Montag, 8. April 2013

Review zu "Ich blogg dich weg!" von Agnes Hammer



Loewe (März 2013),
Taschenbuch, 160 Seiten,
5,95 € [D]


Julie ist schön, beliebt und kann wundervoll singen. Zusammen mit ihrer Band will sie am Schulfest auftreten. Doch wie aus dem Nichts erhält Julie gemeine E-Mails, Beschimpfungen, Drohungen. Dann taucht im Internet ein gefaktes Facebook-Profil auf, das Julie als arrogante Zicke darstellt. Im Nu lästern Klassenkameraden und wildfremde User online über sie. Julie verzweifelt. Wer tut ihr das an? Als sie auch noch die Band verlassen soll und die Drohungen in Gewalt umschlagen, eskaliert die Situation. (Text- und Bildquelle: Loewe Verlag)


Meine Meinung
Als Jugendliche stand ich sozialkritischen Büchern immer etwas zwiegespalten gegenüber. In diesem Alter möchte man sich ja nicht all zu viel sagen lassen. Wenn dann auch noch ein Buch mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt, kann das die Leselust doch eher hemmen als fördern. Sozialkritische Bücher gab es schon immer. Gerade heute sind sie jedoch besonders präsent, vor allem mit den Themen Internet, Mobbing, Soziale Netzwerke, usw.
Heute stehe ich dieser Art von Büchern sehr positiv gegenüber. Ich finde sie wichtig und richtig. "Ich blogg dich weg!" fällt genau die diese Sparte. Das Grundthema ist Onlinemobbing oder Cybermobbing. Vor 15 Jahren war dieses Thema noch gar nicht aktuell, damals hatte die Jugend andere Sogen. In der heutigen Zeit ist Onlinemobbing zu einem echten und großen Problem geworden, dem sich die Jugend und ihre Betreuer zu Hause und in der Schule stellen sollten. "Ich blogg dich weg!" kann dabei für manches die Augen öffnen und zum Nachdenken anregen.

Dabei geht es im Buch gar nicht vordergründig ums Bloggen, wie es einen der Titel vermuten lässt. Vielmehr geht es um üble Nachrede, eine Schülerin betreffend. Erst zurückhaltend persönlich, später mit einem gefakten (Facebook)-Profil und als Krönung sogar mit einer eigenen Internetseite, die durchaus auch ein Blog sein könnte. Agnes Hammer verpackt die Thematik dabei in eine interessante und spannende Geschichte, die genau so in der Realität passieren könnte.

Besonders fasziniert (positiv wie negativ) haben mich die Gespräche unter den Jugendlichen. Diese sind der Autorin klasse gelungen, denn sie waren einfach echt. Genau so haben wir als Jugendliche geredet, bzw. reden Jugendliche heute noch. Bei einigen Sätzen war ich während des Lesens richtig entsetzt, bei anderen habe ich mich erschrocken und bei manchen habe ich mich geschämt. Manche Sätze (z.B. Die geht ja gar nicht!) kommen einem doch sehr bekannt vor. Hat man diese schon selbst gebraucht? Hört man die nicht immer wieder?
Auch wenn so ein Satz zunächst harmlos klingt, kommt man ins Grübeln, was einen Menschen dazu bewegen kann diesen auf andere Menschen anzuwenden, bzw. zu beurteilen was geht und was nicht geht. Keiner hat das Recht einen anderen wegen seinem Äußeren, seiner Meinung oder seinen Hobbys zu be- oder verurteilen! Das steht sogar schon in unserem Grundgesetz (Die Grundrechte, Artikel 1-19). Hier bietet "Ich blogg dich weg!) viel Stoff zum Nachdenken. Jeder für sich persönlich und vor allem auch als Diskussionsgrundlage in Schulklassen und Leserunden.

"Ich blogg dich weg!" ist kein Buch, welches die Dinge beschönigt. Einige Handlungen sind sehr hart, wie sich das Opfer, hier Julie, dabei fühlt ist sehr gut beschrieben. Mit einigen Charakteren will die Autorin den Leser sicherlich etwas in die Irre führen, andere verhalten sich genau so, wie man das beim Lesen erwartet. Dadurch bleibt die Handlung stets interessant.
Obwohl sich Julie Hilfe sucht, und diese auch bekommt hat die Geschichte keinen Ende-Gut-Alles-Gut-Schluss. Ich fand das Ende eher tragisch und wenig einsichtig, seitens gewisser Personen. Doch auch das ist heute gang und gäbe - und gerade darum so erschreckend!

Fazit
"Ich blogg dich weg!" hatte mein Interesse sofort. Ich blogge selbst, und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass jede Online-Szene, ob Blogger untereinander oder der Austausch in den Sozialen Netzwerken, nicht nur Sonnen-, sondern auch viele Schattenseiten hat. Agnes Hammer gelingt es in ihrem Buch, den Blick wieder etwas zurechtzurücken. Man muss nicht jede Person mögen oder umschmeicheln, man muss nicht immer einer Meinung sein. Wichtig ist gegenseitiger Respekt. Ein respektvolles Miteinander, gerade auch online, ist die Basis für ein korrektes Verhalten in dieser Beziehung. Sich das wieder neu bewusst zu machen, dabei kann "Ich blogg dich weg!" wirklich helfen. Das Buch bekommt meine höchste Leseempfehlung, da es jeden anspricht, der sich online oder in Cliquen/Gruppen engagiert.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Klingt nach einem Buch, dass sich perfekt für den Schulunterricht eignent, wenn es nicht sogar bereits der Fall ist. Allein der Titel ist ja schon sehr aussagekräftig und wie es scheint, sehr passend gewählt. Ja, das Internet samt Facebook, Twitter, You Tube, Blogs und was es sonst noch so gibt... hat schon seine Vor- und Nachteile und man merkt wirklich, dass es reichlich Stoff für die Autoren bietet. Dieses hier klingt schon sehr interessant und vielleicht werfe ich da auch mal einen Blick rein. Wo ich zumindest beim Bloggen mitreden kann, wenn schon nicht bei o. g. genannten Medien. Obwohl ich habe kürzlich eine Review gelesen (war es bei Friedelchen?), da ging es um einen Roman der sich größtenteils um Facebook drehte. Klang auch sehr interessant. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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  2. @Reni, Im Grunde ist "Ich blogg dich weg!" die perfekte Schullektüre, wie auch schon "Die Scanner". Es geht gar nicht so sehr ums Bloggern an sich, aber darum, was Onlinemobbing für eine krasse Wirkung erzielen kann. Mich erschreckt so was immer wieder und man kann auch für sich selbst immer nur lernen zu hinterfragen, was und wie man in der virtuellen Welt kommentiert. Mein Exemplar habe ich auf FB unter interessierten Bloggern verlost. Es sollte noch oft besprochen werden. Bussi :-*

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  3. Mir hat das Buch ehrlich gesagt nicht sonderlich überzeugen können... Ich fand es sehr schade, dass die Figuren so einseitig dargestellt wurden. Beispielsweise Ela wirkt ja einfach nur fies und gemein...

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  4. @Wonder, Ich kann dich verstehen. Ela wirkte wirklich fies. Und bei manchen gab es null Einsehen oder Schuldgefühle. Das hat mich etwas erschreckt. Aber glaubst du nicht, dass es solche Mädchen wirklich gibt? Als Diskussionsstoff für Schulklassen oder auch Betroffene finde ich das Buch genau richtig.

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  5. Ich habe schon einiges zu diesem Buch gelesen, überwiegend positv. Aber... das Thema ist schwieirg.. mal sehen, ob ich mir einen eigenen Eindruck machen werde.

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    1. @Evy - Vielleicht ist die Geschichte ja nicht jedermanns-/fraus Sache, aber das Thema finde in der Zeit von Blogs und Social-Media sehr wichtig (auch wenn es schwierig ist). Darum eignet sich das Buch ja auch so gut als Schullektüre für Jugendliche.

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