Donnerstag, 27. November 2014

Die "Skinned"-Trilogie - Ein Lesemuss und die Frage: Hardcover oder Taschenbuch?



"Skinned" von Robin Wasserman gehörte zu den ersten Bücher, die das damals neu gegründete Loewe Verlag Imprint script5 2010 als Hardcover veröffentlichte. Die Nachfolger "Crashed" und "Wired" erschienen jeweils im Jahresabstand. Ich habe mir alle zusammen gekauft ... und war von allen begeistert. Die Trilogie (engl. Cold Awakening Trilogie) gehört zu den besten Science Fiction-Romanen für junge Erwachsene! Sie geht unter die Haut, vor allem "Skinned", wirkt eindringlich und verstörend. Das Ende ist eines der ungewöhnlichsten und gleichzeitig faszinierendsten Abschlüsse überhaupt.



"Skinned" geht buchstäblich unter die Haut! Es ist kein Buch für nebenbei, dazu ist die Lektüre zu unglaublich, geht zu Herzen und erfordert einiges an Anstrengung, sich dieses Szenario überhaupt vorzustellen. Gruselig! In einem eindringlichen, besonderen Schreibstil lässt die Autorin Leser ab 16+ über den Tellerrand einer zukünftigen Gesellschaft blicken. Die Nähe zur Hauptprotagonistin ist bemerkenswert. Ohne einen einzigen Stromausfall wurden meine menschlichen Schaltkreise für diese Reihe vollständig gebootet und werden erst wieder heruntergefahren, wenn die letzten Zeilen der Trilogie über meine Netzhaut flimmern. Eingabeaufforderung: Lesen!


Gecrasht ist mein System beim Lesen von "Crashed" zwar nicht, man bekommt aber wieder eine geballte Ladung Daten auf die Gefühlsfestplatte. Diese müssen erstmal gespeichert und verarbeitet werden. Auch dieses Buch sprach mich mit allen Sinnen an, obwohl es sich etwas anders liest und tiefer geht wie sein beeindruckender Vorgänger. Es wirkte auf mich sehr unterschwellig und wird sich tief in meiner Erinnerung festsetzten. Gelesen, gespeichert und keine Viren, äh Mängel, gefunden!


"Wired" wird nicht jeden Nerv treffen, für mich war das Buch aber der perfekte Abschluss einer kontrastreichen Geschichte. Es ist erstaunlich wie tiefgründig eine Science Fiction-Story sein kann. Wäre mein Gehirn ein Computer, hätte ich nach DIESEM Ende dringend das Bedürfnis für eine Neustart gehabt. Die Abschlussinfo will erst mal zugeordnet und verdaut werden. "Wired" verdrahtet genau die richtigen Gefühlssteckplätze. Meine Synapsen erkennen diese Reihe als hochwertige, krasse und ausdrucksstarke Trilogie. Jeder der gerne 'etwas anderes' liest, sollte sich "Skinned", "Crashed" und "Wired" nicht entgehen lassen!



Der Ravensburger Buchverlag hat sich die Lizenzrechte der Taschenbuchausgaben gesichert. Seit dem Sommer ist die hochwertige Geschichte auch komplett in der günstigeren Variante zu haben.



Über die Coverumsetzungen lässt sich streiten. Mir gefallen die Taschenbuchausgaben nicht besonders gut. Warum das Mädchen auf den Covern schwebt, erschließt sich nicht, denn das hat keinen Bezug zum Inhalt. Wahrscheinlich sollen sie die Sci Fi-Story verdeutlichen. Die Bücher sind aber schön einheitlich gestaltet.
Ob die Cover der Hardcover passend sind? Jedenfalls sind sie schön, und die Schneeflocken passen zur jetzigen Jahreszeit. Ich hüte meine Trilogie wie einen Schatz!

Jeder Leser, der gerne ungewöhnliche und tief unter die Haut gehende Bücher liest, muss sich nicht die Frage stellen, ob die Bücher gelesen werden, sondern wann. Die Entscheidung ob HC oder TB sollte nicht zu schwer sein ...

Vielleicht ist der ein oder andere jetzt neugierig und schreibt sich die Bücher auf den Weihnachtswunschzettel (ich bin mir nicht sicher, wie lange die HC-Ausgaben noch erhältlich sein werden).

Habt ihr die Trilogie schon gelesen und seid ähnlich begeistert wie ich? Oder habt ihr vielleicht eine ganz andere Meinung davon?

Montag, 24. November 2014

Buchisches Statement #17


© Damaris liest.
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Freitag, 21. November 2014

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Dezember 2014

Beim Durchstöbern der Verlagshomepages für Dezember habe nicht schlecht gestaunt ... denn, im Dezember erscheinen fast keine Bücher, die auf meiner Wunschliste landen. Normalerweise habe ich einen ganz guten Überblick und konnte mir das Suchen bei einigen Verlagen von vornherein sparen. Schließlich habe ich 4 Bücher entdeckt, die mein Interesse weckten - alle bei einem Verlag! Nämlich bei dtv, bzw. Oetinger Taschenbuch im dtv Verlag.


Zeitgenössisch - Lovestorys - New Adult

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


 

A little too far von Lisa Desrochers ... könnte mal wieder ein New Adult-Roman für mich sein. In letzter Zeit habe ich von diesem Genre etwas Abstand genommen, da sich das Schema, Klischees, Erotik, Stereotypen, usw. immer wiederholen. Trotzdem, so für zwischendruch sicher ganz nett. Die Originalausgabe wird sehr gelobt. Hot! Hot! Hot! schreibt der Verlag. Na dann ...
Das mit dir und mir von Sabine Bartsch ... handelt von Enttäuschungen, Unterschieden, erster Liebe und einem Konzert. Klingt gut!


 

Fuck you Leben! von N. Pratt ... ist ein Jugendbuch über zwei Teenager, die beide ganz schön tief im Schlamassel stecken. Sie helfen sich gegenseitig (und wahrscheinlich verlieben sie sich dann auch).
Zwischen Winter und Himmel von Elin Bengtsson ... soll ein sehr berührender Debütroman sein. Martin schreibt Lieber und schickt sie seinem Bruder Andreas. Doch dieser kommt nie aus seinem Zimmer. Dabei weiß Martin, dass Andreas eine Liste mit Dingen schreibt, die er noch tun will. Denn viel Zeit bleibt ihm nicht mehr.


Ebenfalls bei dtv erscheint im Dezember die komplette Trilogie von "Der geheime Zirkel" von Libba Bray als E-Book. Die Bücher sollen super sein und interessieren mich auch. Und sonst? Habe ich für den Dezember ein Muss-Buch verpasst? Ich freue mich über Hinweise ...


Auf die Wunschliste!

Dienstag, 18. November 2014

Rezension zu "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" von A. J. Betts



Verlag: Fischer KJB (September 2014)
Originaltitel: Zac & Mia
Übersetzer: Katharina Diestelmeier und Anja Malich
Reihe: - , ab ca. 12 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 336 S.
ISBN: 978-3596856619
14,99 € [D]

Genre: Jugenddrama

© Cover- und Zitatrechte: Fischer KJB


Das Thema
Zac liegt im Krankenhaus, abgeschottet von seiner Umgebung, damit das frisch transplantierte Knochenmark möglichst komplikationsfrei von seinem Körper angenommen wird. Die Diagnose Leukämie bekam Zac schon vor einer Weile, doch er ist ein Kämpfer. Auch wenn es ihm während seines Lebens noch nie so schlecht ging, wie in den letzten Wochen, und er sich seiner Rückfallquote bewusst ist, ist Zac davon überzeugt, bald nach Hause zu kommen.
Dann wird Mia in das Zimmer neben ihm einquartiert. Anders, als andere Krebspatienten, ist sie launisch, aufmüpfig und sehr wütend. Aus einem Reflex heraus wagt Zac den Versuch, auch wenn er nicht weiß, wie Mia reagieren wird, und klopft eines Nachts gegen ihre Wand ...

Die Rezension

Der Anfang: Nebenan zieht ein Neuling ein. Durch die Wand höre ich die unentschlossenen Schritte einer Person, die nicht weiß, wo sie sich hinstellen soll.

Die Autorin hat völlig recht. Wie sie an ihre Leser schreibt, sind Krebsbücher voll von Klischees und Melodramatik. Das Thema ist einfach zu groß und konfliktbeladen. Trotzdem wurde sie durch ihre Arbeit, als Lehrerin im Krankenhaus, zu diesem Thema inspiriert ... und gab es fast wieder auf, als John Green mit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" die Bestsellerlisten stürmte. Welcher Verlag würde jetzt Interesse an ihrem (thematisch ähnlichen) Buch haben? Zum Glück hat sie nicht aufgegeben, denn "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" ist anders, unverbraucht und muss sich hinter keinem Buch zu verstecken.

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil "ZAC" erzählt nur Zac die Geschichte, seine Beobachtungen und Empfindungen. Teil 2 "UND" ist zwischen Mia und Zac aufgeteilt, und im letzten Buchteil "MIA" über nimmt Mia dann komplett. So erfährt man manche Dinge erst spät oder muss sich auf Vermutungen verlassen, was aber nicht schwierig ist. Die Geschichte ist sehr jugendlich und direkt, aber unterschwellig auch sehr gefühlsbetont.

Ich bin nicht freiwillig in diesen Krieg gezogen. Die Leukämie, diese blöde Sau, hat mich zwangsrekrutiert.
- Zac, S. 62

Vielleicht ist Mut nichts anderes, als das: eine spontane Handlung, bei der dein Kopf Nein ruft, aber dein Körper es einfach trotzdem tut.
Mut oder Dummheit. Schwer zu sagen.
- Mia, S. 256

Während Zac sofort die Sympathien der Leser bekommen wird, macht es Mia diesen schon deutlich schwerer. Zac ist sehr hilfsbereit und einfühlsam - trotz seinem schweren Krankheitslos ein netter Kerl. Dagegen ist Mia sehr zickig, launisch und unfreundlich. Man spürt, dass sie eine riesige Wut im Bauch hat. Auch ihre Gründe sind einleuchtend. Zum Glück hat Zac hat eine sehr direkte und schlagfertige Art, Mia auch ihrer Ecke zu locken.

"Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" ist kein Buch, das strikt in eine Richtung führt. Im Leben beider Protagonisten gibt es positive und negative Aspekte, Grund zur Freude und auch Rückschläge. Nach wie vor ist es aber ein Buch über Krankheit und Leid. Es berührt sehr. Die Geschichte hat dieses gewisse Etwas, eine Besonderheit und Echtheit, verbunden mit einem speziellen Humor wie ihn nur Jugendbücher hervorbringen. Gegen Ende meint man die Handlung zu durchschauen, erwartet den dramatischen, unausweichlichen Schluss. So eingleisig fährt die Autorin aber nicht. Wie man das Ende definiert, ist Auslegungssache. Es ist sicher nicht glücklich, aber auch nicht hoffnungslos.

Das persönliche Fazit
Es gibt schon immer viele Bücher über Krankheit, auch über Krebs. Mir persönlich ist an diesen Bücher wichtig, dass sie ungeschönt und echt rüberkommen, dabei aber das Alter und Verständnis der Zielgruppe nicht aus den Augen verlieren. Das alles trifft auf dieses Buch zu. "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" ist sehr besonders umgesetzt. Beide Hauptcharaktere heben sich deutlich von der Masse ab. Das liebevolle Ende bewegt und ist dabei unwahrscheinlich passend gewählt. 4 Sterne.


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 12. November 2014

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im Oktober 2014

Der Oktober war sehr abwechslungsreich, sowohl was meine gelesenen Bücher, als auch die Neuzugänge betrifft. Gut beschäftigt bin ich auch mit Damaris liest mini., meinem zweiten Blog für Kinder- und Bilderbücher. Da er noch relativ neu ist, will er natürlich ständig gefüllt werden. An Büchern mangelt es hier nicht, ich lese meinen Kindern schon immer sehr viel vor. Außerdem plane ich für den November ein Weihnachts- und Winterbuchspecial für Kinder. Dazu wähle ich Neuheiten und Klassiker aus - das will alles durchdacht und vorbereitet werden. Aber es läuft.
Jetzt aber zu den meine Buchzugängen und -abgängen im Oktober ...


Meine Buchzugänge vom Oktober 2014 - 7 Bücher:




Requiem ist Teil 3 der Amor-Trilogie. Wurde langsam Zeit, dass es einzieht. Mittlerweile habe ich die Trilogie abgeschlossen.
Kira Gembris Bücher begeistern mich. So auch ihr neuestes Werk Wenn du dich traust. Es ist Spitzenklasse! Nachdem ich es zuerst als E-Book zum Testlesen hatte, hat es mir die Autorin auf der Frankfurter Buchmesse "in echt" mitgebracht. Ebenfalls von der Buchmesse habe ich Kindheit: Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete. Ein Buch, das durch die tolle Aufmachung beeindruckt, sehr kurz ist und trotzdem sehr zu Herzen geht.
Diviners: Aller Anfang ist böse ist ein ganz schön umfangreicher Schmöker. Obwohl einige Blogger das Buch schon gelesen haben, kann ich nicht so recht festmachen, was hier auf mich zukommt. Ich hoffe, es wird richtig böse ...
Was ich weiß von dir und Zeit zu gehen, Friday Brown sind Neuerscheinungen der Fischerverlage KJB und Sauerländer. Beides Wunschlistenbücher vom Oktober. Ebenso Lockwoood & Co.: Der wispernde Schädel. Band 1 der Reihe hatte mich sehr begeistert, Band 2 ist somit ein Lesemuss!


Buchabgänge - gelesen/gehört habe ich im Oktober 9 Bücher:



  

Wer die Lilie träumt von Maggie Stiefvater ... war anspruchsvoll, aber (fast) genauso klasse wie der Vorgänger. Nicht umsonst gehört die Autorin zu meinen liebsten. (meine "Wer die Lilie träumt"-Rezension gibt's hier)
Angelfire: Der letzte Kampf der Feuergöttin von Courtney A. Moulton ... lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Es war ein absolutes Lesemuss, da ich Band 1 und 2 geliebt habe. Band 3 war okay. Aber nicht zu vergleichen mit dem Vorgänger. (meine "Angelfire 3"-Rezension gibt's hier)
In deinem Licht und Schatten von Louisa Reid ... hat mich sehr mitgenommen. Die Zustände im Buch sind schlimm. Ich war teils fassungslos, dass es immer noch Menschen mit solchen Ansichten gibt. (meine "In deinem Licht und Schatten"-Review gibt's hier)


  

Kindheit: Wie unsere Mutter und vor den Nazis rettete von Peggy Parnass ... ist ein außergewöhnlich gutes Buch, das durch seine künstlerische Gestaltung eine ganz besondere Bedeutung bekommt. Es ist sehr kurz und die Geschichte geht trotzdem nahe. (meine "Kindheit"-Review gibt's hier)
Atemnot von Ilsa J. Bick ... war alleine wegen der genialen Ashes-Reihe der Autorin ein Muss. Es ist ein sehr eindringliches Buch, das man nicht in eine Schwarz-Weiß-/Gut-Böse-Schublade stecken kann. (meinen "Atemnot"-High Five gibt's hier)
Marmorkuss von Jennifer Benkau ... ist ein modernes, und zugleich klassisches, Märchen. Die Autorin hat es wunderbar hinbekommen, die phantastische Geschichte in eine zeitgenössische Liebesgeschichte zu packen. (meine "Marmorkuss"-Rezension gibt's hier)


  

Pandemonium von Lauren Oliver ... ist der zweite Band der Amor-Trilogie. Ich habe das Buch bereits gelesen und ich nochmals mit dem Hörbuch aufgefrischt, bevor ich Teil 3 "Requiem" gelesen habe. Nach dem HB habe ich noch die Kurzgeschichten Annabel und Raven eingeschoben. Alles ganz, ganz große Klasse!


Highlights: Im Oktober war "Pandemonium" mein Highlight (mal wieder!) Ich habe das Hörbuch von vorne bis hinten genossen, obwohl ich ja das Buch schon kenne und mir die Story bekannt ist. "Wer die Lilie träumt" war auch sehr besonders.

Lowlights: Das war leider der dritte Angelfire-Band "Angelfire: Der letzte Kampf der Feuergöttin". Gelesen habe ich das Buch recht gerne (außer die kitschigen Phrasen und Passagen, die waren in den Vorgängern noch nicht so ausgeprägt, und diesmal für mich ein No-Go). In der Bewertung war es dann aber nur Mittelmaß.

Sonntag, 9. November 2014

Buchisches Statement #16


© Damaris liest.
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Dienstag, 4. November 2014

Rezension zu "Marmorkuss" von Jennifer Benkau



Verlag: script5 (Oktober 2014)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 432 S.
ISBN: 978-3839001660
18,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: script5 Verlag


Das Thema
Jarno hat seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Er wohnt mit seiner unerwiderten Liebe in einer WG und hält sich mit Gelegenheit- und Kleinjobs über Wasser. Das Geld ist ständig knapp. Seine einzige und große Leidenschaft gilt der Fotografie. Sein wertvollster Besitz ist eine teure Profikamera. Mit ihr will er den Aufstieg zum Fotografen schaffen. Jarnos Leben ändert sich komplett, als er in einer verlassenen Villa eine wunderschöne Marmorstatue entdeckt.

Klara will unbedingt Lehrerin werden. Dieser Wunsch ist 1903 eine Herausforderung, als der Lehrerberuf überwiegend den Männern vorbehalten war. Doch Klara setzt sich bei ihrem Vater und dem heimlichen Verloben durch und kommt ihrem Ziel immer näher ... bis ein unheimliche Frau immer dort auftaucht, wo auch Klara ist.

Die Rezension

Der Anfang: Pisseflecken an grauer Betronwand. Eine umgeworfene Bierflasche; ihr auslaufender Inhalt mischt sich mit Schneetau, der aus dem Profil von Springerstiefeln rinnt.

Die Autorin Jennifer Benkau ist ein echtes Multitalent. Sie schreibt nicht nur für eine Zielgruppe und in einem einzigen Genre, sondern für ältere Jugendliche sowie für erwachsene Leser. Man findet aus ihrer Feder Fantasy in allen Formen, Dystopien und nun auch ein modernes Märchen. "Marmorkuss" heißt der neue Einzelband. Er beinhaltet, neben einem Zeitreiseelement, eine modern ausgelegte und doch klassische Märcheninterpretation. Und das geht? Auf jeden Fall und erwartet gut!

Sprachlich perfekt, spielt die Geschichte anfangs in zwei verschiedenen Zeiten. Man begleitet entweder Jarno im Jetzt oder Klara in der Vergangenheit. Das ist nicht sofort ersichtlich und sehr gut gemacht. Einzig an der unterschiedlichen Sprache, einigen altertümlichen Äußerungen und Dingen, seitens Klara, kann man festmachen, dass Klara in einer anderen Epoche lebt. Das Beste am Wechsel zwischen Jetzt und Damals sind die Übergänge. Die Autorin hat einen Weg gefunden, den letzten, bzw. ersten Satz der jeweils anderen Hauptperson so gekonnt zu verknüpfen, dass man die Abschnitte fortlaufend lesen könnte. Trotzdem verliert man nie den roten der Faden der einzelnen Handlungen. Das ist absolut genial!

"Ich bin ein Träumer ohne Morgen, Ein Künstler ohne Werke. Ein Fotograf ohne Kamera. Ich fürchte, ich bin nichts so wirklich, sondern alles nur zur Hälfte. [...]" - Jarno, s. 298

Jarno ist nicht, wie im Klappentext angepriesen, ein völliger Underdog. Vielmehr hat man den Eindruck, dass er nicht richtig weiß, wo sein Leben hinführen soll. Außer der Fotografie hat er nicht viele Vorstellungen davon. Er wirkt frustriert, etwas einsam und abgerissen - ist im Grunde aber ein sehr lieber und umsorgenden Mensch. Jarno präsentiert sich in der Geschichte etwas anders, als man das anfangs erwarten würde.
Auch Klara überrascht mit einigen Aktionen. Für ein Mädel Anfang des 20. Jahrhunderts ist sie erstaunlich selbständig und tough. Als ihr Leben aus den Fugen gerät ist eine gewisse Verunsicherung normal. Wie sich die Wege von Jarno und Klara kreuzen ist lange nicht klar, völlig märchenhaft und eine herrliche Interpretation der Autorin.

"Marmorkuss" ist wohl eine der am realistischsten aufgebauten Märchenadaptionen dieser Zeit. Man hat immer den Eindruck, die Geschichte könnte tatsächlich so passieren. Dennoch besitzt sie ganz klassische Märchenelemente und -vergleiche, die auch nicht abgeschwächt oder nur angedeutet sind. Kleine Längen kann man zugunsten der Glaubwürdigkeit verschmerzen. Eine Grundspannung ist meist vorhanden und aufwühlende, hervorragend gewählt Schluss interpretiert das typische Märchen-Happy End etwas anders.

Das persönliche Fazit
Wer möchte schon über 100 Jahre verschlafen, um in einer völlig fremden Welt wachgeküsst zu werden? Ich nicht! Die Anziehungskraft von Dornröschen ist aber ungebrochen. Mit "Marmorkuss" schreibt Jennifer Benkau eine eigene Version. Märchenhaftigkeit und Realität heben sich hier nicht gegenseitig auf, sondern harmonieren aufs Beste. Klassische Elemente des alten Märchens bleiben erhalten. Daran muss man sich in "Marmokuss" gewöhnen, danach belohnt die hochwertige Geschichte mit Spannung, glaubhaften Charakteren und perfekter Sprache. 4 dornenlose Sterne.


Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de