Donnerstag, 11. August 2011

Review zu "Ruf der Tiefe" von Katja Brandis und Hans-Peter Ziemek



Beltz & Gelberg (März 2011),
gebunden, 414 Seiten,
16,95 € [D]


Mit seinen 16 Jahren ist Leon bereits ein Profi: Er gehört zur Elite der Flüssigkeitstaucher, die sich auch in 1000 Meter Tiefe frei bewegen können. Zusammen mit Lucy, einem intelligenten Krakenweibchen, sucht Leon im Pazifischen Ozean nach Rohstoffen am Meeresgrund. Die Tiefsee ist sein Zuhause, viel vertrauter als das 'oben'. Doch dann scheint das Meer verrücktzuspielen: Am Grund breiten sich 'Todeszonen' aus, massenhaft ergreifen die Wesen der Tiefe die Flucht nach oben, an Land bricht Panik aus. Bei einem verbotenen Tauchgang machen Leon und Lucy eine gefährliche Entdeckung - und geraten in große Schwierigkeiten. Ausgerechnet Carima, eine junge Touristin von 'oben', erweist sich als Leons einzige Verbündete …


Meine Meinung
Leon arbeitet für die ARAC, einen großen Forschungs- und Energiekonzern. Sein Arbeitsplatz ist die Tiefsee. Hier erlaubt es ihm ein besonderer Hightech-Tauchanzug, sowie die Flüssigkeitsatmung in Tiefen vorzudringen, die ein normaler Taucher niemals erreichen kann. In einem speziellen Partnerprogramm wurde jedem Elitetaucher ein Meerestier zugeordnet, welches ihn auf seinen Tauchgängen begleitet und ihm hilft. Leons Partnerin ist das Krakenweibchen Lucy. Zwischen beiden besteht eine besondere Verbindung. So kann Leon sich mit Lucy nicht nur durch Handzeichen verständigen, sondern sie können sich tatsächlich über ihre Gedanken unterhalten.
Als im Meer seltsame Zwischenfälle geschehen, und Leon diese untersuchen möchte, wird er vom ARAC-Konzern ausgebremst. Bald wir ihm und Lucy klar, dass hier mehr als ein paar harmlose Zufälle dahinterstecken.

Zu Beginn des Buches begleitet man Leon auf einer seiner Unterwassermissionen. Und genau dort hatte mich die Geschichte schon in ihrem Bann. Mit einem spannenden Einstieg schaffte es Frau Brandis mich buchstäblich mit Leon und Lucy abtauchen zu lassen.
Konnte ich mir die Beziehung zwischen Leon und der Krake Lucy anfangs so gar nicht vorstellen, wurde mir nach Lucys ersten drei "Sätzen" klar, diese Krake muss man einfach lieb haben. Ihre Satzstellungen erinnern teilweise an Meister Yoda aus Star Wars, mit einem so unbedarft niedlichen und auch fürsorglichen Humor, dass ich bei den Unterhaltungen nur noch schmunzeln wollte.

Mein Freund, was ist? Vielkalt sind deine Gedanken. Ist etwas nicht gut? Lucys Stimme, ganz klein und verloren.
Ja, antwortete Leon müde. Mir ist gerade eisig kalt. Manchmal fängt man an, über sein Leben nachzudenken ... und dann fühlt man sich, als würde man von einer Strömung davongerissen ... S. 74

Komm schon jetzt! Schwimmen wollen wir, schwimmen, drängelte Lucy. Oder Verstecken spielen bitte, bitte, jetzt! S. 11

Die Erzählperspektive wechselt hauptsächlich zwischen Leon und dem Mädchen Carima hin und her. Die zarte Liebesgeschichte der beiden drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern begleitet die spannende Handlung auf eine angenehme Weise. Carima und ihre Familienverhältnisse lernt man gut kennen. Der Hauptfokus liegt aber eindeutig auf Leon. So macht der schüchterne Junge im Verlauf der Geschichte eine spürbare Wandlung durch, als er mehr über seine eigenen Hintergründe und die der der ARAC erfährt. Gefühle wie Wut, Sorge und auch Hilflosigkeit kamen deutlich bei mir an. Leon wurde mir mit jedem Kapitel sympathischer.

Dass der Roman stellenweise fiktiv ist und in der Zukunft spielt, bekommt man durch Dinge wie die Flüssigkeitsatmung oder den 'OxiSkin', einen Hightech-Tauchanzug direkt mit. Subtilere Andeutungen, wie veränderte Essgewohnheiten der Menschen oder dass die Jugendlichen "Fluch der Karibik 7" anschauen, sind humorvoll in die Geschichte integriert.

Die Geschichte erforderte ganz sicher eine beeindruckende Recherchearbeit. Ob Forschungsstationen, Tiere, Meer oder das Tauchen im Allgemeinen, ich hatte immer das Gefühl, dass die Autoren wissen, wovon sie reden. Hier hat sich die Zusammenarbeit der Autorin Katja Brandis mit dem Biologen Hans-Peter Ziemek voll und ganz ausgezahlt.

Fazit
"Ruf der Tiefe" war spannend, beeindruckend und mit einem, für mich, sehr emotionalen Ende. Jedem, der gerne besondere und spannende Abenteuergeschichten liest, kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen. Großviel gut! um es mit Lucys Worten zu sagen. Und ich, ich habe mich verliebt - in eine Krake!

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Oh, das hört sich wirklich gut an. Das wird ganz sicher das nächste Buch, das ich lesen werde. Du hast mich wirklich neugierig gemacht. Sehr schöne Rezi

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  2. Eine wirklich schöne Rezension :) Na ja, bin von dir ja nichts anderes gewusst.
    Ich lese nun aktuell "Der Kuss des Kjer"- bin zwar erst auf der 50igsten Seite, finde es bisher aber schon richtig klasse!!! :D

    LG
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  3. @Anja, danke! Hat wirklich Spass gemacht u. war richtig schön zwischen der ganzen Fantasy.

    @Ayanea, oh wie lieb! Lese doch auch immer gerne bei dir :-) Kuss des Kjer! Ich beneide dich ;-) Das war für mich beste 5 Sterne Fantasy, mit einer tollen, überhaupt nicht kitschigen, sich langsam entwickelnden Liebe. Warst du schon bei "Sie ist schön." "Sie ist anwesend!!"? Über Lijanas musste ich so oft schmunzeln. Sie ist Klasse!

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  4. Was für eine schöne Rezi zu einem tollen Buch, das gaaanz oben auf meiner Wunschliste steht!
    Besonders mit Lucy hast du mich jetzt neugierig gemacht!
    Liebe Grüße
    Anka

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  5. @Anka, Lucy ist soooo süss. Nach den ersten Seiten möchte man sie schon knuddeln (obwohl das wohl bei einer Krake etwas schwierig werden könnte *grins*)

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