Freitag, 18. Juli 2014

Rezension zu "Das wirst du bereuen" von Amanda Maciel



Verlag: Boje (Juli 2014)
Originaltitel: Tease
Übersetzer: Christa Prummer-Lehmair und Katharina Förs
Reihe: - , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 304 S.
ISBN: 978-3414824066
14,99 € [D]

Genre: Jugendbuch

© Cover- und Zitatrechte: (Boje Verlag) Bastei Lübbe AG


Das Thema
Sara und ihre beste Freundin Brielle werden angeklagt und müssen sich vor Gericht verantworten. Sie sollen ihre Mitschülerin Emma Putnam gemobbt und in den Selbstmord getrieben haben. Doch das sehen die beiden Mädchen etwas anders. Schließlich war es Emma, die sich an die festen Freunde der Mitschülerinnen rangemacht hat. Die sich auf jeder Party in den Mittelpunkt drängte und irgendwie nicht ganz dicht im Kopf war. Darum ist es auch ihre eigene Schuld - oder?
Während es für das Umfeld von Sara ein ganz klarer Fall von Mobbing gegen Emma war, plädiert Sara selbst dagegen. Denn die Wahrheit ist oft viel komplizierter als man denkt.

Die Rezension

Der Anfang:
"Hatten Sie je eine körperliche Konfrontation mit Miss Putnam?"
"Ob ich was hatte?"
"Hatten Sie je eine ..."
"Oh. Ja. Ähm, ja, ich glaube, da war dieses eine Mal im Umkleideraum."
Die Anwältin schreib es auf, obwohl die ganze Zeit das Aufnahmegerät mitlauft. Und obwohl sie meine Antwort bereits kennt.

Jugendbücher über Mobbing und die Folgen davon sind im vergangenen Jahr häufiger in Erscheinung getreten. Vielleicht weil das Thema brandaktuell und sehr ernst ist? Dass Mobbing nicht mehr hinter verschlossenen Klassenzimmern oder im Verborgenen passiert, ist sein einiger Zeit bekannt. Schüler und Jugendliche, ja sogar Erwachsene, mobben ganz offen. Persönlich und im Internet werden andere Menschen angegriffen, beleidigt und denunziert. Dabei bleibt das Schuldbewusstsein erschreckend gering. Egal welche Folgen die Übergriffe für die Opfer haben. Darum sind Bücher, die dieses Thema aufgreifen und dafür sensibilisieren wichtig und richtig.

Das Besondere an "Das wirst du bereuen", ist, dass es nicht aus der Perspektive des Opfers, sondern der Täter geschrieben ist. Sara erzählt sehr genau, wie sie und ihre Freundin Brielle sich Emma gegenüber verhalten haben und welche Aktionen, Handlungen und auch Beschimpfungen sie ihr gegenüber "angewandt" haben. Die Handlung wechselt immer zwischen dem Jetzt (Vorbereitung auf die Gerichtsverhandlung) und dem Zeitpunkt, als das Mobbing begann, bis hin zum Selbstmord des Mobbingopfers und der abschließenden Vorladung bei Gericht.

"Wir versuchen Sie da rauszuboxen. Ein Mädchen ist tot, und alle wollen Sie und Ihre Freundin dafür verantwortlich machen".
"Aber das sind wir nicht", platze ich heraus. "Wir haben nichts getan."
[...]
Natalie stößt einen tiefen Seufzer aus. "Ich weiß, aber so ist es nicht. Die Menschen sind traurig und wütend und wollen einfach sehen, wie leid es Ihnen tut."
Aber das ist es ja gerade.
Es tut mir nicht leid.
Emma war bis zu dem Tag im März, an dem sie sich umgebracht hat, ein Miststück, das anderen den Freund ausgespannt hat. 
Ich habe nichts Schlimmes getan, aber sie hat mein ganzes Leben zerstört. - Sara, S. 14

Sara ist keine sehr sympathische Hauptprotagonistin, doch gerade ihre Gefühle sind sehr deutlich beschrieben. Vor allem anfangs fehlt ihr ganz eindeutig ein gesundes Unrechtsbewusstsein. Noch deutlicher wird das bei ihrer besten Freundin Brielle, die völlig dem Klischee einer oberflächlichen Highschool-Zicke entspricht. Sara fühlt sich bei einigen Aktionen, die die beiden gegen Emma planen, unwohl - ganz im Gegensatz zu Brielle -, aber sie macht immer mit, ist später sogar teils selbst die Initiatorin. Einige Situationen sind sehr hart. Hier kann der Leser nur mit dem Kopf schütteln und stellt sich häufig die Frage wo bei diesen Jugendlichen so viel Ignoranz und fehlende Feinfühligkeit herkommt.
Dabei ist das Mobbingopfer Emma auch kein Unschuldslamm. Das rechtfertigt jedoch kaum das Verhalten von Sara und Brielle. In einigen Dingen entwickelt man durchaus Verständnis für Sara, die leidet, wenn ihr der Freund von einer anderen ausgespannt wird. Dennoch überschreiten ihre Handlungen eindeutig Grenzen.

"Das wirst du bereuen" ist kein Buch, das sich mit erhobenem Zeigefinger auf eine bestimmte Seite schlägt oder Partei ergreift. Es zeigt einen Weg, den ein jugendliches Mädchen für sich gewählt hat und den Lernprozess, ob sie zurecht angeklagt wurde oder nicht. Am Ende hat man Gefühl von Einsicht oder Verstehen bei Sara, nicht aber bei einigen anderen Tätern. Es gibt im Buch also beide Möglichkeiten: Reue oder Verständnis und gleichzeitig fehlendes Schuldbewusstsein, Oberflächlichkeit und dürftige Menschlichkeit. Diese verschiedenen Sichtweisen regen zum Nachdenken an. Man muss das Gelesene einige Zeit sacken lassen.

Das persönliche Fazit
"Das wirst du bereuen" ist wohl eines der echtesten Mobbingbüchern überhaupt. Die Handlung aus der Sicht des Täters zu lesen war sehr einprägsam. Das Buch enthält keine künstlichen Szenen, wirkt sehr real und kann sich darum beim Lesen etwas ziehen. Ich war teilweise erschüttert, vor allem wegen der Tatsache, dass es bei vielen Jugendlichen und Erwachsenen genau die Formen annimmt, wie im Buch beschrieben. Die diversen Mobbingsituationen sind nicht aufgebauscht, wirken auf den den ersten Blick vielleicht nicht einmal sehr schlimm. Vielleicht sogar alltäglich oder gewöhnlich? Die Auswirkungen auf Opfer (und Täter!) sind aber fatal und stimmen sehr nachdenklich. So ist "Das wirst du bereuen" ein Buch, bei dem man nur bereuen sollte, es nicht zu lesen. 4 Sterne.

Aufmachung 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Hey,

    danke fürs tolle Fazit. Bevor ich bereue es nicht getan zu haben, setze ich das Buch direkt auf meine Wunschliste.

    LG Nanni

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    1. @Nanni - :-) Du wirst es NICHT bereuen! Also ich fand das Buch stellenweise ganz schön hart. Dachte mir immer, wie können dieses Mädels (Täterinnen) so ignorant und blind sein. Die waren sich wirklich keiner Schuld bewusst :-( Ein sehr gutes Buch, gerade heute!

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  2. Klingt sehr interessant mal aus der Perspektive der quasi 'anderen' Seite zu lesen!
    Ich habe schon ein paar Bücher über Mobbing gelesen und eigentlich bin ich dem Thema ein bisschen überdrüssig, aber wenn es wirklich gut geschrieben und nicht so super unrealistisch wie viele andere Geschichten ist, kann man dem Ganzen ja mal eine Chance geben : )

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    1. @Hannah - Das war das Eindrückliche dran, aber die Täterperspektive war auch sehr krass, vor allem, weil anfangs völlig das Schuldbewusstsein fehlte. So nach dem Motto: Wir haben nichts schlimmes getan, sie hatte es verdient! Ich habe auch schon ein paar Mobbingbücher gelesen und finde sie in der heutigen Zeit auch wichtig. Dieses hier war das echteste für mich.

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    2. So was ist krass!
      Ich glaube das Buch sollte mal lieber auf meine Wunschliste wandern :)

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  3. Hey...

    Danke für deine Rezension!!!
    Ich habe es schon bestellt ;)

    Bei Soul Beach 1. Teil wurde dieses Thema ja angeschnitten und ich dachte noch, mal ausführlich darüber zu berichten wäre bestimmt auch ein ganz interessantes Buch und et voila hier ist es ;)

    ich freue mich also schon riesig darauf es lesen zu können ;)

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    1. @Sasha - Dann bin ich ja gespannt, was du sagst. Dieses Thema ist so wichtig, gerade heute! Aber ein Buch aus der Sicht des/der Täter/s hab ich noch nie gelesen. Was sehr interessant und auch irgendwie manchmal unverständlich (die Gedankengänge und Rechtfertigungen). Niemand hat das Recht einen anderen so zu behandeln.

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  4. Klingt erschreckend, das Buch! Aber - wie bei vielen anderen Dingen auch - interessiert es einen dann doch!!!!
    Muss ich auch mal reinlesen.
    Liebe Grüße zum sonnigen Wochenende,
    Olivia

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    1. @Olivia - Ich fand es auch erschreckend. Meine Jugend lieg zum Glück ohne dieses schlimme Mobbing an Mitschülern/Kindern ab, oder war das damals vielleicht auch einfach noch nicht so ausgeprägt? Das Reinlesen lohnt sich auf alle Fälle.

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  5. @ Damaris

    Hey...also ich habe es gestern bekommen und gleich durchgelesen...ehrlich gesagt bin ich immer noch fassungslos....

    heftig...wirklich heftig...

    Du glaubst nicht wie oft ich an den Satz gedacht habe:

    Was wäre wenn -

    - Brielle nicht ihre beste Freundin gewesen wäre
    - Sara sich die Zeit genommen hätte, Emma besser kennenzulernen
    - Dylan oder auch andere einfach nicht nur die Ansätze von Courage gezeigt hätten..
    - die Rektorin nicht so lapidar damit umgegangen wäre
    etc. etc. etc.

    so viele wenns...und dann die Tatsache wie wir alle, vor allem aber die Kinder und noch mehr die Jugendlichen unter dem "Druck" stehen einfach "dazugehören" zu wollen...

    Ich finde dieses Buch ist ein unbedingtes MUSS...vor allem auch ein: erst recht! für Jugendliche. Wie wir schließlich an Emma sehen, ist es ein langer Weg des Begreifens, welche Fehler überhaupt gemacht wurden und leider müssen wir auch feststellen, dass es andere wiederum überhaupt nicht begreifen.

    Ein großes Kompliment an die Schriftstellerin und ein Danke meinerseits für das Aufgreifen dieses Themas und die wirklich geniale Umsetzung dessen.

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    1. @Sasha - Ja, genau so ging es mir während des Lesens auch und ich habe mir in etwa auch diese Fragen gestellt. Für Jugendliche sollte es auf dem Lehrplan stehen!

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  6. Ach je ich war schon viel zu lange nicht mehr hier. Aber in den letzten Monaten ging es bei mir einfach drunter und drüber und irgendwie habe ich die Internet-Blogwelt total vergessen. Aber jetzt lese ich mir erst mal durch was du so in den letzten Wochen geschrieben hast und verweile eine Zeit lang auf deinem Blog.
    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. @Jessi, Mach dir doch keine Druck, jeder wie er mag und Zeit hat. Ich habe auch gesehen, dass es bei dir ruhiger ist - ist doch völlig okay. Grüß dich lieb!

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    2. Sorry, Jessi. Ruhiger WAR! Du bist ja gerade wieder sehr fleißig :-)

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  7. Eine ganz wunderbare Rezension, liebe Damaris. Vielen Dank!
    Ich selbst habe beim Lesen ähnlich empfunden und war stellenweise echt sprachlos aufgrund Saras Äußerungen. Ein wichtiges, GUTES Buch!
    Liebe Blubbergrüße
    Anka

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    1. @Anka - Ich danke dir! Ja, "Das wirst du bereuen" ging mir sehr nahe, auch wenn ich jetzt hier nicht unbedingt von Lesespaß sprechen möchte. Schlimm, wenn man bedenkt, dass es heutzutage oft GENAU SO zugeht :-(

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  8. Hallo Damaris :)

    Ich habe dieses Wochenende auch meine Rezension zu diesem Buch online gestellt - in der ich dich übrigens verlinkt habe, wenn du nichts dagegen hast - und ich muss sagen, dass es mir leider nicht so gut gefallen hat wie dir. Emma war für mich ein sehr blasser Charakter, obwohl ihr Tod schließlich der Auslöser für alles war. Sara möchte das ganze Buch über keine Schuld auf sich laden und als ihre Wendung dann kommt, ist diese mir dann viel zu schnell gegangen.

    Liebste Grüße
    Ellen
    ahern-rowling-austen.blogspot.de

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    1. @Ellen - Vielen liebe Dank für die Verlinkung, da freue ich mich sehr. "Das wirst du bereuen" ist ja schon wieder eine ganze Weile her. Ich kann deine Meinung gut nachvollziehen, mochte das Buch damals aber recht gerne. Ich fand beide Seiten sehr realistisch und war erschrocken über manche Gedankengänge.

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