Donnerstag, 19. Januar 2017

"Wir beide in Schwarz-Weiß" von Kira Gembri



Das Thema
Kris ist Studentin und nimmt an einem Kunstwettbewerb teil. Mit ihren Performance-Aktionen stößt sie manche Menschen ganz schön vor den Kopf. Doch das nimmt sie gerne in Kauf, schließlich will Kunst erlebt werden.
Auch Alex stößt Menschen vor den Kopf, aber eher unfreiwillig und unausweichlich. Denn Alex denkt ausschließlich in Extremen, und bringt damit die Welt von Freunden und Bekannten immer wieder durcheinander.
Als die beiden aufeinandertreffen stellt sich nicht so sehr die Frage nach der Anziehung, sondern danach, ob diese Beziehung funktionieren kann. Alex' Schwarz-Weiß-Denken provoziert Streit und Unsicherheit. Damit bringt er auch Kris in Gefahr.

© Cover- und Zitatrechte: Arena Verlag


"Ach, und was wird das, wenn's fertig ist? Ein beknacktes soziales Experiment?"
"Aber nein", entgegnet sie und zieht die Mundwinkel hoch. "Kunst!"
Ehe ich ihr raten kann, diesen Scheiß gefälligst in eine Fußgängerzone zu verlegen oder meinetwegen auch in ein Museum, hat sie sich schon an mir vorbeigedrängt. Nur zwei Sekunden später ist sie samt Umhängetasche, wirbelnden Haaren und Katzenlächeln zur Tür hinaus.
- Alex, S. 9


Das Leseerlebnis
Ich liebe die Bücher von Kira Gembri! Jedes gelesene - und es sind fast alle -, hat mich überzeugt. Das mit der Begeisterung ist zwar schön und gut, bringt aber auch sehr hohe Erwartungen mit sich. Bei jedem aktuellen Buch bin ich mir sicher, dass es wieder ein Hit für mich wird. Und wenn nicht? Kaum vorstellbar, denn "Wir beide in Schwarz-Weiß" war wieder wahnsinnig gut. Spontan dazu gegriffen, waren ebenso spontan die ersten 100 Seiten inhaliert, inklusive lautem Lachen und zufriedenem Seufzen.

Die Geschichte spielt im gleichen Umfeld wie auch schon "Wenn du dich traust". Alex wohnt mit Jay und Flocke in einer WG. Bis er Kris kennenlernt, die sein schwieriges Leben noch eine Stufe chaotischer macht. Ich möchte vorausschicken, dass man das Buch völlig eigenständig lesen kann. Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig.
Sprachlich ist "Wir beide in Schwarz-Weiß" eher offensiv, zumindest Alex' Part, manchmal provokant-umgangssprachlich. Das erinnert an amerikanische New Adult-Romane, deren deutsche Übertragung nicht immer eins zu eins gelingt, ohne dass es es lächerlich wirkt. Die Autorin hat hier einen guten Weg gefunden, ihre Geschichte jugendlich-frech und flott zu schreiben, ohne dass sie an Ausdruck verliert. Das Lesen macht so richtig viel Spaß!

Mit Alex und Kris hat man es mit zwei außergewöhnlichen Charakteren zu tun, die herausstechen. Sie erzählen die Geschichte abwechselnd, mit äußerst kreativen Erkennungsmerkmalen. Kris ist lustig und schlagfertig, voller verrückter Ideen. Ihr Familienhintergrund ist liebevoll-antiautoritär aber problematisch. Das bietet Alex eine große Angriffsfläche. Er ist so ein toller Junge ... und wirkt gleichzeitig wie eine tickende Zeitbombe. Ein "falsches" Wort von Kris und er rastet aus. Auf ihm liegt auch der Hauptfokus, das Grundthema des Buches. Alex ist ein schwieriger und gleichzeitig sehr reizvoller Charakter. Er polarisiert stark, schürt aber ein ebenso großes Verständnis.

So hat das Buch eine dramatische Komponente, ist aber auch herrlich prickelnd und humorvoll. Meiner Meinung nach ist die Kombination von einem (nicht alltäglichem) Problemthema, gefühlvoller, niemals kitschiger Romantik und Humor ein Markenzeichen der Autorin. Ebenso ihre "Schwäche" für originelle und treffsichere Happy Ends.
Gegen Ende wurde mir die Handlung etwas zu aufgeregt und forciert spannend, jedoch noch im Rahmen dessen, was möglich wäre. Die Lesefreude trübt das nicht, das Buch ist ein erstaunliches Erlebnis.

Das Fazit 
"Wir beide in Schwarz-Weiß" hat eine äußerst farbige Geschichte, die ich immer wieder lesen könnte und die mich jedes Mal erneut begeistern würde. Das Thema ist außergewöhnlich gut, die offensiv-akzentuierte Sprache macht Spaß und die Charaktere sind erstklassig. Dazu gehören die Bücher der Autorin zu den unterhaltsamsten überhaupt. Auch dieses! Das ergibt 5 von 5 großartigen Sternen.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Arena Verlag (Oktober 2016) - Hardcover mit Schutzumschlag, 328 Seiten - 14,99 € [D]
- ab ca. 14-17 Jahren

Sonntag, 15. Januar 2017

Dieses Buch bleibt im Regal #28

Eine Aktion von Damaris liest.
Viele Leser sammeln ihre Bücher. Die Regale werden voller, der Platz immer weniger. Einige können sich von keinem Buch trennen, andere geben ihre Bücher auch gerne mal weiter. Zu letzterer Sorte gehöre ich. Natürlich gibt es aber Bücher, die für immer in meinem Regal bleiben. Entweder, weil sie echte Herzensbücher sind, und ich sie (theoretisch) auch mehrfach lesen würde, oder, weil sie für mich einen ideellen Wert haben, ich mich darum niemals trennen mag. Eines dieser Bücher möchte ich hier - ein Mal im Monat - vorstellen. Denn sie verdienen eine besondere Beachtung.


Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt


"Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt" von Andrea Schacht - 17,99 € (HC) - Egmont INK/LYX

"Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt" ist der erste Teil einer Dilogie von Andrea Schacht. Der Zweiteiler ist die erste Jugenddystopie der Autorin. Das Buch hat mich damals besonders gereizt, weil es eine Dystopie aus deutscher Feder ist. Das war zu dieser Zeit eher die Ausnahme. Meine vollständige Rezension zum Buch findest du hier.

Kyria lebt in New Europe, NuYu, im Jahr 2125. Das Land wird vollständig überwacht und von Frauen regiert, alles geschieht zum Wohle der Bürger. Doch Kyria, Tochter einer hochrangigen Politikerin, möchte wissen wie es ist, frei zu sein. Als sie die Gelegenheit bekommt, flieht sie mit dem Rebellen Reb aus NuYu in ein fernes Reservat an der Küste. Dort haben sich die Menschen ein altes, bäuerliches Leben bewahrt. Doch schon bald sind die Verfolger Kyria und Reb auf der Spur.

Ich kann mich noch gut an die Geschichte erinnern. Denn ich schrieb während der ersten 100 Seiten einer Bücherfreundin, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich das Buch so wie es ist lesen kann, bzw. will. Mich störten die Namen, vor allem aber die kurzen Sätze und die abgehackte Kommunikation. Ich empfand das Buch, bzw. die Geschichte als "komisch". Im Gegensatz dazu mochte ich die Elitezicke Kyria und den Rebellenlümmel Reb sehr gerne. Sie sind beide keine Charmebolzen, sind voneinander sehr genervt, streiten und triezen sich die ganze Zeit. Irgendwann drehte sich meine Meinung aber komplett, und ich begann gerade diese spezielle Art der Kommunikation sehr zu schätzen. Wortspiele (z.B. Kyrias "Kann nicht!" und "Will nicht!") wurden zum Running Gag. Ich habe das Buch nur noch genossen, fand es sehr amüsant, spannend und einzigartig. Es ist wirklich besonders, und ich werde "Bis ans Ende der Welt" und den Nachfolger "Die Rückkehr" immer in Ehren halten.






Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet jeweils am 15. des Monats statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse mir hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später (du hast immer einen ganzen Monat Zeit, bevor die nächste Runde startet) - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.

Freitag, 13. Januar 2017

"To all the boys I've loved before" von Jenny Han



Das Thema
Lara Jean hat eine tolle Familie, bei der Zusammenhalt großgeschrieben wird. Hier kann sie so sein wie sie ist. Das kann man von ihrem Liebesleben nicht behaupten. Lara Jean war zwar schon öfter verliebt, traut sich aber nicht aus ihrer Haut. Vor allem nicht, wenn es um den Freund ihrer Schwester geht, denn der ist natürlich tabu. Stattdessen schreib sie jeweils einen Abschieds-Brief an ihren aktuellen Schwarm, schickt ihn jedoch nicht ab, sondern verwahrt ihn in einer alten Hutschachtel als Erinnerung. Bis zu dem Tag, als plötzlich alle fünf Briefe an die entsprechenden Empfänger geschickt werden. Aber nicht von Lara Jean selbst ...

© Cover- und Zitatrechte: Carl Hanser Verlag


"Nein. Ich mag Tommy. Das war's nicht. Aber wenn etwas auf einmal ganz real wird, das kann einem Angst machen. Wenn man nicht nur an jemanden denkt, sondern ihn auf einmal leibhaftig vor sich hat. Mit all seinen Erwartungen und Wünschen. [...] Selbst wenn ich einen Jungen richtig gern mochte, ihn sogar liebte, war ich doch immer lieber mit meiner Schwester zusammen. Da weiß ich, dass ich da hingehöre." - S. 193/194


Das Leseerlebnis
Eine Zeit lang, und auch heute noch, konnte man "To all the boys I've loved before" häufig in den Sozialen Netzwerken der Englischleser sehen. Die Meinungen waren überwiegend positiv, viele Leser sehr begeistert. Spätestens als das Buch auf Deutsch - mit gleichem Titel und dem wunderbaren Cover - erschien, war klar, dass ich es lesen möchte. Das Buch war anders als erwartet und trotzdem genau richtig.

Das Thema verspricht einiges an Turbulenz. Lara Jean schreibt Liebesbriefe an Jungs, für die sie schwärmt, schickt sie aber nicht ab. Doch plötzlich erreichen alle Briefe auf mysteriöse Weise ihre Empfänger. Welch ein Chaos! Und genau hier wunderte ich mich während des Lesens schon etwas, denn so chaotisch-turbulent wie gedacht wird es nämlich nicht. Stattdessen reagieren die Angesprochenen nämlich recht lässig, und Lara Jean verstrickt sich auch nicht irgendwelche Ausflüchte. Diese Offenheit nimmt zwar etwas Brisanz aus der Geschichte, ich persönlich fühlte mich damit aber immer sehr wohl, viel wohler als mit Lügengebilden.

Lara Jean ist eine ganz süße und herzliche Persönlichkeit - auf eine etwas verquere Weise, wie schon ihr Kindheitsfreund Peter feststellt. Sie ist leicht nerdig, aber sehr natürlich. Ihre Gedanken und Gefühle werden von der Autorin perfekt wiedergegeben. Sprachlich hat mich das Buch sehr entzückt. Es geht auch nicht nur um die Sache mit den Briefen, sondern um Lara Jeans Familie, ihre Beziehung zueinander und der Konfrontation mit Veränderungen, als z.B. die ältere Schwester auszieht.

Die Geschichte hat etwas ganz Eigenes und ist auf eine feine Art humorvoll. Dennoch hätte sie ruhig noch ein bisschen spritziger und offensiver sein dürfen. Wer die Briefe heimlich abgeschickt hat, war für mich nicht sehr überraschend. Hier hatte ich von Anfang an einen Verdacht, der sich auch bestätigte. Das machte aber gar nichts, denn das ist für die Geschichte nicht von Vor- oder Nachteil. Überraschend war dann aber, wie sich Lara Jeans Lovestory entwickelt. Die Geschichte geht nämlich in eine andere Richtung als angenommen. Sehr schön!
Wer offene Enden mit eigener Meinungsbildung mag, der kann "To all the boys I've loved before" als Einzelband lesen. Die Geschichte ist aber mittlerweile eine Trilogie und wird Anfang 2017 mit Band 2 fortgesetzt.

Das Fazit
"To all the boys I've loved before" ist ein zeitgenössischer Jugendroman zum Wohlfühlen und Eintauchen. Die Geschichte ist sehr ausgewogen, nicht so turbulent wie das Thema vermuten lässt, zudem leicht humorvoll und sprachlich top. Lara Jean verstrickt sich weniger in Liebeschaos als gedacht, hat dafür ein einprägsames Familienleben. Sie ist wirklich sehr süß und liebenswert, aber nicht kitschig. Das macht das Buch, neben einer gewissen Eigenheit, sehr natürlich. 4 von 5 Sternen vergebe ich hier.


© Damaris Metzger, www.damarisliest.de


Carl Hanser Verlag (Juli 2016) - Band 1/3 - Klappenbroschur, 352 Seiten - 16,00 € [D]
Originaltitel: To All the Boys I've Loved Before - Übersetzt von Birgitt Kollmann - ab ca. 13-16 Jahren



Reiheninfo Lara Jean-Trilogie:

Band 1 - To all the boys I've loved before
Band 2 - P.S. I still love you
Band 3 - Always and Forever, Lara Jean - ET 2017 Englisch