Donnerstag, 28. Februar 2013

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel



Fischer (August 2000 - vergriffen),
Carlsen (1998),
Taschenbuch, 480 Seiten,
8,95 € [D]


Der siebzehnjährige Phil ist auf der Suche. So wenig er über seine Vergangenheit weiß, so chaotisch ist seine Gegenwart. Da ist zum Beispiel seine Mutter Glass mit ihren ständig wechselnden Liebhabern. Oder seine Zwillingsschwester Dianne, schroff und eigenwillig, mit Geheimnissen, die sie längst nicht mehr mit Phil teilt. Oder Annie, die verrückte Alte mit den roten Schuhen, die sich ausschließlich von Kirschlikör zu ernähren scheint und Nicholas, der Unerreichbare, in den sich Phil unsterblich verliebt hat. Phil sehnt sich nach Orientierung und Perspektiven. Und vor allem danach, mehr über sich selbst zu erfahren ... (Text- und Bildquelle: Carlsen Verlag)


Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. [...] Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer. - S. 459


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. So kurz nach dem Lesen kann ich gar nicht richtig in Worte fassen, wie ich das Buch beschreiben soll. Es ging sehr tief, und ich denke viel an Phil, seine Liebe zu Nicolas, seine zurückgezogene Zwillingsschwester Dianne und ihre chaotisch-selbstbewusste Mutter Glass. Im Allgemeinen lässt sich das Buch wohl als Drama oder Orientierungsbuch beschreiben. Einduck wird es auf Erwachsene und Jugendliche machen.
  2. Andreas Steinhöfel beschränkt sich in seinem Buch komplett auf die Geschichte von Glass und ihren zwei Kindern Phil und Dianne. So weiß man zum Beispiel nicht, in welcher Stadt die Geschichte spielt, nur dass Glass kurz vor der Geburt der Kinder, und ohne Mann, Amerika verlassen hat und nach Deutschland (??) ausgewandert ist. Seitdem wohnt die Familie in einer alten Villa am Stadtrand. Hier spielt sich die ganze Geschichte ab, die Phil im Ich-Stil erzählt. Die Erzählung hat eine Präsens-Handlungsstrang im Jetzt und viele Rückblenden im Präteritum. Am Ende des Buches hat man vom Leben der Familie ein recht umfassendes Bild.
  3. Die Hauptperson ist aber Phil. Er ist, seit er zurückdenken kann, schwul, erzählt von seiner Kindheit und dem frühen Jugendalter und hat nun, mit 17, die erste verliebte Beziehung zu einem anderen Jungen. Phil ist ein sehr sensibler Charakter. Oft tat er mir, oder die Umstände, in denen er sich befand, sehr leid. Trotzdem ist Phil ein Kämpfer, er ist nicht auf den Mund gefallen, lebt sein Leben und trifft sehr reife Entscheidungen, die mich oft überrascht haben.
  4. Oberflächlich betrachtet könnte man die kleine Familie als komplett verkorkst halten. Das liegt an der (scheinbar) verrückten und sorglosen Mutter Glass. Sie hat eine regen Männerverschleiß, führt darüber sogar eine Liste und schert sich nicht groß darum, was die Menschen in der Stadt von ihr und ihren Kindern denken. Durch die Mutter haben die Kinder eine ständige Außenseiterrolle. Besonders Phils Zwillingsschwester Dianne scheint sehr darunter zu leiden. Bei ihr hat man ständig das Gefühl, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Im Grunde hat aber gerade Glass sehr tiefe Gefühle für ihre Kinder und sorgt sich um sie, nur ist ihre Art, diese zu zeigen etwas ... ungewöhnlich. Glass war mir anfangs sehr suspekt, am Ende hatte sie meinen ehrlichen Respekt.
  5. "Die Mitte der Welt" ist ein außergewöhnliches (gutes!) Buch. Es ist durch viele lyrische Betrachtungsweisen der Dinge nicht längenfrei und enthält viele Rückblenden und Gedanken des Hauptprotagonisten Phil. Er war mein kleiner Held der Geschichte! Auch das Ende stellt zufrieden und passt perfekt. 

5 Adjektive, die mir spontan zu diesem Buch einfallen

lyrisch, tiefgreifend, anspruchsvoll, herzergreifend und bemerkenswert


Zusammengefasst vom Fazitbär
"Die Mitte der Welt" ist ein anspruchsvolles und meisterhaftes Buch, in das man beim Lesen vollkommen versinken kann, auf das man sich aber auch komplett einlassen muss. Die vielen positiven und begeisterten Meinungen haben einen berechtigten Grund. Der Klappentext auf meinem Exemplar könnte es nicht besser beschreiben - "Ein packender, kunstvoll geschriebener Roman über das Leben eines Heranwachsenden, der Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen begeistert."


© Damaris liest.

Montag, 25. Februar 2013

Review zu "Rock Me" von Cherrie Lynn



Samhain Publishing (Mai 2010),
Kindle E-Book, ca. 278 Druckseiten,
Sprache: Englisch,
z. Zt. 2,97 € [D]


Candace Andrews has had enough of pleasing others. In an act of birthday rebellion, she sets out to please herself - by walking into the tattoo parlor owned by her cousin's ex-boyfriend. All she wants is a little ink, and Brian's just the guy to give it to her.
As soon as she submits to his masterful hands, though, the forbidden attraction she's always felt for him resurfaces … and she realizes the devilishly sexy artist could give her so much more.

Sweet, innocent Candace is the last person Brian expected to see again. She's everything he's not, and her family despises him. He doesn't need the hassle, but he needs her, and this time no one is taking her away. Not even those who threaten to make his life a living hell.

Backed into a corner, Candace faces the worst kind of choice. Cave in to those who think Brian is a living nightmare … or hold her ground and risk it all for the one man who rocks her world.

Warning: This book contains explicit sex, naughty language, tattoos aplenty, family drama, a hot rock concert … and a bad boy hero who's pierced in all the right places. (Bild- und Textquelle: Amazon.de)

Englisches Sprachniveau: Kein Jugendbuch (ab 18!) jedoch mit gutem Schulenglisch einfach und flüssig zu lesen. Für gewisse Szenen werden ein paar "Spezialvokabeln" benötigt. Diese hat man aber sehr schnell intus. Bei manchen unbekannten Wörtern, ich spreche hier speziell den Bereich Piercing an, hilft die Goolge Bildersuche ;-)


Their plan had been not to call this a date, but God, he wanted to. He wanted to run straight to her side, wrap his arm around her shoulders and introduce her to his friends as his. His date, his woman, his girlfriend ... hell, whatever title she would allow him to put on her. - S. 167, Kindle 58%


Meine Meinung
Candace, 23 Jahre jung, ist ihr ganzes Leben sehr behütet aufgewachsen. Sogar jetzt, in der eigenen Wohnung, haben ihre Eltern immer ein strenges und wachsames Auge auf sie. In einem Anflug von Übermut, oder "Geburtstags-Rebellion", marschiert sie (bewusst) in das Tattoo Studio von Brian, dem Ex-Freund ihrer Cousine, um sich ein Tattoo stechen zu lassen. Der Anfang ist gemacht, und Brian und Candace verlieben sich ineinander. Kompliziert wird das Ganze, weil Candace' Eltern Rebell Brian komplett verachten. Auch in Brians Familie ist er der Exot. Trotzdem beginnen die beiden eine leidenschaftliche Beziehung, natürlich mit Rückschlägen und Hindernissen. 

Irgendwie funktionieren sie meistens, diese Bad Boy-Lovestorys. "Rock Me" gehört auch dazu! Ausdruck und Wortwahl ähneln in Ansätzen "Beautiful Disaster", auch hier wird geflucht, was das Zeug hält und Sätze, Fragen sowie Statements gerne mal mit dem F-Wort (Fuck!), der Hölle (Hell, no!) oder dem Allmächtigen (God!) unterlegt. Dabei ist die Geschichte humorvoll, wie aus dem Leben gegriffen und funktioniert, trotz gängiger Klischees, wunderbar. Sie hat einige schöne Szenen für Rockfans, wie die Einbeziehung von Bands und Songtiteln und den Besuch eines Festivals, sowie einen männlichen Prota, der nun mal sexy as hell ist!

Dabei kann die weibliche Hauptprota Candace teilweise leicht nerven, aber es bleibt immer im Rahmen. Ich hatte wieder den Eindruck, dass hier der "Englisch-Bonus" zum tragen kommt. Naivität, Kitsch oder Klischees stören mich auf Englisch nie so sehr, als würde ich die Geschichte in meiner Muttersprache lesen. Das soll aber nicht heißen, dass es in der Geschichte besonders kitschig zugeht. Nein, überhaupt nicht. Einzig das große Klischee "23-jährige Jungfrau trifft auf erfahrenen 28-jährigen Bad Boy und wird sofort zum Betthäschen" ließ mich leicht mit den Augen rollen. Aber was soll's. Spaß machte die Story definitiv!
Brian verkörpert zwar den tätowierten und gepiercten sexy Bad Boy-Typ, der bei seiner eigenen und Candace' versnobten Familie des Öfteren aneggt, ist aber mit seinen 28-jähren dem unreifen Jugendalter schon lange entwachsen. Er hat genaue Vorstellungen und Pläne für sein Leben. Seine liebevolle, teils verzweifelte, Art mit Candace ist super. Erwähnen möchte ich noch, dass mir die wechselnden Perspektive von Candace u. Brian SEHR gut gefallen haben. Man bekommt so den besten Eindruck, wie es den Protas gerade geht und was sie fühlen.

Der Erotikanteil ist beträchtlich, nicht umschreibend und stellenweise explizit. Aber IMMER ansprechend, nicht derbe, und sehr sexy beschrieben. Da war ich doch teilweise wirklich überrascht, wenn eine Erotikszene, die über 2-3 Kapitel ging, gleich noch ein weiteres Kapitel fortgeführt wurde. Ups! Die Autorin bringt diese Szenen aber so geschickt in der Handlung unter, dass sie den Storyverlauf nicht "stören" oder komplett ablösen.

Natürlich gibt es auch bei "Rock Me" das obligatorische Hin und Her, Auf und Ab, Für und Wider, bis sich Candace und Brian sorgenfrei in den Armen (oder besser -  im Bett) liegen. Ich denke man kann hier, ohne bewusst zu spoilern, verraten, dass "Rock Me" ein süßes Happy End-Buch ist. Aber genau das erwarte ich bei dieser Art von Büchern auch.

"I just want to know I'll see your face at least once every day. That's my one requirement. I need my sunshine." - Brian, S. 261, Kindle 92%


Fazit
Uiuiui, "Rock Me" rockte mal richtig. Viel gibt es dazu gar nicht zu sagen. Die Story ist einfach, ansprechend, sexy und sehr heiß. Wer Bad Boy-Lovestorys mag, sich an manchen Klischees nicht stört und viel Spaß beim Lesen (mit a lot of kribbeligen Momenten) haben will, der kann direkt den 1-Click-Button für den Kindle betätigen oder sich das Buch als Taschenbuch bestellen. Friggin' unbelievable sexy and Hot'n'Sweet!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Freitag, 22. Februar 2013

Die Schattenwege März-Aktion: Auf die Reihe, fertig, los!

Fast wöchentlich veranstalten Blogger und (Buch-)Seitenbesitzer tolle neue Aktionen rund um unser Lieblingsthema Buch. Oft fällt es mir schwer, mich zurückzuhalten, einfach, weil man zu viele Aktionen gar nicht stemmen kann oder diese dann in Stress ausarten. Und das soll ja nicht sein. Bei zwei Buch-Challenges habe ich mich schon mitreißen lassen. Jetzt habe ich bei der Schattenkämpferin, bzw. auf ihrer Seite Schattenwege eine schöne März-Aktion entdeckt, bei der ich mich anschließen möchte. Ganz ohne Stress, nur um des gemeinsamen Lesens willens. Konkret geht es den Buchreihen an den Kragen, denn die Aktion heißt "Auf die Reihe, fertig, los!



>Klick< auf das Bild für alle Infos auf den Schattenwegen


Diese Aktion tut meinem SuB gut. Es geht, wie der Name schon verrät, darum, im März Bücher einer Reihe oder auch gerne eine komplette Buchreihe zu lesen. Regeln gibt es dabei keine, bis aus die, dass man vor der Aktion festlegt, welche Bücher man lesen möchte. Alle Genres sind erlaubt, es sollen/müssen nur Bücher einer Reihe, Trilogie, Dilogie, usw. sein. Es ist auch nicht zwingend notwendig, die Bücher zu rezensieren. Vordergründig geht es hier um den Lesespaß und auch etwas um den SuB-Abbau, da die meisten von uns ganz sicher Reihenbücher auf ihrem Stapel haben.

Natürlich lese ich sowieso schon jeden Monat Reihenbücher. Bei so vielen angefangen und neuen Buchserien geht das auch gar nicht anders. Den kompletten März möchte ich mir nicht verplanen, da ich auch noch die beiden Challenges bedienen "muss", an denen ich teilnehme. Darum habe ich mich für die Aktion für eine Trilogie entschieden, die komplett auf meinem SuB schlummert. Das ist jetzt die beste Gelegenheit endlich diese Bücher zu lesen: Die Arkadien-Trilogie von Kai Meyer.
  • Band 1 "Arkadien erwacht"
  • Band 2 "Arkadien brennt"
  • Band 3 "Arkadien fällt"



Angesprochen hat mich die Reihe schon immer. Im Laufe des letzten Jahres konnte ich alle Bücher ertauschen. Band 1 bei einer Bücherfreundin und Band 2 und 3 bei Tauschticket.de.

Weiter Möglichkeiten für die Aktion wären
  • "Dark Destiny" von Jennifer Benkau (Teil 2 der Dark Canopy-Dilogie)
  • "City of Lost Souls" von Cassandra Clare (Teil 5 der Chroniken der Unterwelt-Hexalogie)



Diese beiden Bücher lasse ich mir aber noch offen, denn sie liegen noch nicht auf meinem SuB. Sie sind vorbestellt und ich habe noch keinen genauen Liefertermin. Festlegen möchte ich für die "Auf die Reihe, fertig, los!"-Aktion nur die Arkadien-Trilogie.


Falls sich der ein oder andere Leser jetzt von dieser März-Aktion angesprochen fühlt, HIER gibt es noch mal alle Infos. Die Schattenkämpferin freut sich über jede Teilnahme und jeden Mitleser. Gemeinsam liest es sich doch (meistens) am schönsten!

Freitag, 15. Februar 2013

Review zu "Wie ein unsichtbares Band" von Inés Garland



Fischer KJB (Februar 2013),
Hardcover, 256 Seiten,
14,99 € [D]


Eine Kindheits- und Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der aufkommenden Militärdiktatur in Argentinien, die zu Tränen rührt.

Alma verbringt mit ihren Eltern jedes Wochenende auf einer Insel im Flussdelta in der Nähe von Buenos Aires. Die Nachbarskinder Carmen und Marito werden zu ihren Spielgefährten und Freunden. Auf der Insel ist die Welt in Ordnung, soziale Unterschiede scheinen keine Rolle zu spielen. Als Almas Eltern merken, dass ihre Tochter mehr als Freundschaft für Marito empfindet, verbieten sie ihr den Umgang. Doch da ist Alma schon längst mit Marito zusammen … (Text- und Bildquelle, sowie Zitatrechte: Fischer KJB)



"Ich will das Beste sein, was dir je passiert ist." Er verflocht seine Finger mit meinen. - S. 146


Meine Meinung
In einem hat der Klappentext des Verlags vollkommen recht, "Wie ein unsichtbares Band" ist eine wunderschöne und bewegende Geschichte! Trotzdem fällt es mir hier wirklich schwer, mich in meiner Meinung festzulegen. Im Grunde ist das Buch nämlich wunderbar. Ich bin komplett in die Geschichte abgetaucht und war sehr berührt. Aber gerade das Ende lässt mich zwiegespalten zurück. Das mag daran liegen, dass die Ereignisse in Argentinien, um 1976, nicht zu den Dingen des Weltgeschehens gehören, bei denen ich mich gut auskenne und es auch im Buch dazu keine weiterführenden Informationen gibt. Zum Glück gibt es am Ende eine Anmerkung des Verlags, dadurch wird vieles klarer. Und dennoch ist es nicht einfach. Aber von vorne ...

Das argentinische Mädchen Alma erzählt die Geschichte in der Ich-Form. Man erfährt, dass sie aus einer Familie stammt, die recht wohlhabend ist. Unter der Woche wohnt die Familie in einer Wohnung in Buenos Aires und Alma geht auf eine katholische Privatschule. Am Wochenende fährt sie mit ihren Eltern auf eine kleine Insel, mitten im Fluss, wo die Familie ein Wochenendhaus hat. Dort freundet sich Alma, ab ihrer Kindheit, mit den Nachbarskindern Carmen und Marito an, die dauerhaft auf der Insel leben und aus ärmeren Verhältnissen stammen. Die drei Kinder werden beste Freund und während ihrer Kindheit spielen die sozialen Unterschiede noch keine große Rolle. Als Jugendliche verliebt sich Alma nicht nur in Marito, sie muss auch feststellen, dass es nun sehr wohl unterschiedliche Interessen und auch Vorurteile zwischen den Familien gibt. Es entstehen ständige Spannungen.

"Wie ein unsichtbares Band" hat eine sehr (be)ruhige(nde), fast schon poetische Sprache. Inés Garland bringt die Gefühle ihrer Hauptprotagonistin Alma so gut zum Ausdruck, dass sie auf mich sehr echt wirkte. Vor allem in Konfliktsituationen konnte ich ihr Handeln immer nachvollziehen. Manche Spannungen, auf die sozialen Unterschiede bezogen, sind richtiggehend greifbar, vor allem auch dann, wenn Alma und Marito ihrer Gefühle füreinander entdecken. Alma wird in der Geschichte eindeutig die wichtigste Rolle zuteil. Für die Kürze des Buches sind auch Carmen und Marito gut dargestellt. Ihre Freuden, Sorgen und Nöte kommen beim Leser an. Da aber Alma die komplette Handlung erzählt, sind diese nicht so deutlich wie bei Alma selbst.
Durch die schöne Sprache kommt man bald in einen bewegenden Lesefluss. Alma erzählt die Geschichte in der Vergangenheitsform, doch ist ein Kapitel im Präsens geschrieben. Ebenso der Epilog. War mir den Sinn beim Epilog noch klar, wirkt der Wechsel der Zeitform ansonsten willkürlich - hat aber was!

Schon mit der Buchbeschreibung wird klar, dass "Wie ein unsichtbares Band" ein Jugenddrama ist. Darauf sollten sich geneigte Happy-End Leser auch einstellen. Im letzten Buchdrittel laufen die Ereignisse um Marito und Carmen aus dem Ruder. Und hier setzt mein Stirnrunzeln ein, denn was geschah hier genau? Die Handlung verschwimmt. Informationen bekommt man nur durch dritte, seelisch zerstörte Menschen, dazu noch ungenau. Ich wusste beim Lesen, dass etwas Schlimmes passiert ist, auch was das für Folgen hatte, aber es war mir tatsächlich zu verwischt. Gäbe es das Nachwort des Verlags nicht, könnte man die Schlussereignisse konkret niemandem zuordnen. Einige Leser könnten durchaus zufrieden sein, andere fühlen sich sicherlich in ihren Überlegungen zu sehr auf sich alleine gestellt.

Fazit
"Wie ein unsichtbares Band" hat mich gedanklich stark beschäftigt, und auch jetzt denke ich noch oft an die Handlung. Auf der einen Seite wirkt es sehr poetisch und berührt ungemein, auf der anderen Seite waren mir die Infos und dramatischen Ereignisse am Ende zu verschwommen. Dessen ungeachtet habe ich eine sehr hohe Meinung vom Buch. Ich kann es sehr empfehlen, es ist wunderbar! Wäre die Autorin am Ende deutlicher geworden, wäre es für mich perfekt.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Montag, 11. Februar 2013

Rezension zu "Der Mann, der den Regen träumt" von Ali Shaw



Verlag: script5 (Januar 2013)
Originaltitel: The Man Who Rained
Übersetzer: Sandra Knuffinke & Jessika Komina
Reihe: -
Ausführung: Hardcover/SU, 332 S.
ISBN: 978-3839001462
18,95 € [D]

Genre: Urban-Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: script 5 Verlag


Das Thema
Elsa hält es in ihrer Heimatstadt New York nicht mehr aus. Seit ihr Vater, ein Wetter- und Sturmjäger, gestorben ist, sieht sie in ihrem Leben keine Perspektive mehr. Sie möchte aussteigen. Dafür sucht sie sich das Städtchen Thunderstown, mitten im Nirgendwo, aus. Dort angekommen, wird sie nicht nur mit verschrobenen Menschen, unheimlichen Hunden und besonderen Wetterbedingungen konfrontiert, sie lernt auch Finn kennen, einen jungen Einsiedler, der alleine in den Bergen wohnt, die Thunderstown umgeben. Vorsichtig schließen die beiden Bekanntschaft. Doch Finn ist anders als andere Männer, denn Finn trägt ein Gewitter in sich ...




Die Rezension

Der Anfang: Der Regen begann mit einem einzelnen sanften tippen an ihr Schlafzimmerfenster, dann noch eins und noch eins, und schwoll schließlich zu einem stetigen Prasseln gegen die Scheibe an.

Wenn man Ali Shaws "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" gelesen hat, fällt er einem nach den ersten Sätzen sofort wieder auf - der ungewöhnliche, märchenhafte Schreibstil des Autors. Sollte "Der Mann, der den Regen träumt" das erste Buch sein, das man von diesem Autor liest, stellt man sofort fest, dass das Buch anders sein wird als alles, was man bis dato gelesen hat.
Einfach ist er nicht, Shaws Stil. Die Sätze sind anspruchsvoll und voller Metaphern und Bildvergleiche. Der Kopf hat so beim Lesen ständige "Übersetzungsarbeit" zu leisten, der Schreibstil geht tief und ist sehr einprägsam. Insgesamt ist die Geschichte als ruhig zu bezeichnen, obwohl es auch rasantere Parts, vor allem gegen Schluss, gibt. Shaw schreibt keine Mal-eben-nebenbei-Bücher. Man muss sich auf seine modernen Märchen einlassen, um sich voll und ganz in die Geschichte fallen zu lassen.

"Warum bist du dann hergekommen?"
Sie mochte seine Stimme. Jedes seiner Worte war wie der trockene Luftstoß, mit dem man eine Kerze ausblies. "Ich will ... Ich will einfach nur wissen, was ich da gesehen habe." - S. 90

Der Roman wird abwechselnd aus der personalen Sichtweise von Elsa und dem etwas wunderlichen Stadtförster Daniel erzählt. Doch auch hier legt sich Shaw nicht fest und wechselt schon mal in die auktoriale (allwissende) Erzählweise, wenn Elsa und Daniel aufeinander treffen.
Beide Personen lernt man im Verlauf der Handlung sehr gut kennen. Beide tragen einen tiefen Schmerz in sich und sind somit keine Charaktere mit sonnigem Gemüt, eher schwierig und etwas eigenbrötlerisch. Das Buch ist mit ca. 330 Seiten nicht lang, doch meint man am Ende, durch viele Rückblenden und Einblicke in die Gedanken von Elsa und Daniel, sie durch und durch zu kennen.
Finn, der in der Geschichte die absolute Märchenrolle inne hat, ist zwar kein direkter Hauptprotagonist, für die Handlung jedoch unentbehrlich. Auch ihn lernt man bis zum Ende sehr gut kennen. Einige Passagen berühren sehr oder Finn tut einem wirklich leid. Einen Charakter wie ihn wird man in einem Buch noch nie angetroffen haben.

Manchmal hat man den Eindruck, dass "Der Mann, der den Regen träumt" außerhalb von Zeit und Raum spielt. Einiges ist nicht vollständig erklärbar. Leser, die immer alles haarklein erklärt haben wollen, sollten ihre Erwartung in dieser Beziehung zurückschrauben und bereit sein, die Geschichte auf sich wirken zu lassen. Einige Gegebenheiten sind eindeutig unserer Zeit zuzuordnen, andere Handlungsstränge scheinen wie nicht von dieser Welt. So ist z.B. Elsas ursprünglicher Wohnort New York City sehr real, der Ort Thunderstown rein fiktiv. Man weißt nicht mal, wo er liegt, bzw. wo man diesen Ort einordnen kann. - kein Land, keine Region, keine Infrastruktur. Auf der einen Seite wirkt Thunderstown wie eine Märchenstadt, dann geht Elsa dort aber wieder einer regulären Tätigkeit in einem Büro nach. Ganz real wirkt die Stadt trotzdem nie. Aber gerade deswegen, und wegen der vielen kleinen phantastischen Elemente, die Ali Shaw in seine Geschichte webt, liest sich der Roman absolut zauberhaft. Was genau diesen Zauber ausmacht, ist fast nicht in Worte zu fassen.

Und ich frage mich, ob es das ist, was wir in Wirklichkeit sind: ein Filter für das Gute und das Schlechte, immer bemüht, beides zu unterscheiden, was wir für uns behalten und was wir weitergeben sollten. - S. 256

Ist die Handlung über den Großteil der Geschichte als ruhig zu bezeichnen, steigert sie sich im letzten Buchviertel zu einem dramatischen Schluss. Das Ende ist wieder so ein Fall zwischen Himmel und Erde, nicht so recht erklärbar. Man weiß zwar WAS geschehen ist, aber nicht genau WIE. Das macht aber überhaupt nichts, denn so schreibt Ali Shaw nun mal, genau das macht seine Bücher aus. Seltsam, märchenhaft und richtig, richtig gut!
"Der Mann, der den Regen träumt" ist ein Einzelband und komplett unabhängig von "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen".

Das persönliche Fazit
Bei jedem Buch von Ali Shaw muss ich feststellen, dass ich solch eine Geschichte bisher noch nicht gelesen habe. "Der Mann, der den Regen träumt" gesellt sich hier zum ersten Buch des Autors. Es ist schwer zu erklären und während des Lesens durchlebt man seine ganz eigenen Stürme. Bei einzelnen Passagen wie ein laues Lüftchen, bei anderen dann aber wie ein Orkan, mit Regen, Blitz und Donner. "Der Mann, der den Regen träumt" ist wunderlich, gefühlvoll und definitiv einzigartig. Schlicht virtuos! 5 Sterne!
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de


Bücher von Ali Shaw (jeweils Einzelbände):


"Der Mann, der den Regen träumt" (2013)

Donnerstag, 7. Februar 2013

Review zu "Pretty clever" von Elisa Ludwig



Loewe (Januar 2013), Band 1/3,
Klappenbroschur, 352 Seiten,
12,95 € [D]


Was würdest du tun, wenn deine reichen neuen Freundinnen die ärmeren Mädchen an deiner Schule schikanieren? Würdest du tatenlos dabei zusehen - oder würdest du für Gerechtigkeit sorgen?

Willa wäre nicht Willa, wenn sie die Ungerechtigkeit, die an der Highschool von Paradise Valley herrscht, einfach so hinnehmen würde. Entschlossen tritt sie in die Fußstapfen von Robin Hood. Doch Willas aufregendes Doppelleben findet schneller, als es ihr lieb ist, ein böses Ende. Und ausgerechnet der arrogante Aidan scheint der Einzige zu sein, der ihr helfen kann, aus all dem Schlamassel wieder heil herauszukommen ... (Text- und Bildquelle: Loewe Verlag)


Meine Meinung
Die Idee zu "Pretty clever" klingt super. Ein Mädchen, das an eine neue Schule kommt, die Arroganz und Schikanen einiger reicher Sternchen nicht hinnehmen möchte, und folglich, im Geheimen, als moderner Robin Hood auftritt. Das klingt nämlich nicht nur spannend, sondern auch nach einer ordentlichen Prise Humor. Dann spielt "Pretty clever" vor der tollen Kulisse Arizonas, einem Wüstenstaat der USA. Gleich mit den ersten Kapiteln zaubert die Autorin dem Leser Bilder in den Kopf, die den Handlungsort wunderbar hervorheben und, auch das tolle Buchcover trägt zu diesem Gefühl bei. Im Rückblick betrachtet war "Pretty clever" aber weit weniger humorvoll, als dramatisch, mit einem Ende, das für den Folgeband nochmals eine komplett andere Richtung verspricht.

Willa und ihre Mutter hält es nie lange am selben Ort. Willas Mutter ist Künstlerin und eine Art moderner Hippie. Darum musste Willa schon ihr ganzes Leben lang fast jährlich umziehen und auf neuen Schulen anfangen. Doch plötzlich verkaufen sich einige Bilder der Mutter und sie kommt zu Geld - viel Geld! Die kleine Familie mietet ein schickes Haus und Willa darf auf eine teure Privatschule gehen, an der die It-Girls nicht so nett sind, wie Willa zuerst meint.
Willa war seit langem mal wieder eine Protagonistin, mit der ich so meine Probleme hatte. Dabei können schwierige Charaktere so herausfordernd und trotzdem stimmig sein. Es geht mir hier auch nicht um die Sympathie, die wäre sicherlich noch gegeben. Willa agiert aber stellenweise so naiv und unschlüssig, dass auch das geringe Alter von 15 Jahren hier nicht als Entschuldigung herhalten kann.

Wider Erwarten wird Willa (die bei ihrem Start an der teuren Privatschule eher den Vintagetyp verkörpert) von den reichen Mädchen der Glitterati-Clique sehr freundlich und bemüht fröhlich in die Gruppengemeinschaft aufgenommen. Willa nimmt auch bald deren Lebensstil an, kauft sich teure Klamotten (bis ihre Mutter einschreitet), geht zu Partys und tut alles, um den Mädchen zu gefallen. Will uns die Autorin hier die Oberflächlichkeit der reichen Clique zeigen, so ist ihr das sehr gut gelungen.
Als Willa aber entdeckt, wie die It-Girls Schülerinnen mit Stipendium schikanieren, beschließt sie mehr oder weniger sofort, die reichen Mitschüler zu bestehlen um den ärmeren Mädchen davon schöne Kleidung zu kaufen. Plötzlich findet sie ihre neuen besten Freundinnen ja so schlecht. Nach EINEM neuen Kleidungsstück sind die ärmeren Mitschülerinnen dann plötzlich auch beliebt. Bleibt zu erwähnen, dass darunter auch noch Kleidungsstücke sind, die kein normaler Mensch in die Schule anziehen würde. Ist das heute wirklich so, und soll das ein Hinweis auf noch mehr Oberflächlichkeit sein? Hier war mir die Aussage der Geschichte doch sehr suspekt. Erwartete ich anfangs noch eine lustige und pfiffige Komödie, wird die Handlung ab Willas gewolltem Rittertum immer mehr zur Tragik.

Nebenbei schwärmt Willa ab dem ersten Tag an der neuen Schule für den bestaussehendsten Typen (keine Sorge, dieser hat im ersten Band nur eine Nebenrolle), entdeckt ein merkwürdiges Verhalten an ihrer Mutter und entwickelt echte Verbrecherambitionen. Man fragt sich, wie weit das geht und wie Willa aus der Sache wieder herauskommt. Sie kommt raus, und das dann auch überraschend hart. Ab diesem Punkt wird es wirklich spannend, das letzte Buchdrittel ist sehr rasant und entwickelt sich in eine komplett andere Richtung. Am Ende ist das spannende Geheimnis um Willas Mutter nicht gelöst. Man macht sich zwar Gedanken, um was es gehen könnte, kommt aber nicht wirklich drauf. Jetzt bin ich neugierig und der Folgeband bringt hier hoffentlich die gewünschte Auflösung.

Fazit
"Pretty clever" liest sich pretty und einfach, ist dabei aber nicht ganz so clever wie ich es mir erhofft hatte. Willas diebisches Verhalten und der Effekt, den sie damit erzielt, war mir teilweise zu unschlüssig und nicht echt genug. Bis das Buch gegen Ende eine komplett andere Richtung aufnimmt fühlte ich mit gut unterhalten, aber nicht überwältigt. Einige Fragen sind am Schluss noch offen und eine frische Lovestory steht ganz am Anfang. Ich bin etwas zwiegespalten, aber dennoch interessiert wie es hier weitergeht. Geneigte Leser sollten sich ruhig etwas Zeit stehlen um sich ihre eigene Meinung vom Buch zu bilden, denn hier gilt eindeutig: "Probieren geht über diskutieren".

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Dienstag, 5. Februar 2013

Buchzugänge vs. Buchabgänge im Januar 2013

Machen wir heute eine schnelli-schnell Monatsstatistik, ohne viel Geplapper, ich bin nämlich total unfit und möchte lieber wieder ins Bett und "Angelfire: Auf den Schwingen des Bösen" weiterschmökern. So gut!!

Meine Buchzugänge vom Januar 2013 - 9 Bücher:





Angelfire: Auf den Schwingen des Bösen ist ein zweiter Teil und ich musste ihn mir einfach sofort nach Erscheinen kaufen. Lese ich gerade und komme kaum davon weg! Pretty clever wartet schon auf eine Rezension, es war okay, aber ganz zufrieden bin ich nicht. Kyria & Reb: Die Rückkehr sowie Rockoholic sind schon rezensiert und waren meine Monatshighlights vom Januar. Mit Arkadien fällt konnte ich endlich auch den letzten Teil der Trilogie beim Tauschticket ergattern, die Arkadien-Trilogie liegt jetzt komplett auf meinem SuB. Escape, Die Ankunft: Cassia & Ky 3 und Artikel 5 werden bald gelesen und vorgestellt. Caleb & Eve: Wo Licht war (nicht auf dem Foto) wurde gelesen, rezensiert und weiterverschenkt.


Buchabgänge - Gelesen habe ich im Januar 11 Bücher: 





Rezensionen, Reviews und High Fives gibt es zu

Im Januar haben mir fast alle Bücher total gefallen. Angeödet war ich von der lahmen Erotik-Vampir-Story Verführung des Blutes und Als die schwarzen Feen kamen habe ich nach 200 Seiten abgebrochen. Die düstere Fantasystory war sehr komisch und mir, trotz Psycho-Schiene, zu langweilig. Im Herzen die Rache hat mich gegruselt und fasziniert, ebenso BETA. Wegen Rockoholic könnte ich jetzt noch durch die Wohnung rocken, das Buch ist einfach genial. Alle sonstigen Leseschätze von Januar bekommen von mir ein ganz großes, grinsendes Kopfnicken. Ein guter Monat!

Montag, 4. Februar 2013

Rezension zu "Rockoholic" von C.J. Skuse



Verlag: Chicken House (Februar 2013)
Originaltitel: Rockoholic
Übersetzer: Michaela Kolodziejcok
Reihe: - , ab ca. 12-16 J.
Ausführung: Hardcover, 448 S.
ISBN: 978-3551520401
16,95 € [D]

Genre: Jugendbuch

© Cover- und Zitatrechte: Chicken House/Carlsen Verlag


Das Thema
Jody lebt in einem kleineren Ort in England. Gerade ist ihr Opa gestorben, zu dem sie ein ganz besonderes Verhältnis hatte. Moralische Unterstützung bekommt sie weniger von ihrer Mutter und ihrer Schwester, dafür umso mehr von ihrem besten Freund Mac. Mac toleriert auch Jodys Obsession für ihrer Lieblingsband und deren Sänger. Sie ist nämlich absolut besessen von der amerikanischen Rockband The Regulators, vor allem von deren Sänger Jackson Gatlin, bezeichnet ihn sogar als ihren Seelenverwandten und behauptet ihn zu lieben. Einem weniger glücklichen Zufall verdankt Jody dann auch, dass sie Jackson bei einem Konzert wirklich persönlich trifft. Und noch unglücklich ist der Umstand, dass sie ihn sogar aus der Konzerthalle entführt. Jetzt sitzt der weltberühmte Rockstar Jackson in Jodys Garage und verhält sich gar nicht so, wie Jody sich das erträumt hätte ....

Die Rezension

Der Anfang: Für unsere Lokalzeitung ist der Tod meines Opas "ein schrecklicher Unfall, der Bristols Stadtzentrum lahmlegte".

Na, das klingt doch nach einer süßen Rock'n'Roll-Lovestory in Buchform. Mädchen entführt berühmten Rockstar und versteckt ihn in ihrer Garage. Nach anfänglichen Missverständnissen kommen die beiden sich näher und verlieben sich ineinander ... Stopp!! Nicht alles kommt so, wie man meint, und das beste Beispiel dafür ist "Rockoholic". Worauf man storytechnisch nach dem Klappentext und Slogans wie "Das ist Rock'n'Love" vielleicht noch wetten möchte, geht in eine komplett andere Richtung. "Rockoholic" entpuppt sich zwar als humorvolles, aber gleichzeitig als rotzfreches und unerwartet liebevolles Jugendbuch, bei dem das Love nur die zweite Geige -äh, Gitarre - spielt.

"Ich habe gerade mal drei Songs bei dem Konzert mitgekriegt, Mac ..."
"Das gibt dir aber nicht das Recht, den Leadsänger mit nach Hause zu nehmen, Jody."
"Ich weiß."
"Die meisten Leute geben sich mit 'nem T-Shirt oder 'nem Poster zufrieden. Aber nicht Jody, nein. Jody schnappt sich gleich ein Bandmitglied."
- S. 94

Die Geschichte beginnt wie ein misstönendes Gitarrenriff einer neuen und unbekannten Alternative-Rockband: Laut und brachial! Nämlich dann, wenn Hauptprotagonistin Jody die Beerdigungsfeier ihres Opas ins reinste Chaos stürzt. Schon hier merkt man, dass man es bei Jody nicht mit einem netten und liebenswürdigen Hauptcharakter zu tun bekommt. Nicht immer sind ihre Anwandlungen, gerade was ihre Obsession für die Rockband The Regulators oder ihrer Arbeitsmoral in einer Kindertagesstätte betrifft, verständlich. Obwohl, irgendwie doch, denn die meisten von uns haben in ihrer frühen Jugend in einer ähnlichen Form für eine Band oder Boygroup geschwärmt. (Die Rezensentin möchte an dieser Stelle NICHT an ihre Schwärmerei für die New Kids On The Block erinnert werden!). Vielleicht nicht ganz so krass wie Jody, ganz fremd dürfte ihr Verhalten den meisten von uns nicht sein.

Ihre rosa Rockstar-Traumwelt gerät völlig aus den Fugen, als besagter Star, in Form von Jackson Gatlin, dann wirklich in ihrer Garage sitzt. Und Rockstarallüren, die hat er! Leider in der ausgeprägtesten und negativsten Form, wie man sie sich vorstellen mag. Hier schlägt das Buch überraschend ernste Töne an. Statt jugendlicher Beschwingtheit, die man oft beim Lesen solcher Bücher fühlt, ist man teilweise richtiggehend entsetzt. Zimperlich darf man bezüglich bestimmter Körperausscheidungen nicht sein. Es wird gekotzt, gerotzt und gepisst (sorry, aber das ist wohl Rock'n'Roll). Hier fordert das Buch seine Leser stellenweise ganz schön, indem Dinge auch wirklich beim Namen genannt werden. Trotzdem könnte man es fast schon als Novum bezeichnen, dass es C.J. Skuse gelingt, trotz der ganzen Widerlichkeiten, psychisch und physisch, humorvoll und lustig zu schreiben. Andauerndes Schmunzeln oder lautes Lachen ist ebenso garantiert wie entsetztes Kopfschütteln.

Ratsch! Und noch ein Poster runter. Ratsch, ratsch, ratsch macht jedes Monatsblatt des Regulator-Kalenders. Meine Band. Mein Held. Meine Zuflucht. Mein Irrtum. - S. 166

Die Situation wäre für Jody nicht tragbar, wenn sie nicht die Unterstützung von ihrem besten Freund Mac hätte. Extravagant, stylisch, und wahrscheinlich schwul, steht er an Jodys Seite, auch wenn er nicht alles gut heißt, was Jody veranstaltet. Das sagt er ihr auch mehr als deutlich. Mac entpuppt sich schon bald als Favoritencharakter. Er ist toll! Man hat das Gefühl, dass er die Fugen bestmöglich zusammenhält, dabei bleibt er sehr authentisch und einzigartig. Außerdem rockt Macs 2-jährige Schwester Cree das Haus. Sie hat eine ganz große Rolle in der Geschichte und ist einfach zuckersüß!

C.J. Skuses Stil ist jugendlich fetzig und sehr humorvoll. Sie scheut sich nicht vor Konflikten und hält sich sehr nahe an der Realität. Außerdem hat sie die Begabung bestimmte Szenen und deren Atmosphäre so gut wiederzugeben, als wäre man dabei. Als Jody am Anfang der Geschichte das Konzert der Regulators besucht, ist das so gut beschrieben, dass man unwillkürlich denkt; Genau! Komplett richtig erfasst, so und nicht anders ist es!
Natürlich ist die Handlung einen Rockstar zu entführen rein fiktiv. Trotzdem besitzt die Geschichte eine beeindruckende Glaubwürdigkeit. Und auch wenn die Handlung in einer komplett andere Richtung geht, als erwartet, kann man gar nicht anderes - man klebt gebannt an den Seiten. Statt einer seichten Rockstar-Lovestory bekommt man eine mitreißende und auch krass-fordernde Geschichte serviert, bei der es nicht an schönen und rührenden Szenen fehlt. Der Schluss ist wunderbar und berührt sehr. Und so ist es am Ende dann doch wieder Rock'n'Love!


"Your boyfriend should be your best friend and the song that rocks you to sleep."
The Regulators - Tortuous - S. 263


Das persönliche Fazit
Ich oute mich hier nochmals als großer Musikbuchfan. Gebt mir ein Buch mit Rockstar, Rockband oder Rocksongs - es hat bei mir automatisch den Rockstarbonus! Da passte "Rockoholic" wunderbar in mein Lesebeuteschema. Doch ich bekam eine völlig andere Geschichte vorgesetzt, als gedacht. Einen Star wie Jackson Gatlin möchte ich nie in meiner Garage sitzen haben. Never ever!! Die Geschichte forderte mich ganz schön. Ich habe gelacht, war entsetzt und ebenso gerührt. Und so vergleiche ich "Rockoholic" mit dem ersten Anhören eines neuen Albums einer noch unbekannten Alternative-Band: Was sich anfangs noch etwas laut, strange und gewöhnungsbedürftig anhört, entwickelt bald den richtigen Groove, wird eindringlicher und übt einen regelrechten Sog auf die Gehörgänge aus. Und am Ende kann man gar nicht mehr genug davon bekommen. Let's rock! 5 Sterne!
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Freitag, 1. Februar 2013

Ich beantworte 25 Buchfragen einer Bloggerin (Tag)

Ab und zu werden Stöckchen oder sogenannte Tags (engl. to tag = markieren, kennzeichnen) durch die Blogs geworfen, eine Art Spiel, bei dem man freiwillig mitmachen darf. Meist bestehen diese Tags aus diversen Fragen, die man beantworten soll. Ich finde das ganz lustig, habe aber schon lange bei keinem Tag mehr mitgemacht. Vordergründig aus Zeitmangel, aber auch, weil es teilweise Fragen sind, die nichts mit Büchern zu tun haben, bzw. sehr privat sind.
Bei der Lesegiraffe habe ich kürzlich einen speziellen Bücher-Tag entdeckt. Sie hat sich 25 Fragen rund um das Thema Bücher überlegt - das passt ja perfekt, also los ...

© Lesegiraffe


1. Welches Buch liest du gerade?

"Pretty Clever" von Elisa Ludwig, S. 28



2. Schreibe daraus den 5. Satz von S. 55 auf!

Es war, als wäre ich in ein Paralleluniversum gestolpert, in dem alles einfach, lustig und schön war.


3. Welches Buch liest du als nächstes?

"Der Mann, der den Regen träumt" von Ali Shaw oder "Angelfire: Auf den Schwingen des Bösen" von Courtney A. Moulton


4. Nenne deinen Lieblingsautor/-autorin.

Hm, schwierig! Ich kann das fast nicht an einer Person festmachen. Aber ganz vorne mit dabei sind Isabel Abedi, Maggie Stiefvater und Cassandra Clare. Auch ganz toll finde ich Jennifer Benkau, Julie KagawaLauren Oliver und Susanne u. Beate Hanika. Doch auch viele Newbies berühren mit ihrem Buch mein Herz oder bringen mich zum Lachen, z.B. Patrycia Spychalski oder Kira Gembri.
Huch, das sind jetzt ja nur Frauen :-) Wie gesagt, diese Frage finde ich sehr schwierig. Ich mag alle Autoren, deren Bücher ich behalte (sonst wären sie nicht mehr in meinem Regal).


5. Hat dein Lieblingsautor/-in auch dein Lieblingsbuch geschrieben?

Ja!


6. Wie heißt dein Lieblingsbuch?

"Lucian" von Isabel Abedi - durch dieses Buch kam ich zum bloggen.



7. Welches Buchcover ist deiner Meinung nach das allerschönste?

Meine derzeitigen Lieblingsbuchcover sind die der Splitterherz-Trilogie und der Kyria & Reb-Dilogie.



8. Wie hoch ist dein SuB (Stapel ungelesener Bücher) aktuell?

Ich glaube 46? Ja, 46! (noch unter 50 - das ist mir wichtig!)


9. Was wäre dein Traum-SuB-Stand?

ca. 10 Bücher


10. An welchen Challenges nimmst du teil?

An genau zwei, und das ist für mich erstaunlich, da ich mich viele Challenges eher demotivieren, statt zu motivieren. Diesmal nicht, ich habe ich auch sehr viel Spaß daran. Mehr werden es aber garantiert nicht ;-)



11. Welche Neuerscheinungen musst du in diesem Jahr unbedingt haben?

"City of Lost Souls" von Cassandra Clare, den 5. Band ihrer Chroniken der Unterwelt-Reihe.
"Dark Destiny" von Jennifer Benkau, den 2. Band der Dark Canopy-Dilogie.



12. Welche Neuerscheinungen hast du bereits vorbestellt?

"City of Lost Souls" - ich warte praktisch täglich auf den Postboten!


13. Welches Buch hat dir in deinem Leben bisher am wenigsten gefallen?

Das sind gar nicht so viele. Bei meinen Rezensionen findet man meines Wissens drei 1-Sterne-Bewertungen.  Ich entscheide mich hier mal für eines und zwar "Fillory: Die Zauberer". Hier sage ich eindeutig BÄH! Heute bin ich für Buch-Verrisse nicht mehr so offen, bzw. weiß nicht, ob ich mir dann die Mühe einer Rezension machen würde. 


14. Ist Lesen dein Hobby Nr. 1?

Ja, eindeutig. Gleich nach dem "Hobby" Familie und Kinder.


15. Lesen deine Freunde/die Familie auch so gerne wie du?

Meine Familie nicht. Die Kinder bekommen gerne vorgelesen, bzw. lieben Bilderbücher. Eine meiner guten Freundinnen liest viel, sie ist auch die einzige, mit der ich über Bücher reden kann. Mittlerweile habe ich ein paar sehr gute Buchblogger-Freundinnen, wir tauschen uns natürlich auch privat gerne aus.


16. Hast du einen Lieblingsbuchblog? Wenn ja, poste bitte den Link dazu.

Das ist auch schwierig, weil ich natürlich viele Buchblogs lese und auch nur die lese, die ich mag. 

Aber das ist alles sehr subjektiv, ich könnte hier jetzt die Hälfte der Blogs aufzählen, die ich lese.


17. Bücher behalten, oder verkaufen nach dem du sie gelesen hast?

Ich behalte nur noch Lieblingsbücher, bzw. Bücher, an denen mein Herz hängt und bei denen ich mir sicher bin, dass ich sie "irgendwann" nochmal lesen möchte. Alle anderen tausche ich bei Tauschticket.de, privat oder verlose sie bei Damaris liest. oder bei Facebook.


18. Kaufst du gebrauchte Bücher oder lieber nur neue?

Neue Bücher sind toll, es gibt fast nichts Besseres - egal ob Hardcover oder Taschenbuch. Ich war mal sehr pingelig, was den Zustand meiner Bücher angeht, mittlerweile tausche/kaufe ich auch gerne gebraucht (wenn der Zustand annehmbar ist).


19. Wie viele Rezensionen gibt es auf deinem Blog zu lesen?

Habe nur kurz überschlagen - an die 200 Buchbesprechungen findet man bei Damaris liest..


20. Fällt es dir leichter, ein gutes oder ein schlechtes Buch zu rezensieren?

Im Grund ist mir das egal. Perfekte Bücher klingen bei mir immer sehr nach Werbetext, bei schlechten Büchern muss ich meinen Sarkasmus bremsen um die Objektivität zu wahren. Am schwersten fallen mit die mittelmäßigen Bücher, da fallen meine Rezensionen immer sehr nüchtern, für mich langweilig, aus.


21. Magst du Hörbücher?

Jein. Ich mag sie, habe aber zu wenig Zeit, um viele davon zu hören. Ich muss mich also entscheiden zwischen Lesen oder Hören. Und da gewinnt das Lesen! Tendenziell kann ich mich bei Hörbüchern auch nicht so gut konzentrieren wie bei Büchern. Das Kopfkino springt bei Büchern besser an. Um die 2 Hörbücher höre ich pro ja trotzdem.


22. Hast du einen Lieblingssprecher/-sprecherin?

Merete Brettschneider mag ich als Sprecherin sehr gerne. Sie spricht  z.B. das "Engel der Nacht" Hörbuch (von mir gehört) und die "Shades of Grey" Hörbücher (von mir nicht gehört).



23. Von welchem Autor stehen die meisten Bücher in deinem Regal?

J.K. Rowling, die Harry Potter-Reihe, Richelle Mead, die Vampire Academy-Reihe und Isabel Abedi, die Lola-Reihe, "Lucian", "Isola" und "Whisper".


24. Welcher Verlag ist bei dir am meisten vertreten?

Ich glaube Arena, dann habe ich noch viel von cbj/cbt, Carlsen und Loewe/script5.


25. Benutzt du Leseaccessoires? (Lesezeichen, Leselotte, etc.)

Immer ein Lesezeichen, auch wenn das Buch ein Lesebändchen hat. Meisten nehme ich eines meiner selbstgenähten Stoff-Lesezeichen, nicht weil ich sie soooo toll/schön finde (das natürlich auch *lach*), aber sie haben einfach die richtige Dicke um das Buch gut aufschlagen zu können. Sonst benütze ich keine Accessoires - ah, doch, mir ist gerade eingefallen; manchmal benützte ich auch noch eine selbstgenähte Buchhülle für Hardcover. Den Schutzumschlag nehme ich zum Lesen immer ab und wenn der Einband hell ist und nicht verschmutzen soll, packe ich das Buch in eine Buchhülle aus Stoff. 




Ich hatte viel Spaß bei den 25 Buchfragen der Lesegiraffe! Dieser Tag kann gerne mitgenommen werden, falls jemand Lust hat, die Fragen zu beantworten. HIER geht es zum ursprünglichen Beitrag der Lesegiraffe.