Montag, 22. Mai 2017

Auf die Wunschliste! - Neuerscheinungen im Juni 2017

Die Leipziger Buchmesse gibt das Startsignal für das Herbst-/Winterprogramm der Verlagswelt. Die meisten Verlage habe ihres bereits veröffentlicht, und so beginnt für mich das große Stöbern für die zweite Jahreshälfte. Zuvor scheint der Juni mir aber noch eine kleine Ruhepause zu gönnen. Gut so, denn ungelesene Bücher habe ich viele. Sechs Juni-Neuerscheinungen wandern trotzdem auf meine Wunschliste.


(High) Fantasy - Dystopie - Liebe - Spannung

(erhalte genaue Buchinfos mit einem Klick auf das jeweilige Cover)


  

Die Königin der Schatten: Verbannt von Erika Johansen ... ist der Abschlussband über Kelsea Glynn, die Herrscherin von Tearling, die sich nun in der Hand ihrer größten Feindin befindet. Die High-Fantasy-Geschichte mit dystopischen Wurzeln ist wirklich großartig, Band 3 darum auch ein Muss!
Glücksspuren im Sand von Rachel Bateman ... klingt wie eine schöne und ergreifende Sommergeschichte. - Anna findet eine Liste ihrer verstorbenen Schwester Storm, mit Dingen, die sie in einem perfekten Sommer unbedingt tun soll. Immer dabei ist Cameron, der Nachbarsjunge, und ehemals bester Freund von Storm. Ist er der Schlüssel zu Annas neuem Glück?
Die Seele meiner Schwester von Trisha Leaver ... Ich habe den Eindruck, dass Bücher über Schwestern immer wieder gut ankommen und sich jenseits jedem Trend positionieren. Auch ich mag diese Geschichten sehr. - Die Zwillinge Ella und Maddy sind äußerlich völlig gleich, innerlich aber grundverschieden. Nach einem Streit ereignet sich ein tragischer Unfall, Maddy stirbt. Ella erwacht im Krankenhaus und wird von allen für Maddy gehalten. Um niemanden zu enttäuschen, nimmt sie deren Identität an.


  

Nemesis: Geliebter Feind von Anna Banks ... ist der Starttitel einer romantischen Fantasy-Dilogie. Es geht um Prinzessin Sepora, die auf der Flucht ist, weil ihr Vater, mithilfe ihrer einzigartigen Gabe, der Alleinherrscher über alle Königreiche sein will. Sie gibt sich als Dienerin an einem feindlichen Königshof aus ... und verliebt sich in den jungen König Tarik. Kling gut!
Sakura: Die Vollkommenen von Kim Kestner ... erschien bereits als Digi:tales-E-Book und ist im Juni nun auch als Hardcover verfügbar. - Juri will die dunkle Höhle, in der sie ihre Leben lang hausen musste, um jeden Preis verlassen. Als der Kaiser zur "Blüte" aufruft, schmuggelt sie sich, als Junge verkleidet, und obwohl sie nicht makellos genug für eine Teilnahme ist, unter die Probanden. Doch der Sohn des Kaisers wird auf sie aufmerksam.
Was andere Menschen Liebe nennen von Andrea Cremer und David Levithan ... interessiert mich, alleine weil David Levithan auf dem Cover steht. - Der 16-jährige Steven ist seit Geburt unsichtbar, weil ein Fluch auf ihm lastet. Er lebt ganz alleine in einem Hochhaus in New York City. Plötzlich zieht dort Elizabeth mit ihrer Familie ein, und es passiert etwas unglaubliches. Elizabeth kann ihn sehen.


Auf die Wunschliste!
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Sonntag, 21. Mai 2017

"Fast eine Familie" von Bill Clegg



Das Thema
Am Morgen der Hochzeit ihrer Tochter geht June Reids Haus in Flammen auf und reißt ihre ganze Familie in den Tod. Nur June überlebt. Taub vor Schmerz, zieht sie sich in ein kleines Motel an der Westküste zurück. Während das Kleinstadtgerede, das June hinter sich lässt, langsam die Wahrheit über das verheerende Feuer hervorbringt, spannt sich unter June unbemerkt ein Netz wahrer Mitmenschlichkeit - es könnte sie auffangen und zurück ins Leben holen.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: S. FISCHER


Sie wird gehen. In ihren Subaru Kombi steigen und die kurvigen Landstraßen mit den vielen Schlaglöchern entlangfahren, bis zum Highway, dann weiter, nach Westen, weg von hier. Sie wird so lange und so weit fahren, wie sie kann, ohne Pass, denn ihren Pass gibt es nicht mehr. Den Führerschein auch nicht. Alles, was sich im Haus befunden hat, gibt es nicht mehr. - June, S. 14


Das Leseerlebnis
Nachdem ich den Klappentext von "Fast eine Familie" gelesen hatte, war es um mich geschehen. Ich musste dieses Buch lesen! Bei der Geschichte, einer Tragöde, interessierte mich vor allem die Umsetzung. Und doch war es ein Zitat von Anne Enright, das mir die Erzählung schon vor dem Lesen näherbrachte. Sie bescheinigt dem Buch Optimismus und viel Mitgefühl, deren Macht aus den Trümmern des Schicksals herausziehen kann. Diese Kombination aus Drama und Einfühlungsvermögen fesselte mich dann auch an die Seiten.

June Reid würde sich selbst wohl als die unfreiwillige Hauptperson des Romans bezeichnen. In einer einzigen Nacht, der Nacht vor der Hochzeit ihrer Tochter, verliert sie ihre ganze Familie. Ihren Lebensgefährten, den Exmann, ihre Tochter und den zukünftigen Schwiegersohn. Alle waren im Haus, als es in Flammen aufging, einzig June war im Garten. Doch warum? Das ist anfangs nicht so wichtig. Fakt ist, dass June die Anteilnahme, die neue Lebenssituation - vor allem aber den Schmerz - nicht mehr ertragen kann. Sie setzt sich in ihr Auto, fährt bis ans westlichste Ende des Landes und quartiert sich dort in einem Motel ein. Sie spricht (fast) nichts, isst (fast) nichts, verliert sich selbst komplett in ihrem Schmerz. Zum Glück wird ihr von jemandem die Hand gereicht, von dem sie es überhaupt nicht erwartet hätte.

Von Bill Cleggs Art zu schreiben, war ich tief beeindruckt. Er hat ein Mitempfinden in seinem Stil, ein Einfühlungsvermögen, das ich nur erwarten würde, wenn jemand eine solche Tragödie schon selbst erlebt hat. Dabei wirkt seine Erzählweise eher nüchtern, kommt ohne Kitsch und Pathetik aus.

Die Geschichte selbst ist nicht linear angelegt, vielmehr ist sie ein Puzzle aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Manche Personen treten häufiger in Erscheinen, andere nur ein Mal. Dadurch erfährt man gegen Ende, was sich tatsächlich ereignet hat. Vorher gilt es aber noch diverse Personen zu sortieren und ihr Leben oder Sicht der Dinge zu einem großen Ganzen, das natürlich mit June und ihrer toten Familie zusammenhängt, zusammenzusetzen. Da der Autor hier auch bezüglich Kleinigkeiten sehr ins Detail geht, erschienen mir einige Kapitel etwas lang, vielleicht sogar manchmal zu informativ. Andererseits ist das Buch sehr umfassend. Am Ende war ich vom Gesamtbild, das sich ergab, sehr ergriffen.

Das Fazit
Das Drama "Fast eine Familie" hat mich durch die einfühlsame Erzählung, die komplett ohne pathetischen Kitsch auskommt, berührt und nicht mehr losgelassen. Durch viele verschiedene Sichtweisen, die sich wie einzelne Puzzleteile zusammensetzen, entsteht eine umfassende Geschichte. Zuweilen erscheint sie etwas zu detailliert, zu hintergründig informativ, entwickelt aber eine Dynamik, die bei aller Tragödie ein optimistisches Mitgefühl ausstrahlt, mit dem sich am Ende bei mir eine hoffnungsvolle Zufriedenheit einstellte. 4 von 5 Sterne gibt es dafür.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


S. FISCHER (Februar 2017) - Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten - 22,00 € [D]
Originaltitel: Did you ever have a family - Übersetzt von Adelheid Zöfel

Mittwoch, 17. Mai 2017

"Das Buch der Gefühle" von Tiffany Watt Smith



Das Thema
Endlich haben wir Worte für all unsere Emotionen
Manche Gefühle sind überwältigend, der Schrecken, wenn das Auto ins Schleudern gerät, oder die Euphorie, wenn man sich verliebt hat. Andere sind flüchtiger. Wenn Sie eine Überraschung für einen geliebten Menschen planen, empfinden Sie Vorfreude, aber auch eine leichte Angst. Was, wenn das Geschenk nicht gefällt? Oder: das kurze Behagen, wenn wir im Supermarkt nach einer vertrauten Ware greifen. Und dann gibt es Gefühle, vor denen wir am liebsten davonlaufen würden: die Eifersucht, die einen dazu bringt, die Taschen des Partners zu durchwühlen, oder die Scham, die sich zur Selbstzerfleischung steigern kann.

Eine weltweite Suche
Viele Hirnforscher meinen, dass sich die menschlichen Gefühle auf sechs oder acht Empfindungen reduzieren lassen. Das ist viel zu wenig, meint Tiffany Watt Smith. Und so geht sie weltweit auf Suche. Plötzlich bekommen auch bei uns unbenannte Emotionen einen Namen und eine Geschichte.

© Klappentext-, Cover- und Zitatrechte: dtv Verlagsgesellschaft


AMAE - Die meisten von uns möchten sich gern von Zeit zu Zeit in die Arme eines geliebten Menschen werfen, um sich verwöhnen und trösten zu lassen. Dieses zeitweilige Sich-Fallenlassen in absoluter Sicherheit ist unglaublich belebend und wichtig. Das Gefühl, das es uns verschafft, ist in unserer Sprache nicht mit einem Begriff zu beschreiben, aber Japaner kennen es als amae (ausgesprochen: ah-ma-eh). - S. 35


Das Leseerlebnis
Ein Sachbuch liest sich oft interessant, aber auch recht trocken und nüchtern. Dementsprechend waren meine Erwartungen, als ich zum ersten Mal "Das Buch der Gefühle" in der Hand hielt. Autorin Tiffany Watt Smith widmet sich hier ganz den menschlichen Gefühlen - sehr bekannten, uns vertrauten, aber auch solchen, von denen die meisten garantiert noch nie gehört haben. Aus anfänglichem zaghaften Blättern, wurde bei mir schnell echtes Interesse, das kurz darauf in Begeisterung umschlug. "Das Buch der Gefühle" ist ein Sachbuch und gleicht einer Enzyklopädie -einem Nachschlagewerk -, liest sich aber wie ein Roman. Es ist informativ, amüsant und qualitativ hochwertig.

Das Buch ist wie ein Nachschlagewerk aufgebaut. Zu allererst findet man ein Register, ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis mit allen thematisierten Gefühlen. So findet man auch später ganz leicht die gesuchte Emotion. Auffällig ist hier, dass uns bekannte oder gängige Gefühle (z.B. Freude, Neid, Kränkung, Liebe, ...) normal geschrieben sind, während fremde Gefühle, oder solche für die es in unserer Sprache keine Bezeichnung gibt (z.B. Amae, Malu, RingxietyWarm Glow, ...), in Kursivschrift dargestellt sind.
Die Autorin erzählt in einer Einleitung von Emotionen im Allgemeinen, und dem Sammeln derselben. Dass es gar nicht so leicht ist, Emotionen in Kategorien zu quetschen. Sie erhebt bei diesem Buch kein Anspruch auf Vollständigkeit. Mir selbst würde aber keine einziges Gefühl, keine noch so kleine Emotion, einfallen, die in diesem Buch nicht erwähnt ist. Der Gebrauch ist ganz einfach. "Das Buch der Gefühle" kann von vorne bis hinten, also in alphabetischer Reihenfolge, gelesen werden. Oder man blättert durch das Buch und liest den Eintrag, den man entdeckt und der gerade interessiert. Über Querverweise lernt man Gefühle kennen, die mit den bereits gelesenen verschmelzen oder sich überschneiden.

Die Sammlungen der einzelnen Gefühle sind als kurze Geschichten, Essays oder Anekdoten angelegt. Mit diesen wird die entsprechende Emotion, ihre Herkunft, und vor allem Bedeutung, verdeutlicht. Das ist nicht nur herrlich informativ und interessant, es macht unheimlich viel Spaß, sich durch die verschiedensten Gefühle zu lesen. Ich habe keines entdeckt, das uninteressant oder trocken erklärt wurde. Jeder weiß, was Dankbarkeit, Entzücken oder Wut bedeutet - und wird während des Lesens trotzdem noch viel Neues über diese Emotionen entdecken. Besonders interessant sind jedoch die Gefühle, für dir wir in unseren Sprachraum keine eigenes Wort kennen ...

Ringxiety
... ist ein eingebildetes Handyklingeln. Ein Angstgefühl, das und glauben lässt, unser Telefon habe geklingelt, was jedoch nicht der Fall ist.

Warm Glow
... ist das Gefühl, das spontane Nettigkeiten anderen gegenüber verschaffen, eine Art Selbstzufriedenheit oder ein Gefühl der Solidarität (-> einer Mutter mit Kinderwagen helfen, jemandem eine Einkaufstüte tragen, usw.)

Mudita
... bezeichnet das Erleben von Freude, nicht von Neid oder Groll, wenn man vom Glück anderer hört. Es ist also eine Art Empathie.

Das Fazit
"Das Buch der Gefühle" ist ein Sachbuch, mit dem ich mich rundum wohlgefühlt habe. Nicht nur, weil es sich liest wie ein Roman, es ist dazu noch unglaublich informativ, stellenweise sehr erheiternd oder einfach nur beeindruckend. Es ist ein umfassendes Nachschlagewerk, das man am Stück verschlingen kann oder nach Lust und Laune einzelnen Gefühlen auf den Grund geht. Und dabei lernt man auch noch eine Menge über sich selbst. Für mich wurden Gefühle und Emotionen nie deutlicher dargestellt. 5 von 5 Sterne gibt es dafür!


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


dtv Verlagsgesellschaft (April 2017) - Sachbuch - Hardcover, 384 Seiten - 22,00 € [D]
Originaltitel: The Book of Human Emotions - Übersetzt von Birgit Brandau