Dienstag, 6. August 2013

Rezension zu "So wie Kupfer und Gold" von Jane Nickerson



Verlag: cbt (September 2013)
Originaltitel: Strands of Bronze and Gold
Übersetzer: Ursula Höfker
Reihe: Band 1/3, ab ca. 13 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 448 S.
ISBN: 978-3570162682
16,99 € [D]

Genre: Historischer Jugendroman

© Cover- und Zitatrechte: cbt Verlag


Das Thema
Boston - 1855. Als Sophias Vater stirbt, lebt die Familie eher schlecht als recht. Zum Glück erklärt sich Sophias reicher Patenonkel bereit, sie als sein Mündel bei sich aufzunehmen. So reist Sophia in die Südstaaten Amerikas, nach Mississippi, um dort auf dem riesigen Anwesen und der Plantage von Bernard de Cressac zu leben. Anfangs ist sie vom unvorstellbaren Luxus, den schönen Kleidern und Geschenken und dem charismatischen Patenonkel sehr angetan. Doch bald wird Bernard Sophia immer unheimlicher und bringt sie in unschickliche Situationen. Und was hat es mit Bernards verflossenen Ehefrauen auf sich? Sie alle waren rothaarig, genau wie auch Sophia.

Die Rezension

Der Anfang: Ich hatte einen unvorstellbar reichen Patenonkel.

Jugendromane mit historischem Hintergrund überfüllen nicht gerade die Verkaufsregale. Hier haben eindeutig die "großen" Genrevetter die Nase vorn, bestechen diese doch meist mit verschachtelten Geschichten, bösen Intrigen, großem Personenregister und opulentem Setting. Doch es lohnt sich allemal einen Blick auf dieses Jugendgenre zu werfen. Die Handlung ist viel einfacher, mitwirkende Personen überschaubar. Oft liest man eine schöne Geschichte, die einen in ihren Bann zieht. Jane Nickerson startet mit "So wie Kupfer und Gold" - eine Märchenadaption des "Blaubart" der Brüder Grimm - eine neue Buchreihe für Jugendliche. Zum historischen Hintergrund mixt sie in diesem ersten Band noch einen winzigen Hauch Fantasy und einen kleinen Gänsehaut-Krimi.

Die ganze Anlage war aberwitzig groß und düster und furchterregend. Ich liebte sie schon jetzt. 
Als wir die geschotterte und von dunklen Zedern gesäumte Zufahrt hinauffuhren, kamen wir allerdings an einem Schandfleck vorbei - eine alte, knorrige Eiche mit weit herunterhängenden Ästen stand da mitten zwischen den Zedern. [...] Ein Schwarm Krähen flatterte mit lautem Krächzen und Flügelschlagen aus den Ästen. 
Es war kein schlechtes Omen. - S. 12

Auch hier gelingt der Einstieg ins Buch sehr leicht und ohne Verständnismühen. Die Geschichte startet mit der Ankunft Sophias auf dem riesigen Anwesen ihres Patenonkels. Und obwohl sie selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammt und weiß, dass sich die Situation ihrer drei Geschwister nicht verändert hat, erliegt sie schon bald dem völligen Luxus. Außerdem fühlt sie sich zum extravaganten Hausherrn und Patenonkel Bernard fast augenblicklich hingezogen. Als dessen Wünsche und Komplimente jedoch grenzwertig werden, ändern sich Sophias Gefühle wiederum sehr schnell zu Furcht und Abscheu. Das lässt ihren Charakter etwas wankelmütig erscheinen. Teilweise ist sie sehr taff, setzt sich für Hauspersonal und die Sklaven der Plantage ein, dann ist sie ihrem zwielichtigen Patenonkel wieder sehr zugetan und es ändert sich wenig an ihren Gefühlen.

Die Sprache der Geschichte wurde ans Zeitalter, Ende des 19. Jahrhunderts, angepasst. Sie ist trotzdem einfach zu lesen (Ich-Form von Sophia) und unterstützt gleichzeitig das tolle Setting in dem opulenten Haus und riesigen Anwesen. Leider gestaltet sich der Roman nicht so düster wie beworben. Mit einigen Spannungsspitzen gelingt es der Autorin zwar kurzzeitig zu schocken, insgesamt hätte die Handlung aber ruhig noch etwas böser ausfallen dürfen. Insbesondere Patenonkel Bernard ist zwar sehr zwielichtig, aber doch lange Zeit zu zahm. Dafür schlägt die düstere Stimmung gegen Ende mit voller Wucht zu. Hier wird es wirklich rasant, stellenweise brutal und sehr spannend.

Ist man anfangs noch sehr erfreut, dass bei diesem Roman eine Liebesgeschichte anscheinend keine Rolle spielt, schaut diese dann nach der Hälfte des Buches doch noch um die Ecke. Dennoch ist sie sehr unaufdringlich, dem Zeitalter angepasst keusch und passt zur Handlung.
Obwohl "So wie Kupfer und Gold" ein Reihenbeginn ist, kann man diesen ersten Band völlig alleinstehend lesen. Die Folgebände spielen zu einer anderen Zeit und haben andere Hauptcharaktere

Das persönliche Fazit
Müsste ich "So wie Kupfer und Gold" in Edelmetallen bewerten, würde ich mich ganz klar für den Mittelwert, das Silber, entscheiden. Ich habe das Buch gerne gelesen, die große Begeisterung blieb jedoch aus. Kleine Spannungsbögen halten einen konstant fest, aber so richtig düster und spannend wurde es für mich erst gegen Ende. Hier habe ich mich dann dafür richtig gegruselt. Die Märchenadaption "Blaubart" der Brüder Grimm ist unaufdringlich und gut gelungen. Leser, die sich vom historischen Jugendbuchgenre angesprochen fühlen, sollten mal reinlesen. Gute 3 Sterne.

Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 3,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Grüß Dich, Damaris.
    The gran ol South - unwillkürlich hört man/frau die 17 Unterröcke rascheln, denkt an Mont Royale, erinnert sich an den Brand Atlantas, an schneidige Offiziere in grau - aber da greife ich der Geschichte etwas (hüstel) voraus.

    Verarmte Nordstaaten-Maid findet sich wieder im verschwenderischen Prunk des Baumwolladels. Kein Wunder, daß es Sophie zuerst ordentlich das Besteck durcheinander wirbelt. Absolut berechnend vom - sittsam zwischen den Zeilen - lüsternen Bernard.
    Interessant wird die Geschichte wohl eher durch Sophies Einsichten über & in die Sklaverei. Zumal die Vorboten des Bürgerkriegs am diesigen Horizont lungern.

    Wenn sich in der weiteren Handlung noch ein wenig der Konflikt zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Sklaverei spiegelt, wäre es nicht die schlechteste Wendung.

    Wie ich sehe spielt Dein aktueller Roman on the road...

    bonté

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    1. @RoM, Haha, gut ausgedrückt. Der lieben Sophie wirbelt es am Anfang wirklich ganz schön das Besteck durcheinander :-) Mir haben die Einsichten in das Leben der Sklaven auch gut gefallen, sie kamen trotzdem etwas kurz, hätten ausgeprägter sein drüfen.
      Meinen "On the Road-Roman" habe ich schon ausgelesen. Genial, da ich hier in Erinnerungen an Road-Trips durch die USA schwelgen konnte.

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  2. Blaubart ist eines meiner Lieblingsmärchen. Weil es spannend, düster und voller Verbrechen ist. Doch für die Gebrüder Grimm ist etwas zu kriminell, das Märchen stammt von Charles Perrault.(Musste aber auch nochmal bei Tante Wiki nachschauen) ;) Ich mag diese Thematik und daher kann ich mir vorstellen "Sowie Kupfer und Gold" auch einmal zu lesen.

    Die zwei Textpassagen aus dem Buch, machen. Mich etwas hellhörig, "aberwitzig" und "unvorstellbar reich" ist meinem Gefühl nach zu modern für 1855. Aber der schein kann trügen oder etwa doch nicht?

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    1. @Cindy
      Stimmt, den Grimm Brüdern war das Original zu "reichhaltig" für ihre Sammlung. Die Light-Version überlebte deren erste Fassung aber nicht.

      bonté

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    2. @Cindy, Weißt du was? Ich habe schon nach dem Intro von "So wie Kupfer und Gold" - tolles Zitat aus "Blaubart" - nach meiner Gebr. Grimm Gesamtausgabe gegriffen und das Märchen darin nicht gefunden. Im Buch werden sie aber als Urheber genannt. Im Märchenlexikon ist Perrault als Urheber von "Der Blaubart" angegeben, die Brüder Grimm haben auch mal ein Märchen "Blaubart" veröffentlicht, aber nur in ihrer ersten Ausgabe (wie RoM schon schreibt). Danach fand "Blaubart" keine Berücksichtigung mehr. Schade. Hätte es gerne in meiner Gesamtausgabe gehabt.

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  3. Oh ich sehe gerade, dass du das Buch schon gelesen und rezensiert hast. Bei mir liegt es auf dem Stapel für später. Wußte gar nicht, dass wir schon veröffentlichen dürfen? Hab ich das was verpaßt? ...
    Nun bin ich aber echt neugierig geworden, "Blaubart" gehörte früher zu meinen LIeblingsmärchen *lol.
    Liebe Grüße Hanne

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    1. @Hanne, Es gibt hier keine Sperrfrist. Die im Buch gilt für Printmedien, ich habe nachgefragt :-)

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  4. Eine schöne Rezi!

    Das Buch werde ich bestimmt lesen. Habe schon von meiner Blogpartnerin viel Gutes gehört und ich glaube es passt genau zu den historisch angehauchten Büchern, die ich gerne zwischendurch mal lese. Bin schon gespannt drauf. :)

    LG
    Lilly

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    1. @Lilly, dann solltest du So wie Kupfer und Gold dringend ausprobieren. Es liest sich auch weg wie nix :-)

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  5. Natürlich ist alles Geschmacksache. In diesem Werk hat die Autorin aber auch viele Hintergründe vermittelt, z. B. über die Sklavenhaltung, das Instrument Sita oder die Annonafrucht. Es ist immer gut, wenn ein Buch am Rande Wissen vermittelt.

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    1. @Beatrix - Natürlich hast du recht mit der Geschmacksache, wäre ja auch schlimm, wenn uns alles das Gleiche gefallen würde :-) "So wie Kupfer und Gold" habe ich ganz gerne gelesen, meiner Meinung nach hatte das Buch aber einige Schwächen. Die Recherche gehörte nicht dazu, die war super!

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