Mittwoch, 30. November 2011

Rezension zu "Whisper Island: Sturmwarnung" von Elizabeth George



Verlag: INK (November 2011)
Originaltitel: The Edge of Nowhere
Übersetzer: Ann Lecker-Chewiwi u. Bettina Arlt
Reihe: Band 1, ab ca. 13-16 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 448 S.
ISBN: 978-3863960018
19,99 € [D]

Genre: Urban-Fantasy


Klappentext
Die junge Becca King besitzt eine besondere Gabe: Sie kann die Gedanken anderer Menschen lesen. Wie Stimmfetzen aus einem falsch eingestellten Radio dringen sie in ihr Bewusstsein ein. Als sie zur Mitwisserin der skrupellosen Geschäfte ihres Stiefvaters wird, gerät Becca in tödliche Gefahr. Unter neuer Identität flieht sie nach Whidbey Island. Doch selbst in der idyllischen Abgeschiedenheit der Insel findet sie keinen sicheren Schutz vor ihrem Verfolger. (Bild- und Textquelle: Egmont INK)

Über die Autorin
Elizabeth George ist eine der erfolgreichsten internationalen Autorinnen. Ihre Romane um Inspektor Thomas Lynley erreichen regelmäßige Spitzenplätze auf sämtlichen Bestsellerlisten. Elizabeth George unterrichtete viele Jahre lang an der Universität "Creative Writing" und lebt heute auf Whidbey Island im Bundesstaat Washington, USA.
"Whisper Island: Sturmwarnung" ist der Start ihrer ersten Jugendbuchserie. Weitere Bände sind in Vorbereitung.

Rezension

Der erste Satz: Der letzte Tag von Hannah Armstrongs Existenz war zunächst ein Tag wie jeder andere.

Becca King heißt eigentlich Hannah Armstrong. Ihren neuen Namen hat sie ihrer besonderen Gabe zu verdanken. Dank dieser konnte die 14-jährige nämlich "hören", dass ihr Stiefvater seinen Geschäftskollegen umgebracht hat. Seit dem Tag ist Becca in Gefahr und mit ihrer Mutter auf der Flucht. Becca kann die Gedanken anderer Menschen hören. Dieses Flüstern nimmt sie so stark war, dass es sie im alltäglichen Leben sehr einschränkt. Sie kann sich nur mithilfe ihrer AUD-Box, einem kleinen Gerät, ähnlich eines iPods, konzentrieren. Die AUD-Box gibt ein permanentes atmosphärisches Rauschen ab, welches die Gedanken der Menschen um Becca abschirmt. Um nicht von ihrem Stiefvater erwischt zu werden, schickt Beccas Mutter sie nach Whidbey Island. Dort soll sich einen Freundin um Becca kümmern, bis ihre Mutter ihnen eine neue Identität geschaffen hat.
Auf der Insel wird Becca nicht, wie vereinbart, abgeholt. Sie ist völlig auf sich allein gestellt, kann ihre Mutter nicht erreichen, und die Dinge entwickeln sich ganz anders, als geplant.

Frau Georges Schreibstil ist für ein Jugendbuch etwas ungewöhnlich. Es fällt sofort auf, dass sie viele Dialoge erzählt, anstatt mit den Charakteren "live" zu führen (er erzähle ihr, dass ... sie erwiderte darauf ... dann beschrieb er ihr noch ...). Hier ist die Gefahr groß, dass die Protagonisten zu reinen Darstellern degradiert werden und ihre Persönlichkeit nicht ausreichend an die Oberfläche kommt. Ein "Du kannst mir vertrauen!" klingt einfach viel persönlicher als ein Das letzte, was sie ihn von der anderen Seite der Tür sagen hörte, war, das sie ihm vertrauen könne. (S. 283/284). So ist dieser Schreib- und Erzählstil anfangs etwas steinig. Wie bei den meisten Büchern tritt nach ca. einem Drittel ein Gewöhnungseffekt ein. Der besondere Erzählstil fällt dann nicht mehr sehr ins Gewicht und das Buch lässt sich flüssig lesen.

Der eigentliche Grund von Beccas Aufenthalt auf der Insel, nämlich die Flucht vor dem Stiefvater, tritt während der ganzen Geschichte komplett in den Hintergrund. Becca fürchtet sich zwar teilweise, dass er sie aufspüren könnte, und handelt entsprechend, die Haupthandlung wird aber von anderen Dingen beeinflusst. Dreht sich am Anfang noch alles darum, dass Becca sich alleine auf der Insel zurechtfinden muss, lernt sie schon bald den schwarzen Jungen Derric (meistens Derric und manchmal Derrick geschrieben. Was denn nun?) kennen und freundet sich leicht mit ihm an. In seinen Gedanken schnappt sie immer wieder ein bestimmtes Wort auf. Dieses kann sie aber nirgends zuordnen. Derrics Gedanken sind ihr ein großes Rätsel.
Überhaupt scheinen alle Leute, mit denen sie auf der Insel zu tun hat, etwas zu verbergen. Die Autorin versucht so, ein Netz aus Ungereimtheiten zu spinnen, das sich dann zu einem Kriminalfall für Jugendliche entwickelt. Trotz der angebrachten Kritik zum Schreibstil entwickeln die Personen Persönlichkeit. Da die Erzählperspektive teilweise wechselt, kann man sich gut in sie hineinversetzten. Dabei bleibt ihr Handeln aber nie komplett durchschaubar. Der Leser wird neugierig, was sich hinter den jeweiligen Protagonisten verbirgt.

Nachdem in der Geschichte ein Unglück geschieht, wird aus dem anfänglichen "Insel-Survival-Training" ein kleiner Krimi. Die Spannung erhöht sich, scheint aber auf jüngere Jugendliche ausgelegt zu sein. Alle undurchsichtigen Personen werden ins Rampenlicht gerückt. Doch scheint Becca, bis auf die Tatsache, dass sie ihre Herkunft verbergen will, in keiner unmittelbaren Gefahr zu schweben. Hilfe kommt immer prompt und gelingt auch sofort. Spannung ist zwar vorhanden, erinnert aber eher an einen Jugendkrimi auf Diät. Light-Produkte sind ja dafür bekannt, dass sie den Appetit eher anregen, als zügeln. So könnten  jüngere Leser sich durchaus auf Nachfolgebände freuen, ältere Jugendliche, bzw. Krimileser werden sich hier gerne ausklinken.
Die Auflösung des Kriminalfalls ist dann so banal, dass man sich unwillkürlich fragt, ob es das schon gewesen sein kann. Am schlimmsten ist aber die Lösung um Derrics geheimnisvolles Gedankenwort. Hier wurde ein grundlegender englisch-deutscher Übersetzungsfehler begangen, der die Lösung schon fast ins Lächerliche zieht. Wer die englische Sprache auch nur in Grundzügen beherrscht, wird hier frustriert mit dem Kopf schütteln. Schade!

Am Ende erwartet den Leser ein unerwarteter Cliffhanger, der Lust auf den Nachfolgeband machen soll. Alles in allem wirkt der Roman wie ein Krimi für Jugendliche. Das Quäntchen Lovestory, das mit hineingequetscht wurde, ist kaum der Rede wert. Die einzige Fantasykomponente ist Beccas Gabe, die Gedanken anderer Menschen zu lesen. Sie sorgt für einen ordentlichen Lesefluss ohne nennenswerte Längen. Ob die Serie, die lt. Internetrecherche ca. 8 Bände umfassen soll, weiterhin eine treue Leserschaft an sich bindet, bleibt fraglich.

Persönliches Fazit
Könnte man, wie Becca, die Gedanken der einzelnen Leser hören, würden die Meinungen zum Buch wohl unterschiedlicher nicht sein. Ich könnte mir vorstellen, dass es vor allem jüngeren Lesern wirklich gut gefallen wird. Die Buchaufmachung ist herrlich! Hatte ich selbst mich bei "Whisper Island: Sturmwarnung" noch auf einen erstklassigen Herbststurm gefreut, wurde ich nicht mal richtig durchgerüttelt. Die Geschichte ist zwar ständig in Bewegung und frischt teilweise zu leichten Böen auf, insgesamt braut sich jedoch kein echter Sturm zusammen. Die Lösung des Krimifalls ist sogar leider nur ein laues Lüftchen. Darum reicht es für "Whisper Island: Sturmwarnung" nur für verwirbelte 3 Sterne.
Handlung: 2,5 / 5
Charaktere: 3 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Dienstag, 29. November 2011

Ich lese aktuell: "Die Tochter von Avalon" von Meg Cabot

Das Buch mit dem hässlichsten Cover auf meinem SuB ist eindeutig "Die Tochter von Avalon". Sorry Blanvalet, aber nee! Warum denn total computergeneriert? Da sieht ja Lara Croft im ersten Playstation Spiel noch besser aus. Okay, um das Buch zu entschuldigen, es ist von Anfang 2008. Ich konnte es kürzlich für 1 Ticket bei Tauschticket ergattern.
Auf das Buch kam ich schon, als ich absoluter Blog-Neuling war. Damals hat es Misa auf Misakittys World nämlich verlost. Das Cover fand ich damals schon pfui, der Inhalt und die Amazon Bewertungen hatten es mir aber angetan. Dort wird das Buch mit süsse Teenagerschnulze, Highschool-Romanze, WOW und seicht aber unterhaltsam beschrieben. Die Artus-Saga muss man für diesen, ca. 300-seitigen, Einzelband wohl nicht kennen, sie dient nur als neuzeitliche Vorlage. Genau das was ich jetzt brauche. Seichte, unterhaltsame und kurze Lektüre, bevor es dann endgültig mit "City of Fallen Angels" los geht.

"Die Tochter von Avalon" von Meg Cabot

Die Geschichte einer einzigartigen Liebe, die länger währt als Raum und Zeit!

Wer ist nur dieser geheimnisvolle Will Wagner? Und wie kommt es, dass Ellie, die neue Schülerin an der Avalon High, das Gefühl hat, ihn bereits ihr ganzes Leben zu kennen – wenn sie ihn doch tatsächlich gerade zum ersten Mal getroffen hat? Eine uralte Legende erwacht zu neuem Leben – von einem magischen Schwert und der unsterblichen Liebe der Tochter von Avalon …

Romantisch, spannend und mit einem Helden zum Verlieben!
(Bild- und Textquelle: Blanvalet Verlag)

Samstag, 26. November 2011

Review zu "Du oder der Rest der Welt" von Simone Elkeles



cbt (November 2011), Band 2,
Taschenbuch, 384 Seiten,
8,99 € [D]


Das Letzte, was Carlos Fuentes will, als er zu seinem Bruder Alex zieht, ist, es diesem gleichzutun. Denn weder ist Carlos bereit, auf sein Image als "Bad Guy" zu verzichten, noch mag er sich wie Alex und dessen Freundin Brittany in eine feste Beziehung begeben. Und schon gar nicht will Carlos sich auf seine Mitschülerin Kiara einlassen, denn sie ist das exakte Gegenteil der Mädchen, auf die er bislang abfuhr. Auch Kiara hat alles andere im Sinn, als mit einem arroganten Latino-Macho wie Carlos anzubandeln. Und doch ziehen sich Kiara und Carlos magisch an – und riskieren damit mehr, als sie je geglaubt hätten. Denn selbst wenn Carlos Kiara zuliebe sein ganzes bisheriges Leben über den Haufen wirft – in seiner ehemaligen Gang gibt es Leute, die das unter keinen Umständen zulassen wollen… (Bild- und Textquelle: cbt-Verlag)


Meine Meinung
Es gibt wohl kaum einen Leser, der dem heißen Zauber von "Du oder das ganze Leben" nicht verfallen ist. Latino Gang-Mitglied Alex und Cheerleading-Queen Bittany haben uns damals komplett in ihren Bann gezogen. So habe auch ich mich gefragt, ob "Du oder der Rest der Welt", die zweite Geschichte, über Alex jüngeren Bruder Carlos, mich ebenso begeistern kann. Sie konnte! Die Fuentes Brüder rocken einfach die Leserwelt.

Die Geschichte dreht sich diesmal um Carlos und Kiara. Carlos wird von seiner Mutter in die Obhut von Bruder Alex geschickt, der, zusammen mit Brittany, in Colorado studiert. Wo Alex noch seine Zugehörigkeit zur Gang hinterfragt hat, bedeutet sie für Carlos alles. Er will nicht aus ihr herausgerissen werden und hat überhaupt keine Lust (bzw. sieht auch keinen Ausweg), sein Leben zu ändern. Auch in ihm schlummert ein sanfter Kern, dieser ist aber weitaus mehr verschüttet, als bei seinem Bruder.
In Colorado trifft Carlos auf Kiara, die aus wohlbehüteten Familienverhältnissen stammt, und schon alleine vom Aussehen niemals in Carlos' Beuteschema passt. Da sie ihm von der neuen Schule als Helfer-Buddy zugeteilt wird, muss er sich wohl oder übel mit ihr herumschlagen. Wie es der Zufall will, muss Carlos, nach einem unerwünschten Zwischenfall, ausgerechnet bei Kiaras "Heile-Welt-Familie" einziehen. Für ihn ein Desaster! Für beide aber der Beginn einer Achterbahnfahrt der Gefühle.
Mancher Leser wird sich auch über ein Wiedersehen mit Alex und Brittany freuen. In "Du oder der Rest der Welt" waren die beiden aber auch Zucker! In diesem Buch habe ich jedoch keinen rechten Zugang zu ihnen gefunden. Das war aber nicht schlimm, schließlich spielen sie hier nicht die Hauptrolle.

Der Storyaufbau ähnelt seinem Vorgänger schon sehr. Bad-Boy trifft auf ein Mädchen, das gegensätzlicher nicht sein könnte. Zwischen beiden entsteht ein explosive Anziehungskraft, und die Geschichte gipfelt in einem hochdramatischen Finale. Wieder mal klischeehaft, und wieder mal erinnert die Geschichte an einen amerikanischen Highschoolfilm. Das macht aber gar nichts, denn die Geschichte liest sich so toll, dass Klischees plötzlich nicht mehr der Rede wert sind. Ich hatte während dem Lesen permanent alles vor Augen, wollte, außer für menschliche Bedürfnisse, keine Pause machen, und habe das Buch innerhalb eines Tages durchgeschmökert. Ein besseres Kopfkino gibt es kaum!

Carlos Sprüche schockieren, lassen einen schmunzeln und teilweise tief seufzen. Die einzelnen spanischen Worte oder Redewendungen sind super! Er ist zwar ein leibhaftiger Bad-Boy, aber auch er hat einen weichen Kern. Kiara muss nur etwas tiefer graben, um da ranzukommen. Hatte ich mich an ihn als Hauptperson gewöhnt, hatte er, trotz seines rüpelhaften Auftretens, alle meine Sympathien. Gerade weil er so authentisch rüberkommt, macht ihn das sehr heiß!
Kiara selbst wirkt nach außen hin zwar tough, macht sich aber viel mehr Sorgen, als man denkt. Auch sie hat eine kleine Schwäche zu kompensieren. War es bei Brittany noch die behinderte Schwester, hat Kiara ein Stotterproblem, sobald sie aufgeregt ist. Und aufregende Szenen gibt es mehr als genug!

Apropos aufregend. Zwischen Carlos und Kiara bahnt sich etwas an, dass unweigerlich zu einigen wirklich leckeren Szenen führt. Da werden sich einige verstohlen nach allen Seiten umblicken, roten Ohren mit eingeschlossen. Der Augen saugen jedes Detail förmlich auf und das Gehirn kommt kaum damit nach, die ganzen ¡Ohlala!s und ¡Dios mío!s zu bilden. Die beiden sind aber auch süß zusammen!

Einige kleine Kritikpunkt habe ich dennoch. Kiaras Familie war mir definitiv zu amerikanisch klischeehaft. Da kann die Mutter noch so nett, der Vater noch so streng verständnisvoll sein. Dass ein Latino Bad-Boy bei der Gast-Mutter im Teeladen (!) sitzt, und die angebotene Teemischung genießt, scheint mit doch etwas weit hergeholt. Und das ist nur ein Beispiel.
Auch das Ende war diesmal so überzogen, dass ein gedachtes "ja, natürlich!" die logische Konsequenz sein musste. Da schleudert der brave Familienvater plötzlich Connections aus dem Ärmel, und lässt Beziehungen spielen, dass einem ganz schwindelig wurde. Das machte ja fast Hollywoodstreifen à la "S.W.A.T. - Die Spezialeinheit" Konkurrenz!
Das konnte der Vorgängerband etwas besser. Hier war das Ende zwar auch dramatisch überzogen, passte aber besser zur Geschichte und wirkte nicht so aufgesetzt.
Diese Kritik trübte aber die Lesefreude keinesfalls! Die war nach wie vor gigantisch. Wenn man von einer Story so mitgerissen wird, wie von "Du oder der Rest der Welt" ist angebrachte Kritik meist nicht sehr relevant. Man findet sich einfach damit ab.

Die Bücher sind keine typische Trilogie. Da jeder Band von einem anderen Fuentes-Bruder handelt, können die Bücher theoretisch unabhängig voneinander gelesen werden. Am meisten Spaß wird aber die richtige Reihenfolge machen, da es in den Büchern ein Wiedesehen mir schon bekannten Charakteren gibt.

Fazit
"Du oder der Rest der Welt" konnte mich wieder begeistern und schon nach dem ersten Kapitel an die Seiten fesseln. Das Buch ist zwar nicht mehr so "frisch" wie sein Vorgänger, Carlos und Kiara überzeugen trotzdem auf ganzer Linie! Nun freue ich mich ganz Besonders auf den letzten Teil über die Fuentes-Brüder, diesmal mit Nesthäkchen Luis. Meine vollste Empfehlung!!

© Damaris Metzger, damarisliest.de




Reiheninfo:
1. Du oder das ganze Leben (Alex Fuentes)
2. Du oder der Rest der Welt (Carlos Fuentes)
3. Du oder die große Liebe (Luis Fuentes)

Ich lese aktuell: "Dark Love" von Lia Habel

Nun gut. "City of Fallen Angels" ist weit und breit nicht in Sicht. Mit "Whisper Island" war ich innerhalb von 2 Tagen durch, und jetzt brauche ich natürlich Wochenendlektüre :-)
"Dark Love" von Lia Habel habe ich mir ausgesucht. Die Rezensionen, die ich bisher dazu gesichtet habe, sind von dem Buch sehr angetan. Das Cover in Silber/Schwarz ist wunderschön! Steampunk in der Zukunft und Liebe zwischen einem Menschen und einem Untoten - huhh, klingt auf jeden Fall mal anders spannend!

"Dark Love" von Lia Habel

Dunkle Liebe überwindet den Tod!

Das Jahr 2195: Im Schatten einer neuen Eiszeit ist die Gesellschaft zerfallen, und die Menschen kämpfen gegen lebende Tote. Als die 17-jährige Nora entführt wird, verliebt sie sich ausgerechnet in deren Anführer. Sie erfährt, dass sie das Schicksal aller wenden kann. Doch sie muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht …

Flackernde Gaslampen, dampfbetriebene Kutschen und Digitagebücher – das ist die Welt von Nora Dearly im Jahr 2195. Die 17-Jährige lebt im Internat, bis sie eines Tages entführt wird: Denn ein Virus greift um sich, das Menschen in lebende Tote verwandelt – und Nora trägt als Einzige die Antikörper in ihrem Blut. Bald muss sie feststellen, dass es auch wandelnde Untote gibt, die sich ihre Menschlichkeit dank eines Antiserums erhalten können. Und Bram, ihr Entführer, ist einer von ihnen. Nora verliebt sich in den jungen Mann, doch die Endlichkeit seiner Existenz bedroht ihre Liebe. Nur Noras Vater, ein hochrangiger Wissenschaftler, könnte ein Gegenmittel entwickeln, doch er ist selbst infiziert und droht zu sterben. Ist Noras Welt endgültig dem Untergang geweiht? (Text- und Bildquelle: Piper Verlag)

Donnerstag, 24. November 2011

Rezension zu "Die Akademie der Abenteuer: Die Stunde des Raben" von Boris Pfeiffer


Verlag: Meyers (Februar 2011)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: Band 2 , ab ca. 10-12 Jahren
Ausführung: Hardcover, 317 Seiten
ISBN: 978-3411071050
14,95 € [D]


Genre: Abenteuerfantasy


Klappentext
Rufus ist frustriert. Schon eine ganze Weile forscht er in der "Akademie des leibhaftigen Studiums vergangener Zeiten" vergeblich an seinem neuen Fragment, ohne auch nur einen Schritt weiterzukommen. Ob dieser seltsame Traum etwas damit zu tun hat? Zwei Mädchen in historischen Gewändern mit blau bemalten Gesichtern begegnen ihm neuerdings im Schlaf … und auch No macht plötzlich eine Entdeckung! Ein weiteres spannendes Abenteuer beginnt und führt Rufus, Filine und No in die Welt der Kelten. Band 2 der Reihe "Die Akademie der Abenteuer". (Bild - und Textquelle: Meyers Lexikonverlag)

Über den Autor
Boris Pfeiffer, geboren 1964, ist Autor von Kinder- und Jugendbüchern und Theaterstücken. Für Kinder schreibt Boris Pfeiffer Detektivromane (er ist einer der Autoren der Kultreihe "Die drei ???") sowie spannende und fantastische Abenteuergeschichten.
Mit der Romanreihe "Die Akademie der Abenteuer" schlägt der Autor ein neues Kapitel auf, in dem heutige jugendliche Heldinnen und Helden es auf höchst merkwürdige und ungewohnte Weise mit den tückischen und gefährlichen Abenteuern der Weltgeschichte zu tun bekommen. Mehr über den Autor auf www.borispfeiffer.de.

Rezension

Der erste Satz: Was stach ihn da?

Rufus und seine Freunde Fili und No, haben ihre erste Flut in der Akademie der Abenteuer erfolgreich hinter sich gebracht. Nun forscht jeder für sich an seinem neuen Fragment, um der Geschichte von diesem auf die Spur zu kommen. Eine neue Flut, die den Freunden die Lösung zur Herkunft ihres Fragments zeigt, wird sich nur einstellen, wenn Rufus, Fili und No auf den richtigen Lösungsansatz kommen. Doch diesmal scheint es wirklich schwer zu sein. Besonders No ist sehr frustriert. Rufus hat zudem noch sehr real wirkende Abenteuer-Träume, die ihm fast wie eine Flut vorkommen. Leider hat er auf diesem Gebiet überhaupt keine Erfahrung. So ist er sich nicht sicher, ob er sich seinen Freunden anvertrauen soll. Und was hat die Bibliotheksratte Minster mit seinen geheimnisvollen Träumen zu tun?

Da man Rufus, seine Freunde und die meisten Nebencharaktere von Band 1 "Die Knochen der Götter" bereits kennt, hat man bei "Die Stunde des Raben" tatsächlich das Gefühl nach Hause zu kommen. Das Internat, bzw. die Akademie, wirkt nicht mehr fremd und neu, sondern bereits vertraut. Die etwas sonderbar anmutenden Namen der Lehrer kann man nun gut zuordnen, außerdem wird während der Handlung immer wieder erwähnt, welches Fach der agierende Lehrer/Meister unterrichtet.
In bereits gewohnt souveräner Schreibweise führt Hr. Pfeiffer den Leser durch die Geschichte und lässt ihn an Rufus Abenteuern teil haben. Zwar gibt es wieder einen Haupthandlungsstrang, alle sonstigen Unternehmungen der drei Freunde führen später zu diesem dazu. Egal ob die Freunde ein altes römisches Spiel erlernen, oder Rufus sich Gedanken über seine real anmutenden Träume macht. Am Ende führt eines zum anderen, jede Handlung ergibt so einen Sinn. Außerdem fällt in diesem zweiten Band ein langwieriger Einstieg, bzw. ein Kennenlernen der Akademie und ihrem Hintergrund, komplett weg. Das Buch lässt sich so viel flüssiger und spannender lesen.

Das Konzept der drei Freunde, die durch Zusammenhalt ein Rätsel lösen müssen, wird hier fortgeführt. Diesmal fällt aber auf, dass auch Themen wie Streit, Niedergeschlagenheit oder Ausgrenzung aufgegriffen werden. Rufus entwickelt sich weiter, seine Handlungen sind gut nachzuvollziehen. Jeder der Jugendlichen hat eine andere liebenswerte Eigenschaft, die sie greifbar macht und jedem einen eigene Sympathie verschafft. Im Grunde wissen die drei, dass sie einander vertrauen können und gemeinsam am besten zum Ziel kommen. So geht es in diesem Buch nicht nur um das Lösen einer Aufgabe durch eine Flut, auch zwischenmenschliche Probleme müssen geklärt und beseitigt werden.

Bleibt noch anzumerken, dass die Altersempfehlung dieser Reihe ab ca. 10-12 Jahren liegt. Einige Geschichtsdaten und Handlungen erscheinen doch ziemlich komplex und es stellt sich die Frage, ob junge Jugendliche dem Thema gut folgen können oder es als zu schwierig/trocken empfinden. Natürlich kann es auch sein, dass man die heutige Jugend stark unterschätzt.
Alle Personenkreise der Akademie haben eine eigene Charakteristik. Lehrer werden Meister genannt, Schüler haben hier die Bezeichnung Studierende, Lehrlinge oder Akademiker. Da die Akademie als Eliteinternat getarnt ist und der Hauptpersonenkreis ca. 13 Jahre alt ist, würde eine einfache Bezeichnung, wie Schüler oder Lehrer, vertrauter klingen.

Auch in "Die Stunde des Raben" wird dem Leser unterbewusst historisches und zeitgenössisches Wissen vermittelt. Es wurde hier sogar noch geschickter verpackt, als im Vorgängerband. Die Spannung überwiegt, so dass einem beim Lesen kaum bewusst wird, dass man zudem etwas lernt. Diese Art der Wissensvermittlung ist für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen interessant.
Das Ende ist zwar abgeschlossen, das Rätsel um ein Artefakt gelöst, einige zwischenmenschliche Handlungsstränge sind aber noch offen. Man darf auf Band 3 "Das Schiff aus Stein" gespannt sein.

Persönliches Fazit
Rufus, Fili und No sind ein tolles Abenteuerteam! Dass in diesem Buch die einzelnen Charaktereigenschaften der drei so gut herausgearbeitet wurde, hat mit die jungen Jugendlichen noch näher gebracht. "Die Stunde des Raben" legt gegenüber dem Vorgängerband an Tempo und Spannung zu. War für mich der Umstand einer historischen Flut in Band 1 noch etwas abstrakt, war mir der Begriff hier dann so geläufig, das ich gar nicht mehr konkret darüber nachdenken musste. Dass das Buch neben der Spannung noch fundiertes Wissen vermittelt, macht es besonders wertvoll. Wen die Flut einmal mitreißt, den wird sie so schnell nicht mehr loslassen. 4 Sterne.
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 3,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

Reiheninfo "Die Akademie der Abenteuer":
2. Die Stunde des Raben (2011)

Ich lese aktuell: "Whisper Island: Sturmwarnung" von Elizabeth George

Eigentlich bin ich viel zu hibbelig, um gerade ein neues Buch anzufangen. Ich warte sehnsüchtig auf den 4. Teil der Chroniken der Unterwelt "City of Fallen Angels" von Cassandra Clare. Nach etlichen Verschiebungsterminen befindet sich das Buch lt. Arena Facebook jetzt in der Auslieferung. Warte nur noch auf den Anruf von meinem Buchhändler :-)
Hoffentlich ist das jetzt "Whisper Island" gegenüber nicht ungerecht, aber ich kann ja nicht einfach nichts lesen. Bin zwar erst am Anfang, aber dieser ist schon mal ganz interessant. So leid es mir tut, aber sollte ich CoFA vor der Beendigung in der Hand halten, muss "Whisper Island" leider pausieren (hatte ich so auch noch nie!).

"Whisper Island: Sturmwarnung" von Elizabeth George

Elizabeth George erkundet die Träume und Ängste ihrer Charaktere mit einem so tiefen Einfühlungsvermögen, dass es höchstes Vergnügen bereitet, ihre Bücher zu lesen. Washington Post

Die junge Becca King besitzt eine besondere Gabe: Sie kann die Gedanken anderer Menschen lesen. Wie Stimmfetzen aus einem falsch eingestellten Radio dringen sie in ihr Bewusstsein ein. Als sie zur Mitwisserin der skrupellosen Geschäfte ihres Stiefvaters wird, gerät Becca in tödliche Gefahr. Unter neuer Identität flieht sie nach Whidbey Island. Doch selbst in der idyllischen Abgeschiedenheit der Insel findet sie keinen sicheren Schutz vor ihrem Verfolger. (Bild- und Textquelle: Egmont INK)

Zitat aus "Bis das Feuer die Nacht erhellt" von Becca Fitzpatrick

"Mit dir zusammen zu sein hat sich nie falsch angefühlt. Es ist das Einzige, was ich richtig gemacht habe. Du bist das Einzige, was ich richtig gemacht habe." S. 227
"Being with you never felt wrong. It's the one thing I did right. You're the one thing I did right". (Crescendo, Becca Fitzpatrick)

© Zitatrechte Page & Turner Verlag

Montag, 21. November 2011

Rezension zu "Bis das Feuer die Nacht erhellt" von Becca Fitzpatrick



Verlag: Page & Turner (November 2011)
Originaltitel: Crescendo
Übersetzer: Sigrun Zühlke
Reihe: Band 2/4
Ausführung: Klappenbroschur, 416 S.
ISBN: 978-3442203901
16,99 € [D]

Genre: Urban-Fantasy


Klappentext
Auch Engel haben ihre dunklen Seiten.
Alles könnte so schön sein: Nora ist nun endlich mit Patch, ihrem Schutzengel, zusammen, der sein Leben für sie geopfert hat. Aber leider lässt das Happy End noch etwas auf sich warten. Denn statt verliebt und glücklich zu sein, zieht Patch sich immer mehr von ihr zurück und scheint sogar Interesse an ihrer Erzfeindin Marcie Millar zu haben. Als Nora dann immer öfter von ihrem Vater träumt, der eines Nachts die Familie für immer verließ, beschleicht sie der Verdacht, dass Patch etwas damit zu tun haben könnte. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit gelangt sie auf gefährliches Terrain, aber sie vertraut darauf, dass Patch seine schützende Hand über sie hält. Doch als sie mehr über die Vergangenheit erfährt, muss sie sich fragen, auf welcher Seite Patch wirklich steht ... (Bild- und Textquelle: Page & Turner)

Über die Autorin
Becca Fitzpatrick ist eine junge amerikanische Autorin, deren Debütroman "Engel der Nacht" gleich nach Erscheinen den Sprung auf die New-York-Times-Bestsellerliste geschafft hat. Inzwischen steht auch die Fortsetzung seit Wochen auf den amerikanischen Bestsellerlisten. Die Übersetzungsrechte wurde bisher in 31 Länder verkauft. Becca Fitzpatrick lebt in Colorado, USA.
Weiter Infos zur Autorin und ihren Büchern unter www.beccafitzpatrick.com.

Rezension

Der erste Satz: Patch stand hinter mir, seine Hände lagen auf meinen Hüften, sein Körper war entspannt.

Das Warten hat sich gelohnt, denn nun sind sie zurück! Das Traumpaar aus "Engel der Nacht", bestehend aus sexy Engel Patch und der toughen Schülerin Nora. Normalerweise könnte deren Zusammensein für sie den sprichwörtliche Himmel auf Erden bedeuten, wenn es den beiden möglich wäre, nur ein klitzekleines bisschen über ihren Schatten zu springen. Denn was erhält man, sobald engelhafte Coolness und ein teuflisches Mundwerk aufeinandertreffen? Genau - Nitroglycerin! Und so kracht es zwischen den beiden gleich zu Beginn ganz schön heftig. Mit fatalen Folgen für die Hauptprotagonisten, sowie die Leser. Leider verrät der Klappentext über diesen entscheiden Handlungsstrang schon etwas zu viel. Wäre hier Noras Erzfeindin Marcie außen vor geblieben, hätte sich einige Szenen noch aufregender lesen lassen.

Aber der Teil meines Gehirns, der fürs Genießen zuständig war, trug den Sieg davon. Der hielt an meinem Traum fest - oder besser, an der Hauptperson meines Traums. Er hatte schwarze gewellte Haare und ein Killerlächeln. In diesem Moment saß er rückwärts auf seinem Motorrad und ich vorwärts, wobei sich unsere Knie berührten. Ich wühlte meine Finger in sein Hemd und zog ihn an mich, um ihn zu küssen. - S. 33

Von Anfang an führt Frau Fitzpatrick den Leser von einem düsteren Schauplatz zum nächsten. Die Sprache ist gewohnt souverän und bildlich. Sie unterstützt dadurch das laufende Kopfkino und vermittelt einem eine permanente, dunkle Anspannung bei der keine einzige Leselänge entsteht. Einige Handlungsstränge erscheinen bis über die Mitte des Buches hinaus zu viel, ergeben aber am Ende ein rundes Bild. Hier hätte man zwar etwas kürzen können - muss man aber nicht! Der Handlung kann man zu jeder Zeit gut folgen. Kenntnisse vom Vorgängerband sind aber Voraussetzung.
Berechtigte Kritik ist allerdings, dass die Autorin durch einige Ungereimtheiten zwischen Patch, Nora und Rivalin Marcie zwar für Aufreger und somit zwischenmenschliche Spannung sorgt, diese dann aber nicht komplett auflöst. So kann es sein, dass man sich zwangsläufig fragt, ob einige Szenen wirklich nötig gewesen wären.

Die Geschichte wird komplett aus Noras Sicht, in der Ich-Form, erzählt. So ist es gerade ihr Hintergrund, der in "Bis das Feuer die Nacht erhellt" genauer beleuchtet wird. Wer Nora schon bei "Engel der Nacht" mochte, weiß dass die sympathische Schülerin nicht auf den Mund gefallen ist. Besonders nicht gegenüber Patch. In dieser Geschichte kommt sie zum Teil leicht konfus aggressiv daher und manövriert sich dadurch von einer unmöglichen Szene zur nächsten. Das könnte bei einigen Lesern zu verwirrt genervtem Kopfschütteln führen, doch die meisten ihrer Fettnäpfchen sind so amüsant, dass man nicht weiß, ob man jetzt mit ihr Mitleid empfinden sollte oder über sie lachen möchte (eindeutig überwiegt das Lachen!). So sorgen ihre "Privatermittlungen" für Lesespaß mit Lachmuskeltraining, sind aber gleichzeitig oft gruselig spannend. Dieser Mix ist perfekt!
Auch Noras Freundin Vee ist an Wortwitz und komischen Situationen nicht zu schlagen. Ihrer Mutter hingegen wurde, wie auch schon in Band 1, zugunsten der Geschichte, eher eine Nebenrolle zugewiesen.

Patch selbst hat von seinem "Böser-Junge-Charme" nichts eingebüßt. Er war und bleibt der sexy dunkle Engel, das Salz in der Suppe, die perfekte Mischung zwischen beschützend gut und undurchsichtig böse. Sein zynischer Humor und sein Killerlächeln ist legendär. So steht Patch wohl zum Großteil für das, was die Serie ausmacht.
Aktuell gelesene Kritik, Patch würde in "Bis das Feuer die Nacht erhellt" kaum oder zu wenig mitspielen, kann hier entschieden widerlegt werden. Denn unverhofft kommt oft und doch erhofft (zu viele "ofts"!) So taucht Patch in fast jedem Kapitel aus den viel vorhandenen Schatten auf. Die knisternde Spannung ist dann jedes Mal mit Händen zu greifen.

Der Schluss des Buches wärmt echte Romantikherzen, bleibt durch einen fetzigen Cliffhanger, der wirklich mitten aus der Szene reißt, aber auch sehr spannend. Einige Handlungsstränge wurden nicht komplett geklärt, bzw. sind noch offen. Dadurch ist das erneute Warten auf Band 3 mal wieder kaum auszuhalten.
Natürlich hat "Bis das Feuer die Nacht erhellt" gegenüber seinem Vorgänger "Engel der Nacht" den gewissen "Neu"-Charme eingebüßt. Das ist jedoch nicht negativ, denn die Charakteristik bleibt. Wer will denn schon einen zweiten ersten Teil?! Dafür ist das Buch ebenfalls sehr düster, humorvoll (einige Situationen sind wirklich urkomisch und toppen sogar Band 1) und sexy romantisch.

Persönliches Fazit
Der Buchtitel "Bis das Feuer die Nacht erhellt" ist unbestreitbar aus der himmlischen Luft gegriffen (und so lang!) Der englische Originaltitel "Crescendo" (Zuspitzung, Anstieg) trifft es hingegen sehr genau. Hübsch ist das Buch aber definitiv, so drücke ich hier gerne beide Engelsaugen zu.
So hörte ich auch hier erneut die Englein singen. Kritik mag vorhanden sein, angesichts bester Leseunterhaltung, gepaart mit Coolness, Humor und Spannung, verpufft sie für mich aber fast vollständig und löst sich in himmlisches Wohlgefallen auf. Vom Feuer der Nacht erhellte 5 Sterne!
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de



Reiheninfo Engel der Nacht-Reihe
Band 1 - Engel der Nacht
Band 2 - Bis das Feuer die Nacht erhellt
Band 3 - Rette mich
Band 4 - Dein für immer

Sonntag, 20. November 2011

Wie "muffintop" zu "Hüftgold" wird - Interview mit den Literaturübersetzerinnen Sandra Knuffinke und Jessika Komina

"Was für eine wunderbare Geschichte!" Mit diesem glücklichen Seufzen schloss ich vor kurzer Zeit meine aktuelle Lektüre "Ruht das Licht" und schwelge noch heute in der Erinnerung an die ausdrucksstarke, lyrische Sprache des Buches. Die Geschichte von Maggie Stiefvater steht ihrem Vorgänger "Nach dem Sommer" sprachlich in nichts nach, viele Leser werden das bestätigen. Doch plötzlich kam mir ein Gedanke, der mich danach nicht wieder los ließ: Immer wieder wird in Rezensionen die schöne Sprache eines Autors hervorgehoben. Diese Feststellung ist gut und richtig, ABER gerade bei fremdsprachigen Autoren ist es doch die deutsche Übersetzung, die uns das Buch gefallen lässt. Der Autor kann noch so schön, poetisch und bildlich schreiben - ist die Übersetzung "schlecht", wird die Lektüre nicht die Begeisterung hervorrufen, die sie sollte.

Die genannten zwei Bücher gehören für mich zu den besten Beispielen im Young-Adult Bereich, bei denen die Übersetzung perfekt gelungen ist. Wäre es nicht wahnsinnig interessant die Übersetzer "Hinter den Kulissen" zu Wort kommen zu lassen? Darum freue ich mich besonders, dass mein Gedanke umgesetzt werden konnte und ich den zwei Übersetzerinnen, die u.a. "Nach dem Sommer" und "Ruht das Licht" bearbeitet haben, einige Fragen stellen durfte.

Sandra Knuffinke und Jessika Komina (KuK Übersetzungen) arbeiten als Duo und haben sich auf Literaturübersetzungen spezialisiert. Sie übersetzen Englisch, Französisch und Niederländisch. Neben der "Wölfe aus Mercy Falls"-Trilogie entspringen u.a. auch noch die Bücher "Flames'n'Roses", "Schweigt still die Nacht" und die "Vladimir Tod"-Reihe (alle bei Loewe und script 5) ihrer Übersetzungsfeder.



Damaris: Frau Knuffinke und Frau Komina, ich freue mich sehr, dass wir uns für "Damaris liest…" ein bisschen unterhalten können und Sie meinen Lesern einen Einblick hinter die Kulissen einer Romanübersetzung geben wollen. Erzählen Sie mir doch kurz etwas über sich. Wie wird man professionelle Übersetzerin, und hatten Sie diesen Berufswunsch schon immer?
KuK Übersetzungen: Bei uns hat alles damit angefangen, dass wir auf den Studiengang Literaturübersetzen an der Uni Düsseldorf gestoßen sind. Dort haben wir uns auch kennengelernt. Wir haben uns beide schon immer sehr für Bücher und Fremdsprachen interessiert, darum hat uns die Idee, beides miteinander zu verbinden und eventuell zu unserem Beruf zu machen, gleich gefallen.


Damaris: Werden Sie für Übersetzungsaufträge, speziell Romane, von Verlagen angefragt oder muss man sich dafür bewerben?
KuK Übersetzungen: Das hängt ziemlich stark davon ab, wie etabliert man ist. Die Verlage, mit denen man schon mal gut zusammengearbeitet hat, fragen schon von sich aus an, wenn sie einen passenden Auftrag haben. Und wenn man schon einige Übersetzungen vorzuweisen hat, kann es auch durchaus mal vorkommen, dass sich ein neuer Verlag meldet und man ein Projekt angeboten bekommt. Das ist aber eher die Ausnahme. Im Normalfall muss man, vor allem am Anfang, Bewerbungen schreiben und auf der Buchmesse Klinken putzen. Dazu braucht man dann in erster Linie Durchhaltevermögen und vor allem ein bisschen Glück.


Damaris: Zu Ihren Referenzen zählen, neben "Flames'n'Roses" oder "Vladimir Tod", auch die Romane der Wölfe von Mercy Falls-Trilogie, "Nach dem Sommer" und das erst kürzlich erschienene "Ruht das Licht". Ihre Übersetzung scheint hier perfekt zu sein, wird doch immer wieder die schöne, lyrische Sprache gelobt. Waren diese Bücher besonders, bzw. schwieriger zu übersetzen?
KuK Übersetzungen: Schwieriger zu übersetzen vielleicht nicht, aber doch anders als Bücher, bei denen die Sprache nicht besonders markiert ist. In der Mercy Falls-Trilogie kam es sehr darauf an, den bildhaften, teilweise fast poetischen Stil rüberzubringen, ohne dass es zu kitschig oder auch zu undeutsch klang. Die Schwierigkeit ist dabei immer die Frage, wie weit man sich mit der Übersetzung vom Original entfernen darf, damit ein deutscher Text dabei herauskommt, ohne dass zu viel von seinen Eigenheiten wegfallen. Und manchmal dauert es einfach ein bisschen länger, wenn man zum Beispiel eine Metapher erst mal in ihre Einzelteile zerlegen muss, um sich die genaue Bedeutung klarzumachen, bevor man anfängt eine deutsche Entsprechung zu "basteln". Trotzdem sind auch Texte mit vermeintlich einfacher Sprache nicht zu unterschätzen, wie wir schon des Öfteren festgestellt haben. Manchmal ist es nämlich gar nicht so einfach, im Deutschen nicht alles zu verkomplizieren.


Damaris: In "Nach dem Sommer" und auch in "Ruht das Licht" gibt es einige Passagen (Songtexte und Gedankengänge von Sam) die im englischen Original belassen wurden. Dadurch bleiben sie authentisch. Liegen solche Entscheidungen - Eigennamen, Songtexte oder Ausdrücke im Original zu belassen - komplett bei Ihnen, bzw. in Ihrem eigenen Ermessen?
KuK Übersetzungen: Bei der Frage, ob Sams Songtexte übersetzt werden sollten oder nicht, haben wir uns vorab mit unserer Lektorin abgesprochen und gemeinsam beschlossen, sie auf Englisch zu lassen. Dafür haben wir ein paar dieser Textstellen einfach mal probeweise übersetzt und festgestellt, dass das Ergebnis ziemlich nach kitschigem Schlager klang. Wir sind hier nun mal eher an englischsprachige Liedtexte gewöhnt, und da man beim Musikhören auch nicht immer alles perfekt versteht, haben wir entschieden, dass das bei Sams Songtexten etc. genauso sein darf. Letztendlich trifft solche Entscheidungen das Lektorat, aber eigentlich immer in Absprache mit uns. Ähnliches gilt zum Beispiel auch für die Buchtitel, die meistens erst die ganze Verlagsmaschinerie durchlaufen müssen, bevor man sich für einen entscheidet. Da machen wir zwar manchmal Vorschläge oder werden nach unserer Meinung gefragt, aber es spielen natürlich auch Marketingaspekte usw. mit rein und davon haben wir als Übersetzer einfach nicht so viel Ahnung.


Damaris: Würden Sie mir etwas über Ihre Arbeitsweise verraten? Lesen Sie z.B. ein Buch im Original zuerst komplett durch? Übersetzen Sie geradlinig von vorne bis hinten?
KuK Übersetzungen: Bücher, die wir nicht kennen, lesen wir auf jeden Fall vorher durch, um einen Eindruck von der Sprache zu bekommen. Meistens besprechen wir so was dann auch, bevor eine von uns mit der Übersetzung anfängt. Wir haben aber auch viele Trilogien und Reihen, bei denen man den Schreibstil irgendwann schon kennt. Dann kann es schon mal vorkommen, dass wir einen der hinteren Bände nicht vorher lesen, sei es aus Zeitmangel oder auch, um noch ein bisschen mitzufiebern! Die Übersetzung machen wir dann erst mal geradlinig von vorne bist hinten, beim anschließenden Überarbeiten nimmt man sich dann aber natürlich auch einzelne Textstellen noch mal genauer vor.


Damaris: Wie ist Ihr Zeitrahmen, wie lange dauert es, um ein Jugendbuch zu übersetzen?
KuK Übersetzungen: Das hängt immer von den jeweiligen Büchern ab, sowohl von der Seitenzahl als auch von der Sprache oder davon, wie viel man ansonsten noch recherchieren muss. Durchschnittlich brauchen wir vielleicht so zwei bis zweieinhalb Monate inklusive Überarbeiten und Besprechen. Manchmal muss es aber natürlich auch schneller gehen und manchmal hat – und braucht! – man auch ein bisschen mehr Zeit.


Damaris: "Nach dem Sommer", sowie "Ruht das Licht" haben Sie als Duo übersetzt. Hat hier jede von Ihnen dieselben Aufgaben oder teilen Sie z.B. Charaktere unter sich auf?
KuK Übersetzungen: Wir übersetzen alles als Duo, das ist einfach viel netter! Zu Beginn haben wir uns die Bücher dabei immer kapitelweise aufgeteilt, mittlerweile sind wir aber dazu übergegangen, dass jede von uns das komplette Buch übersetzt und die andere es dann überarbeitet. Das mit den Charakteren hatten wir uns auch überlegt, aber dann schon bei "Nach dem Sommer" gemerkt, dass das schwierig würde, weil Grace einen wesentlich höheren Seitenanteil hat als Sam, und das wäre ja ungerecht gewesen …


Damaris: Im Englischen gibt es bekanntlich die deutsche Höflichkeitsform "Sie" nicht. Die Übertragung stelle ich mir teilweise schwierig vor. Ist Ihnen bei einer Romanübersetzung ins Deutsche immer sofort klar, wo die höfliche Form angebracht ist?
KuK Übersetzungen: Oje, mit der Frage treffen Sie voll ins Schwarze! Wir arbeiten nämlich gerade an einem Text, bei dem das alles andere als klar ist und bei dem wir schon dreimal alles umgeworfen haben. Natürlich hat man Anhaltspunkte, nach denen man sich richten kann – wenn jemand Mr Soundso genannt wird, dann wird man ihn ja höchstwahrscheinlich im Deutschen siezen. Aber viele Nuancen, die das Englische bietet, gehen verloren: Sind die Figuren vielleicht ineinander verliebt und werden im Laufe des Textes immer vertrauter? Und was, wenn plötzlich vom Nachnamen zum Vornamen übergegangen wird? Kann man dann einfach so das "Du" einführen, oder wirkt das zu abrupt? Das alles muss man immer wieder gegeneinander abwägen, und manchmal kann man daran fast verzweifeln!


Damaris: Bei einem kürzlich gelesenen Buch fiel mir auf, dass ein Abschnitt, gerade auf die Anrede bezogen, etwas durcheinander übersetzt war (ich muss dazu sagen, ich lese sehr genau J). Die junge Hauptprotagonistin sprach einen gleichaltrigen Klassenkameraden mit "Sie" an, eine Seite weiter wechselte sie ins gängige "Du". Fällt Ihnen so etwas auf? Wie vermeiden Sie selbst solche Fehler?
KuK Übersetzungen: Doch, das fällt uns schon auf. Es ist ziemlich schwierig, beim Lesen die "Übersetzerbrille" einmal abzusetzen. Wenn man ein englisches Buch liest, denkt man etwa bei schwierigen Wortspielen: "Ach Gott, wir würdest Du das denn übersetzen?" und bei deutschen, übersetzten Titeln fragt man sich wiederum: "Was hat da wohl im Original gestanden?" Bei unserer eigenen Arbeit kommt uns da mal wieder sehr zugute, dass wir zu zweit sind. Meist fallen der anderen solche Fehler auf, wenn man sie selbst nicht gesehen hat. Und danach liest den Text ja zum Glück immer noch ein Lektor – aber manchmal verliert man leider auch ein bisschen den Überblick und dann kann das schon mal passieren.


Damaris: Fällt Ihnen eine Übersetzung leichter, wenn Sie schon das Original mögen oder macht das keinen Unterschied?
KuK Übersetzungen: Mehr Spaß macht es natürlich schon, wenn man das Buch mag – man muss es ja mindestens zwei Mal lesen. Aber einfacher ist es nicht unbedingt, manchmal sogar im Gegenteil: Wenn man etwas sprachlich nicht ganz so gelungen findet, fällt es einem meist leichter, das Ganze in ein schönes Deutsch zu bringen, weil man genau weiß, wo die Schwächen liegen. Bei einem tollen Originaltext hat man eher Angst, man könnte die Feinheiten nicht gut genug transportieren – das war zum Beispiel bei Ali Shaws "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" (erscheint im Frühjahr 2012 bei script5) so. Bei diesem Buch fanden wir den poetischen Schreibstil sehr schön, mit sehr vielen ausgefallenen Vergleichen und Metaphern. Da überlegt man natürlich schon länger, wie man dem gerecht wird.


Damaris: Sie übersetzten Englisch, Französisch und Niederländisch. Haben Sie unter diesen eine "Lieblingssprache"?
KuK Übersetzungen: Puh, schwierig. Alle drei haben etwas für sich. Aber auch, wenn das Englische die Geläufigste der drei Sprachen ist (und diejenige, aus der wir bei Weitem am meisten übersetzen), würden wir uns wohl dafür entscheiden. Englisch ist eine unheimlich tolle Sprache, sie wirkt so einfach und kann gleichzeitig so viel ausdrücken. Es gibt für alles Mögliche und Unmögliche eine Wortschöpfung – man denke nur an das wunderbare "muffintop" für Hüftspeck, der über eine zu enge Hose quillt. Da kommt unser deutsches "Hüftgold" einfach nicht ganz mit.


Damaris: Zum Schluss immer wieder gerne von mir gefragt: Wer beruflich so viel liest, schreibt und sich mit Texten auseinandersetzt wie Sie, lesen Sie dann privat/als Hobby auch noch gerne? Und was ist Ihr bevorzugtes Buchgenre?
KuK Übersetzungen: Ein klares Ja! Und zwar alles Mögliche, von den englischen Klassikern (wir sind beide große Jane Austen-Fans) über Sachbücher bis zur aktuellen Belletristik. Natürlich sind wir auch immer sehr interessiert, was in unserem Sektor Jugendbuch/ junge Erwachsene sonst so passiert. Außerdem ist es auch für die Arbeit von Vorteil, möglichst viel und breit gefächert zu lesen, vor allem auf Deutsch, da kann man so schön "Sprache tanken".


Damaris: Vielen Dank, dass Sie sich für meine Fragen Zeit genommen haben. Und DANKE, dass Sie "Nach dem Sommer" und "Ruht das Licht" so gut übersetzt haben, dass auch wir Deutschen sagen können: Einmalig gute Sprache, nicht vergleichbar, ich hatte Gänsehaut beim Lesen!
KuK Übersetzungen: Vielen Dank Ihnen erst mal für das Lob J, und außerdem für Ihr Interesse an unserer Arbeit!

Freitag, 18. November 2011

Rezension zu "Eternally: Selbst die Ewigkeit kann uns nicht trennen" von Lisa Cach



Verlag: INK (August 2011)
Originaltitel: Wake unto me
Übersetzer: Susanne Arnold
Reihe: Bd. 1 , ab ca. 12-15 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 347 S.
ISBN: 978-3863960193
17,99 € [D]

Genre: Urban-Fantasy


Klappentext
Eigentlich gehört Caitlyn gar nicht in die amerikanische Kleinstadt, in der sie lebt, das spürt sie nur zu deutlich. Als sie ein Stipendium in einem angesehenen Internat in Frankreich angeboten bekommt, ergreift sie die Gelegenheit, ihrem engen Leben zu entfliehen. Im Château de la Fortune begegnet sie fortan jede Nacht im Traum einem geheimnisvollen Jungen, der aus einer anderen Zeit zu kommen scheint. Caitlyn weiß: Sie und er sind Seelenverwandte. Aber wie kann sie jemanden lieben, der gar nicht wirklich existiert? Als Traum und Wirklichkeit sich auf einmal vermischen, erkennt Caitlyn, was sie wirklich in dieses Internat geführt hat. Und das wird ihr Leben für immer verändern … (Bild- und Textquelle: Egmont INK)

Über die Autorin
Nach Jobs als Telefonseelsorgerin und als Englischlehrerin in Japan ist Lisa Cach überglücklich, dass "Arbeit" mittlerweile bedeutet, Liebesgeschichten mit Zeitreisenden und Geistern zu schreiben. Das verregnete Seattle ist ihr Zuhause, und obwohl sie die Stadt liebt, nutzt sie jede Gelegenheit in die Ferne zu reisen.
Weitere Romane von Lisa Cach sind bei INK in Vorbereitung.

Rezension

Der erste Satz: "Ist sie das?"

Die 15-jährige Caitlyn wird von einer geheimen Schwesternschaft, auf ein französisches Château, ein Internat, eingeladen. Die Schwesternschaft erhofft sich, dass Caitlyn "Die Dunkle" aus ihrer Abstammungslinie ist, welche die Möglichkeit hat das Herz des Schicksalsrads zu finden. Dadurch soll die Schwesternschaft mehr Macht bekommen.
Caitlyn ahnt nicht, was von ihr erwartet wird und nimmt das Angebot, auf dem Internat zu studieren an. Sie hat zwar oft schlimme Albträume und befürchtet selbst, nicht ganz normal zu sein, hält sich aber sonst für kein besonderes Mädchen. Im Château angekommen, werden ihre Albträume schlimmer und sie begegnet in manchen Träumen einem Jungen. Gemeinsam versuchen sie das Rätsel um das Herz des Schicksals zu lösen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn der Seelenverwandte in einem Traum, in einer anderen Zeit feststeckt.

Frau Cachs Geschichte beginnt sehr düster. Die Sprache ist einfach und bildlich, über 2-3 fehlende Satzzeichen kann man hinwegsehen.
Schon von Anfang an wird klar, dass es sich bei Caitlyn nicht um ein normales Mädchen handeln kann. Auch wenn sie selbst alles dafür tut, um normal zu erscheinen, holen sie ihre Träume und Visionen regelmäßig ein. Die am meisten relevanten Träume sind wohl die, wo Caitlyn auf Raphael trifft, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Und hier fängt es auch schon an. Der Umstand nämlich, wie die beiden sich treffen, wird nicht hinterfragt. Zwar macht sich Caitlyn ihre Gedanken darüber, dass sie sich zu einem Jungen aus ihrem Traum hingezogen fühlt. Raphael hat dazu seine eigene Theorie, aber da beide sich im Traum ja (meist) sehen können, wird alles so hingenommen, wie es eben ist. Die Annäherung der beiden wirkt dadurch so unreal, dass ein romantisches Gefühl sich nicht so recht einstellen mag. Warum fliegt Caitlyn manchmal und manchmal nicht? Warum ist sie teils sichtbar und teils unsichtbar? Und warum hat sie manchmal historische Kleidung aus der Vergangenheit an und seht an anderer Stelle im Nachthemd vor Raphael? Diese offenen Fragen wirken unbefriedigend und hätten eine genauere Ausarbeitung benötigt.
Außer Caitlyn selbst und dem (Traum)Jungen Raphael scheinen überhaupt einige Charaktere sehr gutgläubig zu sein. Als Caitlyn ihre übernatürliche Geschichte zwei brandneuen Freundinnen anvertraut, wird wieder nichts hinterfragt. Es wird schon alles stimmen, auch wenn man die neue Freundin gerade erst kennengelernt hat. So kann keine Person, außer in Ansätzen Caitlyn, eine besondere Charaktertiefe entwickeln. Die meisten bleiben blass und fast alle wirken wie Randfiguren.

In "Eternally" sollten historische Inspirationen mit einer romantischen Fantasygeschichte gemischt werden. Was ganz interessant beginnt, entwickelt sich nach dem ersten Drittel zu einer recht zähen Lektüre. Historie und Übernatürliches überwiegen, die Romantik darf man suchen (und findet sie nur spärlich). Lange Dialoge und Beschreibungen historischer Bilder oder Szenen langweilen recht schnell. Viele darin vorkommende Personen nimmt man nur am Rande war. Am Thema Übernatüchliches hat die Autorin sich reichlich bedient. Ein bisschen Tarot hier, ein bisschen luzides Träumen da. Geister, Körperbesetzung, Parallel-, Traumwelten - alles da, alles thematisiert! Dagegen sind die Treffen zwischen Caitlyn und dem geheimnisvollen Raphael eher selten. Romantikfeeling kommt so kaum auf.

Kurz vor Schluss legt die Handlung an Dramatik noch mal nach, wird aber teils zu absurd und enthält Szenen, mit denen selbst routinierte Fantasyleser wenig anfangen können. Junge Leser oder solche, die sich mit dem Thema von Anfang an nicht anfreunden konnten, werden einigen Ausführungen am Ende nur schwer folgen können. Die Lösung um Caitlyn und Raphael wirkt auch für eine Fantasylektüre zu überzogen. Sie wird viel zu rasch abgehandelt, da eine Schlüsselperson nur kurz erwähnt wurde und dann eine große Schlussrolle bekommt. Und auch hier wird diese Tatsache von allen Beteiligten sofort akzeptiert ohne groß zu hinterfragen. Für den Leser ist das nicht zufriedenstellend.

Persönliches Fazit
"Eternally: Selbst die Ewigkeit kann uns nicht trennen" wird sicher seine (eher jüngere jugendliche) Leserschaft finden. Bei mir hat das Buch keinen Eindruck für die Ewigkeit hinterlassen. Aus einem interessanten Start wurde einen zähe Lektüre mit zu vielen historischen Abhandlungen, blassen Charakteren, kaum vorhandener Romantik und einer seltsam zu fassenden Schlusshandlung. Ein ewiglich schönes Cover macht leider keinen ewiglich guten Serieneinstieg. Darum an dieser Stelle nur 2 Sterne.
Handlung: 2 / 5
Charaktere: 2 / 5
Lesespaß: 2 / 5
Preis/Leistung: 2 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 16. November 2011

Rezension zu "Der Fluch von Scarborough Fair" von Nancy Werlin


Verlag: cbt (August 2011)
Originaltitel: Impossible
Übersetzer: Gabriele Burkhardt
Reihe: - , ab ca. 13-16 Jahren
Ausführung: Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3570307175
8,99 € [D]


Genre: Urban-Fantasy


Klappentext
Ein jahrhundertealter Fluch, drei mysteriöse Rätsel – und eine große, wahre Liebe

Ein furchtbarer Fluch liegt auf den Scarborough-Frauen: Sie alle bekommen mit achtzehn eine Tochter – und verfallen dem Wahnsinn ... Lucy Scarborough ist süße siebzehn, als sie davon erfährt. Und nicht bereit, sich ihrem Schicksal zu ergeben, auch wenn es aussichtslos erscheint. Denn nur wenn sie drei mysteriöse Rätsel lösen kann, ist der Bann gebrochen. Aber Lucy ist nicht allein. Zusammen mit ihrer großen Liebe Zach kämpft sie verzweifelt um ihr Leben. Doch das Böse ist jahrhundertealt, skrupellos und unwiderstehlich ...

Über die Autorin
Nancy Werlin wurde in Peabody, Massachusetts, geboren. Sie hat in Yale Anglistik studiert und arbeitet heute als technische Redakteurin und freie Jugendbuchautorin. 1999 erhielt sie den Edgar Award in der Kategorie bester Roman für Junge Erwachsene, 2006 wurde sie mit The Rules of Survival für den National Book Award nominiert. Nancy Werlin lebt in Boston.

Rezension

Der erste Satz: Am Abend von Lucy Scarboroughs siebtem Geburtstag, ... bekam Lucy ein letztes, unerwartetes Geschenk.

Das Buch, bzw. die Geschichte gründet auf die Ballade von Simon & Garfunkel "Scarborough Fair". Francis J. Child hat im 19. Jahrhundert zahlreiche Versionen der Originalballade aus dem Jahr 1670 "The Elfin Knight" (Der Elfenritter) gesammelt, von der es verschiedene Versionen gibt. Nancy Werlin hat sich für eine davon entschieden, auf die sie ihre Geschichte aufgebaut hat.
Als Inhaltsangabe reicht der Klappentext aus. Er spricht für sich und soll hier nicht mehr ergänzt werden.

"Der Fluch von Scarborough Fair" ist anders. Würde man nicht wissen, dass man ein Fantasybuch liest, könnte man meinen, die Geschichte handelt von einer relativ normalen 17-jährigen, die seit ihrer Geburt bei Pflegeeltern aufwächst, einen besten Freund hat, zur Highschool geht und sich mit den Sorgen und Nöten einer Heranwachsenden beschäftigen muss.
Aber Lucy Scarborough ist tatsächlich verflucht, wie alle ihre Vorfahrinnen. Der Umstand des Fluchs, das Gedicht "Der Elfenritter", sowie die Art, wie der Fluch über Lucy kommt, lässt jedoch keinen Zweifel an der Tatsache, dass man einen Urban-Fantasy Roman liest. Die Idee dahinter ist genau so brillant wie originell. Ob die Umsetzung es auch ist?

Lucy streckte den Zeigefinger aus und berührte ganz sachte die Nase des Mädchens im Spiegel. Halt durch, flüsterte sie lautlos. Weine nicht. Lass sie in dem Glauben, dass du glücklich bist. Einfach ein Mädchen, das auf einen Ball geht. Sie brauchen das. Sei ganz ruhig. Du kannst sowieso nichts tun. S.44

Frau Werlin bedient sich hier des auktorialen Erzählstils (allwissender Erzähler). Das heißt, der Leser kennt die Gefühle von mehreren Personen, und springt, auch manchmal innerhalb eines Kapitels, zur Sicht mehrerer vorkommender Personen (deutliches Beispiel: Lucy sieht blass und ängstlich aus, dachte Zach. Zach sieht müde und besorgt aus, dachte Lucy. S. 326). Viele Leser können sich mit diesem Erzählstil am wenigsten anfreunden, da er etwas sprunghaft erscheint und man sich ständig auf die Gefühle einer neuen Person einstellen muss. Bei dieser Geschichte hat es dir Autorin jedoch genau richtig gemacht. Kurze, deutliche Sätze prägen sich sofort ein. Man erkennt die Sichtweisen von mehreren Personen sehr gut und kann sich so in die ganze Situation gut hineinversetzten. Das Buch liest sich komplett flüssig und ohne Verständnisprobleme.

Die Charaktere sind allesamt anschaulich und gut dargestellt. Besonders gut gefallen Lucy und ihr Freund Zach. Namen wie Soledad (Lucys Pflegemutter) und Padraig (Krankenhausmitarbeiter) sind sehr ungewöhnlich, fallen dadurch aber besonders auf und können dem jeweiligen Charakter gut zugeordnet werden.
Die oft so typische Geheimniskrämerei der Charaktere untereinander fällt in dieser Geschichte (fast) vollständig weg. Lucy vertraut sich (fast) immer ihren Eltern oder Zach an. Die ganze Familie zieht so an einem Strang und hilft sich gegenseitig. Das macht das Lesen nicht unnötig kompliziert, da nicht immer wieder neue "Ich sage das Geheimnis nicht"-Probleme aufgeworfen werden.
Einige Szenen zwischen Lucy und Zach sind sehr süß, nicht überladen, aber doch schön zu lesen. Romantikfans werden sich freuen, Schnulzengegner werden sich daran nicht stören. Ein gutes Mittelmaß.

Das ungewöhnliche am "Fluch von Scarborough Fair" ist die Verbindung von Normalität und Fantastik. Einiges überrascht. So auch die Beziehung von Lucy und Zach, die vom beste Freunde-Status zum beziehungsmäßigen Extrem wechselt (nicht negativ!). Man mag sich kurz wundern, doch die Personen bleiben authentisch. So passt die Situation gut zur Geschichte.
Das Gedicht "Der Elfenritter" und der Fluch an sich sind schon sehr märchenhaft, aber sonst erscheint die Geschichte eher wie ein realistisches Jugendbuch. Selbst dann noch, als es bei bestimmten Geschehnissen eindeutig nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Wie in der Beschreibung erwähnt, muss Lucy drei Rätsel aus dem Gedicht lösen, um vom Fluch befreit zu werden. Diese Konstruktion kennt man aus unzähligen Gebr. Grimm Märchen. So sucht man des Rätsels Lösung ständig zwischen den Zeilen oder erwartet eine Lösung die einer fulminanten Fantasygeschichte würdig ist. Dagegen ist die vorhandene Lösung dann fast schon zu banal. Aber ist nicht die Vermischung von banal-normalen Situationen mit fantastischen Elementen die Kunst der Urban-Fantasy?

Das Buch ist abgeschlossen. Alles in allem wirkt die Geschichte eher märchenhaft, wie typisch fantastisch. Zwar muss man die Fantasy in der Geschichte nicht suchen, sie hält sich aber vornehm zurück.

Persönliches Fazit
Was war er nun "Der Fluch von Scarborough Fair"? Eher Fluch oder eher Segen? Ich gebe zu, ich musste etwas überlegen. Das Gedicht geht mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich mochte die Geschichte. Auch wenn sie einige Extreme aufweist. Sie wandelt sich von der unbeschwerten Highschool-Geschichte zur fast schon ernsthaften Teenager-Tragödie. Nachdem sich das Gelesene etwas gesetzt hat und ich die Tatsache bedenke, dass ich die Seiten förmlich verschlungen habe, bekommt "Der Fluch von Scarborough Fair" schlussendlich meinen Segen! 4 Sterne!
Handlung: 3 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

Montag, 14. November 2011

Rezension zu "Saeculum" von Ursula Poznanski



Verlag: Loewe (November 2011)
Originaltitel: -
Übersetzer: -
Reihe: - , ab ca. 14-17 Jahren
Ausführung: Klappenbroschur, 496 Seiten
ISBN: 978-3785570289
14,95 € [D]

Genre: (Jugend-)Thriller


Klappentext
Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter – ohne Strom, ohne Handy –, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit. Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald? (Bild- und Textquelle: Loewe Verlag)

Über die Autorin
Ursula Poznanski, geboren in Wien, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie sich als Medizinjournalistin dem Ernst des Lebens stellte. Nach dem Erfolg ihres ersten Jugendbuches "Erebos", das in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt und u.a. für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, wagte sie den Sprung ins hauptberufliche Autorenleben.

Rezension

Der erste Satz: "Oh mein Gott, so viel Blut!"

Vielen von uns behagt allein die Vorstellung nicht - 5 Tage im Wald, ohne unsere gewohnten Luxusgüter, wie Handy, Dusche und vernünftiges Essen. Dazu noch die Nächte im Freien, ohne Zelt und mit einer Gruppe passionierter Mittelalterfans, die man kaum kennt.
So denkt auch Bastian, als er von Sandra eingeladen wird, an der diesjährigen Convention der Rollenspielgruppe Saeculum teilzunehmen. Bastian ist absoluter Neuling auf diesem Gebiet und ist sich zudem nicht sicher, ob er sich physisch und psychisch wirklich auf das minimalistische Mitteralterspiel einstellen will. Zudem ist Saeculum bekannt für ihr realistisches Rollenspiel, bei dem es strenge Mitspielregeln und keine Time-outs gibt. Andererseits hofft Bastian auch auf ein paar ungestörte Tage mit Sandra, und so siegt diese Liebesverlockung über sein Gefühl, und er schließt sich der Gruppe an.
Schon die Bekanntgabe des geheimen Spielorts sorgt in der Gruppe für Unbehagen, und dann darf Bastian am Zielort nicht mal seine Brille, die als verbotene, neuzeitliche Errungenschaft gilt, behalten. Der erste Tag im gespielten Mittelalter beginnt alles andere als erhofft. Was hat es mit der Sage um einen Fluch auf sich? Und warum verhält sich Sandra seit der Ankunft nur so komisch, indem sie Bastian die kalte Schulter zeigt?

Frau Poznanski kramt hier in den Urängsten der Leser von "Saeculum". Fast keiner würde nachts freudig durch den Wald springen, schon gar nicht alleine. Das Thema Mittelalter ist vielen genauso fremd wie suspekt. Und niemand möchte längere Zeit auf seine großen und kleinen Luxusgüter oder einfachste Dinge, wie Streichhölzer, verzichten. Aber in fast jedem von uns steckt auch der Wille, seinen persönlichen Schweinehund zu überwinden. So ist Bastians Entscheidung, sich Saeculum anzuschließen, durchaus nachvollziehbar.
Die Geschichte wird in einer einfachen, lebendigen Sprache erzählt. Meistens im personalen Erzählstil aus Bastians Sicht, ab und zu auch aus der Sicht von Iris, einer weiteren Teilnehmerin der Gruppe. Leser, denen die Thematik Rollenspiel-Conventions völlig fremd ist, haben keine Probleme der Handlung zu folgen. In den ersten Kapiteln erklärt sich alles von selbst. So benötigt "Saeculum" keine langwierige Anlaufzeit, damit die Geschichte in Fahrt kommt. Nach einem interessanten Einstieg mit einem kurzen Mitspielerüberblick, geht es schon auch los und die Gruppe kommt bald am eigentlich Ziel- und Handlungsort an.

Von den vielen Namen der Teilnehmer, die sich am Spielort dann auch noch spezielle Rollenspielcharaktere ausdenken, sollte man sich nicht entmutigen lassen. Die markantesten Personen, bzw. Hauptcharaktere sprechen sich zwar ab und zu untereinander mit den Mittelalternamen an, der personale Erzähler nennt aber immer den richtigen Personennamen. So gibt es keine Verständnisprobleme.
Und auch wer meint, sich jetzt die ganze Geschichte hindurch mittelalterliche Kommunikation anhören zu dürfen ("Zum Gruße, edler Fremder!", "Fürwahr, welch sonderliche Gewandung Ihr tragt."), muss diese nicht lange ertragen. Schon bald überschlagen sich die Ereignisse so sehr, dass der Gruppe fürwahr keine Zeit bleibt, sich mit solchen Kleinigkeiten aufzuhalten!

Die Charakterentwicklung der einzelnen Personen ist hervorragend gelungen. Schon ab dem ersten Kapitel meint man, die Personen zu kennen, bzw. bildet man sich seine Meinung. Ganz unwillkürlich legt man so im Kopf seine Checkliste ab und ordnet jeder Person beim ersten Gespräch die vordergründigste Charaktereigenschaft zu (Was für ein Blender!, Die ist aber undurchsichtig!, Ein richtiges A....!, So ein Idiot! ...). Natürlich entwickelt sich sofort die ein oder andere Sympathie, genauso wie auch Antipathie. Das steigert sich im Verlauf der Geschichte so sehr, dass man oft gut und gerne Lust hätte, so manchem Protagonisten "die Schaufel über den Kopf zu ziehen", und einige "im Wald verrotten zu lassen" (die Rezensentin distanziert sich ausdrücklich von einer Neigung zu Gewaltfantasien!).
Über Bastians Entwicklung freut man sich am meisten. Ist er anfangs eher unscheinbar und zurückhaltend - einfach ein netter Junge -, entwickelt er schon bald Charakterzüge, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Hut ab! Auch Iris, samt Vorgeschichte, lernt man besser kennen und kann dadurch ihre schroffe, zurückweisende Art sehr gut nachempfinden. Sie wirkt trotz ihrer Macken sehr sympathisch.

"Saeculum" ist durchweg interessant und vor allem sehr gruselig spannend. Man denkt die ganze Zeit an eine Mischung aus "Blair Witch Projekt" und Abenteuercamp. Es gibt Szenen, da fragt man sich, ob es wohl für den Schlaf sehr förderlich wäre, wenn man jetzt das Licht ausmachen würde. Gruselfeeling pur! Die Handlung ist dabei so unvorhersehbar, dass man bis zum Schluss nicht weiß, ob man es nur mit natürlichen- oder doch auch mit übernatürlichen Gegebenheiten zu tun hat.
Frau Poznanski lässt ihre Leser in so manche menschliche Abgründe blicken. Einige Szenen sind nichts für schwache Nerven. Nicht wenige werden sich am Ende fragen, wie sie in derselben Situation gehandelt hätten. Eine beängstigende Vorstellung!

Persönliches Fazit
Schon vor "Saeculum" habe ich mich alleine im Wald gefürchtet. Jetzt bringen mich da keine zehn Pferde mehr hin! Und nachts schon gleich dreimal nicht! Das Buch lässt sich stellenweise kaum aus der Hand legen, hat mich gefesselt, sowie schockiert und wirkt auch lange nach dem Lesen noch nach. Eine düstere Buchgestaltung, mit schwarzem Buchschnitt, tut ihr Übriges. Die Jugendliche Zielgruppe braucht für "Saeculum" Neven wie Drahtseile, und auch beim versierten Thrillerleser wird das Buch seine Wirkung nicht verfehlen! Gruselig spannende 5 Sterne!
Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4,5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Mittwoch, 9. November 2011

Rezension zu "Delirium" von Lauren Oliver



Verlag: Carlsen (November 2011)
Reihe: Band 1 von 3, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 416 S.
ISBN: 978-3551582324
18,90 € [D]

Genre: Dystopie


Klappentext
Früher, in den dunklen Zeiten, wussten die Leute nicht, dass die Liebe tödlich ist. Sie strebten sogar danach, sich zu verlieben. Heute und in Lenas Welt ist Amor Deliria Nervosa als schlimme Krankheit identifiziert worden. Doch die Wissenschaftler haben ein Mittel dagegen gefunden. Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals.
Aber dann lernt sie Alex kennen. Und kann einfach nicht mehr glauben, dass das, was sie in seiner Anwesenheit spürt, schlecht sein soll. (Bild- und Textquelle: Carlsen Verlag)

Über die Autorin
Schon als Kind hat Lauren Oliver leidenschaftlich gern Bücher gelesen und dann Fortsetzungen dazu geschrieben. Irgendwann wurden daraus ihre eigenen Geschichten. Sie hat Philosophie und Literatur studiert und kurz bei einem Verlag in New York gearbeitet. Dort bestand ihr Beitrag hauptsächlich darin, die Kleiderordnung zu missachten und immer wieder Drucker kaputt zu machen. Lauren Oliver lebt in Brooklyn. Nach "Wenn du stirbst ..." ist dies ihr zweiter Roman.

Rezension

Der erste Satz: Es ist jetzt vierundsechzig Jahre her, dass der Präsident und das Konsortium die Liebe als Krankheit identifiziert haben, und vor dreiundvierzig Jahren haben die Wissenschaftler ein Heilmittel dagegen entwickelt.

In diesem USA der Zukunft gibt es nur noch zwei Sorten von Menschen. Potenziell Gefährdete, die an Amor Deliria Nervosa ("Liebe") erkranken können und Geheilte, alle Personen ab 18, die nach einem operativen Eingriff am Gehirn gegen die Liebe immun sind.
Lena steht kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Sie zählt die Tage bis zu ihrem Eingriff. Denn wie allen Menschen wurde ihr von klein auf eingebläut, dass eine Infizierung mit der Liebe zuerst einen schrecklichen Krankheitsverlauf und danach den Tod bedeutet. Ein Treffen mit dem anderen Geschlecht, vor allem, wenn der Junge nicht bereits immun ist, ist für sie unnatürlich und falsch. Aber wenn Lena ehrlich zu sich ist, sieht sie auch die Probleme der Gesellschaft ganz deutlich. Die Abstumpfung der Gefühle, die der Eingriff mit sich bringt. Als sie Alex kennenlernt, gerät sie in eine echte Zwickmühle. Soll sie, laut Regierung, verantwortungsbewusst handeln? Kann sie überhaupt noch anders, als in den vorgelegten Normen denken? Und was sagt ihr Herz dazu?

Dystopien sind nach wie vor im Trend. Sie sind mittlerweile fast so zahlreich, wie Muscheln am Strand. Für einzelne Bücher wird es immer schwieriger mit ihrer Thematik aus der Masse herauszustechen. Doch ab und zu wird eine besondere Muschel an den Strand gespült. Sie enthält dann eine glänzende Perle - wie "Delirium"!

Beginnt man mit dem Lesen, wird einem im ersten Kapitel klar, dass hier zu den üblichen dystopischen Szenarien (wie absolute Kontrolle, Grenzschließung, gesellschaftliche Restriktionen, Gewalt und Resignation) noch ein ganz entscheidender Faktor hinzukommt. Nämlich die bewusste Entfernung der Liebe und die Akzeptanz dieses Eingriffs durch die Gesellschaft. Dieses Thema ist neu, unmöglich vorstellbar und wunderbar provokativ. Liest man dann, dass diese operative Maßnahme nicht nur die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau sondern auch Eltern und Kindern, Geschwistern und Freunden zerstört, bleibt einem schon nach den ersten Seiten des öfteren der Mund offen stehen.

Das ist eine der Kehrseiten des Eingriffs: Ohne die Deliria nervosa ist manchen Leuten die Vorstellung Eltern zu werden, zuwider. Glücklicherweise gibt es nur selten Fälle ausgeprägter Ablehnung - in denen ein Elternteil unfähig ist, eine normale, pflichtgemäße und verantwortungsvolle Bindung zu seinen Kindern aufzubauen, und sie schließlich ertränkt, ihnen die Luft abdrückt oder sie totschlägt, weil sie weinen.  - S. 11/12

Ja, das ist wahrlich keine leichte Kost! Verdeutlicht wird das alles durch eine herrlich eingängige Sprache, die stellenweise ihresgleichen sucht und für so manches Gänsehautgefühl verantwortlich ist. Textstellen, Gedichte und Zitate, meist aus von der Regierung genehmigten Büchern, schmücken jeden Kapitelanfang und setzten hier dem Lesegefühl noch ein Krönchen auf.
Lena erzählt die Geschichte komplett aus ihrer Sicht (Ich-Form). So ist die Handlung sehr geradlinig, nicht kompliziert, aber keinesfalls vorhersehbar. Manche Wendungen bringen einen dazu, erstmal tief durchatmen zu müssen.
Dabei ist es wirklich nicht so, als würde einen die Geschichte von einer atemlosen Actionszene in die nächste werfen. Im Gegenteil, die Handlung ist eher ruhig, oft sogar melancholisch. Hin und wieder gibt es besondere Spannungsspitzen. Diese sind dann für die Handlung wie das Tüpfelchen auf dem i und sorgen für die nötige Abwechslung.

Doch wo Leid ist, ist auch Freud (oder war das andersherum?). So darf auch bei "Delirium" eine gut verpackte und wohldosierte Liebesgeschichte nicht fehlen. Und mit gut verpackt ist nicht gemeint, dass Lena sofort aus ihrer antrainierten Haut springt und sich Lover Alex an den Hals wirft, dabei alle fadenscheinige Erziehung über Bord wirft und sofort ein komplett neuer Mensch ist. Nein. Natürlich ist es für Lena eine Horrorvorstellung, nur mit einem Jungen zu reden, vor allem, da sie noch nicht geheilt ist und so für sie die Gefahr einer Liebesinfizierung groß ist. Darum wirkt die langsame Annäherung zwischen Lena und Alex authentisch, aber auch kribbelig. Wohldosiert ist die Liebesgeschichte, weil sie sich perfekt in die Handlung einfügt. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Dafür aber sehr herzerwärmend niedlich!
Lena und Alex überzeugen beide als Charaktere. Lena, die sich ängstlich und verschüchtert schlussendlich an die Oberfläche kämpft. Und Alex, der mit seiner lieben und vorsichtigen Art für Lena der Anker wird, den sie braucht. Alle weiteren Nebencharaktere passen hervorragend zur Geschichte. Man entwickelt Sympathien und vor allem Antipathien.

Ein Teil von mir würde am liebsten sagen: Scheiß drauf, sich auf den Sattel setzen und den Berg hinunter aufs Wasser zufliegen, während der Wind die Haare zerzaust - scheiß auf die Ausgangssperre, scheiß auf die Aufseher, scheiß auf alles. Aber ich kann nicht; ich könnte es nicht; ich könnte es niemals. Ich habe keine Wahl. Ich muss nach Hause. - S. 84

Auch dieses Buch sorgt für (schwer zu akzeptierende) Überraschungen. So kann es sein, dass man sich gerade gegen Ende zufrieden zurücklehnt, dass die Geschichte in trockenen Tüchern scheint und man dann, auf harte Weise, eines Besseren belehrt wird.
Das Ende ist filmreif, sehr actionlastig und emotional. Sensibelchen sollte die Taschentücher in Reichweite haben. Und nun heißt es sicherlich noch ein Jahr warten, und das wird ein langes Warten! Nach einem gemeinen Cliffhanger am Schluss wird die Geduld auf eine wirklich harte Probe gestellt.

Persönliches Fazit
Hätte ich "Delirium" im Delirium gelesen, hätte ich wohl einiges verpasst! Dieses Buch verdient keinen Verwirrtheitszustand. Lest es! Lest es mit wachem Verstand und offenem Herzen. Lasst euch schockieren, bezaubern und wieder erden. Wäre ich nicht schon lange infiziert, hätte ich garantiert jetzt die Amor Deliria Nervosa (ups, das klingt hier alles total nach Werbetext, aber ich kann nicht anders!). "Delirium" ist eines meiner Top-Titel 2011 und erhält verdiente 5 Sterne mit Lieblingsbuchstatus!
Handlung: 5 / 5
Charaktere: 5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 5 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de


Reiheninfo Amor-Trilogie:
Band 1 - Delirium
(Band 1,5 - Hana, Kurzgeschichte)
Band 2 - Pandemonium
Band 3 - Requiem