Donnerstag, 29. März 2012

Rezension zu "Die Blumen des Schmerzes" von Brenna Yovanoff



Verlag: script5 (März 2012)
Originaltitel: The Space Between
Übersetzer: Jessica Komina, Sandra Knuffinke
Reihe: -
Ausführung: Hardcover/SU, 382 S.
ISBN: 978-3839001332
18,95 € [D]

Genre: Urban-Fantasy


Inhalt/Verlagsinfo
Daphne, Luzifers Tochter, verlässt die Hölle, um auf der Erde nach ihrem verschollenen Bruder zu suchen. Ihr zur Seite steht Truman Flynn, ein junger Mann, der die Narben seines Herzens auch am Körper trägt. Gemeinsam reisen sie durch ein düsteres, grausames Land, auf der Suche und auf der Flucht: Denn Azrael, der Engel des Todes, schickt seine Schergen, um Daphne zu vernichten. Bald sehen sich Daphne und Truman gefangen in einem Kampf zwischen gefallenen Engeln und göttlichen Rächern, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Gut und Böse, und wer auf welcher Seite steht, wird von Tag zu Tag unsicherer. (Text- und Bildquelle: script5 Verlag)

Über die Autorin
Brenna Yovanoff wuchs in einer Kleinstadt in Arkansas auf und studierte an der Colorado State University. Sie spielt hervorragend Fußball und backt leckere Pasteten, dafür ist sie eine grauenvolle Tänzerin und kann sich einfach nicht entscheiden. (Außerdem mag sie Klammern.) (Sehr sogar.) Brenna lebt mit ihrem Mann in Denver. "Die Blumen des Schmerzes" ist nach dem New York Times-Bestseller "Schweigt still die Nacht" ihr zweiter Roman.

Rezension

Der erste Satz: Einst sagte meine Mutter einer ganzen Heerschar von Engeln, dass sie lieber sterben würde, als zu einem Mann zurückzukehren, den sie nicht liebte.

Die Dämonin Daphne lebt im Pandämonium, der Höllenstadt. Zu ihrem Vater Luzifer hat sie kaum Kontakt und die Beziehung zu Mutter Lilith ist eher kalt und berechnend - aber so ist Lilith nun mal. Auch von ihren vielen Schwestern, den Lilim, unterscheidet sich Daphne, da sie kein Bedürfnis verspürt, Männer nur für ihre eigenen Zwecke zu benutzen.
An einem Tag wird ein Junge durch das Höllenportal gebracht, für den die Zeit im Jenseits aber noch nicht gekommen ist. Daphnes Bruder begleitet den Jungen wieder zurück auf die Erde - und verschwindet spurlos. Daraufhin wird Daphne von ihrer Mutter gebeten auf die Erde zu gehen, um nach dem Bruder zu suchen. Daphne hofft darauf, dass Truman, der Junge, der zuvor versehentlich in der Hölle gelandet ist, ihr sagen kann, wo sich ihr Bruder befindet. Sie ahnt nicht, wie grundlegend ihr Leben durch Truman verändert wird.

"[...] Die Falschheit eines Dämons ist nichts verglichen mit der Heimtücke eines Engels." - S. 339

Schon im Klappentext fällt auf, dass Frau Yovanoff hier die Geschöpfe der Unterwelt auf die Bühne ruft. Und zwar alle, die Rang und Namen haben. Luzifer - klar! Lilith, die Mutter der Dämonen und Azrael, den Todesengel, der auf der Erde darüber wacht, dass es die Dämonen nicht zu bunt treiben. Meist mit tödlichen Folgen für selbige. Die Liste kann noch fortgesetzt werden, viele Namen sind bekannt. Außer, dass die Autorin diesen Berühmtheiten einige weniger bekannte Gehilfen zur Seite gestellt hat, sind sie nicht neu und fast in jedem Unterwelt-Roman zu finden. Die Geschichte allerdings ist schon etwas Neues und auch sehr besonders. Dafür sorgen die beiden Hauptcharaktere Dämonin Daphne und Truman, halbmenschlicher Sohn eines gefallenen Engels. Im Nachhinein kann man sagen: "Die Blumen des Schmerzes" ist ganz eindeutig eine Frage des Geschmacks. Abhängig davon, ob man mit diesem Genre etwas anfangen kann und dazu sehr subjektiv!

Die Geschichte ist in drei Teile aufgesplittet und startet mit Daphne in der Hölle. Hier erzählt Daphne in der Ich-Form, Präsens (Gegenwart). Sobald Daphne auf die Erde kommt wechseln sich die Kapitel von ihrer und Trumans Sicht ab. Während Daphne bei der gegenwärtigen Ich-Form bleibt, sind die Truman-Kapitel im personalen Erzählstil, Präteritum (Vergangenheit) geschrieben. Das erscheint zunächst einmal widersprüchlich, da es ein- und dieselbe Handlung ist. Erstaunlicherweise funktioniert diese Arte des Erzählens einwandfrei und macht den Stil zu etwas Besonderem.
Ein weiteres Kapitelmerkmal ist der Countdown über den Truman-Abschnitten. Dieser läuft nach jedem Kapitel ein wenig mehr ab. Was einen am Countdown-Ende erwartet, ist eine Überraschung und bringt zusätzliche Spannung in die Handlung.
Im Laufe der Handlung kommt es zu einigen Absonderlichkeiten, bei denen die Augenbrauen in die Höhe schnellen und sich kritisch angespannt die Stirn runzelt. Sehr dunkel. Sehr bildlich. Sehr hart! Aus filmischer Sicht ist "Die Blumen des Schmerzes" mit Blockbustern wie "Constantine", "Im Auftrag des Teufels" oder "Stigmata" zu vergleichen. Die Wirkung auf einen ist ähnlich.

Hauptprotagonistin Daphne wirkt anfangs überwiegend passiv. Dass sie anders ist als ihre Schwestern, und sonstige Dämonen, erkennt man sofort. Im Gegensatz zu diesen Kreaturen wirkt sie beinahe "gut" und rein. Ihre Passivität täuscht. Daphne ist alles andere als wehrlos, dabei aber immer sehr pragmatisch. Dies kann leicht mit Gefühlskälte verwechselt werden. Gefühle sind Dämonen im Grunde fremd, Daphne jedoch nicht. Anfang noch sehr versteckt, kämpfen sie sich an die Oberfläche - aber das dauert!
Truman selbst ist der widersprüchlichste Charakter im Buch. Man weiß teilweise nicht, ob man ihn bemitleiden oder treten soll. Mann, ist der Junge kaputt!! Das geht bis an die Schmerzgrenze (ohne Blumen!). Allerdings ist er ein Charakter, der seine Wirkung nicht verfehlt - im positiven Sinn.

Im Grobüberblick könnte man sagen: Der Anfang von "Die Blumen des Schmerzes" ist unheimlich und verstörend (da schreien die Seelen nicht nur bildlich in einer höllischen Grube mit brennendem Ofen). Er hat aber auch etwas Fesselndes, innerlich Nagendes. Im Mittelteil gibt es einige Längen. Hier dreht sich alles um die Suche nach Daphnes Bruder und die aufkommende Anziehung zwischen Daphne und Truman. Klingt spannend? - ist es aber nur bedingt. Das Grand Finale, die Action und die Mörderspannung findet man im Endteil des Buches. Hier steckt der Teufel im Detail! Das letzte Drittel ist überraschend, einfach ausgedrückt: krass und blutig. Es liest sich wie ein Film. Die Geschichte wird zu einem "guten" Schluss gebracht. Es könnte allerdings sein, dass man, auch mit einem vermeintlich guten Ende, nicht wirklich zufrieden ist.

Persönliches Fazit
Siehe: Im Grobüberblick könnte man sagen (ein Abschnitt nach oben!) Okay, versuchen wir es anders: "Die Blumen des Schmerzes" schmerzen tatsächlich, sollte man sich in diesem Genre nicht recht wohlfühlen. Auf mich wirkte das Buch sehr unterschwellig, teilweise schaurig und Angst machend - trotzdem war es lesenswert! Die Geschichte ist sehr besonders und, auch wenn ich mich wiederhole, eine Frage des Geschmacks. Dunkelheit oder Licht? Ich bevorzuge das Licht. 3 Sterne.
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 3,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Hmmm. Ja, also ich weiß jetzt gar nicht genau, was ich sagen soll, so toll hast du deine Meinung verpackt ;) Einerseits klingt das Buch wirklich klasse, andererseits auch nicht - hach! Eine wirklich, wirklich gute Rezension, nur bin ich immer noch hin- und hergerissen. Vielleicht fällt es mir mal ins Auge, dunkles mag ich auch mal ganz gerne :D

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  2. Hey du,

    ich hab ja ungeduldig auf deine Rezi gewartet und musste bei:
    "Mann, ist der Junge kaputt!! Das geht bis an die Schmerzgrenze (ohne Blumen!)." erstmal laut auflachen. Oh man.. *hihi*

    Es klingt ja schon spannend. Aber auch irgendwie schwierig... Hm... Sehr schöne Rezi auf jeden Fall. Sie fordert mich irgendwie auf, meine eigene Meinung zu bilden. ;-)

    Viele Grüße
    Asaviel

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  3. Ich habe jetzt mal nur das Fazit gelese, da ich mich selbst nicht spoilern möchte. Ich werde demnächst mit dem Buch starten. Auf eine schaurige und dunkle Unterweltgeschichte habe ich richtig Lust. Bin mal gespannt, ob es meinen Geschmack trifft und mich auf die dunkle Seite ziehen kann. :)
    Drücksi

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  4. @Sonne, ach du bist so lieb! Danke für dein Kompliment. Wenn ein Leser auch mal eine nicht 4 oder 5 Sterne Rezi "gut verpackt" findet, dann freut mich das ganz besonders. DBdS sind sehr speziell, aber ich denke, das Buch könnte dir gefallen. Ich mag die dunkle Seite auch ganz gerne :-) Hier war ich aber doch sehr bedrückt. Stil und Aufmachung sind aber mal wieder top! Meine Bewertung ist diesmal wirklich sehr subjektiv - an die Geschichte denke ich aber im Moment ständig! Geht mir ziemlich nach...

    @Asaviel, oh gut, wenn die Rezi bei aller Düsternis auch etwas lustig ist. Hier bot sich ein Bezug auf den Titel förmlich an :-) Ja, Truman war definitiv kaputt und gebrochen. Das zog sich auch ne Weile. Bin immernoch voller widersprüchlicher Gefühle für die Geschichte. Sehr komisch.

    @Sandi, ich platze fast vor Neugierde, was du von dem Buch hältst. Solltest du keine Rezi schreiben, gib mir bitte kurz Bescheid, ja? Bei mir wirkt die Geschichte immernoch nach. Die Rezi spoilert übrigens nichts, was über den Klappentext hinausgeht :-)

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  5. Die Rezi ist super. Ich musste manchmal richtig herzhaft 'schmunzeln'. Das Buch scheint echt ne Nuss zu sein. Obs was für mich ist ... ich glaube eher nicht. Ich bin nicht sooooo der Dark-Typ und wenn muss ich mal mindestens in der Mood dafür sein und das ist so beim Frühlingssonnenschein momentan nicht der Fall ;)
    Trotzdem hat mir deine Rezi gefallen und ich finde sie sehr gelungen, wenn man bedenkt welche zwiegespaltene Gefühle es hervorgerufen hat.

    LG
    Lilly

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  6. Deinen Grobüberblick finde ich ganz klasse, genau so habe ich das Buch nämlich auch empfunden.
    Das Ende war nochmal ganz toll, aber konnte dann doch nichts herausreißen.

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  7. Das mit dem Grobüberblick ist super. Sowas habe ich bis jetzt immer gesucht und auch mal im Hinterkopf gehabt und du setzt es mal wieder als erste um "mennoooo" jetzt kann ich das nicht mehr machen "schmoll". Nee nicht schlimm. Wirklich tolle Rezi und bis jetzt empfinde ich genauso wie du, ich muss aber sagen, dass ich das Buch "pssst nicht so laut" abgebrochen habe. Mir ist da was dazwischen gekommen und das muss ich jetzt einfach lesen. Mache ich normalerweise nie aber bei diesem Buch fällt mir der Cut gar nicht so schwer.
    Mal sehen wann ich den Rest lese und wie der mir so zusagt. Jetzt nach deiner Rezi freu ich mich irgendwie darauf das Ende zu lesen ;)

    Liebe Grüße Jessi

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  8. Die Idee mit dem Grobüberblick finde ich auch genial. Schön übersichtlich! Bisher konnte ich alleine durch die Inhaltsangabe dem Buch ja nix abgewinnen - Lilith, Luzifer und Arzrael, so viel Bosheit in eine Buch ist wohl nichts für mich. Aber irgendwie macht deine Rezi mich jetzt doch neugierig. Filme wie "Constantin" und "Stigmata" fand ich klasse. Da wir das Buch ja zu Hause stehen haben, warte ich mal ab, was Sandi dazu sagt. Entweder versuche ich es danach selbst mal oder wie ich sie kenne, erzählt sie mir eh die komplette Handlung. :)

    Bussi, Reni

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  9. Kommt wohl darauf an, was man/frau aus dem höllischen Personal so macht. "Angel" sagt mir da mehr zu als 'Hellraiser'.
    Mit der Vorstellung einer Hölle, in der im Schichtdienst gefoltert wird, konnte ich mich noch nie sonderlich anfreunden. Allzu bedrückend!

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  10. @Lilly, schmunzeln ist immer gut, obwohl das Buch nicht einfach zu rezensieren war. Eine richtig harte Nuss ist es nicht, nur eben sehr speziell, bedrückend und gegen Ende auch sehr brutal. Definitiv eine Geschmacksache.

    @Cherry, der Grobüberblick war eher Zufall. Ich hatte mir eine Handynotiz, als kleine Zusammenfassung gemacht, die mir dann so gut gefiel, dass ich sie (natürlich etwas ausgebaut) so ähnlich verwendet habe. Ansich fand ich das Buch nicht schlecht. Etwas ziehend im Mittelteil und die Thematik war einfach nicht so meine. Aber der Schluss war gut, auch wenn ich danach nicht ganz zufrieden war.

    @Jessi, jetzt gefällt allen dieser Grobüberblick (mir auch!) und dabei war das gar nicht so geplant. Wäre aber eine gute Option auch für folgende Rezis. Der Endteil von DBdS ist echt hart und grausig. Ich vertrage ja sowas gut, hatte das ganze Buch aber so ein nagendes Gefühl in mir. Hach, echt schwierig. Man muss das lesen um diese Gefühle beurteilen zu können.

    @Reni, oh ja! Mit Lilith, Luzifer und Azrael sind hier die ganzen Unterwelt-Schurken wahrhaftig versammelt! Beelzebub kommt auch noch dazu und Azrael ist hier schon besonders grausam! Die Rezi soll neugierig machen, denn das Buch ist wirklich einen Blick wert. Die Handlung ist natürlich nicht mit Stigmata oder direkt mit Constantine (beide oberklasse!!) vergleichbar. Sie wirkt aber so. Teile der Constantine-Hölle finden sich auch in DBdS. Echt beklemmend. Ich würde ja gerne sagen "bitte lies es". Will deine und Sandis Meinung. Denke immer noch ständig an die Geschichte.

    @RoM, ähm, manchmal denke ich, du schnappst dir nach meiner Rezi das Buch und liest es :-) Diese Schichtdienstfolterung in der Hölle kommt in etwa hin. Nicht direkt in die Handlung geflochen, aber man weiß, was vor sich geht. Schaurig!! Das ganze Buch hat mich mir sehr gemischten Gefühlen zurückgelassen, was ja grundsätzlich nicht schlecht ist. Eindeutig bin ich auch mehr "Angel" :-)

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