Donnerstag, 4. Juli 2013

Rezension zu "Stolen Mortality" von Jennifer Benkau



Verlag: Sieben Verlag (Juni 2013)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: -
Ausführung: Taschenbuch, 360 S.
ISBN: 978-3864431111
14,90 € [D]

Genre: Urban Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: Sieben Verlag


Das Thema
Jamian und sein jüngerer Bruder Junias leben in einem Dorf in Schottland. Sie sind vom Volk der Kienshi, Wächter über Vampire, die unerkannt unter den Menschen leben. Jamian ist in seinem Bezirk der Wächter und achtet darauf, dass die Vampire nicht über die Stränge schlagen, nur so viel Blut trinken, wie sie brauchen und dabei keinen Menschen töten.
Als Junias einen schlimmen Fehler begeht, nimmt Jamian die Strafe des Senats auf sich und opfert seine Sterblichkeit. Gleichzeitig taucht eine mysteriöse Vampirfrau im Dorf auf, die Jamian töten will. Hat das alles mit der Strafe zu tun? Und warum wurde diese harte Strafe ausgerechnet auf Jamian angewandt?

Die Rezension

Der Anfang: Flüsterworte in einem Wald, irgendwo in den Highlands.

Gibt es einen typischen Vampirroman? Eher nicht. Heutzutage sind viele auf dem Markt und jeder hat seinen eigenen Stempel, bzw. seine eigene Auslegung, des Mythos über diese beliebte paranormale Spezies. Manche sind sehr kreativ, andere weniger. Auch Jennifer Benkaus "Stolen Mortality" beschäftigt sich mit dem Thema Vampire. Dabei geht es aber nicht vordergründig um die blutsaugenden Gesellen, die Hauptpersonen - Jamian und sein Bruder Junias - sind nämlich Kienshi, Wächter, und haben ein strenges Auge darauf, dass die Vampire sich an festgelegte Regeln halten.

Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht. Das Buch beginnt spannend und interessant. Informationen bekommt man nicht alle auf einmal, aber mit dem Fortschreiten der Geschichte wird tatsächlich jede Wissenslücke gefüllt. So weiß man zum Beispiel gleich am Anfang, dass Junias etwas verbrochen hat, wofür sein Bruder die Strafe auf sich nimmt, aber man weiß nicht was das Verbrechen war. Erst nachdem man über einige Bräuche und Gepflogenheiten der handelnden Personen Bescheid weiß, erfährt man die komplette Tragweite. Das macht die Geschichte, sowie die Handlung sehr rund.

Die Autorin lässt ihre Geschichte aus drei verschiedenen Blickwinkeln erzählen, jeweils personal und in der Vergangenheitsform. Die Brüder Jamian und Junias habe hier den größten Part und oft begleitet man auch Vampirfrau Laine.
Junias ist erst 16 Jahre alt und verhält sich seinem Alter entsprechend. Da er schon früh zum Kienshi gemacht wurde, ist er oft unsicher, wirkt zerrissen und reumütig seinem Bruder gegenüber. In bestimmten Situationen tendiert er zur Aggressivität. Dagegen agiert der ältere Bruder Jamian (er ist 19) viel erwachsener, als es seinem Alter entspricht. Er ist sehr reif und meist überlegt, hat seinem Bruder gegenüber eine gewisse Vaterrolle inne.

Auch wenn die Hauptpersonen jugendlichen Alters sind, ist das Buch kein Jugendroman. Es geht teilweise recht hart zur Sache, ist sehr blutig und viele Beschreibungen sind nicht zimperlich, auch wenn die Bösen ruhig noch etwas fieser sein könnten. Erfreulicherweise ist das Buch durch und durch handlungsorientiert und kein Erotikroman, wie man ihn oft bei dieser Thematik erwartet. Es gibt romantische Szenen, diese sind aber absolut nicht dominierend.
Sehr gut gefällt auch der unterschwellige Humor und einige Besonderheiten, die die Autorin in die Geschichte einbaut. So definiert sie zum Beispiel Unsterblichkeit nicht zwangsläufig mit ewigem Leben, sondern der ewigen Verdammnis in ein Zwischending zwischen Leben und Tod, sollte das unsterbliche Leben irgendwann enden.

Junias schluckte schwer.
"Vielleicht", fuhr Jamian fort, "hilft es dir, wenn ich dir sage, dass es, als ich in deinem Alter war, auch nur sechs Menschen gab, die mich verstanden haben. Zumindest war ich mir dessen ziemlich sicher."
"Echt? Wer sind die sechs?"
"Linkin Park."
- S. 144

"Stolen Mortality" ist sehr ausführlich und gefühlsbetont geschrieben. Man muss als Leser eine Vorliebe für ausführliche Umgebungs- und Gefühlsbeschreibungen der Protagonisten haben, sonst könnte man die Handlung als etwas zu langgezogen empfinden. Bis auf weiteres ist das Buch ein Einzelroman, mit einem Ende, das zwar unerwartet, aber doch folgerichtig ist. Trotz viel Wehmut ist es absolut richtig.

Das persönliche Fazit
Schon lange habe ich keinen "richtigen" Vampirroman mehr gelesen. Obwohl sich "Stolen Mortality" im Endeffekt nicht als zu Vampir-dominierend herausstellt, stimmt hier das Setting und das Gefühl, das eine solche Geschichte mit sich bringen sollte. Auch, wenn es erst später veröffentlicht wurde, ist es das erste Buch der Autorin, was man teilweise auch merkt. Trotzdem geht das Buch eigene, auch ungewöhnliche, Wege und die Geschichte ist hochwertig ausgearbeitet. 4 Sterne!


Aufmachung: 4 / 5
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 3,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Über Linkin Park musste ich auch schmunzeln :-)
    Bei dem Ende war ich auch wieder verzweifelt... Bis zur letzten Sekunde hatte ich gehofft :'(

    hier haben mich die Beschreibungen ausnahmsweise gar nicht gestört... Genau passend zu der Atmosphäre <3

    Glg
    Steffi

    AntwortenLöschen
  2. och menno... udn wieder hat die wunschliste nen punkt mehr... ich komm doch kaum hinterher... entweder es liegt an den rezensionen oder deinen lesegschmack... ernsthaft, mein tag hat nicht genug zeit um deinen blog zu lesen... nicht wegen der länge der artikel, aber der wunschbücher .... gut dass ich heute strohwitwe bin... hah...

    AntwortenLöschen
  3. ...jetzt hast du mich so richtig auf den Geschmack gebracht. Lange kann ich mit dem Lesen wohl nicht mehr warten. Deine Rezi ist ein toller Appetizer :-)

    LG

    Kay

    AntwortenLöschen
  4. @Steffi, Bei der Linkin Park Stelle musste ich so schmunzeln, dass ich sie mir gleich markiert habe :-) Ich fand manchmal die Gefühlswelt etwas zu ausführlich dargestellt. Die betreffende Person hat sich in jeder kleinsten Situation einfach ZU viele Gedanken gemacht. Dadurch wurde das Buch recht langgezogen. Die Atmosphäre und Ausarbeitung der Geschichte hat mir aber sehr gut gefallen.

    @momo, Zu Vampirgeschichten greife ich eigentlich nicht mehr oft, wenn, dann aber sehr gerne. Aber da gibt es ja viel Schund. Für mich unterschied sich der Stil schon etwas von Jenny Benkaus Dark Canopy-Reihe, aber Stolen Mortality ist ja auch eine ganz andere Geschichte. Ich freu mich immer, wenn ich dich zu einem Buch "verführen" kann :-)

    @Kay, Steffi fand Stolen ja grandios und ich war sehr zufrieden. Also los! :-) Und danke für dein Lob.

    AntwortenLöschen
  5. Die Gefühle waren schon seeeehr tief, da stimme ich dir zu.

    Kay wurde - sollte er es nicht wieder verdrängt haben - zu sehr gespoilert, was das Ende anging... :-(

    AntwortenLöschen
  6. "Stolen Mortality" liegt bei mir auch auf dem SuB und wird als nächstes gelesen - und nach der Rezension bin ich da ja mal sehr gespannt ;) Hier scheinen Vampire ja auch keine lieben Kuschelwesen zu sein, was doch nach der Twilight-Manie seeehr erfrischend ist.
    Ich bin dann jedenfalls sehr gespannt, Jennifer Benkau schreibt ja nun einmal sehr spannend und offensichtlich trotz kleiner Mängel auch im Erstlingswerk durchaus überlegt. Schöne Rezension!

    AntwortenLöschen
  7. Salut, Damaris.
    Diese Deine Rezension entbehrt nicht einer dramatischen Note, offenbarst Du doch dem weniger Benkau versierten Leser (mir), daß dies ihr chronologisch erster Roman ist. Auch nicht schlecht. :-)

    Interessant, daß eine Frau das Cover ziert, geht es doch eher mehr um das ungleiche Brüderpaar. Ich kann aber auch den sog. Hinguck-Faktor bestätigen...

    Nun verstehe ich auch den Pferdefuß bei der Unsterblichkeits-(Tor-)t(o)ur.

    Wo ich Deine Finessen als Rezensentin schon lobe - die zeitliche Verortung des Geschehens durch das "Linkin Park"-Zitat ist Dir ebenso als Überraschung gelungen.

    bonté

    AntwortenLöschen
  8. @Steffi, Wenn man bei Stolen Mortality das Ende schon weiß, dann ist es ja wirklich doof, weil es eben so besonders ist. Da verstehe ich Kay :-(

    @Sonne, Wahrscheinlich hast du SM schon durch oder bist gerade dran :-) Ich habe prinzipiell nix gegen "Twilight-Vampire", hihi, aber ich mag es schon, wenn Vampire so durchtrieben und teils grausam dargestellt sind, wie sie ursprünglich sein sollten. Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn man meiner Meinung nach merkt, dass es das erste Buch der Autorin war.

    @RoM, Der Sieben Verlag ist tatsächlich für seine sehr romantisch angehauchten Cover bekannt, auch wenn es in den Büchern mitunter etwas härter zugeht. Es sind wirklich keine Jugendbücher. Benkaus "Dark Canopy" Dilogie gefiel mir persönlich besser, aber ich freue immer, wenn ich mal wieder einen "guten" Vampirroman lese. Es gibt da so viel Schund :-(

    AntwortenLöschen
  9. Das ist das Problem, wenn man Bücher anfangs gleich als 'lese ich sicher nicht' abtut - dann rede ich ausführlich drüber ;-)

    Glg
    Steffi

    AntwortenLöschen
  10. Ich habe immer noch nicht Dark Canopy gelesen, obwohl es ja ganz toll sein soll. Aber ich glaube, ich fange rückwärts an und lese zuerst Stolen mortality und dann die Duologie um Joy und Neél.

    AntwortenLöschen
  11. @Paralauscher, Es ist eigentlich ganz egal, welches Buch du zuerst von der Autorin liest. Sie haben wirklich nichts gemeinsam. Handwerklich fand ich die Dark Canopy-Reihe etwas besser, soweit ich das beurteilen kann :-)

    AntwortenLöschen

Du möchtest mir etwas zu diesem Beitrag mitteilen? Dann los ... ich freue mich.