Montag, 27. August 2012

Rezension zu "Renegade: Tiefenrausch" von J.A. Souders



Verlag: ivi (August 2012)
Originaltitel: Renegade
Übersetzer: Charlotte Lungstraß
Reihe: Band 1
Ausführung: Hardcover/SU, 368 S.
ISBN: 978-3492702812
16,99 € [D]

Genre: Dystopie


Inhalt/Verlagsinfo
Evies Leben ist perfekt – perfekt geplant und überwacht von Mutter, der Herrscherin über die Unterwasserstadt Elysium. Schon bald soll die 16-Jährige über die geheimnisvolle Welt regieren. Doch als sie sich ausgerechnet in ihren Feind verliebt, wird klar, dass das perfekte Leben in Elysium eine einzige Lüge ist.
Elysium liegt am Grund des Meeres, abgeschirmt vom Rest der Welt. Dort hat Mutter ein Paradies für all jene Menschen geschaffen, die vor den Kriegen der Oberfläche fliehen konnten. Sie organisiert den Alltag der Bewohner, schützt sie vor Gefahren und regelt sogar die Geburten. Doch dieser Friede wird teuer erkauft – Gefühle sind in Elysium verboten, Berührungen unter Liebenden werden mit dem Tod bestraft. Evie vertraut in dieses System – doch als Gavin, ein Oberflächenbewohner, in ihre Welt eindringt, weckt der junge Mann Zweifel in ihr: Warum plagen sie Erinnerungslücken? Weshalb besteht Mutter auf Evies tägliche Therapie-Sitzungen? Und wieso kann sie sich durch Gavin an Dinge erinnern, die absolut unmöglich sind? Evie erkennt, dass sie Teil eines gewaltigen Plans ist, aus dem es für sie ohne Gavin kein Entrinnen gibt. (Text - und Bildquelle: ivi Verlag)

Über die Autorin
J.A. Souders besaß schon als Kind eine übersprudelnde Phantasie: Um mit den Monstern unter ihrem Bett Freundschaft zu schließen, erzählte sTie ihnen vor dem Einschlafen Geschichten. Bereits mit dreizehn Jahren fing sie an zu schreiben und engagiert sich heute als Autorin in zahlreichen Creative Writing Workshops. "Renegade" ist ihr erster Roman. J.A. Souders lebt in Florida mit ihrem Mann und zwei Kindern.
Weiteres zur Autorin: www.jasouders.com

Rezension

Der erste Satz: Mein Leben ist absolut perfekt.

Evie lebt auf dem Meeresgrund. Mutter, die Herrscherin, hat hier Elysium geschaffen, einen riesigen Unterwasserkomplex. Dort sollen alle in Schönheit und Sicherheit leben, die sich von der zerstörten Oberfläche der Erde unter den Meeresspiegel retten konnten. Zum Schutz der Bürger, so sagt Mutter, hat sie strenge Gesetzte erlassen, an die sich jeder zu halten hat. Sonst ... (das muss man lesen!).
Evie bezeichnet ihr Leben wiederholt als absolut perfekt. Sie wurde hier geboren, von Mutter adoptiert und soll als "Tochter des Volkes" einmal in Mutters Herrscherfußstapfen treten. Ein Privileg. Eine Ehre.
Als Gavin, ein niederträchtiger Oberflächenbewohner, in Elysium eindringt, soll Evie ihm Informationen entlocken, wie er die geheimen Eingänge zur Unterwasserstadt finden konnte. Im Gespräch mit ihm kommt sie einer Sache auf die Spur, die alle bekannten und perfekten Wertvorstellungen von Evie zum Platzen bringt.

Eine schmale Doppelschiebetür versperrt uns den Weg, an ihr hängt ein Schild: ZUTRITT NUR FÜR PERSONAL. WIDERRECHTLICHES BETRETEN WIRD STRENG GEAHNDET.
Da "geahndet" in Mutters Wortschatz dasselbe bedeutet wie "exekutiert", überrascht es mich nicht, dass niemand vor uns versucht hat, hier einzudringen. S. 321

Wenn man "Renegade: Tiefenrausch" aufschlägt, fällt einem sofort ins Auge, dass einige Sätze und Wörter sich vom sonstigen Schriftbild abheben. Sie sind in einem helleren Grau gedruckt als der Rest der Schrift. Hier greift der Roman einen Trend auf, in dem Gefühle, Besonderheiten in der Wertvorstellung oder auch antrainierte Verhaltensweisen dem Leser schon durch eine optische Hervorhebung deutlich gemacht werden. In anderen Romanen werden da ganze Textpassagen sichtbar durchgestrichen, hier hat man sich für eine besondere Hervorhebung im Schriftbild entschieden. Dieses Konzept wirkt ab Buchbeginn und schafft eine Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Absolut perfekt!
Einen zusätzlichen Effekt hat der Anfang von Kapitel 1. Dieser wiederholt sich im ersten Viertel nämlich einige Male, und das jeweils mit kleinen Abweichungen. Diese sind aber nur dem Leser und nicht Ich-Erzählerin Evie bewusst, so dass man schon hier aus dem Text seine Rückschlüsse zieht, das in Evies Leben etwas ganz gewaltig falsch läuft.

Die beschriebene Mutter ist hier auch tatsächlich ein Mensch aus Fleisch und Blut und nicht, wie in vielen Sci-Fi-Romanen eine virtuelle Macht oder künstliche Intelligenz (KI). Und sie ist wirklich garstig! So kommt man nach wenigen Seiten an einen Punkt, an dem sich ein unweigerlicher Ach-du-Sch...e-Moment befindet. Man realisiert, dass man es hier mit einem besonders bösartigen, gehässigen Buchexemplar zu tun hat.
Gewalt, psychisch und physisch, ist hier ein Thema, das erwähnt werden sollte. "Renegade - Tiefenrausch" ist ultra(marinblau) spannend aber nicht blauäugig harmlos, sondern hier geht es hart und gruselig zur Sache. Kennt man Filme, bzw die Konsolengames wie "Resident Evil" weiß man in etwa, mit was man rechnen muss. Auf der Homepage des Verlags findet man keine empfohlene Altersangabe, sprich, es liegt im Ermessen des Lesers, was er sich zutraut. Darauf hinzuweisen ist sicher kein Fehler.

Evie und Gavin sind beides keine Top-Charaktere. Sie sind nicht blass oder nervig, aber auch nicht supereindringlich. Die aufkommende Anziehung/Lovestory geschieht relativ schnell. Daraus resultiert aber eine überraschende Wendung, die für die Hauptaction im Buch sorgt. Insgesamt ist die Lovestory empfehlenswert sweet und im Vergleich zu so mancher Romantasy, nicht kitschig überbewertet. Hier überwiegt die Spannung.
Somit ist "Renegade: Tiefenrausch" das absolut perfekte Beispiel für eine lesenswerte Dystopie, auch ohne das Privileg der am besten ausgearbeiteten Charaktere.
Angebrachte, wenn auch leichte, Kritik bekommen die Lösungsansätze der Autorin. Im ersten Drittel fällt auf, dass dem Leser sehr schnell Lösungen präsentiert werden, bzw. Evie Umstände zu schnell akzeptiert. Da wird sie von Gavin auf etwas wirklich Unglaubliches hingewiesen und akzeptiert das mehr oder weniger sofort, ohne lange zu hinterfragen. Dabei ist der Plot so kreativ, dass man als Leser automatisch Rückschlüsse zieht. Man beginnt zu überlegen, hat eine Lösung im Kopf, und tadaaaa, wird sie einem auch schon druckfrisch serviert. Das macht etwas den Eindruck, dass die Autorin ihren Lesern nicht zutraut, selbst auf die Lösung zu kommen. Oder sie denkt in ganz jungen Leserdimensionen, was wiederum nicht die gezeigte Gewalt im Buch rechtfertigt. Dieser Eindruck beschränkt sich nur auf das erste Buchdrittel, ist im weiteren Verlauf der Geschichte nicht mehr relevant.

Nachdem Evie die Geschichte und den Sinn von Elysium hinterfragt, besteht der Großteil der Story aus Fluchtszenen. Gegen Ende wird das Buch so spannend (und grausig), dass man es kaum aus der Hand legen kann. "Renegade: Tiefenrausch" ist ein Trilogiestart, der aber auch uneingeschränkt als Einzelband gelesen werden kann. Das Ende ist herzig, aber kein klassisches Happy-End. Trotzdem ist es ein guter, für sich stehender, Schluss. Aber hier ist der erste Abschnitt der Story erzählt und es kann etwas Neues beginnen.

Persönliches Fazit
"Renegade: Tiefenrausch" köderte sofort mein Interesse, ich hing ab dem ersten Kapitel an der Angel. Und obwohl das Buch für mich kein Herzensbuch der Charaktere ist, hat mich die Autorin nicht ins Wasser fallen lassen, sondern die Angelschnur souverän an Land gezogen. Das passiert sonst so gut wie nie. "Tiefenrausch" hat eine toughe, bösartig-gute Story in die ich komplett eintauchen konnte. Am Ende bin ich etwas atemlos und sehr zufrieden an Land gespült worden. Ein blau schimmerndes Dystopie-Debüt. So muss es weitergehen! 4 Sterne.
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Dieses Konzept, die Wörter in einer anderen Farbe zu drucken, oder sonstwie hervorzuheben, finde ich toll. Ich kenne das bisher nur aus "Die unendliche Geschichte", und ich fand es da schon sehr innovativ und passend.
    Sehr schöne Rezi, Damaris, mal wieder! Drück Dich!

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  2. Schön, dass dir "Renegade" auch so gut gefallen hat! Ich sehe es wie du, es ist nicht durchgehend perfekt, aber es konnte mich so gut fesseln und unterhalten. Vor allem die Enthüllung zu Beginn mit der anderen Schriftfarbe, wie es dann Sinn ergibt und man sich beim Lesen denkt "oha".

    Scheint wirklich einhellige Meinung zu sein, wie abgeschlossen das Ganze doch eigentlich ist. Na lassen wir uns überraschen wie es weitergeht ;)

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  3. Irgendwie hat mich das Buch die ganze Zeit kalt gelassen, ich habe zar davon gelesen und habe auch einige Meinungen durch aber wirklich bin ich noch nicht in den Bann des Buches gezogen worden. Ich glaube das deine Rezi gerade einen kleinen Teil dazu beigetragen hat mich etwas mehr für dieses Buch zu begeistern und ich glaube ich werde es mir demnächst mal genauer anschauen wenn ich es in der Buchhandlung finde. Dafür schonmal danke ;)

    Ach ja ich habe mich ja dann doch an das Tryll Buch gewagt und meine Rezi ist schon online. Anfangs war es für mich echt grenzwertig aber dann ging es doch noch. Auch da hat deine Rezi mich zum durchhalten verführt ;) Aber wie sagte ich schon : Ein Brüller ist es nicht, mann kann es aber mal lesen ;)

    Liebe Grüße
    Jessi

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  4. "Renegade" ist eins dieser Bücher, die ich auch unbedingt noch lesen möchte. Habe schon viele begeisterte Stimmen dazu gehört und deine macht mich da gleich nochmal etwas gespannter. Vielleicht kann ich es mir die Tage mitnehmen, wenn ich wieder in der Stadt bin. Ein Buch mich solch optischen Hervorhebungen habe ich nämlich selbst noch nicht gelesen bisher, das würde ich gern mal ausprobieren.
    Eine sehr schöne Rezension, die richtig Lust aufs Lesen macht! :)

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  5. Langsam werde ich neugierig! Tina war ja auch schon sehr angetan von dem Buch und vieles deckt sich mit deiner Meinung. Das motiviert mich doch, das Buch mal etwas weiter oben auf die WuLi zu schieben. Und ok, wenn ich jetzt "Resident Evil" lese, dann scheint wirklich ganz schön zur Sache zu gehen. Der eine Ausschnitt von dir war da ja schon sehr ... brutal/heftig. Ich bin gespannt!

    Bussi, Reni

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  6. Erstmal, Kompliment im Allgemeinen an deine großartigen Rezensionen!
    Ich hab neulich eine Leseprobe zu dem Buch gelesen und da ich das Meer und alles was damit zu tun hat liebe, werde ich dieses Buch auf jeden Fall lesen.
    Ich finde es gut, dass es ein abgeschlossenes Ende hat, bei den meisten Dystopien ist das ja leider nicht der Fall und die Folgebände sind oft nicht so gut...
    Danke für die Rezi!

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  7. Deine Rezi gelesen -> Buch sofort gekauft!
    Ich finde das mit den grauen Sätzen richtig cool, macht mich noch neugieriger. Ich hoffe ich kann das Buch nächsten Monat noch dazwischen schieben, man liest ja nur gutes! :-)

    LG, Isabel

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  8. Herzi, dir ist wieder eine ganz große Rezi gelungen! Dein wässriges Fazit ist genial!
    "Renegade" wird nichts für mich sein, zumindest im Moment nicht.
    Toll, dass du im ersten Abschnitt deiner Rezi die graue Hervorhebung einzelner Wörter übernommen hast. Ich dachte schon "What the...?" :))
    - TOP! -

    Drück dich,
    Anka

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  9. Toll, die Rezi liest sich sehr interessant. Das Buch werde ich mir für die Zukunft mal merken. Hört sich nach viel Spannung und Action an, die ja wirklich super sein muss (inhaltlich), wenn man trotz nicht ganz so einnehmender Charaktere am Ball bleibt und mitgerissen wird. Wäre mal eine andere Art der Leseerfahrung.

    LG
    Lilly

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  10. @Karo, ja stimmt, bei Die Unendliche Geschichte war das auch so ähnlich, aber waren da nicht ganze Kapitel in Rot oder Grün gedruckt? Weiß nicht mehr genau. Mir gefällt dieses Konzept auch. Das verfehlt seine Wirkung nicht.

    @Tina, ich glaube wir sehen das Buch komplett gleich. Ich war vor allem davon so angetan, weil die Hauptprotas wirklich nicht die supertolle Charas sind, aber das Buch trotzdem seine Wirkung hat. Das passiert selten.

    @Jessi, Renegade hat mir schon auf den ersten Blick gefallen, auch wenn es wirklich sehr kühl wirkt. Das ist aber Absicht, weil die Story ist auch "kühl". Ich denke, dir gefällt diese Unterwasserdystopie.
    Das Tryll-Buch wurde für mich auch gegen Ende nicht besser. Zum Glück hab ich das weg und will die Reihe auch nicht weiterlesen :-)

    @Sonne, diese optische Besonderheit bei Renegade würde dir gefallen. Eine wirklich gute Dystopie, mit Charas, die man so lassen kann :-) Die Lovestory ist auch sacht und okay, bis auf eine Stelle, da musst ich sogar an dich denken, weil wir da beide die Augen gerollt hätten. Da nennt Gavin Evie aus heiterem Himmel "Süsse" (ca. "Och Süsse, das tut mir so leid!") Das fand ich doof, weil das null passend war. Hihi, ist aber nur dieses eine Mal, sonst passt der Kitschfaktor, bzw. ist er nicht vorhanden :-) Lies es mal, bin gespannt, was du sagst. Und perfekt ist, dass dieser Band sozusagen abgeschlossen ist.

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  11. @Reni, Renegade gefällt dir sicher. Die Story ist richtig packend, da sieht man auch über zweitklassige Charas hinweg. So schlimm ist das hier nicht. Resident Evil trifft es stellenweise ganz gut. Auch wieder ein sehr gewalttätiges (Jugend)Buch.

    @Natascha, sehr gerne! Danke für dein Lob. Wenn du Bücher dieser Art magst (obwohl Renegade hier wirklich neu ist) solltest du es lesen. Da kann man gar nicht viel falsch machen. Das es abgeschlossen ist, ohne Cliffhanger, fand ich genial.

    @Isabel, ha! Das ist ja toll. Wie ich deinen Geschmack einschätze gefällt es dir auch. Die Story packt wirklich und man rast durch die Seiten.

    @Anka, oh, Danke für dein Lob! Wenn sich Wortspielereien ergeben finde ich sie nach wie vor klasse. Wirkt zwar manchmal etwas gekünstelt, aber egal :-) Dachtest du bei den grauen Abschnitten, dein Bildschirm ist kaputt? Das konnte man für die Rezi super aus dem Buch übernehmen, da ist es nämlich genau so :-)

    @Lilly, die Charas in Renegade waren jetzt nicht schlecht oder blöd. Aber eben auch nicht so top, wie schon vielfach gelesen. Und genau das war das Tolle. Die Story war trotzdem gut, spannend und emotional. Ich glaube, dir würde das Buch auch gefellen.

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