Montag, 29. Mai 2017

"Nova und Avon: Mein böser, böser Zwilling von Tanja Voosen



Das Thema
Nova ist sprachlos. Sie glaubt nicht an Magie. Doch seit sie auf dem Jahrmarkt von einer Wahrsagerin verhext wurde, ist da plötzlich diese Doppelgängerin: Avon. Eine hinterhältige Nova-Kopie, die sich bei Novas Eltern einschleimt, die dem süßesten Typen der Schule peinliche Sachen sagt und Novas Wellensittich ärgert.
Schnell wird klar: Nova muss ihren bösen Zwilling wieder loswerden. Sie muss mutig sein und über ihren Schatten springen. Vor allem aber braucht sie eine gute Freundin – am besten mit magischen Fähigkeiten. Denn gegen so viel schwarze Magie hilft nur eines: noch mehr Magie ...

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: Carlsen Verlag


Sie knallte die Tür hinter sich zu, und kaum war sie allein, passierte es.
Avon kehrte zurück. Zuerst war da ein leichtes Flimmern, dann zeichneten sich Umrisse ab und  - plopp! - gab es Nova Stark doppelt. Die perfekte Doppelgängerin in Sportbekleidung.
"Nein, nein, nein", murmelte Nova.
"Doch, doch, doch", sagte Avon.
- S. 174


Das Leseerlebnis
Nova und Avon ist eine neue Buchreihe von Tanja Voosen. Sie zählt noch zu den Kinderbüchern, ist aber von der Altersempfehlung irgendwo zwischen Kinder- und Jugendbüchern angesiedelt. Da wurde ich sofort aufmerksam. Denn diese Bücher haben oft einen ganz eigenen Charme und sorgen für viele spannende und humorvolle Lesestunden. Der erste Band der Reihe, "Mein böser, böser Zwilling", erfüllt diese Erwartungen fast vollständig. Das Buch ist spannend und steckt voller Magie, ist aber weniger humorvoll als von mir erwartet. Dafür geht es stellenweise ganz schön zur Sache.

Die 13-jährige Nova Stark ist ein kleiner Tollpatsch, und das weiß sie auch. Ihr größter Wunsch ist es, normal zu sein. Aber sie kann einfach nicht aus ihrer Haut. Unfreiwillig stolpert sie von einer dummen Situation in die nächste, und ist dadurch dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt. Sie bemüht sich, dazuzugehören, hat aber keine Freunde (außer ihren Wellensittich Wally, und der zählt ja nicht). Für mich war Nova ein richtig süßes Mädchen. Und gerade wegen ihrer Tollpatschigkeit, und den Situationen, die sich daraus ergaben, tat sie mir sehr leid. Anfangs zeigt die Handlung meist denselben Ablauf: Nova passiert ein Missgeschick, daraufhin wird sie vom Schulsternchen oder ihren Freundinnen lächerlich gemacht. Das war mir fast zu viel des Guten, zu pessimistisch, und auch nicht sehr abwechslungsreich.
Die Geschichte wird deutlich heiterer, als sich Nova mit Fee anfreundet. Beide Mädchen profitieren von der Freundschaft. Ihre Kommunikation ist lustig, voller Situationskomik und speziell-kreativer Momente. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Ich fragte mich mehrfach, wann wohl Avon, Novas böse Zwillingsschwester, ihren Auftritt hat. Sie erscheint recht spät auf der Bildfläche und sorgt in Novas Leben für noch mehr Tumulte und Missgeschicke. Der Ansatz im Buch ist keine Verbrüderung, bzw. Verschwesterung der beiden Zwillinge, in der z.B. eine der anderen gegen die vielen Schikanen hilft. Avon ist - wie schon im Buchtitel erkennbar - richtig böse und gemein. Sie tut alles, um Nova zu verdängen und zu schikanieren. Hier wird es manchmal sehr nervenaufreibend und düster. Zum Glück entwickelt Nova im entscheidenden Moment eine ungeahnte Stärke, und die Geschichte wird für diesen Band positiv abgeschlossen. Für die angegebene Altersempfehlung empfinde ich das als gut und wichtig.

Das Fazit
"Nova und Avon: Mein böser, böser Zwilling" ist nicht nur äußerlich eine Augenweide, das Thema ist so spannend, dass die Erwartungen hoch sind und man völlig im Buch versinken möchte. Und spannend wird es! Und magisch. Und lustig. Und verflucht-turbulent. Das Buch hat einen positiven Schluss, was ich unbedingt hervorheben möchte. Denn ich persönlich hätte mir für diese Altersempfehlung weniger pessimistische Tollpatschigkeit gewünscht und schon während der Handlung mehr Optimismus bevorzugt. Unterhaltsam war es natürlich dennoch. 3,5 von 5 Sterne vergebe ich dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Carlsen Verlag (März 2017) - Band 1 - Hardcover, 304 Seiten - 11,99 € [D]
Illustrationen von Petra Hämmerleinova - ab 11 Jahren

Freitag, 26. Mai 2017

"Ein bisschen wie Unendlichkeit" von Harriet Reuter Hapgood



Das Thema
Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären.
Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben - bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: FISCHER KJB


Ohne ihm weiter zuzuhören, verlasse ich die Küche. Ich habe die Schere gefunden und schlage mich, wild auf die Sträucher einhackend, durch den nassen Garten zu meinem Zimmer durch. Ich will alles Los sein: Haare, Party, Garten, Jason, Wurmlöcher, Zeit, Tagebücher. Tod - besonders den Tod, ich habe lebenslang genug davon. - S. 184


Das Leseerlebnis
Völlig unvoreingenommen habe ich "Ein bisschen wie Unendlichkeit" gelesen, hatte aber immer im Hinterkopf, dass das Jugendbuch etwas außergewöhnlich sein soll und Details der Physik/Mathematik und des Universums thematisiert. Für mich klang das sehr ambitioniert ... und ich fand es toll! Das Buch ist klasse geschrieben, für ein Debüt grandios. Und gerade das Zusammenspiel von Schmerzverarbeitung mit einer jugendlichen Liebesgeschichte wurde hier wunderbar umgesetzt.

Gottie ist ein Genie - ein Mathe- und Physikgenie. Alles, was mit Zahlen, Statistiken und Berechnungen zu tun hat, fällt ihr leicht. Leider kann man das eigene Leben nicht berechnen, und Gotties derzeitiges Leben ist voller Schmerz. Sie ist ohne Mutter aufgewachsen, hat das Gefühl, sich zu Hause um alles kümmern zu müssen, weil ihr Papa meist gedanklich abwesend ist und ihr Bruder sein Ding durchzieht und in den Tag hineinlebt. Dann trauert sie ihrem Exfreund nach, und seit ihr Großvater Grey vor fast einem Jahr gestorben ist, ist für Gottie nichts mehr wie es war.

Der Schmerz, mit dem Gottie lebt, war für mich sofort spürbar, aber, und das fand ich super, nur zwischen den Zeilen. Oberflächlich gesehen, verhält sich Gottie recht normal. Ein bisschen nerdig zwar, aber nicht verschlossen oder depressiv. Trotzdem schottet sie sich von Freunden und Familie ab und lebt in ihrer eigenen Welt. In dieser wird sie immer wieder in sogenannte Wurmlöcher hineingezogen und erlebt Passagen aus der Vergangenheit nochmals oder ihr aktuelles Leben in einer (eher mehreren) Parallelwelt(en). Zuerst ging ich davon aus, dass diese Wurmlöcher Gotties Kopf entspringen, eine Art Ventil sind, um mit dem Schmerz fertigzuwerden. Aber ganz so einfach ist es nicht. Die Wurmlöcher scheinen nicht nur erdacht, sondern echt zu sein. Damit enthält die Geschichte, neben dem eigentlichen Realismus, auch noch eine Portion Science Fiction. Dennoch ist es schwer, sich hier festzulegen. Für die Handlung und Entwicklung von Gottie sind die Erlebnisse in den Parallelwelten auf jeden Fall wichtig und zielführend. Das ist es auch, was den Roman zuweilen etwas "schwierig", nicht ganz einfach zu lesen, macht.

Eine große Rolle in Gotties Leben spielt Thomas, ihr ehemals bester Freund aus Kindertagen. Und Gottie ist überhaupt nicht begeistert, als er den Sommer bei ihrer Familie verbringt. Thomas ist so anders als früher und gibt Gottie dennoch ein Gefühl von Vertrautheit und Ankommen. Einfach wird es zwischen den beiden nicht, aber sehr realistisch und wirklich süß.
Wenn man sich auf dieses besondere Jugendbuch einlässt, und bereit ist, Gottie in ihrem ereignisreich-charmant-unendlichen Sommer zu begleiten, bekommt man ein ausgezeichnete Geschichte serviert. Sie ist konfliktreich, hat aber dennoch Wohlfühlcharakter. Es lohnt sich, sie auszuprobieren.

Das Fazit
"Ein bisschen wie Unendlichkeit" ist ein ganz feines Jugendbuch, das nicht immer einfach zu lesen ist, von dem ich aber völlig hingerissen war. Es ist ein Buch über Gottie, ein Mädchen mit einem tiefsitzenden Schmerz, das diesen jedoch zu akzeptieren lernt, um die Schönheiten des Lebens zu genießen. Wunderbare schrullig-einzigartige Charaktere und ein Thema, bei dem man trotz Sci-Fi-Elementen unbedingt mitfühlen wird, sind für ein ganz besonderes Leseerlebnis verantwortlich. Das Buch ist definitiv fast ein bisschen perfekt!


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


FISCHER KJB (Februar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten - 16,99€ [D]
Originaltitel: The Square Root of Summer - Übersetzt von Susanne Hornfeck - ab 14 Jahren

Montag, 22. Mai 2017

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juni 2017

Die Leipziger Buchmesse gibt das Startsignal für das Herbst-/Winterprogramm der Verlagswelt. Die meisten Verlage habe ihres bereits veröffentlicht, und so beginnt für mich das große Stöbern für die zweite Jahreshälfte. Zuvor scheint der Juni mir aber noch eine kleine Ruhepause zu gönnen. Gut so, denn ungelesene Bücher habe ich viele. Sechs Juni-Neuerscheinungen wandern trotzdem auf meine Wunschliste.


(High) Fantasy - Dystopie - Liebe - Spannung

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Die Königin der Schatten: Verbannt von Erika Johansen ... ist der Abschlussband über Kelsea Glynn, die Herrscherin von Tearling, die sich nun in der Hand ihrer größten Feindin befindet. Die High-Fantasy-Geschichte mit dystopischen Wurzeln ist wirklich großartig, Band 3 darum auch ein Muss!
Glücksspuren im Sand von Rachel Bateman ... klingt wie eine schöne und ergreifende Sommergeschichte. - Anna findet eine Liste ihrer verstorbenen Schwester Storm, mit Dingen, die sie in einem perfekten Sommer unbedingt tun soll. Immer dabei ist Cameron, der Nachbarsjunge, und ehemals bester Freund von Storm. Ist er der Schlüssel zu Annas neuem Glück?
Die Seele meiner Schwester von Trisha Leaver ... Ich habe den Eindruck, dass Bücher über Schwestern immer wieder gut ankommen und sich jenseits jedem Trend positionieren. Auch ich mag diese Geschichten sehr. - Die Zwillinge Ella und Maddy sind äußerlich völlig gleich, innerlich aber grundverschieden. Nach einem Streit ereignet sich ein tragischer Unfall, Maddy stirbt. Ella erwacht im Krankenhaus und wird von allen für Maddy gehalten. Um niemanden zu enttäuschen, nimmt sie deren Identität an.


  

Nemesis: Geliebter Feind von Anna Banks ... ist der Starttitel einer romantischen Fantasy-Dilogie. Es geht um Prinzessin Sepora, die auf der Flucht ist, weil ihr Vater, mithilfe ihrer einzigartigen Gabe, der Alleinherrscher über alle Königreiche sein will. Sie gibt sich als Dienerin an einem feindlichen Königshof aus ... und verliebt sich in den jungen König Tarik. Kling gut!
Sakura: Die Vollkommenen von Kim Kestner ... erschien bereits als Digi:tales-E-Book und ist im Juni nun auch als Hardcover verfügbar. - Juri will die dunkle Höhle, in der sie ihre Leben lang hausen musste, um jeden Preis verlassen. Als der Kaiser zur "Blüte" aufruft, schmuggelt sie sich, als Junge verkleidet, und obwohl sie nicht makellos genug für eine Teilnahme ist, unter die Probanden. Doch der Sohn des Kaisers wird auf sie aufmerksam.
Was andere Menschen Liebe nennen von Andrea Cremer und David Levithan ... interessiert mich, alleine weil David Levithan auf dem Cover steht. - Der 16-jährige Steven ist seit Geburt unsichtbar, weil ein Fluch auf ihm lastet. Er lebt ganz alleine in einem Hochhaus in New York City. Plötzlich zieht dort Elizabeth mit ihrer Familie ein, und es passiert etwas unglaubliches. Elizabeth kann ihn sehen.


Auf die Wunschliste!
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