Dienstag, 1. Oktober 2013

Review zu "Schattenflügel" von Kathrin Lange



Arena (März 2012),
Klappenbroschur, 281 Seiten,
9,99 € [D]
www.arena-thriller.de


Kim hat sich verliebt. Dass der attraktive Lukas auch ihre ältere Schwester Nina gekannt hat, ahnt sie jedoch nicht. Zwei Jahre ist es her, dass man Nina ermordet aufgefunden hat. Der Mörder hatte ihr eine schillernde Libelle auf das Gesicht gelegt. Seitdem wird Kim jedes Mal schlecht, wenn sie auch nur ein Bild dieses Insekts sieht. Obwohl sie sich zu Lukas hingezogen fühlt, zweifelt Kim immer wieder, ob sie ihm trauen kann. Denn Lukas schweigt über seine Vergangenheit. Da verschwindet erneut ein Mädchen. Man findet sie tot - in ihrer Hand liegt eine zerdrückte Libelle. (Text-, Zitat-, und Bildquelle: Arena Verlag)


[...] gerade so weit hinten, dass Kim sie noch aus dem Augenwinkel sehen konnte, hing eine Tafel mit Insekten. Angestrengt starrte sie auf ihre weißen Knöchel, die aus den verkrampften Handrücken hervortraten. Doch wie magnetisch wurde ihr Blick immer wieder von den schillernden, geflügelten Tieren angezogen. Er wanderte zu der großen grünen Libelle in der Mitte des Bildes. In diesem Moment wurde Kim schlecht. - S. 13


Meine Meinung
Es kommt häufig vor, dass in Büchern der Tod eines geliebten Familienmitglieds thematisiert wird. Gerade (Jugend-)Thriller bieten sich hier besonders gut an. Wie dieser Umstand wahrgenommen wird, ob er gut ausgearbeitet oder nur Mittel zum Zweck ist, liegt im Einfühlungsvermögen des Autors. Auch Kathrin Lange hat dieses Thema in ihren Roman "Schattenflügel" eingebaut. Ihr gelingt das sehr feinfühlig und plausibel. Hauptprotagonistin Kim gewinnt dadurch einiges an Charaktertiefe.

Auch zwei Jahre danach belastet Kim der Tod ihrer Schwester noch sehr. Kleinigkeiten, vor allem der Anblick von harmlosen Libellen, versetzten sie immer noch in eine Art Schockzustand. Weil der Mörder bei Nina eine Libelle hinterlassen hat, bringt Kim diese Tiere immer mit dem Tod ihrer Schwester in Verbindung. Dieser Punkt wird sehr oft erwähnt, erschien mir gerade darum aber besonders plausibel. Ich empfand Kim als eine sehr echte Person.
Kim wirkt sehr verletzlich. Durch ihren "Libellen-Tick" ist sie zum Gespött vieler Schüler geworden, wird von ihnen oft als Freak bezeichnet. Dadurch ist sie zwar oft unsicher, hat aber auch etwas trotzig-bockiges. Sie schluckt nicht jeden Angriff hinunter, sondern weiß sich mit Worten zu wehren. Als sie Lukas kennenlernt, fällt es ihr sehr schwer Vertrauen zu fassen.

Das Sahnehäubchen der Geschichte war für mich Lukas. Mit ihm ist der Autorin ein wirklich toller Charakter gelungen. Man kann ihn sich optisch perfekt vorstellen, die Beschreibungen wirken aber nicht ausgelutscht oder aufdringlich. Lukas kommt im Buch sexy und etwas düster rüber. Kitsch fehlt dabei vollständig (Danke!). Er ist sehr freundlich, ohne dass man ihn komplett einschätzen kann. Etwas scheint er zu verbergen, denn auch wenn er sehr nett ist, wirkt er oft unnahbar. Gerade wenn man meint, man hat Lukas durchschaut, kommen einem wieder Zweifel. Das trägt sehr zu einer gewissen Grundspannung im Buch bei.

Da man Ninas Mörder nie gefunden hat, ist "Schattenflügel" auf der Lösung dieses Aspekts aufgebaut. Ein rätselhaftes Gedicht sorgt für Gänsehaut und eine spannende Suche nach Antworten. Obwohl die Spannung in der Geschichte die meiste Zeit eher unterschwellig ist, hat das Buch keine Längen. Das Lesen macht großen Spaß und gegen Schluss kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Routinierte (Thriller)-Leser können mit des Rätsels Lösung wahrscheinlich nicht allzu lange hinters Licht geführt werden. Hier sind die Möglichkeiten einfach begrenzt. Trotzdem ist "Schattenflügel" sehr gut geschrieben und gehört für mich zu den besonders attraktiven Arena Thrillern. Mein Tipp: Möglichst nicht den Klappentext lesen (oder schnell wieder vergessen). Die Grundspannung im Buch wird so noch etwas gesteigert. 

Fazit
Es sind nicht immer viele Überraschungsmomente nötig, um wunderbar spannende Lesemomente zu erleben. "Schattenflügel" ist hierfür wohl ein passendes Beispiel. Die Geschichte ist toll aufgebaut, Kim als Hauptcharakter sehr passend gewählt. Am besten gefiel mir Lukas, dessen Art man sonst häufig nur in Bad Boy-Storys oder Paranomal-Lovestorys findet. Auch er wurde von der Autorin sehr gut charakterisiert, ohne dass man ihn während der Handlung schon komplett einschätzen kann. "Schattenflügel" ist sehr empfehlenswert, Jugendthrillerleser können bedenkenlos zugreifen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de


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Kommentare:

  1. Liebe Damaris, vielen Dank für diese tolle Rezension. Ich war beim Schreiben selbst ein bisschen in Lukas verliebt, glaube ich. Umso schöner, dass er Dir so gut gefallen hat. Ich denke noch gern an das vergangene Wochenende und den Bloggerworkshop im Arena Verlag zurück. Schön war's, Euch alle kennengelernt zu haben. Herzlich! Kathrin Lange

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  2. @Katrin Lange - Mir hat es großen Spaß gemacht, einen deiner Jugendthriller zu lesen. Arena Thriller sind immer (meist!) schöne Unterhaltung :-) Und ja, ich freu mich immer sehr, wenn mich der männliche Charakter eines Buches überzeugt und das hat Lukas weitaus mehr geschafft, als mancher in ausführlicheren Geschichten. Es war ein wunderbaren Nachmittag in Würzburg und deine Schreibübung beeindruckt mich noch jetzt! Liebe Grüße, Damaris

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  3. Alleine nach deiner "Schwärmerei" für diesen so besonderen Prota müsste ich es eigentlich lesen <3

    lg
    Steffi

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    1. @Steffi - Lukas war schon toll :-) Besser als mancher Chara in längeren Büchern ...

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  4. Hajimemashite, Damaris.
    Anka merkte in ihrer Vorstellung des Buches ja auch den Detailreichtum des Klappentextes an. Nicht wenigen Bloggerinnen ist ja das Geheimnis einer Handlung sehr wichtig. Spoiler das absolute no go. Der Reiz eines Romans als noch unentdecktes Land. So kann aus jeder Seite die Einsicht tröpfeln - bis zur Offenbarung der Story.

    Brava! Allein aus den Zeilen Deiner Schilderung kann ich mir ein treffliches Bild von Lukas ziehen. Ein dunkler Schatten legt sich immer wieder drückend auf seine Schultern.

    Aus der filmischen Sicht kann ich den Tenor Deines Fazits nur unterstreichen. Es sind die unscheinbar, unaufgeregten Stories, die zu faszinieren verstehen.

    Das Cover zu "In den Schatten siehst du mich" ist so einfach wie schlicht WOW!

    bonté

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    1. @RoM - Auch die Autorin sagte uns im Workshop, dass sie mit dem gewählten Klappentext nicht ganz zufrieden war. Ich fand ihn jetzt nicht "schlimm", aber es wäre noch etwas spannender gewesen, wenn einige Dinge nicht genannt worden wären. Leider gibt es da in letzter Zeit einige Beispiele, wo der Klappentext gar nicht geht!
      Die Arena Thriller haben immer ganz tolle Cover ....

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