Freitag, 18. Januar 2013

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Erzähl mir von der Liebe" von Beate Teresa Hanika



Fischer FJB (Juli 2010),
Hardcover/SU, 160 Seiten,
14,95 € [D]


Eine zarte Liebesgeschichte aus der harten Welt der Models.

Was bleibt von den Träumen von einem Leben voller Glamour und Ruhm auf den Laufstegen der Welt, wenn die Modelkarriere sich mit Mitte Zwanzig dem Ende zuneigt? Es bleibt eine unbestimmte Sehnsucht. Nach einem Platz im Leben. Nach jemandem, der auf einen wartet.
So geht es auch Leni, die von ihrer Agentur mit Hannah und Kennedy in einer WG in Berlin zusammengewürfelt wurde. Mit Jobs auf dekadenten Partys halten die drei sich über Wasser, und alte Fotos von weit entfernten Freunden werden zu Rettungsankern. Doch ist eine Rückkehr in ihr altes Leben überhaupt noch möglich? (Text- und Bildquelle: Fischer FJB)

Es ist so, sagt Hannah, man muss die Liebe schmecken können. Du küsst einen Typ. Knutscht rum. Er steckt dir seinen Zunge in den Mund, und du weißt genau, das ist richtig oder das ist falsch. Es schmeckt süß. Oder du musst kotzen. So ist das. - S. 7


5 zusammenfassende Sätze/Punkte zum Buch

  1. Lenis Geschichte hat zwei Erzählstränge, die immer wieder abwechseln. Die Haupterzählung begleitet Model Leni und ihre zwei Freundinnen auf einer dekadenten Party, für die sie gebucht wurden. Der zweite Erzählstrang blendet immer wieder zurück in Lenis Vergangenheit. Der Leser erfährt, aus welchen Verhältnissen Leni kommt, warum und wie sie Model wurde und was sie in ihrer Kindheit geprägt hat. Ich war beeindruckt von der Gefühlswelt, die die Autorin auf etwa 160 Seiten präsentiert.
  2. Dass der Modelalltag kein Zuckerschlecken ist, weiß wahrscheinlich fast jeder. Wie hart es aber für Models wird, die mit 23 schon viel zu alt für dieses Business sind, ist vielen nicht bekannt. Man erfährt viel aus dem Umfeld der Mädchen (Agenturen, Konkurrenz, Partys, ...) und was sie alles durchmachen müssen, um einen Job zu bekommen. Im Vordergrund stehen dabei immer Lenis Gefühle und wie sie mit den verschiedenen Situationen klar kommt. Die wenigsten Leser werden selbst Model sein, doch glaubt man der Autorin (die selbst als Model gearbeitet hat) jedes Wort.
  3. Auch wenn das Buch vom Umfang her recht dünn ist, und Leni die komplette Geschichte allein erzählt, meint man die Charaktere im Buch bestens zu kennen. Die Mädchen (Leni, Hannah und Kennedy), um die es hauptsächlich geht, sind alle so verschieden, mit ganz besonderen Eigenarten und eigenen Gefühlen, dass sie alle im Buch sehr präsent sind.
  4. Hier wird zwar die Modelbranche thematisiert, das Grundthema geht aber viel tiefer. Es geht um Gefühle, Ängste, das Leben an sich - und um die Liebe im Allgemeinen. So ist die Lovestory auch nicht offensichtlich und plump, man muss sie teilweise etwas zwischen den Zeilen suchen. Trotzdem ist sie einfach nur schön!
  5. "Erzähl mir von der Liebe" hat einen ganz eigenen Stil. Er ist sehr direkt, manchmal knapp und wie aus dem Leben geschrieben. Optisch verzichtet die Autorin auf die Kennzeichnung der wörtlichen Rede (wie auch schon bei ihrem Buch "Rotkäppchen muss weinen"). Kommunikation erschließt sich aus dem Text, man erkennt immer genau, wer gerade etwas sagt. Geschichte, Stil und Gefühl schnüren "Erzähl mir von der Liebe" zu einem faszinierenden Gesamtpaket.

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

leise, vielschichtig-gefühlvoll, hart, authentisch und direkt


Zusammengefasst vom Fazitbär:
Ich liebe diesen Stil! "Erzähl mit von der Liebe" war so schön und eindringlich, dass ich es am Stück gelesen habe. Lenis Geschichte nahm mich gefangen und ließ mich bis zum Schluss nicht los. Hier geht vordergründig zwar um Models (und ich bin keines!), hauptsächlich aber um Gefühle - und die brachte mir die Autorin so nahe, dass die Geschichte noch lange nachklingen wird. Eine "zwischen den Zeilen Lovestory" und eine unbedingte Leseempfehlung!


© by Damaris liest.

Kommentare:

  1. Hi,

    ich fürchte, ich muss dringend mal meinen SuB abbauen, denn dieses Buch liegt auch noch drauf.
    Nach deiner schönen Rezi ist es aber immerhin weiter nach oben geklettert :-)

    Liebe Grüße
    MacBaylie

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  2. Du sprichst mir aus der Seele :)

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  3. @MacBaylie, Das Buch hast du ganz schnell gelesen, es ist ja nicht dick. Die Story ist so schön! Du wirst es genau so genießen wie ich :-)

    @Nanni, Ja, du hattest recht. Das Buch hat definitiv immer einer Platz im Regal verdient. Dieser Stil ist einmalig gut!

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  4. Klingt toll, danke für die Empfehlung! Ich lese gerade auch vermehrt Contemporary YA Bücher, es muss ja nicht immer Fantasy sein und "normale" Liebesgeschichten gefallen mir meistens eh mehr. :-)

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  5. Ein tolles High-Five - danke für die interessante Leseempfehlung!
    Sicherlich ein interessantes Thema, bei dem oft nur an der Oberfläche gekratzt wird. Ich denke, dass man hier mehr (und vor allem authentischere) Einblicke erhält.
    Ein schönes Wochenende, Herzi!
    Drücker, Anka

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  6. @Friedelchen, Es war ein sehr tolles und iwie auch berührendes Buch. Ich lese neben der ganzen Fantasy auch gerne zeitgenössische Jugendliteratur (passt gerade sowieso gut zu der Challenge, an der ich teilnehme).

    @Anka, Danke dir! Der Stil von Beate ist so wunderbar, er ist hier so ähnlich, wie im Rotkäppchen Buch, sagt aber doch etwas anderes aus. Eine tolle und tiefsinnige Geschichte!
    Drück!

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  7. Hi Damaris,
    da freu ich mich wenn du mitmachst.
    Ich habe auch erst sehr selten TAGs beantwortet, weil wie schon gesagt, sie oft gar nichts mit Büchern zu tun haben.
    Ich bin gespannt auf deine Antworten und freu mich auf nächste Woche :)
    Liebe Grüße

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  8. Schönen Morgen, Damaris.
    Laufsteg ist ein harter Knochenjob, der nicht nur auf die Psyche geht. Eine Branche mit hohem Ausbeutungsfaktor. Die Ähnlichkeiten zum Profisport oder Film/Musik sind offensichtlich. Hat man/frau hier kein Auge auf sich - oder verdammt gute Freunde - ist der "kalte Entzug" Standard.

    Zu Hannahs Zitat.
    Im Grunde kann frau doch viel früher erkennen, ob der Küsser ecklig/süß ist. Lange vor der Intimität eines Zungenkusses zumindest.

    Auf 160 Seiten läßt sich bereits verdammt viel sagen. Dies zumal wenn der Text wie ein einziger Monolog wirkt. Ungeschnörckelte Prosa, direkt aus der Intension.
    Der Gefühlsbär hat gute Gründe zum grinsen.

    bonté

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  9. @Lesegiraffe, Dein Bücher-Tag steht schon für diese Woche an, und ich freu mich drauf! Wenn ich bei dir kommentiere, abonniere ich die Anworten per Mail. Nur zur Info, damit du nicht doppelt posten musst :-)

    @RoM, Mich hat das Buch so sehr beeindruckt, weil die Autorin die Gabe hat, Gefühle sensibel aber auch knallhart auszudrücken. Außerdem ist sie, weil sie selbst in diesem Beruf arbeitete, total glaubhaft. Natürlich weiß man im Allgemeinen wie es in der Modelbranche zu geht. Trotzdem geht mir das immer sehr unter die Haut, vor allem, wenn man es so serviert bekommt wie in diesem Buch.
    Hannahs Zitat fand ich so herrlich direkt, aber ich denke auch, dass man viel schneller merkt, was Sache ist. Und der Monologtext ist wirklich genial!

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  10. Das Cover habe ich schon öfters mal gesehen, dennoch habe ich nie geschaut, worum es jetzt genau geht. Hört sich auf jeden Fall nach einem interessanten Buch an! Insbesondere, dass die Autorin es auf 160 Seiten schafft, die Geschichte gut und glaubwürdig zu erzählen. Danke für den Tipp! Ich behalte es mal im Auge.

    Bussi,
    Reni

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  11. Hach wochenlang war ich nicht hier und ich hatte schon ganz vergessen wie toll ich den Fazitbär finde.
    Vielen lieben Dank für diese tolle "Rezi" und jetzt schaue ich hier wieder öfter vorbei.
    Und jetzt gehe ich mal stöbern und schauen, was ich so die letzten Wochen verpasst habe ;)
    Liebe Grüße
    Jessi

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  12. @Reni, Ich liebe die Art, wie Beate Hanika schreibt. Schon beim Rotkäppchen-Buch hat mich das sehr beeindruckt, obwohl das Thema da ganz anderes war als bei Model-Buch. Es ist wirklich ein schöner 160 Seiten-Tipp und es bleibt auch in meinem Regal! :-*

    @Jessi, Oh, danke für's vorbeischauen :-) Mach dir keine Gedanken, ich hab auch nicht immer Zei zum Stöbern und holen dann einfach teilweise alles geballt auf. Jaaaa, der Fazitbär darf immer wieder genre ran. Ich finde ihn auch so knuffelig :-)

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