Montag, 1. August 2011

Rezension zu "Wer schön sein will muss sterben" von Michele Jaffe



Verlag: Fischer FJB (Juli 2011)
Ausführung: Hardcover, 448 Seiten
ISBN: 978-3841421203
16,95 € [D]

Genre: Jugendthriller

© Cover- und Zitatrechte: FJB Verlag


Klappentext
Es war die Nacht, in der sie glücklich sein wollte. Doch es wurde die Nacht, in der sie sterben sollte.

In der einen Minute gehörst du zu den beliebtesten Mädchen deiner Schule, bist mit dem heißesten Typen der Stadt zusammen und tanzt auf der coolsten Party des Jahres – in der anderen liegst du halbtot in einem dornigen Rosenstrauch. Du wachst auf und kannst dich an nichts erinnern.

So geht es der 16-jährigen Jane, die nach einem Unfall mit Fahrerflucht im Krankenhaus wach wird. Doch während der zahlreichen Besuche von Familie und Freunden kommt die grausame Erinnerung wieder – Stück für Stück. Jemand wollte sie töten – aber wer?

Über die Autorin
Michele Jaffe ist in Los Angeles, Kalifornien aufgewachsen. Sie hat in Harvard studiert und im Fach Vergleichende Literaturwissenschaft promoviert. Danach wollte sie eigentlich FBI-Agentin werden, ist dann aber doch beim Schreiben gelandet. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Las Vegas.

Rezension

Der erste Satz: Das Bild ist grausam und dennoch schön.

Die Welt der 16-jährigen Jane ist aus den Fugen gerissen. Nach einer Party hat sie ein Auto angefahren und nur mit viel Glück hat Jane diesen Unfall, der in einem dornigen Rosenbusch endete, überlebt. Seitdem sie im Krankenhaus erwacht ist, fehlen ihr sämtliche Erinnerungen an die Unfallnacht. Ihre Freunde und Familie verhalten sich komisch, dabei gehört Jane zu den beliebten und angesagtesten Mädchen der Schule. Zuerst kann sie sich keinen Reim auf alles machen, doch mit der Zeit kommen Stück für Stück die Erinnerungen zurück, mit ungeahnten Folgen für Janes körperliches und geistiges Befinden.

Ich habe viele Geschenke, weil ich irgendwie - unerklärlicherweise - beliebt bin. Und die meisten der Wir vermissen Dich- und Werd schnell gesund-Grüße sind Lügen - eben weil ich sehr beliebt bin.
Das ist die Ironie. Die grausame Lektion, die ich gelernt habe. ... Der Platz an der Spitze der sozialen Pyramide ist begrenzt und sobald du ihn erreicht hast, gibt es nur noch eine Richtung, in die du gehen kannst, und genügend Leute, die dich dorthin stoßen wollen. - S. 12/13

Gleich zu Anfang fällt es einem etwas schwer, sich in die Geschichte einzulesen. Das liegt nicht etwa am Verständnis, hier man findet man sich sehr gut zurecht. Aber mal ein falsch platziertes Wort hier, ein Schreibfehler oder ein unpassendes Satzzeichen dort, stören den Lesefluss anfangs doch sehr. Das sind zwar Kleinigkeiten, die mit der Geschichte nicht unmittelbar etwas zu tun haben, doch gestaltet sich der Einstieg in die Thematik so ein wenig holprig. Auffällig sind diese Fehlerchen doch nur am Anfang, mit den folgenden Kapiteln scheinen sie vollkommen ausgemerzt zu sein.
Die Sprache ist einfach und komplett im Ich-Erzählstil von Jane gehalten, erinnert sie sich an etwas, oder spricht sie einen Gedanken nicht laut aus, ist dieser kursiv gedruckt. Dies soll einem Janes Charakter und ihre Gefühle deutlich näher bringen.

Sprachlich gelingt das Frau Jaffe sehr gut, doch die einzelnen Charaktere sind ein großer Kritikpunkt. Sie wirken alle, trotz ausführlicher Beschreibung, unsympathisch und unberechenbar. Letzteres mag so gewollt sein, doch gelingt es dem Leser nicht, sich in einen der Charaktere, auch nicht in Jane, hineinzuversetzen. Wenn einem währen des Lesens sogar Janes süße Schwester relativ egal ist, sich dies über Janes Mutter, Freunde und ihren Freund fortsetzt, werden alle Charaktere so ziemlich schnell zu Statisten degradiert. Dieser Kritikpunkt ändert sich zum Schluss, ließ aber eindeutig zu lange auf sich warten.
Alle Personen werden wiederholt über die Beschreibung ihrer Kleidung und ihres Aussehens definiert. Das mag oberflächlich erscheinen, unterstützt aber Janes Entdeckung, wie sie ihre Umwelt fälschlicherweise immer wahrnimmt. Denn mit verschiedenen Besuchern und wiederkehrender Erinnerung, erkennt sie, was wirklich hinter der Fassade ihrer Freunde oder auch ihrer Mutter steckt.

Und hier ist eindeutig der große Pluspunkt von "Wer schön sein will muss sterben" zu sehen. Die Geschichte ist nämlich alles andere, als vorhersehbar. Die Haupthandlung besteht aus nicht viel mehr, als aus verschiedenen Personen, die Jane im Krankenhaus besuchen, und den daraus resultierenden Erinnerungen von Jane. Diese "Geschichten in der Geschichte" sind so geschickt verpackt, dass es einem als Leser nicht gelingt, sich endgültig festzulegen, wer denn nun der Bösewicht ist. Erschwert wird das Ganze auch dadurch, dass immer mehr Personen Janes Hinweise als Halluzinationen abtun. So wird es sogar für Jane zunehmend schwerer zu entscheiden, was real ist und was sie sich nur einbildet.

Der Schluss endet thrillertypisch, in einem mehr oder weniger großen Showdown. Hier wird natürlich des Rätsels Lösung präsentiert und die Geschichte endet leicht kitschig. Der Roman ist abgeschlossen.
Hier noch die Anmerkung, dass man sich als Leser an kleineren Logiklöchern nicht stören darf. Man muss kein studierter Mediziner sein, um zu erkennen, dass die Logik der Realität hinterherhinkt, wenn das Opfer während des Unfalls durch die Luft geschleudert wird und Knochen brechen hört. Dann aber nach 5-tägigem Krankenhausaufenthalt, und vollständige Lähmung, wieder anfängt zu laufen. Genauso verhält es sich mit sofortiger Ohnmacht vor Schmerzen, sobald eine Infusionsnadel mit Schmerzmitteln herausgezogen wird. Dies aber nur am Rande.

Persönliches Fazit
Wer keine zu großen Erwartungen hat, der wird von "Wer schön sein will muss sterben" auch nicht enttäuscht sein. Trotz plätschernder Story, durchzogen mir einigen Spannungsbögen, ist die Handlung interessant und gut nachvollziehbar. Über die oben genannten Schwächen muss man allerdings hinwegsehen. Wer, wie ich, großen Wert auf überzeugende Charaktere legt, muss sich hier allerdings mit einigen Abzügen zufrieden geben. Trotz allem hat mich dieser Thriller durchschnittlich gut unterhalten und für einige Stunden kurzweiligen Lesespaß gesorgt. 3 Sterne hier von mir.
Handlung: 3,5 / 5
Charaktere: 2,5 / 5
Lesespaß: 3 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Mhhh... klingt ganz interessant, aber nicht sehr rosig. Spontan würde mich das Buch jetzt wohl nicht ansprechen. Dafür ist mein SuB zu hoch gestappelt. Gut geschrieben!

    Ach ja, die Eule geht morgen auf Reise und sollte sie demnächst wieder "Durch die Nacht" bei dir entschwinden, dann hoffe ich doch stark, dass sie einen anderen Briefkasten ansteuert - nicht meinen. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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  2. Schade, dass dich die Charaktere nicht überzeugen konnten. Ich werde mir das Buch mal kaufen, um mir eine Meinung zu bilden. Wie immer eine sehr schöne Rezension.
    Liebe Grüße, Diti

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  3. @Reni, nee muss nicht sein, wenn noch viel anderes rumliegt. Die Thematik war interessant, ich mag ja Thriller. Ist so ein Buch, das man liest, okay fand und das war's dann auch. Freu mich auf die Eule, wirklich jetzt. Bin echt gespannt ;-)

    @Diti, weisst du, seit ich viel u. objektiv rezensiere, bin ich sehr streng bei der Bewertung von Büchern geworden u. achte vermehrt auf Kleinigkeiten, wie Charaktere u. Logik. Andere Rezis klingen ja sehr begeistert. Wsswms war kein schlechtes Buch, ich denke es wird dir gefallen :-)

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  4. Nun, bei drei Sterne Rezensionen bin ich grundsätzlich abgeneigt das Buch zu lesen (unter 4 Sterne fang ich gar nicht erst an) :) Denn ich vertrete die Meinung, 3 Sterne bedeutet: man muss das Buch nicht lesen :D

    LG
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  5. @Ayanea, jup, das sehe ich auch so. Drei Sterne bedeuten für mich, das Buch war okay u. auch gut zu lesen, aber es ist kein Muss! Aber Geschmäcker sind ja verschieden, das Buch bekommt auch oft 5 Sterne *räusper* :-) Findest du eigentlich auch, das wir Rezensenten mit unserem Urteil immer viel kritischer sind, als der "Normalleser"?

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  6. Ach, das Buch hab ich heute auf meiner Shoppintour entdeckt und ich hätte es fast gekauft - wollte mich aber vorher nochmal informieren. Gut, dass ich das getan hab, denn für ein 3 Sterne-Buch ist mir der Preis zu hoch ;)
    Danke für die schöne Rezension!

    PS: Und danke für deinen netten Kommentar :)

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  7. @Damaris....nun, ich glaube manchmal sind Rezensenten sogar höflicher als die Normalleser, um es sich mit den Verlagen nicht zu verscherzen...kenne sooo viele Blogs die ständig nur 4 und 5 Sterne Rezi Büchern geben- das glaub ich schon gar nicht mehr?!...Ich kann nur sagen, ich bewerte immer "normal" :D

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  8. @Sonne, viele geben auch 4 oder 5 Sterne. Ich sag ja, Geschmäcker... *grins*. Aber gebundene Bücher sind wirklich teuer. Vielleicht kommt ja mal eine TB Ausgabe.

    @Ayanea, ich bin da nicht extra höflich. Ehrlichkeit ist Trumpf! Bemerke an mir, dass umso mehr ich rezensiere, umso genauer schaue ich hin, bzw. ich werde kritischer. Aber hast recht, manche Rezis stotzen vor Kritik und Negativpunkten und am Schluss stehen da 4 oder 5 Sterne! Häh??!!

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