Donnerstag, 27. Februar 2014

Rezension zu "Dustlands: Der Herzstein" von Moira Young



Verlag: Fischer FJB (Februar 2014)
Originaltitel: Rebel Heart
Übersetzer: Alice Jakubeit
Reihe: Band 2/3, ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 432 S.
ISBN: 978-3841421463
16,99 € [D]

Genre: Endzeit-Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Fischer FJB


Das Thema
Saba hat mit der Hilfe von Jack und einigen Freunden den bösen König Vikar Pinch besiegt und ihren verschleppten Bruder befreit. Nun wollen sich die Geschwister und Jack auf den Weg nach Westen machen, um dort ein besseres Leben zu führen. Weil Jack noch etwas erledigen muss, trennen sich ihre Wege fürs Erste. Saba und Jack wollen sich spätestens am großen Wasser wieder treffen.
Auf der langen Reise durch die Dustlands muss sich Saba den dunklen Ereignissen aus ihrer Vergangenheit stellen. Außerdem vermisst sie Jack. Er bleibt aber verschwunden, bis der Gruppe Neuigkeiten übermittelt werden, die gegen Jack sprechen. Hat er die Seiten gewechselt? Und soll Saba den Gerüchten glauben oder auf ihrer Gefühle und ihren Herzstein vertrauen?

Die Rezension

Der Anfang: Es ist später Nachmittag. Seit dem Morgen folgt der Pfad einer Reihe von Lichtmasten. Besser gesagt, den eisernen Überresten von dem, was einmal Lichtmasten waren, damals zur Zeit der Abwracker, vor undenklichen Zeiten.

Der erste Band der Reihe "Dustlands: Die Entführung" hat damals viel Staub aufgewirbelt. Eine ungewöhnliche Sprache und Ausdrucksweise, dazu wörtliche Rede komplett ohne Satzzeichen - das sorgte für Diskussionen, daran musste man sich beim Lesen erst mal gewöhnen. Das Buch war besonders, vor allem besonders gut! Jetzt, über zwei Jahre nach Erscheinen von Band 1, gibt es endlich den Fortsetzungsband "Dustlands: Der Herzstein". Wer seinem Gedächtnis nach dieser langen Zwischenzeit auf die Sprünge helfen muss, dem sei ein wiederholtes Lesen von Band 1 ans Herz gelegt oder natürlich das Hörbuch. Es lohnt sich, Band 2 ist wunderbar.

"Wag ja nicht davor zu fliehen, Jack, wag es ja nicht", sagt Molly grimmig. "Die meisten Leute fühlen nie, was du jetzt fühlst. [...] Sei bei ihr, brenn mit ihr, leuchte mit ihr ... so lange, wie euch gegeben ist. So. Sag mir ihren Namen. Sag ihn mir."
Er atmet tief durch. "Saba. Sie heißt Saba." - S. 31

Das erste Kapitel ist aus der Sicht von Jack erzählt. Weil er sich noch mit einer Bekannten treffen muss, um ihr eine schlimme Nachricht zu überbringen, ist er nach Osten unterwegs, während Saba nach Westen reitet. Eine vertrackte Situation und als dramatischen Element für die Lovestory immer wieder gerne gewählt. Unterwegs mach Jack eine Entdeckung, die darauf schließen lässt, dass mit dem Tod des grausamen Herrschers Pinch noch lange keine Ruhe einkehren wird. Mitten in einer spannenden Situation bricht das Kapitel ab und die Geschichte schwenkt zu Saba, die die Handlung gewohnt in der Ich-Form (Präsens) erzählt.

Sprachlich setzt "Der Herzstein" die Ausdrucksweise und Form von Band 1 konsequent fort. Viele kurze Sätze, präzise Beschreibungen und eine einfacher Ausdruck insgesamt und bei den Verben. Genau das ist das Besondere an der Geschichte, genau das hat man damals lieben gelernt. Der Verlag hat sich diesmal jedoch entschieden, die wörtliche Rede, so wie allgemein üblich, durch Anführungszeichen kenntlich zu machen. Schade, wird manch ein Leser denken. Aber so "schlimm" ist das nicht. Im Gegenteil. Zwar unterscheidet sich dieser Punkt vom Vorgängerband, der Vorteil ist aber, dass man beim Lesen nicht ständig die wörtliche Kommunikation zwischen den Zeilen zuordnen muss, da man sie hier auf den ersten Blick erkennt. Das Lesen wird so um einiges entspannter.

Mein ganzes Leben lang ist Lugh mein besseres Ich gewesen. Das Licht meiner Dunkelheit. Wir haben uns in Mas Bauch einen Herzschlag geteilt. [...] Wir sind zwei Hälften von einem Ganzen. Jetzt kann er mir nicht helfen. Ich kann ihm nicht helfen. [...] Nein, zum ersten Mal ist Lugh nicht der, den ich brauch. Ich brauch Jack. 
Jack.
Die Sehnsucht nach ihm tut mir in den Knochen weh. - S. 60

Die Charaktere polarisieren. Saba agiert, wie wir sie kennen. Impulsiv, kratzbürstig und sehr gefühlsbetont. Sie ist nicht sehr sympathisch, dafür sehr menschlich (und damit eine der weiblichen Lieblingscharaktere der Rezensentin!). Hier hat sie mit den dunklen Ereignissen der jüngsten Vergangenheit zu kämpfen. Ein vermeintlich etwas in die Länge gezogener Fantasypart über Träume und seherische Fähigkeiten macht am Ende Sinn und löst sich brillant auf.
Ziemlich schnell wird Lugh, Sabas Bruder, zum echten Unsympath. Statt seiner Schwester dankbar für seine Rettung zu sein, macht er ihr ständig Vorhaltungen, versucht sie von ihrem festen Ziel, sich mit Jack zu treffen, abzubringen. Lughs Verhalten und die Spannungen zwischen den Geschwistern bringen einige Konflikte mit sich.

"Der Herzstein" ist großartig spannend. Einige Wendungen kribbeln und sorgen für Gänsehautüberraschung. Während der Handlung stellt sich nicht die Frage OB Saba auf Jack trifft, sondern WANN die beiden sich begegnen (und auf welcher Seite er dann steht). Zwischenzeitlich geht in der Geschichte die Post ab. Einige von Sabas Handlungen überraschen und verwundern, die Konsequenzen daraus wird sie tragen müssen. Neben den Actionszenen, ist noch viel Platz für etwas Humor, Romantik und manch trauriges Ereignis. Das Ende in diesem Band ist wehmütig schön. Mit den letzten Zeilen stellen sich dem Leser die Nackenhaare auf. Ach, wäre Band 3 doch schon erhältlich! Die englische Ausgabe des Abschlussbandes "Raging Star" wird im Mai 2014 erwartet.

Dann. Vom anderen Seeufer. Vom Rand der Nacht. ... - S. 424

Das persönliche Fazit
Dustlands ist "meine" Reihe, weil sie spannend, unterschwellig gefühlvoll und sehr eigen ist. Ich muss es erwähnen, denn ich habe vor dem Lesen das Hörbuch des ersten Bandes zur Auffrischung gehört. Wenn man einen Fortsetzungsband so sehr erwartet, sollte man gut vorbereitet sein. Und es hat sich gelohnt! "Dustlands: Der Herzstein" hat mein Herz für sich erwärmt und mich aufgewühlt. Erwähnenswerte Kritik habe ich nicht, bzw. wird diese gegenstandslos. Ich war sofort mitten in der Story, habe mit Saba gekämpft und gelitten. Sie ist ein Charakter, den ich kompromisslos mag. Gerade wegen ihrer Schwächen, aber auch wegen ihrem großen Herz und ihrem Mut. Die Spannungen, Wendungen und Lösungen im letzten Buchdrittel sind exzellent. Ich war mit dem Buch einfach glücklich! 5 Sterne Lieblingsbuchstatus.

Aufmachung: 4,5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Dustlands-Trilogie:

Band 2 - "Der Herzstein"
Band 3 - "Der Blutmond"

Mittwoch, 26. Februar 2014

Buchisches Statement #6


© Damaris liest.
Bilder der Rubrik "Buchisches Statement" dürfen mit unverändertem Inhalt verwendet werden

Dienstag, 25. Februar 2014

Review zu "Grüße aus meiner Küche: Leckere Geschenke selbst gemacht" von Lisa Nieschlag und Lars Wentrup



Hölker Verlag (Januar 2014),
Hardcover, 112 Seiten,
16,95 € [D]
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Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Hier sind sie nicht nur schön und mit Liebe gemacht, sondern schmecken auch noch köstlich. Mit viel Sinn fürs Detail präsentieren Lisa Nieschlag und Lars Wentrup leckere Ideen für alle, die gerne besonders schenken. Die eigene Küche wird so schnell zur Geschenke-Manufaktur: Marzipan-Aprikosen-Küchlein zum Geburtstag oder Bacon-Parmesan-Popcorn für den Filmabend sind schnell gemacht, kommen von Herzen und machen dem Beschenkten Freude. Abwechslungsreich, einfach und raffiniert! (Text- und Coverquelle: Hölker Verlag)


Nein, Damaris liest. ist kein Food- oder Küchen-Blog. Doch wenn mich ein Kochbuch so anspricht, wie "Grüße aus meiner Küche", dann hat es sich einen Platz zwischen den ganzen Jugend- und All Age-Büchern redlich verdient.


Meine Meinung
Es macht einfach Spaß, bei einer Einladung eine Kleinigkeit mitzubringen oder den Nachbarn etwas Nettes vor die Türe zu stellen. Das muss auch gar nicht teuer, darf dafür gerne kreativ sein. Eine süße oder salzige Leckerei ist perfekt. Kein Wunder, dass mir "Grüße aus meiner Küche" sofort ins Auge stach.
Das Konzept und die Gestaltung des Buches ist von Lisa Nieschlag und Lars Wentrup. Die meisten Fotos stammen von Julia Cawley, die zusammen mit Lisa den bekannten blog www.lizandjewels.com betreibt. Man erkennt die Handschrift des Blogs auch in "Grüße aus meiner Küche".

Vorne im Buch findet man eine kurze Vorstellung, mit vielen schönen Fotos, der Autoren. Dann geht es auch schon los mit den Rezepten. Das Buch ist in zwei Rubriken, Süß und Salzig, unterteilt. Der süße Teil hat etwa den doppelten Umfang wie der salzige Teil.
Die meisten Rezepte sind mit auffällig wenigen Zutaten nachzukochen/-backen. Ich habe mich beim Durchblättern oft bei dem Gedanken Oh, das hab ich ja alles da. Probiere ich sofort aus. ertappt. Dazu noch die tollen Verpackungsideen, die man so, oder in abgewandelter Form, schnell und einfach nachmachen kann. Aufwändig wird es nur, wenn man alles wie auf den Bildern gestalten will. Dann kann es sein, dass man zu allererst eine größere Shoppingtour für Gläser, Papier- und Dekomaterial einplanen muss.

Ja, ich war inspiriert, und folglich hoch motiviert, sofort zur Tat zu schreiten. Dabei habe ich sogleich meinen Mixer beerdigt und mir fies die Finger verbrannt. Aber dafür kann das Buch ja nichts, das passiert eben, wenn man so eifrig am Werk ist. Die Zutaten waren vorhanden oder schnell besorgt, ebenso Gläser und Geschenkbänder. Beim Beschriften und Hervorheben sind die tollen Kopiervorlagen im Buch Gold wert.




Kein Rezept-, bzw. Kochbuch ist so perfekt, dass jedes Rezept den eigenen Vorlieben entspricht. Es wird immer einzelne Rezepte geben, die einem persönlich nicht so zusagen. Hier hält sich das absolut in Grenzen. Einige der Ideen eignen sich meiner Meinung nach besser als Mitbringsel als andere. Vor allem ein paar der salzigen Gerichte würde ich als Snack oder für zu Hause bevorzugen.
Tipps zur Verpackung, Basteltipps und praktische Hinweise finden sich immer wieder bei (und zwischen) den einzelnen Rezepten. Im Anhang des Buches gibt es wunderbare Kopiervorlagen, die ich dank unserem Multifunktionsgerät sogar in Farbe kopieren kann. Das köstliche Zwiebel-Chutney steht bereits hübsch präsentiert bei unseren Nachbarn vor der Tür.

Kleine Anmerkung, weil es für einige relevant sein könnte: Bis auf die Bacon-Parmesan-Popcon sind alle Rezepte im Buch vegetarisch oder vegan.

Fazit
Von einem Kochbuch erwarte ich Inspiration - und hier wurde ich mit "Grüße aus meiner Küche" perfekt bedient. Das Buch setzt das Thema der leckeren Mitbringsel aus Eigenproduktion sehr gut um. Dazu animiert es, selbst kreativ zu werden. Welche Rezepte sich tatsächlich als Geschenke eignen, liegt im Ermessen des Schenkenden. Die Verpackungsideen und Kopiervorlagen sind eine Wucht! Ebenso die Gestaltung des Buches. Ich werde einige Ideen als Geschenke und Mitbringsel umsetzten. Auch das Buch selbst eignet sich hervorragend als Geschenk.

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Montag, 24. Februar 2014

Review zu "Verdammt gute Nächte" von Kathrin Schrocke



Fischer Sauerländer (Februar 2014),
Hardcover, 208 Seiten,
12,99 € [D]


Seit wann muss Liebe einen Sinn ergeben?
Jojo ist 15 und zählt zu den einsamsten Geschöpfen auf diesem Planeten. Sein Freund Michael steht auf schlechte Pornos, sein Freund Sushi ist ein adoptierter Japaner und Musterschüler, und seine erste große Liebe Lilli ist – seit einem Monat mit Michael zusammen. Dann taucht plötzlich Puma auf. Sie ist hübsch, cool, witzig und fährt einen roten Alfa Romeo Spider. Aber das Wichtigste ist: Sie nimmt ihn ernst. Die Sache hat nur einen Haken: Puma ist doppelt so alt wie er … (Text-, Cover- und Zitatquelle: Fischer Sauerländer)


Die Zeit surrte zusammen zu dem einen, winzigen Moment im Hier und Jetzt. Ich nahm all meinen Mut zusammen. "Wir spielen um einen Kuss", sagte ich leise. "Wenn ich gewinne, darf ich dich küssen." Nichts. Keine Reaktion. - S. 113


Meine Meinung
Bücher mit Tabu- oder Reizthemen wecken gerne das allgemeine Interesse. Auch meines. Kurios ist, dass die Beziehung zwischen älteren Paaren mit großem Altersunterschied nicht mehr so sehr polarisiert. Vor allem, wenn der männliche Partner einige Jahre älter ist. Wird aber, wie hier, die Liebe zwischen einem 15-jährigen Jugendlichen und einer doppelt so alten Frau thematisiert, ist das heute immer noch eine Art Stilbruch. Bei Geschichten dieser Art kommt es vor allem auf die Umsetzung an. Ist die Geschichte echt oder kitschig? Ermutigend oder abschreckend? "Verdammt gute Nächte" nähert sich diesem Thema auf sehr authentische und gefühlvolle Weise, ist dabei aber erstaunlich direkt. Gegen Ende könnten einige Leser überrascht sein.

Hauptprotagonist Jojo, der 15-jährige Ich-Erzähler der Geschichte, lebt ein behütetes Leben in der bayrischen Provinz. Im Dorf zählen Ansehen, Familie und bestimmt Werte. Es gibt Pfarrfeste und Raiffeisenbank-Tombolas. Jeder kennt jeden. Jojo hängt viel mit seinen Freunden ab, geht mit ihnen zur Schule und zur Chorprobe. Seine erste Liebe Lilli ist seit kurzem mit seinem besten Freund Michael zusammen. Der verschickt an alle Jungs gerne Pornoclips und auch sonst drehen sich viele Gespräche um das für Jugendliche interessanteste Thema der Welt. Die Alltagsroutine wird für Jojo unterbrochen, als Puma, eine Bekannte seiner Mutter, kurzfristig bei ihnen zu Hause einzieht.

Und da sah ich es. Ich sah es in ihren Augen. Eine Sehnsucht, die nicht weniger groß war als meine. Ein Verlangen, das sie unterdrückte, indem sie Wort wie lächerlich gebrauchte und sich doch nur selbst damit betrog. "Ja, wahrscheinlich würde es einen Unterschied machen, wenn du älter wärst", sagte sie leise. - S. 155

"Verdammt gute Nächte" ist ein sehr echter, glaubwürdiger Roman. Ein Roman, wie ihn das Leben schreiben könnte. Niemand im Buch ist perfekt, Fehler führen zu Missverständnissen und zu seelischen Verletzungen. Das betrifft die Jugendlichen untereinander, aber auch die Situation in den Familien. Kathrin Schrocke hat eine wunderbare Art, diese Echtheit in ihre Zeilen zu schreiben.
Außerdem fällt auf, dass die Autorin im Buch sehr offen mit Sexualität umgeht. Gut, die Definition, wann eine sexuelle Handlung tatsächlich Sex, also Geschlechtsverkehr, bedeutet, ist Auslegungssache. Die Sprache, in Bezug auf dieses Thema, ist aber sehr deutlich. Da bekommen junge Leser schon sehr krass gesagt, wie sich der Inhalt der verschickten Pornoclips darstellt und auch der Aspekt der Selbstbefriedigung ist ständig präsent. Aber diese Deutlichkeit gehört zu einem authentischen Roman dazu.

Ich hatte während des Lesens Verständnis. Verständnis für Jojo, aber auch für Puma. Die Annäherung der beiden ist nicht kompromisslos und kitschig, geht nicht so vonstatten, als würde sich keiner Gedanken darum machen. Auch dieser Punkt ist so dargestellt, als könnte das jedem passieren. Einige Handlungen habe mich etwas verblüfft und am Ende war ich richtig überrascht. Das hätte ich in dieser Art ganz sicher nicht erwartet. Der Roman endet an einer perfekten Stelle. Man hat hier die großartige Möglichkeit seinen Gedanken nachzuhängen oder über das Gelesene zu diskutieren.

Fazit
"Verdammt gute Nächte" lenkt die Erwartungen bei diesem Roman vielleicht in eine etwas andere Richtung, obwohl der Titel in der Geschichte Programm ist. Hier geht es um das Leben eines 15-Jährigen im Allgemeinen und seine Annäherung und Liebe zu einer doppelt so alten Frau. Das Buch belehrt nicht, es zeigt nicht auf und gibt keine Ratschläge. Es schildert eine Geschichte, die sich tatsächlich so zutragen könnte und das mit einer glaubhaften Echtheit. Ich habe Jojos Geschichte verschlungen und war sehr froh, dass die Geschichte nicht den Weg des geringsten Widerstands geht. Das Ende empfand ich als sehr überraschend, aber perfekt. Ich habe viel darüber nachgedacht. Ein besonders lesenswertes Buch!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Samstag, 22. Februar 2014

Rezension zu "Am Anfang war das Ende" von Stefan Casta



Verlag: Fischer Sauerländer (Februar 2014)
Originaltitel: Den Gröna Cirkeln
Übersetzer: Brigitta Kicherer
Reihe: Band 1/2 (?), ab ca. 12 J.
Ausführung: Hardcover, 432 S.
ISBN: 978-3737350808
16,99 € [D]

Genre: Endzeit Fiction

© Cover- und Zitatrecht: Fischer Sauerländer


Das Thema
Judit und ihre Freunde leben in einer kleinen Stadt, wahrscheinlich in der nahen Zukunft, zu einer Zeit, extremer Klimaschwankungen und Wetterphänomene. Einige Dinge von früher, wie bestimmt Tierarten oder Vögel, gibt es nicht mehr. Trotzdem ist ihr Alltag ist weitestgehend normal. Die Jugendlichen gehen zur Schule, machen erste Erfahrungen mit Liebesbeziehungen und verbringen ihre Freizeit miteinander. Bis zu jenem Tag, an dem es nach einer Hitzeperiode zu regnen anfängt - und nicht mehr aufhört. Judit, David, Dinah und Gabriel werden buchstäblich weggespült. Nach einigen Tagen ist endlich Land in Sicht, die Freunde stranden an einem Ufer. Und hier ereignen sich Dinge, die sich mit logischem Denken nicht erklären lassen ...

Die Rezension

Der Anfang: Es ist Sonntag. Und es ist so krass still, wie es bloß an einem Sonntag sein kann.

Was erwartet man als Leser, wenn man sich das Cover und den Klappentext von "Am Anfang war das Ende" anschaut, bzw. durchliest? Genau, einen Weltuntergangsroman. Einen sehr ansprechenden dazu. Es bietet sich geradezu an, einen Roman der extremen Wetterbedingungen zu schreiben. Gerade heute, da sich jeder Jugendliche gut in dieses Thema hineinversetzen kann. Und mit einem hat der Klappentext definitiv recht. Dieser Roman ist wie eine Flutwelle: aufwühlend und gnadenlos mitreißend. Jedoch unterscheiden sich die Erwartungen am Ende komplett vom Inhalt. Das muss nicht negativ sein. Eines ist aber sicher. "Am Anfang war das Ende" wird einer der ungewöhnlichsten, suspektesten Romane sein, die man bis dato gelesen hat.

  "Zuerst hab ich gedacht, es ist das Klima", sagt Dinah. "Dass das irgendwie endgültig umgekippt ist." 
  Ich nicke. "Ich weiß", sage ich. "Aber da muss irgendwas anderes passiert sein. Das ganze Dasein ist auseinandergebrochen, anders kann ich mein Gefühl nicht beschreiben."
  "Und was machen wir jetzt?", fragt Gabriel und wischt sich mit der Hand den Mund ab. 
  Ich zucke mit den Schultern. "Ich glaube, es kann noch schlimmer werden," sage ich. - S. 203

Anfangs erscheint die Geschichte fast schon gewöhnlich. Es geht um vier Jugendliche und ihren Alltag. Besonders schön ist, dass Judit, die Ich-Erzählerin der Geschichte, jedem Wochentag ein Attribut zuordnet (Samstag ist ein unaufgeregter Tag, weich, freundlich und angenehm. - S. 29) und eine unterschwellige Fürsorge für ihre Freunde, vor allem später, an den Tag legt. Das macht sie sofort liebenswert und auf ihre Art authentisch.
Der Stil ist einfach, aber besonders. Der Umgangston unter den Jugendlichen teils flapsig und umgangssprachlich. Bis hier wirkt die Geschichte darum sehr echt. Nähere Infos über den Handlungszeitraum bekommt man nicht. Der Leser erfährt aber von extremer Hitze oder vielen ausgestorbenen Tierarten. Mehr muss man auch nicht wissen. Im Hinblick auf den Klimawandel kann man davon ausgehen, dass die Geschichte in nicht allzu ferner Zukunft spielt.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt beginnt dann der sintflutartige Regen. Judit und ihrer Freunde werden auf einer abgerissenen Holzveranda davongetrieben. Alles plausibel, das muss man nicht hinterfragen, es gestaltet sich wie erwartet. Bis die Jugendlichen an fremden Ufern stranden ...

... so als würden wir uns in einem absoluten Vakuum bewegen. Hier gibt es gar nichts. Keine Laute von Tieren und Vögeln, keine Gerüche, keinen Wind. Fühlt es sich so an, wann alles zu Ende geht? - S. 270

Ab diesem Zeitpunkt wird es dann richtig interessant. Leider größtenteils auf eine völlig abstruse und angstmachende Weise - es ist zum Haare raufen! Dazu muss man anfügen, dass das Spannungslevel und die Ideenvielfalt genial sind. Man ist komplett gefesselt von dieser suspekten Szenerie, rast folglich durch die Seiten und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Es gibt Szenen, bei denen man sich richtig gruselt, vor Überraschung die Augen aufreißt, Absätze nochmals liest, sich überlegt, ob man vielleicht etwas verpasst hat oder vor Schreck die Hand vor dem Mund schlägt. Es ist nicht nur zum Haare raufen, es ist faszinierend! Dennoch stellt man sich bei alledem laufend die Frage nach dem Warum. Was will der Autor damit aufzeigen? Wohin führt das alles? Wie hängt alles zusammen? Wann kommt die Auflösung? Wurde diese Geschichte unter Drogeneinfluss geschrieben?

Auf einige dieser Fragen erhält man Antwort, erkennt kleine Zusammenhänge. Wenn aber, etwa 70 Seiten vor dem Ende, noch keine Erkenntnis des "großen Ganzen" in Sichtweite ist, ahnt man schon, dass man diese Reise mit einem großen Fragezeichen im Gesicht beenden wird. Und so kommt es auch ... und ab hier lässt man dann das Haare raufen sein, und ist nur noch frustriert. Zugegeben, man wird sich seine eigenen Antworten suchen, spekulieren oder raten. Stützen kann man sich dabei nur auf die Mutmaßungen von Judit und ihren Freunden. Das ist einfach zu wenig.
Von "Am Anfang war das Ende" gibt es im schwedischen Original noch mindestens einen Fortsetzungsband. Das Buch liest sich aber (irgendwie) abgeschlossen.

Trotz alledem behält nach dem Lesen ein Gefühl die Oberhand. Es ist das Gefühl, ein ganz besonderes Buch gelesen zu haben. Ungeachtet der Fragen und Frustration am Ende. Das ist schwer zu beschreiben, das muss man erleben. Jeder, der gerne über den Tellerrand der "normalen" Jugendliteratur hinausliest, sollte sich von diesem Buch verführen lassen.

Das persönliche Fazit
"Am Anfang war das Ende" hat mich komplett durcheinandergewirbelt. Ich kann mich an kein Buch erinnern, das mich mit solch widersprüchlichen Gefühlen zurückgelassen hat. Ich schwankte ständig zwischen Begeisterung und Verwirrung, zwischen Erklärungen und Frustration. Am Ende war ich so am Anfang - sprich verstört-, dass ich kurzum zum Telefonhörer griff, um mich mit Bücherfreunden auszutauschen. Das passiert nicht oft. Solch angeregte Diskussionen über ein Buch, innerhalb einer Büchercommunity, sind nicht alltäglich. Ich möchte sagen: "Lest dieses Buch, das müsst ihr erleben!", gleichzeitig bin ich unsicher, empfehle es mit deutlichen Einschränkungen. Sicher kann man sich nur in einem Punkt sein, nämlich dass man etwas völlig anderes lesen wird, als man beim ersten Blick auf das Buch erwartet. 3 suspekte Sterne.

Aufmachung: 3,5 / 5
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Donnerstag, 20. Februar 2014

Review zu "Und auch so bitterkalt" von Lara Schützsack



Fischer KJB (Februar 2014),
Hardcover/SU, 176 Seiten,
14,99 € [D]


Dies ist die Geschichte von Lucinda. Lucinda ist schön, lebenshungrig und leuchtet wie ein Stern. So hell und so schön und gleichzeitig Lichtjahre entfernt. Lucinda scheint in einer anderen Welt zu leben, nach eigenen, erbarmungslosen Regeln. Wer Lucinda liebt, muss ertragen, ihr niemals richtig nah sein zu können. So sind Sterne eben. Und manchmal fallen sie vom Himmel und verglühen. Einfach so. (Text-, Cover- und Zitatrechte: Fischer KJB)


Über mir färbt sich der Abend rosarot. Aber es ist nicht mehr mein Himmel. Es ist der von Lucinda und Jarivs. Eine Nacht voller möglicher Geheimnisse zerfällt vor mir zu nichts als blassen Stunden. So ist es immer mit meiner Schwester, wenn sie geht, nimmt sie alle Farben mit sich. - S. 42


Meine Meinung
Alleine von Titel und Cover konnte ich unmöglich auf den Inhalt schließen. Das Buch, mit gerade mal knappen 180 Seiten Umfang, wirkt sehr zart, der Titel poetisch angehaucht. Rückblickend ist die Geschichte sowohl zart als auch sehr gewichtig, der Titel passt meisterhaft. Lara Schützsack hat eine eindringliche Geschichte von sehr hoher Qualität geschrieben, die noch lange nachwirkt.

Malina vergöttert ihre ältere Schwester Lucinda. Sie sieht ihre Schwester als leuchtenden Stern. Unverrückbar, strahlend, aber auch irgendwie unerreichbar. Malina wäre gerne so strahlend wie ihre Schwester, meint sie zu verstehen. Doch dann ist ihr vieles an deren Verhalten auch fremd und etwas unheimlich. Trotzdem hält sie immer zu Lucinda, stellt sich an ihre Seite, wenn diese ihre Macht über Personen ausspielt, die ihr eigentlich nahestehen sollten. Irgendwann geht das Machtspiel Lucindas so weit, dass es kein Zurück mehr gibt. Nicht für ihre Familie, für Jarvis, ihren Freund und auch nicht für sie selbst.

Manchmal begegnet man Personen im Leben, die polarisieren. Man fühlt sich von ihnen angezogen und gleichermaßen abgestoßen. Genau so eine Person ist Lucinda. Einerseits ist sie mutig und sehr taff, andererseits ist sie ganz sicher sensibel, wirkt manchmal verzweifelt, versteckt das aber die meiste Zeit sehr gut. Über einige ihrer Verhaltensweisen und Machtspielchen, ihren Eltern und ihrem Freund gegenüber, konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Sie war mir zutiefst suspekt ... und irgendwann treibt sie es dann auf die Spitze. Wahrscheinlich empfindet Malina ihrer Schwester gegenüber ähnlich. Man hat im Laufe der Geschichte aber den Eindruck, dass sie sich deren "Zauber" einfach nicht entziehen kann, ihr fast schon hörig ist.

Lucinda hat sich oben in ihrem Zimmer eingeschlossen und mir den Auftrag erteilt, das Gespräch der Erwachsenen zu belauschen. Erst wollte ich nicht, aber dann hat Lucinda mir ihren Keinen-Widerspruch-Blick zugeworfen, und ich habe ja gesagt. - S. 139

Mit sich entwickelnder Handlung sucht man verstärkt nach den Ursachen für Lucindas extravagantes und schwieriges Verhalten. Wer daran "Schuld" ist, konnte ich für mich nicht festlegen. Ihr Umfeld, ihre Familie - alles scheint relativ normal und unauffällig zu sein, bis auf die Tatsache, dass die Mädchen ihre Eltern beim Vornahmen nennen. Doch auch dies ist nicht komplett ungewöhnlich. Lucindas Verhalten und Denken ist tatsächlich krankhaft, persönlichkeitsgestört. Sie kommt mit sich nicht zurecht. Und wo die Seele leidet, leidet auch der Körper.
Wie alt die Mädchen sind, wird nicht beschrieben (etwa 12 und 16?), auch der genaue Handlungsort ist nicht klar (wahrscheinlich Deutschland).

Einfühlsam und klar, dennoch stellenweise ungewiss, schildert die Autorin die Geschichte, mit einer Zeitspanne von ein paar Monaten. Man begleitet die Schwestern und ihre Familie durch die turbulente, mal ruhige, teils verstörende Zeit. Der Schluss ist schon bald unausweichlich, am Ende bleibt dennoch Raum für eigene Interpretationen. Hilfe oder konkrete Verhaltensvorschläge zum Umgang mit schwierigen Jugendlichen gibt der Roman nicht. Aus seinem Strudel wird man nur langsam wieder auftauchen. 

Fazit
Immer wieder bin ich erstaunt, wie viel Ausdruckskraft manche Autoren zwischen so wenige Seiten packen können. Ein Kunststück, das anderen bei doppeltem Umfang nicht gelingt. "Und auch so bitterkalt" habe ich fast am Stück gelesen, die Geschichte hielt mich die ganze Zeit über fest, ließ mich auch nach dem Ende nicht richtig los. Den Kopf noch immer voller Gedanken zählt das Buch für mich zu den besonderen, dramatischen Kostbarkeiten der Literatur. Eindrucksvoll!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Montag, 17. Februar 2014

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im März 2014

Viele Bibliophile (auch Büchersuchtis genannt) füllen regelmäßig ihre Wunschlisten. Denn alle Haben-Muss-Bücher kann man gar nicht sofort kaufen. Ebbe im Geldbeutel oder das überfüllte SuB-Regal sind schuld. Dabei hoffen wir alle, dass es irgendwann mal "besser" wird. Weniger Neuerscheinungen, geschrumpfte Wunschlisten. Machen wir uns nichts vor. Es wird nie besser! Vor allem nicht im Frühjahr und im Herbst, der Zeit der Verlagsvorschauen und Büchermessen. Hier also die neuen Titel im März 2014, bei denen ich sage: Ab auf die Wunschliste!


Dystopien - Fantasy

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan ... ist das neueste Werk diese Autors. Das Buch hat zwar einen phantastischen Hintergrund, reine Fantasy erwarte ich aber sicher nicht. Gemeinsam mit John Green gehört Levithan für mich zu den bedeutendsten amerikanischen Jugendbuchautoren.
Schlaf nicht ein von Michelle Harrison ... hat ein gruseliges Thema. Elliot versucht sich seit Monaten mit allen Mitteln wach zu halten. Seit er einen Unfall hatte, und für einige Minuten klinisch tot war, geschehen schauerliche Dinge, sobald er einschläft.
Dein für immer von Becca Fitzpatrick ... ist der letzte Teil der Engel der Nacht-Reihe und für mich ein absolutes Muss-Buch. Auch, wenn ich nach Band 3 nicht mehr ganz so begeistert war, wie noch von Band 2 und vor allem Band 1. Egal, die Geschichte über Nora und Patch (!) macht süchtig. ("Engel der Nacht"-Rezension)



Phantasmen von Kai Meyer ... landet sofort auf der Wunschliste, weil es von Kai Meyer ist. Der Autor hat einen sehr speziellen Stil, seine phantastischen YA-Bücher (Arkadien-Trilogie und "Asche & Phönix") haben mich sehr begeistert. Hier geht es um Geister. Böse Geister?
Die Bestimmung: Letzte Entscheidung von Veronica Roth ... ist schon der Abschlussband der Bestimmung-Trilogie. Band 2 liegt noch immer ungelesen im Regal. Trotzdem will ich Band 3 haben! Der erste Teil war einfach super! ("Die Bestimmung"-Rezension)
Partials 2: Fragmente von Dan Wells ... ist die Fortsetzung einer Reihe, an der ich unbedingt dranbleiben will. Die Charaktere aus Band 1 waren mir zwar etwas zu distanziert, die Story ist aber absolut klasse. ("Partials 1: Aufbruch"-Rezension)


Romane - Spannung - Lovestorys

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)



 Die Insel von Manuela Martini ... ist der neueste spannende Jugendroman der Autorin. Von ihrem Thriller "Wenn es dunkel wird" war ich so begeistert, dass ich auch "Die Insel" unbedingt lesen möchte. Die Story erinnert etwas an die Serie "Lost". ("Wenn es dunkel wird"-Review)
Vor uns die Nacht von Bettina Belitz ... landete ohne Zögern auf der Wunschliste. Die Splitterherz-Trilogie gehört noch heute zu meinen eindrücklichsten Leseerlebnissen. Für den neuesten Liebesroman der Autorin benötige ich nicht mal Klappentext-Infos. Gelesen wird er sowieso!
Der Sog der Schwerkraft von Gae Polisner ... fiel mir beim Stöbern ins Auge. Die Geschichte beschreibt einen Road-Trip von Nick und Jaycee und die Suche nach dem Vater eines Freundes, der im Sterben liegt. Mich hat sie sofort angesprochen.



Strawberry Summer von Joanna Philbin ... ist glaube ich schon fast ein Jahr auf meiner Wunschliste. Es ist eine Sommergeschichte, die in den Hamptons spielt, wo Rory, als "Mädchen für alle"s, bei reichen Leuten arbeitet und sich in deren Sohn Connor verliebt.
Die Nacht als Gewn Stacy starb von Sarah Bruni ... lacht mich schon seit Bekanntgabe des Erscheinungstermins an. Dabei kann ich nicht richtig zuordnen, um was es in der Geschichte genau geht. Gerade das macht es aber so spannend. Es geht um einen Jungen, der sich für Spidermans Alter Ego Peter Parker hält. Interessant!
Mehr als das von Patrick Ness ... ist nach "Sieben Minuten nach Mitternacht" ein Must-Read dieses Autors. Ein Junge ertrinkt und erwacht lebendig an einem verlassenen Ort. Ist das Leben vielleicht mehr als das? Obwohl das Buch phantastisch klingt, würde ich es nicht in die Fantasy-Sparte stecken. Ich bin wahnsinnig gespannt!


Ich hoffe, ich konnte euch auf einige der Bücher neugierig machen. Vielleicht landen ja ein paar davon auch auf eurer Wunschliste. Verratet mir doch welche ...


Auf die Wunschliste!

Samstag, 15. Februar 2014

Buchisches Statement #5


© Damaris liest.
Bilder der Rubrik "Buchisches Statement" dürfen mit unverändertem Inhalt verwendet werden

Donnerstag, 13. Februar 2014

Rezension zu "Ich bin Tess" von Lottie Moggach



Verlag: script5 (Februar 2014)
Originaltitel: Kiss me first
Übersetzer: Jessika Komina & Sandra Knuffinke
Reihe: -
Ausführung: Hardcover/SU, 352 S.
ISBN: 978-3839001585
17,95 € [D]

Genre: Krimi, Drama

© Zitat- und Coverrechte: script5 Verlag


Das Thema
Nach dem Tod ihrer Mutter, ist Leila in eine kleine Wohnung im Londoner Bezirk Rotherhithe gezogen. Sie arbeitet zu Hause als Software-Testerin und auch ihre sonstige freie Zeit verbringt sie überwiegend im Internet. Nachdem sie nächtelang World of Warcraft gespielt hat, stößt sie auf die Webseite Red Pill. Im dortigen Forum tauschen sich die Mitglieder über besondere Ansichten, intellektuelle Themen oder ethische Fragen aus. Leila findet daran Gefallen und verbringt fortan ihre gesamte Onlinezeit im Red Pill-Forum. Nach einiger Zeit erhält sie vom Gründer der Seite eine Anfrage, in der er Leila um Hilfe bittet. Die lebensmüde Tess möchte "auschecken", ihr Leben selbstbestimmt beenden. Leila soll nach Tess' Tod deren Leben im World Wide Web übernehmen, ihre Identität bei Facebook annehmen, E-Mails beantworten, etc. - um Familie und Freunden großen Kummer zu ersparen.

Die Rezension

Der Anfang: Es war Freitagabend und das Projekt lief seit ungefähr neun Wochen.

Romane über Brennpunktthemen zu Internetaktiviäten, z.B. soziale Netzwerke und deren Auswirkungen, gibt es mittlerweile einige. Die Probleme, die mit diesen Themen einhergehen, eignen sich sehr gut als sensibler Lesestoff, der (vor allem) junge Leser ansprechen soll. Auch Lottie Moggachs Roman "Ich bin Tess" greift dieses Themengebiet auf, beschäftigt sich zudem aber noch mit einer großen Moral-, bzw. Ethikfrage: Hat der Mensch ein Recht darauf, sein Leben selbstbestimmt zu beenden? Und sollten wir Menschen mit diesem Wunsch unterstützen/helfen, wenn sie uns darum bitten? "Ich bin Tess" liefert keine Antwort auf diese Frage. Jeder Leser wird sich, sofern er sich mit diesem Thema auseinandersetzen mag, seine eigene Meinung dazu bilden können. Alle anderen erwartet ein hochwertig geschriebener Roman, der dieses empfindliche Thema spannend und unvoreingenommen aufgreift.

Sie lachte. "Ach, du bist so jung, du hast noch genug Zeit, Wart's nur ab." Dann seufzte sie und ihre Stimmung verdüsterte sich, wie so oft. "Aber dann, bevor du's merkst, bist du alt. Das Leben ist grässlich kurz, weißt du." - Tess, S. 110

Die Hauptprotagonistin und Erzählerin Leila befindet sich im Roman in einer Kommune in Spanien. Von dort aus schildert sie die zurückliegenden Ereignisse, erzählt dem Leser wie (und warum) sie für ein paar Monate die Identität von Tess angenommen hat. Dieses Erzählkonzept funktioniert hier sehr gut, weil Leila ihr Denken und Handeln sehr gezielt erklärt. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, mit ihr einer Meinung sein, muss man aber bei Weitem nicht.
Wunderbar geschildert, ist die Rolle von Tess, einer manisch depressiven Frau, die den Wunsch hat zu sterben. Obwohl jegliche Kommunikation aus der Sicht von Leila geschildert wird, und man nicht selbst "in Tess' Kopf schauen kann", hat man das Gefühl, Tess bald sehr gut zu kennen.

Leila macht es dem Leser nicht gerade einfach. Nicht nur, dass sie den Auftrag annimmt, die suizidwillige Tess nach deren Tod zu imitieren (eindeutig eine Moralfrage, die viele Leser eindeutig mit Nein beantworten würden), im Laufe der Handlung stellt sie sich auch als relativ leicht beeinflussbar heraus. Sie ist hochintelligent, die Effizienz, mit der sie sich ihrer Aufgabe widmet, zu Tess zu werden, ist beeindruckend. Insgesamt wirkt sie etwas gefühlskalt. Zwar ist Leila eher stur und gibt nicht viel auf die Meinung außenstehender Personen, doch bei gewissen Dingen möchte man ihr das Offensichtliche geradezu ins Ohr schreien.
Obwohl man nicht unbedingt derselben Meinung wie Leila sein muss, ist ihr Handeln, so wie sie die Dinge sieht, stets plausibel. Einzig eine Tat in ihrer Vergangenheit löst komplettes Unverständnis aus. Es wird nicht genügend reflektiert und Leila kommt aus der Sache raus, ohne Reue zu empfinden oder zur Verantwortung gezogen zu werden.

"Ich bin Tess", sagt ich - schrie ich fast. Wie konnte es sein, dass er noch immer nicht begriff? "Verstehst du denn nicht? Ich bin Tess." - Leila, S. 297

"Ich bin Tess" ist ein spannendes Drama, das einige Attribute eines Krimis aufweist. Lottie Moggach setzt sich mich einem Thema auseinander, das viele kontroverse Diskussionen auslösen könnte, und integriert die Bedeutung sozialer Netzwerke und virtueller Kommunikation in die Geschichte. Beide Protagonistinnen, Leila, wie auch Tess, sind eine Herausforderung, deren Sicht der Dinge durchaus Beachtung verdient - auch, wenn diese Option für den Leser selbst kein Thema darstellt. Am Ende des abgeschlossenen Romans kann man Leilas Meinung perfekt zitieren: Ich glaube, ich fange langsam an zu akzeptieren, dass es im Leben nun mal nicht nur Schwarz und Weiß gibt, genauso wenig wie auf jede Frage eine Antwort. Es werden immer ein paar Grauzonen übrig bleiben und vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm. (S. 348)

Das persönliche Fazit
Ein guter Roman muss nicht immer vollständig die eigene Meinung spiegeln. Diesen Satz konnte ich bei "Ich bin Tess" getrost so stehenlassen. Dasselbe gilt für die Charaktere und ich habe die Herausforderung Leila und Tess zu begleiten, ihre Denkweise zu erörtern, gerne angenommen. Die Geschichte ist interessant und sprachlich ausgezeichnet wiedergegeben. Für mich war das Buch mehr Drama als Krimi. Es lässt sich längenfrei lesen und lässt viel Spielraum für eigene Interpretationen am Ende. Das mag ich - 4 Sterne.

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Sonntag, 9. Februar 2014

Review zu "Die Jäger des Lichts" von Andrew Fukuda



Ravensburger Buchverlag (Februar 2014), Band 2,
Hardcover/SU, 480 Seiten,
16,99 € [D]


Eine veränderte Spezies Mensch jagt und tötet die noch verbliebenen "normalen" Menschen. Auch Gene ist auf der Flucht. Gemeinsam mit fünf anderen schlägt er sich bis in die Berge durch, denn dort soll es eine der letzten Menschensiedlungen geben. Tatsächlich finden sie das Bergdorf, aber schnell hat Gene ein ungutes Gefühl. Die Dorfbewohner sind unentwegt fröhlich, doch ihr Lächeln wirkt irgendwie kalt und zu perfekt ... (Cover-, Text- und Zitatquelle: Ravensburger Buchverlag)


Die Jagd hat gerade erst begonnen. Die Jagd wird niemals enden. - S. 10


Meine Meinung
Der Vorgängerband "Die Jäger der Nacht" hat mich gegruselt, mitgerissen und vor allem fasziniert. Und das, obwohl mir manche Aspekte der Geschichte sogar etwas bekannt vorkamen. Andrew Fukuda inszeniert seine Story aber so gekonnt und durchweg spannend, dass man gar nicht anders kann, als gebannt an den Seiten zu kleben. Der YA-Genremix aus Dystopie, Endzeit und Sci-Fi ist genial! "Die Jäger der Nacht" ist unumstritten eines der spannendsten und stilistisch besten Bücher in diesem Genre. Die Fortsetzung "Die Jäger des Lichts" kann sich hier direkt einreihen. Unglaublich gut!

In diesem zweiten Band führt der Autor die Geschichte nahtlos fort. Gene und seine menschlichen fünf Freunde, von den Jäger "Hepras" genannt, treiben auf einem kleinen Boot den Fluss hinunter. Ihr Ziel ist unbestimmt, Hoffnung aufs Überleben haben sich wenig. Denn auch jetzt werden sie gnadenlos gejagt. Und obwohl die Jäger im Sonnenlicht nicht überleben können, werden sie von solcher Gier angetrieben, dass sie stärkste Verletzungen in Kauf nehmen, um die Hepras zu erreichen. Alleine diese Situation, bzw. jedes Aufeinandertreffen, ist komplett gruselig und sorgt für atemlose Spannung.

Ein Geheul bricht aus, schrill genug, um die Sterne zu zerschmettern und den Mond zu erschüttern. Sie riechen mein Blut. - S. 53

Ich-Erzähler Gene, dessen Namen man lange Zeit überhaupt nicht wusste, ist anfangs eher ein Anhängsel der Gruppe, entwickelt sich aber bald zum unterschwelligen Anführer. Sein stets wachsames Wesen und seine bedingungslose Treue der Gruppe gegenüber, machen ihn zu einem der authentischen männlichen Erzähler des phantastischen Jugendbuches. Das Schicksal von Gene und seinen Freunden scheint komplett von ihm abhängig zu sein.
Die Lovestory, die sich in Band 1 herauskristallisierte, wird in "Die Jäger des Lichts" komplett ausgesetzt, entwickelt sich sogar in eine etwas andere Richtung. Das macht überhaupt nichts, kommt der Geschichte sogar eher zugute. Einige Wendungen überraschen und verblüffen.

Insgesamt unterscheidet sich die Handlung stark vom Vorgängerband, bleibt aber ebenso rasant und spannend. Die Gewichtung ist nun etwas anderes. Die Situation in dem Dorf, das Gene und seine Freunde erreichen, ist komplett nebulös und irgendwie irre. Alle Strukturen und Vorgänge dort sind haarsträubend, unterbewusst gruselig und ich fühlte mich als Leser ständig wie elektrisiert und "auf dem Sprung" - fast schon fluchtbereit.

"O Sissy", flüstere ich mit zusammengebissenen Zähnen und streiche ihr das feuchte Haar aus der Stirn. Bis zu diesem Moment wusste ich nicht, dass man im selben Herzschlag Wut und Zärtlichkeit empfinden kann. - S. 265

Andrew Fukudas Stil ist auf der einen Seite nüchtern und sehr einprägsam. Andererseits wird die Story im passenden Moment so emotional, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Den Spagat von objektiven Beschreibungen und gefühlsbetonten Interaktionen meistert der Autor perfekt.
Auch "Die Jäger des Lichts" ist ein Buch, bei dem man sich einer Situation oder Aussage nie sicher sein kann. Das Lesetempo, und die damit verbundene Anspannung, ist hoch. Es gibt spannende-harte Actionszenen zuhauf, ebenso wie gruselig-haarsträubende, eher unterschwellig wirkende Abschnitte. War ich mir eben noch sicher, wie die Story weitergeht, kommt es ein paar Abschnitte später dann wieder komplett anders.
Das Ende, und eine damit verbundene Erkenntnis, ist einfach nur aufregend. Es ist wieder so angelegt, dass man direkt weiterlesen könnte. Der englische Abschlussband "The Trap" ist bereits Ende 2013 erschienen. Die deutschen Leser werden sich wohl noch ein ganzes Jahr gedulden müssen.

Fazit
Wahnsinn! "Die Jäger des Lichts" hat mich ebenso umgehauen, wie der Vorgängerband. Die Story unterscheidet sich in Handlung und Gewichtung zu Band 1 und wird dennoch nahtlos und perfekt weitergeführt. Die bedrohlich düstere Atmosphäre bleibt, kleine Atempausen bringen neue, grausige Situationen mit sich. Eine Geschichte, wie aus einem Guss, die mich komplett für sich vereinnahmte.
Manchmal entdeckt man unerwartet Bücher oder Reihen, die einen faszinieren und nicht mehr loslassen. Andrew Fukudas Jäger-Reihe gehört zweifellos dazu und muss sich hinter KEINE einzige der großen Jugendbuchreihen in die zweite Reihe stellen. "Die Jäger des Lichts" erhält die verdiente Höchstwertung. Nicht entgehen lassen - lesen und fürchten!

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Die Jäger der Nacht-Trilogie:

Band 2 "Die Jäger des Lichts"
Band 3, ET 2015?

Freitag, 7. Februar 2014

Buchisches Statement #4


© Damaris liest.
Bilder der Rubrik "Buchisches Statement" dürfen mit unverändertem Inhalt verwendet werden

Mittwoch, 5. Februar 2014

Buchzugänge vs. Buchabgänge vs. Geflüster im Januar 2014

Aktuell habe ich nichts Großartiges zu flüstern. Folglich gibt es heute hier kein langes Romangeschreibsel. Auch mal schön.
Der Januar war ein sehr zugangsreicher Büchermonat - ist aber klar, bei diesen tollen Neuerscheinungen, gleich zu Jahresanfang. Gut, dass ich ca. die Menge an Büchern lese, die auch reinkommen, so bleibt mein SuB gerade immer bei +- 20. Das ist für mich perfekt. Dafür ruht sich gerade mein Kindle aus, macht sozusagen Winterschlaf. Aber die tollen E-Books darauf gehen mir ja nicht verloren und bald werden ich den Reader auch wieder aufwecken. Momentan genieße ich es einfach zu sehr, an mein SuB-Regal zu laufen und mir voller Vorfreude das nächste Schätzchen auf den Nachttisch zu legen. So wie gerade eben "Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi. Würde ich im Moment nicht diesen Beitrag schreiben, wäre ich schon am Lesen. Darum jetzt schnell zum Buchzugang vs. Buchabgang ...


Meine Buchzugänge vom Januar 2014 - 10 Bücher:




Mit Am Anfang war das Ende & Und auch so bitterkalt haben mich die Fischerverlage überrascht. Letzteres wurde schon gelesen (und ins Regal neben die ganz besonderen Bücher gestellt). Meine Review hat aber noch Sperrfrist bis Ende Februar.
Seit Bloggerkollegin Sonne eine geniale Rezi (HIER!) zu Bittere Wunder geschrieben hat, spukt mir das Buch im Kopf herum. Als ich es beim Tauschticket entdeckte, wanderte es sofort in mein Regal.
Berührt war ein Buch von meiner ganz aktuellen Januarwunschliste. Ich habe es schon gelesen und an Cindy mit ihrem nagelneuen Blog Kumos Buchwolke weitergegeben.
Nach dem überragenden Vorgängerband war Die Jäger des Lichts ein absolutes Muss-Buch! Im Moment habe ich es beendet und bin sehr geflasht. Diese Reihe ist überragend! Auch Eve & Adam wurde schon gelesen und gefiel mir weitaus besser, als von manchen Stimmen zugetragen. Es ist bereits weitergezogen, ich fand es sehr lesenswert.
Neuerscheinungen aus dem Hause Loewe, bzw. script5 sind Was ich dich träumen lasse (mein Wunderbuch im Januar!) und Ich bin Tess. Beides sind zeitgenössische Romane, aber mit völlig unterschiedlicher Thematik.
Plötzlich Prinz: Das Erbe der Feen habe ich mit Melanie von Books for all Eternity getauscht. Bei meiner Aktion "Kindle gegen Wunschbuch", kurz vor Weihnachten, wurde sie ausgelost.
Und zuletzt ist Zersplittert eine der sehnlichst erwarteten Dystopie-Fortsetzungen bei vielen Leseratten - auch bei mir. Es wurde ganz frisch gelesen und rezensiert. Die Reihe ist super!


Buchabgänge - gelesen habe ich im Januar 11 Bücher:




Eve & Caleb: In der gelobten Stadt von Anna Carey ... ist der zweite Teil der Eve & Caleb-Trilogie. Band 1 war eine sehr lesenswerte Abenteuerdystopie, Band 2 würde ich allerdings nur noch mittelmäßig bewerten. Wahrscheinlich lese ich die Reihe trotzdem zu Ende.
Herz aus Glas von Kathrin Lange ... war ein super Romance (Mystery) Thriller für jugendliche Leser. Das Buch hat eine tolle Story, eine abgeschlossene Handlung, obwohl die Reihe ebenfalls als Trilogie angelegt ist, und ein düster-unheimliches Setting. (Meine "Herz aus Glas"-Rezension gibt's hier)
Forbidden von Tabitha Suzuma ... habe ich zusammen mit Favola gelesen. Zum Glück! Das Buch ist ein Meisterwerk und geht sehr zu Herzen. Ähnlich wie bei "Der Märchenerzähler" war ich froh, dass ich das Gelesene mit jemandem besprechen konnte. Ein Must-Read!
Clockwork Angel von Cassandra Clare ... ist der Trilogiestart der Chroniken der Schattenjäger. Die Reihe spielt ein Jahrhundert vor den Chroniken der Unterwelt und ist Steampunk-Young Adult. Nach etwas Einlesezeit (die CdS lesen sich tatsächlich anders als die CdU) fand ich das Buch toll. Wen wundert's? Ist ja schließlich von Frau Clare!



 Berührt von Robin Lyall ... hat mich mit ziemlich widersprüchlichen Gefühlen zurückgelassen. Es hat den Altershinweis "ab 16" (vorbildlich vom Verlag!), ich fand es aber überhaupt nicht gut. Es schildert eine Dreiecksbeziehung, mit teils ausführlicheren Romantikszenen, als in Jugendbüchern üblich. Die Hauptprotagonistin agiert sehr kindisch und am Ende bricht das Buch unvermittelt ab. Ob da noch ein Nachfolger kommt? Keine Ahnung.
Eve & Adam von Michael Grant und Katherine Applegate ... hat mich, nach einigen Negativ-Stimmen, überrascht - und das sehr positiv! Ich glaube ich hatte noch kein Buch in den Händen, das sich so schnell lesen lässt. Außerdem mochte ich den Stil und die nüchterne Art der Geschichte. (Meine "Eve & Adam"-Rezension gibt's hier)
Was ich dich träumen lasse von Franziska Moll ... ist mein persönliches Wunderbuch im Januar. Der Stil ist einmalig. Schroff, poetisch, natürlich und berührend. Muss man lesen! Ein Lieblingsbuch. (Meine "Was ich dich träumen lasse"-Review gibt's hier)
Clockwork Prince von Cassandra Clare ... gefiel mir noch besser als der Vorgänger "Clockwork Angel". Es wird sehr spannend, verzwickt und endlich auch so romantisch wie von Cassandra Clare erwartet. Toll!



Und auch so bitterkalt von Lara Schützsack ... steht jetzt neben den sehr besonderen Büchern in meinem Regal. Es ist genau die Art von Büchern, bei denen ich froh bin, sie gelesen zu haben. Meine Review dazu wird Ende Februar veröffentlicht (wg. Sperrfrist).
Zersplittert von Teri Terry ... ist der zweite Band der Gelöscht-Trilogie und war nach dem eindrucksvollen Vorgänger ein absolutes Wunschbuch von mir. Und es war wieder sehr gut! Der Abschlussband wird im Juni/Juli 2014 erscheinen, Lektorat und Übersetzung des Verlags arbeiten auf Hochtouren daran. (Meine "Zersplittert"-Rezension gibt's hier)
Erebos von Ursula Poznanski ... lag viel zu lange auf meinem SuB. Schließlich hat das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen. Die Welt und das Szenario, das U. Poznanski entworfen hat, sind weltklasse. Eine gewisse Affinität zu RPG-Computerspielen ist dabei aber von Vorteil. (Meinen "Erebos"-Kurzspot gibt's hier)


Highlights: Das sind ganz klar "Was ich dich träumen lasse" und "Forbidden". Auch die meisten anderen Bücher waren klasse. Ich lege mich jetzt aber mal auf diese beiden fest, weil ich bei ihnen das intensivste Lesefeeling hatte. Beides sind Bücher, die man auf keinen Fall verpassen sollte zu lesen.

Lowlights: "Berührt" führt hier die Liste an. Ich war selbst überrascht, wie wenig mir das Buch gefallen hat, nachdem es eines meiner Wunschbücher im Januar war. Hier hat mich mein Gefühl komplett im Stich gelassen. "Eve & Caleb 2" war jetzt nicht total schlecht, hinter den anderen Bücher bleibt es in diesem Monat aber eindeutig zurück.

Montag, 3. Februar 2014

Rezension zu "Zersplittert" von Teri Terry



Verlag: Coppenrath (Januar 2014)
Originaltitel: Fractured
Übersetzer: Marion Hertle u. Petra Knese
Reihe: Band 2/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 432 S.
ISBN: 978-3649611844
17,95 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Coppenrath Verlag


Das Thema
Kyla wurde wegen eines Verbrechens geslated, das heißt ihr Gedächtnis wurde gelöscht. Sie musste von Grund auf alles neu lernen und wurde einer fremden Familie zugeteilt, bei der sei jetzt als deren Tochter lebt. Nach dem Slating lernte sie auch Ben, ebenfalls geslated, kennen und lieben. Als sie ihm schließlich half, das Levo - ein Kontrollgerät - vom Arm zu schneiden, musste Kyla zusehen, wie Ben von den Lordern weggebracht wurde. Sie hat sich geschworen ihn zu finden.
Nach einem traumatischen Vorfall kehrt Kylas Gedächtnis teilweise zurück. Fremde entpuppen sich als alte Bekannte und Kyla erfährt, was sie vor dem Slating gemacht hat und wer sie gewesen ist - aber eben nur teilweise. Vieles ist Kyla noch unklar. Bald gerät sie als Spielball zwischen Lorder und Terroristen, ihr ist nicht mehr klar, wem sich noch vertrauen kann. Und sie ist immer noch fest entschlossen Ben zurückzuholen.

Die Rezension

Der Anfang: Regen ist für vieles gut.

Nur gute sechs Monate hat es gedauert, bis die Fortsetzung des wunderbaren ersten Bandes "Gelöscht" erschien. Trotzdem wurde "Zersplittert" von vielen Fans dringlichst erwartet und viele freuten sich, mit frischen Erinnerungen in den zweiten Band abzutauchen. Leider ist eine zeitnahe Veröffentlichung bei Reihentiteln nicht immer möglich, in diesem Fall hätte es aber nicht besser laufen können.

Der Schmerz fühlt sich an, als wollte er mich zermalmen. Niedertrampeln. Mich in tausend Stücke reißen. Bislang hatte ich diese Gefühle immer unterdrücken müssen, sonst hätte mich mein Levo ausgeschaltet. Doch jetzt, da es nicht mehr funktioniert, ist der Schmerz dermaßen übermächtig, dass ich laut aufstöhne. - Kyla, S. 25

"Zersplittert" könnte ebenso gut den Umfang von "Gelöscht" erweitern, die Handlung setzt nämlich direkt an das Geschehen des Vorgängerbandes an. Ohne Zwischenschritte, als würde man die nächste Seite umblättern und weiterlesen. Die Kapitel sind recht kurz, das Lesetempo darum sehr hoch. Oft kommt man am Kapitelende in den Strudel, noch unbedingt wissen zu müssen wie es weitergeht. Obwohl auch dieser Roman sehr eindringlich geschrieben ist, eher ruhig wirkt und mit vielen Gänsehautmomenten aufwartet, ist die Gundspannung hoch. Einige Actionmomente sorgen für zusätzlichen Nervenkitzel und irgendwann kann man sich nicht mehr auf Gut und Böse festlegen. In dieser Hinsicht kann sich "Zersplittert" in die Liga der besten Dystopien für junge Leser einreihen.

Kyla, die Hauptprotagonistin, und ein wahnsinnig toller Charakter, erzählt den ganzen Roman in der Ich-Form (Präsens). Ab und an werden Erinnerungen oder Träume in Kursivschrift wiedergegeben. Diese Sequenzen sind wichtig und am Ende auch gut zuzuordnen. Im Vorgängerband erlangte Kyla einige ihrer Erinnerungen zurück, was bei geslateten Jugendlichen eigentlich unmöglich ist. In "Zersplittert" wird ihrer Vergangenheit noch weiter aufgearbeitet, man bekommt Erklärungen und die Antworten auf einige Fragen. Auch hier ist die Spannung mit Händen zu greifen. Am Ende des Buches, ist man mit Kylas Entwicklung und den bis dato erfolgten Aufklärungen zufrieden. Komplett gelöst ist das Rätsel um ihre Herkunft aber noch nicht.

Auch wenn man der Angst ins Gesicht blickt, verliert sie ihren Schrecken nicht. Sie bricht einem bloß immer wieder aufs Neue das Herz. - Kyla, S. 373

Neben Kyla, die ein wirklich vorbildlich ausgearbeiteten Charakter ist, ist doch etwas Kritik an anderen (Neben-) Charakteren der Geschichte angebracht. Vordergründig an den vielen Männern, die Kyla in "Zersplittert" über den Weg laufen. Es sind einfach zu viele. Zwar hat jeder etwas mit der Hauptprotagonistin zu tun, teilweise aber nur kurz oder zu wenig ausgeführt. Das geht dann auf Kosten der Authentizität. Gott sei Dank wird man von Liebestechtelmechteln komplett verschont! Es hätte dem Roman jedoch nicht geschadet, wenn er um eine Männerbekanntschaft gekürzt worden wäre.

Über Ben soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden. Fans des ersten Buches können sich natürlich denken, dass er nicht lange verschwunden bleibt. Wer Kyla und ihn aber schnell wieder vereint sehen will, muss leider noch etwas länger darben. Ben hat in "Zersplittert" nur Kurzauftritte, spielt somit keine tragende Rolle. Hinzu kommen neue Komplikationen, ihn betreffend. Es bleibt spannend! Und wir können nur hoffen, dass Band 3 nicht allzu lange auf sich warten lässt. Wir wollen schon wieder mehr!

Das persönliche Fazit
Teri Terry hat es wieder geschafft und setzt ihre Reihe gekonnt hochwertig fort. Hier zersplittert nichts (außer Kylas Gedankenmauern)! "Zersplittert" liest sich so spannend und gut inszeniert, dass Kritikpunkte für mich dann eher unerheblich waren. Kylas innerer Monolog und ihre Zerrissenheit machen sie zu einem unwahrscheinlich greifbaren Charakter, der das Leseerlebnis prägt. Ich möchte am liebsten sofort wissen, wie es mit ihr weitergeht. Bitte schnell mehr! Wer eine wirklich gute und eindringlich geschriebene Dystopie(reihe) sucht, ist hier goldrichtig. 4 unzerstörbare Sterne.

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Gelöscht-Trilogie:

Band 1 - "Gelöscht"
Band 2 - "Zersplittert"
Band 3 - "Bezwungen"