Freitag, 9. Mai 2014

Rezension zu "Ach wie gut, dass niemand weiß ..." von Alexa Hennig von Lange



Verlag: cbt (April 2014)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14 J.
Ausführung: Klappenbroschur, 400 S.
ISBN: 978-3570162842
14,99 € [D]

Genre: Jugendbuch

© Cover- und Zitatrechte: cbt Verlag


Das Thema
Sina kommt aus gutem Hause. Ihr Vater ist Staatsanwalt und ihre Mutter unterhält sich in der Oberklasse, auf Galas und Charity-Events. Zusammen mit ihren drei besten Freundinnen, gehört Sina zu den beliebtesten It-Girls der Stadt und das zeigen sie auch, wo es nur geht.
Eines Abends werden die Mädchen von einer Gang überfallen. Nur Sina wird von Noah, einem der Gangmitglieder gerettet. Ihr passiert nichts. Nachdem sie sich begegnet sind, können Sina und Noah einander nicht mehr vergessen. Doch Sina ist der Umgang mit den Leuten jenseits des Kanals verboten, nichts soll die heile Welt ihrer Familie gefährden. So trifft sie sich heimlich mit Noah und verliebt sich rettungslos in ihn.

Die Rezension

Der Anfang: "Los! Raus mit dir! Du hast lange genug depressiv rumgesessen." Juno und Nana schleifen mich hinter sich her durch unseren Vorgarten und katapultieren mich in den Wagen, den Lil hinter den Büschen vor unserem Haus geparkt hat.

Sie kommen einfach immer wieder gut an, Bad Boy-Lovestorys für Jungendliche. Vielleicht hat man etwas in der Art schon selbst erlebt oder es ist der Reiz des Verbotenen, der diese Geschichten so anziehend und lesenswert macht. Auch Alexa Henning von Lange widmet sich in "Ach wie gut, das niemand weiß ..." diesem Thema. Die Geschichte spielt in Deutschland und ist nach dem Prinzip reiches Mädchen verliebt sich in Bad Boy/Gangster aufgebaut.

Aber etwas sagt mir, dass zwischen diesem Jungen und mir etwas begonnen hat und alles Weitere zwischen uns bereits vorbestimmt ist. Das klingt jetzt vermutlich komplett abgedreht, aber diejenigen, die in ihrem Leben schon mal eine derartig verrückte Situation erlebt haben, werden bestätigen, dass man sich in so einem Moment gar nicht mehr anstrengt, zu entkommen. Weil es zwecklos ist. - S. 14

Da begegnen sich also die 17-jährige Sina und der etwas ältere Noah das erste Mal nachts auf einem Parkplatz. Sie kennen sich nicht, auch nicht vom Sehen. Und doch ist zwischen ihnen sofort diese Chemie, dieses Knistern zu spüren. Die Autorin schafft es anfangs wunderbar, die Gefühle der beiden Hauptprotagonisten (vor allem von Noah) in Mimik, Gesten und Reaktionen auszudrücken. Sie wirken nicht flach, sondern sehr greifbar. Und man muss sich schon nach den ersten zwei Kapiteln eingestehen, dass Noah sofort der Favorit der weiblichen Leserschaft wird.
Leider hält sich dieses Anfangsgefühl nicht bis zum Schluss. Das Buch bleibt interessant, wird mit vorankommender Handlung aber sehr pathetisch und schwülstig-kitschig, gegen Ende für deutsche Verhältnisse viel zu übertrieben.

Sinas Zuhause wird ausgezeichnet beschrieben. Das Bild, das man vor Augen hat, entspricht dem oftmals zurechtgelegten Klischee (neu)reicher Familien mit Kindern im Teenageralter. Alles ist vom Feinsten, pompös und auf gutes Ansehen ausgelegt. Sinas überdreht-oberflächliche Mutter und ihr Vater, der seinen Beruf zu seinem Lebensmotto gemacht hat, wecken Verständnis für die Jugendliche und ihr verbotenes und rebellisches Verhalten. Wäre da nicht ständig dieser innere Monolog, den Sina führt. Sie wägt fortlaufend das Für und Wieder ihrer Beziehung zu Noah ab. Das ist auch vollkommen in Ordnung, wiederholt sich aber Kapitel für Kapitel. Untermauert mit Fragen, die sich Sina innerlich stellt (teilweise bis zu 9 Sätze mit Fragezeichen hintereinander) wird einem das schnell zu viel und man hat das Gefühl, dass Sina mit ihren Überlegungen auf der Stelle tritt.
Noah kommt zwar aus dem "schlechten" Viertel der Stadt und hat eine einschlägige Gangsterkarriere hinter sich, man erkennt aber sofort, dass er ein Gewissen hat und sein Leben gerne anders führen würde. Er ist einer der netten, fürsorglichen Bad Boys. Das Bild das man recht schnell von ihm hat, wird jedoch im Laufe des Buches nicht ausreichend vervollständigt. Seine Hintergründe werden nur angeschnitten, sein Leben und seine Rolle innerhalb des Verbrechermilieus sind zu dürftig erklärt.

Es ist so, als würde ich meine große Liebe küssen, den Menschen, der unter einer Million für mich gemacht wurde. Den Menschen, ohne den ich nicht atmen kann [...]. Das ist es, was das Wort Liebe meint. - S. 133

Hier stellt sich nicht die Frage, der Liebe auf den ersten Blick. Dass so etwas passiert, ist unbestritten. Dennoch geht in "Ach wie gut, dass niemand weiß ..." dann alles zu schnell und zu kitschig vonstatten. Hat Sina mit ihrem Exfreund, mit dem sie ein Jahr zusammen war, noch nie Sex gehabt, denkt sie beim ersten Kuss mit Noah direkt daran, dass es sich "richtig anfühlen" würde, mit ihm zu schlafen. Die Gefährlichkeit dieser verbotenen Liebe, sowie Noahs gutes Aussehen, werden allenthalben wiederholt. Ja, es wird so pathetisch, dass Sina sogar einen gemeinsamen Tod als "perfekte Verschmelzung" (S. 344/345) definieren würde. Fraglich, ob das die richtige Gedankenanimation für jugendliche Leser sein sollten. Schade, denn anfangs war der Roman genau auf der richtigen Schiene. Die Chemie zwischen den Hauptprotagonisten passte, war nicht zu übertrieben, plausibel und romantisch-kribbelig.

Dramatisch und übertrieben ist auch das Ende, zumindest für deutsche Verhältnisse. Der Ablauf ist sehr kurz geraten. Wurde während der ganzen Geschichte das Grundproblem der verbotenen Liebe immer wieder durchleuchtet, konzentriert sich die Schlusshandlung auf so wenige Seiten, dass es schwer fällt zu folgen. Der Ausgang der Geschichte liegt im gängigen Rahmen dieses Genres und fällt in etwa wie erwartet aus.

Das persönliche Fazit
Als Fan der Bad Boy-Storys von Simone Elkeles bin ich verwöhnt und die Messlatte liegt hoch. Trotzdem - Ach wie gut, dass sich "Ach wie gut, dass niemand weiß ..." so locker und schnell schmökern ließ. Sonst hätte ich wahrscheinlich mit der Ausarbeitung der Geschichte noch größere Probleme gehabt, der Ablauf war okay. Dabei war es anfangs durchaus da, dieses Das wird ein super Buch-Feeling. Was kribbelig und vielversprechend anfing, wurde kitschig und übertrieben. Sinas innere Monologe und Überlegungen, ja, sogar ihre Reaktionen waren eine Geduldsprobe. Für mich einfach nicht echt genug. Insgesamt positioniert sich der Roman, mit knappen 3 Sternen, nur im unteren Mittelfeld.

Aufmachung: 3,5 /5
Handlung: 2,5 / 5
Charaktere: 2,5 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 2,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Lustig genug, dass wir die Rezis fast zeitgenau hochgeladen haben und dann auch noch ziemlich ähnliche Meinungen :D Sprichst mir aus der Seele, obwohl ich das Buch- wie gesagt - direkt doof fand, aber na ja...passiert leider!

    Die nächste Lektüre wird bestimmt besser

    :*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Marie - Ja, sehr lustig. Musste lachen, als ich nach der Veröffentlichung in Dashboard unsere Rezis untereinander sah - und dann auch noch mit fast gleicher Meinung. Kann nur besser werden :-)

      Löschen
  2. Gut, dass mich das Buch sowieso nicht übermäßig interessiert hat - das klingt nämlich genau wie eines, das ich ganz schlimm hassen würde O.o Danke für deine Rezension, jetzt bin ich gewarnt, und muss es mir nicht zulegen ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Sonne - Also, ich kann guten Gewissens sagen: Ach wie gut, dass "Ach wie gut ..." kein Buch für Sonne ist :-) Nein, ehrlich. Umso mehr ich drüber nachdenke, umso mehr ärgere ich mich. Ich hatte es schnell durch, mochte Noah, und anfangs sowie in Gesamtsicht war's okay. Aber der Überkitsch und die völlige Unglaubwürdigkeit stören mich jetzt immer mehr. Hätte ich halbe Sterne, würde ich wohl 2,5 geben.

      Löschen
  3. Huhu Damaris

    Ja, das war wirklich nicht so unser Buch .... habe bei dir auch gleich wieder den einen oder anderen Punkt entdeckt, bei dem ich dachte: "Genau!"
    Das mit dem Klischee der (neu)reichen Familien hast du schön aufgezeigt und auch die Situation mit der perfekten Verschmelzung fand ich daneben. Gehört meiner Meinung nach nicht in ein Jugendbuch. Das habe ich total vergessen .... Irgendwie habe ich das Gefühl, die Autorin wollte ein bisschen auf Amerika, vielleicht auch auf Simone Elkeles machen ..... kommt mir zumindest zum Teil so vor ....

    glg Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Favola - Also, dass ein evtl. Unfall mit Todesfolge bei der Motorradraserei von Sina als "perfekte Verschmelzung" gesehen wurde, fand ich schon grenzwertig. Da dachte ich wirklich, geht's noch?! Und kitschig war es noch dazu! Hatte auch den Eindruck, dass die Story sich etwas an Ami-Verhältnisse anlehnen sollte und junge Mädels schwärmen ja auch gerne. Trotzdem war es too much! Mal wieder erstaunlich, wie absolut gleich wir das sehen ;-)

      Löschen

Du möchtest mir etwas zu diesem Beitrag mitteilen? Dann los ... ich freue mich.