Freitag, 7. Dezember 2012

Review zu "Wenn auch nur für einen Tag" von Annette Moser



Loewe (Oktober 2012),
Taschenbuch, 416 Seiten,
7,95 € [D]


Lukas steht vor dem Nichts. Unter Zeugenschutz muss er alles verleugnen: seine Herkunft, seine Familie, sogar seinen richtigen Namen. Erst als er Jana kennen lernt, kann er sein neues Leben langsam akzeptieren.
Jana trauert um ihren Bruder Florian. Um den Schmerz zu lindern, verdrängt sie seinen Tod und verstrickt sich dadurch immer mehr in ein Gewirr aus Lügen.
Keiner von beiden ahnt, dass ihre Schicksale ausgerechnet durch Florians Tod verknüpft sind. Die Lügen drohen ihre Liebe zu zerstören. Dennoch wünschen sich Lukas und Jana nichts sehnlicher, als einmal ungetrübt glücklich sein zu dürfen – wenn auch nur für einen Tag.
(Text- Cover- und Zitatequelle: Loewe Verlag)


Meine Meinung
In "Wenn auch nur für einen Tag" treffen Lukas (der eigentlich gar nicht Lukas heißt) und Jana in Hamburg aufeinander. Lukas musste seine Heimatstadt Rom verlassen, weil er wegen der dortigen Vorkommnisse unter Zeugenschutz steht. Jetzt trifft er in Hamburg auf ein Mädchen, welches eigentlich so gar nicht seinem Typ entspricht. Beide haben ihre Geheimnisse, Lukas sein zurückgelassenes Leben in Italien und Jana trauert um ihren toten Bruder, tut aber vor Lukas so, als sei dieser noch am Leben. Die Beziehung der beiden ist so von Anfang an auf wackeligem Untergrund gebaut.

Dabei sehne ich mich so sehr danach, endlich einmal wieder unbeschwert und rundherum glücklich zu sein. So als gäbe es meine Vergangenheit nicht. Und wenn auch nur für einen Tag. Für die Wahrheit bleibt Zeit genug. Sie soll sich noch gedulden. - Jana, S. 249

Zuerst einmal ist diese Art von (Jugend-) Lovestorys nicht neu. Bad Boy verliebt sich in ein Mädchen, das er unter normalen Umständen nicht ein zweites Mal angeschaut hätte, und die Beziehung gipfelt dann in einem mehr oder weniger großen Drama. Hier ist es aber nicht so, dass Jana aus reichem Elternhaus und Lukas in eher ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Lukas gehörte in Rom zu den verwöhnten Celebrity-Kids, bewegte sich nur in besten Kreisen, bevor er sich in dubiose Geschäfte verstrickte. Janas Familie in Hamburg ist ziemlich zerrüttet. Die Mutter ist mit einem anderen Mann abgehauen und der Vater hat sich seit dem Tod des Sohnes komplett zurückgezogen. Darum lebt Jana auch in einer WG mit ihrer besten Freundin.

Lukas ist als Bad Boy gar nicht so schrecklich bad wie manch anderer seiner Genre-Kollegen. Er kommt sehr lässig und arrogant rüber und sucht sich in Hamburg natürlich auch als erstes die It-Clique als Freunde aus. Trotzdem hat er eine sehr liebe Art und ein versteckt nettes Wesen. Ich mochte ihn als Charakter ab Beginn.
Jana ist kein Mädchen von der Stange. Sie macht sich viele Gedanken, und gerade diese Tiefsinnigkeit sprach mich auch bei ihr sehr an. Nicht ganz klar war mir, warum genau sie vor Lukas den Tod ihres Bruders verheimlicht und sich hier in Lügen verstrickt. Dagegen ist Lukas' Heimlichtuerei nur verständlich, sobald man seine Vergangenheit in Italien kennt. Er steht ja unter Zeugenschutz und darf seine wahre Identität unter keinen Umständen offenlegen. Für den von Annette Moser gewählten Plot, sowie die Schlusshandlungen, sind beide Verhaltensmuster aber notwendig.

Aufmerksamen Lesern wird schon bald klar sein, was für ein dramatisches Finale auf einen zukommt. Man kann denken, wie genau Lukas' und Janas Schicksale verknüpft sind. Eine Gegebenheit am Ende wirkte auf mich etwas zu gewollt, um den Spannungsbogen explosiv in die Höhe zu treiben. Hier werden sich die Lesegeister scheiden, gestört hat es mich aber nicht. Trotzdem macht das Lesen großen Spaß. Manche Szenen zwischen den beiden Hauptprotagonisten sind so witzig, dass ich laut auflachen musste. Andere sind herrlich romantisch oder überraschend tiefsinnig. Den verwendeten Stil, Präsens mit abwechselnden Sichtweisen von Lukas und Jana, mochte ich total. "Wenn auch nur für einen Tag" ist ein abgeschlossener Jugendroman.

Fazit
"Contemporary Lovestorys" ist der englische Begriff für die Kategorie in die "Wenn auch nur für einen Tag" fällt. Bücher aus diesem Genre (zeitgenössische Liebesgeschichten ohne Fantasy) lese ich unheimlich gerne. Annette Moser schreibt hier eine Bad Boy-Lovestory, bei der der Bad Boy gar nicht so bad ist. Außerdem spielt die Geschichte nicht im Ausland, sondern hier in Deutschland, in Hamburg. Schon alleine das hat mir sehr gut gefallen. Trotz des nicht ganz neuen Themas empfand ich die Geschichte als frisch und sehr schön zu lesen. Im Grunde bekam ich genau, was ich mir erhofft und erwartet habe - eine süße, abgeschlossene Lovestory (ohne Kitsch!) mit einiger Dramatik. Ich hatte längenfreie Lesestunden. Wer dieses Genre mag, der kann beherzt zugreifen!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Ich stand schon ein paar mal vor dem Buch und habe überlegt, ob es nicht genau das richtige für einen langen, dunklen, kalten Winterabend ist - in deiner Rezension sieht es ganz danach aus. Besonders dass es in Deutschland spielt, interessiert mich bisher sehr.
    Das Buch ist ja auch nicht so teuer, deshalb denke ich, dass ich es mir dann bald mal zulegen werde. Vielen Dank für den Tipp! :)

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  2. Da ich auch bei der "Contemporary YA Challenge" mitmache, ist das Buch ja fast schon perfekt geeignet :-) Der Klappentext an sich klang ja schon ziemlich gut, nach deiner Rezi hat es mich nun völlig überzeugt - danke für den Tipp! :-)

    LG

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  3. Eine schöne Rezi, Herz! Klingt nach einem süßen Jugendbuch für Zwischendurch.

    Schönes Wochenende und viel Spaß beim Schneemann-bauen ;)

    Liebe Grüße
    Anka

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  4. Ich glaube, es wäre auch ein Buch für mich. steht jetzt auf meine Wunschliste:-)

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  5. Wie immer eine schöne Rezi. Das Buch landet auch auf meiner WuLi. Finde es toll, dass es mal so eine Geschichte gibt, die in Deutschland spielt :)

    LG und ein wunderschönes Adventswochenende :)

    Nanni

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  6. Hi, Damaris.
    Ich vermute jetzt einmal ins Blaue hinein, daß es Janas Verweigerungsreflex ist, den Tod ihres Bruders letztendlich zu akzeptieren. So lebt er für sie weiter - wenn auch nur in einem Gebäude voller Lügen.
    Lukas verhält sich eigentlich atypisch für jemandem im Zeugenschutz. Unauffälligkeit ist die conditio sine qua - da wirkt ein Tümpeln in der örtlichen It-Clique wie eine Leuchtpistole in der Neumondnacht. :-)
    Aber ich hör' schon auf mit unken...

    bonté

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  7. Auch mir gefällt, dass dieser Roman in Hamburg spielt nicht in Blatown USA, wo diese Genregeschichten in der Regel angesiedelt sind. Das hilft auch dabei sich in die Charaktere hinein zu versetzen, zumindest stelle ich mir das so vor. Denn das ewige Gemecker der Ami-Protagonisten über die Hierarchien der High School kenne ich vom Gymnasium so nicht, war schön da und es wird Zeit das mal eine deutsche Autorin über die Erlebnisse der lokalen Jugend schreibt, auch wenn dabei eine Geschichte über einen Jungen im Zeugenschutz heraus kommt ;) Ich werde mir auf jeden Fall eine Leseprobe schnappen - es wäre mein Debüt im Genre, für ein bisschen Romantik bin ich aber immer offen.

    LG, Katarina :)

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  8. @captain cow, Es ist wirklich ein schönes Schmökerbuch und 7,95 € sind für ein Taschenbuch top (die meisten kosten ja mehr!). Wenn man diese Art Storys mag, kann man nicht viel falsch machen :-)

    @Sophia, Für die YA-Challenge ist das Buch perfekt! Man kann es so ganz grob mit den Elkeles "Du oder.." Büchern vergleichen, auch wenn das Feeling etwas anders ist. Trotzdem sehr lesenswert :-) Du bekommst bald Post....

    @Anka, Der Schneemann steht schon :-) Und du hast recht, für zwischendurch war WanfeT genau richtig! Drück!

    @Nanni, Genau das hat mir auch sehr gut gefallen. Ich liebe Geschichten die in Deutschland spielen und nicht immer diesen Ami-Touch haben müssen :-) In dieser Hinsicht war WanfeT perfekt!

    @RoM, Jana hatte den Tod ihres Bruders schon aktzeptiert, auch wenn es ihr imm noch nicht so gut geht. Warum sie Lukas gegenüber dann so tut, als wäre Flo noch am Leben war mir nicht ganz klar. Wahrscheinlich will sie ihren neuen Schwarm nicht mit ihrer Vergangenheit "verschrecken". Ist auch wieder logisch. Und, ja, Lukas kommmt bei der It-Clique ganz schön ins Schwitzen. Er merkt bald, dass sie nicht so das Wahre ist. Unken ist immer gut ;-)

    @Katarina, Jup, genau so empfand ich das auch. Wir kennen diese Ami-Gefüge ja meist nur aus Bücher und Filmen, bei uns geht es oft anders zu. Auch in WanfeT gibt es Hirarchien, besonders bei besagter It-Clique, aber es ist nicht so ausgeprägt, wie in Ami-Büchern dieses Genres. Ich mochte das HH-Setting sehr gerne! :-)

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  9. @Méditerrannée, für die Wunschliste lohnt es sich auf alle fälle! Es ist nicht teuer und man hat ein paar wirklich schöne Lesestunden damit :-)

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