Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rezension zu "Serafina: Das Königreich der Drachen" von Rachel Hartman



Verlag: cbj (November 2012)
Originaltitel: Seraphina
Übersetzer: Petra Koob-Pawis
Reihe: 1/3, ab ca. 12 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 512 S.
ISBN: 978-3570152690
17,99 € [D]

Genre: High Fantasy

© Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Das Thema
Serafina Dombegh lebt im Königreich Goredd, das seit einem Friedensvertrag zwischen Goredds Königin und den Drachen, neben den Menschen auch von Drachen bewohnt ist. Diese leben teilweise unter den Menschen, sind Gelehrte oder Abgesandte des Anführers der Drachenwelt. Drachen, die unter Menschen verweilen, müssen die menschliche Gestalt annehmen und sichtbar ein Glöckchen an der Kleidung tragen, welches sie als Drachen kennzeichnet.
Serafina ist am Königshof als Musikmamsell angestellt, sie unterstützt den Hofkomponisten bei seiner Arbeit. Sie selbst wurde von ihrem Lehrer Orma, einem alten Drachen, erzogen, der wegen seines Status' als Gelehrter kein Glöckchen tragen muss. Trotz des vor 40 Jahren geschlossenen Friedensvertrages begegnen sich Menschen und Drachen mit tiefem Misstrauen. Eine religiöse Gruppierung verlangt sogar den erneuten Krieg gegen die Drachen. Was niemand weiß, Serafina hat einen menschlichen Vater und eine Drachenmutter. Ein Skandal und ein Geheimnis, das sie unbedingt bewahren muss. Fast täglich könnte ihr Geheimnis am Königshof entdeckt werden. Und dazu spitzt sich das Verhältnis zwischen Drachen und Menschen immer mehr zu.

Die Rezension

Der Anfang: Ich erinnere mich an meine Geburt.

Drachenfantasy ist in der Literatur immer noch sehr speziell, und nicht jeder Leser ist ist diesen außergewöhnlichen Wesen auch zugetan. Im High Fantasy-Genre ist wohl die Eragon-Reihe der Maßstab für Drachengeschichten, und wenn sich sogar deren Schöpfer, Christopher Paolini, lobend über den Serafina-Reihenauftakt äußert, dann muss "Serafina: Das Königreich der Drachen" wirklich etwas Besonderes sein. Ist das so? Nicht komplett. Das Buch mag gut geschrieben sein und wird sicher den einige Fans finden. An den Charme, die Storyline und die spannende Action von Eragon reicht es aber bei Weitem nicht heran.

Seine Finger bohrten sich in meinen Arm. "Ich kenne Frauen wie dich - in Gewürm vernarrte Weiber. Du hättest sehr leicht eins über den Schädel bekommen können, während du ohnmächtig warst."
Ich konnte schlichtweg nicht fassen, was er soeben gesagt hatte. Hatte ich richtig verstanden? Ich sah ihn an. Sein Blick war eiskalt. - S. 98

Anfangs erfährt der Leser in einem Prolog zusammengefasst Serafinas Geburt, diverse Kuriositäten als Kind, bis zu Serafinas Entscheidung an den Königshof zu gehen, um dort ihre Liebe zur Musik ausleben zu können. Dieser Schnellüberblick reicht nicht aus, um eine Bezug zur Hauptprotagonistin des Buches aufzubauen. Diesen muss man sich auch in den Folgekapiteln erst erarbeiten. Mit der Zeit gelingt das jedoch ganz gut, und Serafina ist durchaus ein Buchcharakter, den man während der Geschichte zu schätzen lernt. Leider kann man das nicht von der Mehrheit der Charaktere behaupten und so bleiben in diesem, doch recht umfangreichen, Serienbeginn wichtige Bezugspersonen, wie der Drache Orma oder das gesamte Königshaus, recht blass.

Spannungspotenzial enthält die Geschichte genügend. So sind der Zwist und das Misstrauen zwischen den Menschen und den Drachen ständig zu spüren. Obwohl der Friedensvertrag nun schon 40 Jahre besteht, mögen die Menschen die Drachen nicht besonders. Diese sind auch sehr eigen, können zum Beispiel Gefühle nicht ausdrücken und ecken darum bei den Menschen ständig an. Anfangs läuft alles auf die Ankunft des Drachenoberhaupts hinaus. Kann dieser den Frieden waren und die Menschen von der freundlichen Gesinnung der Drachen überzeugen? Von diesem Punkt in der Geschichte erhofft man sich viel, erwartet eine beeindruckende "Show", denn Drachen sind nun mal beeindruckende Wesen. Die tatsächliche Ankunft des Drachenfürsten könnte dann unscheinbarer nicht sein, und der Fürst selbst gleicht eher einer Witzfigur. Allgemein trifft man die Drachen im Buch viel zu oft in linkischer Menschengestalt an, satt in der majestätischen Erscheinung eines feuerspeienden Drachen. Schade.
Stattdessen wird eine starke Gewichtung auf Serafinas musische Qualitäten, und so manche Kostprobe davon, gelegt. Altertümliche Instrumente, wie Flöte, Cemballo oder Laute passen ins mittelalterliche High Fantasy-Setting, könnten aber für Leser, die sich in diesem Thema nicht sehr gut auskennen, eher langweilig sein.

"Serafina: Das Königreich der Drachen" lebt von der verwendeten Sprache. Das Buch ist gut übersetzt und die gewählte Erzählform passt, trotz einer modernen Ich-Erzählerin, sehr gut zum Genre. Mit der Zeit entwickelt sich aus den politischen Spannungen ein Kriminalfall, bzw. ein Komplott, welches Serafina zusammen mit ihrem Lehrmeister Orma und dem Hauptmann der königlichen Garde aufzudecken versucht. Hier entwickelt sich auch die zarte Liebesgeschichte, die die Handlung gut unterstreicht und von leidenschaftlichen und kitschigen Ergüssen weit entfernt ist. Die Liebesgeschichte steht in diesem ersten Band definitiv noch ganz am Anfang und muss sich in den Folgebänden dann entwickeln.
Im hinteren Buchviertel steigt die Spannung dann an, man ist tatsächlich gefesselt. Hier erlebt man die Drachen dann endlich auch einmal kurz in ihrer Urform. Das Buch endet nicht mit einem Cliffhanger, aber es tut sich ein neuer Abschnitt auf, der dann im Folgeband das Hauptthema sein wird.

Das persönliche Fazit
"Serafina: Das Königreich der Drachen" ist unbestritten ein gut geschriebenes High Fantasy-Buch. Der Beginn war mir persönlich zu zäh und die Handlung insgesamt viel zu politisch. Einigermaßen versöhnt wurde ich dann gegen Ende, doch für die vielen mäßig interessanten Stellen im Buch entschädigte mich das nicht. Dieser erste Teil ist eher ein Königreich der Menschen als der Drachen, eine Gewichtung auf die Urform der Drachen, als majestätische, feuerspeiende Wesen, hätte der Geschichte gut getan. In der menschlichen Form waren sie mir nicht aussagekräftig genug. Trotz der sprachlichen Qualitäten bleibt "Das Königreich der Drachen", gemessen an anderen Drachenbüchern des High Fantasy-Genres, nur Mittelmaß. 3 Sterne!

Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3 / 5
Lesespaß: 2,5 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Kommentare:

  1. Habe ja schon während deinem lesen mitbekommen, wie es dir so gefällt. Und deine Rezension deckt sich nun zu mindestens 99% mit meiner Meinung :-)
    Am seltsamsten fand ich den Kopfgarten :-D

    Bei der Fortsetzung werde ich definitiv mehrere Meinungen abwarten... Und die müssen seeeehr gut sein ;-)

    Glg
    Steffi

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  2. @Steffi, Oh Gott der Kopfgarten, bzw. die "in Ard" Gedankenarchitektur :-P Ja, das sollte hier auch noch mit rein. Hab ich vergessen u. es wäre dann noch länger geworden. Fand ich auch seltsam u. konnte damit auch nicht wirklich was anfangen, obwohl ich von High Fantasy so manche Kuriosität gewöhnt bin. Nee, ich denke für mich ist mit diesem Band Schluss ;-)

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  3. Hauptsache nach diesem Buch ist alles in Ard :-)
    Viel Spaß bei der Folgelektüre - die hat die besten Voraussetzungen ;-)
    Lg
    Steffi

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  4. Danke für die tolle Rezi!
    Damit kann ich für mich sagen, dass ich das Buch nicht unbedingt lesen muss, denn es ist dann doch nicht so unbedingt das, was ich an Büchern mag. Hatte vorher schon so das Gefühl, jetzt bin ich mir doch recht sicher.

    LG
    Lilly

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  5. Servus, Damaris.
    Drachen als Charaktere sind heikles Terrain und nicht leicht sufzubauen. Wobei die Literatur noch den Vorteil genießt keine Bilder zeigen zu müssen. Im Film ist der Absturz näher als jedes Überzeugen. Vermutbar dürfen sie deswegen lediglich holde Jungfrauen rauben und edlen Rittern im Weg zur Karriere stehen.

    bonté

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  6. Hallo Geburtstags-Maus!
    Wie ich sehe, habe ich die richtige Entscheidung getroffen, indem ich das Buch an eine Freundin weitergegeben habe. Für mich war es auch nichts :)
    Trotzdem eine schöne Rezi - wie gewohnt!
    Lass dich drücken,
    Anka

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  7. Also wenn "Serafina" langweiliger ist ist als "Eragon" ist es definitiv nichts für mich. Denn schon die Reihe von Christopher Paolini fand ich unsagbar langweilig. Möglicherweise liegt das auch an den Drachen - ich scheine nicht viel mit diesen Wesen anfangen zu können...Meinst du denn, dass mir "Serafina" gefallen kann, wenn es der anderen Reihe nicht gelungen ist? Interessant klingt es ja irgendwie schon ;) Und eine nicht zu stark ausgebaute Liebesgeschichte ist immer gut, meiner Meinung nach.
    Auf jeden Fall eine schöne Rezension!

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  8. @Lilly, Nicht unbedingt :-) da hast du recht! Ich finde Drachenbücher auch immer sehr speziell. Es ist nicht einfach mich da zu überzeugen. Serafina war gut geschrieben, aber für sehr zäh und langweilig.

    @RoM, Ich finde auch, dass Drachen ein heikles Thema sind. Im Buch, wie im Film. Für mich sind Drachend diese Feuerspeienden Urwesen (etwa wie in "Die Herrschaft des Feuers" - find ich auch sehr sehenswert!). Drachen können im Film schnell lächerlich wirken und bei Serafina waren sie einfach sehr zäh und auch etwas nichtssagend. Sei's drum, jetzt isses vorbei :-)

    @Anka, Danke :-) Ich kann dich sehr gut verstehen, dass du nach ein paar Seiten wusstest, dass das Buch nichts für dich ist. Gerade anfangs musste ich sehr kämpfen, obwohl ich dieses Genre mag. Später wurde es dann besser und das Buch ist gut geschrieben. Begeistern konnte es mich nicht :-(

    @Sonne, Ich bin mir unsicher, ob du Serafina mögen würdest. Es ist kein schlechtes Buch. Ich fand zB Eragon dagegen sehr rasant und fast schon episch (schon allein von der Länge her). Was das alles vorkam (Wanderung, Drachen, Schlachten, Verrat, Elfen, ...) war schon brachial. Serafina kommt da für mich einfach nicht ran und die Lovestory... neee, nicht der Rede wert :-(

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  9. Ich kann die nur zustimmen, der Anfang der Geschichte ist sehr zäh und richtig in Schwung kommt der Roman nicht. Vielleicht wird es im zweiten Teil spannender, zumal darin die Drachen wohl in ihrer ursprünglichen Gestalt kämpfen müssten.

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  10. @Michael, Ich habe deine Rezension auch gelesen und wir sind uns hier wohl absolut einig. Die Handlung plätschert und kommt nicht in Schwung, obwohl die Grundthematik ja sehr interessant ist. Ich weiß noch nicht, ob ich die Reihe weiterlese.

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