Freitag, 24. Januar 2014

Review zu "Was ich dich träumen lasse" von Franziska Moll



Loewe (Januar 2014)
Hardcover/SU, 254 Seiten,
14,95 € [D]


Elena hat ihr Glück gefunden – mit Rico. Doch ein schwerer Autounfall reißt Rico aus Elenas Leben in die Tiefen eines Komas. Tag für Tag zeigt Elena ihm nun, was das Leben für ihn bereithält, und wofür es sich lohnt, zurückzukommen: für ihre Liebe. 

Ein herzzerreißender, realistischer Liebesroman für Jugendliche. (Text-, Cover und Zitatrechte: Loewe Verlag)


Neuntens: Ohne dich geht gar nichts. - S. 228


Meine Meinung
Bei Rezensionen stets um Objektivität bemüht, wird diese Review etwas (nein viel!) subjektiver ausfallen. "Was ich dich träumen lasse" hat sich tief in meine Gedanken eingenistet und ging mir beim Lesen sehr nahe. Ein Highlight 2014? Ganz sicher. Ein wundervolles Buch!

Elena ist glücklich verliebt. Seit einem Jahr ist sie mit Rico zusammen, der mit seinem sonnigen Wesen ein perfekten Gegenpol zu Elenas schroffem, unnahbarem Charakter ist. Dann, von einem Tag auf den anderen, ist alles anders. Nach einem Unfall liegt Rico im Koma. Elena reflektiert ihr Kennenlernen, ihre Liebe und ihre Ziele - immer in der Hoffnung, dass Rico bald zurückkommt.
So schlimm dieses Szenario auch erscheint, neu ist es nicht. Es gibt einige Autoren, die sich mit der Trennung von Paaren durch einen Unfall, Krankheit, usw. befassen. Doch nur wenigen gelingt es, dieses Thema so echt in den Raum zu stellen. Franziska Moll schreibt ihre Geschichte lebensnah unverblümt, mit einem poetischen Unterton und einer Sprache, die persönlicher nicht sein könnte.

S. 42:
Erst als sie weg sind, höre ich das Piepen, das mechanische Stöhnen, das Rauschen der Geräte, die um das Bett herumstehen.
Da liegt er.
Er liegt da.
Er.

Die Erzählmethode und deren Sprachgestaltung ist herausragend! Das Buch beginnt im Hier und Jetzt, ist darum auch im Präsens geschrieben. Anfangs kennt man Elena, Rico und ihr Umfeld noch nicht, hier verzichtet die Autorin auch vollständig auf Erklärungen. Alles erschließt sich aus der Geschichte. Sobald Rico den Unfall hatte, durchziehen Rückblenden und Erinnerungen von Elena die Handlung, natürlich dann in der Vergangenheitsform (einem sehr lyrisch wirkenden Präteritum). In diesen Rückblenden spricht Elena Rico direkt an. "Weißt du noch ..." wird zum stetigen Anfang und einer Art Mantra dieser Abschnitte (und ich muss gerade wieder heftig schlucken).

Neben dem unbeschwerten, freundlichen Gemüt von Rico, wirkt Elena sehr abweisend, meist unromantisch und zynisch. Nur Rico scheint ihrer harte Schale knacken zu können. Man erfährt bald, dass Elena diese Charaktereigenschaften nicht von ungefähr entwickelt hat. Im Laufe der Handlung arbeitet sie einiges aus ihrem Leben auf.
Obwohl das Buch durch den Unfall natürlich sehr emotional ist, war ich erstaunlich gefasst. Aber mit der Zeit, wenn man durch wunderbar natürliche - stilistisch hervorgehobene - Kommunikation Elena und Rico besser kennenlernt, setzte sich ein dicker Klos in meinem Hals fest. Und klar, der musste dann irgendwann auch raus. 

Du weißt das nicht, aber ich dachte immerzu das eine: Ich habe noch nie einen so lustigen Menschen kennengelernt. Einen, der wirklich lustig ist. Nicht nur so tut. Bei dem es von innen kommt. Weil innen alles hell ist. - S. 43

Das Ende ist dann extrem gefühlsbetont und war für mich sehr rührselig. Überrascht war ich nicht, dafür aber merkwürdig zufrieden, konnte sogar verschnieft schmunzeln. Dennoch war ich emotional aufgewühlt. Man muss dieses Buch erfahren, um das verstehen zu können. Unbedingt lesen!

Fazit
"Noch nie habe ich so ein wunderbares Buch gelesen." - dieser Satz ist als Vielleser nicht einfach anzuwenden, denn jährlich lese ich Bücher, die in Gedanken bleiben, die mir viel geben und alles abverlangen, wunderschön sind und mich zum Weinen bringen. Trotzdem ist "Was ich dich träumen lasse" eine Geschichte, bei der ich diesen Satz so stehenlassen kann. Das Buch gehört für mich zu den eindrücklichsten Büchern seit Langem. Schriftstellerisch und an Intensität ist es schwer zu übertreffen. Mein persönliches Wunder im Januar 2014 - Lieblingsbuchstatus!

© Damaris Metzger, damarisliest.de


Zitate aus "Was ich dich träumen lasse"



Weitere Bücher der Autorin beim Loewe Verlag:


Kommentare:

  1. Wunderschöne Rezi! Ich habe bisher "nur" die Leseprobe gelesen, bin mir aber sicher, dass ich das Buch im Ganzen auch noch einmal lesen muss:)

    Ein schönes Wochenende für Dich und lg,

    Claudia

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    1. @Claudia - Leseproben lese ich ganz, ganz selten. Wenn, dann nur die ersten 1-2 Seiten :-) Dieses Buch lohnt sich im Ganzen! Es wird aus meinem Regal auch nicht mehr ausziehen! Habe auch ein schönes WE :-)

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  2. Wow, man liest hier wirklich heraus, wie sehr dich das Buch berührt hat und wie schwer es dich seither loslassen kann. Es hatte mich aber auch sehr überrascht, wie gut ich es wirklich fand. Es überrollte mich ja fast.
    Schön ausgedrückt, Damaris!

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    1. @Sandy - Es hat mich auch sehr berührt und ich hatte nach dem Lesen sofort das Bedürfnis es nochmal zu lesen. Gut, wenn man das aus der Rezi raushört, denn das hat das Buch wirklich verdient!! Steht jetzt im Regal direkt neben "Das Schicksal ist ein mieser Verräter".

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  3. Liebe Damaris, endlich komme ich dazu dir einen Kommentar zu schreiben. Ich bin schon sehr gespannt auf dieses Buch, habe aber auch einigen Respekt davor. Du hast absolut recht, deine getroffene Aussage, fällt einem Vielleser alles andere als leicht. Umso sicherer bin ich mir, dass dieses Buch etwas ganz besonderes sein wird. Danke, für deine wunderschöne (zu recht subjektive! ;) Rezension.

    Liebste Grüße
    Shanty

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    1. @Shanty - Mir geht es immer gleich, wenn ich Rezis von sehr emotionalen Büchern lese. Da habe ich dann totalen Respekt davor, obwohl ich es unbedingt lesen will. Du musst aber keine "Angst" vor dem Buch haben. Die Autorin macht das ganz prima. Man ist am Ende nicht verloren oder so ähnlich. Und Sätze wie "Noch nie.." "Am allerbesten ..." etc. verwende ich bei Rezis eigentlich generell nicht. Aber hier kann man die wirklich so stehenlassen. Dich wird das Buch genauso erreichen :-)

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  4. Liebe Damaris,

    und wieder einmal schaffst du es, dass ich ein Buch dann doch noch einmal eine Chance gebe. Ich habe jetzt so einige positive Rezensionen gesehen, aber ich bin noch immer skeptisch. Contemporary Bücher sind nicht unbedingt meins und leider gings mir schon oft so, dass mich ein Buch so gar nicht begeistern konnte, obwohl es doch so "berühren" soll. Hier will ich es aber einfach mal probieren. Über Tauschticket hab ich zugeschlagen und hoffe, dass es mir ähnlich nahe gehen kann!

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. @Tina - Also ich animiere dich ja wirklich gerne und bin sehr gespannt, ob du Zugang zu diesem Buch findest, vor allem, weil Contemporary jetzt nicht so unbedingt deins ist. Widtl ist schon sehr besonders. Elena, der weibl. Hauptchara ist sehr schwierig, aber genau das gefiel mir gut. Mich hat das Buch vor allem durch seine schroffe Poesie berührt, wobei auch die Geschichte an sich zu Herzen geht. Bei TT hätte ich auch zugeschlagen :-)

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  5. Also mich hat das Buch nun nach den ganzen vielen positiven Rezensionen sehr enttäuscht...! Ich find die Beziehung zwischen Rico und Elena arg kitschig...Rico wär für mich kein Mann....und auch das Buch an sich ist zu vorhersehbar...

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    1. @Ayanea - Also wenn ich das Buch eines nicht fand, dann kitschig :-) Fand Elena eher schroff und schwierig. Wie es ausgeht, wusste man eigentlich schon von Anfang an. Das Spannende war, wie Elena und ihr Umfeld damit umgeht. Manchmal ticken wir einfach nicht gleich, aber das macht ja nichts :-) Für mich war das Buch so ein Highlight, hach ....

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