Donnerstag, 28. Februar 2013

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel



Fischer (August 2000 - vergriffen),
Carlsen (1998),
Taschenbuch, 480 Seiten,
8,95 € [D]


Der siebzehnjährige Phil ist auf der Suche. So wenig er über seine Vergangenheit weiß, so chaotisch ist seine Gegenwart. Da ist zum Beispiel seine Mutter Glass mit ihren ständig wechselnden Liebhabern. Oder seine Zwillingsschwester Dianne, schroff und eigenwillig, mit Geheimnissen, die sie längst nicht mehr mit Phil teilt. Oder Annie, die verrückte Alte mit den roten Schuhen, die sich ausschließlich von Kirschlikör zu ernähren scheint und Nicholas, der Unerreichbare, in den sich Phil unsterblich verliebt hat. Phil sehnt sich nach Orientierung und Perspektiven. Und vor allem danach, mehr über sich selbst zu erfahren ... (Text- und Bildquelle: Carlsen Verlag)


Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. [...] Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer. - S. 459


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. So kurz nach dem Lesen kann ich gar nicht richtig in Worte fassen, wie ich das Buch beschreiben soll. Es ging sehr tief, und ich denke viel an Phil, seine Liebe zu Nicolas, seine zurückgezogene Zwillingsschwester Dianne und ihre chaotisch-selbstbewusste Mutter Glass. Im Allgemeinen lässt sich das Buch wohl als Drama oder Orientierungsbuch beschreiben. Einduck wird es auf Erwachsene und Jugendliche machen.
  2. Andreas Steinhöfel beschränkt sich in seinem Buch komplett auf die Geschichte von Glass und ihren zwei Kindern Phil und Dianne. So weiß man zum Beispiel nicht, in welcher Stadt die Geschichte spielt, nur dass Glass kurz vor der Geburt der Kinder, und ohne Mann, Amerika verlassen hat und nach Deutschland (??) ausgewandert ist. Seitdem wohnt die Familie in einer alten Villa am Stadtrand. Hier spielt sich die ganze Geschichte ab, die Phil im Ich-Stil erzählt. Die Erzählung hat eine Präsens-Handlungsstrang im Jetzt und viele Rückblenden im Präteritum. Am Ende des Buches hat man vom Leben der Familie ein recht umfassendes Bild.
  3. Die Hauptperson ist aber Phil. Er ist, seit er zurückdenken kann, schwul, erzählt von seiner Kindheit und dem frühen Jugendalter und hat nun, mit 17, die erste verliebte Beziehung zu einem anderen Jungen. Phil ist ein sehr sensibler Charakter. Oft tat er mir, oder die Umstände, in denen er sich befand, sehr leid. Trotzdem ist Phil ein Kämpfer, er ist nicht auf den Mund gefallen, lebt sein Leben und trifft sehr reife Entscheidungen, die mich oft überrascht haben.
  4. Oberflächlich betrachtet könnte man die kleine Familie als komplett verkorkst halten. Das liegt an der (scheinbar) verrückten und sorglosen Mutter Glass. Sie hat eine regen Männerverschleiß, führt darüber sogar eine Liste und schert sich nicht groß darum, was die Menschen in der Stadt von ihr und ihren Kindern denken. Durch die Mutter haben die Kinder eine ständige Außenseiterrolle. Besonders Phils Zwillingsschwester Dianne scheint sehr darunter zu leiden. Bei ihr hat man ständig das Gefühl, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Im Grunde hat aber gerade Glass sehr tiefe Gefühle für ihre Kinder und sorgt sich um sie, nur ist ihre Art, diese zu zeigen etwas ... ungewöhnlich. Glass war mir anfangs sehr suspekt, am Ende hatte sie meinen ehrlichen Respekt.
  5. "Die Mitte der Welt" ist ein außergewöhnliches (gutes!) Buch. Es ist durch viele lyrische Betrachtungsweisen der Dinge nicht längenfrei und enthält viele Rückblenden und Gedanken des Hauptprotagonisten Phil. Er war mein kleiner Held der Geschichte! Auch das Ende stellt zufrieden und passt perfekt. 

5 Adjektive, die mir spontan zu diesem Buch einfallen

lyrisch, tiefgreifend, anspruchsvoll, herzergreifend und bemerkenswert


Zusammengefasst vom Fazitbär
"Die Mitte der Welt" ist ein anspruchsvolles und meisterhaftes Buch, in das man beim Lesen vollkommen versinken kann, auf das man sich aber auch komplett einlassen muss. Die vielen positiven und begeisterten Meinungen haben einen berechtigten Grund. Der Klappentext auf meinem Exemplar könnte es nicht besser beschreiben - "Ein packender, kunstvoll geschriebener Roman über das Leben eines Heranwachsenden, der Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen begeistert."


© Damaris liest.

Kommentare:

  1. Grüß Dich, Damaris.
    Anmerkenswert - Dein Zitat.
    Das Leben ist voll solcher Messer, die unerkannt aus dem Dunkel aufblitzen. Oft nicht in der bösen Absicht geführt, aber die Klinge schmerzt kein Deut weniger, deshalb. Narben über die das Leben weiterzieht. Dabei sind manche gänzlich ohne ein solches Messer unterwegs.
    Erinnern nur noch kleine Narben an frühe Hoffnungen, bleibt die Einsamkeit ein ruhiger Ort.

    Ein paar Gedanken nur, die mir bei der Metapher in den Sinn kamen.

    bonté

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  2. Ich habe das Buch im Jänner gelesen und kann deiner Rezession nur voll und ganz zustimmen!

    LG Mary

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  3. @RoM, ich mag deine Gedanken zu meinem gewählten Zitat. Sie beschreiben das Buch ganz gut. Es ist wirklich ein kleines Juwel und die vielen begeisterten Rezensionen haben vollkommen recht!

    @Mary, dann bist du auch eine Spätzünderin, wie ich :-) Das Buch gibt es ja schon eine ganze Weile. Freut mich, dass es dir auch so gut gefallen hat!

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