Freitag, 28. April 2017

"Schattenkrone: Royal Blood" von Eleanor Herman



Das Thema
Stell dir eine Zeit vor, in der die Menschen den Göttern gleichgültig sind, und das Böse an den Rändern der Welt erwacht ...
Alex ist kurz davor, für immer aus dem Schatten seines mächtigen Vaters zu treten und der größte Heerführer aller Zeiten zu werden.
Seine Verbündete Kat hat einen Plan, von dem Alex niemals erfahren darf. Die beiden verbindet weit mehr als sie ahnen.
Wem kannst du trauen?
Und was ist am Ende stärker?
Das Schicksal?
Magie?
Oder deine Feinde?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER FJB


Manchmal bringt es nichts, dem, was du dir wünschst, nachzujagen. Nein. Manchmal musst du warten, solange es auch dauern mag, bis das, was du dir am meisten wünschst, zu dir kommt. - S. 69


Das Leseerlebnis
Historische Fantasy lese ich gerade total gerne. Geschichte, kombiniert mit Fantasy, ist meist ein eindrückliches Lesen, auch wenn beim Leser oft etwas Durchhaltevermögen und Schmökerlust vorhanden sein muss. Erfahrungsgemäß sind diese Geschichten umfangreich. "Schattenkrone" hatte sofort mein Interesse, denn hier thematisiert Eleanor Herman ein Ausschnitt aus dem Leben von Alexander dem Großen und mixt zudem noch etwas (Götter)-Magie hinein. Das klingt doch super ... und ebenso liest es sich auch!

Die Geschichte beginnt aber nicht unmittelbar mit Alex, wie Alexander hier meist genannt wird, sondern mit einem Mädchen, nämlich Kat. Sie wird im Buch noch eine tragende Rolle bekommen, so wie alle Charaktere, denen die Autorin eine eigene Sicht widmet. Und das sind viele! So erschien es mir zumindest am Anfang, denn jedes neue Kapitel wird aus der Sicht eines anderen (Haupt)-Charakters erzählt, und anfangs haben einige davon auch nichts mit einander zu tun. Ich hatte zwar keine Verständnisschwierigkeiten, einlese musste ich mich aber doch. Ich musste mir einen Überblick verschaffen und Zusammenhänge erkennen. Denn wenn sich dann einige Handlungsstränge verknüpfen, beginnt das Buch richtig spannend zu werden.
Diese Erzählform hat also durchaus ihren Reiz. Da einige Charaktere aber nur sehr kurz oder einmalig in Erscheinung treten, bleiben sie dem Leser ferner als andere. Zwar sind die Kapitel meist umfangreich, keine Person bleibt flach, manche empfand ich anfangs jedoch etwas trocken, die Spannung baut sich langsam auf. Ich persönlich hätte manchmal gerne länger bei einer bestimmten Person verweilt, bevor wieder eine andere Sichtweise ins Spiel kam.

Betrachtet man alleine die Seite von Prinz Alexander, dann geht es hier konkret darum, dass er mit nur sechzehn Jahren von seinem Vater als Regent eingesetzt wird. Das ist für den jungen Alex natürlich eine große Herausforderung. Die Bedrohung seitens der umliegenden Länder wächst, und auch im eigenen Reich gibt es Intrigen und Machtspiele. Mit jedem Akt, es gibt im Buch fünf davon, wird die Handlung spannender und zieht auf eine fast schon konstante Art mehr und mehr in ihren Bann. Es deutet alles auf eine großen Konflikt am Ende des Buches hin.
Auch die Geschichten, die um Alex herum passieren, nehmen für sich ein. Einige haben direkt mit ihm zu tun, andere stehen (noch) für sich allein. Über allem liegt das Flair der Antike Griechenlands und des Persischen Reichs, ebenso eine magische Komponente, die immer spürbar ist, sich jedoch nicht in den Vordergrund drängt.
Am Ende werden einige Rätsel gelöst, andere Charaktere stecken aber noch mitten in der (teils sehr packenden) Handlung fest. Ich war so versunken, dass ich gerne sofort weitergelesen hätte. Band 2 "Göttertochter" erscheint zum Glück fast unmittelbar.

Das Fazit
"Schattenkrone" ist der erste Band der Royal Blood-Reihe, und auch hier funktioniert er wieder, der abenteuerliche Mix aus Historie und Fantasy - oder besser, Antike und Magie. Die Charaktere sind greifbar, auch wenn sie manchmal recht kurz in Erscheinung treten. Das Buch benötigt eine Weile, bis es seine Wirkung entfaltet, denn die Autorin bedient sich hier mehrerer Einzelgeschichten, die aber alle direkt und indirekt miteinander zu tun haben. Danach steckt man aber tief in der Geschichte, die mit jedem Akt spannender wird. Am Ende möchte man sofort weiterlesen. 4 von 5 Sterne vergebe ich dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER FJB (Februar 2017) - Band 1/3 - Hardcover mit Schutzumschlag, 592 Seiten - 19,99 € [D]
Originaltitel: Legacy of Kings - Übersetzt von Anna Julia und Christine Strüh - ab 14 Jahren



Reiheninfo Royal Blood-Trilogie:

Band 1 - Schattenkrone
Band 2 - Göttertochter
Band 3 - ET auf Englisch, Sommer 2017

Mittwoch, 26. April 2017

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Mai 2017

Eigentlich hätte ich es momentan gar nicht nötig, dass ich die Verlagsseiten nach Neuerscheinungen durchstöbere. Lesestoff habe ich nämlich mehr als genug. Allerdings weiß ich von keinem passionierten Leser, dem es anders ergeht oder der sich bei Neuerscheinungen grundsätzlich zurückhalten kann. Darum habe ich mich schlau gemacht, welche Bücher im Mai auf den Markt kommen. Neun davon wandern auf meine Wunschliste.


Fantasy - (Sommer)-Liebesgeschichte - Spannung

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Stadt der tanzenden Schatten von Daniel José Older ... fasziniert mich schon wegen des Covers. Ein Urban Fantasy-Roman, der sehr rätselhaft und atmosphärisch sein soll. Klingt für mich originell und auch etwas gruselig. - Sierra freut sich auf New York und ihr erstes großes Kunstprojekt, ein Drachen-Wandbild. Doch plötzlich stolpert auf einer Party ein Toter auf sie zu und eines der Portraits auf einer Mauer weint echte Tränen.
Stormheart: Die Rebellin von Cora Carmack ... Die Autorin schreibt meines Wissens eher New Adult, was mich persönlich etwas kritisch macht. Viele Englischleser sind vom Fantasy-Jugendbuch und Trilogiestart jedoch begeistert. - Aurora soll ihr Volk vor zerstörerischen Stürmen schützen. Doch ihr fehlt die Fähigkeit dazu. Bevor sie verheiratet werden soll, flieht sie aus dem Palast und schließt sich eine Gruppe Sturmjäger an.
Das Herz des Verräters: Die Chroniken der Verbliebenen von Mary E. Pearson ... ist Band 2 der sehr gehypten Tetralogie. Gehypt heißt aber nicht automatisch schlecht, denn Band 1 war für mich sehr schmökerig-gut. An dieser Reihe muss ich dranbleiben, ich will wissen, wie es mit Lia, Prinz & Attentäter weitergeht.


   

Kill Baxter: Showdown in Capetown von Charlie Human ... ist der zweite Band der Apocalypse Now Now-Dilogie. Die Geschichte ist  so verrückt und strange und anderes, dass die Filmrechte schon vergeben sind. Band 1 hatte für mich zwar ein paar Schwächen, aber ich will unbedingt wissen, wie es in Südafrika mit Baxter weitergeht.
Lemon Summer von Kody Keplinger ... klingt für mich wild und sommerlich und gut. - Whitley verbringt die Sommerferien immer bei ihrem Dad. Doch das ist diesmal der größte Albtraum. Ihr Vater hat eine neue Verlobte, deren Sohn sich ausgerechnet als Whitleys One-Night-Stand entpuppt. Da hilft nur Party bis zum Umfallen. Dabei übersieht Whitley fast die wirklich wichtigen Dinge.
Einzig von Kathrin Evans ... hat für mich etwas sehr Gruseliges, aber auch ein Thema, dass ich in der Form noch nicht gelesen habe. - Die 16-jährige Teva hat nur 356 Tage Zeit ihr Leben zu leben. Danach wird sie zu Hause weggesperrt, zu ihren jüngeren Ichs, und eine neue Teva übernimmt für ein Jahr ihr Leben. Doch Teva will ihr Leben nicht aufgeben.


  

Dear Summer von Ruby Baker ... ist eine neue E-Book-Kurzgeschichtenreihe, bestehend aus 6 Bänden (mit je etwa 50 Seiten, Band 1 bis dato gratis, alle weiteren Bände für 0,99 €). Band 1-3 habe ich bereits gelesen und fand sie jugendlich-sommerlich, etwas offensiver aber noch weit entfernt von New Adult. Es geht um Polly, die seit kurzem mit Adrian zusammen ist. Doch plötzlich steht Vic vor ihr, ihr bester Freund aus Kindertagen - heißer wie sie es jemals für möglich gehalten hätte. - Band 4-6 habe ich bereits vorbestellt, denn hinter dem Pseudonym Ruby Baker verbirgt sich eine meiner Lieblingsautorinnen, nämlich Patrycja Spychalski (z.B. "Bevor die Nacht geht"). 


Auf die Wunschliste!
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Dienstag, 25. April 2017

"Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden" von Emily Barr



Das Thema
Flora Banks Leben ist wie ein tausendteiliges Puzzle in allen Farben des Regenbogens. Jeden Tag muss sie es erneut zusammensetzen. Sie muss sich daran erinnern, wer sie ist und was los ist. Manchmal stündlich. Nichts, was seit ihrem 10. Geburtstag passiert ist, bleibt ihr im Gedächtnis. Doch auf einmal ist da diese eine Erinnerung in ihrem Kopf. Und sie bleibt, verschwindet nicht wie die anderen Details aus ihrem Leben. Es ist die Erinnerung daran, wie sie nachts am Strand einen Jungen geküsst hat. Bewaffnet mit Handy, Briefen von ihrem Bruder aus Paris, einem prallgefüllten Notizbuch und tausenden von Zettelchen macht sich Flora Banks auf eine Reise, die sie letztendlich zu sich selbst führt. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben kann sie jetzt entscheiden, wer sie wirklich sein will.

© Inhalt-, Cover- und Zitatrecht: FISCHER FJB


Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. [...] Wenn ich keine Tasche habe, habe ich auch kein Geld. Ich habe kein Handy. Ich habe keinen Schlüssel. Ich habe keine Bücher. Ich habe keine Ahnung, wer ich bin oder was ich mache, und niemand wird mir helfen können.
Ich habe Drake geküsst. Das ist die einzige Tatsache, die ich habe. Auf der Welt gibt es nichts anderes.
- S. 184


Das Leseerlebnis
"Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden" reizte mich aufgrund des Themas. Wir alle kennen die Situation: Ich möchte etwas aus einem Raum, Schrank, Keller, etc. holen, komme dort an und habe glatt vergessen, was ich eigentlich wollte. Nun gut, es fällt mir dann schon wieder ein, und im Zweifelsfall laufe ich eben doppelt. Bei Flora Banks ist dies Dauerzustand, nun noch viel schlimmer. Denn Flora behält seit ihrem zehnten Lebensjahr keine Erinnerungen mehr im Kopf. Erlebnisse, Personen, Dinge vergisst sie nach ein paar Stunden wieder. Wie kann man so im Leben zurechtkommen? Damit hatte mich das Buch schon, und nach einem spannenden Prolog, der viele Fragen aufwirft, landet man auch schon mitten in der Geschichte.

Nach den ersten Seiten fand ich mich direkt in Floras Leben wieder. Ich war völlig baff wie die Autorin es schafft, einen so deutlichen Einblick in Floras Inneres, bzw. ihre Art zu denken, zu geben. Der Stil ist sehr einfach gehalten, und mit den kurzen Sätzen und fortlaufenden Wiederholungen manchmal auch anstrengend. Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Nicht, weil ich es nicht verstand, sondern weil sich meine Gedanken immer zwischen der Handlung und mich-in-Flora-hineinversetzen bewegten. Es muss so hart sein, Dinge fortlaufend zu vergessen. Sogar elementare Dinge ("Ich bin siebzehn.") entfallen ihr. Flora meistert ihren Alltag mit ihrer Familie und ihrer besten Freundin. Und indem sie Wichtiges auf ihre Arme/Hände schreibt und Elementares in Notizbüchern festhält.
Dass sie den Kuss mit Drake im Kopf behält, fand ich bemerkenswert, bildete mir aber sofort eine (negative) Meinung über den Jungen und war gespannt, wie sich dieses Sache entwickeln würde. Denn dieser Kuss ist es, der Flora dazu veranlasst, Drake zu suchen. Sie begibt sich auf eine Reise, die ihr Zustand im Grunde gar nicht zulässt - dachte ich.

Es passiert so viel. Und man ist wirklich hautnah mit dabei, wenn Flora Fortschritte macht und Positives erlebt. Man erlebt sie aber auch in Momenten der Rückschläge und Verzweiflung. Es gibt ein paar Verhaltensweisen von ihr, die ich als nicht ganz logisch empfand. Gegen Ende spitzt sich die Situation sehr zu, die Autorin entfesselt hier ein ganz schönes Verwirrspiel. Das ist mitreißend aber auch traurig-dramatisch.

Und gerade als ich meinte, Flora hätte die Geschichte überstanden, sie würde sich langsam dem Ende zuneigen, kamen Dinge ans Licht, die mir ganz schön den Boden unter den Füßen wegzogen. Das war keinesfalls schlecht und sehr spannend, aber auch etwas too much. Ich bin zwiegespalten, obwohl mir jetzt, mit etwas Abstand, die Geschichte doch gut gefällt. Ich habe mich für Flora gefreut und war gleichzeitig sehr betroffen. Am Ende, nachdem man das Buch zur Seite legt, ist man tatsächlich mit allen Ungereimtheiten versöhnt. Jetzt muss man damit klarkommen, dass man Floras Zukunft nicht mehr beobachten kann. Ein sehr außergewöhnliches Buch!

Das Fazit
"Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden" ist ein wirklich ungewöhnliches, besonderes Buch über ein Schicksal, ein Leben. Es ist kein heiter-fluffiger Jugendroman, sondern ein tiefsinniges Buch über eine Protagonistin, die, ganz einfach ausgedrückt, für ihr selbstbestimmtes Leben kämpft - auf ihre Art. Der Stil hat es in sich, er schafft einen Einblick in Floras Gedanken, wie man ihn selten findet. Floras Geschichte ließ mich schmunzeln, die Stirn runzeln, hat mich vereinnahmt und auch bestürzt. Sei mutig, wie Flora, lass dich berühren und lies dieses Buch!


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER FJB (März 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten - 16,99 € [D]
Originaltitel: The One Memory of Flora Banks - Übersetzt von Maria Poets - ab 14 Jahren