Donnerstag, 31. Oktober 2013

Rezension zu "Die Verschworenen" von Ursula Poznanski



Verlag: Loewe (Oktober 2013)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 2/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 464 S.
ISBN: 978-3785575475
18,95 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Loewe Verlag


Das Thema
Im Untergrund der alten Stadt haben Ria und ihre Freunde Unterschlupf gefunden. Sie sind Sphärenflüchtlinge und werden nach wie vor gesucht. Dabei wissen sie immer noch nicht, was es mit der angeblichen Verschwörung auf sich hat. Nur ihr Beschützer Quirin, der Clanfürst und sein Stellvertreter wissen, dass sie noch in der Nähe sind. Der übrige Schwarzdornen-Clan geht davon aus, dass Ria und ihre Freunde sich mittlerweile an einem anderen Ort befinden.
Während Ria sich mit der Suche nach einem Buch beschäftigt, das die Verschwörungstheorie aufklären könnte, bereiten sich zwei ihrer Freunde darauf vor, in die nächstgelegene Sphäre zurückzukehren. Dort möchten auch sie Nachforschungen anstellen, um herauszufinden, warum der Sphärenbund die Gruppe töten wollte. Doch plötzlich sorgt ein Todesfall dafür, dass alles anders kommt und Ria ihre Planungen komplett umstellen muss.

Die Rezension

Der Anfang: Die Kinder sind ein bebender Schatten im ersten Licht der Morgendämmerung.

"Die Verschworenen" ist ein Trilogie-Mittelteil. Bei diesen ist die Erwartungshaltung erfahrungsgemäß sehr hoch. Besonders, wenn der Vorgängerband so grandios ist, wie in diesem Fall. Viele Leser sind enttäuscht, wenn sich das Lesegefühl des Starttitels nicht mehr so recht einstellen mag. Hier muss man sich diesbezüglich keine Sorgen machen. "Die Verschworenen" führt die spannende Thriller-Trilogie konsequent fort. Sprachlich exquisit, ist die Handlung überhaupt nicht kalkulierbar, sehr nervenzerreißend und präsentiert am Ende einen bedeutungsvollen Aha-Effekt.

Ich habe gelernt, mich unangenehmen Dingen zu stellen, aber diesmal kann ich es nicht. Ich will es nicht. Ich will mich verkriechen, in Wärme und Sicherheit, will nichts sehen, nichts hören, nichts wissen. - S. 431

Frau Poznanski setzt bei ihren Charakteren genau dort an, wo sie sie in Band 1 zurückgelassen hat. Keiner ist mit der Situation, sich eine Zeit lang unter der Erde zu verstecken, zufrieden. Doch jeder der fünf Freunde geht damit anders um. Während sich ein Teil in die Planung für eine Rückkehr in eine Sphäre stürzt, erkunden andere die unterirdischen Gänge oder rebellieren offen gegen die vorübergehende Lebenssituation. Ria scheint am besten mit den Umständen klarzukommen. Aber auch sie wird von Zukunftsängsten und Sorgen geplagt, hat aber durch ihrer Ausbildung und ihr Studium gelernt, ihre Emotionen meist perfekt zu kontrollieren.
Nach wie vor erzählt Ria die Geschichte in der Ich-Form (Präsens). Das ist mit ein Grund, warum man sich besonders gut in sie hineinversetzten kann. Alle anderen Charaktere sind ebenso ausgereift, manche sind sehr offen und freundlich, andere kann man nicht so recht einschätzen.

Obwohl der Anfang des Buches recht ruhig daherkommt, entfaltet die Geschichte unbeirrbar ihre Wirkung auf den Leser. Einige Wendungen sorgen (vor allem auf der Seite der Liebesgeschichte) für freudiges Kribbeln oder entsetztes Aufstöhnen, so nah ist man an den Charakteren, so stark fühlt man mit ihnen. Die Geschichte ist sehr linear und einfach zu verfolgen, wechselt aber von Schauplatz zu Schauplatz. Das sorgt für Abwechslung und einige unvorhergesehene Begegnungen.
Sehr genial ist, dass die Autorin die verschiedenen Situationen nicht Schwarz oder Weiß, gut oder böse beschreibt, sondern hier Ermessensspielraum lässt. Nichts ist auf den ersten Blick, wie es scheint. Hier erlebt man als Leser manche Überraschung oder Bestürzung.

Es gibt keine Seite, auf die ich mich schlagen könnte. Niemanden, den ich unterstützen möchte. Kein Gut, kein Böse, auf jeden Fall kein Richtig. - S. 456

Was die angesprochene Verschwörung betrifft, der Ria und ihre Freunde angehören sollen, tappt man bis zum Ende im Dunkeln. Mit sich steigernder Handlung, wird im Roman eine Spannung aufgebaut, die ab einem gewissen Punkt kaum noch zu ertragen ist. Schon recht früh weiß man, dass einige Personen die Lösung wissen, aber nicht verraten. Ihre Umgang damit und die Konsequenzen, vor allem für Ria, beschäftigen einen das ganze Buch hindurch. Selbst als die Lösung zum Greifen nah ist, wird man hingehalten, bis dann schlussendlich die Bombe platzt - und der Leser platzt gleich mit! Die Anspannung, die das Lesegefühl prägt, hält sich bis zum Ende.

Der Schluss verzichtet auf einen gewollten Cliffhanger. Fürs erste weiß man nun, mit welchem Geheimnis man es hier zu tun hat. Macht das den Schluss weniger qualvoll? Weit gefehlt. Das hat man nun davon, wenn man ein Buch kurz nach dem Erscheinungstermin liest. Nun gilt es wieder eine Wartezeit zu überbrücken. Band 1 war großartig, Band 2 ebenso wunderbar ... Band 3 wird DIE Neuerscheinung für 2014!

Das persönliche Fazit
Es ist doch jedes Mal wieder ein unbeschreibliches Gefühl, wenn einen Bücher mit diesem allumfassenden WOW-Gefühl zurücklassen. Wenn die Atemlosigkeit nach dem Schließen des Buches noch einige Zeit anhält. Dieses Gefühl hat sich für mich schon im Vorgängerband herauskristallisiert und sich dann in "Die Verschworenen" gefestigt. Genau das ist es, was jedes Leserherz höher schlagen lässt. Lesern, die nur die geringste Affinität für Dystopien aufbringen, sei dieses Buch (samt Vorgänger!) in aller Deutlichkeit ans Herz gelegt. Es geht nicht besser! 5 Sterne!

Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de






Reiheninfo Eleria-Trilogie:

Band 2 "Die Verschworenen"

Dienstag, 29. Oktober 2013

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Mein Herz zwischen den Zeilen" von Jodi Picoult & Samantha van Leer



Boje/Bastei Lübbe (Juli 2013),
Hardcover mit SU, 288 Seiten,
14,99 € [D] 


"Hilf mir" - Deliah kann es kaum fassen, als sie diese Nachricht in ihrem Lieblingsbuch findet. Offensichtlich hat Oliver, der umwerfend gut aussehende Prinz der Geschichte, die Bitte speziell für sie hinterlassen. Und tatsächlich: Schnell stellen die beiden fest, dass sie über die Grenzen der Buchseiten hinweg miteinander sprechen können. Doch das reicht ihnen schon bald nicht mehr aus. Oliver ist schon lange genervt von seinem Märchen, das er immer wieder durchspielen muss, sobald ein Leser das Buch aufschlägt. Und er findet Gefallen an Deliah, die so anders ist als die langweilige Prinzessin Seraphima, die er sonst immer küssen muss. Da ist es doch klar, dass er endlich zu ihr will! Und Deliah: Die hat sich längst Hals über Kopf in ihren Märchenprinzen verliebt. Und ist begeistert von der Idee, Oliver aus dem Buch herauszuholen. Doch wie können die beiden es schaffen, die Grenzen zwischen ihren so unterschiedlichen Welten zu überwinden? (Text-, Bild- und Zitatquelle: Bastei Lübbe)


"Nur weil es Fiktion ist, ist es nicht weniger wahr", ... - S. 221


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Eines ist für mich herzensklar. "Mein Herz zwischen den Zeilen" gehört zu den am schönsten gestalteten Büchern überhaupt! Manche Bücher heben sich durch ihre Gestaltung ein wenig, andere komplett vom sonstigen Einheitsbrei ab. "Mein Herz zwischen den Zeilen" hat ein dreifarbiges Schriftbild (je für Olivers und Delilahs Sicht, sowie für das eigentliche Märchen), viele Bilder im Text und dazu noch einige seitenfüllende Kunstzeichnungen, die eine jeweilige Szene des Märchens wiedergeben, in dem Prinz Oliver gefangen ist. Sogar das Papier ist glatter als üblich, einfach hochwertig. Man sieht also schon, in diesem Bereich ist das Buch ein Juwel.
  2. Die Geschichte an sich ist einfach und auch sehr gut zu verstehen, das Konzept gut durchdacht. Oliver ist ein Märchenprinz, und spielt zeit seines Lebens die Rolle, die ihm die Autorin des Märchens zugedacht hat. Immer wieder, jedes Mal, wenn ein Leser das Märchenbuch aufschlägt. Wird das Buch nicht gelesen, bzw. ist es zugeschlagen, haben alle Personen darin ein Eigenleben. Doch Oliver reicht das nicht mehr, er möchte raus - aus dem Buch. Hilfe erhofft er sich von Leserin Delilah, die einzige Leserin, die ihn hört und mit der er sich je unterhalten konnte.
  3. Trotz der guten Idee, die hinter der Geschichte steckt, zündet diese nicht so recht. Alles wirkt etwas kindlich und dazu auch naiv. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sich Delilah Hals über Kopf in eine Märchenfigur aus einem Buch verliebt (und dabei alles um sich herum vergisst). Die ganze Geschichte dreht sich um das Bemühen, einen Weg zu finden, um Oliver aus dem Buch in die reale Welt zu verhelfen. Teilweise ist das ganz niedlich und herzergreifend, aber längenlos geht das Ganze nicht vonstatten. Für jüngere Leser mag "Mein Herz zwischen den Zeilen" eine süße Geschichte sein, einige ältere Jugendliche werden ihn Herz nicht zwischen den Zeilen verlieren.
  4. Im Buch gibt es drei Handlungsstränge. Delilahs, in der realen Welt, Olivers, innerhalb des Buches und außerdem noch das eigentliche Märchen aus dem Märchenbuch, in dem Oliver die Hauptrolle spielt. Dieses Märchen wird nebenher erzählt und immer wieder zwischen die Haupthandlung geschoben. Meiner Meinung nach hätte man diesen Part komplett weglassen können. Er bringt die Geschichte nicht voran, ist nicht mit "richtigen" Märchen zu vergleichen und gehört somit zu den langweiligsten Parts der Geschichte. Leser werden wissen wollen, wie sich die Geschichte zwischen Oliver und Delilah entwickelt. Das Märchen wurde schon am Anfang des Buches zusammengefasst. Dies hätte auch vollkommen gereicht.
  5. Etwas Probleme bereitete mir dann das Ende der Geschichte. Es mag zwar ein Happy End für die Hauptcharaktere sein, aber zu welchen Preis? Scheinbar sind alle beteiligten Personen damit zufrieden und glücklich ... wahrscheinlich bis an ihr Lebensende, wie es so schön heißt. Weitreichende Konsequenzen für z.B. angehörige Personen wurden aber nicht berücksichtigt. Dieser Punkt war mir persönlich viel zu konstruiert. Eine weitsichtigere Betrachtung wäre hier sinnvoll gewesen. 

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

niedlich, wirkungslos, kindlich-sympathisch, augenschmausig und lang(weilig)


Zusammengefasst vom Fazitbär:
Zwischen den Zeilen musste ich bei diesem Buch nie lesen. Die Geschichte, inkl. Märchen, ist einfach und gut erzählt, die Idee sehr niedlich. Mein Herz habe ich an das Buch aber auch nicht verloren (und das trotz der phänomenalen Optik!). Dafür war es mir zu kindlich, etwas naiv und stellenweise auch zu langweilig. Einige Parts, wie den des eigentlichen Märchens, hätte man getrost kürzen oder weglassen können. Für jüngere Jugendliche, die gerne schwärmen und träumen, könnte "Mein Herz zwischen den Zeilen" aber genau das richtige Buch sein.
Und wenn sie nicht gestorben sind ...


© by Damaris liest.

Freitag, 25. Oktober 2013

Rezension zu "Days of Blood and Starlight: Zwischen den Welten" von Laini Taylor



Verlag: FJB (September 2013)
Originaltitel: Days of Blood and Starlight
Übersetzer: Anna Julia u. Christine Strüh
Reihe: Band 2/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 624 S.
ISBN: 978-3841421371
16,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Das Thema
Karou kann dem Engel Akiva, ihrem ehemaligen Geliebten, seinen Verrat an den Chimären nicht verzeihen. Weil kaum noch Chimären am Leben sind, fühlt sich Karou verpflichtet ihnen zu helfen. Schließlich hat sie einiges bei ihrem Ziehvater und Wiedererwecker Brimstone gelernt und kann dieses Wissen nun bei der Erschaffung einer neuen Chimärenarmee einsetzen. Aber obwohl sie die Chimären sehr stark - ja monströs - erschafft, nimmt der Krieg zwischen ihnen und den Engeln kein Ende.

Akiva ist nach Eretz zurückgekehrt, hoffnungslos Karou jemals wiederzusehen, am Boden zerstört bei den Gedanken an seinen eigenen Verrat an den Chimären. Nun dient er wieder unter dem grausamen Imperator der Seraphim und soll die wenigen restlichen Chimären in Eretz töten. Weil ihm das immer mehr widerstrebt, sucht er nach einer Möglichkeit, die Grausamkeiten des Krieges zu beenden.

Die Rezension

Der Anfang: Es war einmal, da zogen ein Engel und ein Teufel an einem Wunschknochen, und als er brach, brach die ganze Welt entzwei.

Als Anfang 2012 "Daughter of Smoke an Bone" erschien, waren die Meinungen fast durchweg begeisterter Natur. Entgegen dem Trend der ewig gleichen Romantasys und Urban Fantasy-Geschichten wurden hier die Karten neu gemischt. Eine so besondere Geschichte hatten viele selten zuvor gelesen.
Jetzt können sich alle begeisterten Leser auf den Nachfolgeband "Days of Blood and Starlight" freuen. Die Geschichte hat es in sich und präsentiert sich in einem völlig anderen Gewand als der Vorgänger. Sie ist sprachlich perfekt, und bleibt in diesem Genre ebenso grandios wie ungewöhnlich.

Liegt zwischen einem Reihenbeginn und dem Folgeband einige Zeit, kann es schon mal zu Wissenslücken bei den Lesern kommen. Hier empfiehlt sich dringend, das Personenverzeichnis (am Ende des Buches) zuerst zu lesen. Die Erinnerungen kommen dann sofort wieder, ohne das etwas vom Buch vorweggenommen wird. Auch ist die Geschichte so gut erzählt, dass sich zwischendurch immer wieder an Ereignisse von früher erinnert. Perfekt!
Schlägt man das Buch auf, fällt sofort die doppelseitige Karte des Landes Eretz auf, der Heimat der Seraphim und der Chimären. Huch, die war doch in Band 1 noch nicht vorhanden. Das ist richtig. "Days of Blood and Starlight" hat, trotz Urban Fantasy-Wurzeln, viel von einem High Fantasy-Roman. Der Reihentitel Zwischen den Welten könnte nicht besser passen. Zum einen ist Hauptprotagonistin Karou tatsächlich zwischen der Menschenwelt und Eretz hin- und hergerissen, zum anderen ist die Handlung des Buches auch in beiden Welten angesiedelt.

Unabhängig von der perfekten Sprache, kann einem Karou hier wirklich leid tun. Sie wirkt komplett erschöpft und ausgebrannt. Ihre Vergangenheit drückt sie nieder, der Verrat von Akiva lastet zusätzlich auf ihr. Durch Karous Fähigkeiten ist sie zudem die einzige Hoffnung der restlichen Chimären, bevor diese von den Engeln komplett ausgelöscht werden. Gerade die "Arbeit", die sie für den Chimärenanführer verrichtet, stürzt Karou in einen großen Gewissenskonflikt. Kann sich Notwendigkeit so falsch anfühlen? Trotzdem beißt sie sich durch und zeigt in entscheidenden Momenten Größe und Stärke. Das macht sie zu einem Identifikationscharakter, mit dem man mitfühlt und für den man vollstes Verständnis hat.

Aber sie war nicht mehr Madrigal und auch keine Chimäre. Sie war Karou. Ein Mensch.
Mehr oder weniger.
Und sie hatte keine Zeit für Träume.
- S. 59

Bei aller Begeisterung während des Lesens könnte für viele auch ein kleiner Wermutstropfen dabei sein. Die Beziehung (oder zwangsläufig beendete Beziehung) zwischen Karou und Akiva wird nur sehr eingeschränkt fortgeführt. Eine Lovestory ist hier praktisch nicht vorhanden, die beiden Hauptcharaktere begegnen sich einfach viel zu selten, gefühlt so gut wie gar nicht. Der Fokus der Geschichte liegt auf dem Krieg zwischen Engeln und Chimären, mit Rache, Vergeltung und Grausamkeiten, ganz typisch für High Fantasy. Dennoch besitzt "Days of Blood and Starlight", neben all dem Kriegstreiben, eine schlummernd-unauffällige Romantik, die auch zwischen den wenigen Aufeinandertreffen von Karou und Akiva zu spüren ist. In dieser Beziehung ist das letzte Wort ganz sicher noch nicht gesprochen.

Dem unbeschreiblichen Lesefluss von "Days of Blood and Starlight" kann man sich kaum entziehen. Das Ende hält dann kleine und größere Überraschungen bereit, nachdem die etwa 600 Seiten des Romans viel zu schnell, und im wahrsten Sinne des Wortes, verflossen sind. Die Hoffnung auf ein grandioses Finale ist damit besiegelt.

Das persönliche Fazit
"Days of Blood and Starlight" ist ein bildgewaltiges und wunderbares Urban Fantasy-Epos, welches das Blut zum Kochen bringt und dessen perfekte Sprache einem Sternchen in die Augen zaubert. Es liest sich wie ein Gedicht! Damit knüpft der Roman unmittelbar an seinen Vorgängerband an. Gerade die unerwartete Andersartigkeit, mit High Fantasy-Anbindung, und die perfekten Charaktere machen das Buch einzigartig gut. Hier ist der Aufkleber auf dem Cover "Die besten Serien der Welt" genau richtig platziert. Wer die Zwischen den Welten-Reihe noch nicht kennt sollte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. 5 Sterne!

Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Zwischen den Welten-Trilogie:

Band 2 - "Days of Blood and Starlight"

Dienstag, 22. Oktober 2013

Lindas Gastrezension zu "Ghostman" von Roger Hobbs



Verlag: Goldmann (August 2013)
Originaltitel: The Ghostman
Übersetzer: Rainer Schmidt
Reihe: -
Ausführung: Klappenbroschur, 385 S.
ISBN: 978-3442313372
14,99 € [D]

Genre: Mystery Thriller

© Cover- und Zitatrechte: Goldmann Verlag


Inhalt:
Sein Name ist Jack Delton, aber natürlich heißt er nicht wirklich so. Er ist ein "Ghostman", spezialisiert darauf, sich unsichtbar zu machen und Beweise verschwinden zu lassen. Jack ist der Beste auf seinem Gebiet. Nur Wenige wissen, dass es ihn gibt, und kaum einer, wie man ihn erreicht. Doch sein neuester Auftrag hat es in sich: Vor Jahren hat Jack einen großen Fehler begangen und einen Super-Coup, den Überfall auf eine Großbank in Kuala Lumpur, vermasselt. Dem "Jugmarker" von damals, Marcus Fairlan, ist er deshalb noch einen Gefallen schuldig. Und Marcus kontaktiert ihn nach einem gründlich misslungenen Überfall auf ein Casino in Atlantic City. Einer seiner Leute ist tot, der andere mit mehr als einer Million Dollar auf der Flucht. Der Ghostman soll den Flüchtigen finden und die Beute sicherstellen. Doch er hat nur 48 Stunden Zeit, bevor das Geld hochgeht – und er muss feststellen, dass ihm Marcus ein entscheidendes Detail verschwiegen hat: am Tatort muss es einen dritten Schützen gegeben haben! Was wird hier gespielt? Und wird der Ghostman heil aus dieser Sache herauskommen?

Lindas Meinung:

Cover: Ich muss zugeben, dieses Cover hätte ich wahrscheinlich so nicht zur Hand genommen. Auf den ersten Blick wirkt es etwas wie eine Hommage an Bücher aus Sizilien. Ein Mix aus Der Pate und Mafia. Irgendwie erinnert es mich auch ein wenig an Computerspiele, könnte also auch gut eines sein. Im Zusammenhang mit der Story und auch mit der Idee "Ghostman" passt es dann doch wieder sehr gut. Denn der Ghostman ist ja eigentlich nicht da und versucht eigentlich wirklich “schwarz” zu sein. Daher finde ich es jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe sehr gut gelungen.

Aufbau: Die Handlung wird in regelmäßigen Abständen durch Rückblenden unterbrochen. In diesen Rückblenden wir die Geschichte erzählt, wie Jack zu dem wurde, was er ist und vor allem auch, warum er Marcus einen Gefallen schuldig ist. Ohne diese Rückblenden fehlt manchmal die Logik hinter seinen Taten. Meiner Meinung nach wird die Story erst wirklich komplett durch die zwei Vorkommnisse - die in der Gegenwart und die in der Vergangenheit. Das Ende ist grausam. Ich muss es einfach so sagen. Die Geschichte an sich ist abgeschlossen - zumindest die aus der Vergangenheit und die aus der Gegenwart scheint es auch zu sein. Doch letztendlich ist der Schluss ein RIESEN Cliffhanger, der aber auch nur bedingt einer ist. Es ist schwer zu erklären ohne alles zu verraten. Ich könnte sagen, es endet wie eine Folge CSI, wo zum Schluss noch ein Drohbrief kommt und man eigentlich schon weiß, okay ich muss wieder einschalten. So ist es hier auch. Ich muss unbedingt weiterlesen und hoffe auf eine baldige Fortsetzung.

Handlung: Ich finde den Aufbau der Story total gut. Eigentlich ist die Handlung nichts wirklich Besonderes. Der Ghostman Jack soll aufräumen und tut das auch. (Ohne jetzt zu viel zu verraten.) Aber die Art wie Roger Hobbs seine Geschichte erzählt ist mehr als außergewöhnlich. Ich hatte wirklich das Gefühl im Kino zu sitzen, und mir wird ein Film in 4D gezeigt. Ich konnte mir jedes Detail super gut vorstellen und wage zu behaupten, so wie sich der Autor es gedacht hat. Doch dazu mehr beim Punkt Schreibstil. Das Ende ist für mich offen und ich bin mir nicht schlüssig zu wem Jack letztendlich hält oder ob er einfach dazwischen ist. Hierfür müsste ich eigentlich Pünktchen abziehen, denn die Ereignisse laufen dann doch alle ZU glatt. Auch für einen Profi. Aber der Schreibstil macht alles wieder wett.

Charaktere: Zu den Charakteren kann ich nicht viel sagen. Denn Jack ist nicht Jack. Er ist ein Geist, der sich immer in die Person verwandelt, die ihm gerade nützlich und dienlich ist. Da kann es zu Altersschwankungen kommen, zu Typänderungen, zu Einkommensänderungen. Jack ist alles und nichts. Immer wieder stellt man sich die Frage, was ist gestellt und antrainiert und was ist er wirklich? Doch das erfährt man nicht. Die anderen Personen sind alles Nebencharaktere und eher unwichtig – aber durchaus scharf gezeichnet und klar charakterisiert. Ich finde sie sehr gelungen, mein Hauptaugenmerk liegt aber auf Jack – dem Ghostman. Er ist einfach Dreh-und-Angelpunkt der Geschichte. Einzig die FBI-Agentin Rebecca kommt ihm näher als ihm lieb ist, denn sie durchschaut ihn und weiß, an welchem Punkt sie bei ihm ansetzen muss.

Schreibstil: Das absolute Highlight dieses Buches:

"Koksrauch riecht beißend und leicht metallisch. Ich hatte oft genug mit Gangstern und Süchtigen zu tun gehabt, um diesen Geruch aus erster Hand zu kennen, doch ich hatte mich immer geweigert mitzurauchen, wenn sie mich einluden. Das hier roch ganz anders. Viel unangenehmer. (…) In der Nähe des Kofferraums schien der Geruch schlimmer zu werden. Über der linken Radkappe war Blut, und kleine, lockere, blutige Schädelknochensplitter klebten an dem Blech über dem Radkasten. Herr im Himmel. Einen Moment lang sah ich vor mir, wie Ribbons voller Panik Morenos Leiche auf den Boden fallen ließ und den Rückwärtsgang einlegte. Der Wagen war über den Kopf gerollt und hatte ihn zermalmt." - Seite 111

Ein solches Buch habe ich noch nicht gelesen. Die bildliche Sprache ist absolut Drehbuchwürdig. Man könnte glaube ich das Buch so nehmen und verfilmen. In meinem Kopf lief auf jeden Fall schon ein kompletter Film. Ich könnte weiter so aus dem ganzen Buch zitieren und mir fehlen die Worte wiederzugeben was ich gefühlt habe. Ich war wirklich absolut begeistert. Ich habe das Buch irgendwann nicht mehr aus der Hand legen können, so wie man einen spannenden Film auch nicht abschaltet wenn es gerade spannend wird.

Fazit
Dieses Buch muss begeistern. Ein absolut grandioses Debüt. Wenn ich mir vorstelle, dass der gute Herr Hobbs jünger ist als ich und solche Bilder in meinem Kopf gemalt hat: Er verdient meinen absoluten Respekt. Ein absolutes LESEMUSS. Wer es noch nicht getan hat sollte es schnellstmöglich lesen!!!

5 von 5 möglichen Punkten!





Über den Autor
Roger Hobbs ist z. Zt. 24 Jahre alt und hat die Rohfassung seines ersten Romans "Ghostman" bereits fertiggestellt, als er noch zum College ging. 2011 schloss er sein Studium am Reed College erfolgreich ab. Derzeit schreibt er an der Fortsetzung seines Romans. Außerdem hat ihn Warner Bros. für ein weiteres Projekt als Drehbuchautor verpflichtet. Roger Hobbs lebt in Portland, Oregon. (Quelle)

© Linda Niemann, flyingwords.de

Samstag, 19. Oktober 2013

Rezension zu "Wen der Rabe ruft" von Maggie Stiefvater



Verlag: script5 (Oktober 2013)
Originaltitel: The Raven Boys
Übersetzer: Jessika Komina & Sandra Knuffinke
Reihe: Band 1/4
Ausführung: Hardcover/SU, 464 S.
ISBN: 978-3839001530
18,95 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: script5 Verlag


Das Thema
Blue lebt mit ihrer Mutter und deren besten Freundinnen in der Kleinstadt Henrietta. Ihren Lebensunterhalt verdienen sich die Frauen mit Weissagungen. Diese sind, lt. Blues Mutter, zwar korrekt, aber nie konkret - also Auslegungssache. Blue selbst hat keine hellseherischen Fähigkeiten, sie verstärkt nur die Fähigkeiten ihrer Mutter, soll also bei den Kundengesprächen meistens dabei sein. Bis sie eines Abends dann eben doch den Geist eines Jungen sieht. Der Junge ist ausgerechnet von der elitärsten Schule Henriettas und gehört zu den Raven Boys, einer Gruppe Jugendlicher, von denen Blue sich generell fern hält. Aber kann sie dem Jungen wirklich verschweigen, was es bedeutet, dass sie seinen Geist gesehen hat? Dass er innerhalb eines Jahres sterben wird?

Die Rezension

Der Anfang: Blue Sargent wusste mittlerweile schon gar nicht mehr, wie oft ihr gesagt worden war, dass sie ihrer wahren Liebe den Tod bringen würde.

Für viele Leser ist Maggie Stiefvater ein Garant für gute Bücher und beeindruckende Geschichten. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Der Autorin gelingt es immer wieder selbst kommerziellen Geschichten ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Sie schreibt Fantasybücher, die so natürlich wirken, als besäßen sie keine Fantasyelement. Nicht alles ist neu, und muss es auch nicht sein, aber vieles ist anderes. Ihr neuestes Buch "Wen der Rabe ruft", der Beginn einer vierteiligen Reihe, ist wieder schlecht in eine Schublade zu stecken. Schon der Klappentext macht es einem schwer zu erfassen, mit was man es in der Geschichte genau zu tun hat. Gut so! Denn auch hier hält man wieder ein Buch in Händen, das einen ganz eigenen Stil besitzt und einprägsam zu fesseln weiß.

Ein Buch lebt von seiner Sprache, eine gute Story kann durch einen langweiligen und einfallslosen Satzbau schnell zu einer weniger guten Story werden. Der Stil von "Wen der Rabe ruft" kann geradezu als ungewöhnlich beschrieben werden. Er ist sehr schön, wieder perfekt übersetzt, weicht dabei aber auch etwas von der Norm ab. Manchmal ist die Satzstellung ungewöhnlich und die Sprache wirkt hochtönender als in vielen All Age-Büchern. Nachdem man sich im Buch und mit den Charakteren zurechtgefunden hat, ist es gerade dieser Stil, der ungemein fasziniert.

Die Bäume wurden immer höher, manche von ihnen waren zu regelrechten Festungen zusammengewachsen, riesenhaft und mit spitzen Türmchen bewehrt. Hoch über ihnen schwebten die Kronen, rauschend und Ehrfurcht gebietend. Alles war grün, grün, grün. - S. 252

Ein weitere Pluspunkt sind die Charaktere in "Wen der Rabe ruft". Die Erzählperspektive wechselt meist in jedem Kapitel. Anfangs benötigt man etwas Zeit um alle Beziehungen untereinander zu erfassen (Blues Beziehung zu ihrer Familie, sowie die Beziehungen der vier Raven Boys untereinander). Danach wird das Lesen ganz natürlich und die einzelnen Sichtweisen sind sehr spannend.
In den meisten Büchern gibt es ein eindeutiges Lovestory-Paar. Hier nicht. Die Meinung, die man sich anfangs bildet, kann man nach ein paar Kapiteln sofort wieder revidieren. Und bis zum Ende ist nicht ganz klar, wie sich dieser Punkt entwickelt. Die Handlung kommt komplett ohne das übliche Lovestory-Klischee aus.
Jeder Charakter ist äußerst vereinnahmend gestaltet, einige Schicksale berühren sehr und sind zutiefst konfliktbelastet. Weil die Geschichte eine vierteile Reihe wird, könnte man davon ausgehen, dass die Autorin in jedem Buch einen der vier Raven Boys thematisiert. Der Storyverlauf, sowie einige Wendungen sprechen aber dagegen. Man darf gespannt auf die Folgebücher sein.

"Wen der Rabe ruft" wirkt insgesamt sehr ruhig aber mitreißend und ungewöhnlich. Die Geschichte fasziniert! Richtig kategorisieren kann man die Handlung nicht. Vielleicht als eine Art schaurig spannende Schnitzeljagd mit Thrillerelementen? Stellenweise wird es ganz schön spooky und gruselig, einfach "wie nicht von dieser Welt". Trotzdem liest sich auch diese Story echt, nicht wie ein Fantasybuch, obwohl es eindeutig eines ist. Diese Tatsache ist eine Kunst von Maggie Stiefvater und in dieser Weise selten zu finden.
Ein paar Szenen sind tatsächlich mysteriös und zum Fürchten, manche etwas eigentümlich-wunderlich und bei anderen fallen einem fast die Augen aus dem Kopf. Besonders eine Wendung verspricht Spannung pur.

Am Ende könnte man diesen Teil als abgeschlossenes Buch betrachten. Natürlich ist nicht alles aufgelöst, Grund- und Nebenthema sind nicht beendet. Auf fiese Cliffhanger und eine abgebrochene Geschichte verzichtet die Autorin aber komplett. Umso mehr wird man die Folgebände dick auf die Musst-Read-Liste schreiben!

Das persönliche Fazit
Die Wahrheit ist ganz einfach: Auf diesem Buch steht Maggie Stiefvater drauf und darum musste ich es lesen! Alle ihrer bisherigen Bücher waren für mich Top-Titel, ebenso dieses! Dem Ruf des Raben sollten interessierte Leser unbedingt folgen, das Buch ist etwas Besonderes und weit entfernt von Standard-Geschichten. Jeder, der ansehnlich ausgearbeitete Charaktere liebt und so manche Gänsehaut nicht scheut, liegt hier goldrichtig. "Wen der Rabe ruft" ist wieder einmal anders, wieder einmal total atmosphärisch und wieder einmal faszinierend. 5 Sterne!


Aufmachung: 5 / 5
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Raven Boys-Tetralogie:

Band 1 - Wen der Rabe ruft
Band 4 - ET voraussichtlich 2016



Donnerstag, 17. Oktober 2013

Rezension zu "Dark Angels' Winter: Die Erfüllung" von Kristy & Tabita Lee Spencer



Verlag: Arena (September 2013)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 3/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 728 S.
ISBN: 978-3401067865
19,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


Das Thema/Klappentext
Der eisige Winter hat Whistling Wing fest im Griff, unaufhaltsam nähert sich der Tag, an dem sich das Böse den Weg auf die Erde bahnt. Es ist an Dawna und Indie, dies zu verhindern, doch die Vorbereitung auf ihre Aufgabe bringt die Schwestern an ihre Grenzen. Sie brauchen Verbündete, aber auf wen können sie am Ende wirklich zählen? Werden die Wölfe an ihrer Seite kämpfen? Und wird Indies große Liebe Gabe sich gegen die dunklen Engel stellen?
Fast zu spät erkennen die Schwestern, dass sie Teil eines gewaltigen, jahrtausendealten Plans sind, der nur ein Ziel hat: die Vernichtung der Menschheit ... (Quelle)

Die Rezension

Der Anfang: Der Morgen ist kalt und klar. Nichts ist zu hören, nur der Stoff ihres langen Rocks, der über den Schnee schleift, das Knirschen ihrer dicken Stiefel und ihr Herzschlag.

Endlich hält man ihn in den Händen, den dritten und zugleich Abschlussband der Dark Angels'-Trilogie. Aber war die Reihe nicht ursprünglich als Vierteiler angelegt? Kommt nach Sommer, Herbst und Winter nicht noch der Frühling? Alles richtig. Der Abschlussband vereint zwei Jahreszeiten in einem Band. Das Buch ist somit unterteilt in "Dark Angels' Winter" und 400 Seiten später beginnt dann "Dark Angels' Spring". Das hat den Vorteil, dass nach dem (Zwischen-)Ende des Winterteils sofort der Frühlingsteil mit dem eigentlichen Abschluss folgt. Folglich ist das Buch auch sehr umfangreich - und wird seinen Vorgängern dieser wunderbaren deutschen Reihe komplett gerecht!

Dawna und Indie, die beiden toughen (obertoughen!) Schwestern stehen vor der fast unlösbaren Aufgabe eine Prophezeiung zu erfüllen, die sie noch immer nicht vollständig verstehen. Und obwohl sie sich nach Kräften bemühen, ihre Bestimmung zu erfüllen, erleben sie Rückschläge und Gefahren am laufenden Band. Gegen Ende scheint die Situation dann so ausweglos, dass ein positiver Abschluss sich nicht einmal andeutet.
"Dark Angels' Winter" ist noch ein ganzes Stückchen düsterer als seine Vorgänger. Selbst Indies lustige und freche Sprüche haben hier abgenommen (sind aber zum Glück noch ausreichend vorhanden!). Man spürt die Sorge und eine gewisse Verzweiflung, die auf den Schwestern lastet. Vieles, das man in den Vorgängerbüchern noch belächelt hat und als witziges Gimmick gesehen hat (Stichwort Engelsseminar!) ist spätestens mit dem Abschlussband bitterer Ernst geworden. Trotzdem wird auch diese Geschichte erst durch Dawna und Indie lebendig. Beide Schwestern sind Spitzencharaktere, die den Büchern, trotz Fantasygenre, eine gewisse Authentizität verleihen.

Das Fenster geht auf, die kalte Luft fällt auf mich herunter und schließt mich in eine eisige Blase. Trotz dieser Kälte wird mir siedend heiß, denn ein paar schwarze Federn schweben um mich herum zu Boden. Im nächsten Augenblick springt jemand mit einem Satz durch die Dachluke und ich fahre mit einem Satz vom Bett hoch. - Indie, S. 46

Die Dark Angels'-Reihe ist komplett im Präsens erzählt und die vielen, zum Teil recht kurzen, Kapitel werden jeweils abwechselnd in der Ich-Form von Dawna und Indie wiedergegeben. Neben wenigen Ruhephasen ist die Handlung vor allem eines, spannend! Somit bleibt hier alles beim Alten, jedoch ist dieses Buch voller Überraschungen und Wendungen, die die Geschichte zu einem Spießrutenlauf zwischen Hoffen und Bangen machen - und das ist durchweg positiv gemeint. Bei vielen Dingen kann man sich einfach nie komplett sicher sein und knobelt gerne, wie einzelne Handlungen zusammenhängen. Einige Wendungen sorgen für komplette Verblüffung.
Im Gegensatz zum früheren Hauptschauplatz Whistling Wing wechseln in "Dark Angels' Winter die Schauplätze manchmal an komplett andere, teils entfernte Orte. Das sorgt für Vielseitigkeit und wunderbare Abwechslung in der Geschichte.

Für etwas Zwiespalt könnte(n) die Lovestory(s) der Geschichte sorgen. Hätten diese nicht noch etwas mehr in den Vordergrund gerückt und deutlicher ausgearbeitet werden können? Nicht unbedingt. Denn die Geschichte kommt über weite Strecken komplett ohne Lovestory aus. Man vermisst diese auch nicht, die Handlung bleibt immer spannend und mysteriös. Wurde in den Vorgängern jeweils mehr Gewichtung auf Indies Beziehung gelegt, ist sie hier eindeutig auf Augenhöhe mit ihrer Schwester Dawna. Beide Lovestorys sind wunderbar kribbelig und auf ihre Art romantisch.

Sie hätte es damals schon tun sollen. Mit dem Tod des Mädchens wäre alles zerstört gewesen. Kein Mädchen, kein Tor, kein Kampf zwischen Gut und Böse. - S. 505

Der Fantasyanteil ist in allen Büchern sehr hoch, nicht versteckt, sondern offensichtlich. "Dark Angels' Winter" greift hier noch mal in die Vollen. Viele vorkommende Charaktere der Geschichte sind Fantasylesern bekannt, wurden aber so gut "verkleidet", dass man sie nicht sofort assoziiert und bei mancher Auflösung dann wirklich überrascht ist.
Im großen Schluss-Showdown (man kann es gar nicht anders nennen) geht es so heftig zur Sache, dass die Buchseiten brennen. Too much? Nein, nicht nach der ganzen vorangegangenen Geschichte! Jede, wirklich jede kleine Frage wird beantwortet und eventuelle Ungereimtheiten sind geklärt. Mann schließt das Buch mit dem Gefühl, eine ganz große Geschichte gelesen zu haben, bei der der Abschiedsschmerz nur folgerichtig ist. Schön war's!

Das persönliche Fazit
Ja, ich bin ein Dark Angels'-Fangirl! Die Reihe hat für mich alles, was eine Urban Fantasy-Reihe haben muss. Geniale Protas (noch mal - ich liebe Indie und Dawna!), kribbelige Lovestorys, eine perfekt überlegte und spannende Handlung und einen Epos-gleichen Schluss. Es gab viel zu knobeln und viel zu staunen. Und obwohl das gewählte Fantasy-Thema und manche Protagonisten darin vielen bekannt sein dürften, ist die Umsetzung doch etwas ganze Besonderes. "Dark Angels' Winter: Die Erfüllung" erfüllte dann meine Erwartungen komplett und bringt im zweiten Teil "Dark Angels' Spring" den Abschluss und eine vollständige Auflösung. So mag ich das! Dawna und Indie, ihr fehlt mir jetzt schon. 5 Sterne sind für euch!

Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de




Reiheninfo Dark Angels'-Trilogie:
3. Dark Angels' Winter: Die Erfüllung

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Buchzugänge vs. Buchabgänge im September 2013

Der Herbst, besonders der September, ist ja bekanntlich die Jahreszeit der Neuerscheinungen. Entscheidet man sich ganz gewissenhaft (was nicht immer gelingt!) dann hat man's im Griff. Ansonsten könnte man von der Bücherflut regelrecht überschwemmt - oder weggeschwemmt - werden. Einige Bücher haben es auch in meinen sicheren Hafen geschafft, wo sie hoffentlich nicht lang vor Anker liegen werden. Sieht gar nicht so aus, aber ich befinde mich gerade mal wieder im SuB-Abbau und bin hier tatsächlich auf gutem Weg zu meinem Ziel. Also dann ...

Meine Buchzugänge vom September 2013 - 10 Bücher: 




Ich sehe schon, mit kleinen Ausnahmen gab's fast nur Reihen fürs Buchregal. Godspeed: Die Ankunft (Band 3) und Eve & Caleb: In der gelobten Stadt (Band 2) habe ich mit Favola getauscht. Das Tauschangebot kam genau richtig, Danke, so genial!
Das verbotene Eden: Magda und Ben (Band 3) ist ein Geschenk von Steffi. Wir waren in letzter Zeit öfters reisende Bloggerinnen. Sogar eine Widmung von Thomas Thiemeyer ist drin! Mensch, ich freu mich immer noch. Herzlichen Dank!
Überrascht hat mich Große Ärsche auf kleinen Stühlen, eine Satire über den Alltag einer Kindergarten-Mutter. Ist bereits gelesen und passte (fast) wie die Faust aufs Auge. Ich habe viel gelacht. Mit Ashes: Pechschwarzer Mond (Band 4) habe ich mal wieder eine Reihe abgeschlossen und Die Verschworenen (Band 2) ist eine Musst-Read-Fortsetzung. Außerdem steht Ursula Poznanski drauf! Band 1 war schon wahnsinnig gut.
Geisterblumen ist ein Jugendthriller, der mich durchaus überzeugen konnte. Das Buch konnte nicht mehr mit aufs Originalfoto, es hat schon einen neuen Besitzer. Spannende Unterhaltung verspreche ich mir auch von In einem Boot, das konnte ich in perfektem Zustand bei Tauschticket.de ertauschen. Kleine Sorgen habe ich in Bezug auf Days of Blood and Starlight (Zwischen den Welten, Band 2). Der Vorgänger war genial, aber auch komplex. Ich hoffe, meine Wissenslücken sind nicht allzu groß.
Und zuletzt dann noch Dark Angels Winter: Die Erfüllung (Band 3), eines meiner meist erwarteten Bücher in diesem Jahr. Und ich gebe es zu, ich bin ein Dark Angels-Fangirl! Lese gerade die letzten Seiten, dann ist diese Reihe abgeschlossen.


Buchabgänge - Gelesen habe ich im September 11 Bücher:





Rezensionen und Reviews gibt es zu

September-Highlights gab es mal wieder viele. Legend: Schwelender Sturm und Ashes: Pechschwarzer Mond waren ganz großes Kino! Ersteres sogar mit Lieblingsbuchstatus. Tanz zu den Sternen hat mich sehr fasziniert und auch etwas mitgenommen. Es ging mir sehr nahe, was manche Mädchen auf sich nehmen, um erfolgreich zu sein. Dann (natürlich, wie könnte es anderes sein) City of Lost Souls, gelesen zusammen mit Bücherfreundin Reni. Ich liebe diese Mini-Leserunden und die Welt der Schattenjäger WILL ich einfach lieben! Ebenfalls bestens unterhalten wurde ich von Lockwood & Co.: Die seufzende Wendeltreppe. Das Buch hat mir irre gut gefallen, hier wurden meine Erwartungen sogar übertroffen.
Für mich war kein einziger September-Flop dabei. Ein reiner Wohlfühllesemonat.

Montag, 7. Oktober 2013

Review zu "Vor dem Sommer" von Maggie Stiefvater



script5 (Oktober 2013),
Kindle E-Book/eShort, ca. 16 Druckseiten,
z. Zt. 0,99 € [D]


Diese E-Book-Kurzgeschichte ist ein Appetitmacher auf die Trilogie "Nach dem Sommer, Ruht das Licht, In deinen Augen" von Maggie Stiefvater.

Er war ihre Rettung, und von diesem Tag an sind Sam und Grace für immer verbunden. Vom Schicksal zusammengeführt, sind sie sich ganz nah und zugleich unendlich fern. Denn Sam ist ein Wolf und nur Grace sieht den Mensch in seinen Augen. Seit Jahren hat sie auf ihn gewartet. Nun ist es an ihr, ihn zu retten.
(Text-, Bild- und Zitatquelle: script5 Verlag)


Eines orangebraunen Abends ... - Kindle Pos. 19


Meine Meinung
Sie kann es einfach! Maggie Stiefvater schreibt so schön und bildlich wie immer - und das in einer Kurzgeschichte!

Gerade mal 16 Seiten umfasst die Kurzgeschichte, ist in ca. 10-15 Minuten gelesen. Darum ist "Vor dem Sommer" auch keinesfalls mit einem ausführlichen Buch zu vergleichen. Und trotzdem hat es die Autorin wieder geschafft, mich auf wenigen Seiten zu faszinieren und zu berühren.

Die Geschichte beschreibt ein paar Ereignisse vor der eigentlichen Story in "Nach dem Sommer" (dem ersten Band der Trilogie). Grace erinnert sich an einige Begebenheiten, nachdem sie von Wölfen von einer Schaukel gezerrt, schwer verletzt wurde und trotzdem überlebt hat. Mehr soll hier auch gar nicht vorweggenommen werden.

Ich empfand die Kurzgeschichte als sehr melancholisch, irgendwie traurig. Einige Gefühle, die ich beim Lesen von "Nach dem Sommer" hatte, kamen wieder hoch. Ich war stellenweise wieder seltsam bewegt. Selbst in diesem kurzen Kapitel wird Spannung erzeugt und die Geschichte weiß zu überraschen (besonders eine Szene hätte ich überhaupt nicht erwartet!) Die perfekte Übersetzung aus dem Englischen tut dann noch ihr Übriges. Hier habe ich auch gar nichts anderes erwartet ...

Empfehlen würde ich "Vor dem Sommer" allen, die bereits "Nach dem Sommer" kennen. Man hat dann einfach insgesamt ein etwas besseres Verständnis der Situation. Die Kurzgeschichte endet mitten in einer Szene (nein, es geht danach wirklich nicht weiter - ich habe geblättert ...). Und ja, am liebsten würde ich jetzt wieder die Wölfe von Mercy Falls-Trilogie aus dem Regal nehmen. Schön!!!

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Wölfe von Mercy Falls-Trilogie:
Band 1 - Nach dem Sommer
Band 2 - Ruht das Licht
Band 3 - In deinen Augen

Band 0.5 - Vor dem Sommer

Freitag, 4. Oktober 2013

Review zu "Große Ärsche auf kleinen Stühlen: Eine Kindergartenmutter packt aus!" von Benni-Mama



Fischer Taschenbuch (Oktober 2013),
Taschenbuch, 240 Seiten,
8,99 € [D]


"Elternabend oder Darmspiegelung? Vor die Wahl gestellt würde ich lieber zum Arzt gehen!" Benni-Mama weiß, wovon sie spricht: Intrigen und Korruption, Mobbing und Machtspiele kommen nicht nur unter Managern vor. Wo Jungs- und Mädchenmütter, Erzieher der alten Schule und Kuschelpädagogen sich auf kleinen Stühlen zum Elternabend treffen, um einen Laternenumzug zu organisieren oder den biologisch korrekten Speiseplan zu erörtern, fliegen die Fetzen. Benni-Mama packt aus.
"Die einzig vernünftigen Menschen in einem Kindergarten sind die Kinder." (Cover-, und Textquelle: Fischer Taschenbuch)


Über Benni-Mama
Seit ihr Sohn Ben einen Kindergarten besucht, hat sie keinen Namen mehr. Auch keinen Beruf und keine Hobbys. Sie ist nur noch "Benni-Mama", also die Mutter von Ben. Zumindest für die anderen Eltern … In ihrem eigenen Leben außerhalb des Kindergartens ist Benni-Mama freie Journalistin und Autorin. Die Mutter eines Kindergartenkindes engagiert sich in einer Elterninitiativ-Kita. Auch deshalb schreibt sie unter Pseudonym.


Meine Meinung
Der Kindergarten oder die Kita ist ein Ort mit großem Konfliktpotenzial. Nicht so sehr auf Eltern und Personal bezogen (kommt vor, ist aber zum Glück nicht die Regel), eher die zwischenmenschlichen Probleme mancher Mütter oder Väter sorgen immer wieder für Trubel. Zum Glück sind die Kinder bei dieser Thematik völlig unbedarft. Wer sich nicht mitten ins Schlachtfeld werfen will, hält sich raus oder nimmt es mit Humor. So wie Benni-Mama, die ihre Kita-Lust (oder ist es eher der Frust?) in einem Buch zusammengefasst hat. Allein die Leseprobe hat mir ein Dauergrinsen ins Gesicht gemeißelt, und weil dieses Thema für mich brandaktuell ist, war das Buch für mich ein Lesemuss.

Das Buch startet mit einem kurzen Personenverzeichnis, das die wichtigsten auftauchenden Personen in wenigen Worten charakterisiert. Achtung, Schmunzelalarm! Schon hier wird die eine oder andere LeserIn wissend nicken und folglich ihre Vergleiche zu realen Personen, oder bereits Erlebtem, ziehen. Man kann gar nicht andres. Aber das war ja erst der Anfang ...

In einer schonungslosen und (über)witzigen Art präsentiert die Autorin in ihrem Buch die ganze Palette des Kindergarten-, bzw. Kita-Alltags. Nichts wird ausgelassen. Das startet mit der verzweifelten Suche nach einem Kita-Platz, geht über Kinderkrankheiten, Kinderkochen und Wandertage, bis hin zu richtigen Miseren (Läusen!), der Planung von Kindergartenfesten und schließlich zum immer wiederkehrenden Elternabend.
Manche Dinge sind ganz schön ernst, treffen aber wohl nicht auf alle LeserInnen zu. Trotzdem werden alle mit Humor oder Sarkasmus geschildert. Natürlich ist nahezu jede Situation heillos überzogen, bzw. übertrieben. Jedoch enthalten alle beschriebenen Dinge eben doch ein großes oder kleines Fünkchen Wahrheit. Weil die Autorin mit vielem direkt ins Schwarze trifft, oder man bestimmt Dinge des Kindergartenalltags sofort wiederkennt, fühlte ich mich, als Kindergartenmama, in dieser buchischen Satire direkt gut aufgehoben.

Bei aller Liebe zum Humor musste ich nach einiger Zeit aber feststellen, dass "Große Ärsche auf kleinen Stühlen" mir im gesamten vielleicht doch eine Spur zu lustig war. Geht das denn? Anfangs kam ich aus dem Lachen und Schmunzeln gar nicht mehr heraus. Nehmen die lustigen Szenen aber überhaupt kein Ende stumpft man ab. Der Humor wird regelrecht überlesen. Eine gute Möglichkeit wäre, das Buch nebenher, als Unterhaltungslektüre, zu genießen. Ein bis zwei Kapitel am Tag, und man bekommt den Humor in wohldosierten Portionen.

Fazit
"Große Ärsche auf kleinen Stühlen" hat mit 240 Seiten eine perfekte Schmökerlänge, liest sich gut und flüssig - und eben sehr humorvoll. Zu ernst sollte man diese Thematik auf keinen Fall nehmen. 
Nach Beendigung stellt sich mir allerdings die Frage, was die Autorin genau mit diesem Buch bezwecken möchte. Propagiert sie eine frühe Fremdbetreuung von kleinen Kindern und kreidet die mangelnden Kita-Plätze an? Oder möchte sie Eltern dazu animieren, sich so lange es geht vom "Stressfaktor" Kindergarten fernzuhalten? Sicher ist dabei eines: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Eine gehörige Portion Gelassenheit nimmt vielen lebensbegleitenden Turbulenzen den Wind aus den Segeln. Auch dem Dauerbrennerthema Kindergarten. Kann man das so sehen, dann ist "Große Ärsche auf kleinen Stühlen" für thematisch betroffene LeserInnen das, was es ist - ein humorvoller Satirehappen zum Lachen, Nicken, Abschalten und Genießen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de


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Mittwoch, 2. Oktober 2013

Rezension zu "Geisterblumen" von Michele Jaffe



Verlag: FJB (September 2013)
Originaltitel: Ghost Flower
Übersetzer: Susanne Goga-Klinkenberg
Reihe: -
Ausführung: Hardcover/SU, 496 S.
ISBN: 978-3841421142
16,99 € [D]

Genre: Mystery-/Psychothiller (Jugendthriller)

© Cover- und Zitatrechte: Fischer FJB


Das Thema
Eve hat ein Geheimnis und lebt ständig in Angst vor der Polizei. Das Blatt wendet sich, als sie in der Starbucks Filiale, in der sie arbeitet, von dem Geschwisterpaar Bain und Bridgette angesprochen wird. Eve sieht der verschwundenen Cousine der Geschwister zum Verwechseln ähnlich. Sie machen Eve das Angebot, sich vor der steinreichen Familie als die verschwundene Aurora auszugeben. Damit wollen Bain und Bridgette sich das Erbe der Cousine sichern und Eve großzügig entlohnen. Diese sieht darin eine Chance, fühlt sich aber auch nicht ganz wohl. Eve Gefühl bestätigt sich und bald findet sie sich mitten in einem gruseligen Unglücksfall wieder.

Die Rezension

Der Anfang: Ihr Körper erwacht vor ihrem Geist. Die Luft fühlt sich warm auf ihrer Haut an.

Jugendthriller bieten viel Potenzial. Manche sind heutzutage kaum mehr von den erwachsenen Genrekollegen zu unterscheiden. Michele Jaffes Thriller könnte man wohl in diese Sparte packen. Schon in "Wer schön sein will muss sterben" gelang es der Autorin einen recht unvorhersehbaren Jugendthriller zu schreiben. "Geisterblumen" punktet zusätzlich bei den Charakteren und verblüfft gegen Ende dann richtig.

Im Vergessen war ich ganz groß. Ich war eine professionelle Vergesserin. Mein Gedächtnis scheint geplündert worden zu sein, und zwar nicht mit professioneller Präzision, sondern grob und rücksichtslos. - S. 21

Man könnte bei den Büchern der Autorin den Eindruck gewinnen, dass diese nicht viel Wert auf sympathische Charaktere legt. Das fiel schon bei "Wer schön sein will muss sterben" auf. In "Geisterblumen" ist es ähnlich, wenn nicht sogar schlimmer. Die Charaktere sind nicht sympathisch. Überhaupt nicht. ABER in ihrem neuesten Werk funktioniert das sehr gut. Charaktere in einem Thriller nur nett und freundlich darzustellen würde nicht echt wirken. Michele Jaffe benützt eine gewisse Antipathie gegen ihre Haupt- und Nebencharaktere als zusätzliches Stilmittel. "Geisterblumen" hat somit etwas Trotziges, manchmal Freches inne, das sich durch das ganze Buch zieht.

Wahrscheinlich würde sich niemand auf das Angebot einlassen, eine völlig fremde Person darzustellen, auch wenn man dieser anscheinend zum Verwechseln ähnlich sieht. Das Risiko, dass der Betrug auffliegt, ist einfach zu groß. Niemand kann jemand völlig Fremdes fehlerlos kopieren. Hauptprotagonistin Eve lässt sich trotzdem darauf ein, auch wenn sie Angst hat, dass der Betrug von der Familie durchschaut wird. Natürlich lockt Eve hier auch die versprochene Belohnung, das Geld. Sie beweist erstaunlich viel Biss darin, alles über die verschwundene Aurora zu lernen, um diese perfekt darstellen zu können. Doch eine gewisse Unsicherheit bleibt. Einige Aktionen von Hauptprotagonistin Eve sind nicht sofort nachzuvollziehen und so stellt man sich während des Lesens oft die Frage, was, um Himmles willen, sie jetzt wieder macht?! Erst am Ende wird das Bild gerade gerückt und einige Dinge werden klarer. Dranbleiben lohnt sich also.

"Alles in Ordnung. Ich war nur überrascht", sagte ich und unterdrückte damit Entsetzen, Schuldbewusstsein, Traurigkeit, Kummer, Trauer, Mitgefühl, Verwirrung und ein flüchtiges Bedauern [...]. - S. 378/379

Richtig rasant-spannend wird "Geisterblumen", wie so viele Thriller, dann gegen Schluss. Vor allem in der Mitte kann auch mal eine kleine Leselänge, ja nach Empfinden, auftreten. Sonst herrscht im Roman die ganze Zeit eine eher unterschwellige und auch gruselige Spannung. In die Geschichte wurde einige Mystery-Elemente eingewebt, bei denen man unbedingt wissen möchte, was es damit auf sich hat.
Etwas schwer fällt es, zu manchen Nebenpersonen einen guten Bezug zu bekommen. Diese spielen eine wichtige Rollen, und dafür sieht man sie in der Geschichte zu selten. Wird der Fall aufgelöst, gelingt das leichter, sie ins rechte Bild zu setzten, ein häufigeres Auftauchen hätte aber nicht geschadet.

Die Lösung am Ende verblüfft dann komplett. Sie ist zwar gar nicht abwegig, wird aber vom Leser wahrscheinlich kaum in Erwägung gezogen. Der Roman ist ein Einzelband, folglich wird alles aufgelöst. Bei "Geisterblumen" fällt es einem aber nicht ganz leicht, alle Fäden miteinander zu verknüpfen. Man wird genau aufpassen und überlegen müssen, damit am Ende alle Fragen komplett beantwortet sind.

Das persönliche Fazit
"Geisterblumen" ist ein (Jugend-)Psychothriller bei dem psychologische Spannung sehr gut mit Mystery-Elementen verknüpft wurde. Dadurch war ich ständig am knobeln, wie der ganze Schlamassel um Eve und die verschwundene Aurora nun aufgelöst wird. Charaktere und Story haben mich ganz schön gefordert. Beides ist keineswegs glatt, sondern undurchsichtig und kantig. Der Roman ist recht umfangreich, liest sich dabei aber sehr flüssig. Kleinere Längen im Mittelteil haben mich nicht sonderlich gestört. Die eigentliche Auflösung hat mich dann richtig verblüfft zurückgelassen. Vieles, was man vorher in Frage gestellt hat, ergab plötzlich einen Sinn. Genaues Lesen wird von mir ausdrücklich empfohlen. 4 Sterne.
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de


Weitere Jugendthriller der Autorin bei FJB



Dienstag, 1. Oktober 2013

Review zu "Schattenflügel" von Kathrin Lange



Arena (März 2012),
Klappenbroschur, 281 Seiten,
9,99 € [D]
www.arena-thriller.de


Kim hat sich verliebt. Dass der attraktive Lukas auch ihre ältere Schwester Nina gekannt hat, ahnt sie jedoch nicht. Zwei Jahre ist es her, dass man Nina ermordet aufgefunden hat. Der Mörder hatte ihr eine schillernde Libelle auf das Gesicht gelegt. Seitdem wird Kim jedes Mal schlecht, wenn sie auch nur ein Bild dieses Insekts sieht. Obwohl sie sich zu Lukas hingezogen fühlt, zweifelt Kim immer wieder, ob sie ihm trauen kann. Denn Lukas schweigt über seine Vergangenheit. Da verschwindet erneut ein Mädchen. Man findet sie tot - in ihrer Hand liegt eine zerdrückte Libelle. (Text-, Zitat-, und Bildquelle: Arena Verlag)


[...] gerade so weit hinten, dass Kim sie noch aus dem Augenwinkel sehen konnte, hing eine Tafel mit Insekten. Angestrengt starrte sie auf ihre weißen Knöchel, die aus den verkrampften Handrücken hervortraten. Doch wie magnetisch wurde ihr Blick immer wieder von den schillernden, geflügelten Tieren angezogen. Er wanderte zu der großen grünen Libelle in der Mitte des Bildes. In diesem Moment wurde Kim schlecht. - S. 13


Meine Meinung
Es kommt häufig vor, dass in Büchern der Tod eines geliebten Familienmitglieds thematisiert wird. Gerade (Jugend-)Thriller bieten sich hier besonders gut an. Wie dieser Umstand wahrgenommen wird, ob er gut ausgearbeitet oder nur Mittel zum Zweck ist, liegt im Einfühlungsvermögen des Autors. Auch Kathrin Lange hat dieses Thema in ihren Roman "Schattenflügel" eingebaut. Ihr gelingt das sehr feinfühlig und plausibel. Hauptprotagonistin Kim gewinnt dadurch einiges an Charaktertiefe.

Auch zwei Jahre danach belastet Kim der Tod ihrer Schwester noch sehr. Kleinigkeiten, vor allem der Anblick von harmlosen Libellen, versetzten sie immer noch in eine Art Schockzustand. Weil der Mörder bei Nina eine Libelle hinterlassen hat, bringt Kim diese Tiere immer mit dem Tod ihrer Schwester in Verbindung. Dieser Punkt wird sehr oft erwähnt, erschien mir gerade darum aber besonders plausibel. Ich empfand Kim als eine sehr echte Person.
Kim wirkt sehr verletzlich. Durch ihren "Libellen-Tick" ist sie zum Gespött vieler Schüler geworden, wird von ihnen oft als Freak bezeichnet. Dadurch ist sie zwar oft unsicher, hat aber auch etwas trotzig-bockiges. Sie schluckt nicht jeden Angriff hinunter, sondern weiß sich mit Worten zu wehren. Als sie Lukas kennenlernt, fällt es ihr sehr schwer Vertrauen zu fassen.

Das Sahnehäubchen der Geschichte war für mich Lukas. Mit ihm ist der Autorin ein wirklich toller Charakter gelungen. Man kann ihn sich optisch perfekt vorstellen, die Beschreibungen wirken aber nicht ausgelutscht oder aufdringlich. Lukas kommt im Buch sexy und etwas düster rüber. Kitsch fehlt dabei vollständig (Danke!). Er ist sehr freundlich, ohne dass man ihn komplett einschätzen kann. Etwas scheint er zu verbergen, denn auch wenn er sehr nett ist, wirkt er oft unnahbar. Gerade wenn man meint, man hat Lukas durchschaut, kommen einem wieder Zweifel. Das trägt sehr zu einer gewissen Grundspannung im Buch bei.

Da man Ninas Mörder nie gefunden hat, ist "Schattenflügel" auf der Lösung dieses Aspekts aufgebaut. Ein rätselhaftes Gedicht sorgt für Gänsehaut und eine spannende Suche nach Antworten. Obwohl die Spannung in der Geschichte die meiste Zeit eher unterschwellig ist, hat das Buch keine Längen. Das Lesen macht großen Spaß und gegen Schluss kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Routinierte (Thriller)-Leser können mit des Rätsels Lösung wahrscheinlich nicht allzu lange hinters Licht geführt werden. Hier sind die Möglichkeiten einfach begrenzt. Trotzdem ist "Schattenflügel" sehr gut geschrieben und gehört für mich zu den besonders attraktiven Arena Thrillern. Mein Tipp: Möglichst nicht den Klappentext lesen (oder schnell wieder vergessen). Die Grundspannung im Buch wird so noch etwas gesteigert. 

Fazit
Es sind nicht immer viele Überraschungsmomente nötig, um wunderbar spannende Lesemomente zu erleben. "Schattenflügel" ist hierfür wohl ein passendes Beispiel. Die Geschichte ist toll aufgebaut, Kim als Hauptcharakter sehr passend gewählt. Am besten gefiel mir Lukas, dessen Art man sonst häufig nur in Bad Boy-Storys oder Paranomal-Lovestorys findet. Auch er wurde von der Autorin sehr gut charakterisiert, ohne dass man ihn während der Handlung schon komplett einschätzen kann. "Schattenflügel" ist sehr empfehlenswert, Jugendthrillerleser können bedenkenlos zugreifen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de


Weitere Arena Thriller der Autorin: