Montag, 20. August 2012

High Five - 5 Sätze/5 Adjektive zu "Shades of Grey: Geheimes Verlangen" von E L James



Goldmann (Juni 2012), Band 1,
Kindle E-Book, ca. 604 gedruckte Seiten,
z.Zt. 9,99 € [D]
www.shadesofgrey-buch.de


Sie ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe nicht allzu erfahren. Doch dann lernt Ana Steele den reichen und ebenso unverschämt selbstbewussten wie attraktiven Unternehmer Christian Grey bei einem Interview für ihre Uni-Zeitung kennen. Und möchte ihn eigentlich schnellstmöglich wieder vergessen, denn die Begegnung mit ihm hat sie zutiefst verwirrt. So sehr sie sich aber darum bemüht: Sie kommt von ihm nicht los. Christian führt Ana ein in eine dunkle, gefährliche Welt der Liebe – in eine Welt, vor der sie zurückschreckt und die sie doch mit unwiderstehlicher Kraft anzieht … (Text- und Bildquelle: Goldmann Verlag)


Vorabbemerkung: Ja, dieses Buch wird z.Zt. so stark gehypt, dass es mir schon zu den Ohren raushängt. Ja, ich habe ich dieses Buch trotzdem gelesen. Nein, ich wollte zu diesem Buch nichts schreiben (bis ich immer wieder ganz lieb daran erinnert wurde), Nein, ich finde es nicht blöd, ich fühlte mich sogar ausgesprochen gut unterhalten. Und ja, ich werde die Nachfolgebände gerne lesen.


5 zusammenfassende Sätze, bzw. diesmal längere Punkte, zum Buch

  1. Starten wir mit Hauptprota Ana Steele, dem süßen, schüchternen, grauen Mäuschen. Sie hält sich für unauffällig, nichtssagend und tollpatschig. Klingelt da was? Genau! Sie stellt exakt den Typus Frau dar, der momentan (leider) von jedem zweiten Autor aus der Schublade gekramt wird. Ob mit oder ohne Glitzervampir sei jetzt mal dahingestellt. Außerdem hatte sie mit ihren 21 Jahren noch keinen Sex, also gar keinen, auch nicht mal, äh, andeutungsweise (und das soll jetzt keine Verurteilung dieses Umstandes in Verbindung mit dem Alter sein sein, sondern eine rein objektive Nennung der Tatsachen). Auch wenn mich diese Art von Charakter von vornherein eher abschreckt, war ich hier mal unvoreingenommen-unkritisch und konnte mich mit Ana ganz gut anfreunden. Die Männerwelt allerdings, sieht Ana natürlich ganz anders. Auf diese wirkt sie nämlich sehr begehrenswert. Doch hier ziert sich Ana und weiß nicht so recht, was sie von ihren Verehrern halten soll. Bis sie auf den einen trifft, nämlich ....
  2. Christian Grey - der Mann mit den 50 Facetten. Der sich selbst als "vollkommen abgefuckt" bezeichnet. Er steht vor Ana zu seinem Leben als BDSM-Anhänger und praktiziert hier den dominanten Part, ohne Ausnahmen und komplett nach seinen, fest verankerten, Regeln. In der schüchternen und (so meint er) unterwürfigen Ana sieht er die perfekte Submission-Partnerin. Was sich, nach dieser Beschreibung, für die meisten ziemlich unsympathisch anhört, ist gar nicht so dramatisch. E L James hat ihrem männlichen Hauptprotagonisten nämlich ein ausnehmend reizvolles Charisma verpasst. Gefahr und Anziehung - ein unschlagbares Duo! So erliegt auch Ana sofort dem einvernehmenden Charme des göttlichen und modelgleichen Mr Grey (natürlich!). Dass dieser auch ziemlich hingerissen von Mrs Steele ist, und dafür beinahe sofort von seinen, ach so strengen, Regeln abweicht, ist nur eine von vielen kleinen Inkonsequenzen, die auf den Leser zukommen. Das wurde dann wohl eher auf die allgemeine Mainstreamleserschaft (so wie mich!) abgestimmt.
  3. Das viel kritisierte Lektorat war für mich kein nennenswerter Kritikpunkt. Im Gegenteil. "Geheimes Verlangen" wurde gut übersetzt. Der einfache Plot liest sich flott und, für mich, längenlos. Die verwendete Sprache in den Erotikszenen ist fast schon anständig, bzw. der Norm entsprechend, prickelt aber trotzdem ganz schön. Wenn man hier berechtigte Kritik anbringen will, ist sie in den vielen Wiederholungen der Originalfassung zu sehen. Das deutlichste Beispiel ist definitiv: Anna errötet ständig! Und das in allen Schattierungen. Vom leichten Erröten bis zum dunkelroten Anlaufen ist wirklich alles dabei - abschnittsweise so häufig, dass dieser Umstand auf nahezu jeder Seite eines Kapitels erscheint (teils mehrmals!). Ja, ja - ist ja gut!
  4. Auch wenn "Geheimes Verlangen" ein Erotikroman ist, gibt es ausreichend und viel Handlung, um besagte Szenen nicht nervend in den Vordergrund zu spielen. Obwohl - sobald sich Christian und Ana über den Weg laufen, und das tun sie doch recht oft und auch unverhofft, weiß man als Leser, auf was diese Treffen hinauslaufen. Erotische Szenen gibt es zuhauf. Auch hier greift das Stichwort Wiederholungen und man liest den ganzen Roman hindurch bekannte Floskeln, wie "Immer zuverlässig und allzeit bereit, Mrs Steele" untermalt mit vielen Ah's und Oh's. Mit der Erwartung, dass es sich hier um einem beworbenen SM-Roman handelt, fand ich die Szenen aber weitaus weniger "schlimm". Die Erotikhandlung startet sogar relativ normal, erarbeitet sich aber im Laufe der Handlung, dann aber auch nicht immer, einen SM-Touch.
  5. Auch wenn ich mir hier einigen Sarkasmus nicht abgewöhnen konnte, habe ich "Shades of Grey: Geheimes Verlangen" sehr gerne und im Rekordtempo gelesen. Der Roman ist ein Pageturner mit einfacher Handlung, trotz Mankos, interessanten Hauptcharakteren und teilweise etwas speziellen Erotikszenen. Das Ende hat mich am meisten mit Ana sympathisieren lassen (hat sie's jetzt endlich begriffen!), es ist aber so gewählt, dass man als Leser ziemlich in der Luft hängt und sofort wissen möchte, wie es weitergeht. Wie es tatsächlich weitergeht, ist abzusehen. Aber, wen kümmert's? Die zwei Folgebände erscheinen in rascher Reihenfolge und werden natürlich gelesen. Wennschon, dennschon!

5 Adjektive, die mir spontan zum Buch einfallen

überzogen, unterhaltsam, sexy-naiv, kurzweilig und fesselnd


Zusammengefasst vom Fazitbär:
"Shades of Grey: Geheimes Verlangen" ist gefühlt in aller Munde, auf jedem Kindle, in sämtlichen Handtaschen, auf den meisten Nachttischen, auf allen Blogs und Buch-Diskussions-Foren, auf Facebook, Twitter und sogar in der Bildzeitung. Ist das alles nur eine große Medienblase oder ist das Buch wirklich gut und lesenswert? Gut - liegt im Ermessen jedes Einzelnen. Lesenswert - auf alle Fälle. Der Roman unterhält bestens und ist die perfekte Leseberieselung.
Mehr jedoch nicht.


© by Damaris liest.

Kommentare:

  1. Ahh, wunderbarer High 5! Ich mochte das Buch auch, obwohl ich sagen muss, dass mich vieles wirklich gestört hat (Schreibstil, die "Innere Göttin"...). Letzten Endes habe ich mich aber wirklich gut unterhalten gefühlt, und die Folgebände wandern sicher auch auf meinen Kindle. Mal sehen was aus Ana und Mr. Grey noch wird. Zum Glück müssen wir ja nicht mehr lange warten! :-D

    LG, Isabel

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  2. Ach schön! So ein frisches, schönes, augenzwinkerndes High-Five! An diesem Buch ist auch einfach kein Vorbeikommen :D

    Drücksi, Anka

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  3. Hihi, jedem kindle. Das ist wohl wahr. Ich denke, diese Art von Buch hat es tatsächlich leichter, wenn man es nur virtuell kauft, da kann man es ja viel besser vorm Rest verstecken...

    Ich mag deine 5 Adjektive, überzogen trifft es sehr gut...
    Zu Punkt 1 und 5 würde ich noch hinzufügen, dass Ana Stele so eine typische Vetreterin ist, da sie in der zugrunde liegenden fanfiction Bella War, umso mehr erfreut mich der halbwegs tiefe Charakter des Christian Grey, der sich doch weit von der eigentlichen Vorlage des Edward aus Twilight schon in der fanfiction entfernt hat.
    Das jedes Kapitel so eine Art Cliffhanger hat, ist aber auch dem Fanfiction Medium zuzuschreiben. Hier ermisst sich der Erfolg einer solchen, an den Lesern, die die Story abonnieren und ihren favoriten hinzufügen.

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  4. ...
    Dementsprechend versuchen die Autoren Cliffhanger einzubauen, um ihre Abonennten zu teasen und an ihre Story sozusagen zu ketten. Ich persönlich mag die Art, solange die Story als solche immer noch ein großes Highlight, eine große Spannungskurve hat...

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  5. Tolles High Five!!!
    Ich habs ja noch nicht gelesen, werde es aber auch nicht lesen, deswegen unterhalten mich die Rezis oder HighFives der Blogger immer sehr, sehr gut :D :D

    LG
    Lilly

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  6. @Isabel, danke dir, hat Spaß gemacht zu schreiben, obwohl ich ziemlich lange dran saß. Eigentlich hätte ich gleich eine Rezi verfassen können :-) Der Schreibstil hat mich gar nicht so gestört. Das mit der inneren Göttin fand ich auch etwas dümmlich, das hab ich jetzt hier total vergessen zu erwähnen. Macht nix, das Buch war ja, trotz Kontroversen, okay und hat gut unterhalten.

    @Anka, du hast so recht, an diesem Buch kommt man einfach nicht vorbei. Geplant war ja, dass ich es einfach so, mal eben, kurz, für mich lesen und gar nichts dazu schreiben. Naja, es kam anders... :-)

    @momo, ja, hihi, bei mir auch auf dem Kindle :-) Das mit der Fanfiktion und dem Bella-Vorbild für Ana wusste ich schon. Ich hab es hier mal bewusst rausgelassen. Christian fand ich auch interessant, vor allem, weil da ja noch etwas in seiner Vergangenheit schwelt, das noch nicht aufgedeckt wurde und noch für viel Storypotenzial sorgt. Er hatte mit Edward wirklich gar nichts (außer die kupferfarbenen Haare) gemeinsam. Ach, ich hätte doch ne Rezi schreiben sollen, der H5 ist ja auch echt lang und hätte noch länger werden können. War mal als wirkliche 5 Sätze und 5 Adjektive geplant, aber das funktioniert bei mir und Bloggerkollegin Reni so gut wie nie :-)

    @Lilly, du willst es nicht lesen? Naja, überreden, es unterhält aber wirklich gut. Die Folgebände müssen es jetzt natürlich auch sein :-)

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  7. Hach, da ist es ja das High5 und ziemlich gut, wenn ich das mal sagen darf. Ist alles drin und mit ein bisschen Sarkasmus und Augenzwinkern, so wie ich das Buch selbst empfunden habe. Im ganzen bin ich ja von der Reihe und den beiden ziemlich angetan. Es gab und gibt in den Fortsetzungen einfach so viele witzige Momente. Ich bin dann auch recht gespannt wie du die Folgebände dann finden wirst. Dauert ja auch nich mehr so lange.
    knuddel

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  8. Gratulation zu dieser tollen 'Buchbesprechung'
    Mich freut natürlich, dass es dir doch ganz gut gefallen hat. Ich werde definitiv auch weiterlesen ;-)
    Ist ja nicht mehr lange...
    Lg
    Steffi

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  9. Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Außer, dass ich auch immer wieder von ihrer "postkoitalen Frisur" fasziniert war. :D

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  10. Hallo, Damaris.
    Obschon die Thematik einer S/M-Beziehung weit am fernen Horizont meiner Neugierde zu stehen kommt - eine "postkoitale Frisur"!?
    Man lernt doch immer wieder Neues. :-)

    bonté

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  11. Soo schlecht klingt das Buch nach deiner High Five gar nicht, aber ich werde es denke ich dennoch boykottieren. Schon deine Charakterisierung der Hauptperson regt mich auf ;) Und gegen Erotikszenen habe ich nichts - wer Cat & Bones kennt, ist da abgehärtet -, aber ich hab immer noch das Gefühl, dass mir persönlich das alles zu wenig Handlung wäre.
    Sehr unterhaltsam zu lesen von deiner Seite aber für mich noch immer nichts...

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  12. @RoM: Oh ja! Postkoitale Frisur! :D Immer wieder hat sie sich diese im Spiegel angeguckt und sich deswegen geschämt. Pff!

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  13. @Sandi, glaube wir empfinden die Reihe so ziemlich gleich. Sie unterhält gut, hat natürlich auch (fürs Lesefeeling wenig relevante) Schwächen, und überbewerten darf man sie auch nicht. Einfach lesen. Hat Spaß gemacht und die Folgebände sind natürlich fällig :-) Knuddel back!

    @Steffi, bei so gehypten "anrüchigen" Büchern darf man sich schon mit einem kleinen Augenzwinken lustig machen. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und freu mich auf die nächsten Bände :-)

    @Karo, looooool - klar, POSTKOITAL. Das hatte ich ja schon völlig vergessen/verdrängt. Das Wort kam aber auch so oft vor, dass ich schon amüsiert die Augen verdreht hab. Vor allem in Verbindung mit der Frisur, hihi.... Dieses "innere Götting"-Dingens fand ich jetzt auch nicht so prickelnd, eher nervig.

    @RoM, an dem Buch kommt man einfach kaum vorbei, egal wo die persönlichen Vorlieben liegen, und das ist hier auch wirklich zweitrangig. Allerdings sehe ich Shades of Grey definitiv als Frauenbuch :-)

    @Sonne, es war sogar sehr unterhaltsam. Gerade wegen der Personen wollte ich mich hier jetzt ein bisschen lustig machen :-) Beim Lesen ist das aber gar nicht so schlimm. Und es gibt wirklich auch viel sonstige Handlung. Eigentlich genau das richtige Maß.

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  14. @Karo, vermutlich in farbprächtigen Nuancen permanent errötend...

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  15. Mal wieder ein toller wie unterhaltsamer High Five. Herrlich! Ich sehe aber, dass er wieder einmal sehr lang geworden ist. Da musste ich gerade arg schmunzeln. Vor allem, weil meine Rezi zu "Love just happens" auch erst ein High Five werden sollte. Nachdem die Wortzahl stieg & stieg, habe ich mich dann doch umentschieden und die Ziffern mal schnell wegradiert - obwohl der Fazitbär natürlich ein netter Nebeneffekt gewesen wäre. So süüüß!

    Da Sandi mich schon STARK gespoilert hat, werde ich die SoG-Bücher wohl nicht mehr lesen - andere Geschichten können mich da vielleicht noch besser berieseln, denke ich.

    Bussi, Reni

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