Dienstag, 12. April 2011

Rezension zu "Winterlicht" von Melina Marchetta

Verlag: Ravensburger (März 2011)
Ausführung: Hardcover, 537 Seiten
ISBN: 978-3473353347
17,95 € [D]

Genre: Jugendbuch/Fantasy


Klappentext
Ein Fluch liegt auf Lumatere. Niemand kann das Land betreten oder verlassen, denn eine todbringende Kraft schirmt es ab. Nur Finnikin, treuster Gefolgsmann des Königs, weiß, wie der Fluch aufgehoben werden kann: Finnikin muss den verschollenen Thronfolger finden und ihn nach Lumatere zurückbringen. Doch als er die schöne Evanjalin trifft, gerät seine Mission in Gefahr. Finnikin verliebt sich in sie, obwohl sie dem neuen König versprochen ist. Gemeinsam wagen sie den Kampf gegen eine dunkle Macht, die Lumatere zu vernichten droht.

"Wie ist sie, diese Evanjalin aus den Bergen?", fragte Lucian. "Sie ist stark - hier drin", antwortete Finnikin und klopfte sich zweimal gegen die Brust. "Respekt einflößend. Mitleidlos. Listig. Sie kann einen Menschen so heftig lieben, wie ich es noch nie erlebt habe." Er lächelte, weil er sich dabei ertappte, dass er viel zu viel ausplauderte. "Und sie ist wunderschön." "Ist sie dir versprochen Finnikin?", fragte die weise Frau. "Nein", antwortete er nach kurzem Zögern. "Aber sie ist in meinem Herzen."

Über die Autorin
Gleich mit ihrem Erstlingsroman gewann Melina Marchetta alle wichtigen Jugendliteraturpreise in ihrer Heimat Australien und war außerdem 1996 für den Deutschen Literaturpreis nominiert. Die Schriftstellerin lebt in Sydney, wo sie zehn Jahre als Lehrerin arbeitete. Inzwischen ist das Schreiben zu ihrem Hauptberuf geworden.

Rezension

Der erste Satz: Vor langer Zeit im Frühling, kurz vor den Fünf Tagen des Unsagbaren, träumte Finnikin von den Felsen, dass er ein Pfund seines Fleisches opfern müsste, um das Königshaus von Lumatere zu retten.

Im Land Skuldenore liegt das Königreich Lumatere. Bis zu den Fünf Tagen des Unsagbaren war es ein gesegnetes, fruchtbares Königreich, mit glücklichen Menschen, regiert von einer gerechten Königsfamilie. Doch an den Fünf Tagen des Unsagbaren wurde die gesamte Königfamilie niedergemetzelt, und deren einziger Sohn blieb verschwunden. Ein Thronräuber nahm sich das Land, brannte alles nieder, wütete unter den Leuten und lies die Schamanin der Waldbewohner auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Diese sprach vor ihrem Tod einen furchtbaren Bannfluch aus, bei dem das Volk auseinandergerissen wurde.
Seitdem umgibt ein Mauer dunkler Mächte das Königreich. Die vertriebenen Menschen aus Lumatere sind heimatlos und können nicht mehr zurück, und die im Land verbliebenen, müssen unter dem Thronräuber leiden und kommen nicht aus Lumatere hinaus.

Zehn Jahre später reist Finnikin, ein enger Freund der ermordeten Königsfamilie, mit seinem Mentor, immernoch durch die umliegenden Königreiche von Skuldenore. Er führt Buch über die vermissten, verschollenen und getöteten Menschen aus Lumatere und hat das Ziel, ein neues Fleckchen Land von einem befreundeten Reich zu bekommen, in dem sich die Menschen einen neue Heimat aufbauen können.
Mitten in der Nacht wird Finnikin der Name des verschwundenen Thronfolgers zugeflüstert mit der Aufforderung, sich zu einem entfernten Kloster zu begeben. Dort trifft er auf die Novizin Evanjalin. Diese kann in Träumen wandeln und sagt Finnikin, dass sie den Thronfolger finden, und mit ihm nach Lumatere zurückgehen werden. Damit beginnt die Reise und eigentliche Geschichte von "Winterlicht".

Die Geschichte fordert, gleich zu Beginn, einiges vom Leser. Schon im Prolog wird man mit Namen, Epochen, Ländern, Kulturen und Ereignissen überhäuft. Zum Glück wird alles in den ersten Kapiteln, im Rahmen der Geschichte, wiederholt und verdeutlicht. So kann man sich einen guten Überblick schaffen und ist nicht versucht, ständig zurückzublättern, weil man eine Person nicht zuordnen kann.
Eine gute Auffassungsgabe und ein Grundverständnis, von Fantasygeschichten dieser Art, sind von klarem Vorteil. Das Aktions- und Ereignisniveau bleibt hoch.

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Das Treffen und Kennenlernen von Finnikin und Evanjalin, mit dem Beginn der Reise. Die eigentlich Reise, mit verschiedenen Zwischenaufgaben, neuen Charakteren und Enthüllungen. Und schließlich das vorhersehbare, erwartete Ende, mit einigen überraschenden Wendungen.
Innerhalb dieser Gliederung ist die Geschichte sehr geradlinig aufgebaut. Das Sprachniveau ist hoch, doch gut verständlich. Und auch die gut dosierte Prise Humor lässt den Leser oft schmunzeln.
Alle Hauptprotagonisten lernt man im Verlauf der Geschichte gut kennen. Die jeweiligen Charakterzüge und Gefühle der Personen treten deutlich hervor. Mancher Nebencharakter bleibt leider etwas oberflächlich beschrieben. Man wünscht sich, gerade diesen Menschen besser zu kennen. Angesichts des Buchumfangs und der Komplexität der Geschichte ist dies aber schwer umzusetzen und wäre sicher nur möglich, wenn die Geschichte aus mehreren Büchern bestehen würde (vergleichbar mit "Der Herr der Ringe" - Die Gefährten, Die zwei Türme, Die Rückkehr des Königs).

Der letzte Teil der Buchgliederung steuert auf das erwartete Ende zu. Einige Fragen, und Überraschungen, die während dem Lesen aufkamen, werden hier gelöst und entwirrt. So bleiben kein Fragen oder Logiklöcher zurück und man kann das Buch mit dem Gefühl eines vollständigen Abschlusses beenden.

Fazit
Ein High-Fantasy Roman auf hohem sprachlichen und erzählerischen Niveau, mit sehr gut ausgearbeitete Hauptprotagonisten. Trotz dem hohen Niveau gut verständlich, anfängliche Ungereimtheiten werden komplett gelöst. Leser von "Der Herr der Ringe" kommen um einen kleinen Vergleich, gerade die Reise betreffend, nicht herum. Natürlich nicht in dem dortigen Umfang. In "Winterlicht" finden sich neben den Menschen keine sonstigen Fantasy-Wesen. Die Altersangabe für diesen Roman liegt bei 13-15 Jahren. Angesichts der Komplexität und der geforderten Auffassungsgabe ist er doch eher für einen höheren Altersdurchschnitt zu empfehlen. Gute 4 Sterne!
+ wunderschönes Cover
+ geradlinige Handlungsweise
+ sympathische Charaktere
+ stimmiges Ende
o anspruchsvoll
o etwas vorhersehbar

Handlung: 4 / 5
Charaktere: 4 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

Kommentare:

  1. Schöne Rezi, aber mit dem Buch werde ich momentan nicht richtig warm. Habe es erst einmal beiseite getan, obwohl ich auch nicht sagen kann, dass es mir nicht gefällt. Bin etwa in der Mitte. Momentan fehlt es mir aber ein wenig an der Nähe zu den Charakteren - außer Evangeline ist genial. Aber die Reise zieht sich ziemlich dahin und wenn mal etwas spannendes passiert (was nicht selten vorkommt), ist es schnell wieder vorbei und das nächste Problem kommt. Ich muss mich mit dem Stil der Autorin erst einmal anfreunden, der mich persönlich nicht wirklich anspricht. Ich bin ein echter Der-Herr-der-Ringe-Fan (Buch und Film), besonders die Bücher finde ich um einiges besser. Naja, mal schauen. Bei "Weisser Fluch" habe ich vorher auch gemeckert und jetzt gefällt mir das Buch ziemlich gut.

    LG Reni

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  2. Hi Reni :-)
    nach dem Prolog dachte ich auch "puh, das kann ja heiter werden". Das Buch ist wirklich anspruchsvoll aber auch sehr stimmig. Evanjalin mag ich auch am liebsten, obwohl sie mir am Schluss zuviel weint ;-) Aber ihre Situation ist auch richtig tragisch.
    Bin übrigens auch ein echter HdR Fan, die Bücher, inkl. Der kleine Hobbit, hab ich schon recht früh gelesen und die Filme sind die grossartigsten Buchverfilmungen, die es gibt :-)
    LG, Damaris

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  3. Klappentext und Cover sind echt ansprechend, aber ich weiß nicht, ob das Buch was für mich wäre...

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  4. Ich persönlich mag das Cover überhaupt nicht =/ Dank Klappentext kommt es trotzdem erstmal auf die Wunschliste!

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  5. Danke für die tolle Rezi. Also für mich hört sich das nach einem gelungenen Fantasy-Roman an und der kommt auch direkt mal auf meine Wunschliste
    LG Anja

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  6. @Prettytiger, das Cover finde ich auch total schön, das Buch ist keine "leichte Kost" aber richtig gute Fantasy.

    @Lurchi, schön, dass du vorbeischaust ;-) Gefällt dir sicher (das Cover kann man abnehmen *grins*), wenn dir HdR und Sturm im Elfenland, eben ohne Elfen, Orks, Zwerge, ... nur mit Menschen, gefällt.

    @joshi_82, Bitte bitte, ist mir gar nicht so leicht gefallen diesmal, da der Umfang doch recht hoch war und ich nicht zuviel verraten wollte. Wenn du High-Fantasy magst, kannst du mit diesem Buch gar nichts falsch machen ;-)

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  7. Ich behalte dich immer im Auge, ich bin bloß nicht so der aktive Kommentar-Schreiber ;) Gelesen wird aber alles!
    HdR habe ich noch nicht gelesen (Schande über mich!), aber Sturm im Elfenland hat mir ja so gut gefallen wie dir. Mal schauen, ich hab ja vorerst noch genug Bücher auf meinem SuB!

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  8. Das hört sich toll an, ich hatte das Buch schon diese Tage ins "Auge" gefaßt. Mal schauen - bei dem unendlichen SuB bei mir.... Und da es mir bei dir gefallen hat, verfolge ich die über GF
    LG HANNE

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  9. @Hanne, ja das mit dem SuB Aufbau ist wirklich eine never ending story *grins*. Schön, dass es dir bei mir gefällt ;-)
    LG,
    Damaris

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