Dienstag, 30. August 2011

Review zu "Drei Wünsche hast du frei" von Jackson Pearce



PAN (September 2010),
Softcover, 288 Seiten,
12,99 € [D]


"Wer bist du?", flüstert sie.
"Ich habe keinen Namen", antworte ich.
"Aber können wir die Förmlichkeiten überspringen und das hier beschleunigen?"
"Was beschleunigen?"
"Das mit den Wünschen. Ich bin hier, um dir drei zu erfüllen."

Als Viola von ihrem Freund verlassen wird, bricht für sie eine Welt zusammen. Gerade noch war sie verliebt und beliebt, nun ist sie nur noch die Ex vom coolsten Typ der Schule. Viola wünscht sich nichts mehr, als wieder glücklich zu werden – und beschwört so versehentlich einen Dschinn herbei. Er ist jung, er sieht gut aus … und er ist furchtbar schlecht gelaunt, denn er hält Menschen für ungemein nervtötend. Aber bevor er in seine Heimat zurückkehren kann, muss er Viola drei Wünsche erfüllen. Und das ist nicht so einfach, wie es sich anhört … (Cover- und Textrechte: Droemer Knaur)


Meine Meinung
Viola fühlt sich zerbrochen. Das Lawrence ihr bester Freund ist, tröstet sie wenig. Sie hätte ihn gerne als ihren festen Freund zurück. Doch das geht nicht, da Lawrence sich vor einiger Zeit von ihr getrennt hat, weil er sich als schwul geoutet hat. Seitdem fühlt sich Viola unsichtbar und nirgends richtig zugehörig. Sie malt gerne und gut, aber selbst da vergleicht sie sich immer mit anderen Schülern und findet deren Arbeiten besser. Kurz, ihr Selbstbewusstsein, das sie von Freunden und Einladungen zu Partys abhängig macht, ist total im Keller.
Als sie in Gedanken einen Herzenswunsch ausspricht, taucht plötzlich ein namenloser Dschinn auf. Er ist dazu da, Viola drei Wünsche zu gewähren, danach kann er zurück in seine Heimat Caliban. Jeder Dschinn hat das Bestreben, so schnell wie möglich die Wünsche seines "Herrn" zu erfüllen und wieder zu verschwinden. In Caliban altern Dschinn nicht, in der Menschenwelt hingegen schon. Entsprechend schlecht gelaunt und ruppig ist der Dschinn, dessen Herrin Viola nun ist. Er drängt sie, sich schnell etwas zu wünschen, damit er wieder verschwinden kann. Doch so einfach ist die Sache nicht ...

"Drei Wünsche hast du frei" war ein Buch, bei dem ich emotional sehr ergriffen war. Es gibt zwar während dem Lesen einige (kleinere) Kritikpunkte, nach Beendigung des Buches scheinen sich diese (wie ein Dschinn) in Luft aufgelöst zu haben. Man hat die Kritik schlichtweg vergessen. Doch von vorne.

Die Erzählung ist im Präsens/Gegenwart gehalten. Laut einer kleinen Umfrage von mir, der unbeliebteste Erzählstil bei den Lesern. Ich habe mich mittlerweile so daran gewöhnt, dass ich mich damit gut anfreunden kann, vor allem, wenn der Schreibstil dazu passt. Die ersten Kapitel habe ich jedoch als etwas holprig empfunden und folglich manche Sätze wiederholt um ein Lesegefühl zu bekommen. Mit der Zeit liest man sich aber ein, und die Sprache fließt gut.
Dann bin ich kein Fan von englischen "Yeah"s in einer deutschen Übersetzung. Ein "Yeah, du hast recht." klingt für mich einfach oberflächlicher als das deutsche "Ja, du hast recht.". Das ist sicher Geschmacksache, und manchen mag dieser Jugendausdruck auch gefallen. Für mich kommt er immer einem Stilbruch gleich, weil ich ihn einfach nie passend finde.
Sehr gut gefällt, dass sich die Kapitel aus der Ich-Perspektive von Viola und Dschinn abwechseln. Gerade das bringt einem vor allem Dschinn näher.

Auch die Charaktere sind nicht die stärksten ihrer Art. Trotzdem sind sie für ein abgeschlossenes Buch mit weniger als 300 Seiten ausreichend und sympathisch ausgearbeitet.
Die Grundidee der Geschichte an sich ist super und es gibt einige Handlungswege und Ideen im Buch die mich voll und ganz überzeugen konnten. Gefühle kommen beim Leser an und sind gut verständlich. So hat das Lesen richtig Spaß gemacht.

Besonders die Beziehung zwischen Viola und Dschinn hat mir gut gefallen. War Dschinn anfangs noch sehr ablehnend und nur genervt, freunden sich die beiden mit der Zeit an. Das zeigt sich an kleinen Punkten, wie dass es Dschinn plötzlich gefällt, dass Viola ihn mit Namen Dschinn anspricht und er nicht einfach nur ein Dschinn für sie ist (Zur Erklärung, lt. Buch haben Dschinn keine Namen. Sie sind alle einfach nur Dschinns, wie eine Gattung oder Rassenart). Auch das Tempo dieser Annäherung ist gut und richtig gewählt. Romanpärchen, die sich nach dem ersten Kennenlernen schon schnulzig und verliebt in den Armen liegen, gibt es schließlich genug!

Ich gebe es zu. Anfangs dachte ich, ich hätte das Buch nach den ersten Kapiteln durchschaut. Ich war mich sicher zu wissen, was Viola sich wünschen würde. Doch weit gefehlt. "Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt" ... das kann ich hier gerne unterschreiben!
Bei einer sehr emotionalen Szene im letzten Buchdrittel flossen dann zum ersten Mal die Tränen. Die Geschichte ist abgeschlossen, doch kann man als Leser durchaus spekulieren, wie es weiter gehen könnte. Dieses Ende hatte ich mir gewünscht und war dann auch so gerührt, dass ich nochmals zufrieden geschluchzt habe. Ich weine gerne in Büchern! Denn wenn ein Buch das schafft, konnte es mich meistens auch überzeugen und emotional ergreifen. So wie "Drei Wünsche hast du frei".
Wer einen abgeschlossenen, nicht zu langen Roman, mit einer zarten und herzlichen Liebesgeschichte lesen möchte, dem kann ich das Buch sehr empfehlen.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Kommentare:

  1. Toll! Wieder eine schöne Rezi. Klingt nach einem besonderen Buch, das ich auch gern lesen möchte.
    Somit wandert es auf meine Wunschliste!
    Drücker, Anka

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  2. @Anka, ich fand's super. Kann es dir leihen, wenn du kommst u. wenn du es gelesen hast, kommst du einfach nochmal auf nen Kaffee :-)

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  3. Klingt ja echt toll. Ich mag Bücher, die emotional berühren. Merk ich mir mal und wie immer eine gelungene Rezension. Lg, Diti

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  4. Schöne Rezension! Mir hat das Buch zwar nicht ganz sooo gut gefallen, aber trotzdem kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen! Und die beiden Zitate hab ich damals auch rausgeschrieben - einfach wunderschön!
    Was sagen eigentlich dein Mann und deine Kinder dazu, wenn du immer weinend vor deinen Büchern sitzt? Die müssten dir das Lesen ja schon längst verbieten, wenn sie dich atändig so traurig sehen ;-)
    Wie immer alles Liebe von deiner Bücherdiebin!

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  5. @Diti, ja gell. Emotionale Bücher sind toll!!

    @Diebin :-) Und ich verstehe dich genauso, wenn du es nicht soooo gut fandest. War mir auch erst unsicher. Aber als sich das dann so gefühlsmässig entwickelt hat... Die Idee mit dem Drücker fand ich klasse u. die Szene im Garten, mit dem letzten Wunsch. Hach, da war ich richtig fertig. Und dann der schöne Schluss, sehr rührend!
    Meine Kinder sehen nicht, wenn ich über Büchern weine. Ich kann selten vor ihnen lesen, die sind noch zu klein :-) Und mein Mann fühlt mit, aber er kennt ja den Grund/Zusammenhang nicht. Ich weine auch nicht willkürlich, nur wenn ich eine gewisse Beziehung zu den Charakteren aufbaue. Dann fühle ich sofort mit. Musst du bei Büchern weinen?

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  6. Deine Rezension hat mir wirklich gut gefallen und die Zitate, die du herausgeschrieben hast, sind super :-)

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  7. @Favola, danke dir! Ich bin ein Buchzitatefan, manche meiner Bücher werden während des Lesend voll mit kleinen Post-it's geklebt :-) Darum auch die eigene Zitate-Rubrik.

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  8. Huhu Damaris,
    ich weine eigentlich sehr selten bei Büchern, öfter kommt es mal vor, dass ich wässrige Augen habe, wenn mich das Buch gerade sehr mitnimmt, aber dass richtig Tränen draus werden, da muss schon was ganz Schlimmes passieren :-) Trotzdem bin ich oft sehr bewegt und brauche immer ein bisschen, um nach einem traurigen/mitreissenden Ende wieder "runterzukommen". Mein Freund kennt das schon und weiß, dass ich die nächsten 15 Minuten erstmal nicht ansprechbar bin und entweder ganz still irgendwo sitze oder anfange durch die Wohnung zu wuseln ;-) So erst wieder letzte Woche bei "Splitterherz" passiert - das musst du unbedingt bald lesen!

    Und jetzt noch: ein gaaaanz gaaanz dickes Dankeschön!! "Mordan" ist heute bei mir angekommen und ich habe mich sehr-sehr darüber gefreut! Ist super-schön und sogar noch eines meiner Wunschlesezeichen! Vielen Dank!
    Dann muss ich jetzt wohl mal ganz schnell "Kuss des Kjer" lesen... das passende Lesezeichen hab ich ja dazu *lach*
    Lieben Gruß von deiner "Diebin" :-)

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  9. @Diebin, ist doch schön, wenn Bücher berühren können. Splitterherz will ich bald lesen :-) Mein "schlimmstes" Weinerlebnis bei einem Buch hatte ich mit Lucian. Da war ich nach dem Schluss völlig durch den Wind, glaub so ziemlich den ganzen Tag lang ;-)
    Dann dir viel Kuschel- äh Lesespaß mit dem Mordan Lesezeichen (in KdK ist er jetzt nicht sooo der beispielhafte Kuscheltyp *g*) Freu mich wenn es dir gefällt!

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  10. wie immer: eine wunderschöne Rezi :)

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  11. Oh ja, Lucian möchte ich auch noch unbedingt lesen! Du schwärmst immer so davon, da bin ich ganz neugierig geworden ;-)
    Mordan liegt schon kuschelbereit auf meinem Nachttisch...

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  12. Ach ja, ich fand es auch total süß. Ich mochte Viola und Dschinn sehr und das mit dem letzten Wunsch ging mir ähnlich. Obwohl leicht geahnt habe ich es vielleicht schon. Dafür war das eigentliche Ende sehr schön. Das mit dem Drücker war aber auch echt fies! :)

    Liebe Grüße
    Reni

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  13. @Diebin, also bei um Mordan musst du dich eigentlich mit Reni u. mir streiten :-) Aber wenn er sich auf deinem Nachttisch wohlfühlt, will ich mal nicht so sein, hihi. Lies Lucian, es war toll!!'

    @Reni, war einfach sweet das Buch. Die Idee mit dem Drücker war so cool. Hehe, das blickt keiner, der das Buch nicht kennt :-)

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