Mittwoch, 22. Mai 2013

Review zu "Du liebst mich nicht" von Edeet Ravel




cbt (Mai 2013),
Taschenbuch, 320 Seiten,
8,99 € [D]
www.cbt-jugendbuch.de


Während eines Sommeraufenthaltes in Griechenland wird die Amerikanerin Chloe gekidnappt. Tag für Tag steht das einst selbstbewusste, lebensfrohe Mädchen nun Todesängste aus. Ihre Hilflosigkeit, die körperlichen Qualen durch einen der Entführer und die Einsamkeit treiben sie an den Rand des Wahnsinns. Zu Hause kämpft man für ihre Freilassung, doch hier gibt es nur einen, auf den sie sich verlassen kann. Nur einen, der ihr Überleben sichert. Einen, den sie wirklich liebt ... ihr Peiniger. (Text-, Cover- und Zitatquelle: cbt Verlag)


Meine Meinung
Das Stockholm-Syndrom definiert ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer ein positives und emotionales Verhältnis zu ihrem Entführer aufbauen. Sie können sich sogar in ihren Geiselnehmer verlieben und mit ihm kooperieren, entwickeln ein ausgeprägtes Abhängigkeitsverhältnis und identifizieren sich mit den Motiven des Täters.
Das ist schon ziemlich harter Tobak, den Edeet Ravel uns hier präsentiert. Denn für Nicht-Betroffene ist der Zustand des Stockholm-Syndroms kaum nachzuvollziehen. Warum sollte ich mich in einen Menschen verlieben, der mich gewaltsam entführt hat, mir vielleicht sogar Böses will? In ihrem Roman möchte die Autorin einen Einblick in die Psyche eines Entführungsopfers geben.

Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt, nicht mehr frei, sondern eingesperrt zu sein. Man verspürt ein gewaltiges, unerträgliches Verlangen hinauszukommen, und je klarer man erkennt, dass es nicht geht, desto stärker wird dieses Verlangen. - Chloe, S. 55

Die Story geht damit los, dass Chloe für die polizeilichen Ermittlungen ihre Erlebnisse, während ihrer Gefangenschaft, haarklein aufschreiben soll. Sie ist somit die Ich-Erzählerin der Geschichte. Ich fand es sehr positiv, dass so schon zu Anfang klar war, wie Chloes Geiselnahme endet. Edeet Ravel konzentriert sich hier also nicht so sehr auf den Umstand, dass Chloe entführt wurde, sondern auf Chloes Gefühle - und darum geht es ja im Roman auch.
Man erfährt, warum Chloe und ihre Freundin in Griechenland an einem Freiwilligenprogramm teilnehmen, ihrer Hintergründe zu Hause und den Tathergang von ihrer Entführung. Chloe wird in ein Versteck außer Landes gebracht, wohin erfährt man nicht, man kann aber eigene Schlüsse ziehen. Alles liest sich sehr echt, obwohl man sich fragt, ob Chloes Gedanken während der Entführung realistisch sind. Immer wieder spielt sie alle möglichen Schreckensszenarien durch (Folter, Tod, sexuell motivierte Entführung, usw.). Ich behaupte an dieser Stelle einfach mal, dass meiner Meinung nach kein Entführungsopfer in den ersten Stunden zu diesen komplexen Gedankengängen fähig wäre. Zu verstörend gestaltet sich die Situation.

Die Gründe von Chloes Entführung werden bald aufgedeckt, sie sind plausibel und nicht abwegig. Auch ihre Lebensumstände während der Geiselnahme sind relativ gut. Sie wird bestens versorgt und bekommt alle möglichen Zusatzwünsche erfüllt. Bald schon verwandeln sich ihre Gedanken an Flucht in Sympathie für den einen Geiselnehmer, den sie immer zu Gesicht bekommt. Besonders nach einem etwas härteren Zwischenfall entwickelt sich zwischen den beiden eine Art Pfleger/Bedürftiger-Verhältnis.
War Chloe mir anfangs noch sehr sympathisch, nimmt dieses Gefühl schnell ab. Als sie ihrem Geiselnehmer (von dem man übrigens nie den Namen erfährt) bald sagt, dass sie ihn liebt, sanken Chloes Sympathiewerte bei mir sofort in den Keller. Wie kann sie nur? Allgemein sind alle ihre Gedanken zum Geiselnehmer wie von einer rosa Wolke umnebelt:

Ich saß auf dem Bett und schaute nach, was für Spiele auf dem Laptop waren: [...] Oh, da war auch ein Programm zum Italienischlernen; ich fand es nett, dass sich mein Geiselnehmer die Mühe gemacht hatte, es zu finden und zu installieren, und eine Woge der Zuneigung und Dankbarkeit überflutetet mich. - Chloe, S. 234

Doch genau das will die Autorin mit der Geschichte erreichen. Sie will darauf hinweisen, dass Chloes Gefühle nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Okay, ihr Geiselnehmer ist zudem noch sympathisch, ruhig, gutaussehend, umsorgend und liebenswert. Das sind alles Attribute, die Chloes Gefühle in ihrer widernatürlichen Situation - der Gefangenschaft - fördern. Ein klassisches Stockholm-Syndrom entwickelt sich. Für nicht betroffene Leser sind Chloes Gedanken und Gefühle allerdings vollkommen unverständlich.
Komischerweise weiß das auch Chloes Geiselnehmer. Er weißt sie mehrmals darauf hin, dass ihre Liebe nur die Folge der Geiselnahme ist. Chloe ist über diese "Unterstellung" sogar regelrecht empört. Für mich war allerdings die Tatsache abwegig, dass Chloes Geiselnehmer sich trotzdem auf sie einlässt und romantische Handlungen zulässt. Er denkt sehr rational und ist sich dessen bewusst, dass Chloe am Stockholm-Syndrom leidet. Und dann sagt er ihr, dass er sie auch liebt?

Das Buch ist zwar abgeschlossen, es endet aber relativ offen. Chloes jetzige Situation und ob sie erkennt, dass ihre Gefühle nur situationsbedingt waren - darüber kann man sich als Leser am Ende seine eigenen Gedanken machen. Man bekommt verschiedene mögliche (medizinische) Diagnosen. Für mich war die Sache aber zu jeder Zeit eindeutig.

Fazit
"Du liebst mich nicht" ist kein Tatsachenbericht. Das Buch schildert eine erfundene Begebenheit, die sich aber genau so ereignet haben könnte. Chloes Denkweise und das Ausleben ihrer Gefühle für ihren Geiselnehmer sind anstrengend. Die Autorin hat mit ihrem Roman das erreicht, was sie meiner Meinung nach wollte. Der Leser soll und wird erkennen, dass Chloes Gefühle sich aus der Situation ergeben haben und somit nicht echt sind. Dieser Einblick ist Edeet Ravel sehr gut gelungen. Darum eignet sich "Du liebst mich nicht" für alle Leser, die gerne mal Themen lesen, die über den Teller-, bzw. Buchrand, hinausgehen.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Die Chroniken des Magnus Bane (The Bane Chronicles) - E-Book Kurzgeschichten für Cassandra Clare Fans



Cassandra Clare und ihre zwei Autorenkolleginnen, Sarah Rees Brennan und Maureen Johnson, haben ein neues Projekt ins Leben gerufen - Die Chroniken des Magnus Bane. Monatlich wird eine Kurzgeschichte aus dem Leben des Magnus Bane als E-Book veröffentlicht. Insgesamt umfasst die Reihe 10 Geschichten.
Magnus ist allen Lesern der Chroniken der Unterwelt (The Mortal Instruments), sowie der Chroniken der Schattenjäger (The Infernal Devices) bestens bekannt und hat viele Fans. Mit dem Projekt soll seine Person und seine Hintergründe, einfach sein Leben, näher beleuchtet werden. Außerdem konnten es viele Fans nicht erwarten, mehr von dem schrill-liebenswert-eigensinnigen Hexenmeister zu lesen.
Alle Infos auf Englisch zu diesem Projekt gibt es auch auf der Homepage von Cassandra Clare - HIER.

Auch die deutschen Fans, die nicht gerne Englisch lesen, kommen in den Genuss der Chroniken des Magnus Bane. Der Arena Verlag übersetzt die E-Books und veröffentlicht sie für den Kindle und im ePub-Format. Das erste Buch "Was geschah tatsächlich in Peru?" wurde bereits veröffentlicht. Hier die kompletten Titel der Reihe auf Deutsch:

Die Chroniken des Magnus Bane


  • Buch 1: Was geschah tatsächlich in Peru? - April 2013
  • Buch 2: Königin der Ausreißer - Mai 2013
  • Buch 3: Vampires, Scones und Edmund Herondale - Juni 2013
  • Buch 4: Der Aufstieg des Hotels Dumont - Juli 2013
  • Buch 5: Der Niedergang des Hotels Dumont - August 2013
  • Buch 6: Die Rettung Raphael Santiagos - September 2013
  • Buch 7: Unsterbliche können keine Geheimnisse bewahren - Oktober 2013
  • Buch 8: Der Fluch wahrer Liebe (und erster Dates) - November 2013
  • Buch 9: Was braucht ein Schattenjäger, der schon alles hat? - Dezember 2013
  • Buch 10: Der Brief - Januar 2014

Jedes E-Book kostet 2,99 € und kann bei allen bekannten Onlinehändlern heruntergeladen werden.



Mein Eindruck zu Buch 1 -
"Was geschah Tatsächlich in Peru?"
Das erste Buch der Chroniken des Magnus Bane habe ich bereits gelesen - und ich habe es genossen diese Kurzgeschichte über Magnus zu lesen. Das E-Book ist in 4 Kapitel unterteilt (1791, 1885, 1890 und 1962). Man liest also 4 Episoden aus Magnus' Leben, immer bestrebt zu erfahren, warum der Hexenmeister aus Peru verbannt wurde.
Wie die Chroniken der Unterwelt ist das E-Book aus der Sicht von Magnus, im personalen Erzählstil, geschrieben. Des Weiteren trifft man auf Magnus' Freunde Ragnor Fell und Catarina Loss, die man schon aus den anderen Büchern von Cassandra Clare kennt. Da die einzelnen Kapitel in unterschiedlichen Jahren spielen, enthält jedes Kapitel eine eigene kleine Geschichte. Jede hat ihren Reiz; ulkig, ernst, lustig und herzlich - man erkennt Magnus sofort wieder.
Ich muss aber auch sagen, dass man zumindest Teile der Chroniken der Unterwelt (besser auch noch der Chroniken der Schattenjäger) gelesen haben sollte, bevor man zu den Geschichten der Chroniken des Magnus Bane greift. Sonst könnte es passieren, dass man mit dieser Kurzgeschichte und ihren Haupt- und Nebenpersonen - Magnus, Ragnor und Catarina - so gar nichts anfangen kann.
Für alle Magnus Bane Fans sehr zu empfehlen!

Weitere Kurzeindrücke folgen ...

Mittwoch, 15. Mai 2013

"SOUL BEACH - Frostiges Paradies" von Kate Harrison - NEU ab Juni 2013 bei Loewe

Soul Beach: Frostiges Paradies
Band 1,
Hardcover, 352 S., ab ca. 13 J.,
ET 17. Juni 2013,
17,95 € [D]


Meine Schwester ist tot.
Seit vier Monaten und fünf Tagen.
Ermordet.
Heute habe ich eine E-Mail erhalten.
Von ihr.

Als Alice eine E-Mail von ihrer toten Schwester bekommt, hält sie das zunächst für einen schlechten Scherz. Dann folgt jedoch eine Einladung in die virtuelle Welt von Soul Beach, einem idyllischen Strandparadies, wo ihre Schwester Megan seit ihrer Ermordung festsitzt. Unter www.soulbeach.org entdeckt Alice eine völlig neue Welt abseits der Realität, die sie mehr und mehr in ihren Bann zieht. Doch wer steckt hinter Soul Beach und warum herrschen hier solch strenge Regeln? Warum wird der Strand nur von Jungen und Schönen bewohnt? Und warum sind sie alle tot? Wer hat Megan umgebracht? Und könnte Alice das nächste Opfer sein? (Text- und Bildquelle: Loewe Verlag)


Heute wurde die Herbst-Neuerscheinungen des Loewe Verlags veröffentlicht. Eine stach daraus ganz besonders hervor. "Soul Beach: Frostiges Paradies" ist der Start einer neuen Trilogie und auf alle Fälle einen zweiten Blick wert. Ist es ein Thriller? Ist es ein Fantasybuch? Der Klappentext klingt sehr gut, anders und gruselig-spannend. Besonders spricht mit die Schwesternthematik an. Außerdem brennt sich die coole Farbe regelrecht in die Augen.


Dazu präsentiert der Verlag noch den brandneuen Trailer. Schaut selbst: 





Mal wieder habe ich angebissen. Ab auf die Wunschliste damit. Und ihr? Interessiert euch diese Buch? Werdet ihr es lesen?

Dienstag, 14. Mai 2013

Rezension zu "Partials 1: Aufbruch" von Dan Wells




Verlag: ivi by Piper (März 2013)
Originaltitel: Partials
Übersetzer: Jürgen Langowski
Reihe: Band 1/3, ab ca. 14 J.
Ausführung: Hardcover/SU, 512 S.
ISBN: 978-3492702775
16,99 € [D]

Genre: Dystopie

© Cover- und Zitatrechte: Piper Verlag


Das Thema
Im Jahre 2076 sind 99,9 Prozent der Bevölkerung ausgerottet. Die restlichen Menschen haben sich nach Long Island zurückgezogen und sich abgeschottet, da Manhattan von den Partials beherrscht wird. Die Partials, künstliche Soldaten, den Menschen in Kraft und Taktik überlegen, wurden nur geschaffen, um die Menschen in einem großen Krieg zu unterstützen. Danach lehnten sie sich aber auf, griffen die Bevölkerung an und infizierte sie mit dem RM-Virus. Seitdem überlebt jedes neugeborene Kind nur maximal 3 Tage. Wenn kein Mittel gefunden wird, um das RM-Virus zu bekämpfen, stirbt die Menschheit bald komplett aus.
In diesem Chaos leben Kira, eine medizinische Angestellte, und ihre Freunde. Der Senat, der die Regierung von Long Island bildet, will mit dem Zukunftsgesetz zum Schutz der Menschheit bestimmen, dass schon 16-jähre Mädchen jedes Jahr ein Kind zur Welt bringen müssen, um irgendwann ein Heilmittel gegen das Virus zu finden. Doch es gibt auch Gegenstimmen und die Bevölkerung steht am Rande einer Revolution. Kira erkennt, dass es nur weitergehen kann, wenn sie einen Wirkstoff gegen das RM-Virus findet. Doch für ihre Forschungen muss sie nach Manhattan - zu den Partials.

Die Rezension

Künstlich geschaffene Menschen, bzw. Soldaten, die sich gegen die Bevölkerung auflehnen? Das kommt dem erfahrenen Dystopieleser doch sehr bekannt vor. Gerade im Young Adult-Genre sind Assoziationen zu anderen Büchern unumgänglich. Täuschen lassen, sollte man sich allerdings nicht. "Aufbruch" kann man nicht mit bekannten Büchern vergleichen. Die Geschichte geht in eine andere Richtung. Dan Wells setzt hier nicht, wie man genretypisch erwarten könnte, auf Romantik und Tragik, sondern auf Forschung, Action und ein tolles Setting. Leser könnten hier einige Überraschungen erleben.

So geht's los:

Das neugeborene Mädchen 485GA18M starb am 30. Juni 2076 um 6.07 Uhr morgens. Es war drei Tage alt. Seit dem Zusammenbruch betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines menschlichen Säuglings sechsundfünfzig Stunden. Man gab ihnen nicht einmal mehr Namen. - S. 9

Wow! Ein echter Gänsehautstart. Alleine die Vorstellung ist sehr gruselig und kaum zu ertragen, die Situation der Menschen in diesem Roman scheint ausweglos. Nach diesem Start hat man sofort angebissen. Fragen über die Partials stehen im Raum und verlangen nach Antworten. Und immer wieder giert man nach einer Lösung für das Problem der Sterblichkeit bei Säuglingen. Umso mehr wundert es, dass sich die erste Hälfte des Romans dann doch etwas zäh gestaltet. Man wird mit vielen Namen konfrontiert, einen Partial (um die geht es ja schließlich) bekommt man fast 200 Seiten lang nicht zu Gesicht und alle Charaktere überschlagen sich nicht gerade mit Emotionen. Dafür lernt man Kira und das Umfeld, mit dem sie interagiert, recht gut kennen. Es wird zwar nie langweilig, aber ja, der Aufbruch benötigt schon einen gewissen Lesebiss. Dranbleiben lohnt sich aber! Die zweite Hälfte des Buches führt den Wow-Effekt vom Anfang fort.

Kira ist eine taffe Hauptprotagonistin. Ihr Durchsetzungsvermögen und das Festhalten an ihrem Ziel, trotz tödlichen Gefahren, gefallen sehr gut. Insgesamt fällt auf, dass man die Protagonisten beim Lesen wie aus der Ferne betrachtet. Sie drücken zwar Emotionen aus, haben Angst, weinen, empfinden Freude, Mitleid, usw., eine direkte Beziehung zu ihnen fehlt. Wenn man sich an diesen Stil gewöhnt hat, erscheint er aber nicht mehr als Schwäche.
Wer viele Jugenddystopien liest, erwartet natürlich die Integrierung einer Lovestory. Hier hält sich Dan Wells (noch) sehr zurück. Kira hat zwar eine Beziehung mit Marcus, mit dem man aber nicht recht warm wird. Andere Möglichkeiten für Kira - es gibt mindestens zwei - malt man sich aus, hofft vielleicht sogar darauf, doch auch hier setzt der Autor (noch?) nicht an. Dieser Trilogieauftakt ist also eher unromantischer Natur.

Zum Pageturner wird das Buch, sobald dann tatsächlich die Partials ins Spiel kommen. Man wird mit Gefühlen konfrontiert, die man zuvor von der Story gar nicht erwartet hätte. Das wundervolle Setting, vor der zerstörten Kulisse von New York City, passt sehr gut zur spannenden Handlung. Es gibt mehrere Ortswechsel und Wendungen, an die man nicht mal im Traum gedacht hätte. Der Storyaufbau und -verlauf erinnert sehr an einen epischen Roman, der bis ins kleinste Detail durchdacht ist. Insgesamt ist das Buch durch und durch handlungsorientiert. Es gibt ein Ziel, bzw. Zwischenziele, und die Charaktere machen sich auf den Weg, um zur angestrebten Lösung zu gelangen.
"Aufbruch" enthält am Ende eine Zwischenlösung, die gut gewählt ist, und dem Buch einen gewissen Abschluss gibt. Doch nach den 500 Seiten ist man definitiv auf dem Geschmack gekommen und in Aufbruchstimmung für Band 2.

Das persönliche Fazit
Dieses Buch geht seinen eigenen Weg. Wer meint, dass er hier eine Story serviert bekommt, die ähnlich bereits veröffentlichten YA-Dystopien ist, der irrt sich. "Partials 1: Aufbruch" hatte mich erst ab der zweiten Buchhälfte auf seiner Seite. Dann aber komplett. Trotz etwas emotionslosen Charakteren hat das Buch eine tolle Story mit viel Spannung und interessanten Ideen. Sogar die medizinischen Parts, zur Erforschung des RM-Virus, waren plausibel und gut zu lesen. Vollkommen überrascht wurde ich dann von einer Wendung, die ich nicht einmal in Erwägung gezogen hatte. Wer gerne aufwändige und durchdachte Dystopien liest, kann direkt zu seinem bevorzugten Buchhändler aufbrechen. "Aufbruch" wartet! 4 Sterne.
Handlung: 4 / 5
Charaktere: 3,5 / 5
Lesespaß: 4 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5

© Damaris Metzger, damarisliest.de

Freitag, 10. Mai 2013

Review zu "Dein Blick so kalt" von Inge Löhnig




Arena (Januar 2013),
Klappenbroschur, 368 Seiten,
12,99 € [D]


Das Praktikum in einer Werbeagentur war Lous großer Traum. Doch der entpuppt sich schon bald als Albtraum: Lous Mitpraktikantin ist eine Oberzicke, ihr Chef ein Grabscher. Dennoch gibt Lou nicht auf, auch nicht, als sie eines Tages eine unheimliche E-Mail erhält. Jemand will sie fertig machen, soviel steht für sie fest. Jemand, der nicht davor zurückschreckt, ihr die Bestattungsanzeige eines ermordeten Mädchens zu schicken. Mehr und mehr hat Lou das Gefühl, beobachtet zu werden. Doch außer Lysander, dem süßen Typen, den sie beim Grillen an der Isar kennenlernt, nimmt niemand ihre Angst ernst. Bis Lou eines Tages verschwindet. (Text- und Bildquelle: Arena Verlag)


Meine Meinung
Über neue Jugendthriller des Arena Verlags freue ich mich immer sehr. Das Böse hat seine guten Seiten, wie der Verlag so schön wirbt. Bei den Arena Thrillern trifft dieser Slogan komplett ins Schwarze. Die Jugendthriller sind einfach besonders gut. Mit den X-Thrillern wird, was Spannung, Umfang und Anspruch betrifft, nochmals etwas nachgelegt. Damit sprechen die X-Thriller ein etwas älteres Zielpublikum an. Wer gerne Jugendthriller liest, ist hier also bestens bedient. Dennoch gehört "Dein Blick so kalt" für mich zu den seichteren Vertretern der Reihe X-Thriller, vor allem, was die Spannung betrifft. Die Bezeichnung Krimi würde hier wohl besser passen.

Im ersten Drittel lernt man die Hauptprotagonistin Lou sehr gut kennen. Die Geschichte wird im personalen Erzählstil, meist aus der Sicht von Lou, erzählt. Nur selten sind kurze Kapitel aus der Sicht des Mörders eingeschoben, die sein Wesen und seine vorangegangene Tat näher beleuchten.
Man weiß ab Beginn, dass in München ein Mord passiert ist, und das ist ein weiterer Grund, warum sich Lous Eltern so vehement gegen ein Praktikum ihrer Tochter dort stäuben. Trotzdem geht es anfangs vor allem um Lous Teenager-Probleme, mit vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen, zu Hause. Dabei ist Lou mitunter sehr bockig und unehrlich ihren Eltern gegenüber. Sie ist sehr offensiv und möchte immer ihren Willen durchsetzen. Jugendliche werden sich in dieser Lebensphase sicher wiederfinden, auf erwachsene Leser wirkt Lous Verhalten teils nervig.

Die Spannung steigt etwas, als Lou in München ankommt und ihr Praktikum beginnt. Der grabschende Chef und die oberzickige Mitpraktikantin sind sehr gut dargestellt, genau wie Lous taffe Reaktionen auf die beiden. Mit unheimlichen Vorkommnissen streut die Autorin gekonnt verschiedene Hinweise auf mögliche Täter. Man ist sich nicht sicher, wer als Mörder in Frage kommt, da hier mehrere Möglichkeiten zur Auswahl stehen. Ausschließen kann man keine der genannten Personen.
Die Lovestory, die sich zwischen Lou und Lysander (toller Name!) anbahnt, hält sich dezent im Hintergrund, ist aber wichtig für den Verlauf der Geschichte.

Nach einem Vorfall in der Webeagentur, Lous Chef betreffend, bricht dieser Handlungsstrang beinahe abrupt ab. Warum erfährt man nicht, wie es mit Lous grabschendem Chef weitergeht? Nachdem Lou ihre Konsequenzen aus der Sache gezogen hat, ist von ihm und der zickigen Mitpraktikantin plötzlich keine Rede mehr. Gerade dieser Storyverlauf wäre für mich sehr interessant gewesen.
Lous taffes Wesen kommt ihr vor allem zugute, als sie vom Mörder entführt wird. Denn das Mädchen verhält sich absolut nicht so, wie es von ihm gewünscht und erwartet wird. Leider hielt sich die Spannung auch im letzten Buchdrittel, wenn es richtig zu Sache geht, nur im unteren Bereich. Sehr schade fand ich, dass Lou und ihr Entführer immer getrennt voneinander agieren. Selbst im Versteck wird Lou nur von außen beobachtet. Beide werden nie direkt miteinander konfrontiert, es scheint als koche jeder sein eigenes Süppchen.
Auch dieser X-Thriller ein jugendgerechtes Ende und eine abgeschlossene Handlung.

Fazit
"Dein Blick so kalt" ist ein ansprechend geschriebener X-Thriller, der vor der toller Kulisse Münchens spielt. Alle Personen sind glaubhaft, die Geschichte sehr geradlinig. Trotzdem vermisste ich hier etwas die bei einem X-Thriller obligatorische Spannung und die Fortführung eines für mich total interessanten Handlungsstrangs, weshalb dieser Jugendthiller zu den schwächeren seines Genre zählt. Darum würde ich persönlich den Roman eher als Krimi bezeichnen und ihn in die Sparte Arena Thriller, für jüngere Leser, einordnen. Gewohnt schnell und gut zu lesen, ist der Roman für jüngere Krimileser empfehlenswert.

© Damaris Metzger, damarisliest.de

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