Donnerstag, 4. Oktober 2012

Rezension zu "Plötzlich Fee: Frühlingsnacht" von Julie Kagawa




Verlag: Heyne fliegt (August 2012)
Originaltitel: The Iron Knight
Übersetzer: Charlotte Lungstraß
Reihe: Band 4/4 , ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 512 S.
ISBN: 978-3453267275
16,99 € [D]

Genre: Urban Fantasy


Inhalt/Verlagsinfo
Das Schicksal Nimmernies entscheidet sich!
Ash, der Winterprinz, hat für seine Liebe zu Meghan bereits alles riskiert. Seine eigene Mutter, die eisige Königin Mab, stellte sich ihm in den Weg, aus Nimmernie wurde er verstoßen, und sein einstiger bester Freund Puck wurde zu seinem Rivalen. Eigentlich müssten nun endlich bessere Zeiten anbrechen, denn die Eisernen Feen sind geschlagen und Meghan wurde zur rechtmäßigen Königin ihres Reiches gekrönt – eines Reiches, in dem Ash nur dann überleben kann, wenn er das Einzige, das ihm von Mabs Erbe noch geblieben ist, preisgibt: seine Unsterblichkeit. Und so steht für Meghan und Ash ein weiteres Mal alles auf dem Spiel, und in seiner dunkelsten Stunde muss der Winterprinz eine Entscheidung fällen, die ihm Meghan nicht abnehmen kann: ob ihre Liebe stark genug sein wird, die Schatten der Vergangenheit zu besiegen … (Text- und Bildquelle: Heyne fliegt Verlag)

Über die Autorin
Julie Kagawa wurde in Sacramento, Kalifornien, geboren, bevor sie im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie nach Hawaii umzog. Schon in ihrer Kindheit war das Schreiben ihre große Leidenschaft: Langweilige Schulstunden vertrieb sie sich damit, all die Geschichten festzuhalten und zu illustrieren, die ihr im Kopf herumspukten - nicht gerade zur Freude ihrer Lehrer. Nach Stationen als Buchhändlerin und Hundetrainerin machte sie später ihr größtes Interesse zum Beruf und wurde Autorin. Sie lebt und schreibt in Louisville, Kentucky.

Rezension

Der erste Satz: "Hey, Eisbubi! Bist du sicher, dass du weißt, wo es langgeht?"

Meghan musste ihren Liebsten Ash aus dem Reich der Eisernen Feen verstoßen. Ash kann als Winterfee dort nicht überleben und Meghan nimmt ihr Schicksal, die Königin der Eisernen Feen zu sein, sehr ernst. Trotzdem hat Ash geschworen, dass er einen Weg finden wird, um zu Meghan zurückzukehren. So macht er sich mit Sommerfee und Hofnarr Puck, sowie Kater Grimalkin, auf, um seinen Schwur zu erfüllen.

Die Plötzlich Fee-Reihe ist großartig! Doch viele Fans wollten das Ende von Band 3 einfach nicht wahrhaben. Dieses ist zwar gut, geht aber nicht ohne ein großes Opfer einher, bei dem die Hauptprotagonisten etwas mit den unglücklichen Königskindern zu vergleichen sind, die zueinander nicht finden können. Auch Julie Kagawas Lektoren sträubten sich gegen das Ende der ursprünglich geplanten Trilogie. So kamen die Fans in den Genuss eines vierten Abschlussbandes, diesmal aus der Sicht von Meghans Feenritter, dem eisigen Winterprinzen Ash.

Ich habe versprochen, einen Weg zu finden, damit wir zusammen sein können. Und ich werde dieses Versprechen halten. [...] Denn jede Ruine, die wir durchsuchen, jeder Drache, den wir töten, und jedes Gerücht, dem wir nachgehen, bringt mich einen Schritt näher an mein Ziel. Und sollte es auch hundert Jahre dauern, am Ende werde ich mit ihr vereint sein. - Ash, S. 16/17


Ash wiederholt sein Versprechen an Meghan noch mal ausführlich in seinen Gedanken und vor seinen Weggefährten. Und genau um diesen Punkt dreht sich das ganze Buch - die Suche nach einer Möglichkeit, um an der Seite von Meghan im Eisernen Königreich überleben zu können. Diese Möglichkeit ist auch bald gefunden. Jetzt heißt es für Ash einen langen, beschwerlichen Weg zu bestreiten, um den Hauch der gebotenen Chance zu ergreifen. Und das hat Julie Kagawa richtig gut gemacht. Man hat tatsächlich den Eindruck, die Weggefährten durchsuchen jede Ruine und folgen jedem Gerücht. Natürlich läuft das nicht glatt und sorglos ab. Ash und Puck geraten in allerlei Gefahren, stets begleitet vom beißenden Sarkasmus von Kater Grimalkin. Hier muss man anfügen, dass Ash und Puck den Höhepunkt ihrer Schlagabtausche erreicht haben. Diese sind wieder herrlich witzig und humorvoll, so dass man seitenweise das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommt. Da Feen aber an ihrer Schwüre gebunden sind und Ash einst geschworen hat, seinen Rivalen Puck zu töten, entbehrt das Ganze aber nicht einer gewissen Dramatik. Denn Ash kann hier einfach nicht aus seiner Haut, das Todesversprechen an Puck bleibt.

Natürlich verläuft eine solche Odyssee nicht ohne Zwischenfälle und Anfechtungen. Hier wählt die Autorin eine altbekannten Weg, der für viel Wirbel in Ashs Gefühlswelt sorgt. Mancher Leser wird etwas irritiert sein und sich die Fragen stellen, ob das jetzt wirklich sein musste. Glücklicherweise wird die Sache galant, aber sehr dramatisch aufgelöst. So hatte am Ende alles einen Sinn, die Geschichte ist sehr geschlossen, der Plot mustergültig. Das am Ende aufgeführte 'Überlebenshandbuch für das Nimmernie', sowie das 'Interview mit Julie Kagawa + Überraschungsgäste', ist grandios und zum Dauerschmunzeln.

"Plötzlich Fee: Frühlingsnacht" ist wieder ein tolles Buch! Humorvoll, actionreich, spannend und leicht romantisch. Es gibt aber drei gute Gründe, warum es nicht ganz an sein Vorgänger, vor allem "Winternacht" und "Herbstnacht" (Buch 2 und 3), heranreicht:
Erstens: Meghan fehlt! Zwar wird sie durch Traumszenen oder Erinnerungen von Ash stellenweise in die Geschichte integriert, aber das ist einfach nicht dasselbe, als wenn das sympathische Mädchen ständig präsent gewesen wäre. Meghan macht eben einen Großteil der Plötzlich Fee-Reihe aus.
Zweitens: Seine königliche Eisigkeit, der dunkle und frostige Winterprinz (für Puck schlicht Eisbubi), kurz Ash, stellt sich stellenweise nicht mehr ganz so dar, wie ihn viele Fans lieben gelernt haben. Das düstere Feenwesen wird durch die Prüfungen, auf dem Weg zum Ziel, arg gebeutelt, ist teilweise so ungewohnt nett und melancholisch. Einfach zu .... menschlich? Natürlich behält Ash ein gewisses Charisma, das ihn auszeichnet. Storybedingt ist er aber in diesem vierten Band viel weicher, zwar noch lange kein Softi, aber das typisch "ashige" leidet doch etwas.
Drittens: Im letzten Buchdrittel durchlebt Ash eine Phase, die ihn auf seinen Preis, mit Meghan zusammen zu sein, vorbereiten soll, bzw. ihm bewusst machen soll, was das für ihn bedeutet. Das ist zwar gut gemacht, schwächt aber das eigentliche Ende zu stark ab. Dieses ist rührend, aber zu schnell vorbei. Außerdem hat es die Autorin nicht übers Herz gebracht, Ash mit allen Konsequenzen zu dem zu machen, für das er sich entscheidet. So werden ihn nämlich viele nicht sehen wollen! So bleiben einige Hintertürchen offen. Ashs (teils bittere) Entscheidung verliert an dramatischer Konsequenz.

"Bist du sicher, dass du der Sache gewachsen bist, Eisbubi?" fragte er dann. "Ich weiß, du bist der Meinung, du könntest alles schaffen, aber das hier wird echt hart. Und 'Ash, der Irre' klingt einfach nicht so gut wie 'Lass-mich-in-Ruhe-sonst-bring-ich-dich-um-Ash'." - Puck, S. 319


Persönliches Fazit
"Plötzlich Fee: Frühlingsnacht" ist ohne Frage ein wunderbares Buch! Es ergänzt die bisherigen Bände aus einer komplett anderen Sicht und ist für Fans von Plötzlich Fee ein Must-Read! Ich hatte beim Lesen viel Spaß, habe ständig gelacht und verstand jeden der perfekt ausgearbeiteten Charaktere. Trotzdem hat mich das Buch auch nachdenklich, in Bezug auf die Reihe, gemacht. Hätte man mit dem Ende des dritten Bandes "Herbstnacht" nicht auch leben können? Das war zwar hart, aber, wie von Julie Kagawa ursprünglich geplant, authentisch-konsequent. Könnte sich hier die Floskel "Aufhören, wenn es am schönsten ist" bewahrheiten? Ich bin mir etwas unschlüssig. Darum von mir, für ein (fast) perfektes Buch, bei dem mir Meghan fehlte und ich Ash gerne etwas mehr Ash-like gesehen hätte, 4 Sterne.

Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Plötzlich Fee-Reihe:


Band 1: Plötzlich Fee: Sommernacht
Band 2: Plötzlich Fee: Winternacht
Band 4: Plötzlich Fee: Frühlingsnacht
Novellenband 5: Plötzlich Fee: Das Geheimnis von Nimmernie - bestehend aus den engl. Novellen "Winter's Passage" (Book 1,5), "Summer's Crossing" (Book 3,5) und "Iron's Prophecy" (Book 4,5)

Kommentare:

  1. Ich habe diesmal nur das Fazit und deine Kritik gelesen. Ich glaube sonst greife ich sofort zu Band III und IV und wills weglesen, aber ich habe noch Grischa als aktuelle Lektüre (und das macht mir grad so viel Freude), deswegen nur Kritik und Fazit. Ich finde es sehr interessant, dass du das Gefühl hast Ash ist nicht so 'ashig' wie sonst. Da bin ich sehr gespannt. Das mit Meghan kann ich durchaus verstehen und bin gespannt, ob mir das auch so gehen wird. Auf jeden Fall sehr gut geschrieben, auch ohne den Band gelesen zu haben, kann ich mir vorstellen, was du mit deiner Kritik meinst und beim Fazit machst du mir trotzdem richtig Lust auf das Buch :)

    LG
    Lilly

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  2. @Lilly, du hast Band 3 noch vor dir? SCHÖÖÖN!!! Band 4 war wirklich gut, aber meine Kritik fand ich berechtigt, auch wenn sie mir nicht das Lesevergnügen genommen hat, der Plot ist super! Ash bleibt natürlich Ash, er ändert sich nicht komplett. Trotzdem kam er in den anderen Bänden viel 'ashiger' rüber :-) Du wirst es sehen, bin dann gespannt, ob wir gleicher Meinung sind.
    Oh, wie toll, dass dir Grischa so viel Freude macht, das bedeutet mir viel, weil du das Buch ja hier gewonnen hast.
    LG,
    Damaris

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  3. Ich liebe die Reihe ja auch heiß und innig und fand diesen Band auch sehr gut, aber eben nicht so gut wie "Winternacht" und "Herbstnacht". Also kann ich dich sehr gut verstehen.

    Meghan hat wirklich etwas gefehlt, aber ich finde Grim hat das wieder wett gemacht. Du weißt ja ich liebe diesen Kater sehr. Er ist einfach zu genial :).

    Ich fand es allerdings auch mal gut, dass Ash etwas weicher wurde und es hat mich nicht gestört.

    Das der Verlag hier der Grund für Band 4 ist, ist irgendwie gut und schlecht zugleich. Vielleicht wäre es mit Band 3 auch gut gewesen, das war für mich allerdings ein unschönes Ende. Also bin ich doch irgendwie froh, dass es einen vierten Band gab.

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  4. Irgendwann werde ich hier mal weiterlesen, aber ja, ich finde mich in einigen Dingen jetzt schon wieder. Wobei ich es durchaus interessant finde, die Dinge mal aus Ash Sicht zu betrachten und darauf nun auch nicht mehr verzichten möchte. Nur vermisse ich dabei Meghan eben ganz stark und irgendwie blieb ich in der Mitte der Geschichte hängen. Naja, mal sehen wie es mir ergeht, wenn ich mich erneut ins Nimmernie stürze. Was demnächst ganz sicher passieren wird, da ich mir die Kurzgeschichten keinesfalls entgehen lassen möchte.

    Bussi, Reni

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  5. @Miri, Grim war genial in PF4!! Auch die lustigen "Streitereien" von Ash, Puck und Konsorten fand ich wieder erstklassig.
    Ashs weicheres Verhalten hat mich nicht gestört, es hat mich nur etwas aus dem Ash-Bild gerissen, dass ich mich gemacht hatte. Wie gesagt, tolle Buch, mit kleinen Abzügen, wegen denen die Geschichte aber nicht "schlecht" wird.

    @Reni, wie ich deine Äußerungen damals verstanden habe, sehen wir das wieder ähnlich. Ich war einerseits froh, dass es noch einen Schlussband aus Ashs Sicht gibt, aber man merkt wirklich etwas, das dieses Buch der Verlag wollte und es nicht Kagawas eigentliches Ende ist.
    Übrigens läuft die Sache zwischen Meg & Ash nicht ganz so, wie wir uns das gedacht hatten :-) Das ist ziemlich gut gemacht, aber auch komisch. Du wirst es sehen. Auch etwas inkonsequent. Es lohnt sich aber auf alle Fälle, das Buch bald wieder herzunehmen (ich glaube der Novellenband erschen schon bald, oder?) :-*

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  6. Absolut, er war wirklich genial :). Auch die "Streitereien" waren wirklich super.. Hat einfach Spaß gemacht zu lesen. Geb dir aber Recht, dass man merkt, dass der Band eigentlich nicht geplant war.

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