Dienstag, 4. September 2012

Rezension zu "Legend: Fallender Himmel" von Marie Lu



Verlag: Loewe (September 2012)
Originaltitel: Legend
Übersetzer: Sandra Knuffinke & Jessika Komina
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14-17 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 368 S.
ISBN: 978-3785573945
17,95 € [D]

Genre: Dystopie


Inhalt/Verlagsinfo
Eine Welt der Unterdrückung. Rachegefühle, die durch falsche Anschuldigungen genährt werden. Und Hass, dem eine grenzenlose Liebe entgegentritt. Dies ist die Geschichte von Day und June. Getrennt sind sie erbitterte Gegner, aber zusammen sind sie eine Legende!
Der unbändige Wunsch nach Rache führt June auf Days Spur. Sie, ausgebildet zum Aufspüren und Töten von Regimegegnern, erschleicht sich sein Vertrauen. Doch Day, der meistgesuchte Verbrecher der Republik, erweist sich als loyal und selbstlos – angetrieben von einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn. June beginnt, die Welt durch seine Augen zu sehen. Ist Day tatsächlich der Mörder ihres Bruders? Fast zu spät erkennt June, dass sie nur eine Spielfigur in einem perfiden, verräterischen Plan ist. (Text- und Bildquelle: Loewe Verlag)

Über die Autorin
Marie Lu wurde 1984 in Sanghai geboren und lebte für einige Zeit in Texas, bevor sie an der University of Southern California studierte. Das kalifornische Wetter hat sie überzeugt dortzubleiben und nun wohnt Marie Lu mit ihrem Freund und drei Hunden in Pasadena, einem Vorort von Los Angeles. Vor ihrem Erfolg als Autorin arbeitete sie als künstlerische Leiterin bei einem Unternehmen, das Videospiele produziert. Marie Lu mag Cupcakes, fröhliche Menschen, Kampfjets, Regen und natürlich Bücher. "Legend: Fallender Himmel" ist ihr Debüt.

Rezension

Der erste Satz: Meine Mutter glaubt, dass ich tot bin.

In einem Los Angeles der Zukunft lebt Day auf der Straße. Die Republik Amerika kämpft mit Militärgewalt gegen die verfeindeten Kolonien. Day pfuscht der Republik ins Handwerk, wo er nur kann, sabotiert Einsätze oder beschädigt Militäreigenturm und Luftschiffe. Dadurch ist er der meistgesuchte Verbrecher der Republik. Dumm ist nur, dass Day so geschickt vorgeht, dass er bisher noch nicht geschnappt werden konnte und es keinen konkreten Hinweis auf sein Aussehen und Aufenthaltsort gibt.
Doch die Republik hat ein Ass im Ärmel. June, eine überaus talentierte junge Soldatin, das Wunderkind der Republik, wird auf Days Spur gesetzt. Und sie hat persönliche Gründe ihn zu schnappen. Denn Day hat Junes Bruder getötet.

Mit gehypten Büchern ist das ja so eine Sache. Im Falle "Legend: Fallender Himmel" wurde schon vor Erscheinen kräftig die Werbetrommel gerührt. Das Buch hat eine eigene Homepage, einen filmreifen Trailer, und in den USA wurden sogar schon vor der Veröffentlichung die Filmrechte an eine bekannte Produktionsfirma verkauft. Das klingt großartig. Man setzt dementsprechend hohe Erwartungen in das Leseerlebnis.
Das Kreuz mit solchen Büchern ist dann oft, dass sie zwar gefallen, aber eben das Lese-Weltbild nicht erschüttern konnten. Woran liegt das? Waren die Erwartungen durch den Hype zu groß? Hat man dadurch eine Über-Vorstellung von einem Buch, der es nie gerecht werden kann? Bei "Legend: Fallender Himmel" können interessierte Leser aufatmen. Eine gelungene Dystopie und ein toller Trilogiestart!

Ich ziehe die Seeschlüsselblumen aus meinem Ärmel - einige Blüten sind etwas zerdrückt. So vorsichtig wie möglich stecke ich sie in den weichen Boden und drücke die Erde ringsum wieder fest. Mom wird sie hier wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen. Aber ICH weiß, dass sie da sind. Die Blumen sind ein Beweis für mich selbst, dass ich noch am Leben bin. Und noch immer über meine Familie wache. - Day, S. 145

Die einzelnen Kapitel sind jeweils aus der Ich-Perspektive von Day und June geschrieben, und das konstant abwechselnd. Außerdem erzählen Day und June ihre Geschichte im Präsens (Gegenwart), was dem Leser von Anfang an das Gefühl gibt live dabei zu sein. Beide, der männliche, wie auch der weibliche Hauptcharakter, gefallen ab dem ersten Kapitel ausgesprochen gut. Perfekt gelöst ist die Begegnung von Day und June. Bevor sie aufeinandertreffen, geht einige Zeit ins Land. Man lernt beide gut kennen, und die Art der Begegnung ist dann herrlich spannend. Die darauffolgende Anziehung/Attraktion geht recht flott, ist aber auch wichtig für eine längenfreie Weiterführung der Geschichte.
Die weiteren, geschichtsrelevanten Personen überzeugen so, dass sie ihrem Platz im Plot gerecht werden. Hier setzt die Autorin auch nicht auf große Geheimniskrämerei. Als Leser kann man ziemlich schnell einschätzen, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Einzig Days Bruder John, dem hier definitiv eine wichtige und handlungsentscheidende Rolle zugeschrieben wird, hätte man als Leser besser kennenlernen sollen. Seine Beweggründe in einer Erinnerung von Day Revue passieren zu lassen reicht für eine überzeugende Authentizität nicht aus.

Dystopische Elemente findet man im Roman viele, sie sind sehr stimmig und nach bekannten Mustern diese Genres gewählt. Es existiert eine krasse Spaltung zwischen Arm und Reich, ein System, dass den Großteil der Menschen unterdrückt, bzw. Krieg führt und eine Umgebung mit viel Dreck, hygienischen Missständen und Veränderungen durch eine Naturkatastrophe mit folgendem Klimawechsel. Diese Elemente werden so subjektiv in die Story integriert, dass sie ein tolles Gesamtbild und eine vereinnehmende Lesestimmung ergeben. So ist es zum Beispiel im Los Angeles dieser Zeit im Dezember sehr heiß und es ist die Rede von einer Überflutung. Was aber genau passiert ist, durch was diese Lebensumstände entstanden sind, erfährt man nicht. Dystopieerfahrene Leser können mit dieser Ist-Situation sehr gut leben, da die Gewichtung auf der Geschichte von Day und June liegt und die Lebensumstände gut zum ergreifenden Lesegefühl beitragen.

Auch "Fallender Himmel" ist ein Jugendbuch, das mit Gewalt nicht spart. Hier hat der Verlag schon im Vorfeld seine Alterempfehlung auf (ab) 14-17 Jahre angepasst. Und das zurecht! Die körperliche und seelische Gewalt, die den Menschen in dieser Geschichte angetan wird, ist zahlreich und soll hier nicht detailliert erwähnt werden. Oft sehr grausam werden Szenen geschildert, die gut verarbeitet und ausgehalten werden müssen.
Aber es ist auch so, dass gerade diese polarisierenden Szenen zur Wirkung des Buches beitragen. Man ist hin- und hergerissen zwischen Entsetzen, wie Menschen solch ein Leben aushalten können, und der Faszination eines spannenden und mitreißenden Lesegefühls. Auffällig ist hier das sehr junge Alter der Hauptcharaktere. Diese sind beide erst 15 Jahre alt. Vor allem Days schlimme Lebensumstände beginnen bereits im frühen Kindesalter, ab dem 10. Lebensjahr war er praktisch auf sich allein gestellt. June kommt zwar aus wohlhabendem Elternhaus, doch auch sie hatte durch die totalitäre Republik eine Kindheit die man sich nicht wünscht. Beides sind Kämpfernaturen, die durch diese Umstände schon als 15-jährige sehr erwachsen wirken. Die Situation der Kinder und Jugendlichen im Buch geht sehr zu Herzen und verfehlt ihre Wirkung nicht.

Die komplette Handlung im Buch ist spannend und eindringlich und begeistert durch Elemente, die "Fallender Himmel" zu einem wahren Pageturner machen. Gegen Ende steigt die Spannung so sehr, dass man an den Seiten klebt. Viel zu schnell ist dann Schluss. Die Autorin verzichtet auf einen Cliffhanger gibt aber einen Ausblick, mit was man im Folgeband rechnen kann. "Fallender Himmel" ist somit als eigenständiger Abschnitt einer Trilogie zu sehen. Dystopie-Fans werden begeistert sein!

Persönliches Fazit
"Legend: Fallender Himmel" ist für mich ein Buch, dass dem Hype gerecht wird. Die Geschichte hatte mich bereits für sich eingenommen, nachdem Day seine Situation im ersten Kapitel beschreibt. Die Story war für mich so blendend, dass ich auch bei kleiner Kritik gerne beide Augen schließe. Eine Herabsetzung der hohen Qualität wäre durch nichts gerechtfertigt. Bei einer Wendung im Mittelteil fiel mir buchstäblich die Kinnlade herunter. Ich war ergriffen-entsetzt. So schneeweiß der Einband, so dunkel manche Abgründe der Geschichte. Faszinierend! Darum glänzt für mich "Legend" so golden wie das Republiksymbol auf dem Cover. 5 Sterne!

Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de






Reiheninfo und Lesenswertes zur Legend-Trilogie:

Band 1 - "Legend: Fallender Himmel"

Kommentare:

  1. Tolle Rezension!!! Das Buch hat einfach Spaß gemacht! Hatte nach den Worten "Mit gehypten Büchern ist das ja so eine Sache" schon schlimmstes befürchtet ;-)
    Freu mich, dass es dir auch so gefallen hat wie uns

    glg
    Steffi

    AntwortenLöschen
  2. Eine sehr gute Rezension. Da ich die Bestimmung schon nicht so mochte, obwohl es ja sehr spannend war, halte ich mich von Ledgend und anderen Dytopien ersteinmal fern. Gerade mit diesem ist Zustand und der Gewalt habe ich da so meine Probleme. Schon bein Film die Tribute von Panem (ich habe die Bücher immer noch nicht gelesen),ich mochte ihn sehr, hatte ich beim schauen auch schon so meine probleme mit der Thematik. Ich bleib da lieber bei den paranormalen und phantasischen Geschichten. Aber solange es zum Ende hin eine sinnvolle Botschaft gibt, die die Gewalt nicht verherrlicht, ist es für mich ok. Schön, dass du es mochtest und dem Buch Qualität abgewinnen konntest (liegt ja immer im Auge des Betrachters).
    Bussi r+l

    AntwortenLöschen
  3. Also dass das Ende kein Cliffhanger ist, ist schon mal ein Pluspunkt - ich hasse die Dinger!! Ich hoffe ja, dass ich es irgendwo vielleicht noch gewinne, denn lesen möchte ich es unbedingt, nur das Geld fehlt mir momentan. Ich bin immer noch ein bisschen skeptisch, aber nach deiner tollen Rezension ist diese beinahe völlig verflogen - ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht ;)

    AntwortenLöschen
  4. @Steffi, mich hat das Buch auch sehr begeistert, auch wenn ich in meiner Rezi auf Dinge, wie zB die Gewalt, hinweisen wollte. Ich kenne das Gefühl auch, dass man bei gehypten Büchern dann fast "enttäuscht" ist, weil man so viel erwartet. Trotzdem fand ich es klasse!

    @Sandi, danke dir :-) Ich weiß ja, dass du jetzt nicht sooo der Dystopie-Fan bist und wenn du bei Die Bestimmung kritisch wartst, würde es dir bei Legend sicher ähnlich gehen. Bei DB war Gewalt ein großes Thema und bei L auch. Da ist das System echt krass (Massenerschießungen, Exekution, Folter, usw...), das ist schon heftig, wird aber klar veruteilt. Im Endeffekt ist es wirklich Geschmacksache, aber unserer Jugend wird schon ganz schön viel zugemutet in den neuen Büchern. Da muss man gut diffenenzieren können. Auch Drücksibussi...

    @Sonne, nein, kein Cliffhanger, eher ein neuer Abschnitt für Teil 2 :-) Wenn du Bücher wie Die Bestimmung magst wird es dir auch gefallen. Es ist kitschfrei (Attraktivität wird erwähnt, aber voll in Ordnung) und das System, die Stadt und die Lebensumstände fand ich sehr spannend. Ich kann es dir sehr empfehlen.

    AntwortenLöschen
  5. Wow, vielen Dank für diese tolle Rezension. :) Je mehr begeisterte Rezensionen ich lese, desto größere Lust bekomme ich, endlich auch "Legend - Fallender Himmel" lesen zu dürfen. Leider muss ich wohl noch bis zum Erscheinungsdatum warten, aber zum Glück sind es nur noch ein paar Tage bis dahin.
    Was mich vielleicht ein wenig stören könnte ist das junge Alte der Protagonisten - aber da du ja geschrieben hast, dass sie viel erwachsener wirken, wird das sicherlich nicht allzu schlimm. :) Ich finde es aber auch gut, dass die Perspektivwechsel konstant und nur zwischen Day und June auftreten, denn normalerweise bin ich kein großer Fan von häufigen Sichtwechseln. Hach, ich freue mich schon so sehr auf das Buch und ich bin richtig froh, dass es anscheinend wirklich dem Hype gerecht werden kann. :)

    AntwortenLöschen
  6. @Sara, vielen Dank an dich für dein Lob! Also ich kann Legend sehr empfehlen. Für mich reiht es sich in die Reihe der sehr guten Dystopien ein.
    Das junge Alter der Protas hat mich auch gewundert, aber sie verhalten sich, wie reife Charaktere (zB war Clary bei City of Bones auch erst 15 ;-)). Für mich war das eher ein Pluspunkt, weil man sieht, wie das Regierungssystem schon junge Jugendliche und Kinder einsetzt. Die Perspektivenwechsel sind sehr einfach und wiederholen nichts. Du kannst dich wirklich freuen :-)

    AntwortenLöschen
  7. Huiui, das klingt aber wirklich gut. Ich liebe ja schockierende Wendungen. Bei mir steht das Buch auch schon länger auf der Wunschliste, allerdings mal wieder auf Englisch, aber das kann dann auch auf jeden Fall da bleiben. :)

    AntwortenLöschen
  8. @Karo, Legend war aber auch eine gute Dystopie. Ist natürlich anders, aber braucht sich hinter Büchern wie Die Bestimmung nicht zu verstecken. Es sollte auf deiner WuLi bleiben :-)

    AntwortenLöschen
  9. Eine wirklich tolle Rezension! Das Buch steht schon seit einger Zeit auf meiner Wunschliste und jetzt ist es gerade noch einmal ein Stückchen nach oben gerutscht :) Ich habe bisher schon viel Gutes dazu gelesen, aber du bist die Erste, die auch auf die (dystopische) Gesellschaft genauer eingeht und das hört sich wirklich toll an! Ich bin ja (einen Gruß an Geldbeutel und mangelnder Lesezeit ^^) noch kein alter Hase im Dystopien-Dschungel und habe nicht viele Vergleiche. Aber ich bin wirklich gespannt auf dieses Buch.

    AntwortenLöschen
  10. @Kermit, Vielen Dank. Ich bin ja ein Dystopie Fan. Teilweise aber schon etwas überreizt von diesem Trend-Genre. Legend gehört für mich eindeutig zu den empfehlenswerten Dystopien. Die dystopischen Element waren für mich sehr gut integiert, nicht übertrieben vordergründig, sondern so, dass sie ein perfektes Gesamtbild ergeben haben. Du solltest es lesen :-)

    AntwortenLöschen

Du möchtest mir etwas zu diesem Beitrag mitteilen? Dann los ... ich freue mich.