Dienstag, 28. Februar 2012

Rezension zu "Rebellen der Ewigkeit" von Gerd Ruebenstrunk



Verlag: arsEdition (Februar 2012)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: -, ab ca. 12-15 Jahren
Ausführung: Hardcover, 416 Seiten
ISBN: 978-3760765396
17,99 € [D]

Genre: Science-Fiction


Inhalt/Verlagsinfo
Der internationale Konzern Tempus Fugit hat den Zeithandel kommerzialisiert. Lebenszeit zu kaufen und zu verkaufen ist nun für jedermann möglich. Doch ist diese Technologie wirklich so ungefährlich, wie Tempus Fugit behauptet? Oder gibt es bereits Risse in der Realität, die so verheerend sind, dass sie die Welt über kurz oder lang ins Chaos stürzen, wie es die Geheimorganisation Rebellen der Ewigkeit prophezeit?

Der junge Willis gerät zwischen die Fronten eines Krieges, der sich im Verborgenen abspielt – und muss sich für eine Seite entscheiden. Doch sein Schicksal ist weit tiefer mit beiden Seiten verbunden, als er ahnt … (Text- und Bildquelle: arsEdition)

Über den Autor
Gerd Ruebenstrunk wurde 1951 in Gelsenkirchen geboren. Die Liebe zu Büchern liegt ihm im Blut: Seit frühester Kindheit verschlingt er jeden Lesestoff. Studiert hat Gerd Ruebenstrunk Lehramt, Psychologie und Pädagogik. Heute lebt er mit seiner Familie in Duisburg und arbeitet als freier Werbetexter und PR-Autor.
Bei arsEdition ist von ihm bereits die Trilogie "Arthur und die vergessenen Bücher" erschienen.

Rezension

Der erste Satz: Amanda Reisz fluchte.

Der Jugendliche Willis ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und hat sein kurzem eine eigene Wohnung. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Fahrradkurier. Als er brisante Kurierpost bei einer Privatermittlerin zustellen soll, wird er Zeuge, wie der Absender von zwei Killern umgebracht wird. Nur knapp gelingt ihm die Flucht und er kann die Unterlagen übergeben.
Valerie wohnt mit ihrer kranken Mutter zusammen. Die Behandlung der Mutter ist so teuer, dass Valerie sich entschließt, ein paar Jahre ihrer Lebenszeit an den Konzern Tempus Fugit zu verkaufen. Dies bringt ihr genug Geld ein, um die Arztkosten zu bezahlen. Auf dem Nachhauseweg wird sie von Privatermittlerin Karelia angefahren. Und zeitgleich stellt Willis seine Kurierpost zu. Karelia soll für den Zeithandelskonzern Tempus Fugit ermitteln, der den Verdacht hat, dass jemand seinen Zeitvorräte stehlen möchte. Sie bietet Willis und Valerie an, ihr bei der Ermittlung zu helfen. Bald schon stößt das Ermittlertrio auf weit mehr, als bedrohte Zeitvorräte.

Betrachtet man "Rebellen der Ewigkeit" nach dem Lesen, so fällt auf, dass man hier nicht genau weiß, in welchem Land oder welcher Zeit der Roman spielt. Es gibt dazu, seitens des Autors, keine Andeutungen oder genauen Hinweise. Lediglich als einmal als Währung Euro genannt wird oder anhand der Infrastruktur kann man sich zusammenreimen, dass das Buch wahrscheinlich in einer Stadt in Europa spielt. Die Geschichte hat zwar einige Science-Fiction Elemente, neben dem fiktiven Zeithandel gibt es aber nur kleine technische Errungenschaften. Den Zeitraum des Romans könnte man durchaus mit heute oder einer nahem Zukunft vergleichen. Der Umstand, dass man hier seine eigenen Vorstellungen mit einbringen kann, ist interessant und lenkt nicht von der umfangreichen Haupthandlung ab.

Geschickt bringt ein auktorialer (allwissender) Erzähler dem Leser in den ersten Kapiteln alle Haupt- und Nebencharaktere näher. Die Sprache ist einfach zu lesen und an die jugendliche Zielgruppe angepasst. Jedes Kapitel ist einer anderen Person gewidmet. Es gibt reichlich Charaktere, deren Zuordnung einem aber nicht schwer fällt. Als Hauptcharakter kristallisiert sich dann aber schnell Willis heraus. Zwischen den Kapiteln der Haupthandlung gibt es immer wieder einige Gänsehautszenen, die zwar nichts mit der unmittelbaren Handlung zu tun haben, aber die Auswirkungen des Zeithandels auf die Gesellschaft zeigen sollen. Diese Zwischenszenen verleihen dem Roman eine ganz besondere Atmosphäre.

Da die Erzählperspektive von Kapitel zu Kapitel auf eine andere Person übergeht, bleiben alle Charaktere etwas farblos. Das mag auch daran liegen, dass der Erzähler auch innerhalb eines Kapitels zu den Gedanken und Gefühlen der handelnden Personen springt. Man weiß zwar, was in den einzelnen Figuren vorgeht, bleibt aber oft nicht lange genug bei einer Person, um sich dieser besonders nahe zu fühlen. Valerie wirkt mit einer feinfühligen, stillen Art sehr sympathisch, und auch Willis ist ein Charakter, von dem man gerne mehr wissen möchte.

Auch das Erzähltempo ist teilweise etwas langsamer, als gewünscht. "Rebellen der Ewigkeit" beginnt sehr spannend und temporeich, ruht sich im Mittelteil aber etwas auf langen Ermittlungen aus. Dafür gibt es im letzten Buchdrittel Szenen, die sich nicht vor Erwachsenenthrillern zu verstecken brauchen. Der ein oder andere Leser wird kräftig schlucken müssen, weil solche Szenen nach der vorangegangenen Handlung einfach nicht erwartet werden. Insgesamt ergibt die Handlung ein rundes Bild. Selbst der Schluss ist bei diesem Einzelband sehr stimmig. Das Buch ist gegen Ende sehr rasant und der Schluss kommt schnell. Auch hier wird der Leser animiert, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Zur Geschichte passt das sehr gut.

Der Roman beinhaltet eine spannende Grundidee, den Zeithandel. Es ist wirklich erstaunlich, wie Gerd Ruebenstrunk diese Idee umgesetzt und ihr ein Gesicht verliehen hat. Er bedient sich hier an Mitteln der Quantenphysik, Parallelwelten, Zeitsprüngen und Strukturen der Relativitätstheorie. So kompliziert das auch erscheint, so einfach und gut verständlich hat es der Autor umgesetzt. Selbst ein Physiklaie wird zu keiner Zeit Schwierigkeiten haben, das Gelesene zu verstehen. Dies und die Idee des Zeithandels in einem Jugendroman sind die größten Pluspunkte der Geschichte.

Persönliches Fazit
"Rebellen der Ewigkeit" ist ein futuristischer Science-Fiction Roman, mit einer tollen Idee, die auch durchaus in der nahen Zukunft spielen könnte. Sehr rebellisch, was die Spannung anbelangt, wird der Roman gegen Ende, und hier dann mit einigen Szenen, bei denen man tief durchatmen muss. Bis dorthin ist die Handlung eher gemächlich, aber interessant. Die moderne Gestaltung in Weiß mit grell orangem Buchschnitt gefallen sehr gut. Ein lesenswerter Jugendroman, der gerade mit seiner einfachen Handlung, innerhalb eines komplexen Themas, punktet. 4 Sterne.
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Hach ja, wieder eine wunderbar formulierte Rezi von Damaris :) Ich lese sie soooo unheimlich gern.
    Für mich ist dieses Buch sicher nichts, scheint aber vom Thema her sehr interessant zu sein.
    Ich drück dich und hoffe ganz doll, dass wir zusammen nach Leipzig fahren können!
    Anka

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  2. Schon wieder so ne schöne Rezi!
    Klingt nach einem guten Buch, vom Thema her, gehts ja ein bisschen in die Richtung, die ich gerne lese, ich werds mal im Auge behalten. Danke für den Tipp!

    LG
    Lilly

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  3. Das klingt doch gar nicht schlecht, wird aber trotzdem nicht meines werden - bin da momentan ja ganz gut eingedeckt, gerade im Dystopienbereich. Rebellen gibt es da genug ... und ein bisschen was fürs Herz brauch ich im besten Fall eben auch. ;)

    @ Anka: du kommst doch hoffentlich zu Messe!? Wir bauen auf dich! :)

    Bussi, Reni

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  4. "Zeit ist Geld" in einer neuen Intension. Wenn ich es richtig herum verstanden habe und Valerie demnach die verkauften Jahre weniger lebt (?). Eigentlich ein radikal heftiges Konzept.
    Bei Deinen ersten Zeilen vermutete ich noch, daß es bei "Lebenszeit" um gespeicherte/abrufbare Erinnerungen geht (wie in der Serie "Black Mirror").
    Ergibt sich die Frage, ob der Roman auch die krassen menschlichen Auswirkungen des Handels beleuchtet?

    "Juniper" liegt zwischenzeitlich auf dem Lesesofa - danke für den Tip!

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  5. @Anka, oh dankeschön. Ist aber sehr nüchtern ausgefallen, meine Rezi. War auch kein Buch an dem mein Herz hängt, trotzdem gut! Mein Auto baut auf deine Mitfahrt u. ich auch! Würden uns alle so freuen, wenn es klappt :-)

    @Lilly, ja es war ein gutes Buch und für dieses spezielle Thema auch sehr gut verständlich und gut erklärt. Wenn du Bücher in dieser Richtung gerne liest, wirst du es mögen.

    @Reni, Dito! Es ist auch keine Dytopie. Fast ein normaler Roman, mit Sci-Fi Elementen. Und Lovestory gibt es null. Da sind uns unsere düsteren Rebellen allemal lieber :-)

    @RoM, ja genau so! Für Lebenszeit gibts im Roman Geld, und das nicht zu knapp. Die Leute leben dann tatsächlich 5, 10 oder 20 Jahre weniger und jemand anderes kann diese Zeit kaufen um länger zu leben. Erklärt wird das ganze mit Quantenphysikberechnungen. Sehr interessant. In einigen Rezensionen wurde bemängelt, das genau diese Erklärungen wohl nicht realistisch wären. Das kann ich nicht beurteilen, dazu bin ich zu sehr Laie. Außerdem ist Realismus im Fanatsy und Sci-Fi Bereich für mich kein ausschlaggebendes Kriterium. Sonst dürfte man ja nur Lebenserfahrungsromane lesen :-) Die menschlichen Erfahrungen werden im Roman nur angeschnitten, die Gewichtung liegt eher auf den Auswirkungen für die Welt, wie Logiklöcher und Realitätsverschiebungen!
    Ganz viel Spaß mit Juniper und ihrer persönlichen Quest....

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