Dienstag, 3. Juni 2014

Rezension zu "Die Bestimmung: Letzte Entscheidung" von Veronica Roth



Verlag: cbt (März 2014)
Originaltitel: Allegiant
Übersetzer: Petra Koob-Pawis und Michaela Link
Reihe: Band 3/3, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 512 S.
ISBN: 978-3570161579
17,99 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: cbt Verlag


Das Thema
Die Fraktionen wurden zerschlagen und Tobias Mutter Evelyn möchte mit ihrer Armee von Fraktionslosen ein neues Herrschaftssystem aufbauen. Währenddessen zieht es Tris und Tobias hinter den Zaun. Sie wollen wissen, was sich außerhalb der Stadtgrenze befindet. Unerwartete Hilfe bekommen sie von den Getreuen, einer Gruppierung, die die alten Zustände der Stadt, samt den Fraktionen, wieder herstellen möchten.
Also machen sich Tris und Tobias - zusammen mit einigen Begleitern - auf, um das Leben außerhalb des Zauns zu erkunden. Doch was sie hier entdecken, entpuppt sich als die größte Lüge überhaupt und droht ihr Weltbild komplett zu zerstören.

Die Rezension

Der Anfang: Ich gehe in meiner Zelle im Hauptquartier der Ken auf und ab, ihre Worte hallen mir noch in den Ohren.

Mit einem riesigen Cliffhanger endete der Vorgängerband "Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit". Schon hier erfuhr der Leser einiges, das er wahrscheinlich nicht erwartet oder sich komplett anders ausgemalt hätte. Zu komplex sind die Verstrickungen innerhalb der Stadtgrenze. Und jetzt soll die Geschichte außerhalb davon fortgeführt werden? Auch hier werden viele Entwicklung auf einen zukommen, die man sich für diesen Abschlussband sicher anders vorgestellt hätte. Dennoch ist es perfekt so!

Zu allererst fällt einem bei diesem Band ein ungewohnter Perspektivenwechsel auf. Hat die Autorin Veronica Roth für die beiden Vorgängerbände noch Tris als Ich-Erzählerin gewählt, ist die Geschichte hier zwischen ihr und Tobias aufgeteilt (ebenso in der Ich-Form/Präsens). Nachdem man das Buch gelesen hat, wird schnell klar, warum die Autorin diesen Weg gewählt hat. Für die Geschichte ist diese Erzählform sehr vorteilhaft. Man hat zwar die beiden Hauptpersonen schon gründlich kennengelernt, bekommt hier aber nochmals einen besonders tiefen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle.

Ich will mit eigenen Augen sehen, was hinter dem Zaun ist. - Tris, S. 11

Andererseits drängt alles in mir danach, diese Stadt zu verlassen, und ich fühle mich wie ein Tier, das sich mit aller Macht aus einer Falle zu befreien versucht. - Tobias, S. 16

Tris und Tobias (alias Four) sind beides Charaktere, die sich nicht mit der Ist-Situation zufrieden geben. Es drängt sie nach mehr. Dazu, das "große Ganze" zu begreifen und vor allem die Welt außerhalb der Stadtgrenze zu erforschen. Tobias hat während der kompletten Geschichte die größte Wandlung durchgemacht. Vom Ferox-Ausbilder Four wurde er zu dem jungen Mann Tobias. Damit hat sich nicht nur auch sein Charakter, sondern auch der Einblick in seine Gefühlswelt geändert.
Tris und Tobias sind sehr stur und beide nicht fehlerlos, was vor allem für Tris schwer zu akzeptieren ist. Das zieht sie einerseits zueinander hin, sorgt aber andererseits auch für eine Menge Konfliktpotenzial. Genau wie im Vorgängerband streiten die beiden hier viel. Trotzdem bleibt immer wieder einer Erkenntnis der Zusammengehörigkeit.

Ich habe mich in ihn verliebt. Aber ich bleibe nicht gedankenlos und automatisch bei ihm, als hätte ich keine Alternative. Ich bleibe bei ihm, weil ich mich dafür entscheide - jeden Tag, wenn ich die Augen aufschlage, jeden Tag, wenn wir uns in Lügen verstricken, streiten oder enttäuschen. Ich entscheide mich immer wieder aufs Neue für ihn, und er entscheidet sich für mich. - Tris, S. 365

Obwohl das Buch über Längen eher ruhig und konflikbelastet ist, versprechen viele überraschende Situationen und Entwicklungen Spannung pur. Die Handlung ist nach wie vor komplex, auch hier muss man sich viele Namen und Zusammenhänge merken. Einige Erkenntnisse sind ungeheuerlich und man kann die Anspannung verstehen, die sich unweigerlich über Tris und Tobias legt.
Wie schon in den Vorgängerbänden ist die Gewaltdarstellung im Buch hoch und die Autorin wählt niemals den schonenden und einfachen Weg. Tris und Tobias erfahren eindeutig mehr Trauer als Freude.
Das Ende gehört wohl zu den konsequentesten in diesem Genre, kommt bei genauerer Betrachtung aber nicht völlig unerwartet. Der Mut von Veronica Roth zahlt sich aus. "Die Bestimmung" endet eindrücklich, aber hoffnungsvoll und wirkt noch lange, lange nach.

Das persönliche Fazit
"Die Bestimmung: Letzte Entscheidung" macht mir persönlich die Entscheidung leicht. Der Trilogieabschluss ist erstklassig und stellt die komplette Reihe ganz nach oben aufs Bewertungstreppchen. Ungeachtet aller Kritik, bzgl. Ende und Logik, ist das Buch perfekt geschrieben, geht emotional tief und die Charaktere sind bemerkenswert ausgearbeitet. Mit dem Ende beweist Veronica Roth großen Mut und Konsequenz. Damit liegt sie genau richtig! Jedes andere Ende hätte nicht zur Geschichte gepasst, wäre weichgespült und unpassend gewesen. "Die Bestimmung" muss man lesen! 5 Sterne.

Aufmachung: 4 /5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Die Bestimmung-Trilogie:

Band 1 - Die Bestimmung
Band 2 - Tödliche Wahrheit
Band 3 - Letzte Entscheidung

Kommentare:

  1. Ich habe die Trilogie auch gerade beendet. Die Rezi liegt noch bei meinem Hauseigenen Lektor *g*
    Ich sehe das auch ganz genau wie du, jedes andere Ende wäre nicht gut gewesen. Ich kann mit dem Abschluss sehr gut leben, gerade auch, nachdem der 2. Teil mich so enttäuscht hat.

    LG
    Karin

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    1. @Karin - Dann soll dein Lektor sich beeilen, ich will deine Meinung lesen :-) hihi. Natürlich habe ich beim Ende geschluckt und dachte eine zeitlang, dass das die Autorin "schon wieder richten wird", dass das nicht so endgültig ist ... aber falsch gedacht. Wenn man jetzt drüber nachdenkt, deutete vieles darauf hin und ich finde es gut, dass Veronica Roth hier so konsequent war. Mir hat auch schon Teil 2 sehr gut gefallen. Für mich einfach eine tolle und komplexe Trilogie.

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  2. Mich hat keinesfalls das Ende an sich gestört, sondern eher dass es eine Sache von 5 Minuten war. Schwupps und passiert, so ungefähr. Da hatte ich mir nach allem einfach mehr "Bedeutung" erwartet. Und ich kam mit den Perspektiven nicht klar. Die haben sich völlig gleich gelesen und ich musste ständig überprüfen, wer gerade erzählt. An und für sich ist Tobias einfach nicht mehr die harte Sau aus Band 1 ;) Wegen mir hätte er das ruhig bleiben können.

    Aber freut mich, dass es dir so zugesagt hat Damaris! "Die Bestimmung #3" ist einfach ein Buch, das seine Leser spaltet.

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. @Tina - Ja, #3 spaltet die Leser :-) Teilweise ja schon Bd. 2. Die durchschnittliche Bewertung ist nur durchwachsen und ich war dann selbst erstaunt, WIE gut mir das Buch, samt Ende, gefiel (also das Ende "gefiel" mir nicht, aber ich kann es gut so stehen lassen). Bei Tobias hast du natürlich recht, er hat so gut wie nichts mehr mit dem Four aus Bd. 1 zu tun. Nur in manchen Situationen blitzt seine harte Schale durch. Ich muss zugeben, dass ich auch ein-, zweimal schauen musst, wer gerade "spricht", Tris und Tobias Art zu erzählen (und auch zu denken) ist wirklich recht ähnlich. Freu mich aber, das mir die komplette Trilo so gut gefiel :-)

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  3. Guten Morgen!
    Sehr schöne Rezi:) Endlich auch mal jemand, der das Ende gut fand. Nach den ganzen negativen Kritiken echt eine Seltenheit. Ich bin mit dem Ende zufrieden.

    LG, Claudia

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    1. @Claudia - Ich finde es auch gut so, wie es ist. War etwas skeptisch, aber konnte auch die viel kritisierten Logikfehler nicht so gravierend erkennen (einzig wer nun für das "Verschwinden" von Toris Bruder verantwortlich ist - in Bd. 1 heißt es eindeutig die Ferox, in Bd. 2 beschuldigt Tori die Ken - ist nicht ganz klar. Vielleicht erhielten die Ferox den Auftrag von den Ken?). Ich denke das ist Auslegungssache, muss somit kein Logikfehler sein. Man kann sich ja zu allem noch seine eigenen Gedanken machen, auch wie es ganz am Ende weitergeht :-)

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  4. Hoi Damaris

    Als ich im Blogroll gesehen habe, dass deine Rezension on ist, musste ich gleich hin :-)
    Toll, dass dir das Buch so gut gefallen hat und 5 Sterne bekommen hat. Ich hätte ja auch ganz gerne alle Leseenten losgelassen - vor allem wegen dem Ende - doch irgendwie ging es einfach nicht ganz ;-)
    Über das Ende haben wir ja schon gesprochen .... für mich im Nachhinein logisch und es dürfte nicht anders sein. Ich finde es auch toll, dass Veronica Roth da so Konsequent und mutig gehandelt hat.

    glg Favola

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    1. @Favola - Ich war einfach rundum "glücklich" mit dem Buch (der gesamten Reihe) - wenn man das bei der Thematik so sagen kann. Das Ende ist gut so, auch wenn es natürlich schmerzt. DANKE nochmal, für die Weiterleitung :-)

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  5. Ich verfluche Veronica Roth für ihren Mut *schnief* Sie hat mir das Herz gebrochen. Aber es war, so ungern ich es zugebe, wirklich ein passendes Ende, die Charaktere haben treu nach ihrer Persönlichkeit gehandelt und vor allem in solchen Dystopie-Szenarios sind Happy Ends oft völlig fehl am Platz.

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    1. @Laura - Ja, man muss da auch gar nicht drumrum reden. Veronica Roth hat für den 3. Band einen sehr harten Schluss gewählt. Aber es war passend, und das ist wichtig. Stimmt - ein klassisches Happy End wäre völlig verkehrt gewesen.

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  6. Eine tolle Rezension Damaris. ♥
    Und endlich kann ich die gefahrenlos lesen (was meine WL angeht), da es mal ein Buch ist, was ich bereits besitze und selbst schon gelesen habe ;)
    Schließe mich deiner Meinung voll an. Ich bin zwar Verfechter von Happy Endings (da kommt dann die hoffnungslose romantische Ader in mir zum Vorschein), aber hier hatte ich das Gefühl, dass das Ende nicht anders hätte sein dürfen.
    Es beweist Charaktertreue und auch wenn es emotional ergreifend wa, fühlte es sich richtig an. Genre-konsequent.
    Darüber hinaus hat mir aber auch einfach die Spannung, die Charakterentwicklung und die Auflösung gefallen. Ich finde es etwas schade, dass die bei vielen Kritiken in den Hintergrund tritt und nur die 'eine Sache' diskutiert wird.

    LG
    Lilly

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    1. @Lilly - Die Charakterentwicklung der Bestimmungs-Bände gefiel mir auch sehr. Wobei ich auch sagen muss, dass sich die zwei Perspektiven in Bd. 3 von Tris und Four im Deutschen doch sehr ähnlich gelesen haben. Macht aber nichts, in vielen Bereichen ticken die beiden halt gleich :-)
      Das Ende war war wirklich Genre-konsequent, besser kann man es gar nicht ausdrücken. Jedes andere Ende hätte einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Schade, dass viele die Reihe nur darauf reduzieren ...

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  7. ENDLICH mal jemand, der nicht so über das Ende schimpft und das ganze Buch als eher schwach wertet! Ich bin schon sehr, sehr gespannt darauf und hoffe, dass ich es bald mein Eigenen nennen und es natürlich auch gleich lesen kann. Deine Rezi hat mich sehr überzeugt und neugierig gemacht, ansonsten wurde ich bis jetzt immer eher abgeschreckt. Ich muss sagen, dass ich so eine Vermutung habe, was das Ende angeht. Mir ist da im zweiten Band ein Licht aufgegangen, weil schon so vieles darauf hinweist und ich denke, dass ich da auch richtig liegen werde.

    Liebste Grüsse
    Trollkjerring

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    1. @Trollkjerring - NEIN, auf keinen Fall schimpfe ich auf den 3. Bestimmungs-Band. Er war für mich perfekt, genau so, wie geschrieben. Dabei wurde ich durch die vielen schimpfenden Stimmen auch etwas verunsichert. Du kannst dich auf ein wirklich gutes Buch freuen! :-)

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  8. Ich hab die Reihe zwar noch immer nicht begonnen - Schande über mich - sondern nur den Film gesehen, warte aber schon sehnlichst auf die drei Bände in Englisch. :)
    Das umstrittene Ende weiß ich (dank Spoiler -.-' ) leider schon, allerdings denke ich auch, dass es keine schlechte Lösung der Autorin ist und freue mich trotzdem schon auf das Leseerlebnis. :)
    LG Nina

    http://book-blossom.blogspot.co.at/

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    1. @Nina - Oh, schade, dass du beim Ende schon gespoilert wurdest :-( Den Film fand ich auch sehr, sehr gut. Danach war ich ganz heiß darauf, gleich weiterzulesen und habe Band 2 und 3 verschlungen. Es war schon eine ganze Zeit lang her, seit ich Band 1 gelesen hatte.

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  9. Liebe Damaris

    ich kann mich deiner Meinung nur voll und ganz anschließen. Diese Reihe ist durchweg gut gelungen und auch der umstrittene dritte Band konnte mich überzeugen. ich finde es klasse gelöst, vor allem, weil man mit so etwas einfach nicht gerechnet hat. So war der WOW-Effekt noch da und nicht vorhersehbar.

    Für mich eine Top-Trilogie

    Liebe Grüße und ein schönes Pfingswochenende wünsche ich dir!
    Alexandra

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    1. @Alexandra - Super, dass wir das mit der Reihe, bzw. dem 3. Bestimmungs-Band gleich sehen. Ich fand es auch klasse gelöst, auch wenn ich nach den entscheidenden Moment noch eine zeitlang glaubte, dass da noch was kommt. Aber gut, dass die Autorin dabei geblieben ist. Für mich auch eine Top-Trilogie (behalte sie auch immer im Regal!).

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