Dienstag, 21. März 2017

"Angelfall: Tage der Dunkelheit" von Susan Ee



Das Thema
Die Rebellen haben den Engelshorst angegriffen, er wunde vollständig zerstört. Zwar befinden sich die Menschen im Krieg mit den Engeln, doch diese verfolgen eigene Pläne, die noch nicht komplett durchschaubar sind. Da Raffe davon ausgeht, dass Penryn tot ist, ist er nun alleine auf der Suche nach seinen gestohlenen Flügen.
Doch Penryn ist nicht tot. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Paige ist sie auf einem Stützpunkt der Rebellen untergekommen. Dort ist es nicht sicher. Die Menschen sind der entstellten Paige gegenüber misstrauisch, und es erfolgen Angriffe seitens Engeln oder ihren gezüchteten Monstern. Bei einem dieser Angriffe verschwindet Paige erneut. Penryn sucht ihre Schwester - unter ständiger Lebensgefahr.

© Cover- und Zitatrechte: Heyne Verlag


Ich halte in der Menge hinter Beliel nach Raffe Ausschau, doch ich kann ihn nirgendwo entdecken.
Ehrlich gesagt bin ich so enttäuscht, dass ich am liebsten losheulen würde.
Ich muss von hier verschwinden.
Alleine.
Alle sind abgelenkt. Das ist gut.
Überall laufen blutrünstige Engel herum. Das ist schlecht.
Weiter schafft es mein vor Entsetzen gelähmtes Gehirn einfach nicht.
- S. 334/335


Das Leseerlebnis
Ich bin ein riesengroßer Fan des ersten Bandes der Angelfall-Trilogie. "Angelfall - Nacht ohne Morgen" ist bis dato das einzige Buch, das ich auf Englisch und nach dem Erscheinen hierzulande bereits zwei Mal auf Deutsch gelesen habe. Es hat mich völlig gebannt, ist nervenaufreibend und sehr krass, aber auch humorvoll und megacool. Ein Lieblingsbuch! Und nun, endlich, ging es mit Teil 2 "Angelfall - Tage der Dunkelheit" weiter. Diese kribbelige Vorfreude war sofort wieder da, dieser Drang lesen zu müssen! Und so waren auch ruckzuck die ersten 200 Seiten verschlungen.

Die Geschichte geht nahtlos vom Vorgängerband weiter. Kleinigkeiten werden von der Autorin wiederholt, ohne das es zu viel wird (bis auf die Schwert-Ausnahme, dazu komme ich gleich). So hat man im Prinzip keine Schwierigkeiten der Geschichte zu folgen, denn das Buch liest sich super. Ein bisschen wie nach Hause kommen ... und so soll das bei Reihentiteln ja auch sein. Ich war selbst überrascht, wie schnell und aufmerksam ich vorankam.
Penryn, eine wirklich taffe Kick-ass-Heldin, hat es wieder faustdick hinter den Ohren. Ihre Priorität gilt dem Schutz ihrer Familie, auch wenn sie Engel Raffe vermisst, der alleine auf der Suche nach seinen Flügeln ist. Gleichzeitig fürchtet sich Penryn aber vor ihrer entstellten und veränderten Schwester Paige und auch etwas vor der geisteskranken Mutter. Dennoch möchte sie die Familienbande aufrecht erhalten. Das zeigt eine fürsorgliche, weiche Seite an ihr, die ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Härte steht.

Aber mit fortschreitender Handlung wurden Dinge zu Störfaktoren, die ich vorher vielleicht mit einem Schulterzucken abgetan hätte. Das klingt jetzt hart, denn Buch begann seinen Zauber, und damit mich als Fangirl, zu verlieren.
Zuallererst fehlt Raffe! Die Geschichte IST die Kombination der beiden Hauptcharaktere Penryn und Raffe. Dass einer der beiden auch mal abwesend sein kann, ist legitim, hier hat es aber nicht gut funktioniert oder war nicht gut ausgearbeitet. Da nur Penryn erzählt, wirkt die Handlung eingleisig. Ab und zu sieht man Raffe zwar auf einem Computermonitor einer Überwachungskamera oder Penryn beobachtet ihn irgendwo, aber er bleibt dem Leser fern, als wäre er für die Handlung fast schon irrelevant. Stattdessen erinnert sich Raffes Schwert, das in Penryns Besitz ist, an alte Situationen mit ihm und übermittelt diese Penryn in ihren Träumen. Das war für mich langweilig und völlig unnötig für die Handlung. Sollte so Raffes Abwesenheit ausgeglichen werden? 
Die Angelfall-Bücher sind gewalttätig, dass sollte nach dem ersten Band klar sein. War ich damals noch geschockt und gebannt, wirkt die Gewalt in "Tage der Dunkelheit" eher abgeklärt und verpuffend. Außerdem fielen mir einige Situationen auf, die einfach nur sinnlos waren und jeder Logik entbehrten. So freut sich zum Beispiel Penryn, dass bei einem Polizeiwagen, in dem sie über Nacht gefangen ist, das Blaulicht ausgeschaltet ist. Der Wagen ist nur Mittel zum Zweck, der parkt da verlassen am Straßenrand. Nach dem Zusammenbruch der Welt gibt es keine Polizei mehr. Warum sollte da das Blaulicht eingeschaltet sein? Oder sie selbst vermöbelt einen Mitgefangenen mit aller Härte, zuckt aber voller Mitgefühl zusammen, als drei Sätze weiter ein Wärter ihn ebenfalls schlägt. 
Dass sich das Buch von apokalyptischer Engelsfantasy zu vordergründiger Monsterfantasy entwickelt, mag Geschmacksache sein. Aber gerade für einen Mittelband hätte ich mir mehr Überblick und Antworten gewünscht. Warum das Ganze? Was haben die Engel und sonstigen Bösewichte genau vor? Was ist mit den Skorpionengeln, und warum werden diese auf einmal Heuschrecken genannt? Es gab ein paar Informationen, aber nur sehr vage oder nicht klar umrissen.

Das war jetzt ein großer Abschnitt mit Kritik, und so gerne ich sie mir schönreden möchte, ich kann nicht davon abrücken. Erst nachdem Penryn und Raffe (fast am Ende des Buches) wieder aufeinandertreffen, blitzt etwas der alten Stärke der Geschichte durch. Da ist sie wieder, die Coolness, der sarkastische Humor und die gegenseitige Anziehung des ungleichen Duos, das für den ganz besonderen Kick der Reihe sorgt. Eine Weile darf mit beiden in einem spannenden Finale verweilen, bevor die Geschichte in eine neue Richtung geführt wird und relativ offen endet. Der Abschlussband wird (hoffentlich) Klärung bringen. Ich hätte noch so viele Fragen!

Das Fazit
"Angelfall: Tage der Dunkelheit" liest sich fast schon süffig und viel zu schnell weg. Darum bleibe ich auch an der Reihe dran. Persönlich bin ich jedoch enttäuscht. Eine Story, die von Lieblingsbuchstatus auf Mittelfeld rutscht, ist für mich bitter. Die Geschichte entwickelt hier aber einfach nicht mehr die Klasse und Atmosphäre des Vorgängers. Die Handlung ist vage und abgeklärt, manchmal unlogisch, und geht in eine komische Richtung mit teils unnötigen Passagen. Leider erreichen auch die Charaktere nicht die Stärke, die sie gemeinsam, als Duo, haben. Es bleibt die Hoffnung auf den Abschlussband. Für mich reicht es nur für 3 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Heyne Verlag (Januar 2017) - Band 2/3 - Taschenbuch, 448 Seiten - 9,99 € [D]
Originaltitel: World After - Übersetzt von Sonja Rebernik-Heidegger



Reiheninfo Angelfall-Trilogie:

Band 2 - Tage der Dunkelheit
Band 3 - ?

Donnerstag, 16. März 2017

"Das dunkle Herz des Waldes" von Naomi Novik



Das Thema
Agnieszka lebt im Tal und sie liebt es. Sie mag das einfache, beschauliche Leben im Dorf, die Verbundenheit mit Familie und Nachbarn. Gäbe es da nicht den Dunklen Wald, in dem das Böse zu Hause ist, der seine Schatten immer weiter nach dem Tal ausstreckt und es zu verschlingen droht.
Nur der Drache, ein Zauberer, kann mit seiner Macht das Tal beschützen und den Dunklen Wald unter Kontrolle halten. Dafür wählt er sich ein Mädchen aus dem Tal aus, das ihm zehn Jahre lang dienen muss, danach seiner Familie für immer entfremdet ist. Die Wahl naht und alle sind sich sicher, dass der Drache Kasia wählt, Agnieszkas beste Freundin und das schönste Mädchen weit und breit. Doch als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia. Er wählt Anieszka.

© Cover- und Zitatrechte: cbj Verlag


Es stimmt nicht, dass der Drache die Mädchen, die er sich holt, verspeist. [...] Er mag ein Magier und unsterblich sein, aber er ist und bleibt ein Mann. Abgesehen davon würden sich unsere Väter zusammentun und ihn töten, wenn er alle zehn Jahre eine von uns verschlingen würde. Er verteidigt uns gegen den Dunklen Wald und wir sind ihm dankbar dafür - aber so dankbar nun auch wieder nicht. - S. 5


Das Leseerlebnis
"Das dunkle Herz des Waldes" war wieder so ein Buch, das durch sein fantastisches Cover meine Aufmerksamkeit erregte. Das ganze Buch wirkt gigantisch. Optisch und durch seinen Umfang. Im Nachhinein passt das hervorragend zur Geschichte. Auch die Beschreibung der Fantasygeschichte sprach mich an, obwohl ich mir nichts Konkretes darunter vorstellen konnte. Ein Drache (der eigentlich kein Drache ist, sondern ein Mann), der sich alle paar Jahre ein Mädchen aus dem Tal holt? Und warum nochmal genau? Und das war auch gut so, denn ich wurde von der Geschichte tatsächlich überrascht.

Die Idee des Buches hatte mich sofort in ihrem Bann und ich war ab Beginn von der Geschichte angetan. Der Dunkle Wald bedroht die Dörfer des Tals und damit alle Menschen, die dort leben. Er breitet sich nicht nur immer weiter aus, droht somit das Tal zu verschlingen, es geht auch etwas Böses im Wald um, eine dunkle Macht. Menschen und Tiere werden mit dem Übel des Waldes befallen, und nicht selten schickt der Wald schreckliche Wesen, die Menschen oder Kinder verschleppen. Einzig der Drache, ein Zauberer, kann die Menschen des Tals beschützen und den Dunklen Wald in Schach halten. Im diese Grundidee strickt die Autorin eine Geschichte, die nicht nur sehr reizender Lesestoff ist, sie ist auch noch völlig unvorhersehbar. Ich wusste wirklich nie, auf was das Ganze hinausläuft und was mich im Laufe der Handlung erwartet.

Erzählt wird die Geschichte ganz linear von Agnieszka, die vom Zauberer-Drachen ausgewählt wird, ihm zu dienen und zu helfen. Das Buch ist sehr hochwertig geschrieben, es ist ausführlich und hat ein düster-magisches Lesefeeling mit einem historischen, altertümlichen Setting. Es gab im Mittelteil eine kleine Durststrecke, die man aber aufgrund des umfangreichen Fantasyschmökers gut verkraften kann. Hier hinein passt die Magie, die in der Geschichte praktiziert wird, natürlich perfekt. Agnieszka entwickelt sich zu einer Zauberschülerin, einer Hexe, wirkt gemeinsam mit dem Drachen durch Zaubersprüche und Tränke, um den Dunklen Wald zu bekämpfen oder Menschen zu helfen. Das ist sehr plausibel und gut vorstellbar. Einzig gegen Ende wurde die magische Komponente etwas abstrakter und war mir persönlich zu viel und zu dick aufgetragen.

Im Gesamtbild ist "Das dunkle Herz des Waldes" völlig stimmig und wird nach einem turbulenten Schluss auf eine gute, runde Art beendet. Nicht zu schnell, sehr passend. Die Geschichte ist abgeschlossen. Am Ende wird man das Buch zufrieden und mit einem guten Gefühl zuklappen.

Das Fazit
"Das dunkle Herz des Waldes" ist für mich eine große Fantasy-Überraschung, die mein Herz nicht dunkel gemacht, dafür umso mehr begeistert hat. Die düster-historische Stimmung, der hochwertige, gut zu lesende Stil und die prägnanten Charaktere sind vom Feinsten. Die völlige Unvorhersehbarkeit der Handlung und die magische Komponente ein Fest für jeden Fantasyleser. Die ein oder andere Länge konnte ich gut so stehen lassen, denn das Buch ist ein Schmöker, in dem man einfach versinken muss. Und wunderbar abgeschlossen noch dazu. Dafür gibt es von mir 4 von 5 Sterne.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


cbj Verlag (November 2016) - Hardcover mit Schutzumschlag, 576 Seiten - 17,99 € [D]
Originaltitel: Uprooted - Übersetzt von Marianne Schmidt - ab 13 Jahren

Mittwoch, 15. März 2017

Dieses Buch bleibt im Regal #30

Eine Aktion von Damaris liest.
Fast alle Büchersüchtigen sammeln ihre Bücher. Die Regale werden voller, der Platz immer weniger. Einige können sich von keinem Buch trennen, andere geben ihre Bücher auch gerne mal weiter. Zu letzterer Sorte gehöre ich. Natürlich gibt es aber Bücher, die für immer in meinem Regal bleiben. Entweder, weil sie echte Herzensbücher sind, und ich sie (theoretisch) auch mehrfach lesen würde, oder, weil sie für mich einen ideellen Wert haben, ich mich darum niemals trennen mag. Eines dieser Bücher möchte ich hier - ein Mal im Monat - vorstellen. Denn sie verdienen eine besondere Beachtung.


Glücksdrachenzeit


"Glücksdrachenzeit" von Katrin Zipse - 16,95 € (HC) - Magellan Verlag

"Glücksdrachenzeit" war das erste Buch, das ich 2014 vom gerade gegründeten Kinder- und Jugendbuchverlag Magellan in den Händen hielt. Es ist nicht nur äußerlich ein Zuckerstückchen, sondern bekam vom mir nach dem Lesen die Bewertung Lieblingsbuch. Meine komplette Meinung findest du hier.

Nellies Ein und Alles ist ihr älterer Bruder Kolja. Als dieser mitten in der Nacht nach Frankreich abhaut, fühlt sich Nellie alleingelassen. Er verlässt die Familie, weil er nicht das Gefühl hat, der Sohn zu sein, den sich die Eltern wünschen. Nellie, die sonst zu Hause keine Bezugsperson hat, beschließt ihrem Bruder nachzureisen.
Sofort fesselte und begeisterte mich die Geschichte durch den sehr speziellen Schreibstil und den Ausdruck der Autorin Katrin Zipse - ich liebe diese Art! Die Geschichte ist eine Mischung aus Roadtrip, Familiengeschichte und Spannung. Wahnsinnig gut, auch das Ende.

Mein Fazit: Ich lese wirklich viel und vieles gefällt mir! Und dann gibt es da noch diese Bücher, die nicht nur äußerlich zucker sind (hey, Rot/Weiß-gepunktet!), sondern deren Inhalt mich so verzückt, dass mein Herz vor Freude hüpft. "Glücksdrachenzeit" hat einen einzigartigen Stil, die Geschichte ein unvergessliche und ergreifende Handschrift. Dieses gewisse Etwas, das dieses Buch erstklassig macht. Am Ende möchte man es, mit der Kenntnis, die man während des Lesens erlangt, sofort noch mal von vorne lesen.






Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet jeweils am 15. des Monats statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse mir hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später (du hast immer einen ganzen Monat Zeit, bevor die nächste Runde startet) - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.