Nichtsdestotrotz gibt Jonathan Stroud dem Leser in "Der Wispernde Schädel" einen Vorab-Überblick über das "Problem", Geister in London, und die drei Hauptcharaktere. Perfekt, um Hintergrundwissen aufzufrischen. Somit fällt der Einstieg ins Buch sehr leicht.

Der Tod ist flüchtig: Selbst wenn man auf ihn wartet, rinnt einem der tatsächliche Eintritt durch die Finger. Es ist nicht so wie im Film, wo plötzlich der Kopf auf die Brust fällt. Man sitzt einfach da und wartet darauf, dass etwas geschieht, und dann merkt man plötzlich, dass man es verpasst hat. Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen, nichts mehr, nie wieder. - S. 235

Die Agenten der Lockwood & Co.-Agentur sind alles echte Originale, die man schon im erste Band ins Herz geschlossen hat. Lucy, die Ich-Erzählerin des Buches, ist einfach wunderbar. Der charismatische Kopf der Agentur, Anthony Lockwood, und der verplante Rechercheur George komplettieren die Truppe perfekt. Man lernt die einzelnen Charaktere hier besser kennen, auch ihre Schwächen und Ängste.

"Der Wispernde Schädel" ist wieder perfekt geschrieben. Die Erfahrung des Autors macht sich hier eindeutig bezahlt. Die Geschichte ist sehr spannend und abwechslungsreich. Auch wenn der Spannungsbogen nicht ganz an den Plot des ersten Buches heranreicht, ist die Geschichte längenfrei. Einige Szenen lassen den Lesen nicht nur schaudern, sondern sind richtig gruselig. Vielleicht sogar zu gruselig für die junge, jugendliche Zielgruppe?
Eines ist sicher, das Leseerlebnis in "Lockwood & Co." wird auch Erwachsene begeistern. Neben dem trockenen, englischen Humor, schlägt das Buch manchmal auch ernstere, nachdenkliche Töne an. Die Ereignisse im Buch sind selbsterklärend, der Fall am Ende abgeschlossen. Wer mag, kann sein Wissen trotzdem mit dem humorvollen und umfangreichen Glossar komplettieren.

Ich drückte gegen die Tür, wobei ich erwartet hatte, dass sie klemmte oder abgeschlossen war oder auch beides. Aber nein. Sie schwang geräuschlos auf und mir schlug ein Schwall abgestandener Luft und durchdringender Fäulnisgeruch entgegen. Wie einladend. - S. 273

Das persönliche Fazit
Es hat sich gelohnt, das einjährige Warten auf den zweiten Lockwood-Band "Der Wispernde Schädel". Das Buch ist toll! Für mich reichte der Spannungsbogen nicht komplett an den Vorgänger heran. Kritik am Buch finde ich aber keine, bzw. ist diese äußerst subjektiv. Das Buch liest sich wie aus einem Guss, die Charaktere und die Umgebungsgestaltung sind erstklassig. Ein geniales Leseabenteuer mit feinem, geist(er)reichen Humor, zudem sehr ansprechend gestaltet. "Lockwood & Co." hat das Zeug zu einer Kult-Reihe! 4 herrlich-schaurige Sterne.

Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Lockwood & Co.-Tetralogie:

Band 2 - "Der Wispernde Schädel"
Band 3 - "Die Raunende Maske"
Band 4 - ???

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Buchisches Statement #19


© Damaris liest.
Bilder der Rubrik "Buchisches Statement" dürfen mit unverändertem Inhalt verwendet werden

Samstag, 13. Dezember 2014

Review zu "Was ich weiß von dir" von Meg Rosoff



Fischer KJB (Oktober 2014),
Hardcover/SU, 272 Seiten,
14,99 € [D]


Meg Rosoffs neuer Roman erzählt von Mila, einer sensiblen und scharfsinnigen Zwölfjährigen. Sie macht sich zusammen mit ihrem Vater auf die Suche nach dessen bestem Freund Matthew, der spurlos verschwunden ist. Zusammen fahren die beiden quer durch den Osten der USA bis hoch an die kanadische Grenze. Aber es ist auch die Geschichte einer besonderen Vater-Tochter-Beziehung, und darüber, wie unterschiedlich die beiden die Welt sehen. Was dann wird, kann sie nicht beeinflussen. Aber sie hat gelernt, dass die Suche manchmal mehr enthüllt als die Entdeckung. (Text-, Cover und Zitatrechte: Fischer KJB)


Ich registriere jede Gefühlsregung, jede Beziehung, jede Botschaft. Wenn jemand wütend, traurig oder enttäuscht ist, sticht mit das ins Auge wie Leuchtreklame. Ich kann nicht erklären, warum, es ist einfach so. Ich dachte ziemlich lange, das wäre bei allen so. - Mila (12), Seite 47


Meine Meinung
Motten werden vom Licht angezogen - ich von Büchern mit Roadtrip-Storys. Sehr! Mit gefällt es mitzuerleben, wie Charaktere, fernab von ihrer gewohnten Umgebung, mit Gefühlen umgehen. Wie sie in Extremsituationen reagieren und welche Dinge sie offenbaren, die sie zu Hause wahrscheinlich nie gesagt hätten. Meg Rosoffs neuer Roman "Was ich weiß von dir" ist keine Roadtrip-Lovestory und auch keine überaus humorvolle Geschichte. Sie handelt von einem sehr besonderen 12-jährigen Mädchen, das die Welt schärfer wahrnimmt als viele Erwachsene.

Die Geschichte klingt schon fast banal. Mila und ihr Vater wollen Matthew besuchen, den besten Freund des Vaters. Doch kurz vor der Abreise ruft Matthews Frau an, um mitzuteilen, dass dieser verschwunden ist. Was steckt dahinter? Warum verschwindet er gerade jetzt? Mila und ihr Vater reisen trotzdem nach New York City. Sie beschließen, Matthew zu suchen.
Ab der ersten Seite registriert man, dass Mila kein normales 12-jähriges Mädchen ist. Sie wirkt sehr erwachsen, kann bei einer Person auf den ersten Blick erkennen, was in dieser vorgeht. Zu ihren Eltern, ihr Vater ist schon etwas älter, hat sie ein sehr liebevolles Verhältnis. Wenn sie aber von ihnen erzählt, spricht sie stets auf eine freundlich distanzierte Art von ihnen, indem sie ihre Eltern beim Vornamen nennt. Wie sehr sie an beiden Elternteilen hängt, und diese an ihr, wird während der Geschichte immer wieder deutlich.

Mila und ihr Vater sind nicht während der ganzen Geschichte auf der Suche nach Matthew. Mila erzählt viel aus ihrem Leben, von Erlebnissen mit ihren Eltern oder ihrer besten Freundin. Sie hat eine sehr feinfühlige Art, Personen anzunehmen, die nicht ganz einfach sind. Sie wertet nicht die Fehler ihrer besten Freundin, sondern konzentriert sich auf Positives. Milas Sicht auf die Welt und ihre Methode die Dinge zu sehen, hat mich stark beeindruckt.

Und was ist der Sinn dieser Geschichte? Ein außergewöhnliches 12-jähriges Mädchen erfährt, dass sie sich zwar oft schon sehr erwachsen fühlt, im Grunde aber noch ein Kind ist. Sie kann weder den Lauf der Dinge beeinflussen, noch ist sie verantwortlich für Entscheidungen, die andere Treffen. Enttäuschungen und Ängste gehören zum Leben, sind aber winzig, verglichen mit dem Rückhalt und der Sicherheit einer liebevollen Familie.

Mir ist bewusst, wie fest wir miteinander verbunden sind, im Guten, wie im Schlechten. - Mila, S. 270

Fazit
"Was ist weiß von dir" ist nicht nur sprachlich außergewöhnlich, auch die Charaktere - allen voran Ich-Erzählerin Mila - sind außergewöhnlich gut gezeichnet. Vielleicht mag die Geschichte, das eigentliche Problem, auf manche Leser sehr gewöhnlich wirken. Zwischen den Zeilen kann man aber so viel mehr herauslesen. Dass sich eine 12-Jährige, und ist sie noch so besonders, hier überfordert fühlt, ist absolut verständlich. Am Ende lässt man Mila mit einem guten Gefühl ihren Weg weitergehen. Ihre Erkenntnis und Weitsicht ist in diesem Alter wirklich einzigartig.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im November 2014

Ganze zwei Bücher habe ich im November zu meinen ungelesenen hinzugefügt. Das ist absolut okay, eine kleine Verschnaufpause tut richtig gut. Gelesen habe ich aber auch nicht viel. Nur 3 Bücher (+ ein halbes) waren es im vergangenen Monat. Gründe waren winter- und weihnachtliche Vorbereitungen im und ums Haus sowie auf dem Kinderbuchblog. Ein Kinderzimmer wurde neu eingerichtet, und ich war sehr kreativ, habe viel gestickt, gehäkelt und genäht. Da ich Zeit immer noch nicht stehlen kann, kam meine persönliche Lesezeit zu kurz. Das wird (hoffentlich) auch wieder besser.


Meine Buchzugänge vom November 2014 - 2 Bücher:




Die Unbarmherzigen von Danielle Vega habe ich bei Brösels Bücherregal gewonnen. YAY! Ich habe mich sehr gefreut, denn das Buch soll sehr krass und anders sein. Ich hatte es schon etwas länger auf dem Schirm.
Schneiderbuch (früher vor allem durch unzählige Pferdebücher für Mädchen bekannt) will jugendlicher werden. Im März 2015 erscheint darum der erste Band der Waterfire-Saga Das erste Lied der Meere von Jennifer Donnelly. Noch ist etwas Zeit, aber ich bin mir sicher, dass ich es bald lesen werde.


Buchabgänge - gelesen habe ich im November 3,5 Bücher:



   

Requiem von Lauren Oliver ... fand ich wieder genial! Den Trilogieabschluss hatte ich mir erst kürzlich gekauft. Um komplett auf dem Laufenden zu sein, habe ich vorher den zweiten Band per Hörbuch aufgefrischt. War ja doch schon etwas länger her, dass ich "Pandemonium" gelesen hatte. Für mich gehört die Amor-Trilogie (Delirium - Pandemonium - Requiem) zu den besten! (meinen "Requiem"-Kurzspot gibt's hier)
Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe von A. J. Betts ... ist ein weiteres Buch über die Krankheit Krebs. Aber ein gutes! Es ist ungeschönt und sehr echt. Das ist mir bei Büchern mit diesem Thema wichtig. (meine "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe"-Rezension gibt's hier)
Vogelherz von Katherine Catmull ... empfand ich als sehr wunderlich, märchenhaft und ruhig. Es ist nicht schlecht, einen echten Zugang konnte ich aber nicht finden. Darum habe ich es nach etwa der Hälfte beendet. Mein Kopf war zu voll, das kommt manchmal vor. Im Moment wird es von einer lieben Buchbloggerin gelesen und danach rezensiert.
Queen of Clouds von Susanne Gerdom ... war für mich darum schon ein Muss, weil ich die Bücher der Autorin sehr gerne lese. Ihr letztes Jugendbuch "Dracyr" war so super! Auch Queen of Clouds war gut. Der Weltenentwurf und die Idee ist toll umgesetzt. (meine "Queen of Clouds"-Rezension gibt's hier)


Highlight: Eindeutig "Requiem". Es gab bei diesem Buch viel Kritik bzgl. dem Ende. Für mich war es so aber am glaubwürdigsten. Alles andere hätte erzwungen gewirkt.

Lowlight: Weil ich es nicht beendet habe - "Vogelherz". Für Liebhaber sehr wunderlicher und andersartiger Bücher sicherlich zu empfehlen.

Montag, 8. Dezember 2014

Buchisches Statement #18


© Damaris liest.
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Freitag, 5. Dezember 2014

Rezension zu "Queen of Clouds: Die Wolkentürme" von Susanne Gerdom



Verlag: bloomoon (September 2014)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: ?, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Klappenbroschur, 512 S.
ISBN: 978-3845802077
14,99 € [D]

Genre: Dystopie/Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: bloomoon Verlag by arsEdition


Das Thema
Valentin lebt in einem der Wolkentürme, die hunderte von Metern in die Höhe ragen. Dort herrscht Prunk und Luxus, und schließlich ist Valentin der Lieblingssohn des Herrschers - des Panarchen.
Dagegen ist Elster ein Kind der Schluchten. Sie sucht in alten Gängen und Katakomben nach Schätzen aus der Alten Zeit. Die Schluchter leben am Fuße der Türme, werden ausgebeutet und haben kaum genug, um ihren Hunger zu stillen.
Ein Zwischenfall bringt ein Ereignis mit sich, dass Elster und Valentin zusammenführt. Sie sollen zu einer gefährlichen Mission starten, um das langsame Aussterben der Menschheit aufzuhalten - so sagt es eine Prophezeiung. Ungeachtet der kulturellen Unterschiede machen sie sich mit einem Team von Vertrauten und Freunden auf den Weg ... und geraten in einen Komplott der vom Herrscher selbst zu kommen scheint.

Die Rezension

Der Anfang: Elster hing zweihundertvierzig Meter über dem Boden an den Fingerspitzen, krallte ihre Nägel in eine beinahe unsichtbare Furche in der Turmwand und angelte mit den Füßen nach der Eisenrebenranke, die eben noch als Halt für den Aufschwung gedient hatte.

Es ist heute als Autor gar nicht mehr so leicht, einem Genre seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Vor allem, wenn man für so viele verschiedene Sparten schreibt wie Susanne Gerdom. "Queen of Clouds: Die Wolkentürme" heißt ihr neuestes Jugendbuch. Zwar gibt es auch das Hoch-Tief-Thema für Jugendliche bereits, der Autorin gelingt es aber dennoch, das Buch zu etwas eigenem zu machen. Dabei kann man sich hier beim Genre nicht unbedingt festlegen. "Die Wolkentürme" ist ein Mix aus dystopischer Science Fiction, besitzt aber auch Fantasyelemente. Ob es einen Folgeband geben wird, steht noch nicht fest. Das Buch liest sich aber auch als Einzeltitel wunderbar.

Es ist immer wieder beeindruckend, wenn ein Setting voll und ganz überzeugt. Das gelingt hier nicht nur durch die beispielhaften Umgebungsbeschreibungen, sondern durch Eigenkreationen in der Pflanzen und Tierwelt, vor allem aber der Gesellschaftsform. Diese sind so natürlich gehalten, dass man sie für absolut echt hält. Die Fortbewegungstechnologien der Luft, z.B. Luftschiffe, Schlitten oder Gleiter, sind klasse! Auch wenn der genaue Handlungszeitraum nie genannt wird, hat man bald einen guten Überblick der Gesellschaft(en) und Umwelt.

Und über allem, diffus und unangenehm, die Angst vor dem düsteren Teil der Legende. [...] ein Märchen, mit dem man Kinder erschreckte. Valentin hätte gerne darüber gelacht, aber der bittere Ernst im Gesicht seines Vaters hatte das Gelächter im Keim erstickt und nur Betroffenheit zurückgelassen und einen Hauch von Angst. - S. 171

Die Kapitelüberschriften sind sehr originell, regen manchmal zum Schmunzeln an und tragen zu einem sehr eigenen Lesegefühl bei. Ebenso die Charaktere. Schon bald kann man diese gut einschätzen. Während im ersten Teil die Sichtweisen der (vermeintlichen) Hauptcharaktere abwechseln, kommen in den folgenden Buchteilen noch andere personale Erzählstile hinzu. Nebencharakteren wird eine große Rolle zuteil, die nicht minder spannend ist als die Haupthandlung.
Auf eine Lovestory kann man sich nicht festlegen und diese schon gar nicht voraussagen. Einiges kommt anders als gedacht. Vielleicht wundert sich mancher Leser darüber, wenn die Wahl auf einen echten Nebencharakter fällt. Hier hätte man dann gerne mehr über die jeweilige Person erfahren.

Auf sprachlich hohem Niveau präsentiert sich die Handlung sehr abwechslungsreich. Dabei strotz sie vor Intrigen und dubiosen Machenschaften, zeichnet Menschen aber nur selten schwarz und weiß. Manche Charakterentwicklung erstaunt positiv.
Gegen Ende werden die Ereignisse und vor allem die Umgebung etwas abstrakter. Trotzdem kann man gut folgen. Auch bleiben einige Fragen, oder der Verbleib mancher Personen, noch offen. Wenn man sich damit zufrieden gegen kann, liest sich die Geschichte sogar abgeschlossen. Ungeachtet dessen wäre ein Folgeband wünschenswert.

Das persönliche Fazit
Bei jedem Buch von Susanne Gerdom freut es mich, wie mühelos ihre Geschichten wirken. Auch bei ihrem neuesten Jugendbuch wird das deutlich. Die Welt ist komplex konstruiert, die Handlung und Charaktere abwechslungsreich und vielschichtig. Trotzdem liest sich das Buch einfach und flott. Eine Fokussierung der Lovestory(s) auf bestimmte Charaktere hätte der Kontinuität der Geschichte nicht geschadet. Überrascht hat mich die "Queen of Clouds" aber allemal. 4 Sterne!

Aufmachung: 3,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de