Mittwoch, 22. August 2012

Rezension zu "Drachenhaut" von Frances G. Hill



Verlag: arsEdition (Juli 2012)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 464 S.
ISBN: 978-3760784533
18,99 € [D]

Genre: Fantasy/High-Fantasy


Inhalt/Verlagsinfo
Böse Gerüchte schwirren unaufhaltsam durch das Land Mohor: Der Naga, der Gott der Schlangen, soll den Kronprinzen verflucht haben. Gibt es Rettung für den stolzen jungen Mann?
Fernab der höfischen Ängste und Ränke wächst unterdessen das Waisenkind Lilya behütet im Haus ihres Großvaters auf. Ihr Leben ändert sich jedoch von Grund auf, als auch ihr eines Tages der Naga erscheint. Warum greift der Schlangengott in Lilyas Schicksal ein?
Als plötzlich feine Zeichnungen auf ihrer Haut erscheinen, wird das junge Mädchen zu einer Gejagten, deren Schicksal mit dem des Prinzen auf geheimnisvolle Weise verwoben ist – und der eine magische Verwandlung bevorsteht. (Text- und Bildquelle: arsEdition)

Über die Autorin
Susanne Gerdom, die auch unter dem Pseudonym Frances G. Hill schreibt, ist 1958 in Düsseldorf geboren und am Niederrhein aufgewachsen. Nach einer Lehre als Buchhändlerin beschäftigte sie sich mit dem Theater und verbrachte einige Jahre als Schauspielerin und Regisseurin in Düsseldorf. Später begann sie Fantasy und Science-Fiction zu schreiben. Sie lebt und arbeitet seit 2008 wieder am linken Niederrhein. Im Februar 2011 erschien von ihr beim Verlag arsEdition das viel gelobte Fantasybuch "Sturm im Elfenland".

Rezension

Der erste Satz: So erzählt die Sage: Die Peri Banu, Fürstin der Feen, Herrscherin über das Volk der Djinns, lag im Wettstreit mit Dem Naga, dem listigen Gott der Schlangen.

Die Fürstin der Feen und der Gott der Schlangen können es nicht lassen sich gegenseitig zu sticheln und gegeneinander auszuspielen. Eine folgenschwere Wette wird geschlossen, weswegen der junge Prinz und Thronfolger Amayyas vom Gott der Schlangen verflucht wird. Von nun an muss er bei jedem Mondwechsel entweder als Panther oder als verkrüppelter Zwerg sein Dasein fristen, ist jeweils nur einen Tag zwischen den Verwandlungen menschlich. Der Fluchzauber ist kompliziert, eine Erlösung scheint so gut wie unmöglich.
Zur gleichen Zeit wächst das Mädchen Lilya bei ihrem Großvater auf, da ihre Eltern gestorben sind. Als sich auf ihrer Haut merkwürdige Zeichen bilden, schlägt die umsorgende Haltung ihres Großvaters in gieriges Interesse um. Doch warum? Was hat Lilya mit dem Schicksal des verfluchten Amayyas zu tun?

Ein Fantasyroman über Drachen? Gibt es das nicht schon zur Genüge? Stimmt, wird sich sicher auch die Autorin gedacht haben. Trotzdem hat sie es gewagt, denn schließlich ist es gar nicht nötig immer etwas Neues zu erfinden. Das Ziel sollte sein, etwas Besonderes daraus zu machen. Heraus kam ein märchenhafter Jugendroman bei dem der scheinbar gewöhnliche Name "Drachenhaut" auch wirklich Programm ist und sich perfekt in die Handlung einfügt.

Nach einem amüsanten Auftritt der beiden streitenden Götter (Fürstin der Feen und Gott der Schlangen), denen man danach getrost die Hauptschuld am Schlamassel der Hauptprotagonisten Lilya und Amayyas geben kann, gelangt man als Leser direkt in einen der beiden Erzählstränge der Geschichte. Hier muss man sich kurz orientieren, da Sprache und Setting alles andere als 08/15 sind. Die stimmungsvollen Schauplätze und Szenen im Buch erinnern sofort an den alten Orient oder Erzählungen aus 1001 Nacht.
Frances G. Hill (alias Susanne Gerdom) hat sich für einen Sprachstil entschieden, den man in der heutigen Jugendliteratur nur noch selten antrifft. Die Sprache ist märchenhaft, erscheint in manchen Sätzen, und durch Verben wie alsbald, hingesunken, derweil, wie eine altertümliche Übersetzung der Gebrüder Grimm. Daraus ergibt sich ein sprachlich gewandter, leicht distanzierter Märchenerzähler, der die Stimmung der Geschichte sehr gut wiedergibt.

Das Mädchen Lilya wächst bei ihrem Großvater auf und ist durch einen Brand nicht ganz unversehrt. Eine Körperseite ist ihre "böse Seite". Bei dieser ist Auge, Gesichtshälfte und Arm vernarbt. Auch wenn sich Lilya durch ihr Aussehen, vor allem ihre dunklere Hautfarbe, in dem herrschaftlichen Anwesen des Großvaters nicht ganz zugehörig fühlt, hat sie dort einen hohen, behüteten Stand. Das ändert sich, als sich aus den vernarbten Hautpartien seltsame Zeichnungen bilden. Von nun an fühlt sie sich bei ihrem Großvater nicht mehr sicher, da er nun lange und schmerzhafte Versuche mit ihr anstellt. Lilyas Leben ändert sich komplett. Auch als Leser spürt man die Verwandlung vom etwas herrischen Mädchen zu einer sehr besonderen jungen Frau. Die Einbindung der Fantasywesen, vor allem der Drachen (sowie einer zweiten, wichtigen Spezies) ist sehr einfach und leicht nachzuvollziehen. Auch die beschriebene Magie lässt sich gut erfassen. Sie gut erklärt und spielt eine wichtige Rolle in der Handlung.

Für einen abgeschlossenen Jugendroman ist die Handlung überraschend komplex und vielschichtig. Am Ende hat man fast das Gefühl ein kleines Fantasyepos gelesen zu haben. Die Autorin überfordert den Leser aber keineswegs, unterstützt mit kreativen Namen und Personenbezeichnungen das Gesamtkonzept der Geschichte. Vorne im Buch befindet sich ein Personenregister, es ist aber nicht zwingend erforderlich, um der Handlung gut folgen zu können.
Einziger Kritikpunkt ist die Schwärmerei von drei männlichen Protagonisten für Lilya. Da das Buch eindeutig mehr Abenteuerfantasy- als Liebesroman ist, hätte man diesen Umstand auf maximal einen Verehrer beschränken können. Diese Empfindung ist aber sehr subjektiv, da die dargestellte Liebe so zart und kitschfrei ist, dass sie die Abenteuergeschichte nie überlagert.

Persönliches Fazit
"Drachenhaut" unterhielt mich gleichermaßen spannend, wie komplex. Das Buch grenzt sich deutlich von gängiger Jugendfantasy/-romantasy ab und wird auch ältere Leser gut unterhalten. Vor allem Fans 1001 Nacht-Geschichten, die mehr wollen als den obligatorischen Flaschengeist oder den fliegenden Teppich, werden hier gut bedient. Personen, die sich oft anderes, als erwartet darstellen und ein feiner, unterschwelliger Humor geben "Drachenhaut" einen ganz speziellen Pfiff. 4 Sterne.
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. ui, vielschichtig und mit drachen... das klingt ja sozusagen perfekt für mich. kenne bisher sowohl die autorin als auch das andere buch gar nicht, aber das wird sich jetzt ändern.. Ich danke für die Rezension... *froi*

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  2. Klingt doch gar nicht schlecht. Eigentlich bin ich ja ein großer Fan von diesen 1001 Geschichten. Nur, dann darf es auch gerne ein bisschen viel Romantik sein und zwar mit EINEM Verehrer. Ansonsten scheint die Story aber spannend zu sein und die Fantasy Elemte sprechen mich stark an. Doch beim Lesen von Namen wie Amayyas komme ich bei deiner Rezi schon ins Stolpern. Aber so ist das halt bei Fantasyromanen. Eine zauberhafte Rezi!

    Bussi, Reni

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  3. Schöne Rezension, hach. Danke! Ich freu mich, dass es dir gefallen hat - trotz des kleinen Ausflugs in die Polyandrie. :-) (Ich persönlich hatte da eine Vorliebe, meine Lektorin eine andere ... herausgekommen sind dann eben ein paar Männer mehr. *g*)
    @Reni: Für Amayyas kann ich nichts. Das ist ein Berbername, er bedeutet "Leopard". :-)

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  4. @momo, ja, Drachenhaut ist ein richtig kleines Epos, und abgeschlossen! High-Fantasy in Verbindung mit 1001 Nacht Flair. Es könnte dir sicher gefallen, da hier eindeutig eine Abenteuergeschichte im Vordergrund steht und mal keine kitschige Lovestory. Der Märchenerzähler-Stil hat auch was :-)

    @Reni, danke! War ein gutes Buch und mal eine Abgrenzung zur gängigen und trendigen Jugendfantasy. Ich mag auch viel Love (mit einem Mann/Junge!), aber hier stand einfach das Abenteuer im Vordergrund. Die Namen fand ich klasse und Amayyas war da noch harmlos :-) Beim Namen des Obersteunuchen (ja, sowas gab's auch!) bin ich bis zum Schluss noch gestolpert. Aber sehr stimmig für die Geschichte.

    @Susanne, gerne! "Drachenhaut" gefiel mir sogar noch etwas besser als "Last Days.." obwohl man es ja gar nicht vergleichen kann. Fand die Story noch stimmiger. Und Lilyas Männerwahl fiel auch auf meinen bevorzugten Kandidaten, also alles gut :-)

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  5. Grüß Dich, Damaris.
    Stolze drei Schönlinge im Modus "Romeo" also. Nun, schönen Frauen liegt die Männerwelt eben gern zu Füßen. Wobei mir bewußt ist, daß das permanente Stolpern über danieder gestreckte Jünglinge, ernervierend wirken kann - auf die Dauer.
    Möglicherweise ist einer der Dreien auch nur "der Liebhaber an Stelle des Liebhabers". Quasi als Vertreter des Echten. Mit Ersatzmann, versteht sich.

    Bevor hier noch mehr Unsinn erblüht...

    Wieder der Verweis auf ein angenehmes Buch!

    bonté

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  6. Hört sich klasse an. Das Buch habe ich zusammen mit Sturm im Elfenland auch auf meiner Bücherliste. Das Cover und die Inhaltsangabe sprachen mich an.

    LG
    Lilly

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  7. @RoM, so war's eigentlich gar nicht - keine Romeo-Schönlinge. Gute Charaktere ohne Kitsch. Darum hätte auch das Werben aller drei um Lilya nicht sein müssen, die Geschichte hätte auch so funktioniert. Trotzdem war das Buch gut!

    @Lilly, mir persönlich hat Sturm im Elfenland noch etwas besser gefallen. Beide Geschichten sind märchenhaft, Drachhaut hab zusätlich noch das 1001 Nacht Flair. SiE spielt im Elfenland (wär hätte das gedacht, hihi). Beide Bücher sind wunderschön gestaltet.

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  8. Von dieser Autorin habe ich seit einer halben Ewigkeit zwei Bücher auf dem SuB und deine Rezension macht mir jetzt richtig Lust darauf, es doch einmal mit ihr zu versuchen. Auch wenn es in den anderen beiden um etwas völlig Anderes zu gehen scheint.
    Bisher hat mich Susanne Gerdom irgendwie nicht gereizt (typischer Fall von spontanem ME-Kauf ^^") aber wenn ihr Schreibstil wirklich so märchenhaft ist, wie du schreibst, dann ist sie vielleicht doch etwas für mich. Ich bin gespannt!

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  9. @Kermit, Drachenhaut und Sturm im Elfenland sind schon zwei besondere Bücher. Beide märchenhaft. Sonst habe ich von S. Gerdom noch Last Days on Earth gelesen, was auch gut war, aber eher in Richtung Fantasy-Thriller ging, ohne Märchen :-) Du solltest es echt mal mit ihren Büchern probieren.

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