Montag, 11. März 2013

Review zu "Warm Bodies" (Mein fahler Freund) von Isaac Marion



Tropen bei Klett-Cotta (Februar 2013),
Taschenbuch, Filmausgabe, 299 Seiten,
9,95 € [D]
www.warmbodies-derfilm.de

Hardcovertitel: "Mein fahler Freund"


"Ich bin tot, aber das ist nicht so schlimm."

R ist ein Zombie. Es ist ihm peinlich, dass er sich nur an den ersten Buchstaben seines Namens erinnern kann. Wie die anderen Zombies verbringt R seine Zeit mit Herumstehen und Stöhnen. Was die Wenigsten wissen: Tot sein ist leicht. Bei einem der Raubzüge in der Stadt trifft R auf Julie. Dummerweise hat er gerade das Hirn ihres Freundes gegessen. R weiß nicht warum, aber er verliebt sich unsterblich in Julie - ausgerechnet in ein lebendes menschliches Wesen. "Warm Bodies" erzählt die Geschichte des bestaussehenden und charmantesten Zombies aller Zeiten. (Text-, Zitat-, und Bildquelle: Klett-Cotta Verlag)


Ich presse die Hand auf mein Herz. Dann strecke ich sie langsam nach Julie aus und legte sie auf ihres. [...] Sie sieht hinab auf meine Hand und starrt mich entgeistert an. "Willst du. Mich. Verarschen." - R, S. 64


Meine Meinung
"Warm Bodies" war nicht mein erstes Zombie-Buch und es ist auch nicht die einzige Lovestory mit diesen toten Gesellen. Man braucht schon eine gewisse Affinität für diese Art von Geschichten, denn ohne gruselige und makabere Szenen geht es hier meistens nicht. Interessiert hat mich das Buch schon in der originalen Hardcoverausgabe "Mein fahler Freund". Wahrscheinlich ist das Thema Zombie, besonders eine Zombie-Lovestory, noch ein echter Exot im Buchgenre. Das Buch hatte schon in der originalen Version viele gute Kritiken. Kann ich mich diesen jetzt anschließen? Ich kann! "Warm Bodies" hat mich absolut nicht kalt gelassen. Es ist wunderbar!

Der Handlungsstrang ist einfach. Im Grunde geht es darum, dass R Julie begegnet, einem Menschenmädchen, und sich in sie verliebt. Die Art und Weise, wie das vonstatten geht, ist, man kann es nicht anders beschreiben, makaber sympathisch und tödlich romantisch.
Die Story spielt im ehemaligen Amerika. Was genau passiert, und warum es Zombies gibt, erfährt man zuerst spärlich und dann auch nicht allumfassend. Das macht aber überhaupt nichts aus. Das Setting soll die Geschichte unterstützen und nicht ablösen.

Die ganze Geschichte wird vom Zombie R erzählt. Zombies vergessen mit dem Stadium ihres Alters, bzw. ihrer Verwesung immer mehr und auch R kann sich nicht mehr an seinen vollen Namen erinnern. Das Besondere (neben dem Umstand, dass wir es hier mit einem männlichen Ich-Erzähler zu tun haben) ist Rs Art zu Denken. Er kann zwar kaum sprechen, muss sich auf einzelne Wörter oder Silben beschränken, denkt aber wie ein normaler Mensch. Meiner Meinung nach sogar darüber hinaus, oft philosophisch und tiefsinnig. Wenn R also mit wörtlicher Rede spricht, ist das sehr kurz, abgehackt und mit vielen ... Punktierungen. Denkt, bzw. erzählt er, dann kommt man seinen gedanklich-verbalen Ergüssen manchmal kaum hinterher.

Die toughe Julie verändert nicht nur Rs Denkweise, sondern auch seinen Zustand. Das fällt beim Lesen sofort auf. Genaueres muss man lesen, es ist einfach nur erstaunlich. So wird aus stumpfer Gleichgüligkeit ein sympathischer und freundlicher Beschützer. Seine Art zu erzählen ist sehr trocken, humorvoll und lyrisch. Ich erinnere, R ist ein verwesender Zombie, dem man nicht im Traum begegnen möchte. Trotzdem erobert er das Leserherz im Sturm. Ich fand ihn und seine Gedankengänge beeindruckend.

Spannende und nachdenkliche Parts wechseln sich ständig ab. Eine fahle Story sieht anders aus. Insbesondere das Ende ist supergut, aber eben auch speziell.
"Warm Bodies" kann man als abgeschlossenen Roman lesen. Auf seiner Homepage www.isaacmarion.com hat der Autor ein Prequel zur Geschichte ("The New Hunger", E-Book, bislang nur auf Englisch) veröffentlicht und auch eine Fortführung des Romans ist geplant.

Fazit
"Warm Bodies" kann ich wärmstens empfehlen! Es ließ mich überhaupt nicht kalt - nach nur 100 Seiten hatte ich Tränen der Rührung in den Augen - und hat mir das Herz gewärmt (ja, ich weiß, aber diese warm/kalt-Wortspiele passen hier einfach zu gut). Das Buch ist makaber und spannend und krass und gefühlvoll und lyrisch und anders. Außerdem hat es einen großartigen Stil. Eine Zombiegeschichte, die sich jetzt zu meinen Lieblingen zählen darf. Unbedingt und wärmstens empfehlenswert!

© Damaris Metzger, damarisliest.de


Kinotrailer zur Buchverfilmung von 2013


Kommentare:

  1. He, du bist ja doch auch noch wach . . .

    Ja, ich weiss, Simone und du, ihr habt es geschafft, dass "Warm Bodies" auch bei mir weit oben auf die Wunschliste gerutscht ist :-)

    Ich habe eben meine erste "neue" Kurzrezension online gestellt . . . nun brauche ich nur noch einen guten Titel :-)

    glg Favola

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  2. Ich lese das Buch auch gerade ... ich bin erst durch den Trailer darauf aufmerksam geworden. Zwar hatte ich schon vorher von dem Buch "Mein fahler Freund" gehört, allerdings hatte ich mir nie die Mühe gemacht zu lesen, worum es darin geht. Jetzt bereue ich es ... denn sonst hätte ich dieses wundervolle Buch schon viel früher bekannt.

    Du hast eine wirklich tolle Rezension geschrieben. Ich bin zwar noch nicht ganz mit dem Buch durch, finde es aber genau wie du richtig toll ... es ist einfach anders, auf eine verrückte Art und Weise richtig romantisch, irgendwie aber auch markaber und ekelhaft ... und doch einfach wunderschön! Der Schreibstil ist einfach herrlich und alleine die Idee, eine Geschichte aus der Sicht eines Zombies zu schreiben ist einfach zum Schreien. Ich liebe seinen Schreibstil; ich liebe die Art und Weise wie er alles beschreibt ... ich bin soo begeistert, ich zähle das Buch bereits jetzt zu meinen "personal bests" und auch den Film fand ich große Klasse! Ich bin ein richtiger Fan :-)

    Liebste Grüße
    Ivi

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  3. oh danke, die rezi kommt genau richtig. ich hab nämlich angefangen und hänge grad etwas, aber habe ähnliches gefühl zum hauptprotagonisten... also durchhalten :) ich danke....

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  4. Es freut mich total, dass dir das Buch ebenso gut gefiel/gefällt wie mir! Ist eben mal was anderes und die Entwicklung, nicht nur Rs, sondern der gesamten Zombies, ist toll dargestellt. Ich freue mich jedenfalls sehr auf die - hoffentlich wirklich kommende - Fortsetzung, sollte sie denn auf Deutsch erscheinen...

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  5. Schön, dass dieses Buch nicht nur mir so gefällt (: Schade, dass wir alle jetzt noch so lange auf "The New Hunger" warten müssen. ;(

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  6. Das klingt ja richtig toll!!
    Wie gut, dass ich es schon auf dem SuB habe! :)
    LG Jan

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  7. Hallo Damaris.
    Aus einem Blickwinkel heraus ist R.. ein Montague, während Julie eine Capulet. Beide unverstanden in ihrer Liebe füreinander.

    "Es war die Nachtigall und nicht die Lerche..."

    Genug Shakespeare!

    bonté

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  8. So, eigentlich hatte ich hier gestern schon einen Kommi geschrieben, aber irgendwas ist da wohl schiefgelaufen. Also ein neuer Versuch mit gleichem Inhalt. ;)

    Ich habe mir am Wochenende den Film angeschaut und fand ihn super! Im Film kommt das alles schon sehr humorvoll rüber. Vor allem Rs beliebtes Schulterzucken und seine ironischen Gedanken. Ich überlege nun, ob ich das Buch trotzdem irgendwann noch lese. Hier scheint die Story ja noch um einiges emotionaler und herzlicher zu sein. Obwohl die Lovestory im Film auch super rüberkommt und ich Rs Entwicklung (und die der anderen Zombies) dort schon mochte. Klasse und erfrischende Rezi. :)

    Apropos Zombies: langsam könnte mal die Fortsetzung von "Dark Love" erscheinen.

    LG, Reni

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  9. Deine Rezi war wider mal super und ich will mir das Buch auch unbedingt kaufen, am liebsten als Film Version aber ich habe da schon schlechte Erfahrungen gemacht (Einmal habe ich eine stark gekürzte Filmversion gelesen) und weis jetzt noch nicht so genau ob ich der Filmversion trauen kann..... LG J

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  10. @Alle, heute fasse ich euch alle mal zusammen :-) Ich hatte jedem ausführlich geantwortet und beim Veröffentlichen hatte ich einen Internetausfall -alles weg :-(
    Ich bin von Warm Bodies immer noch ganz angetan, wer es auf seinem SuB hat, kann sich wirklich freuen! Leider habe ich es jetzt nicht mehr in den Film geschafft, bei uns lief der zu total blöden Zeiten (12:30 oder 14:30 Uhr - äh, wer hat denn da Zeit, mit Familie, Schule, usw.??!!) Naja, dann hole ich ihn mir dann eben auf Blu-ray.

    Julia, diese Filmversion hat, soweit ich das beurteilen kann, genau den gleichen Inhalt wie "Mein fahler Freund". Mir ist überhaupt nichts negativ aufgefallen.

    Reni, nach der Fortsetzung von Dark Love habe ich auch kürzlich geschaut, aber nix gefunden. Wird auch mal Zeit, will ich dann auf jeden Fall lesen.

    Euch allen noch eine schöne restliche Woche!!

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