Freitag, 2. März 2012

Rezension zu "Dunkles Universum 1: Sonnenfeuer" von Ann Aguirre



Verlag: Blanvalet (Februar 2012)
Originaltitel: Grimspace
Übersetzer: Michael Pfingstl
Reihe: Band 1
Ausführung: Klappenbroschur, 416 S.
ISBN: 978-3442268023
8,99 € [D]

Genre: Science-Fiction


Inhalt/Verlagsinfo
Sirantha Jax ist eine begnadete Navigatorin, die in der Lage ist, Raumschiffe durch den gefährlichen Grimspace zu steuern und dabei unvorstellbare Entfernungen zurückzulegen. Doch nun soll sie für eine Tat bestraft werden, an die sie sich nicht einmal erinnert. Plötzlich taucht der geheimnisvolle March in ihrer Zelle auf. Er will Jax zur Flucht verhelfen – wenn sie die Rebellen in ihrem Kampf gegen das Regierungssystem unterstützt. Doch March scheint auch noch ein anderes Motiv zu haben, der schönen Jax die Freiheit zu schenken … (Text- und Bildquelle: Blanvalet Verlag)

Über die Autorin
Ann Aguirre, geboren 1970, ist eine amerikanische Bestsellerautorin mit einem Abschluss in Englischer Literatur. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Clown, Buchhalterin, Synchronsprecherin und als Retterin von streunenden Katzen. Sie schreibt vor allem Science-Fiction und Fantasy Romane und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern sowie zwei Katzen und einem Hund in Mexiko.

Rezension

Der erste Satz: Hast du Angst, wir könnten runterfallen, Baby?

Sirantha Jax ist eine S-Gen Trägerin und "Springerin" für den Konzern. Das heißt, sie hat die besondere Gabe, Raumschiffe durch den Grimspace zu navigieren. Durch dieses "springen" kann das das Raumschiff eine Strecke durchs Weltall, für die es normal Monate bräuchte, in sehr kurzer Zeit zurücklegen. Springerinnen sind selten und genießen beim Konzern Starstatus. Gleichzeitig wirkt der Grimspace aber auch wie eine Droge aufs Gehirn, was zur Folge hat, dass alle Springerinnen früher oder später ausbrennen. Dieser letzte Sprung ist nicht vorhersehbar, die Springerin ist nach dem Ausbrennen psychisch am Ende. Sie stirbt oder fristet ihr restliches Leben in einer Psychiatrie des Konzerns.
Nun ist Jax angeblich Schuld an einem Unfall, der allen Menschen an Bord des Raumschiffs das Leben kostete. Jax sitzt in einer Zelle des Konzerns und soll durch Psychotherapie von ihrer Schuld "überzeugt" werden. Aus dieser Gefangenschaft wird sie von dem düsteren Marsch und seiner Schiffscrew gerettet. Dafür verlangt er von ihr, dass sie ihm beim Aufbau einer Akademie für konzernunabhängige Springerinnen hilft. Doch die neu zusammengewürfelte Crew wird verfolgt...

Marsch ist ein äußerst seltsames Gemisch aus tief vergrabener Grausamkeit und Brutalität, übertüncht mit der Fürsorglichkeit und dem Mitgefühl, das Mair ihn gelehrt hat. - S. 413

Nach der deutschen Übersetzung der Dystopie "Die Enklave" legt Ann Aguirre mit "Sonnenfeuer" einen waschechten Science-Fiction Roman vor. Hier ist alles zu finden, was man von einer Sci-Fi Geschichte erwartet. Raumschiffe und -stationen, Weltall, Galaxien, Nicht-humanoide Lebewesen und viel Technik. Science-Fiction ist nicht jedermanns, und vor allem jederfraus, Genre, wirkt es doch sehr steril und kalt. Frau Aguirre hat hier durch ihre außergewöhnlichen Protagonisten einen Roman geschaffen, der, gerade für die weiblichen Leser, einen zweiten Blick wert sein sollte.

Die Sprache benützt einige Sci-Fi-typische Begriffe und Ausdrucksweisen. Man muss aber kein Genrekenner sein, um sich trotzdem in der Geschichte zurechtzufinden. Das Meiste wird ausreichend erklärt, den Rest kann man sich zusammenreimen. Der Ton ist, vor allem bei wörtlicher Rede, oft derb und umgangssprachlich, und trotzdessen, dass sich die Charaktere meist fernab von jeder Zivilisation befinden, unseren Redewendungen gar nicht so unähnlich. Zusätzlich zur spannenden Handlung wurde noch eine ordentliche Portion Romantik in die Geschichte gemixt. Diese bleibt aber wohldosiert. Erotische Szenen sind selten.

"Sonnenfeuer" lebt durch seine ungewöhnlichen Personen. Allen voran natürlich Jax, die bei Weitem kein einfacher Charakter ist. Sie erscheint sogar recht unsympathisch. Seelisch kaputt und oft am Rande des Wahnsinns, philosophiert sie über den Sinn ihres Daseins, vor allem nach dem Unfall, bei dem ihr Liebhaber getötet wurde. Ihr Gegenüber findet sie in Marsch, dem Anführer ihrer kleinen Weltraum-Rebellen-Truppe. Es entwickelt sich fast sofort eine Art Hassliebe zwischen den beiden. Ihre Kommunikation ist von Sticheleien und Zynismus durchsetzt, sorgt so aber für viel Pfeffer und Wortwitz. Auf den Mund gefallen sind weder Jax noch Marsch. Marsch zeichnet sich vor allem durch seine Fürsorglichkeit aus, die er aber unter einer harten und düsteren Schale versteckt.
Die restliche Truppe ist übersichtlich und gut charakterisiert. Jeder Person hat ihren Sinn und Zweck in der Geschichte und wird diesem auch völlig gerecht.

Die teils ungewöhnlichen Namen sind genretypisch und unterstützen sogar das anhaltende Kopfkino. Bis auf einen Namen, und zwar den von ... Marsch! Im Klappentext, sowie der englischen Originalausgabe, heißt der Gute nämlich March. Durch einen doppeldeutigen Wortwitz bei der Einführung seiner Person wurde aus March für die deutsche Ausgabe kurzerhand Marsch. Sehr unglücklich, denn dieser Name wird einem während des kompletten Romans einfach nicht geläufig. Stattdessen zaubern dem Leser Assoziationen wie Marschgruppe, Marschmusik, Gaisburger Marsch, Marschroute oder auch Marsch, Marsch, ab ins Körbchen! (diese Liste ließe sich fortsetzten) das ein oder andere Grinsen ins Gesicht. Fast schon zu komisch. Hätte das nicht eleganter gelöst werden können?

Die Handlung scheint zwar ziemlich komplex, ist aber tatsächlich recht einfach. Die Rebellentruppe wird verfolgt, reist durch diverse Galaxien und macht auf verschiedenen Planeten (teils unfreiwillig) einen Zwischenstopp. Die Beschreibung der verschiedenen Orte, Gerätschaften und Lebewesen gelingen gut, man fühlt sich, als würde man einen Science-Fiction Actionfilm schauen. Die Kapitel sind relativ kurz, wodurch sich das Buch schnell lesen lässt. Beginnt die Handlung sehr spannend und actionlastig, findet sich im Mittelteil auch mal eine kleine Länge. Die ist aber gut zu verkraften, bzw. durchzulesen. Das letzte Buchdrittel präsentiert sich durch Spannung und Action bis zum Schluss. "Sonnenfeuer" ist der Beginn der Dunkles Universum-Serie und wird bei Blanvalet im Juni 2012 mit Teil 2 "Sternenglut" fortgesetzt.

Persönliches Fazit
"Dunkles Universum 1: Sonnenfeuer" hat definitiv Feuer und bleibt, trotz Reisen durchs dunkle Universum, ein kleiner, leuchtender Stern. Für mich ein lesenswertes Buch, das klassische Science-Fiction mit einer guten Portion Romantik und interessanten Charakteren verbindet. Auch wer sich bisher nicht mit dem Genre der Science-Fiction anfreunden konnte, sollte hier definitiv mal reinschnuppern. Es lohnt sich! Und jetzt: Marsch, Marsch, ab ins Körbch... äh, Weltall! 4 Sterne!


Aufmachung: 3 / 5
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Ok, du machst mich neugierig. Allein schon wegen Marsch, Marsch! Das klingt wirklich lustig und ich hätte wohl auch zweimal geschaut, beim Lesen. Die Hassliebe klingt auch sehr interessant, sowas macht doch immer wieder Spaß, wenn es nicht zu plumb und einfallslos rüberkommt. Klingt hier überhaupt nicht danach. Doch, ich denke es könnte was für mich sein.

    Drück, Reni

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  2. Klingt super! So Science- Fiction hab ich bisher auch eher weniger gelesen, gefällt mir was du dazu geschrieben hast. Da hab ich doch gleich das Bedürfnis das Buch zu kaufen, kribbelt schon in den Fingern und wer ist Schuld, die liebe Damaris und ihre tollen Rezensionen ;D

    Schönes Wochenende und liebste Grüße,
    Samira :)

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  3. @Reni, glaube auch, dass es dir gefallen könnte. Ist, trotz Sci-Fi, gar nicht so anders zu was wir sonst so lesen :-) Die Hassliebe ist nicht plump, eher noch dezent. Ich mag sowas ja auch besonders gerne! Von mir aus hätte es ruhig noch etwas mehr Romantik/Erotik sein können, aber es ist ja ein Serienstart. Lässt sich aber auch als Einzeltitel lesen. Die Marsch, Marsch Assoziationen sind sooo witzig, muss ständig grinsen :-)

    @Samira, ich lese auch weniger Sci-Fi, aber es gefällt dir ganz sicher. Manchmal tut so ein Genreausflug auch richtig gut. Danke für dein Lob, du hast Mail ;-)

    Euch auch ein schönes WE!!

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  4. Hey, darf ich dir einen Tipp geben? Den letzten Satz des ersten Absatzes, der mit "verfolgt..." endet, solltest du löschen. Ich finde, das verrät schon zu viel von der Handlung. Das erfährt man ja wirklich erst ein ganzes Ende später ...

    Ansonsten finde ich deine Rezi super. Finde ja, witzig, dass du den Anfang eher actiongeladen und den Mittelteil etwas langatmig fandest, mir ging es genau umgekehrt ;-) Habe aber auch 4* gegeben: http://bookaddicted.de/?p=666

    LG,
    Katharina

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  5. Science Fiction ist durchaus reich an Facetten. Raumschiffe, die bleiern durch das All fliegen, nur ein Aspekt des Möglichen. Ich schätze schon immer die Bandbreite zwischen inner & outer space dabei.
    Ein wenig hat mich die Figur des Romans an Andrea Cort denken laßen, die in Adam-Troy Castros Büchern so komplexe wie farbenprächtige Abenteuer durchlebt.

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  6. @Katharina, deine Rezi hab ich schon gelesen, grundsätzlich sind wir ja derselben Meinung :-) Es ist wirklich witzig, wie unterschiedlich man einzelne Buchabschnitte empfinden kann.
    Danke auch für deinen Tipp. Ich überlege mir auch immer ganz genau, was ich "verrate" und gebe nur Infos über das erste Buchdrittel. In diesem Fall lasse ich meinen Satz, dass die Truppe verfolgt wird, stehen. Finde er macht eher neugierig und Interssierte werden sich denken können, dass die Flucht nicht ohne Schwierigkeiten erfolgen wird :-)

    @RoM, du hast recht, Sci-Fi ist mehr als Raumschiffe, Weltall und Star Wars :-) Mein letztes Buch über Zeithandel war ja auch Sci-Fi und da gabs weit und breit kein Raumschiff *grins*. In meinem bevorzugten Genre (Jugendbuch, Young-Adult Fantasy) gibt es noch nicht viel Sci-Fi. Trotzdem freue ich mich immer, auch mal "fremdzulesen". Grundsätzlich sind mir aber Sci-Fi Filme lieber.

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  7. Immerhin gibt sich das phantastische Element ein regelmäßiges Stelldichein, was auch nicht ohne Reiz (für mich) ist.
    Auf die Gefahr hin neugierig zu erscheinen - Deine Vorliebe(n) bei SF-Filmen?

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  8. Puh, du TEUFELIN!
    Ich wollte das Buch ja so gar nicht lesen, weil ich mich mit "The Enclave" als Hörbuch immer noch so herumschlage und das nun schon seit mehr als 6 Monate :(
    Aber deine Rezension macht so LUST auf das Buch und der erste Satz...
    Tja, Zitate ködern mich halt irgendwie doch IMMER!! >_<

    Viele Grüße! :)
    Charlousie

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  9. YES!!!
    Danke für die Rezi. Ich hatte gehofft, dass sie so ausfällt. Das Buch ist genau mein Ding und ich muss es unbedingt auf meine WL setzen. Freue mich schon drauf. Dann kann ichs mir kaufen, nicht nur des Covers wegen :D

    LG
    Lilly

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  10. @RoM, also meine SF-Filmvorlieben sind schon die bekannten Blockbuster (keine Serien wie Enterprise,...) Ich mag Star-Wars I-VI, "Die Rache der Sith" ganz besonders, der kam gestern erst :-), dann auch "Tron: Legacy" und "Star Trek" von 2009 fand ich genialst! Und das war jetzt mal beschränkt auf das Weltraum-(außer Tron)-Genre. Es gibt noch sooo viel (Transformers, Independence Day, Marix, Zurück in die Zukunft, Terminator, Predator, Das 5. Element (super!!), Avatar,...) Du kennst dich ja bestens aus :-)

    @Charlousie, hihi, da bin ich gerne Teufelin. Lies es, deine Meinung interessiert mich auch. Meinst du den ersten Satz, mit dem runterfallen? Oder die Beschreibung von Marsch? Die ist gut, gell? :-)

    @Lilly, GERNE! Ich finde das Cover ja auch ganz toll und wenn du Sci-Fi magst, kannst du nichts falsch machen. Und 8,99.- ist sowieso ein super Preis!

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  11. Namensänderungen stören mich persönlich ja immer sehr. Es gibt ja durchaus auch andere Namen, die nicht so geläufig sind und die trotzdem übernommen werden. Wieso Verlage dann gerade bei solchen Namen eine Änderung vornehmen, verstehe ich nicht. Ich bin da wirklich froh, dass ich im Original geblieben bin ;) Bei der Übersetzung wäre mir wohl irgendwann der Kragen geplatzt oder das Buch hätte dadurch schlechter abgeschnitten *g*

    Ich bin ja überaus überrascht davon, wie vielfältig die Autorin schreiben kann. Ihre Dystopie (Die Enklave) fand ich genial, diesen Reihenstart hier mochte ich ganz gerne und ihre Romantic Suspense Bücher, die bald auf Deutsch erscheinen werden, können mich auf fesseln :) Bei ihr kann man fast nichts falsch machen...
    liebe Grüße

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  12. @Melanie, uuaaahhh ja, die Sache mit der Namensänderung, und dann gleich SO, haben mich auch gestört. Sonst hat mir das Buch wirklich Spaß gemacht. Irgendwann hab ich den Namen Marsch dann einfach nur noch lustig empfunden :-) Die Enklave liegt noch auf meinem SuB, freu mich drauf!

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  13. Ja, der 'Terminator' oder 'Das 5. Element' (ein absolut irres Kaleidoskop wahnsinniger Ideen)gehören auch zu meinen archivierten Favoriten.
    Sollte Dich einmal wieder die Lust auf SF im Film packen, könnte ich Dir 'Moon'(Einsamkeit auf der kalten Seite des Monds), 'Monsters'(ein Roadmovie mit Aliens in Mexiko)oder 'Cargo' (eine schweizer Produktion) ans Herz legen. Zwar kein Blockbuster-Kino - aber WOW-Filme.

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  14. @RoM, 'Das 5. Element' könnte ich immer und immer wieder schauen! Und an Chris Tucker aka Ruby Rhod lache ich mich jedes Mal schlapp (bsssss, Er ist ja so grün! haha) Großes Kino! 'Moon' mit Chris Rockwell hab ich schon gesehen. Gefiel mir, war aber irgendwie .... anders. Danke für die Tipps.

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  15. Stimmt,'Moon' läßt einen eher an ein Kammerspiel denken, an ein Theaterstück. Wirkt dabei intensiv auf den Betrachter. Ich mag solche Kleinode.
    Ist mir stets ein Vergnügen mit Filmtips dienen zu können!
    Und bis 'Panem' sind es auch nur noch zwei Wochen.

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  16. @RoM, jaaaaaa Panem! Bald bald.... Erstmal Buchmesse in Leipzig und dann sofort in diesen Film!

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  17. Vielen lieben Dank für die tolle Rezension! Es freut uns, dass Dir das Buch so gut gefallen hat :)
    Herzliche Grüße vom Blanvalet-Team

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